Sonntag dm 2t. Oktober
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Rr. 247 Drittes Blatt
ist Eme hochgestellte ^ttste davor dient als Sessel. Ein Strohlager in der Ecke mit einer Pferdedecke darauf deutet an, daß man in diesem Institut auch logieren kann Der Inhaber antwortet auf einen Hinweis auf sein Inserat ! mrt einem Achselzucken. „Längst vermietet!" sagt er. „Aber
rch wrll mir Ihre Adresse notieren! Vielleicht morgen'" Natürlich hat er gar nichts gehabt. Er ist bemüht, ein „Ernschrerbegeld" aus dem Besucher herauszupressen, und wenn ihm das gelingt, wird er überaus höflich, im gegenteiligen Falle meistens grob. Selbstverständlich trifft man neben diesen Räuberhöhlen, in denen eine zaghafte Natur das Gruseln bekommt, auch die elegantesten Bureaus, chl- mal im Westen. Man kommt in ein vornehmes Haus Ein sauberes, adrett gekleidetes Mädchen öffnet uns und geleitet uns in den Empfangsraum. Unwillkürlich fragt man, ob man auch richtig gegangen sei; denn die teuren ^enstervorhänge, die großen Vasen und echten Broncen me funkelnden Kronleuchter, der große Blüthner-Flügel in der Mitte, können doch unmöglich einer Gcsinde-Ver- mreterin! gmgehören. Aber das Mädchen bejaht lächelnd 77/bnbar ist sie diese Frage schon gewöhnt. Und nun
schon herein, die Inhaberin dieser Ränme. I Peluche-Peignon, mit feinen Spitzen umschließt die etwas üppige Gestalt. Die schwere Schleppe erhöht das Majestätische ihres Austretens. Ihre ^dellos, ihre Formen weltgewandt, ja vor-
Mut hat, sie zu fragen, wie viel ihre Vermittlergebuhr betragt, so sagt sie, ohne mit den Wimpern zu zucken, „Fünfzehn Mar>; und da man in
Fauteuil sitzt, kann man nach Belieben I ohnmächtig werden, ohne sonst Schaden zu. nehmen Eine
f &.?b -Pommer che", „ostpreußische"rc. Dienstmädck>en, „soeben in Berlin eingetroffen". In den meisten Fällen smd diese Annoncen jedoch nichts weiter als Lockmittel, die Beziehungen zu den in Frage kommenden Herrschaften anbahnen sollen. Ein Gang durch die verschiedenen Berliner Miet-Bureaus gewährt einen Einblick in eine höchst interessante Seite des großstädtischen Lebens. Für viele dieser Vermittler ist qin Möglichst großes, stolzes Straßen- lchuo, das imponiert und Vertrauen erweckt, die Haupt- sache. Nach dem Schilde schließt man auf einen Empfanqs- salon im Vorderhause und findet endlich in einem Souterrainsraume auf dem zweiten oder dritten Hofe nachdem man eine glitschige Treppe passiert ist, das „Große, internationale Ätietskomptoir" Ein Halbdunkel, das wohlthätig den Dielenschmutz und die
Die große Landkommisfion in Südafrika.
Von sachkundiger Seite geht der „Deutsch. Tgs.-Ztg." folgende Darlegung der englischen Raubpläne in den: ^^nrepubliken und ihres voraussichtlichen Erfolges zu: . . meiner Kriegsgefangenschaft zu Bloemson-
^in wandte sich der mich bewachende Sergeant mit der Vitte an mich, ihm einige Fragen über das Land und die landwirtschaftlichen Verhältnisse im Freistaate gütigst zu beantworten. y 01
Diese Frage konnte mich nicht überraschen, denn -es la ber Wache meine Stellung als Chef des land- wirtschchtlichen Departements bekannt.
Während des sich nun entwickelnden Gesprächs bekam hören, die ich damals für absolut unmöglich hielt, und die dennoch, wie man heute hört fblrr der Landkommission in Erfüllung
gehen, sollen. Sollte es sich bewahrheiten, daß die Land- Sürst bie Aufgabe hat, die ^ah’en^
brMsche^ Kwnwps Burenfarmen vorzunehmen, um daraus öu machen, so würde dies ein neues k?nb blren «a ^?^altigung des armen Volkes bie englische Regierung schuldig machen ^h^zweifL'Tft teiber On biefem Ergehen nicht mit uorgreifen und mein Gespräch
ich Qfa <ffrtpn^nTflttet en" ^ei noch erwähnt, daß eigener zu Bloemfonteiw täglich die rnS ÄS?'9 andere« Megimeuts zur Bewachung hatte, aus Ceylon, Australien, Kanada und erwähnten SergLntem^"^°" "" Me ™ltteiIun9 des hör ?^Ä^bwährsmann erzählte mir nun, daß er von
Regierung, als er in Australien angeworben ÄS-t Morgen Land versprochen erhalten hätte, Umnschte zu wissen, was 100 Morgen Land hier ungefähr für einen Wert hätten, da er sie dann sofort verkaufen wurde. 11
Auf u^ine erstaunte Frage: „Wann hat man Ihnen denn ^wses Versprechen gemacht?" antwortete er mir „Gleich bei meiner Anwerbung im Monat Oktober" — „Und man hat Ihnen allein, oder jedem Soldaten soviel Land versprochen?" frug ich weiter. „Jeder Soldat erhielt
^bf,^n Majestät verschenken wird — es bleibL also für diese fein anderes Land als dasjenige welches heute noch den kämpfenden oder gefangenen Buren geh^' f bie englische Regierung die Konfis-
fnHa b^ r ?? r CI!9 U f e r betreiben wird, muß jeden- obgewartet werden; feder aber, der die Engländer in Afrika hat wüten sehen, wird sich keine allzu großen ___m. . , . denn nun aber die -öriten mit den besitzlosen Buren beginnen? Ist es wirklich Bettlern zu machen, um dann in ben.
Goldminen billiges Arbeitermaterial zu habend
Von den Engländern ist jedenfalls solch ein Vor- gehen zu erwarten und man wird wahrscheinlich in kurzer Zeit schon einen Schrei des Abscheus hören, der herrühren wird von den armen Witwen, die ihre Männer im Kriege verloren, dann entehrt wurden und nun der vollständigen Verarmung ausgesetzt werden. 45
, , Statt der erfahrenen Buren wird man englische Soldaten zu Bauern machen, die in kurzer Zeit ihren Besitz, verkaufen oder einfach verlassen werden. Denn mit 100 Morgen 'Land läßt sich im Oranje-Freistaat oder im Transvaal sehr schlecht auskommen. In diesen Gebiete« rechnet man 3 5 Morgen gutes Land als unbedingt not» wendig für em Stück Großvieh, so daß jeder Soldat, ab- gerechnet Wege, Schlote und Wasserreservoire, ein Stück Land erhalten wird, auf dem höchstens 20 Stück Großvieh sich ernähren können. Davon kann man in Südafrika nur sehr kümmerlich leben — und auch das ist nur dann möglich, wenn man das Betriebskapital dazu besitzt, und wenn keine Seuche ausbricht, wie die Rinderpest im Jahre 1896. Landbau aber dort auf kleinen Grundstücken zu. betreiben, ist sehr gewagt - wegen der Heuschreckenplage. Jin vchhre 1899 befäete ich ungefähr 50 Morgen dreimal nacheinander mit Hafer, aber jedesmal wurde dieser, als er einen Monat alt war, von den Heuschrecken im Zeit- raum von ca. 3 4 Stunden total abgefressen.
gehört aber and» in Südafrika etwas mehr dazu. “*n Landwirt zu sein als ein kleines Stück Land, und zwar Wissen, Geld, Geduld, viel Umsicht und Ausdauer
011 Mett ""bedingt notwendigen Dingen be' fi^en die englischen Soldaten fast garnichts.
Auf die Früchte der Thätigkeit der „großen Landkommisfion wird man nicht lange zu warten brauche«.
das Versprechen, 100-500 Morgen Land im Rreiftaate ober in Transvaal zu erhalten, je nach seiner Stelluna An'inmr?°^°brhalten nnb seinen lautete die
1ltM Das Staunen und die schmerzliche Ueberraschung wird um so großer, wenn man die Verhältnisse in Südafrika und weiß daß durch dieses Vorgehen grenzen- loses Elend und fürchterlicher Jammer über Tausende von Familien heraufbeschjvoren wird, ohne daß doch England einen Nutzen davon haben wird.
Denn im Oranje - Vrijstaate giebt es rund 10000 Farmen, dort Plats genannt, im ungefähren Ausmaße von je 500 bis 10 000 Morgen; doch wird als »gut ein Plats von 2000 Morgen angesehen. Alles Land ist und verteilt und gehört einem rechtmäßigen Besitzer, dessen Grundstück im Grundbuch eingetragen ist.
auf etwa em Dutzend Farmen im Ausmaße von zusammen 50000 Morgen, die dem Staat gehören, befindet sich alles Land im Privatbesitz. Daß die große Land- kommissioii nur wegen der Verteilung der 42 500 Hektar Staatsbesitz (benn so groß muß man die Fläche der Staats- farmen annehmen, da ein Kapstadt-Morgen etwa 8500 Quadratmeter entspricht) unter die 200 000 Mann starke -cktupationsarmee in Bewegung gesetzt ist, läßt sich doch Ütcht ännehmen.
or A So liegen die Verhältnisse im Oranje-Freistaat. Aehnlich sind sie im Transvaal, nur daß dort die Staatssarmen jedenfalls nicht an die Soldaten verteilt werden, weil nur wegen dieser und nur um dieser allein wsllen ber entsetzliche Krieg begonnen hat und geführt wiro. Denn auf diesen Staatsfarmen im Transvaal, Bewaarplatsen genannt, befinden sich die reichsten Gold- wmen der Welt, und deshalb wurden seit dem Jahre 1894 von selten der Johannesburger Kapitalisten alle r Bewegung gesetzt, um sie von der Regierung käuflich erwerb eit zu können. Daß die Transvaal-Regierung sich darauf nicht eingelassen hat, findet seine Er- klarung darm, daß man in den Regierungskreisen den Plan gefaßt hatte, eine eigene Bergakademie in Pretoria ju errichten und dann die Minen in eigener, also Staatsregie betreiben zu lassen.
daher ausgeschlossen, daß man diese Grund- ftmfe, welche Millionen an Wert repräsentieren, an die
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Kerliner Kries.
(Plaudereien aus der Kaiserstadt.) (Nachdruck verboten.)
Die Berliner Dienstmädchen. — Annoncen. — Mietsbureaus. — Auf dem Mädchenmarkt in der Jagerstraße. — Auf Posten am schlesischen Bahnhof. — Der Stühenausweg.
Die Perlenfischerei ist ein sehr langwieriges Geschäft, ■Wat un9e”ie,11! ^el Geduld erfordert und manch liebes «.Ä^^bnislos verläuft. Nach ben übereinstimmenden Aussprüchen aller mir bekannten Berliner Hausfrauen ist j? "ber wett, weit schwieriger, in Berlin eine „Perle" atipÄ" finden, das berühmte „Mädchen für
arofrf/pr?™ /^ißig, flink und sauber ist, keine Schmu- linauarfÄ1, und nicht widerspricht, feine
Fid,e bringt und in Bezug auf flemctntoaff Ä- bt bequemen Grundsätze ber Giiter- iiSit M1" s^bst gebiert solche Perlen tauft ist und spib^uudlM Was mit Spreewasser ge- Residenz zerrissen auf dem Pflaster der
fein, aber was das Mundwerk^an^pm reinlich und ehrlich ja den schlimmen $er(iner !
nur unbedeutend, die Berlins toeibfirfip2^1 11 Kontingent unserer Dienstbote^stell? "AufwnT-tpsi nehmen sie allenfalls an, die früh blüßenh^n^rS1^ blnmen, weil ihnen da unter allen Umftänhpn s^r°ir!.ab^ mit feinem bunten Treiben bleib",, X Äft Ä .'Nichiu be H°nb, Mabamken! I wo wer?Fd Aul dem ärmeren Osten unferes Vaterlandes, wo die" Löbno teilweise noch auffällig niedrig, die Ansprüche «n das Sebeu noch bescheidenere sind, kommt der .Tiautotftroin I unserer braven Küchendragoner; auch Pommern liefert seine Rekruten. Die hohen Löhne locken. Und bei der I .uroe steht so manch lieber Bekannter. Auch hat manch I eme ans der Nachbarschaft ihr Glück dort gemacht, d. h I natürlich: einen Mann bekommen. Also auf nach Berlin ! I rrotzdem reicht die Zahl der einwandernden Küchenfeen I riesenhaft wachsenden Berlin nur selten aus. Ge- I
Zeigt sich um die Zeit der Kündigungs- und I Sh Ctrmine eine tolle Massenjagd der Haussrauen aller I Halten^ s^ett sie in ber Lage sind, sich einen Dienstboten I St? 2L ^?uen. Ein Blick in den „Lokalanzeiger" Schichte au? ^.^uemgeweihten freilich verführen, bie Ge- I Laatäglich ?in!^ Reichte dlchsel zu nehmen; empfehlen doch I
9 J cme ganze Reihe von Vermittlern „gute schle- |
Unzahl Frauen giebt es, die viel billiger sind, zumal wenn s^e kern „sitzendes Mietsbureau" halten, d. h. keinen größeren Raum, wo sich Herrschaften und Mädchen treffen Annen Am billigsten aber auch am zweifelhaftesten in ^ezng auf baldigen Erfolg ist das alte Mietsbureau in der 'örr9eÄr^e' s^ an jedem Nachmittag von 2 bis 7 Uhr alle Stellung suchenden Mädchen einfinden und von miet- wsttgen Hausfrauen gemustert werden können. Eine An- E uiierer Fi-auen sucht das Geschäft zu regeln. Gebühr 3 Mark und Trinkgeld. Wer hier freilich gemustert wirb, sind die Herrschaften, und Fragen von entzückender Unverfrorenheit sind hier an der Tagesordnung. „Wie viel Zimmer haben Sie benn?" eröffnet Auguste, eine Po- fenerm mit höchst gemischten Zeugnissen, die Unterrebuna
Tapetenrisse verbeckt/Umt 'L^s^er^7 möbtterte I f<eit
,,Kontor", dessen Hauptstück ein altes dVeib^niaes Pult Wüfcke^" U» Kinder?" „Wie alt?" „Un de
ist CFiu? Finrh-rtpftoTHo hnhnr »fn z~_rr.< v>-. I (( * . ,"./U Ausgehesonntag? Endlich weiß sie über
alles Bescheid und nun fällt ihre Entscheidung , Fünf Zimmer, bet pnge ja noch! Aber Kinder, un noch baJ He^e? xüf baute! Ooch mit die Wäsche, bei paßt ndr I ^^ozu sm denn die Waschanstalten da?"' Ich hin und hege die feste Ueberzengung, daß ^s^ Pslanzchen lange warten kann, ehe sie jemand mietet drangt sich eine korpulente, dunkelhaarige Vierziqerin neben rnn- durch, und es fließt ihr wie Oel von den Lippen nur breP* ',2ß?F Rimmer? Ich habe nur Drei. Und feine kleinen Kinder, nur drei Per- onen im ganzen; Wäsche in Köpenick; jeden Sonntag frei m 11 Hausschlüssel und 80 Thaler Lohn! Kommen Sie zu uns, Fräulein, Sie werden's gut haben Kaun man sich da wundern, wenn die „Perlen" immer bebauprnTmprfnp? it?rer Rot aehu auch manche unserer bedauernswerten Hausmutter in die Nähe der Bahnhöfe, ^U0e ?U^ ^em °ften bringen, und stehen dort Posten um auf gut Glück die Mädchen anzuspreckien die nach, ihrer Taxe ankommen und Menst suchen. — Mitunter eUn t es, zum Ziele zu kommen; vielfach aber begegnen das ja auch seine volle Berechtig- ^^^bweg, bessere Mädchen als Stützen, i sich vor keiner Arbeit scheuen, zu engagieren, sind noch immer nur luentge gekommen. Daß man darunter viel n k wirkliche „Perle" finden kann, ist zweifellos. H??, baß es just unter diesen Mädchen an Angebot nicht jrijlt, bewies mir ber Erfolg einer Annonce, die eine iame tn einer Mecklenburger Zeitung hatte einrütfen laffen. ^Juf ein Gesuch um ein DienstmädchM bei bem* leiben Lohn war keine, um eine Stütze „mit aller Arbeit" waren 70 Meldungen eingegangen. sj y
1900
^eptflspreis blertc(jäl)i1. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bcingerlohu: durch die Abholestellen »ierteljährl. Mk. 1,90
monatlich 65 Psz.
Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährt.
mit Bestellgeld.
Kießener Anzeiger
Cy)P1T P Vfl l E tJM ||1 0 t (t 0 Y A»z-ig.n.B-rmittlung-st.I-n M Fn. und Ausland
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£ f j Soknpr««: Mat 12 Pfg., »llZwSrt- 20 Pf,,
und Anzeigeblatt für -en Ureis Gichen.


