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20.12.1900 Zweites Blatt
 
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Gneisenau

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m 298 Zweites Blatt. Donnerstag den 20. Dezember 150. Jahrgang

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Adresse für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51.

Kapitünlcutnant Werner verbleibt mit einem Wacht-Kom­mando der Besatzung der Gneisenau vorläufig in Malaga.

Madrid, 19. Dezember. Der Kaiser dankte der Königin-Regentin für ihre Beileids-Kundgebung an­läßlich der Gneisenau Katastrophe. Am Samstag wird die Charlotte in Malaga erwartet.

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Die Buren.

Außer dem Mißgeschick Clements ber Nooitgedacht und dem glücklichen Durchbruch De Wets bei Thabanchu gab es dieser Tage noch eine Reihe anderer für d i e Engländer w e n i g erfreu- l ich er Kri e g s e re i g n i sse. Freilich, der Bericht Methuens war in London nicht unwillkommen. Dieser General, dessen Operationsfeld das südwestliche Transvaal ist, hat nach langer Ruhepause am 14. Dezember den General Lemmer bei Lichtenburg angegriffen. Der Angriff geschah überraschend und endete mit der völligen Weg- uähnie des Burenlagers, von 15 Ochsenwagen, einigen Kap-Karren, 15 000 Patronen, 1460 Rindern und 2000 Schafen. Ein Kampf hat kaum stattgefunden, denn auf englischer Seite wurde nur ein Mann der Momanry leicht verwundet, auf burischer zloei Mann getötet und fünf gefangen genommen. Unter diesen Toten befindet sich G e n e r a l L e in m e r, einer der tüchtigsten Buren­generäle, bekannt durch seinen kühnen, zusammen mit Olivier und Grobler ausgeführten Rückzug vou Storm- berg. Lemmer hat seit dem Einbruch der Briten in Trans­vaal beständig im Westen und Südwesten von Pretoria operiert und bei Zeerust und Rustenburg Baden-Powelt, Earringtou und Methuen viel zu schaffen gemacht.

Im südöstlichen Zipfel von Transvaal indessen ist die Entwickelung den .Engländern wenig günstig. Hier werden sie bei B r y h e i d durch Louis und Christian Botha beständig beunruhigt. Am 10. Dezember wurde ein burischer Angriff, angeblich unter einem Verlust von 100 Toten und Verwundeten, abgeschlagen, aber die eng­lischen Verluste waren auch nicht leicht: 2 Offiziere und 19 Mann fielen, 1 Offizier und 29 Mann wurden gefangen genommen. Am 13. fand bei Vryheid ein neuer Kampf gegen £00600 Buren statt, die vom .Scheepers Nek, angeblich unter schweren Verlusten und unter Weg­nahme von Waffen und Vorräten, vertrieben wurdet,, während die Briten nur zwei Tote hatten.

Sehr unglücklich verlief die Unternehmung einer Abteilung von Brabants Reitern im Bezirk Zastron (südöstl. Oranjestaat). Sie wurden am 13. in einem Passe eingeschlossen und alle 120 Mann gefangen ge­il omme n. Zur Entschuldigung wird beigefügt, daß es sich fast ausschließlich um Rekruten handelte und daß sich die alten Leute wacker schlugen. Dieser Erfolg hat den beteiligten Burentrupp kühn gemacht. Eine Depesche desEvening Standard" wollte wissen, sie wären am Oranjefluß umzingelt und vollständig geschlagen. Eine neuere Meldung aus Kapstadt vom 17. 'besagt in­dessen, daß ein Trupp von 700 Buren bei Aliwal N o r t h in die K a p k o l o n i e eingedrungen ist und Knapdaar nördlich von Albert Junction erreicht hat.

Hierüber liegen bereits zwei spätere Nachrichten vor. Nach der einen, aus Kapstadt vom 17: ds. datierten, über­sch r i tt d i e s e s B u r e n k o m m a n d o am Samstag den Fluß w e st l i'ch von A l i w a l N o r t h und« warf eine aus berittenen Kapschützen und Brabants Reitern be­stehende Abteilung, die sich ihnen entgegenstellte, zurück, nachdem es ihr Verluste beigebracht hatte. Nach der an­dern, die in Aliwal North am 17. ds. aufgegeben ist, er­folgte der Uebergang am Sonntag zwischen Odendäl- stroom (wo De Wet jüngst den Uebergang ver­suchte) und Bethulie; Hertzog soll das 600 Mann starke Kommando führen, eine Angabe, die wenig wahrscheinlich ist, da dieser Kommandant bisher bei Luckhosf operierte. Nach dieser Meldung sind die englischen Abteilungen nicfyt geschlagen: vielmehr verfolgt das 2. Bataillon von Bra­bants Reitern die Buren, während die aus Aliwal North entsandte Käppolizei ihnen den Weg versperrt hat. Mög­licherweise ist die Kapstädter Depesche die spätere, sodaß nur bezüglich des Tages, au dem der Oranjefluß über­schritten wurde, ein Widerspruch bestehen bliebe, lieber den vorausgegangenen Kampf von Brabants Reitern bei Zastron meldet ein Telegramm aus Aliwal North vom 17. weiter: An dem Gefecht, das am 13. ds. jenseits Noux- ville (also zwischen Rouxville und Zastron) stättfand, nahm nur eine Schwadron von Brabants Reitern teil. Die Ver­luste der Briten betrugen: 8 Tote, 18 Verwundete, von denen in ber Zwischenzeit 3 gestorben sind, und 48 Ge­fangene. Demnach würde sich der anfänglich gemeldete Verlust von 120 Mann auf 74 verringern.

Nach einer in London vorliegenden, bisher u n b c => [tätigten Depesche aus Johannesburg soll eine Abteil­ung von 2 000 Buren, die auf dem Vormarsch nach, dem Süden begriffen waren, vollstan'bigu m z i n g e l t wor-

m, Mutche s flölSCto.

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er habe in Malaga Hilfe durch ein britisches Kriegsschiff erbeten lassen, falls ein solches von Nutzen sein könne. Der italienische Botschafter Graf Lanza brachte dem Auswärtigen Amte auf telegraphische Weisung Vis­conti Venostas das Beileid der italienischen Regierung zur Kenntnis. Der S u l t-a n ließ in den wärmsten Worten durch deu deutschen Botschafter in Konstantinopel dem Kaiser seine Sympathie bezeugen. Der griechische Gesandte in Berlin übermittelte die Teilnahme seiner Negierung. Die argentinische Republik sprach durch die Vermittelung des deutschen Geschäftsträgers in Buenos Ayres sein tiefstes Beileid aus. Ter Staatssekretär des Auswärtigen, Frhr. v. Richthofen, stattete dem spanischen Botschafter in Berlin einen Besuch ab, um den Dank der deutschen Regierung für die von Spanien erwiesene Teil­nahme und thätige Hilfe auszudrücken.

Der Kaiser erließ au den Reichskanzler (Reichs­marineamt) am 17. Dezember folgende Ordre:

Während ich am gestrigen Tage die Freude hatte, deu heimgekehrten Offizieren und Mannschaften Meiner Marine im Zeughause zu Berlin Meine Anerkennung für ihr tapferes Verhalten in China auszusprechen, tobte ein schwerer Sturm bei Malaga, welcher für Mein Schul­schiffGneisenau" verhängnisvoll geworden ist. Das Schiff hat der Gewalt der Wogen erliegen müssen, mit ihm sein braver Kommandant, sowie ein Teil ber tapfer kämpfenden Besatzung, der hoffnungsvolle Nachwuchs . Meiner Marine. Eine erschütternde Fügung, auf die Ich mit tiefer Wehmut blicke! Meine Marine hat wiederum schwere Opfer gebracht, aber sie wird sich nicht irre machen lassen in dem stolzen Berufe des Kampfes und des Ausharrens, was Gottes Wille auch bringt. Dessen bin Ich gewiß, und Ich beauftrage Sie, diesen Erlaß zur Kenntnis Meiner Marine zu bringen.

Auf das Telegramm des P r i u z r e g e n t e n vou Bayern an den Kaiser traf in München nachfolgende telegraphische Antwort ein:

Deine warmen Worte der Mittrauer um den schweren Verlust, der gestern unsere aufstrebende Marine betroffen hat, verpflichten Mich, Dir zu aufrichtigem Dank. Ich zweifle nicht, daß die Mannschaft int Kampf mit den Elementen ebenso ihre Schuldigkeit gethau habeu wird, wie im Kampf mit dem Feind die Tapferen, die Ich gestern int Beisein Deines Enkels bei der Heimkehr begrüßen konnte. Ehre den so früh ins Grab gesunkenen Männern und Jünglingen, gez. Wflhelm.

Der Kaiser richtete ferner an den Stadtältesten Kretschma n n in Magdeburg folgendes Telegramm:

Zu dem großen Verlust, der' Sie und Ihre Enkel­kinder durch deu Tod Ihres Sohnes bei dem Untergang derGneisenau" betroffen hat, spreche Ich Ihnen meine herzlichste Teilnahme aus. Möge es Ihnen zum Tröste gereichen, daß Ihr Sohn int Dienste des Vaterlandes sein Leben hingegeben hat und daß sein Name fort- leben wird auf der Ehrentafel der Marine, qez. Wilhelm.

Reichskagspräsident.Gras Ballestrem richtete an den Staatssekretär des Reichsmarineamts nachstehendes Telegramm:

Tieferschüttert durch das schwere Unglück, welches den Kaiser und das Deutsche Reich durch den Verlust derGneisenau" und zahlreicher blühender, hoffnungs­voller Menschenleben getroffen hat, spreche ich Eurer Exzellenz als Vertreter der Marine namens des Reichs­tages meine tiefgefühlteste Teilnahme aus.

Nach einer Meldung aus Kiel befahl der Kaiser die schleunige Instandsetzung des Schulschiffes Stein an Stelle der Gneisenau.

Die Madrider Preise widmet dem heldenmütigen Kom­mandanten derGneisenau" ehrenvolle Nachruse und be­klagt das traurige Schicksal der untergegangenen tapferen Jugend, hebt aber auch das heroische Verhalten der spani­schen Seeleute bei der Rettung hervor.

*

Telegramm des Gießener Anzeiger-.

Kiel, 19. Dezember. Kontre-Admiral von Arnim, Inspektor des Bildungswesens der Marine, hat folgenden Nachruf erlassen:Am Sonntag, 16. Dezember ist Sr. Majestät SchiffGneisenau" in der Bucht von Malaga gestrandet und total verloren gegangen. Als brave, uner­schrockene Männer haben der Kommandant und erste Offizier, der leitende Ingenieur sowie 33 Deck Offiziere, Seekadetten und Mannschaften ihren Tod gefunden. Schmerzlich be. trauern Vorgesetzte und Kameraden den herben Verlust und nehmen regen Anteil an der Trauer, die über so viele Familien kurz vor dem Weihnachtssefte hereingebrochen ist. Die Namen der für Kaiser und Vaterland Dahingeschiedenen werden in ber Geschichte der Marine aber glänzen und voranleuchten für alle Zeiten zum Nacheifern in treuer Hwgabe für Kaiser und Reich und in gewissenhafter Pflicht­erfüllung selbst bis zum Tode. Ehre ihrem Andenken."

letzte deutsche, der gerettet wurde, hatte fünf Stunden . gegen die Wogen gekämpft. Als er endlich an Land tum; wurde er plötzlich wahnsinnig. Die deutsche Kolonie in 'Ülnbrib bereitet ein prunkvolles Begräbnis für die !igjlÄlichen Opfer der Katastrophe vor. Im spanischen Zenahüie in der Deputiertenkammer wurde der Beschluß lete, der deutschen Regierung das Beileid Spaniens iu4fibrütfen. Verschiedene Mitglieder der deutschen KvlW dienen als Dolmetscher zwischen den Kranken and ihren Pflegern. Die Gendarmerie bewacht den 5tdM um die angespülten Leichen aufzulesen. Zu den ' ü c hn beten gehört auch) der Leutnant zur See und Adj.Mmt Martin Pund t. Weiter wird aus Madrid be- ichm daß der erste an Land gespülte Leichnam vou

dSrndemtschen Botschaft in London und dem deutschen w arineamt ihre tiefste Teilnahme. Auch der frühere Leilet foer Admiralität, Lord Goschen, ließ durch den Av Ms ter dem Kaiser fein tiefgefühltes Beileid aus- örütiin. Admiral Fisher ersuchte telegraphisch von Malta dem englischen Geschäftsträger in Berlin, dem Kaiser mitt den Marine im Namen der britischen Mittelmeer- slvM diie wärmste Sympathie auszudrücken. Der Admiral füanhiimzu, bie britischen See-Offiziere hatten erwartet, bnrnm kurzem dieGneisenau" in Malta zu sel>en und hattH idem deutschen Schulschiff ein herzliches Willkomm jlirin A'eihnachtsfest bereiten wollen. Fisher teilte mit,

lickt r die fürchtbare Katasttophe von Malaga, von der ur^obmfstehend einen Situationsplan veröffentlichen, wer- benn'jcute: verschiedene Einzelheiten bekannt. Die N amen- i i fi i k den Vermißten ist zu ergänzen durch die Namen der 1 Naürosen SPeckma n n und Schilchtma n n (oder HchstHsm ann). Tie frühere amtliche Liste ist dahin zu der '.adligen, daß vermißt werden Schiffsjunge Friedrich. M öl Iler, nicht Friedrich und Möller, ferner Matrose Wil Win M aber, nicht Wilhelm und Mayer. Hiermit .st die V e r m i ß t e n l i st e abgeschlossen. Ter .Nrmdd. Allg. Ztg." zufolge soll nach neuesten Meldungen topfie >!,ahl der Toten thatsächlich auf 38 beziffern. Am sollte an Bord derGneisenau" ein Abschiedsfest

d t."ttteijenau" der des Kapitäns Kretschmann I in Uniform und Handschuhen. An Gesicht und , .ioar die Leiche blutig. Die Leiche wurde in eine beirjfte Nationalfahne gehüllt und nach dem Friedhof gi [ciMit. Der Kapitän der.englischen Gesellschaft,Neptun" .i c:üt drahtlich Rettungsschiffe. Es ist Hoffnung vor- 1)311^'111, daß dieGneisenau" doch noch geborgen wird. JeyiÄ ünd blos die Mastspitzen sichtbar. Am 17. ereignete s >ck> l hi Malaga noch ein anderes Unglück. Das Fisch^r- '.'ootn Carmen sank und drei Mann ertranken. Zu - hi Verlustliste ist noch hinzuzufügen, daß auch der Marnpse Nagel und der Schiffsjunge Hieck schwer- v e:f ton n b et find.

klivat-Telegramme aus Malaga besagen, daß der Ki-ik-ornmandant dem Kapitän Kretschmann an- Ü ber nahenden Gefahr geraten hätte, fein Schiff btn Hafen schleppen zu lassen. Kretschmann befolgte jp Ratschlag nicht. Die aufgeregte See hat es den Hierin bisher nicht ermöglicht, das Schiff zu unter­

en deutschen Auswärtigen Amte sind zahlreiche yfboungen der Teilnahme zugegangen, die das Aus- 'lanih dein Verlust entgegenbringt. Das englische Aus- toäiifici' Amt und die britische Admiralität bekundeten

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