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21.3.1900 Zweites Blatt
 
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Mittwoch den 21. März

Zweites Blatt

1900

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* Die Obstruktion im Reichstage.

Gießen, 20. März 1900.

Wer hätte es für möglich gehalten, daß in unserem deutschen Reichstage, wo die Verhandlungen sonst so ruhig und nüchtern dahin fließen, wo die Sachlichkeit nur selten außer Kurs gesetzt wird, und wo selbst bei den schärfsten Gegensätzen immer noch die Minderheit sich, wenn auch grollend, aber doch schließlich ergeben in das Schicksal des Schwächeren fügte, eine Form der Verteidigung Platz greifen würde, welche wir bisher nur vom Hörensagen kannten! Ja, die in den Parlamenten der uns verbündeten Staaten Oesterreich-Ungarn und Italien gegebenen Beispiele scheinen nicht ohne Einwirkung auf unsere deutschen Verhältnisse geblieben zu sein. Niemand hatte wohl daran gezweifelt, daß die lex Heintze mit dem Ablauf der letzten Woche im Reichstag erledigt werden würde, denn die Majorität stand ja allen Wünschen, die im Interesse der Kunst und der Wiffenschaft eine Milderung der in der Vorlage enthaltenen Bestimmungen anstrebten, fest und schroff gegenüber, und alle Protestversammlungen, die ganze im letzten Augenblick eingeleitete Bewegung, schienen eindrucklos auf dieselbe ge­blieben zu sein. Wer optimistisch veranlagt war, der er­hoffte das Heil einzig und allein noch von den verbündeten Regierungen, daß diese den Majoritätsbeschlüssen richt zu­stimmen würden. Aber auf diese Hoffnung allein hat sich die Minderheit nicht verlassen, sondern durch eine plan­mäßig durchgeführte Obstruktion wenigstens noch die Entscheidung hinausgeschoben.

Niemand wird zugeben können, daß die Verhältnisse, unter denen die Erledigung der lex Heintze verhindert wor­den sind, gesunde sind, auch Diejenigen, welche in der Ob­struktion das einzige Mittel sahen, ein Gesetz zu bekämpfen, welches nach verschiedenen Richtungen hin verderblich zu wirken geeignet ist, werden wünschen, daß dieser Modus in unserem Reichsparlamente Platz greife und Anerkennung finde. Die Obstruktion bleibt immer ein zweischneidiges Schwert, sie ist ein Feind aller Sachlichkeit, wie denn auch die letzten Sitzungstage gezeigt haben, daß sachliche Reden

Amtlicher $eil

Bekanntmachung.

Betr.: Bildung einer öffentlichen Wassergenofsenschaft in den Fluren IV, V, IX und XI in der Ge­markung Lich.

An der für die Fluren IV, V, IX und XI der Ge« markung Lich beantragten Bildung einer öffentlichen Wasser- geuoffenschaft find nach den Akten 256 Grundbesitzer mit 47,4226 Hektar Fläche beteiligt.

Bei der am 28. Dezember vor. Js. vorgenommenen verhandlungStagfahrt haben fich 118 Grundbesitzer, welche mit 15,0805 Hektar Fläche beteiligt sind, gegen das Unter» nehmen erklärt.

30. Juli 1887,

®ie nach Art. 66 d-S »°m 3Q ^-ptbr. 1899, die Bäche und die nicht ständig fließenden Gewässer betr.,

kkfvrderliche Mehrheit ist somit für daS Unternehmen vor­

handen.

Einwendungen Dritter gegen das Unternehmen sind nicht erhoben worden.

In der Verhandlungstagfahrt wurde ferner beantragt:

1. die Ausschließung des Systems D von der Zu­ziehung;

2. die Einziehung der BeteiligungSgrenze in System J zwischen den Sammlern o und p in der Richtung abcd und zwischen den Sammlern f und w in der Richtung efgh;

3. die Ausschließung der Parzelle Flur IV Nr. 420

in System B.

Die sämtlichen Beteiligten haben sich hiermit ein­

verstanden erklärt.

Unter Berücksichtigung dieser beantragten Ausschließungen hat Großherzogliche Obere landwirt­schaftliche Behörde daher It. Zuschrift vom 15. März 1900 dem Unternehmen die in Artikel 68 des Gesetzes vorgesehene staatliche Genehmigung mit folgenden Bestimmungen erteilt:

1. daß die beteiligten Grundbesitzer, welche in dem offengelegten Verzeichnis (Anlage B) aufgeführt find, Mitglieder der Wassergenosienschaft werden;

2. daß das Unternehmen nach dem von der Kultur- inspektion Gießen aufgestellten Plane ausgeführt

3.

Diese Entscheidung wird unter dem Anfügen zur öffent-

wird;

daß bezüglich der Verteilung der entstehenden Melio­rationskosten nach Art. 54 und 69 des Gesetzes vom 30. Juli 1887 . , . ,

al verfahren tont).

30. Septbr. 1899 1 y

lichen Kenntnis gebracht, daß innerhalb 14 Tagen nach der Zustellung gegen dieselbe Beschwerde an Großherzogliches Ministerium des Innern erhoben werden kann.

Zugleich geben wir hiermit bekannt, daß das mit den Bevollmächtigten beratene Genoffenschaftsstatut ebenfalls 14 Tage nach Maßgabe von Art. 76 des Gesetzes zur Ein­sicht der Beteiligten auf dem Bureau der Großh. Bürger­meisterei Lich offenliegt.

Gießen, den 19. März 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

gar keine Aufmerksamkeit mehr fanden, daß sich alles Jnter- effe auf die Wirkung der in Szene gefetzten Obstruktion richtete.

Die Gegner der lex Heintze haben Zeit gewonnen, und man darf wohl annehmen, daß allerorten im deutschen Reiche eine wirkungsvolle Agitation eingeleitet werden wird, um den Auswüchsen der Vorlage möglichst noch zu begegnen, aber die Aussichten dazu sind doch; soweit wenigstens der Reichstag in Frage kommt, nur gering; denn aus dem ganzen Verhalten der Majorität war zu erkennen, daß sie der Minderheit keine weiteren Konzessionen zu machen be- rett ist. Diese Thatsache ist immerhin betrübend, da sie geeignet scheint, unsere innerpolitische Situation noch mehr zu verschärfen. Wünschenswert roäre es, wenn bet deutsche Reichstag nur noch äußerst selten der Obstruktion sich be­diente, sie erregt nur dke Leidenschaften, erzeugt Erbitte­rung, und führt doch nur selten zum Ziel.

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Eudglaudfeiadliche Kundgebungen in Dresden.

Im englischen Unterhause hat, wie wir bereits mel­deten, der Parlamentssekretär des Aeußeren Brodrick die Mitteilung gemacht

daß in den Straßen von Dresden Insulte von englischen Staatsangehörigen stattgefunden hätten, daß eine bri­tische Flagge, welche in der Nacht am englisch-ameri­kanischen Klub ausgesteckt geblieben, herabgerisseu worden und daß die englische Kirche in zwei Fällen angegriffen worden sei. Der englische Ver­treter in Dresden habe dem sächsischen Minister des Auswärtigen Vorstellungen gemacht, welcher fein tiefes Bedauern über die Vorfälle ausgesprochen und befriedi­gende Versicherungen abgegeben habe, daß jede mögliche Maßregel von der Polizei ergriffen worden fei, um einer Wiederholung solcher bedauerlichen Vorgänge vor­zubeugen, und die englischen Staats-Angehörigen zu schützen. Ein Individuum (!), das verdächtig fei, die Flagge herabgerissen zu haben, fei verhaftet."

In welcher Weife der Londoner Presse die Kenntnis dieser Kundgebungen vermittelt worden ist, zeigt folgen­der Brief des englischen Majors Walker in Dresden an die Times". Der Verfasser schreibt:

Dresden, den 5. März.

Ich hoffe, daß Sie mir gestatten, daß ich durch eine Veröffentlichung in den Spalten Ihres Blattes meinen Landsleuten im Namen der hiesigen englischen Kolonie mitteilen darf, daß die in Dresden ansässigen Engländer gegenwärtig unter einem Schreckens­regiment (!) leben. In den letzten drei Monaten sind wir, Männer wie Frauen, täglich von privater und öffentlicher Seite Beschimpfungen ausgefetzt gewesen; aber in der letzten Woche ist es zu einem Ausbruch der Wut gekommen.

Als die Kunde von der Uebergabe Cronjes bekannt wurde, wurde im englisch-amerikanifchenKlub aus einem

Feuilleton.

Wad SahschNrfer Wrief.

Im März einen Bad Salzschlirfer Brief, wird die ge- luigti Leserin, der geneigte Leser fragen! Jawohl, im liftrj schon! Denn Salzschlirf will nicht länger das Äschen- iröbet fein unter den Bädern, es will mit an der großen hfel des Lebens erscheinen und traft feiner Königlichen Eigenschaften in erster Reihe den wohlverdienten Platz minehmen. Ist doch auch wiederum auf dem Balneolo- tiu'djen Kongreß, wo die Männer der Wiffenschaft über die Heilwirkungen der Bäder ihre Erfahrungen austauschten, 3ti* hohe Wert des nach dem Apostel oer Deutschen benann- 1eit Brunnens, des Bonifaziusbrunnens, anerkannt und festgestellt worden. Aber auch der Laie, der wenig oder gar nicht fich nm die wissenschaftliche Seite der Sache himmert, der nur nach dem Erfolg den Wert einer Sache hmifet, er soll es an den Heilerfolgen, die Bad Salzschlirf lec an Gicht und Stoffwechselkrankheiten leidenden Mensch­heit geboten hat, kennen lernen und deshalb begegnet man heute mehr als sonst in den Zeitungen dem Namen Mseres Bades. _ .

Auch in die Bevölkerung unseres Ortes ist ein neuer Weift gefahren. Sie sieht, daß man von feiten der neuen yefkllfchaft fleißig arbeitet, und an Stelle des Mißtrauens, im die alte Verwaltung vielfach begegnete, ist ein gegen­seitig nützliches Vertrauen eingetreten, das äußerlich schon iWrirch seinen Ausdruck gefunden hat, daß sich eine Ver­einigung der Hoteliers, Gasthaus- und Villenbauten im N'hnungsvermieten gebildet hat, nicht nur einen Ring höheren Preisen zu bilden, sondern, um mit vereinten kläffen an der Hebung des Bades zu wirken, Mißstände

zu beseitigen und überall den Fortschritt zu suchen und herbeizuführen. Namentlich werden die Wege verbessert, dank dem Entgegenkommen der Gemeinde und des Ein­tretens des Bürgermeisters Schmidt wird die Kanalisation der teiwleise noch offen dahin fließenden Straßenwäsfer durchgeführt, womit ein wesentlicher Grund zu Beschwerden fortfällt. Nicht minder wird an und in den Häusern ge­arbeitet, und die Kurgäste, welche bereits früher hier waren, werden angenehm überrascht sein über so manche vorteil­hafte Veränderungen, die hier vorgegangen sind und noch bis zu der am 1. Mai stattfindenden Eröffnung der Saison vorgenommen werden. Nach einem vorliegenden Verzeich­nis hat übrigens Salzschlirf jetzt 500 Zimmer aufzuweisen, sodaß bei einem durchschnittlichen Aufenthalt von 20 Tagen bequem 4000 Gäste Aufnahme finden können, wenn der Zu- und Abgang ein regelmäßiger wäre. Da nun aber bis Mitte Mai die allerdings niedrige Kurtaxe von 10 Mk. für alle Badegäste in Wegfall tritt, die bis dahin ankom­men, und auch sonstige Vergünstigungen eingeräumt wer­den, so steht zu erwarten, daß der Besuch von vornherein ein großer sein wird, es haben noch niemals so viele Anmeldungen und Anfragen um Prospekte wie in diesem Jahre vorgelegen.

Der Versuch, am ersten Mai zu beginnen, wird zum ersten Mal gemacht das Wetter kann aber vom 1. bis 15. Mai, an letzterem Tage wurde sonst die Kur eröffnet, viel schöner sein, als in oer zweiten Hälfte des Monats, und wenn unser Schutzheiliger, Bonifazius, ein gutes Wort für uns einlegt, dann wird sich die Sache schon machen. Uebrigens künden die Hunderte von Singvögeln, welche unseren schönen Park beleben, den Frühling durch ihren vielstimmigen Gesang schon an, und der Freund der Natur wird eine der reinsten Freuden genießen können. (Gerade während ich diese Zeilen niederfchreibe, ertönt das fröh­

liche Lachen des Grünspechts, der in mehreren Exemplaren hier angesiedelt ist.) Finken, Meisen, Zaunkönige, Staare, Bachstelzen, Blutfinken (Dompfaffen), Wachteln, Drosseln sind in großer Anzahl anzutreffen und werden auch wäh­rend der rauhen Jahreszeit gefüttert und bewacht; der Gärtner und der Brunnenmeister richten ihr Augenmerk auf Katzen und sonstiges Raubzeug, ferner find v. Ber- lep'fche Nistkästen in großer Anzahl neuerdings angebracht, von denen einige von den in ziemlicher Anzahl hier über­winternden Staaren ein Beweis für unser mildes Klima bereits angenommen werden. Für die alten Gäste des Kurhauses wird die Nachricht eine erwünschte sein, daß der frühere Pächter, Herr Würthofer, es wieder auf fünf Jahre übernommen hat. Im vergangenen Jahre war die von einem anderen Wirt gepachtete Restauration nicht nach dem Wunsche des Publikums. Ferner ist im Kurhaussaal und in den Vorgängen des großen Badelogierhauses Heizung angelegt, sodaß auch an kälteren Tagen die Gäste sich wohl fühlen werden. Daß nun auch durch das Be­kanntwerden Salzschlirfs neue Gelegenheiten zum Wohnen für die Besucher sich erschließen werden, daß mehr als bisher gebaut werden wird, ist natürlich, so hat auch Frau Rothstein auf Wilhelmshöhe ein sehr gut gelegenes, neu gebautes Haus hier auf längere Jahre gemietet, das sie, wie auf Wilhelmshöhe, zu einer Pension einrichten wird, für viele Casseler Damen gewiß eine angenehme Nachricht. Wie gesagt, es regt fich überall, und so hoffe ich denn, daß die bevorstehende Kurzeit uns viele Gäste herbeifuhren wird, die auf entgegenkommende Aufnahme rechnen dürfen. Zum guten Schluß will ich noch bemerken, daß auch zur Unterhaltung der Gäste in diesem Jahre manches geboten wird. (Cassel. Tgbl.)