Neben den wirklichen Hochschulen gedeihen nämlich in ' Amerika zahlreiche Schwindelinstitute, die gleichfalls ordnungsgemäß inkorporiert und für die Ausländer von jenen schwer zu unterscheiden sind. Der Begründer dieses Unwesens ist der aus Breslau stammende Zahntechniker Oskar Albert, der im Verein mit einem heruntergekommenen Chemiker aus München vor einer Reihe von Jahren in Chigaco eine Hochchschule für Zahnheilkunde gründete, wobei der vom Gesetze verlangte dritte Direktor überhaupt nicht vorhanden war, sondern nur auf dem Papier war. Albert trieb lediglich einen schamlosen Handel mit Doktordiplomen, ohne überhaupt ein Lehrinstut in seiner Anstalt zu halten. Schließlich wurde er von der amerikanischen Staatsanwaltschaft als Schwindler verfolgt und setzte seinen Handel von Canada aus fort, bis ihm auch dort der Bvden zu heiß wurde und er wieder nach Deutschland zurückkehrte. Nach dem von ihm gegebenen Muster gestaltet ist die noch jetzt bestehende Academy of Illinois, von der zahlreiche in Deutschland verbreitete Doktordiplome von Zahnärzten und Zahntechnikern herrühren. Ihre Begründer waren ein Zuckerfabrikarbeiter, ein heruntergekommener Kaufmann und ein ehemaliger Konstabler. Diese dunkeln Ehrenmänner sind in Amerika längst als Schwindler bekannt. Ihre Diplome, die sie in der Regel für 200 Dollar liefern, haben ein sehr ehrwürdiges Aussehen und sind von einem Notar beglaubigt, was aber nicht viel besagen will, Äa diese notarielle Beglaubigung sich lediglich auf die Echt
heit der Unterschriften bezieht. Neuerdings halten diese I Herren es für bequemer und sicherer, die Diplome gar I nicht mehr selbst anzufertigen, sondern sie in Brüssel I vorrätig drucken zu lassen. ES ist daher in den Kreisen 1 der deutschen Zahnärzte und Zahntechniker selbst eine Be- | wegung gegen diesen plumpen deutsch-amerikanischen Schwin- I del entstanden, der die Behörden veranlaßt hat, sich genaue I Auskunft über das Wesen und Treiben dieser „Hochschul- I direktoren- zu verschaffen und gegen die Träger dieser 1 Titel einzuschreiten.
• Uufiun, du siegst! Aus Neustadt a. H. schreibt man I vom 16. Juli: Hier tagte gestern der neugegründete I „Pfälzische Raucherverband" und hielt zugleich mit I der Feier des ersten VerbandSsestcs ein Preisrauchen I ab. Im Bereinswettrauchen holte sich den ersten Preis I der Rauchklub „Wolke"-Kaiserslautern, Diplome der Rauch- I klub „Heiterkeit" - Frankenthal, Rauchgesellschaft Neustadl I und Rauchklub „Gemütlichkeit"'Frankenthal. Im Cigarren- I Schnellrauchen trug den ersten Preis I. Klingenberger- I I Frankenthal davon; er blies seinen Glimmstengel in 2,20 I Minuten in die Luse, strengte sich aber dabei derart an, I daß von Zunge und Gaumen sich die Haut löste. I Im Cigarren-Langsam rauchen holte sich den ersten I Preis I. Christ-Neustadt, indem er seine Cigarre zwei I Stunden lang im Feuer kielt. Den ersten Preis im I Tabakschnellrauchen errang wieder Klingcnoerger- I Frankenthal. In der Konkurrenz unter den besten Tabak- I I räuchern siegte die Rauchgesellschaft-Neustadl.
* München, 19. Juli. Als ein Ergebnis der Kammer- I I Verhandlungen darf es betrachtet werden, daß nun auch in I I München der Frage des Frauenstudiums näher getreten I wird. In weiten Kreisen der Bevölkerung wird daS dringende I Bedü'fnis empfunden, begabten jungen Damen die Wege I des akademischen Studiums zu eröffnen. Diesem Bedürf- | I nis entgegenzukommen, beabsichtigt Gymnasialprofessor und | I Rektor a. D. Adolf Sickenbe-ger zunächst einen Privat- I gymnasialunterricht für Damen einzurichten zur Erlangung I des Gymnasialabsolutoriums.
• Unfälle in den Bergen. Der Warschauer Adjunkt I Dr. Kronenburg ist im Tatragebirge abgestürzt und I schwer verletzt. — Der Berliner Turnlehrer Weigand mit I dem Führer Moser aus Maierhöfen ist im Hillerthal beim I Abstieg von der Kreilsspitze zur Königsspitze nach Ueber- I schreitung der Suldenspitze und des Schrötterhorns ab- I gestürzt. Er war sofort tot. 21 Führer wurden aus dem I Suldenhotel abgesandt, sie brachten um Mitternacht die I Leichen. Weigand ist Junggeselle, der 35jährige Moser I Vater dreier Kinder. — Der Münchener Universitätsprofessor I Heinrich v. Ranke, Direktor der Kinderklinik, stürzte auf I Gut Laufzorn bei der Rehjagd ab und wurde mit drei I Rippenbrüchen sowie Schulterwunden bewußtlos aufgefunden.
* DieHitzein Spanienund Frankreichs Aus Madrid wird vom 19. Juli gemeldet: Gestern waren hier .vierzig Grad im Schatten. In ganz Spanien I herrscht eine furchtbare Hitze. — Aus Paris wird be- I richtet: Hier hat die Hitze einen schion seit Jahren nicht I belob achteten Höhengrad erreicht; der Aufenthalt in der I Stadt wird manchmal zur Qual. Man sucht durch alle I möglichen Mittel, wie fleißige Straßenbesprengniisi, I Waschen der Straßen re., eine teilweise Mkuhlung herbei I zuführen, aber mit wenig Erfolg. Der Konsum von kühlen I den Getränken, insbesondere der sehr beliebten Carafes | frappees, mit Eis versetzte Wasserflaschen, ist ungeheuer. I Auf den Boulevards ist eine Unzahl fliegender Stände, die I Eiswasser, Gefrorenes re. feilbieten, aufgeschlagen und fin- I den starken Zuspruch, und die Camelots haben einen Er- I werb gefunden, indem sie alle möglichen Formen von I Taschenfächern an den Mann bringen. Das Schlafen in I den heißen Zimmern wird auf ein möglichst geringes Maß I beschränkt, und so sind die Cafes und Tavernen bis spät I in die Nacht vom Publikum okkupiert. Auch in der Aus- I stellung macht sich die Hitze recht unangenehm fühlbar; I den Restaurateuren freilich ist die Sache nicht so unan- I genehm. Die „Bocks" gehen massenhaft ab.
Wagen einen Briefkasten anbringen lassen, ohne hierfür' der Gesellschaft eine besondere Vergütung zu zahlen. Die Beförderungsvergütung beträgt bei Brief- und Paketbeförderung 36 Mk., bei Briefbeförderung allein 18 Mk. jährlich für jedes täglich zurückgelegte Kilometer, was einem' Satze von rund 10 und 5 Pfg. für das Mometer entspricht (in den Oberpostdirektionsbezirken Darmstadt, Karlsruhe und Straßburg belaufen sich die DurchschnittSfätze der Vergütungen für die zur Postsachenbesörderimg benutzten Privatpersonenfuhrwerke auf 13,2, 13,1 und 9,3 Pfg. für das Kilometer). Sobald die Rente der Gesellschaft den Betrag von 5 v. H. übersteigt, ist die von der Postverwal taug zu zahlende Vergütung entsprechend zu ermäßigen. Nachdem verschiedene kleine Mängel, die sich bei der Neueinrichtung herausstellten, gehoben sind, finden die Fahrten nunmehr völlig regelmäßig;statt. DielPeistungeilder Wagen genügen billigen Anforderungen; ihre Verwendung zur Postbeförderung hat sich durchaus bewährt.
* Schauspieler-Proletariat. Welche Gagen „mittlere Stadttheater" zahlen, darüber giebt eine Annonce, die eine Theateragentur in einer Bühnenzeitung erläßt, bezeichnende Auskunft. Der „Operettenkomiker" verdient, wenn er nebenbei noch die Regie führt, 150 Mk. „Jugendliche Helden" werden mit 80—120 Mk. entlohnt. 90 Mk. werden „Charakterspielern", die singen können, geboten. „Muntere, naive und sensationelle Liebhaberinnen" haben einen Kurswert von 75-90 Mk., „komische Alte" von 80-90 Mk. Am lebhaftesten begehrt scheinen „junge Damen und Herren"
I (Anfänger) zu sein. Von ersteren werden in dem betreffenden Inserat 15, von letzteren 6 gesucht. Ihre Gage schwankt zwischen 60 und 70 Mk.
Universität und Hochschule.
— Der Dozent an der juristischen Fakultät der Universität Breslau vr. R Schott, hat einen an ihn ergangenen Ruf an die Dominikaner- Lehranstalt Freiburg in der Schweiz abgelehnt. — In Wien ist der Sekttons-Chef Dr. Wilhelm Exner um seine Pensionierung als Professor der mechanischen Technologie an der Hochschule für Bodenkultur eingeschrttten. - Aus Paris wird berichtet: Die Akademie der Wissenschaften wählte einstimmig den Mathematiker der Um« versität Bonn Prof. Rudolf Lipschitz zum auswärtigen Korrespondenten für die geometrische Abteilung. In der gleichen Sitzung gelangte eme interesiante Arbeit des mit den anderen Europäern m Peking meder- gemetzelten Dr. Matignon über den „Aberglauben in China unter Zeichen allgemeiner Teilnahme zur Verlesung.
Meratur.
— Ein neues großes Kartenwerk für Radfahrer ist Mittelbach'S Planprofilkarte von Deutschland. Diese Karte stellt eme interessante Verbindung der gewöhnlichen Landkarten mit der Prosil- manier dar. Sie enthält zunächst als Landschastskarte alles was man von einer guten Karte verlangen muß. Ein genaues Bild der Straßen und fahrbaren Wege in Schwarz, mit Unterscheidung der verschiedenen Straßenarten bezw. deren Beschaffenheit, die Wälder m hellem Grün, Gewässer und Wasserläufe in hellem Blau, vorzügliche Grundplanzeich- uungen sämtlicher Ortschaften mit ihren wesentlichen Straßenzügen, was unendlichen Wert für Radfahrer hat, Berggipfel, alle sehenswerten Objekte. Der Hauptwert der Karte liegt aber darin, daß bei allen Hauptstrecken das Profil der Straße in leichtem Gelb durchschimmert, sodaß jeder Radtourist sofort die Steigungsverhältniffe überblicken kann. Wenn man nun noch in Betracht zieht, daß bei Bearbeitung dieser Karte alle» Material zur Verwendung gelangte, daS sich auf Entfernungen von Ort zu Ort, auf Pflasterstrecken, gefährliche Wegstellen usw. bezieht und daS in den letzten zwölf Jahren aus den gebildeten Kreisen der ganzen deutschen Radfahrerschaft für Mittelbach gesammelt worden ist, so darf man gewiß behaupten, daß diese neue Planprofilkarte infolge ihrer Vorzüglichkeit als Jdealkarte der deutschen Radfahrer zu bezeichnen ist. Erschienen sind bisher die Blätter: Göttingen, Magdeburg und Erfurt.
Familien Nachrichten.
Gestorben r Herr Georg Schmidt in Darmstadt. — Frau Louise Karoline Gremm, geb. Kraus, in Melbach.
Sport, Spiel, Jagd.
— Rad-Rennen zu Gieße«. Die Ausstellung der am nächsten Sonntag zur Verteilung gelangenden Preise in dein Schaufenster der Firma Ang Oßmann, Seltersweg, erregt fortgesetzt das lebhafte Interesse der Passanten. Wie immer, so hat es sich die Rennleitung auch dieses Mal angelegen sein laffen, alle Gegenstände der Ausschreibung genau anzupassen, fobafc die Sieger vollauf ihre Rechnung finden und Beschwerden in dieser Beziehung, wie man solche an manchen anderen Plätzen gewöhnt ist, hier nicht vorkommen dürsten. — Die Vorverkaufsstellen für die Eintrittskarten befinden sich in der Konditorei Hettler, Südanlage, in der Schreibmaterialienhandlung H. Roll, Mäusburg, und in dem Zigarrengeschäst von C. Netter, Lindenplatz. Die Billets zu den besseren Plätzen sind dort erhältlich, wie aus bet heutigen Annonce unb ben Plakaten ersichtlich ist. Die Nachfrage hat sich schon jetzt sehr rege gestaltet, sobaß ben Interessenten nur bringend empfohlen werben kann, sich bie gewünschten Plätze alsbalb zu sichern.
* Postfachenbeförderung mittels Motor- | wagen. Am 15. Dezember 1899 find von der Speyerer Motorwagengesellfchaft m. b. H. in Speyer Fahrten auf den Strecken Speyer—Otterstadt—Waldsee, elf Kilometer, Speyer — Dudenhofen — Harthausen, acht Kilometer, Speyer—Dudenhofen—Hanhofen—Geinsheim, 14 Kilo !
meter und Speyer—Berghausen—Mechtersheim, sieben Kilometer eingerichtet worden, die von der bayerischen Postverwaltung vertragsmäßig zur Beförderung von Postsendungen mitbenutzt werden, und zwar findet zunächst eine täglich zweimalige Brief- und Paketbeförderung statt. Die Wagen sind mit Benzinmotor betriebene Daimlerwagen. Sie find vierräderig und ähneln in ihrem Aenßern den elektrischen Straßenbahnwagen. Wie diese haben sie einen Vorder- und einen Hinterperron, von denen jedoch der erstere lediglich für ben Führersitz und für die Fahr-, Steuer- unb Bremsapparate verwenbet wirb. An ben Längsseiten befinben sich je fünf große Fenster. Die Länge bes Wagens beträgt 5,6 Meter, seine Höhe vom Erbboden aus gerechnet 2,8 Meter, seine Breite 1,8 Meter. Der Wagenkasten allein ist 3,5 Meter lang und 1,9 Meter hoch. Zur Unterbringung her Postsachen dienen ein mit Blech ausgeschlagenes und mit doppeltem Verschlüsse versehenes Gelaß auf der linken Wagenfeite unter dem Führersitz und ein durch eine wasserdichte Decke geschützter Deckladeraum. Die Wagen werden von einem Führer und einem Schaffner begleitet. Letzterer hat auch für die Uebernahme und lieber« gäbe der Postsendungen zu sorgen und wird für ben Post- dienst verpflichtet. Auf Verlangen hat bie Gesellschaft außerdem bei jeder zur Postbeförderung benutzten Fahrt einen besonderen Postbegleiter unentgeltlich mitzunehmen. Sie hastet für bie ihr übergebenen Sendungen der Post- verwaltung in demselben Umfange wie diese den Absendern. Der Fahrplan, dessen Aufstellung unter Mitwirkung der Postverwaltung stattzufinben hat, soll ben Bedürfnissen des Postdienstes thunlichst Rechnung tragen. Für je eine Hin- unb Rückfahrt auf allen vier Linien steht der Post- : Verwaltung das Recht zu, die Abfahrtszeiten nach eigenem | Ermessen festzusetzen. Auch kann sie an der Außenseite der
schlimmere Ausschreitungen vorgekommen sind, als nach dem I Ausmaß der verhängten Strafen zu schließen ist, steht nach I dem Verhalten der offiziellen Vertreterschaft der Studierenden, des Ausschusses, außer Zweifel (und wirb in den obigen Ausführungen der „Darmst. Ztg." auch zugegeben. D. Red. I d. G. A.) Weswegen hätte sie sich denn zu der doch immerhin demütigenden offiziellen Entschuldigung gegenüber Herrn I Bürgermeister Gaßner verstanden, wenn nicht Veranlassung | dazu vorgelegen hätte? Möge doch das Rektorat die Er- I gebnisse der Untersuchung im Einzelnen veröffentlichen und I dadurch den in seiner oben skizzierten Kunstgebung lugen I gestraften Zeitungen Gelegenheit geben, ihre Behauptungen l entweder zurückzunehmen oder zu beweisen; dann Dürfte I Klarheit geschaffen werden, sonst nicht."
Mainz, 19. Juli. Das Ministerium des Innern, Ab- I leilung für Schulangelegenheiten, hatte seinerzeit die Ent- I fernung des Predigers der freireligiösen Ge- I meinbe zu Mainz aus dem Schulvorstande verfügt. Auf die von dem Prediger selbst und der Gemeindevertretung an das Staatsministerium erhobene Beschwerde hat I nun nach der „Mainz. Volksztg." das StaatSrnmisterium eine Regelung dieser Frage durch die Einbringung einer Gesetzesvorlage an die Ständekammer zugesichert. — Durch einen unglücklichen Zufall wurde heute Vormittag auf den hessischen Scheibenständen bei Mombach ein Soldat von der Leibkompagnie des 3. Großh. Hess. Ins. Regis. Nr. 117 erschossen. Der Schütze, der unglücklicherweise den Schuß abgab, den aber nicht bie geringste Schuld treffen kann, war ein Sergeant. Der Getroffene war sofort tot. Die Leiche kam, nachdem das Militärgericht an Ort und Stelle war, hierher in das Garnisonlazareth.
•* Kleine MitteUungen aus Heffeu und den Nachbarstaaten. In Frankfurt a. M. verstarb infolge Herzschlags beim Baden der Schlossergeselle Anton Zimmermann, Kruggasse Nr. 13 wohnend. ___________________
Vermischtes.
* Das Viertel „Echtes" unb „der Herr Ge- neral - Superintendent". In einem Dorfe Ostpreußens will der neu ernannte General - Superintendent Mrchen- unb Schulvifitation abhalten. Der Herr Pfarrer läßt ben Vorgesetzten durch einen biederen Landmann von der eine halbe Stunde entfernten Bahnstation mit bent Pastorwagen abholen. Da nun ber Herr General-Superintendent infolge der mangelhaften Bahnverbindung gezwungen ist, bis zum Abend als Gast in dem Dorfe zu verweilen, hat der Pfarrer feine Amtsbrüder aus der Umgegend eingeladen, an dem Imbiß, ben er seinem hohen Gaste vor setzen muß, teilzunehmen. Alles ist aufs beste vorbereitet und ein Viertelchen Echtes ist zum Labsal der Gaste aus Königsberg bestellt, von wo aus es mit dem Herrn Generalsuperiutendenten mit demselben Zuge eintreffen muß. Nachdem ber Herr Generalsuperinteubjeift im Wagen Platz genommen hat, entschulbigt sich ber biedere Bauer für einen Augenblick, ba er für feinen Herrn Pfarrer etwas aus der Gepäckexpedition abholen müsse. Mit bent Viertelchen „Echtes" kommt er zum Wagen zurück, verstaut es auf dem Kutschersitz, unb bie Fahrt kann nun losgehen. Unterwegs beginnt ber Herr Generalsuperintenbent, ein freundlicher, leutseliger Herr, mit dem Sandmann eine Unterhaltung, und auf bas Viertelchen weisend fragt er ihn: „Sagen Sie mal, mein lieber Mann, ist benn Ihr Herr Pfarrer ein so großer Freund von derartigen Getränken, daß er sich gleich ein so großes Gebinde |au§ Königsberg kommen läßt?" Unser braver Bauersmann! erwidert hierauf treuherzig: „I nei! Unser Herr Pfarrer de trinkt je goar nich moal so veel Bier, oaber da soll je heite so e Genefralstcher aus Keenigbarg kommen, für ben wird bas wohl fino".
• Zu dem amerikanischen Doktortitelfchwindel schreibt man aus Breslau: Vor einiger Zeit hatte das hiesige Polizeipräsidium gegen vier Zahntechniker, die auf Grund amerikanischer Diplome den Doktortitel führten, wegen unbefugter Führung eines Titels Strafmandate über je 50 Mk. erlassen. Zwei der Betroffenen hatten dagegen Einspruch erhoben, jedoch wnrde dieser vom Schöffengericht soeben als unbegründet zurückgewiesen, und die polizeilichen Strafmandate wurden bestätigt. Bei der Verhandlung war von besonderm Jntereffe die vom deutschen Generalkonsul in Chicago erteilte Auskunft über die sogenannten amerikanischen Hochschulen, von denen die in Deutschland so zahlreich verbreiteten amerikanischen Doktortitel meistens herftammen.
Humoristisches.
— Abkühlung. Herr: „Mein Fräulein, ich liebe Sie wahn- sinnig, mein Herz ist bereits gebrochen für Sie, meine Neigung macht blind für alles, ich bin taub gegenüber den Flüsterungen der Leute —*
Fräulein: .Sonst sind Sie aber gesund?"
— Nette Aussicht. Patient: „Wie viel berechnen Sie für das Zahnziehen?"
Dorfbarbier: „Für die Stunde fünfzig Pfennig l
-BeimSchopfgefaßt. Arzt: „WaS Ihnen not thut, das ist Ruhe, unbedingte Rubel"
Patient (zu seiner Hauswirtin): „Hören Sie, Frau Muller, Ruhe muß ich haben . . . Kommen Sie mir also nicht jeden Tag mit der Rechnung." _ v . .. . . _
* Ein Fortschrittler. Y-: „Aber Herr fegt w rb eS bald auffallen, daß Sie jeden Tag dsn Damen beim Schwimmm
„Wissen Sie, ich bin eben ein Freund der „Frauen- beroe®uÄ£rretlurt Gr^ (zu feinem Gast): - Leider hat
sich unter uns Edrlleuten manche üble Gewohnheit eingebürgert.
Söhnchen: „Papa, Du willst wohl sagen eingeadelt?'
Wetterbericht. Das barometrische Maximum hat zwar an Umfang und Intensität verloren, indessen besteht über den kontinentalen Lagen die Herrschaft des hohen Druckes fort. Außer der bereits seit einigen Tagen über dem Norden Europas lagernden Depression ist heute auch ein flaches Minimum über der Biscaya-See vorhanden. In Süd- deutschland ist das Wetter andauernd heiter und warm, indessen besteht die Neigung zu lokaler Gewitterbildung.
Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch meist heiteres und warmes Wetter mit Neigung zu lokalen Gewittern.


