Aus Stadt und Land.
Gießen, 20. Oktober 1900.
** Ein frecher Bettug, der zu Anfang dieses Monats beim Hauptpostamt Leipzig ausgeführt wurde, ist namentlich für Abholer von Postsendungen von besonderem Interesse. Ein unbekannter junger Mann, der bis jetzt nicht ermittelt werden konnte, hat am Schalter die Postsachen einer Firma, die ihre Postsachen am Postschalter abholt, sich aushändigen lassen, die erforderlichen Unterschriften des Firmeninhabers gefälscht und dann auf Grund der von ihm abgeholten und quittierten Postanweisungen die Geldbeträge in Höhe von 800 Mk. in Empfang genommen. Die geschädigte Firma hat den Schaden allein zu tragen, da weder die Postverwaltung noch der Ausgabebeamte zur Ersatzleistung herangezogen werden kann, weil die abholende Firma von der Einrichtung der Aushändigung gegen Legitimationskarte keinen Gebrauch gemacht hat. Der Ausgabebeamte war daher nicht in der Lage, zu prüfen, ob der betreffende junge Mann auch von der Firma zum Abholen der Postsachen beauftragt war. Eine Prüfung der Echtheit der Unterschrift ist natürlich beim Abholen erst recht nicht möglich.
•* Berechtigungsnachweise für Rentenempfänger. Die bisher übliche Ausfertigung besonderer Berechtigungsausweise für Rentenempfänger ist fortan nicht mehr erforderlich. Nach den am 1. Oktober in Kraft getretenen neuen Unfaü- gesetzen genügt es, wenn die Rentenempfänger sich durch Vorzeigung der schriftlichen Bescheide der Versicherungsanstalten bei den Postämtern als Empfangsberechtigte ausweisen. Eine weitere Erleichterung im Rentenzahlverkehr ist dadurch herbeigeführt worden, daß kleinere Rentenbezüge jetzt zumteil nicht mehr monatlich, sondern vierteljährlich im Voraus gezahlt werden. Diese Einrichtung ist namentlich wertvoll für Rentenempfänger, die auf dem Lande in Orten ohne Postanstalt wohnen, und deshalb genötigt sind u. a. am 1. d. MtS. einen Weg von 1—2 Stunden zu machen, um eine Rente von 3—4 Mk. beim zuständigen Postamt in Empfang zu nehmen.
§ Sichenhausen, 19. Oktober. Gelegentlich der hiesigen Kirchweih mußte der Gastwirt Fischer VI. bei einer eingetretenen Streitigkeit den Urheber aus dem Saal hinaus befördern, wurde von diesem jedoch so arg in die Finger gebissen, daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Zeige- und Mittelfinger sind am ersten Glied beinahe durch gebissen.
i. Laubach, 19. Oktober. Gestern waren es 25 Jahre, daß das hiesige Gymnasium eröffnet wurde. Der Stifter desselben, der verstorbene Graf Friedrich, hatte nach anfangs August d. I. der 25jährigen Jubelfeier beigewohnt. Am 1. September ist er durch den Tod abgerufen worden. Am Donnerstag fand nun zu-seinem Gedächtnis eine Trauer- fcier im hiesigen Gymnasium statt. Nach dem Chorgesang
„ES ist bestimmt in Gottes Rat" und nach dem Tage entsprechenden Vorträgen einzelner Schüler hielt der Direktor eine tiefempfundene Rede, worin er den Verstorbenen als ausgezeichneten Mensch und überzeugten Christ schilderte und den Schülern als Vorbild rastlosen Vorwärts strebens und starken UeberwindenS irdischen Leidens hlnftellte. Tiefen Eindruck machte auch der Vortrag einzelner Teile aus dem „Deutschen Requiem" auf Klavier und Harmonium. In lvutloser Stille trennte sich die Versammlung, nachdem sie stehend den Vers „Wenn ich einmal soll scheiden" angehört hatte.
-r- Nidda, 19. Oktober. Gestern morgen wäre um ein Kleines an dem Platz bei Unter-Schmitten, wo im April zwei Menschen durch Uebersahren eines Fuhrwerks durch die Bahn ihr Leben verloren, ein ähnliches Unglück vorgekommen. Als der um 7 Uhr früh in Nidda von Schotten vorübergehende Zug die Stelle passieren wollte, fuhr ein von dem Dorf heraufkommendes Fuhrwerk trotz Glocken- unb Pfeisensignals aus die Schienen des Uebergangs. Das rasche Eingreifen des Maschinenführers verhütete das Schlimmste; er konnte den Zug gerade noch zum Stehen bringen.
Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft.
v«m 19. Oktober.
Wechsel auf New-York zu 0.00-00.
PrÄMilea auf Kredit per ult Okt. 1.10%, do. per ult. Novbr. 2.70%, Diskonto-Kommandit per ult. Okt. 0.95%, do. per ult. Novbr. 2.45 %, Lombarden per ult Novbr. 0.75 %. Deutsche Bank 0.00%.
ÄotlerUHgeia: Kreditaktien 202.90-80.00, Dtskontc- Kommandit 171.70-80-40, Staatsbahn 137.00-000.00, Lombarden 25.10, Italiener 94.00. Spanier 69-30-00, 3pros. Mexikaner 25.60, Bochumer 173-4.20-174 bz., Laura 195.50-000.00 bz., Harpener 175.00-175.90 bz., Gelsenkirchen 183.40-00000 G., Privat- Dißkont 4 %% G.
V/4 bis 2% Uhr: Kreditaktien 202.90-80-90-201.90 bz., Dig- konto-Kommandit 171.40-169.90-000 bz., Staatsbahn 000 00 bz. Lombarden 25.00-00.00 b., Laura 000.00, Berliner Handelsgesellschaft 000.00 bz., 3proz. Mexikaner 00.00 bz , 3proz. Portugiesen 00.00-00 bz., Ottomanbank 000.00 bz , Bochumer 000.00 bz., Deutsche Bank 000.00-000. bz., Harpener 000.000 00 bz.
Getreide.
In der abgelaufenen Woche bewegte sich das Getreidegeschäft in sehr ruhigen Bahnen bei abbröckelnden Preisen; die Offerten von Amerika und Rußland sind nicht dringend, doch mußten sich die Forderungen in Anbetracht der schwachen Haltung der amerikanischen Märkte ermäßigen. Roggen ebenfalls ruhiger, Hafer unverändert, Gerste ohne Veränderung, Mais preishaltend. Die heutigeu Notierungen sind: Kansas 2 133% bis 134%, Redwinter 2 135, ©Übruff. Weizen 129—143, Rumän. Weizen 183—144, Ruff. Roggen 105—110, Ruff. Hafer ICO—116, Amer. weißer Hafer 101, Ruff. Futtergerste 102, Mixed Mais 96, per Tonne cif Rotterdam.
Tabak.
Im Laufe der Berichtswoche wurde die neue Ernte der Orte Viernheim von 20-25 Mk. teilweise mit Hagel, Lorsch 26—27 Mk., Weiersheim (Elsaß) zu 28 Mk. teilweise verkauft. In Friedrichsthal, wo zu Anfang der Campagne ca. 1000—1200 Ctr. zu 86—38 Mk. im
Sturm genommen wurden, sind noch 2000 Ctr. verkäuflich, da die Produzenten zu den seinerzeitigen Preisen nicht abgeben wollten. Dcr Tabak ist dortselbst nunmehr abgehängt, und es wurde auch mit dem Verkauf des Tabaks zu 33—35 Mk. begonnen da die Händler jetzt, nachdem der Tabak reif ist, sich überzeugten, daß man eben doch nicht jenes Gewächs vor sich hat, was man anfangs hiervon erwartete. Im übrigen ist die Stimmung im Einkauf ruhiger, und wäre der jetzige Zeitpunkt zum Einkauf der Tabake jedenfalls geeigneter, da man He Ware bester beurteilen kann, und sind wir der festen Ueberzeugung, daß dies nicht zum Nachteil der Händler ausfallen würde. In alten Tabak-n ist es ruhig und wird wenig umgesetzt. Es wurden ca. 60 Ctr. gebündelte Aplati-Einlage zu 50 Mk. transit umgesetzt, sonst noch Kleinigkeiten in Einlagetabaken. In losen Pfälzer Rippen geschäftslos, lose freie 9 Mk, gebündelte 10—11 Mk.
Hopfen.
Während der Berichtswoche beteiligte sich der Export sehr lebhaft am Geschäfte, es waren deshalb auch ziemlich belangreiche Umsätze zu konstatieren. Hauptsächlich wurde zu diesem Zweck nur Marktware gekauft, die zum Preise von Mk. 75 bis 85 gerne Abnehmer fand. Prima Sorten und Siegelhopfen sind weniger beachtet, und beschränkt sich der Umsatz nur auf den momentanen Bedarf. Bei der vorzüglichen Qualität dieser Hopfen dürfte jedoch sehr bald ein lebhafterer Verkehr hierin zu erwarten sein, denn es ist Aussicht vorhanden, daß viele Großbrauereten ihren Bedarf direkt decken. In Baden fanden wiederum sehr belangreiche Umsätze bei Händlern statt, Württemberg lag etwas ruhiger, da viel Mittelware vorhanden, während sich im Elsaß ein sehr lebhaftes Geschäft entwickelte. Preise überall auf dem Niveau der Vorwoche, eher etwas anziehend.
Biehmärkte.
Die Berichtswoche brachte wieder flottes Leben an die verschiedenen Märkte, denn die Händler beteiligten sich in reger Weste am Geschäft. Natürlich steht prima Schlachtvieh im Vordergründe des Handels und fanden hierin ziemlich belangreiche Umsätze statt. Mittlere und auch geringere Ware erfreute sich fast überall etwas mehr Beachtung und mag dies wohl auf die durchschnittlich gute Futterernte zurückzuführen sein, denn vielfach wurde für das abgesetzte Mastvieh letztere Qualitäten gekauft, um solche der Mästung zuzuführen. Kälber waren wiederum sehr gefragt und konnte der Bedarf an einzelnen Plätzen nicht gedeckt werden. Nach gutgemästeten Schweinen herrschte lebhafte Nachfrage, die Vorräte waren rasch aufgekauft. Aber auch Läufer und Milchschweine erfreuten sich lebhafter Nachfrage und fanden hierin ziemlich belangreiche Um- fätze statt.
Kohlen.
ES notieren: Ruhr-Fettnuß Körnung I und II Mk. 270 bis Mk. 280, Nußschmiedekohlen Mk. 250 bis Mk. 260, Deuts-re Anthractt-Nußkohlcn Mk. 360 bis 370, englische Anthracit-Nußkohlen Mk. 430 btS Mk. 440, Ruhr-Flammnuß Körnung I und II Mk. 260 bis Mk. 270, Ruhr - Flammnußkohlen III Mk. 250 Ns Mk. 260, Fettschrot Mk. 225 bis Mk. 235, Rubr-Bruchcoks Mk. 360 bis Mk. 380, Ausstebgries Mk. 170 biS Mk. 180. Alle« per 10 To» ab Mannheim. Die Situation hat sich seit der Vorwoche eher noch verschlechtert. Die Zufuhren nach Mannheim stocken fast gänzlich.
Wir alle waschen uns UL Myrrholin-Seife, weil dieselbe vollständig neutral, absolut reizlos ist, die Haut zart und geschmeidig macht, das Auffpringen verhindert und von vielen angesehenen Aerzten als beste Kinderseife zum täglichen Gebrauch empfohlen wird. Für die zarteste Frauen, und Kinderhaut giebt es keine bessere Seife, wie dies aus den zahlreichen Briefen angesehener Aerzte ersichtlich. Ueberall, auch in den Apotheken, erhältlich.
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Konkursverfahren.
lieber den Nachlaß der verstorbenen Frau Marie von Oveu geb. Schäfer, Ehefrau des Gutspächters Victor von Oven zu Hungen, wird, da Ueberfchuldung vorltegt, heute am 19. Oktober 1900, vormittags 11 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet.
Der Kaufmann Julius Feudt in Hungen wird zum Konkursverwalter ernannt.
Konkursforderungen find bis zum 12. November 1900 bei dem Gerichte anzumelden.
Es wird zur Befchlußfoffung über die Wahl eines anderen, bezw. Beibehaltung des gegenwärtigen Verwalters, sowie über die Bestellung eine« Gläubigerausschuffes und eintretendenfalls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände auf Montag den 5. No- v-mber lOor», vormittags »'/- «hr, und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Montag den 19. November 1900, vormittags 9>/2 Uhr, vor dem unterzeichnete--. Gericht Termin anberaumt.
Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Befitz haben, oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Nachlaß zu verabfolgen ober zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum S. November 1900 Anzeige zu machen.
Großh. Amtsgericht zu Hungen
Veröffentlicht: 6913
Koch, Gerichtsschreiber.
Für das städtische Elektrizitätswerk wird ein mit kaus- mänuischer Vorbildung und mit Vrauchekeuntnisseu ver- sehener junger Manu gesucht. Mit der Stell- ist ein Anfangs- gehalt von 1480 Mk., steigend um jährlich 40 Mk. bis zum Höchstbetrag von 2200 Mk., sowie Pensionsberechtigung und Hinterbliebenensürsorge verbunden. Es können nur solche Bewerber berücksichtigt werden, welche schon längere Zeit eine derartige Stelle betreibet haben.
Offerten mit Lebenslauf und Zeugnisabschriften sind bis zum 31. Oktober bei der unterzeichneten Behörde einzureichen.
Gießen, bett 19. Oktober 1900. 6907
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
_________________________I. V.: Wolff.______________________
Geschäfts-Eröffnung.
Einem verehrlichen Publikum ben Gießen und Umgegend beehre ich mich hierdurch mitzuteilen, daß ich in
Gießen, Schnlftrnße 5,
im Hause des Herrn Gustav Haustein, eine
FilialeAandschuhfaörik
errichtet habe. Ich empfehle alle Arten
Kandschuhe in Klare-, Wild- und Waschleder
sowie
Stoffhandschuhe und Militärhandschuhe.
Anferrigung nach Maß. Kaudschuh-Wascherei.
Ferner:
Krevatten, Shlipse, fragen, Makschklten, Hosenträger etc.
Indem ich um geneigten Zuspruch bitte, versichere ich meinen werten Abnehmern prompte und preiswürdige Bedienung. Hochachtungsvoll
Wilhelm Schede«,
^l503_____________Wetzlar. Haudschuhsabrtk. Gieße«
Geschäfts-Wrtegung.
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Nordanlage'Dammstraße Ecke.
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Oscar Winter, Hannover,
gegründet 1796.
Zum Würzen von Suppen, schwacher Fleischbrühe, Saucen und Gemüse empfehle rch
——als bestes und vtzitgstes Mittel. Wenige Tropfen genügen: U.bar, oud? "?"n angebraucht. Zu haben in Fläschchen von 25 Pfg. an.
C. G. Kteinhenn, Bahnhofstr. 59.
Ferner empfehle ich angelegentlickst Maggi'S Gemüse- und Kraftsuvveu, Maggi s Bouiüon-idapseln und Maggi's Glute».«akao. 6459
zum Würzen
yasmon-Chocolade, lasmon-Kakao, )lasmon-Zwiebacke, lasmon-Cakes, )lasmon-Biskuits, lasmon-Speisenmehl, )lasmon-Haferkakao, lasmon-Puddingpulver
verbinden den höchsten Nährwert mit feinstem Geschmack. 6785
Erhältlich
| in den Spezial-Geschäften der betreffenden Branchen.


