Ausgabe 
21.10.1900 Drittes Blatt
 
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bestraften Arbeiter Friedrich Wilhelm Groppe, der ittj der Nacht vom 24. zum 25. Juni d. I., wie wir seinerzeit auch berichtet haben, seiner Ehefrau mit einem Hammer in bestialischer Weise den Sch ä d e l z e r t r ü m m e r t hatte, unter Verneinung mildernder Umstände z u a ch t I a h r e n Zuchthaus und acht Jahren Ehrverlust. Der Gatten- mörder war dem Trünke ergeben, während die Getötete als eine tüchtige, arbeitsame Frau geschildert wird.

Eine ungeheuere Zahl vernichteter Existenzen, Verarmung des Landes, sowie tiefste Not und Verzweiflung der früheren wohlhabenden Besitzer das wird das Eno- ergebnis dieser englischen Räuberei sein.

So sieht diePazifizierung" aus, mit der b« fut eine solche Ausgabe alleibtnflS SJiantt, ~orb

Kitchener betraut werden soll «eilte Absicht iHn'iniirft tindi weiter als bloß dahin, durch Vertreibung der Buren von ihren Farmen Ben ©olbtnuiettbefibcnt billige Arbeitekräste zu »erschauen. Sein Ziel wird die bollstandige Ausrottung bei Buren sein - und fein in ü H e ti, wenn er die Aufgabe dergroßen ^and- kommission" durchführen soll. Dann wird im Lransvaal und im Oranje-Freistaat wenigstens die von Chamberlain jüngst proklamierteVersöhnung" $nr Wirklichkeit ge- zvorden sein. Aber die Kapkolonie?

Uermischtes.

* Das Einsegnungsgeschenk der Kaiserin für den Prinzen Adalbert besteht in der Bronze­kopie eines Renaissancereliefs von Antonio Lombardo, dav im Berliner Museunr aufbewahrt wird. Das Relief zeigt das Brustbild Christi, der als Prediger auf einer Kanzel gedacht ist. Tas edle Haupt mit den sprechenden Lippen, dem kiirzen, geschnittenen Vollbart und dem lockig herab­fließenden Haar ist von einem Strahlenkreuz umslossen. Die Brust bedeckt ein Gewand, und um die linke Schulter breitet sich der Mantel. T)ie rechte Hand ist erhoben und begleitet mahnend die Rede; die vom Mantel halbverdeckte Linke ruht auf der Erdkugel. Die Bronzenachbildung des Reliefs ist vom Ziseleur Otto Rohloff hergestellt, der es mit einer eigenartigen Einfassiiiig umrahmt lwt. Es ist ein vergoldeter Bronzerahmen, der an den weiten mit leichten? stilisierten, aus Vasen aufsprießenden Lilien aus- gestattet ist. Am oberen Rande erscheint das Monogramm Christi, von dem lichte Strahlen ausgehen: unten am Rahmen ist der Einsegnungsspruch verzeichnet:Ebr. 13, 9 Es ist ein köstlich Ting, daß das Herz fest werde, ivelches geschieht durch Gnade". TaS sinnreiche, kunstvolle Bronzebild ist sowohl zum Aufstellen wie zum Anhängen eingerichtet. Wie inan hört, haben auch der K r o n p r i n z und Prinz Eitel Fritz zu ihrer Konfirmation von -er Kaiserin ähnliche Geschenke erhalten.

* B r e s l a u, 18. Oktober. E i n Sp i e l e r P r o ze ß, der ungeahnt große Dimensionen annehmen dürfte, steht in Ohlau bevor. Tie Untersuchung soll sich auf_ nicht weiiiger als 80 Personen erstrecken. Ter Prozeß, hat insofern ein weiteres Interesse, als eine ganze Anzahl distinguierter Breslauer Herren, die dort in verschwiegenen Weinstuben öfter demJeu" gehuldigt haben, auf der Anklagebank Platz nehmen werden.

* Schwerin, 17. Oktober. A u f der Jagd den Bruder e r s ch o s s e n hat der 18 jährige Sohn der Grtts- besitzerin Glautz auf Rittergut Groß-Kelle bei Röbel. Die taiben Brüder befanden sich auf dem Anstand, als den altere, ein. Mann von 23 Jahren, feinen Platz wechselte Sein Bruder glaubte, daß sich daselbst ein Stück Wild bewege, und schoß. Durch die Brust getroffen, sank der

Kunst und Wissenschaft.

Ein neufö Mittel gegen Lungentuderkulose. Professor Cervello von der Universität Palermo, der schon gelegentlich des Tuberkulosenkongresses im vergangenen Jahre in einem von ihm ge­haltenen Vortrage aus seine überraschenden Erfolge bei der Behandlung von Lungenkrankheiten mit einem von ihm n?u entdeckten Körper, Jgazol" genannt, aufmerksam gemacht, hatte diese Versuche fleißig fortgesetzt und aus dem internationalen Kongreß in Paris die weiteren Resultate seiner eigenartigen Behandlungsform mitgeteilt.Jgazol" ist eine Verbindung aus Formalin und Jod, und wird mit Hilfe emes von Prof. Cervello sinnreich erfundenen Apparates in dem Raume verdunstet, in dem sich der Kranke aufhält. Es sind von Prof. Cervello mit diesen Dämpfen, die täglich 3 bis 4 Stunden, entweder am Tage oder auch die ganze Nacht hindurch eingeatmet werden, im ganzen 55 Kranke be­handelt worden, und zwar sowohl schwere als auch mittlere und leichte Fälle. Bei sämtlichen mittleren und leichteren Fällen haben neben Prof. Cervello Autoritäten aller Länder, wie u. a. Prof. Dr. Passarini-Bacellr, Fameni-Rew-York, Prof. Taussig-Rom und Prof. Dr. Carvallo-Samt Paul Versuche angestellt und eine eklatante Besserung erzielt. Die ersten Mitteilungen gelegentlich des Tuberkulosenkongresses in Berlin wurden mit einer gewissen Vorsicht ausgenommen. In der Zwischenzeit ist auch in Frankreich, England und Deutschland dasJgazol" versuchsweise m Anwendung gekommen. Ein abschließendes Urteil über dieses thera­peutische Präparat auf Grund der hauptsächlich für uns maßgebenden einheimischen Versuche ist noch nicht möglich; das aber schemt bereits festzustehen, daßJgazol",Einatmungen bei Lungenkatarrhen emen un­bedingten Einfluß in günstigem Sinne äußern. Sie heben den Appetit, scheinen auch den Schlaf zu vertiefen und vor allem beschränken sie die Sekretion. Es wird somit jetzt zur Pflicht, trt weiterem Maßstabe als bisher geschehen, dieses Präparat in der Behandlung der Lungenkatarrhe zur Anwendung zu bringen und im Interesse unserer Kranken ist zu wünschen, daß die bisher in Deutschland in noch geringem Umfange machten Erfahrungen auch aus weiteren Kreisen ihre volle Bestätiguns sind en.

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ältere Bruder zu Boden und verstarb auf der Stelle. Der unglückliche Schütze liegt infolge des unheilvollen Schusses schwer tränt darnieder.

1 Eine vernichtende Kritik. Bei Arischan Schützens ist wieder einmal der Klapperstorch eiugckehrt, und zwar zuni siebenten Male. Der Großvater Gottlieb Schulze, ein behäbiger Altenteilsmann, macht sich an der Wiege des Neugeborenen nützlich. Sein vierjähriges Enkel­kind betrachtet das neue Brüderchen mit forschenden Blicken. Plötzlich sagt der Vierjährige:Grotvader, das Broder- k'en hat jo keen Haar uP 'n Kopp!"O, de massen (wachsen) cm noch", sagt der Alte. Ter Säugling öffnet sein Münd­chen, der Bruder sieht hinein und sagt mißtrauisch: Grotvader, he hett jo ok keen Thän' (Zähne) in' Munn' i" O, de kricht he mit de Tied", (Zeit), sagt der Großvater. Der Vierjährige sieht aber das Kleine immer argwöhn­ischer an und sagt ganz geheimnisvoll:Grotvader! met dünn (dem) sünd tot ansmärt, dat is 'n Ollen

* Latein bei Hofe. Tas lateinische Fest auf der Saalburg bringt eine Geschichte in Erinnerung, die vor 40 Jahren durch die Blätter ging. Ter Held dieser Ge­schichte kvar der Prinzgemahl Albert, der Gatte der Königin Viktoria. Er hatte einer llniversitätsfeier berzuwohnen und bei dieser Gelegenheit eine lateinische Ansprache des Rektors mit dem für solche Fälle nötigen Verständnis an- zuhören. Prinz Albert, der sich im Lateinischen Wohl nicht ganz taktfest fühlte, zog vor Beginn der Ferer den Gelehrten beiseite und fragt ihn, bei welchen stellen der Rede 's ich zu verbeugen habe.Hoheit", sagte der Rektor,wenn ich das Wort princeps ausspreche, dann sind Sie gemeint". Prinz Albert nickte; die Sache war ja ganz einfach! Er verneigte sich jedesmal, wenn der Gelehrteprinceps" sagte, aber er verneigte sich auch, w-mn überPrincipes" (die Fürsten) oder von denprm- ci 'iis" (den Anfängen) gesprochen wurde. Das war eine > iiZichteit, über die sich die anwesenden Herren Pro­st goren und auch die Studenten höchlich verwundert haben sollen.

Gerichtssaal.

Königsberg, 17. Oktober. W e g e n f a h r läs s i - er Tötung hatte sich der Gutsbesitzer R. aus B. vor dem hiesigen Landgericht zu verantworten, ^.er Ange­klagte hatte am 21. Januar d. I. eine Gesellschaft gegeben. Als die Gäste sich entfernt hatten, schlief er auf einem Sofa ein, ohne die Schlüssel seines Schreibtisches abzu­ziehen. Tas Dienstmädchen Martha M., die sehr naschhaft war, benutzte diese Gelegenheit und entnahm dem Schreib­tische ein Fläschchen, das eine Mischung von Fliegengift und Arsenik enthielt. In der Meinung, es sei Wern, nahm das Mädchen einen kräftigen Schluck aus der Flasche. Es starb trotz ärztlicher Hilfe bereits nach vier Stunden. Wie durch Sachverständige festgestellt wurde, genügten schon 20 Tropfen, um einen Menschen zu töten. Das Land­gericht verurteilte den Angeklagten zu drei Monaten Gefängnis. _ _, . ,,

Bremen, 17 Oktober. Das hiesige Schwurgericht verurteilte gestern den 48 jährigen, bereits 18 mal vor­

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über gewisse IrrthOmer, welche vielfach Infolge unrichtiger pedamebehaupt ungen Im

Publikum Eingang gefunden haben, »teilen wir hiermit fest:

Pie sogenannten Suppenwürzen werden nfthf aus Fleisch bereitet, sie geben folglich nicht fleiechbrühe, wie Liebfg's fletoch-Gxtraet, und können zur Fleischbrühe nur als Euthat, als Ersatz für Suppenkrauf, Gewürz und Salz dienen.

Die neuen pr&parate, welche unter phantaetmamen ebenfalls als Fleisch-E?(fract angepriesen werden, von denen sogar in den peclameschrlften glnzlld» unwahr behauptet wird, dass sie efimmtliche Nähr­stoffe des Fleisches enthielten, sind mit viel Wasser und Kochsalz verdünnte und mit etwas (chemisch zersetzter) Eiweisssubstanz wieder verdickte pseudo - fletsch - Gxtracte, welche nur wenig über 50 Procent Fleisch-Rxtraof, und zwar ungenannten Ursprungs,

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