Ausgabe 
21.4.1900 Zweites Blatt
 
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Samstag den 21. April

M. 92 Zweites Blatt

Amts- und Anzeigeblutt süv den Hveis Gieren

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Kchulstratze Ar. 7.

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lons der ersten Etage und der Wintergarten offen, die samt dem Feftsaale elektrisch erleuchtet waren. Von 10y2 bis lli/, uhr fand Konzert statt. Dann begann der Tanz. Der Präsident machte den üblichen Umgang durch die Säle und begab sich dann in die den Botschaftern und fremden Regierungskommiffaren reservierten Gemächer, wo er sich lange mit diesen unterhielt. Die Festversammlung mit den goldgestickten, pelzverbrämten, ordenbedeckten Uniformen gewährte einen bunten und interessanten Anblick.

Die Grabschrift für das neunzehnte Jahr­hundert war der Gegenstand eines Preisausschreibens, das wer wäre auch berufener gewesen die in Köln erscheinende WochenschriftDas neue Jahrhundert" erlaffen hat. Von etwa hundert Einsendungen wurden drei prä­miiert, die wir hier folgen lassen:

1. Preis.

Nach meiner Grabschrist, träger Wandrer, willst du spähen? Der tote Stein erst soll dir von dm Schätzen sagen. Die meine hundert Jahr der Menschheit eingetragen?

Nahmst du nicht auch am Erbe tetl? Hinweg und eile!

Und schaffe, wie ich that, zu deiner Brüder Heile,, Darm mögen andre einst nach deiner Gradschrift sehen!

Verfaffer derselben ist Herr Hermann v. Staben, Hechthausen in Hannover.

2. Preis.

.Licht dein Erwerb,

Säerfafler: Herr Sur. G-ün-b-r-S.mhbuig l. E.

3. Preis.

Wenn diese Welt aus deinen Grabstein schriebe:

yter tuyi.

Das Jahrhundert der Wtffenschast,

1900

Bezugspreis

Vierteljahr!. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn;

durch die Abholestellen viertcljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 vierleljähri. mit Bestellgeld.

Bekanntmachung.

Der Bienenzuchtverein für Offenbach und Umgegend eWubttfll mit einer in den Tagen vom 27. m83O. Jun II 1 in Offenbach stattfindenden BienenauSstellung eine iStrlosung von Bienen, Honig und Gerätschaften zu ver-

Großherzogliches Ministerium deS Jnne^ hat die nach- i8<Mte Erlaubnis zur Veranstattung dteser Berlosung unter !i<r Bedingung erteilt, daß mcht mehr als> 5000 Lose: zu WO Mk. das Stück, ausgegeben werden dürfen und mm- ItfrM 60 Prozent des Bruttoerlöses aus dem Verkaufe wt Lose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu ver-

Zugleich ist der Vertrieb der Lose in den Provinzen gtatlicnburg und Oberhessen gestattet worden.

Gießen, den 19. April 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

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iMsen: VW.WM Carl Loo».

'riedberg: Isidor W rünberg: Wl«1 Karl; [omberg: Carl Stern.

:kte bester rmM « WMßaltei teflunfl einer pmodsitz - Sam erbeten.

unter ¥. T. J. 186 c (t, SxftxNftü ft. Hl.

sondern voriges Jahr auch Indien bereist hat. Als Mit­glied der ersten bairischen Kammer, der alle großfahrigen

SBeiaeorbneten. Wir nennen von letzteren nur ReichS- tommiffar Richter, Geheimrat L-wald, den öfter- reichischen Reichskommissar Exner, den schweizerischen Kom- miffar Ador und seinen Beigeordneten Duplar.

Das Menu lautete:

Potage Brunoiae aux perlea

Veloute aux nids dhirondelles

Caaaolettea Lucullua

Riaaolea Conti

Truite aaumontie aauce Joinville

Filet de boeuf aux truffea

Poularde de Breaae Roaaini

Jambon de Bayonne provengale

Paine de bScaaaea en belle vue

Spoeme au Porto dore

Sorbete ä lArmagnac

Canetona de Duclair rötia rouennaiee

Homarde de Granville ä la ruaae Aapergea en branchea aauce moueaeline Glace Neluako

Condee grillte.

Die Tafelmusik wurde von der Kapelle der repu­blikanischen Garde ausgesührt, der Kaffee in den ArbeitS- kabinetten des Civilkabinettdirektors Combarien und seiner Sekretäre eingenommen. Während dessen richteten die Diener die Festräume zu dem nun folgenden Empfang her, zu dem fich Präsident Loubet und Gemahlin in den Adju­tantensaal begaben.

Hier begrüßte der Präsident in seiner steuudlichen Art von 10 bis 12 Uhr seine Gäste. Diesen standen alle Sa-

Die pariser Weltausstellung.

Da« am Abend des Eröffnungstages stattgefundene M im großen Saale des Elysöe bestand aus einem Diner mit darauf folgendem Konzert.

An den Vorbereitungen zu diesem Feste hatte sich die Armahlin des Präsidenten Loubet in hervorragendem Maße Stteiligt, und die Gäste mußten gestehen, daß das Arrange- Miiö alles Lob verdiente. DaS Dmer begann,um 8 Uhr □imbd in dem großen Festsaale^und'umfaßte 260 Gedecke. Aie Festtaftl zeigte die Form deS Hufeisens und war mit Iurtbarcm Silberzeug geschmückt. Der Saal gewahrte einen ^»tio7n Anblick ES schmückten ihn Guirlanden aus «istlichem Laubwerk mit natürlichen Blumen. Prächtige «-lins bedeckten die Wände. Präsident Loubet unb ferne «imablin saften in bet Mitte der Ehrentafel. Ersterer bu8 breite rote Band der Ehrenlegion, letztere eine *^3t fnihenbefefcte kremefarbige Toilette. Rechts vom Mschenken saft Senalspräsibent Falliöres, links von feiner Knunn <himmert>raiibent DeSchanel. Ferner befanben M an bet Ehrentafel ber ap°st°l'Iche Nuntius Msgr^ foreiueHi der deutsche Botschafter Fürst Münster m Derneburg, bie Botschafter Oesterreichs, gtahen8, W .«h«»T Türkei und der Bereinigten Staaten, Giä^Äbten fo^ie ber Ministerpräsident unb sämt- «.MiniNermi Ausnahme beö erkrankten Snegsmmtsters. L,^Len^hochgestellten Persönlichkeiten gewahrte man Xr ä-HtaM auch die hagere Gestalt deS WeltausstellungS- bnmiffars Picard und das ganze Weltausstellungspersonal riosahließlich der fremden RegierungSkomwiffare und chrer

in Erreauna geraten und fragt, ob der Landrat berechtigt

Rüdesheimer Klerikalen zu erhöhen, so ist es der, daß der Landrat sich weder auf eine altpreußische, noch aus eine Verfügung berief, die während des Kulturkamp es oder nach ihm ergangen ist, sondern auf eine altnassamsche Ver­ordnung von fast 100 jährigem Alter.

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Der zur Zeit am Ruder befindliche Zweig I des wittelsbachischen Königshauses zahlt, da alle drei Söhne des Regenten in kinderreichen Ehen leben, viele Köpfe, sodaß es mit der Gefahr des Aussterbens gute Wege hat. Trotzdem war die Fama Zähren geschäftig, den Vrinzen Rupprecht, der nun schon bald 31^ahre alt wird für die mittleren Gesellschaftsschichten das ge­wöhnliche Heiratsalter, für die höchsten und niedersten dagegen schon ein spätes bald mit dieser, bald mit lener Prinzessin sich verloben zu lassen. Endlich wahrend der Ostertage ist, wie wir bereits rnitteilten, das vwlbe- sprochene Ereignis eingetreten und dem bairischen Volke I die Kunde geworden, daß seine zukünftige Königin as Tockter des in Tegernsee wohnenden Augenärzte» Kart Theodor schon von Geburt eine bairische P^uzessm ist aus der herzoglichen Linie der Wittelsbacher. Den Thatsachen würde es entsprechen, wenn man den Bräutigam und ältesten Enkel des 79 jährigen Regenten als Sohn des Thronfolgers" Prinzen Ludwig bez^chnete. Nach amt- lickier Ausdrucksweise aber ist dies nicht zutreffend, da ja keineswegs seststeht, ob auch nur dieser letztere, der um drei Jahre alter als der jetzt 52 jährige irrsinnige 9 Otto ist, jemals den Königstitel fuhren wird Ueber.die Persönlichkeit des Prinzen Rupprecht, der naturgemäß m der Oefsentlichkeit noch wenig hervorgetreten ist, laßt sich mit Bestimmtheit soviel sagen, daß er im Gegensatz^zu den prunkliebenden künstlerischen Neigungen der Könige Lud­wig L, Max und Ludwig II., die mehr auf das praktische Leben gerichtete, sehr reale und jeder Ueberschwenglichkeit abholde Anlage feines regierenben Großvaters unb vor allem seines Vaters besitzt. Der Prinz besuchte bis »um 17 Jahre ein Münchener Gymnasium, widmete die Zeit bis zum 20. Lebensjahre feiner militärischen Ausbildung und hörte dann drei Semester an den Universitäten von Mün­chen vnd kVerlin nationalökonomische und Lustige Kollegien. Viel besprochen wurde die Entsendung nach Berlin im Sommer 1890, die den jungen Wittelsbacher in vielfachen nahen Verkehr mit der kaiserlichen Familie brachte Er bealeitete den Kaiser zu den Manovern nach Schleswig- Holstein, interessierte sich gleich l^nem Vater sur das See­wesen und wurde a la suite des Leib-Kürasfter-Regiments

Großer Kurfürst" gestellt. Ungleich seinem Vater, der nicht lange Berufsmilitär gewesen ist, hat der ^:inz seitdem in verschiedenen Infanterie- und A^kiUerie-Regimenlern weiter gedient und befehligt augenblicklich als Oberst das zweite Zeibregiment. Wohl aber

seines Vaters, daß er auch naturwisfenschaftliche, anthro­pologische und geographische Vorlesungen gehört und zu Studienzwecken nicht nur die meisten Lander Europas,

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über die Hochwasserschäden betraut, im letzten Winter seine erste parlamentarische Rede gehalten. Die Braut M arie Gabriele, ein anmutiges 22 jähriges Mädchen, ist im stillen Tegernsee fast bürgerlich einfach, erzogen worden Man weiß von ihr blos, daß sie ihrem der Wissenschaft lebenden Vater bei manchen Operationen zur necke stand und im Radfahren und anderm Sport recht gewandt ist. Für gesamtdeutsche Verhältnisse kommt als entschieden er­freulich in Betracht, daß sich der zukünftige Souverän des zweitgrößten Bundesstaates keine Angehörige irgend emes uns Deutschen und unserm nächsten Verbündeten fern­stehenden Herrschergeschlechts zur Gemahlin auserkoren hat, was ia, wenn es auch keine Konflikte mit 3U bringen braucht, doch unter Umständen utt ^olge haben könnte. Vermählt ist die älteste Schwester der Braut. Mi einem bairischen Magnaten und eine Halbschwester aus der ersten Ehe ihres Vaters mit einem württembergischen Herzog von Urach. Mit veranlaßt wurde vielleicht die Bekanntgabe der Verlobung durch die für den ^ai bevor stehende Vermählung einer Schwester dev Brautigams, der Prinzessin Mathilde, die einen koburgischen Prinzen ehelicht.

Das LondonerDaily Ch^ronicle" veröffentlicht fol. I genden Bericht eines Engländers m Rußland über die I burenfreundliche Stimmung der Ruf sem- Was für gute Nachrichten wir in dieser Woche gehabt haben. Die Engländer in Moskau fubeln, aber die Russen beißen ihre Nägel sind ärgerlich und enttäuscht Der Konsul hißte aus Anlaß der Uebergabe Cronzes die Flagge. Der Polizeimeister-General sandte deshalb zuchm und viele von uns beüsrchteten, daß das Konsulat vom I Mob angegriffen werden könnte. Neulich begab sich der Konsul mit seiner Frau auf den Adelsball, der rn dem Hanse eines gewissen Prinzen,^der emen o ftziellen Rang einnimmt, abgehalten wurde. Ter Großfürst und die Groß- I sürstin waren anwesend. Es war an demfelben Abend, an dem der Konsul die Nachricht über den Entsatz von Lady­smith erhalten hatte. Sie bemerkten bald, daß viele bort I der Gesellschaft, mit denen sie stets in freundschaftlichster I Weise verkehrt hatten, ihnen den Rücken zu kehrten oder sie machten, als ob sie sie nicht sahen. Allem die I Krisis kam beim Souper, wo unser Konsul nut einer Anzahl I Offiziere und. Stu den ten zusammensaß, die auf die I Buren >uMd die nun nahe herangerückte Zeit tranken, wo I feder Engländer vom Erdboden vertilgt würde. Sie gingen noch weiter, belegten die Engländer mil den' I schlimmsten Namen, die selbst m der russischen

Sprache lzu finden find, 'was! diel sagen will. ± e r K o ns ul konnte es nicht länger aush alten, und obgleich die Etikette einem Gast verbietet, sich vor den Mitali^ dern der kaiserlichen Familie zu entfernen, stand er doch auf, suchte seine Frau und verließ das Haus. Aus den in vorstehendem mitgeteilten Einzelheiten geht hervor daß sich die geschilderte Szene in Moskau auf einem Adels­ball zugetragen hat, dem auch der Großfürst Shergu und

Politische Tagesschau.

Wie wenig dasneuepreußischeKarfreit a g s- aeie tz vom 2. September 1899 seinen Hauptzweck erfüllt, Üornngen des konfessionellen Friedens in Gemeinden mit konse»sionell gemischter Bevölkerung zu verhüten, geht aus ZWuEn hervor, die derKöln. Volksztg." aus der Movinz Hessen-Nassau gemacht werden. Die preußische Planung hat ihre ursprüngliche Vorlage zu Gunsten einer tkntaMon(erl>attoen Fassung sehr ^N?L..^bn°Söanien gnila.it bcn Äarfteiiag, ber z. SB. im katholiichen Spanien llkr»us feieriid) von ber Kirche begangen 'h'/b, ohne Ern- Mrantung zum gesetzlichen Y^^tage sur bie gmze Mon- □rdlie zu erklären, bestimmt bas new SartrntagaMeP, baf. in ©enteinben mit überwiegend katholischer SBevmte

b,eler Bestimmungen hatt^ suh ^, Hoffnung hinge- Ln^batz in beik Überichegenb katholischen Rnbesheim u'arireitage bas Arbeiten gestaltet sei. ^ene Hossnung Kr wurde nicht nur für den klerikalen Heißsporn m sondern auch für seine Gesinnungsgenossen tn *6 a* Geisenheim und Oestrich durchs eine lanb- -i iiche Versüqnng zu Wasser. Der Rüdesheimer Lanbrat Hianer nämlich erließ eine Bekanntmachung, die unter Aiusung auf bie Auslegung ber nastamlchen Verordnung nn, 14. September 1803 für bie genannten ©emeinben bte qrLp.j4. Karfreitage verbot, weil dort evangelifche ^naemeinden sich befinden. Der Rüdesheimer Ge- mchrsmami derKöln. Volksztg." ist darob einigermaßen

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