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M. 142 Erstes Blatt.
Donnerstag den 2t. Juni
1900
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Die Wirre« in China.
Heber die Lage in Peking liegen noch immer keine, leg (aubig teil Meldungen vor. Die Nachrichten, über einen gegen die Gesandtschaften unternommenen An- ötift bei dem der deutsche Gesandte zu Schaden gekommen sein ^soll, wird weder bestätigt noch widerlegt. Die Rückkehr der «vom Admiral Seymour gegen Peking geführten ge- «nnschten Truppenabteilung nach Tientsin scheint festzu- fieijcn; indessen fehlt noch jede Aufklärung über die Mnbe, welche die Rückkehr veranlaßt haben. Englische Nckdurtgen wissen $u berichten, daß auch der Komm an - baut des „Iltis", Korvettenkapitän Laus, rrusllich verwundet und das Schiff selbst schwer beschädigt worden sei. Nach Erkundigungen an Berliner amtlichen Stellen ist bis jetzt keinerlei Bestätigung dieser Meldung eingegangen. Die Namen der iei ? aku gefallenen und verwundeten deutschen Matrosen sind noch nicht bekannt, jedoch erwartet man im Reichs- man neamt das Eintreffen einer Depesche hierüber stündlich. —
lieber die Schlacht bei Taku werden folgende Details aus Shanghai telegraphiert: Sonntag Nacht um 1 Ufrc eröffneten die Forts unerwartetdas Feuer auf die ruhig vor Anker liegenden Schiffe. Ter.„I ltis" und das britische Schiff „A l g e r i n e" Nrinen total überrascht und litten schwer; sie rrhirlten an 14 Treffer. Hierauf eröffnete die kombinierte Flotte ein furchtbaresFeuer. 2 Forts! Itnninen buchstäblich in Stücke geblasen. Hierauf lan- fceten die Schiffe 2000 Mann, bestehend aus Engländeric, -mmikanern, Deutschen, Russen, Franzosen, Oesterreichern, Italienern und Japanern. Diese erstürmten die Zoits; diefliehendenChinesen wurden der russi- jdjen Landtruppe in die Arme getrieben. An 400 .Sffiiuefen sollen gefallen sein. Mehrere Schiffe sollen Don iben zwölfzölligen Geschützen der Forts getroffen sein, iknr itter der „Iltis". Eine Granate sprengte das Pulver-Magazin des russischen Kanonen- lbaots „Mandschur", das Schiff flog in die Luft. Sitte kamen nm. Der Angriff der Chinesen soll auf persönliches Edikt der Kaiserin erfolgt fein. Die Hhint fische Garnison floh nordwärts, dnrchschnitt die Tele- Mphendrähte und äscherte die Dörfer ein. Die Verluste «auf iöer „Algerine" seien leicht, die Verluste der Sturm- Lloimen seien unbekannt. Die vereinigten Admiräle gelten die chinesischen Kreuzer zweiter Klasse auf der Äiftt nseite von Taku zurück. Dem britischen Kontreadmiral fn b-is 2 Uhr am Nachmittag des 17. keine Nachricht zu- ztga ngen, daß der kommandierende Admiral nach Tientsin Airückkehrte. Diese Meldung sei neuer als die gestern ein- gtgangene Nachricht eines japanischen Torpedoboots von Mc Rückkehr des Admirals.
'Was die Nachricht von der Einnahme der Gesandt- zckoften «undder Ermordung des Frhrn. v. Ketteler betrifft, f> hat man nach wie vor allen Grund, außerordentlich! Sfeptisch zu sein. Die Meldung stammte von Shanghai irl war von Hongkong datiert, um die Spur zu vermischen. Entweder vorn Taotai Scheng, dem Haupte der Mesischen Telegraphenverwaltung, oder doch aus dessen flui-rau muß sie h?rvorgegangen sein. Shanghai selbst Man sich ein schlimmer Ursprungsort für Nachrichten, Ao-nders in aufgeregter Zeit, allein es ist ein Punkt, too vieles zusammenläuft, iind der Taotai Scheng soll ein Titeauensmann der Kaiserin sein und in ihrem Namen uir.tex anberm Depeschen durchmustern. Wie es scheinst, Hon dieser Biedermann oder jemand in seiner nächsten Ache von einem oder mehreren Berichtejrstattern, die wahr- steinlich Mitarbeiter dort erscheinender Zeitungen sind, L-°e bohrt worden. Möglich auch daß einer glückliche Mrrversuche gemacht hat, die auf gemeinsame Kosten idrlexttommen und dem Agenee Nationale, den Agenturen' Man und einem New Yorker Blatte zugute gekommen iteb In London erklärte man in dem einen oder anderen «Me mit der Unfehlbarkeit, die dem Mangel an Kenntnis ar Verhältnisse außerhalb Londons entspringt, die Hin- tiflitung auf chinesische Zensur für lächerlich Es scheint. Ec doch etwas daran gewesen zu fein, und der Taotcn Sbena wurde, wie dem Daily Expreß aus Shanghai ge- ttldet wurde, seit Samstag abend vergeblich ge- ulb»t Es mag dem Bertrauensmanne der Kaiserin bet U meueften Wendung der Dinge wohl etwas unbeimh^ E^DerÄrre'spondent der „Daily Telegraphen Shanghai
Ö3nrnn ketteler habe 5 bis 6 Wochen vor Äus-^ 6,1 bet jetzig Unruhen vor einer Versammlung des- dwlMmatischen Korps bestimmt erklärt, alle bisher zum/ Zchiutze der Europäer in China und auch zum Schutze der MKdtschasten in Peking getroffenen Maßregeln seienl un- MXiüchend. Wenn nicht bessere Maßregeln getroffen wur- §tn, werde binnen kurzer Zei^ine große ^bderme^rung von Christen stattfinden, und selbst dte Gesandtschaften niirtoen nicht geschont werden. . . .
Der japanische Konsul in Tschifu hat nichts davon gemeldet, daß die fremden Gesandtschaften in Peking genommen feien.
Die Missionsgesellschaft in London hat ein Telegramm aus Hankau am 18. d. M. erhalten, wonach die Missionsgebäude in Tsaoschih in der Nähe von Hankau von einem Pöbelhaufen zerstört worden sind. Die Missionare seien wohlbehalten in Hankau eingetroffen.
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Wie fast alle andern Großmächte Truppen nach China senden, um ihre Staatsangehörigen und ihre Interessen zu schätzen, so hat nun auch. Kaiser Wilhelm die Mobilmachung des 1. und 2. Seebataillons zur Entsendung nach China befohlen. Unsere Marine hat drei Seebataillone, das erste steht in Kiel, das zweite in Wilhelmshaven und das dritte mobile Bataillon in Tsingtau im Gouvernement Kiaulschou; alle drei zusammen bilden unsere Marine-Infanterie. Kommandeur des 1. Bataillons ist Major v. Madai, Adjutant Oberleutnant Vitzthum v. Eckstädt; Kompagnieführer sind die Hauptleute Frhr. v. Seherr-Thoß, v. Schmid, Frhr. v. Rheinbaben, v. Busse. Kommandeur des 2. Seebataillons ist Major v. Kronheim, Adjutant Leutnant Schultz, Kompagnieführer sind die Hauptleute v. Falkenhayn, Fricke, Wellenkamp und Gudewill. Beide Seebataillone, zusammen 2400 Mann, ergänzt durch Mannschaften aus der Armee, werden innerhalb 8 Tagen nach China in Marsch gesetzt. Der Panzerkreuzer „Fürst Bismarck" nimmt 300Soldaten. Das neu erbaute Kanonenboot „Luchs", ursprünglich, nach Amerika besttmmt, geht gleichfalls nach China. Das Kommando überninfmt Generalmajor v. Höpfner. — S. M. S. Irene ist am 19. d. M. mit 240 Seesoldaten von Tsingtau nach Taku abgegangen. In Tsingtau ist ist alles in Ruhe.
Ueber die gemetnfaineir-^ör er ß n a h men der Mächte erfährt ein Berliner Blatt von angeblich gut unterrichteter Seite, daß, falls Japan die ihm non bett Mächten an- gebotene Mission, die militärische Exekution in China zu übernehmen, ablehnetr sollte, dem deutschen Reiche die führende Rolle zufallen würde. Es soll aiuf), eventuell die Entsendung einer deutschen Jnfanteriebrigade, die mutmaßlich dem schleswig-holsteinischen Armeekorps entnommen werden mürbe, in Aussicht genommen fein.
Von den eingeborenen englischen Truppen in Indien sollen sechs Regimenter, eine Kompagnie Genie- folbaten und eine Batterie Artillerie nach China gehen. Japan beschloß 3000 Mann nach China zu senden.
Im französischen Kriegshasen Toulon, herrscht eine rege Tätigkeit, doch haben bis jetzt nur zwei Kreuzer Befehl erhalten, zur Abfahrt bereit zu sein. Es ist auch die Rede davon, daß eine Division leichter Kreuzer gebildet werden soll. Die 4. Brigade der Marine-Infanterie hält sich zur etwaigen Verstärkung der kolonialen Kontingente bereit. In dem am Dienstag abgehaltenen französischen Ministerrat machte der Ministerrat machte der Minister des Auswärtigen, Delcasse, Mitteilungen über die Vorgänge in China und stellte fest, daß zwischen allen Mächten stets eine vollkommene Ucbercinftimmung in allen Punkten herrschte. Wie ein Telegramm des französischen Konsuls in Shanghai meldet, sandte der Vizekönig am Sonntag an die Zivil- und Militärbehörden den dringenden Befehl, für die Sicherheit der Ausländer zu sorgen. Die Befürchtungen wegen Verwicklungen am Dangtse- kiang und in Szetschuan haben sich vermindert. (Nach einem Reutertelegramm soll jedoch auch in Szetschuan ein Aufruhr ausgebrochen fein. Szetschuan ist die nördlich vom oberen Lause des Yangtsekiang gelegene Provinz, deren Hauptstadt Tschungking 1500 Kilom. westlich von Shanghai liegt.) In dem Telegramm wird ferner mitgeteilt, daß Lihungtschang die dringende Aufforderung erhielt, nach Peking zu kommen, er werde daher am 22. d. M. Kanton verlaßen. Der Marineminister de Lanessan teilt mit, daß der Kreuzer ^Guichen" am 23. d. M. nach Taku und die Kreuzer „Admiral Charner" und „Friantt am 29. d. M. ebendorthin in See gehen werden. Gleichzeitig sollen 2 Bataillone und 2 Batterieen auf dem Tranportschiff „Nive" eingeschifft werden.
Die italienischen Panzerkreuzer „Carlo Alberto", „Strombolino" und „Vesuvio" erhielten Befehl, sich zur Abfahrt nach China bereit zu halten.
Die russische Regierung zeigte in einer Circular- note den Kabinetten an, daß sie neuerlich 4000 Mann in China landen laße zu einer gemeinsamen Operation mit den (Kontingenten der anderen Mächte. — Nach anderen Meldungen schickt Rußland sofort noch weitere 20000 Mann ab.
Heber Niedermetzelungen der Ausländer in Peking sind in Shanghai die wildesten Gerüchte im Um
lauf, denen aber bester informierte Personen keinen Glauben schenken. Der sensationelle Bericht ist in Shanghai eingetrosten, daß Tientsin von chinesischen Soldaten verbrannt fei, daß Yulu, der Vizekömg von Petschili, geflohen fei, um der Degradation zu entgehen. — Nach der „Times" ist über die Lage in Peking nichts weiter bekannt, als daß die Chinesen und Mandschus zwei Angriffe auf die Gesanddtschaften unternommen haben, daß sie aber durch die Schnellfeuerkanonen nieder gemäht worden sind, namentlich durch diejenigen Geschütze, die sich vor den Thoren der englischen und der russischen Gesandtschaft befinden. Viele hohe Beamte sollen getötet worden sein. — In der chinesischen Armee sollen massenhaft Degradationen vorgenommen worden sein. General Sung Ching, General Tungfuhstang, der Gouverneur von Peking und andere hohe Beamte, die dem Tsungli Damen versprochen chatten, die Ausländer und die widerspenstigen chinesischen Vizekynige,,zu vertreiben, sollen degradiert fein.
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Telegramme deS Gieheuer Anzeigers.
Berlin, 10. Juni. In einem längeren Artikel schreibt die „National-Zeitung": Vor der Hand bleibt noch die Hoffnung bestehen, daß es sich bet dem Aufstande in Tschili nur um eine, durch die Haltung der chinesischen Zentral- Regierung ungewöhnlich verschärfte und verwickelte Bewegung von provinzieller Ausdehnung handelt (?). Die Aufgabe, die das deutsche Reich bei dieser Sachlage habe, bestehe in dem Schutze der eigenen Interessen in Shantung und in der Mitwirkung bei der möglichst raschen Wiederherstellung der Ordnung in Peking. ES fei’ keine Frage, wenn gegenwärtig seitens irgend einer Regierung selbstsüchtige Gelüste nach Ausdehnung der eigenen Macht in China hervortreten würden, diese sofort mit den anderen Mächten in einen schweren Konflikt geraten würde, besten AuSgang nach keiner Richtung zu übersehen sein würde.
Kiel, 20. Juni. In Marinekreisen verlautet, die Einschiffung der Marine-Infanterie nach China erfolge Ende Juni. Der Transport der beiden See-Bataillone soll durch ein Detachement Marine-Matrosen verstärkt werden. DaS gestern aus Danzig angetommene Kanonenboot „Luchs" muß feine Ausrüstung derart beschleunigen, daß die'Abreise nachOstasien amDonnerS- tag erfolgen kann. Der im Keffel-Umbau befindliche Kreuzer „Gazelle" soll in 4 Wochen reisefertig sein mit gleicher Bestimmung. Die Marine- und Werftbehörden entfalten eine fieberhafte Thätigkeit.
London, 20. Juni. Aus Shangai wird gemeldet: Der Taotat (Provinzialdirektor), von Shanghai hatte eine Konferenz mit dem britischen Konsul und versprach diesem er werde mit den britischen Truppen zur Wahrung der Ordnung zusammenwirken. Eine Anzahl chinesischer Kreuzer ankert vor den ausländischen Niederlastungen in Shangai, die nur durch ein kleines japanisches Kanonenboot geschützt seien, während zwei 49 Pfänder und 1000 chinesische Soldaten die Forts außerhalb Shangais besetzt halten. Ein von gestern 9 Uhr 45 Min. datiertes Telegramm besagt: Der britische Konsul ist bisher ohne Nachricht über die Vorgänge bei Taku. Er weiß nur, daß ein japanischer Kapitän, 5 fremde Offiziere und 40 Matrosen getötet, 35 verwundet wurden.
London, 20. Juni. Den Blättern zufolge wurde der größte Teil der chinesischen Garnison von Taku infolge des glänzenden Angriffes der vereinigten europäischen Truppen getötet. Zwei chinesische Festungen wurden vollständig zerstört.
Wien, 20. Juni. Dem „Fremdenblatt" zufolge wird versichert, daß dem in den chinesischen Gewässern statto- nierten österreichischen Kriegsschiff „Zenta" ein zweites Kriegsschiff beigegeben werden solle, dagegen sei es selbstverständlich, daß die Absendung von Landtruppen nicht in Frage komme.
Wien, 20. Juni. Wie aus Triest gemeldet wird, hat das dortige Platz-Kommando die Weisung erhalten, ein Bataillon des 97. Infanterie Regiments zu mobilisieren für den Fall, daß die Verwendung des Bataillons auf dem Kreuzer „Maria Theresia" nach China verfügt werden soll.
Der Krieg i« Südafrika.
Lord Roberts hat es für cmaezeigt erachtet, in seiner Depesche vorn 12. ds. ausdrücklich hervorzuheben, daß die.


