Nr. SSl Zweites Blatt
| GMisdeiülKM: Mrßmrr Familünblätter, Der hejstßhe Landwirt ! KKter ffir HMche Docksksnde.
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Der Krieg in Südafrika.
Eine Gruppe von 100 Buren griff am 15. September die englische Garnison von Bultfontein im Osten de- Freistaates an, die nur aus 16 Mann bestand, aber
LLgNch atit Bv4o«|aK bei A«vL«T-.
Schmer 8&ewi$UwmtUt «Mtav. be® «uzeiger L» eM ^Heff.
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für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 5L
| Der Kawpf der beiden deutschen Seebataillone bei I Lranghsianghsien, 20 Kilometer südwestlich von Peking I beweist, daß in der Umgebung von Peking sich noch immer | feindliche Streitkräfte befinden, es waren jedoch nicht regu- I läre. Bon diesen wird kein Widerstand befürchtet. Aus I Shanghai 'wird gemeldet: Nach dem G e fe cht b e i Li a n h- I sianghsien, ungefähr 25 Kilometer südwestlich von! | Peking, wo 6000 Boxer und einige reguläre chinesische I Soldaten von den deutschen Truppen zerstreut wur- I den, setzten die beiden Seebataillone ihren Vormarsch | fort. Die Boxer verloren 380 Tote. Die Deutschen hatten I einen Toten (Seesoldat Gobel) und fünf Verwundete. Die I Stadt wurde niedergebrannt.
Die Offiziere und Mannschaften des deutschen Kreuzers „Cormoran", die ihre Dienstzeit auf der australischen Station beendet haben, haben sich wie man aus Sydney meldet, sämtlich für den Dienst in China freiwillig awgeboten. Der Kommandeur des Kreuzers hat diesen Wunsch seiner Besatzung an den Kaiser telegraphiert.
Der deutsche Dampfer Bosnia, der von der Hamburg- | Amerika-Linie für den Transport der in Nordamerika I gekauften, nach China bestimmten Pferde der ! Division v. Lessel eingerichtet wurde, ist am 13. September in San Francisco eingetroffen, wo er 1200 Tiere an! Bord nehmen wird. Die „Frankfurt" ist seit dem' 5. September von Moyi nach Kalifornien unterwegs und dürfte eine gleiche Anzahl Pferde nach Taku befördern. I Der Nest der erforderlichen 4000 Pferde kommt von Austra- I lien, von wo bereits im August zwei kleinere Transporte I nach der Peihomündung abgingen. Anfang September I wurden annähernd 1000 Stück Nach China übergeführt. I Die Meldung des Melbourne Argus, daß für die deutsche I Negierung 4000 australische Pserde angekauft und die erste I Ladung mit dem Dampfer Kirklee nach Weihaiwei unter- I Wegs ist, trifft nicht zu. In Ostasien hat die Heeresver- I Waltung lediglich die Wagen- ünd Reitpferde für die I Feldpost des Ekpeditionskorps ankaufen lassen. 1
MSsL-e«, t^yeMb« und Sra*v* Nr. 7.
Die Wirre« iu China.
ift »Kölir Ztg." meldet aus Berlin: Von den Mächten tor3ermaUl btc neueste deutsche Note noch keine de^Ä^^Ewort erteilt worden, doch gewinnt man der memanb M' dem sachlichen Gewicht
Aussicht entziehen könne. Sonach sei
ch vorhanden, daß der deutsche Vorschlag ber den
Die Leichenfeierlichkeiten für Prinz Heinrich von Heffen.
Aus München wird vom 19. d. M. geschrieben:
Heute vormittag fand im Palais an der Königinstraße die kirchliche Einsegnung der Leiche des Prinzen Heinrich von Heffen statt, zu der sich eine stattliche Trauerversammlung aus Hof, und Militärgesellschaftskreisen einfand. Vom königl. bayerischen Hofe waren erschienen Prinz Rupprecht als Vertreter des Prinzregenten, Prinz und Prinzessin Ludwig Ferdinand, die Herzöge Siegfried und Christoph, ferner Herzog Paul von Mecklenburg, als Ver- ireter des Großherzogs von Heffen dessen Flügeladjutant Freiherr v. Roder, vom diplomatischen Korps der sächsische, englische und italienische Gesandte, für den in Urlaub be- sindltchen preußischen Gesandten der Geschäftsträger Gras Bernstorff, sowie ein Vertreter des russischen Gesandten. Ferner waren anwesend der bayerische Staatsminister Dr. Freiherr v. Crailsheim, Obersthofmeister Graf Castell, Zeremomenmeister Graf Moy und verschiedene Mitglieder der Generalität und des Offizierkorps, die Aerzte, die den Verstorbenen behandelt hatten, Geheimrat Dr. v. Ziemssen und Dr. Bredauer, sowie zahlreiche Damen. Die Leiche ivar m dem dunkel ausgeschlagenen Musiksaal aufgebahrt, zur Rechten und Linken des Sarges standen Ehrenposten, gestellt vom Infanterie - Leib - Regiment, zu Füßen des Sarges lagen auf Kissen die Orden des Prinzen, an vier Betpulten knieten während der Einsegnung die Witwe des Verstorbenen,- Freifrau von Dorn- derg die beiden Söhne Graf zu Nidda und Freiherr von Dornberg und Prinzessin Lud-
Bayern. Der Einsegnungsakt oegann nnt feierlichem Gesang des Hoftheater-Singchors, dann nahm Dekan Kahl mit einer ergreifenden Ansprache, rn der er einen kurzen Ueberblick über den Lebensgang des Prinzen gab und deffen ritterlichen und edlen Charakter betonte, und den entsprechenden kirchlichen Gebeten die Einsegnung der Leiche vor. Mit Chorgesang schloß der ernste Akt. Hieraus führte Prinz Rupprecht die Freifrau von Dornberg in, die anstoßenden Gemächer, wo ihr die übrigen Teilnehmenden ihr Beileid zum Ausdruck brachten. Ueberaus zahlreich waren Beileidskundgebungen und Kränze einge- troffen. Unter anderen waren von den Anverwandten des Prinzen, der Kaiserin von Rußland, dem Großherzog und der Großherzogin von Heffen, der Großfürstin Sergius, ferner vom Prinz Regenten, der Herzogin von Modena und den übrigen Mitgliedern des königlichen Hauses, dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich von Hohenzollern, Prinzen Karl von Baden, sowie dem Kaiser Franz Joseph u. a. Kränze gespendet worden. Major v. Geldern überbrachte einen Kranz von der hessischen Division und dem hessischen Leib-Dragoner-Regiment Nr. 24, dessen zweiter Inhaber Prinz Heinrich war. Heute abend 7 Uhr tolrb ble Leiche in aller Stille nach Darmstadt überführt, uni rmstadt ging uns heute vormittag von
Wiem 8. Mitarbeiter folgende telephonische Meldung zu: ,iä Seifefcuna der Leiche des Prinzen Hein-
i4tieben,n69ffen ^Ute »°rmittag »ach dem Borge. Ordnuna fta . ^'^« Uü.b ber 9=ftern bekanntgegebeneu auf bem Sc,«e fam um 9 Uhr mit Extrazug
Herzog und M der Groß-
°. d>- Fürstlichkeiten nebst Gefolge u. s. w zum umaL Sara " aut fr' ®Er e*- Kreuz angebracht wir, wÜrd^von 8 hiesigen R-gimenler in den Leichenwagen gchoben dem di- zahlreichen Kränze daraus gS ± b°r Zug in Bewegung. Dem Sarf^en der^ A Herzog, rechts von ihm Prinz Alfons von Ravern links von ihm der Sohn des Verstorbenen Gras zu Nidda und Pr.nz Christian von Schleswig-Holstein dann als Vertreter des Kaisers General v. Lindeauift Um w Uhr langte der Zug auf der Rosenhöhe an ' Zur Beisetzung hielt Hofprediger Ehrhardt einen ku^en I lrturgischen Gottesdienst mit anschließendem Gebet und Segen. Der Großherzog begrüßte noch die einzelnen Deputationen und fuhr dann ins Palais zurück. I
Rom, 20 September. Kardinal Ram polla richtete an alle päpstlichen Nnntiatnren eine Note, worin er sie auffordert, bei den betreffenden Regierungen Schritte zu tyun,. damit die internationalen Trupven in Peking gelassen würden, um eine Wiederholung der Angriffe und Mordthaten zu vermeiden.
r 9 kon , 20. September. Die deutsche Note
bezüglich Chinas ist der amerikanischen Regierung gestern zugestellt.worden. Dieselbe wird in dem heute stattfindenden Ministerrat. geprüft werden. Die amerikanische
6 r u n g zieht es vor, ihre eigenen Bedingungen den Großmächten zu unterbreiten. Sie soll be reits eine u n g ü n st i g e Antwort auf die deutsche Note vorbereitet haben.
I Zie Feldpostexpedition ist bereits mit dem Dampfer Preußen in Taku eingetroffen und entfaltet zwischen Taku I A^-^entsm eme rege Thätigkeit. Bei dem Vormarsch der I Diviston v. Lessel werden an den bedeutenderen Orten Zbldpoststationen errichtet, die unter der Leitung eines I Feldpostsekretars stehen, von denen sechs an der Expe- I chtwn teilnehmen. Der Dampfer Rhein, dessen Ankunft I der Peihomündung unmittelbar bevorsteht, bringt Aus- | rustungsgegenstände für fünf Feldpoststationen. — Der Oberleutnant v. Hippel, bisher 1. Offizier des Torpedo- divisionsboot D 10, wurde zum Flaggleutnant des zweiten
I bes ostasiatischen Kreuzer geschwaders, des Kontre-
I Admirals Kirchhoff, ernannt. Er wird sich an Bord des I großen Kreuzers Hansa, der vor Taku liegt, einschiffen.
I . Das 3. russische Sappeurbataillon, das aus Wilna m 0?^ eingetroffen war, um nach Ostasien abzugehen, I erhielt Befehl, nach Wilna zurückzukehren. Dagegen I 9l.n9e.Tl aus Odessa an Bord des englischen Dampfers I Sicman die kombinierten Bataillone der neugebildeten I drei sibirischen Schützenregimenter nach Ostasien ab
Anverwandte der bereits in China gelandeten I oder auf dem Wege dorthin begriffenen Truppen des ost- I asiatischen Expeditionskorps, welche über den Verbleib I eT Angehörigen unterrichtet zu sein wünschen, I haben etwaige Anfragen unter 'der Adresse: „Kriegs- Ministerium, ostasiatische Abteilung, Berlin W., Leipziger- I slraße 5" dorthin zu richten. Anfragen bei der ostasiatischen Abteilung über den Verbleib von Angehörigen der I kaiserlichen Marine und der bei Marinetruppenteilen befindlichen Personen, wie sie in letzter Zeit wiederholt vor- I gekommen sind, können von dieser Stelle aus nicht be- | antwortet werden.
Telegramme de- Gieherser Anzeiger-.
I L o n d o n, 20. September. Nach Berichten aus Shang- I Hai wurden durch, ein kaiserliches. Edikt die Viceköniqe I ^uklnyr und Tschangtschitoung zu Li-Hung-Tschangs Mit- bevollmachtigten ernannt. Dieselben sollen jedoch aus ihren Posten bleiben und nur durch Depeschen konsultiert werden.
Lo u do n , 20. September. „Daily Telegraph" ist der Ansrchx, daß wahrscheinlich ChinadiedeutschenVor- W«ge ablehnen werde, obgleich sie Englands Unterstützung sicher seien. „Daily Mail" glaubt, daß Graf Waldersee bei seiner Ankunft in Peking eine sehr I 'Hwirri g e Aufgabe vorfinden werde. „Daily Telegraph' meldet aus Petersburg, man sei dort der Ansicht, beixtf.^e Vorschlag von den vereinigten Staaten unterstützt werden wird. Ucber die Haltung Japans ist noch, Nichts authentisches bekannt.
e o 5'?0. September. „Daily Mail" meldet, der franzopsche Gesandten in Peking habe Li-Hung-Tschana vorgeschlagen, der Kaiserin-Mutter eine Mitteilung zuzu- stelien, damit diese sich mit den Großmächten verständigen könne. Li-Hung-Tschang lehnte diesen Vorschlag ab London, 20. September. Aus Shanghai wird qe- weldet: Man versichert hier, daß die chinesischen Delegierten sich weigern, eine Uebereinkunft mit den Vertretern der Großmächte zu treffen, die eine exemplarische Bestrafung der Kaiserin-Witwe verlangt. Die chinesischen Delegierten weigern sich jedoch^ nicht, der Bestrafung der Kaiserin durch Thronentsetzung zuzu- ftimmen. Sie billigen auch eine Bestrafung des Prinzen Tu an und , der übrigen verantwortlichen hohen Beamten die an der jetzigen Lage in China schuld seien. — Admiral Seymour wird heute nach Tientsin abreisen und sich von dort nach Peking begeben.
September. Bezüglich der Note von Bulow bemerken die weiften1 Blätter, daß diese Note eigentlrch überflüssig gewesen sei, da sie im wescnt-^ lrchen nur wiederhole was der französische Minister des Auswärtigen, Delcassee, bereits in einer früheren Note gesagt habe.
I nicht nur ohne Voreingenommenheit, sondern mit ÄT 8<*wft werde. - Nach demselben
I Blatte äußerte Li-Hung-Tschang, in der europäischen Presse I ^rden als die Schuldigen nicht immer die richtigen Per- I s"nen genannt. Er wisse, welche Leute die eigentliche Ver- antwortnng treffe, werde aber schweigen, um rützt die Rache der vereinrgten Mächte aus die richtige Spur zu
I l-vll VC 11 . #
englischen, französischen und österreichischen Blätter o^chGlgen sich mit der Cirkularnote des Staatssekretärs von Butow und billigen dieselbe auf das wärmste. Die englischen Blatter erklären sie für vollkommen identisch bem englischen Standpunkt. In den Pariser Blättern wird der gemäßigte Ton der Note gelobt und mit Besrie- dlgung konstatiert,, daß endlich! eine erste Basis für die sro Vn^tUK-9em sei. Deutschland bringe etwas
Methode-in die Bespreichungen der Mächte. Es werde denselben schwierig ihre Zustimmung zu versagen. Uebrigens scheine nur Rußland Neigung zu haben, selbst mit den Hauptschuldigen glimpflich zu verfahren. Der Wiener „Polit. Corresp." zufolge ist der Cirkularnote des Grafen v. Bülow ein vertraulicher Meinungsaustausch zwischen dem Berliner und anderen Kabinetten vorausgegangen
Meldung der „Polit. Corresp." dürften die Mächte, falls Deutschland darauf besteht, der A b s e tz u n a der Kaiserin-Witwe in China zustimmen. 9 rr- . < ndon wird berichtet: Prinz T s ch i n g erließ ein Cirkularschreiben an die Vicekönige, in dem er sie zum! , v ? er Fr ent den, ihrer Kirchen und Klöster und zur Unterdrückung der Boxerbewegung speziell in der Pro- vmz Petschili auffordert, um die Friedensverhandlunaeni zu erleichtern. a
Wie weiter gemeldet wird, besteht über die Frage der Zurückziehung ider Truppen aus Peking zwischen dem r^br^^lschen Gesandten Cong er und dem amerikanischen General C h a f f e e eine ernste Differenz. Chaffee Klangt die Zurückziehung, da alle militärischen Aufgaben
[eieu- Gonget erklärt, die Truppen seien zum Schutze der Gesandtschaft und der eingeborenen Christen I notwendig. Conger hat audE), gegen die Annahme Yunglus als Friedensunterhandler protestiert.
„Daily Expreß" meldet aus Shanghai: Salisbury habe nach Peking telegraphiert, daß die Rückkehr des Kaisers nach Peking eine Grundbedingung für den Beginn von Friedensverhandlungen sei.
^^"A^?^^preß" berichtet aus Hongkong: Feld- marichall Graf Waldersee lehnte in Singapore die Einladung der deutschen Kolonie zu einem Frühstück mit I Der Bemerkung ab, daß er nicht aufzufallen wünsche eme Aeußerung, die angeblich unter den Deutschen großes Mißvergnügen (?) erregte. In Hongkong, wo Gras Waldersee Sir Henry Blake besuchte, fand infolge dessen I keinerlei Empfang statt. - Der „Franks. Ztg." Lird aus Shanghai telegraphiert: Graf Waldersee, der auf der I „Hertha" Hongkong verlassen hat, wird am Freitag in I Wusung erwartet. I
8reitag den 2t. September 150. Jahrgang woo
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Amts- und AnzNgeblatt für» de» ALreis Gietzen.


