dessen scharfe Stimme mehr durchdrang. Beide Reden wurden mit lautem Beifall aufgenommen. Der Aus- stellungSkommissar Picard verteilte hierauf die Listen der preisgekrönten Aussteller. Es folgte noch der Vortrag der „Beschwörung deS „Roi de Lahore" von Masseuet, worauf der Präsident der Republik mit seiner Begleitung den Saal verließ.
Paris, 19. August. Ein Attache der hiesigen russischen Botschaft erklärte einem Mitarbeiter der „RSpublique", die Botschaft sei von einem bevorstehenden Besuch des Zaren nicht unterrichtet.
Bilboa, 19. August. In Gijon, wohin sich die königliche Familie gestern begab, verhaftete die Polizei zwei Italiener, die im Verdacht standen, Anarchisten zu sein.
Rom, 18. August. AuS Anlaß der Kommentare, welche von der italienischen und auswärtigen Presse an die Ehrenbezeugungen geknüpft wurden, welche die Geistlichkeit bei den Trauerfe ierlichkeiten für König Humbert erwiesen, veröffentlicht der „Offervatore Romano" eine Note, worin erklärt wird, die geistliche Behörde ließ feierliche Exequien für König Humbert zu, um gegen das ver- abscheuungswerte Verbrechen zu protestieren, dann aber auch im Hinblick auf daS unzweiselbare religiöse Empfinden dcS Königs Humbert, welches der Verewigte noch in der letzten Zeit bei Gelegenheit des Papstjubiläums bewiesen habe. —
— Den Blättern zufolge soll die Entscheidung der Anklagekammer im Falle BreSci gestern abend erfolgt sein. BreSci weigerte sich auf Befragen, einen Verteidiger zu wählen, ein solcher wird seitens der Justizbehörden ernannt. Sämtliche Anwälte Mailands baten, nicht mit der Verteidigung des Königsmörders beauftragt zu werden. Der Prozeß ist auf den 29. August festgesetzt. Den Vorsitz führt G a t t i, Rat am Appellhof.
Ischl, 19. August. Die Geburtstagsfeier Kaiser Franz Josefs verlief in überaus würdiger Weise. Nach dem Gottesdienste empfing der Kaiser, umgeben von den Familienmitgliedern, Deputationen des Salzkammergutes, des Adels, verschiedener Körperschaften und der Schuljugend, welche in malerischem Zuge bei dem Kaiser vorüberzogen. Der Kaiser nahm die Glückwünsche der Deputationen, sowie eine vom Bürgermeister überreichte Adreffe entgegen, die viele künstlerische Aquarelle enthielt, und sprach allen mit weithin vernehmbarer Stimme seinen Dank für die Glückwünsche aus, die ihn so erfreuten. DaS angesammelte Publikum und die Deputationen brachen in begeisterte Hochrufe aus. Die Musik spielte die Volkshymne. Das Ganze gestaltete sich zu einer spontanen Huldigung für den Monarchen.
Belgrad, 18. August. Der König und die Königin von Serbien treten von Semendria ab die Rundreise im Lande am 19. August an und werden am 24. den Ge- burtStag der Königin Draga in Jakovo feiern, wo sie zum ersten Mal das vom Volk geschenkte neue Schloß bewohnen werden.
Petersburg, 18. August. Kaiser Nikolaus und Kaiserin Alexandra sind gestern nach Luga zu den Ma- növern abgereist.
Rewyork, 18. August. Die Volkszählung ergab für Groß Newyork 3 437 202 Personen, d. i. in zehn'Jahren eine Zunahme von 944 611.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 20. August 1900.
♦* Auszeichnung. Dem seitherigen Garde-Unteroffizier Bott zu Darmstadt wurde das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
" Landeslotterie. Bei der heute fortgesetzten Haupt- Ziehung fielen 1 Gewinn zu 100 000 Mk. mit Prämie von 400 000 auf Nr. 4377. — 4 A 3000 Mk. auf Nr. 2836, 3705, 11 598, 17 933. — 7 A 2000 Mk. auf Nr. 912, 1236, 6147, 6468, 20,548, 31 155, 32 484.-11 A 1000 Mk. auf Nr. 1890, 3402, 4832. 13 205,21 134, 21 506, 24289, 27 746, 29 063, 30 132, 31 467, = 21 A 500 Mk. ans Nr. 2070, 2817, 3066, 5272, 5328, 7344, 7509, 9189, 10006, 11 963, 13 220, 15 965, 17254, 17 959, 20 519, 21894, 23 929, 24 336, 26 071, 26 737, 27 615. - 44 A 400 Mk. aus Nr. 60, 676, 694, 1373, 1806, 1856,2451, 3024, 3201, 3618, 3776, 4124, 4283, 4377, 4845,6895, 7130, 7910, 8403, 9608, 10 750, 10 789, 11 698, 11 976,
12 380, 13 639, 13 864, 14240, 20 519, 21 410, 22 845,
23 519, 24 661, 24 675, 24 937, 25 631, 26 803, 27 859,
28 313, 28 485, 29 452, 30 195, 31 691, 31 999. (Ohne
Gewähr.) 7
* Sie Bereinigung der Gießener Militär vereine veranstaltete am Samstag, wie alljährlich, eine ErinnerungS- feier an die Schlacht bei Gravelotte. Der erste Teil der Feier galt den auf dem hiesigen Friedhose ruhenden gefallenen, oder an Wunden und Krankheit gestorbenen Kriegern von 1870/71. Gegen 8 Uhr abends nahmen die Militärvereine mit ihren Fahnen am Denkmal auf dem Friedhof Aufstellung. Nachdem der von einem Teil unserer Regimentsmusik ausgesührte Choral verklungen, nahm Herr Pfarrer Dr. Naumann das Wort zu folgender Ansprache: Altgediente, liebwerte Beteranen!
Ihr teuren Kameraden allzumal 1
Heute vor 30 Jahren, am 18. August 1870, wurde die furchtbar blutige Schlacht bei Gravelotte geschlagen. Unvergessen, auch nach den Jahrzehnten eines Menschenalters, bleibt dieser heiße, ruhmvolle Tag Men, die damals mitgekämpst haben, allen Deutschen, denen die Opfer und die Erfolge der Schlacht bekannt geworden sind.
Die Macht der Erinnerung, und der Drang, das Gedächtnis der gefallenen und gestorbenen Kämpfer zu erneuern, hat uns heute hierher geführt an diese Kriegergräber. Bedeutungsvoll und hocherfreulich ist eö, daß wir heute als Kriegervereinigung Gießen gemeinsam hierher gezogen find. Und in besonderem Sinne bedeutsam und erfreulich ist es, daß der Marineverein den anderen Kriegerver- brndungen sich zugesellt hat; ist dies doch ein Bild davon, daß endlich auch unsere deutsche Marine der Landarmee gleich wichttg und gleich tüchttg zur Seite getreten ist.
Mw alle noch Lebenden, bie alten, die einst mitgekämpst, und die Mgeren dre rm Fr,-den zu Wasser oder zu Land Militärdienst geleistet haben ehren heute in Einem Geist und Einer Liebe die gefallenen. die gestorbenen Krieger.
Doch nicht an Gravelotte allein gedenken wir heute an dieser Stätte, sondern auch an alle anderen Schlachten und Siege deS deutsch, französischen Kriegs, besonders an Sedan mit allem, was die dort geführten Kämpfe und erlangten Errungenschaften für unser Vaterland bedeuten.
Aber nicht die Schlachten als solche feiern wir an diesen Gräbern; nicht triumphieren wir über blutige Niederwerfung und Vernichtung der feindlichen Heerscharen, sondern wir ehren das Gedächtnis der deutschen Brüder, die als des Krieges teuerste Opfer in den Schlachten gefallen verwundet, gestorben und in fremdem, oder wie hier, auf heimischem Boden begraben worden sind; wir gedenken frohen Herzens immer von Neuem daran, daß ihr Blut geflossen ist, nicht vergeblich, sondern um öcn herrlichen Preis von Kaiser und Reich, mächtig und geachtet unter allen Völkern der Erde.
Dadurch wird eine Gedächtnisfeier an Kriegergräbern, wie wir heute sie halten, von selbst ein besonderer A u ü - druck des Dankes und eine stets neue Mahnung x u deutscher Treue.
Wie Vieles und Großes haben wir doch zu danken den Helden, die wn Streit gefallen sind ! Da« haben wir seit 1871 fo manches Jahr uns gesagt, froh darüber, daß das blutig Errungene nicht wieder verloren ging, sondern erhalten und gefördert wurde.
Heute aber, nach 80 Jahren, dürfen wir uns ganz besonder- freuen über den mächtigen Aufschwung des kaum geeinten Vaterlandes. Deutschland ist eine Weltmacht geworden. In allen Landen und Weltteilen ist des Deutschen Name geachtet, ist des Deutschen Hand rührig und mächtig, hat deS deutschen Kaisers Wort hohe Bedeutung. Dem entsprechend haben wir zu unserer wackeren Landarmee eine deutsche Kriegsflotte erworben, stets wachsend und zu mächtigerem Wachstum bestimmt Schon haben tm fernen China in heißen Kämpfen unsere Marmctruppen d»e glänzendste Feuertaufe erhalten, sie stehen gleich kampfesmutig und opferfreudig neben unseren wackeren Landtruppen. Chinas Regierung und Pöbelvolk hat eS frech gewagt, dem deutschen Reiche Schande und Schmach anzuthun. Sonst blieb solches ungesühnt. Heute ziehen auf des Kaisers Ruf Tausende wohl bewaffnet hinaus, Landtruppen, Seebataillone, Kriegsschisse mit ihren Besatzungen, um bie Schmach ju sühnen. Freiwillige finds zumeist, die deutscher Sinn, deutsches Ehrgefühl, deutscher Mannesmut hinaustreibt wider des deutschen Reiches Feinde. Ein deutscher Feldmarschall ist Oberkommandeur geworden über die vereinten Truppen aus 3 Weltteilen I Und wie hier deutsche und französische Krieger, im Tode längst versöhnt, friedlich neben etnanbcr ruhen, so kämpfen heute beutsche und französische Soldaten unter einem Oberbefehl Schulter an Schulter wider den gemeinsamen Feind!
O, wie Herrliches bedeutet doch daS Alles für unser deutsches Vaterland l Wir möchten es unseren gefallenen Kriegern hinunter rufen in die Gräber: Das habt Ihr, wackere Kriegsleute, ^stritten mit Eurem Herzblut I Und da ist es uns, als ob ihre Geister uns umschwebten und uns zuriefen:
Wir sind nicht gestorben, als wir den Tod erlitten, Die Freiheit bleibt erworben, für die wir gestritten!
So legen wir mit dem äußeren Zeichen des KranzeS an den Gräbern unserer Krieger unseren Dank nieder, den Dank des Vaterlandes, zum Ehrenzeugnis der Tapferkeit und Treue, mit der sie bis zum Tode sich bewährt haben.
Auch den dort begrabenen französischen Kriegern, die für ihr Vaterland treu gekämpft haben und ehrenvoll gestorben sind, weihen wir den Kranz.
Nicht stehen unsere Gefallenen vor unserer Erinnerung da mit ihren bleichen, von Schmerz durchfurchten Angesichtern, sondern als die Verklärten, die überwunden haben.
DaS Kreuz, das ihre Gräber ziert, Sagt uns, sie haben triumphiert!
Laßt uns auch die Mahnung beherzigen, die aus den Kriegergräbern uns entgegentönt, die ernste Mahnung zu deuscher Treue!
Gott seis geklagt, daß diese Mahnung noch so nötig ist in unserem Vaterland! Giebt es doch gar viele Deutsche, die von solcher Treue nichts wissen wollen, die unserem Kaiser und Reich nörgelnd, feindselig entgegenstehen. Ja, erleben wir es doch in diesen Tagen, daß ganze Parteiungen und Klassen der Gesellschaft in öffentlichen Kundgebungen als die Freunde unserer Feinde sich beweisen, daß sie sogar die Partei bet rohen, grausam stecken Chinesen ergreifen, daß sie über die wackeren deutschen Freiwilligen, bie für das Vaterland hinausziehen, spotten, und es ihnen gar gönnen würden, wenn der edle Chinese sie in Stücke haut. In die Gräber unserer Krieger rufen wir es mit deutscher Entrüstung hinunter: Solches geschieht im deutschen Reich, das Ihr ruhmvoll mit Eurem Blut erkämpft habt!
Da gilt es wahrlich, die Mahnung zur deutschen Treue zu be- herztgeu. Lor allem ist eB der Beruf der Veteranen, die ebmso wie die Gefallenen einst mitgekämpst haben, vaterländische Gesinnung, Treue zu Kaiser und Rlich, echt kameradschaftlichen Sinn unter sich zu pflegen, und dann auch unter den jüngeren Kameraden zu werfen und zu bewahren, die sich nach ihrem Militärdienst lm Frieden zu ihnen gesellt haben. Ist doch Krmeradfchaft und deutsche Treue nirgend« schöner als bet denen, die die Waffen trugen. Wo also die alten und die jungen Krtegrr treu zusammen stehen, da sind sie eine deutsche Macht, erhaltend, rettend, oorbildlich im Vaterland. Wir alle aber wollen an bte<en Kriegergräbern deutsche Treue geloben, Treue zu Kaiser und Reich, zu Fürst und Vaterland, zu deutscher Macht und Ehre.
Und dabei bleiben uns unvergiffen d!e teueren Toten, die deS Krieges Opfer geworden sind; unvergessen bet uns, die wir mit ihnen Zusammen waren, alS sie kämpften und starben; nach dreißig Jahren stnö wir pun a.lt und älter geworden, wer weiß, wie bald das Ende kommt!
Ihr jüngeren Kameraden aber, in der Kraft und Blüte Eurer J«hre, Ihr könnt noch manchen Kampf und Krieg erleben in dieser unruhigen, Völker bewegenben Zett. Dann habt Ihr vor Augen zu ernster Mahnung nicht nur solche Kriegergräber, sondern jetzt auch unser Kriegerdenkmal dort in der Mitte der Stadt, das Luch an die einst Gefallenen erinnert, aber auch an die Kriegsveteranen, die noch unter Euch leben. Seid dann tapfer und treu, wie sie gewesen sind!
Wir alle aber wollen, io lange wir leben, das Gedächtnis unserer gcftHenen Krieger In Ehren halten und ihnen auch heute ins Grab hinunter den frommen Gruß des Glaubens bringen:
„®ott befohlen, Ihr Brüder.
In einer anderen Welt wieder!N
Die Worte des geschätzten Redners machten aus die Versammlung einen ergreifenden Eindruck.
Im Namen der Kriegervereiniguug legte Herr Karl Möbus je einen Kranz an den Denkmälern der deutschen und französischen Gefallenen nieder. Nach der Feier marschierten die Kriegervereine unter klingendem Spiel zum Marktplatz, wo Herr Postsekretär a. D. Mayer unter Hinweis auf die große Zeit von 1870/71 und unter dem Ausdrucke des Dankes an alle, welche zur Errichtung des Denkmals beitrugen, einen Kranz am Kriegerdenkmal niederlegte. — Der Spätabend vereinigte di' Militär- Vereine zu einem Banket in Steins Garten, das in allen Teilen schön verlief.
** Freiwillige nach China. Heute morgen 4 Uhr mar- schirrten ca. 35 Mann, meistens Reservisten unseres Regiments Kaiser Wilhelm, unter den Klängen der RegimentS- mufik zum Bahnhof, um sich zunächst nach Darmstadt zu begeben, wo die Truppen sich zu größeren Verbäuden sammeln.
Familien Nachrichten.
Gestorde«: Herr Maximilian Franck, König!. Hauptmann und Batteriechef im Hess. Feld-Art.-Regt. Nr. 11, in Darmstadt. — Phtttpp Gerlach in Seguin (Texas), Sohn des Generalmajors z. D. Gerlach m Darmstadt. _____________________ _ —
. **. Der Marine-Verein Sieben sandte zum Geburtstage des Prinzen Heinrich von Preußen folgendes Glück- wunschtelcgramm:
»n Se. Kgl. Hoheit, Prinz Heinrich von Preußen. Zum heutigen Tage die hlrzlichsten Glückwünsche.
Der Vorstand de» Marine-Verein« Gießen.
Daraus ging folgende Drahtantwort ein:
r , , m Hofmarschallamt.
- Hoheit Prinz Heinrich von Preußen haben mich gnädigst beauftragt, dem Marineo-retn Gießen |flr die zum heutigen Tage dargedrachlen Glückwünsche Höchssseinen telonberen Dark zu erkennen ,u geben. Frhr. von Sickendorfs.
ck Grünbcrg. 18. August. Die Weichensteller Ludwig Hahn aus Heuchelheim und (donnert aus Grünberg feierten heute ihr 25jä hriges A n st e l lu n g sj u b i - la u m.
b Friedberg, 19. August. Dem hiesigen Krieger- und Militärverein wurde heute anläßlich seiner Fahnenweihe von dem Kaiser ein prachtvolles Fahnenband und ein Fahnen nagel in der Form eines Adlers verliehen, die der Kreisrat Geheimrat v. Braden dem Verein überreichte.
Darmstadt, 19. August. Wie wir auS zuverlässiger Quelle erfahren, ist in dem Befinden des Finanzministers Küch ler bisher eine wefentlick)e Aenderung nicht eingetreten; die kürzlich stattgehabtc Ope ration, die übrigens nur in dem sog. Luftröhrenschnitt mit Einsetzung einer Kanüle bestand, da an dem eigentlichen Sitz der Krankheit ein operativer Eingriff nicht mehr möglich ist, kann nur die Lebensdauer des beNagenSwerten Mannes auf gewisse Zeit verlängern, da nach dem Ausspruch der Aerzte der Zustand unheilbar ist. Herr Küchlcr ist davon genau unterrichtet und fügt sich resigniert in sein Schicksal; möglichste Schonung im Sprechen und der Genuß frischer Luft kann nur den Krankheitsprozeß verlangsamen. Der Charlottenburger Professor, der ihn zum ersten Mal operierte, wie auch sein Wormser Hausarzt haben ihn nach der letzten zweiten Operation untersucht und obiges bestätigt.
Darmstadt, 18. August. Der Großherzog empfing den Oberleutnant v. Heuser vom 1. Großh. Feld-Artille rie-Regiment Nr. 25 (Großherzoglichcs Artillerie-Korps), den Oberleutnant v. Heyne, Adjutant des Großh. Train- Bataillims Nr. 25, den Knrdirektor von Bad Nauheim v. Gr olm a n, den Oberlehrer Zü r b, Rektor der höheren Bürgerschule in Neu-Isenburg, den Vizekonsul F e l l m e r von Mainz, den praktischen Arzt Dr. Dörr von Worms, den Professor der Tierheilkunde in Gießen Dr. Wink- Ier, beu Kreisarzt Dr. Nebel von Lauterbach, den Pfarramts-- Assistenten Sell von Langen, die Hochbau-Aufseher Wollrab von Alsfeld, Haas von Friedberg und Liebegott von Bensheim.
Mainz, 18. August. Der Zahlmeister-Aspirant Mertens vom Feld-Art.-Regt. Nr. 63, der Ende vorigen Jahres nach Unterschlagung von amtlichen Geldern nach Belgien desertierte und sich vor einigen Wochen in Kolmar wieder der Militärbehörde freiwillig stellte, ist durch kriegsgerichtliches, vom Korps-Kommando bestätigtes Urteil zur Degradation, 2. Klasse des Soldatenstandes und zu andert- yalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Zur Verbüßung der letzteren Strafe ist er in das Festungsgefängnis nach Köln transportiert worden.
•* Kleine Mitteilungen ans Heffen und de» Nachbarstaaten. Der Kreistag in Marburg ist auf Samstag den 1. September einberufen worden. Die wichtigste Vorlage, die ihn beschäftigen wird, ist die Beschlußfassung über die Beschaffung der Geldmittel zu dem Bau der EbSdorfer Bahn sowie die Wahl der Kommission zur Leitung deS Bahnbaues._______
♦ Paris, 19. August. (Eine große Feuersbrunst zerstörte in der vergangenen Nacht das Droschkendepot der Gesellschaft Agram. Man vermutet Brandstiftung seitens der Aufständischen. Der Schaden wird auf 200000 FrS. angegeben.__________________________________________________
-Arbeiterbewegung.
bm. Mainz, 19. August. Der Ausstand in den hiesigen Lederwerken dauert noch fort und ist jetzt nahezu auf daS ganze Werk ausgedehnt. Nur in der Abteilung für Larflederfabrikation wird noch gearbeitet, doch streiken hier auch die Mehrzahl der Arbeiter. Die Fabrikleitung verhält sich biS jetzt noch sehr ablehnend und hat weder dem Vorfitzenden deS Gewerbegerichts noch der sogenannten Lohnkommission einen Entscheid zukommen lassen, obwohl man letztere, dem Wunsche der Fabrikleitung entsprechend, nachträglich ausschließlich aus bisherigen Arbeitern und Angestellten der Lederwerke gebildet hat. Als einzige Bedingung des Chefs der Lederwerke ist bis jetzt bekannt geworden, daß derselbe erst dann in Verhandlungen eintreten will, wenn sämtliche Arbeiter die Arbeit wieder ausgenommen haben, eine Bedingung, auf welche die Streikenden nicht eingeben zu können erklärten. Nach Angaben der Arbeiter ist ein Teil der von dem Arbeiterpersonal gestellten Forderungen in den übrigen hiesigen Lederfabriken schon lange bewilligt, so Insbesondere die zehnstündige Arbeitszeit. Im allgemeinen ist die Lage für die Lederwerke eine ziemlich kritische. Bekanntlich haben dieselben in den zwei vorletzten Jahren gar keine und in dem ver- lossenen Jahr nur 1 Prozent Dividende zur Verteilung gebracht, was bei der gegenwärtigen ungünstigen Konjunktur in der Lederbranche der Fabrikleitung wenig Neigung zu einer Lohnerhöhung geben, sondern vielmehr den früher schon wiederholt aufgetauchten Gedanken einer Liquidation der Lederwerke wieder zur Erwägung bringen dürste.
Hamburg, 18. August. Bei Blohm L Voß wurden gestern 300 Tischler entlassen, weil sie sich weiaerten, Bettstellen für von auswärts erwartete Metallarbeiter aufzuschlagen.
Part», 19. August. Die 800 Kutscher deS UnternebmerS Camille bab-n heute die Arbeit ausgenommen. Die bisher unversöhnlich ausgetretene Compagnie O6n6rale läßt bei ihren Kutschern Listen zirkulieren, worin sich die Arbeitswilligen einzeichnen oll n. Die Maßregel hat jedoch wenig Erfolg.
Prag, 20. August. Die Vorbereüungen zum Donau- Moldau-Kanal haben begonnen. In BudwetS find Beamte eingettoffen, um Bestimmungen über die Lage des Kanals zu treffen und die Tiefe der Moldau festzustellen.


