Ausgabe 
20.10.1900 Zweites Blatt
 
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Nach der letzten Meldung aus Cronberg vom 18. abends ist der Zustand der Kaiserin Friedrich im wesent­lichen gegen die vorhergehenden Tage unverändert. Eine leichte Besserung ist allerdings auch heute gegen die letzte Ä-oche zu verzeichnen, doch ist sie nicht derart, daß sie alle Besorgnisse überflüssig macht. In der Frühe war die Schwäche wie gewöhnlich infolge der schmerzen der Nacht sehr groß, sie wurde jedoch im Laufe des Tages soweit gehoben, daß der Kaiser und Prinz Hein­rich ihre Mutter auf einen Augenblick sehen durften'. Sonst konnte trotz des Gedenktages niemand empfangen werden. Die Einschreibungen in die am Hauptportal des Schlosses aufgelegten Listen waren heute zahlreicher als sonst. Von den Nähfrstehenden werden Blumensträußchen abgegeben. Zugelassen wurde jedoch niemand. Im All­gemeinen ist man in den dem Schlosse nahestehenden Kreisen zwar nicht hoffnungslos, aber doch immer noch einigermaßen deprimiert, da sich die einen glücklichen Ausgang verbürgende ausreichende Kräftigung fo bedauer­lich lange hinauszieht.

Aus Stadt und Land.

Gieße«, 19. Oktober 1900.

** Bürgermeisterwahl. Im Anschluß an die gestrige -öffentliche Stadtverordnetensitzung fand eine ge­heime Sitzung statt, in der die Stadtverordneten zur Wahl des Bürgermeisters schritten, in der, wie wir gestern abend noch durch Extrablatt bekannt gaben, auf den bisherigen besoldeten ersten Beigeordneten von Solingen, Herrn H e i n r i ch Mecum, 25 Stimmen fielen; 5 Stimmzettel waren unbeschrieben.

Heinrich Mecum, geb. am 24. Januar 1857 zu Köln, Absolvierte im Herbst 1874 das Gymnasium zu K^öln, im Herbst 1878 die technische Hochschule zu Aachen, wurde nach bestandener Prüfung zum Bauführer er­nannt, war als solcher fünf Jahre, vom 1. Januar 1879 bis Ende 1883 in Köln und Bonn im Staatsdienste beschäftig!, leitete in Bonn den Bau einer Kavallerie- Kasernes ging zu weiterem Studium Anfang 1884 nach Berlin. Dort bestand er im Dezember 1886 die Bau­meister-Prüfung und wurde im Januar 1887 zum Königlichen Regierungsbaumeister ernannt. Als solcher . wurde er von Februar 1887 bis 1. August 1888 in Lingen, Wesel und Beuthen und vom 1. August 1888 bis 12. Ok­tober 1891 beim Polizei-Präsidium in Berlin beschäf­tigt. Nach mehrjähriger Thätigkeit bei einer Attien- Baugesellschaft in Berlin wurde er Anfangs 1896 zum Stadtbaurat und besoldeten Magistratsmitgliede in Königshütte (52 000 Einwohner) gewählt. Er führte dort den Vorsitz in der Baudeputation und bewirkte unter anderem die Ueberleiiung der privaten Gasanstalt in städtischen Betrieb und die Einrichtung einer elektrischen Anlage für die Stadt. Im Dezember 1898 übernahm er die Stelle des besoldeten ersten Beigeordneten in Solingen (45 000 Einwohner). Hier bearbeitete er die städtischen Bausachen, die Baupolizei und alle dahin gehörigen Verwaltungsstreitsachen, führte die Aussicht über Sen Betrieb der städtischen elektrischen Straßen­bahn und vertrat den Oberbürgermeister in Len Fällen der Beurlaubung oder Verhinderung. Er besorgte unter anderem die Anlage eines Schlachthofes nebst Kühlhaus, errichtete mehrere Schulbauten, bearbeitete größere Fluchtlinienpläne und größere Straßenanlagen ein­schließlich der Kanalisation, leitete eine planmäßige Stadterweiterung in die Wege, ordnete auch die Solinger komplizierten Eisenüahnverhältnisse.

So hat Gießen denn wieder einenTechniker" als Bürgermeister. Wir hoffen mit der Bürgerschaft, daß unsere Stadtväter den rechten Mann herausgefunden haben, auf dessen Thätigkeit die Stadt einst ebenso swlz zurückblicken kann als auf die seines Vorgängers.

** Zum Kloppeuheimer Mord wird derFranks. Ztg." aus Würzburg geschrieben: Die Polizei sucht nach einer Mitteilung in Ihrem Blatte nach einem gewissen Georg Ermer, der den Schuhmacher Heinrich Möller bei Kloppen­heim ermordet haben soll. Die Notiz erinnert an den Räuber Georg Ermer aus Schirmitz, der am 10. Oktober vom unterfränkischen Schwurgericht zu acht Jahren Zucht­haus verurteilt wurde. Ermer ist 21 Jahre alt und kam am 6. September hierher und zwar, wie in der Verhand­lung konstatiert wurde, aus der Gegend von Frankfurt. Sollten der gesuchte Mörder und der verurteilte Räuber nicht identisch sein?

** Alldeutscher Verband. Voraussichtlich wird, wie uns die Ortsgruppe Gießen des alldeutschen Verbandes mit- teilt, der Reichstagsabgeordnete Dr. Lehr in Gießen in der zweiten Woche des November über die Chinafrage sprechen. Näheres wird seinerzeit bekannt gegeben werden.

, Worms, 18. Oktober. Heute abend wurden dem Führer eines durchgehenden Kohlenfuhrwerks an der Straßen­kreuzung Barbarossa Ringstädtische Hafenbahn von einer Lokomotive beide F ü ß e a b g e f a h r e n. Weitere gefährdete Personen reiteten sich durch zeitiges Abspringen.

Mainz, 18. Oktober. Heute abend wurde abermals eme Sitzung der verewigten Kommissionen in Sachen der Uebernahme der Pferdebahn und Erwerbung der Kon- zessionen für die Mainzer Nebenbahnen abgehalten Der Sitzung wohnten auch der Oberbürgermeister Morneweg von Darmstadt an. Dieser riet, die Pferdebahn zu er­werben. Mit dem Selbstbetrieb der elektrischen Bahn habe man in Darmstadt ganz gute Erfahrungen gemacht. Die Kommissionen beschlossen, einen Sachverständigen zu er­nennen, um den Wert des jetzigen Pferdebahnuuternehmens abzuschätzen. Außerdem soll sich eine Deputation zu der Negierung begeben, und sie ersuchen, dahin zu wirken, daß Mainz und Darmstadt Herr ihrer eigenen Straßen werden.

Vermischtes.

* Könitz, 18. Oktober. Das Schwurgericht fällte das in bem Prozeß wegen des Krawalls am 10. Juni. t> Angeklagte wurden unter Zubilligung mildernder Um- verurteilt, 4 freigesprochen. Es erhielten: rveuer wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt

5 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 4 Monaten | Untersuchungshaft, Arbeiter Gatz wegen einfachen Land­friedensbruchs 5 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 3 Monaten Untersuchungshast, Knecht Cohr wegen schweren Landfriedensbruchs 9 Monate Gefängnis. Die Lehrlinge Gierschewski und Werner, die des einfachen LandsriedenS- bruchs schuldig befunden wurden, wurden unter Berück­sichtigung, daß ihnen die Einsicht in die Strafbarkeit ihrer Handlungen gefehlt habe, ihren Familien überwiesen.

* Dresden, 18. Oktober. Der seit 17 Jahren im Starrkrampf liegende Bremser Diettrich, dessen Fall in der deutschen Aerztewelt viel besprochen wurde, ist heute mit durchschnittener Kehle tot gefunden worden; seine Frau erhängte sich.

* Leipzig, 18. Oktober. Aus Anlaß der Grund­steinlegung des Völkerschlachtdenkmals ist die Stadt festlich beflaggt. Die meisten Geschäfte und indu­striellen Betriebe sind geschlossen. Obwohl das Wetter regnerisch ist, sind die Straßen sehr belebt. Aus allen Teilen Deutschlands und Oesterreichs sind Fremde in großer Zahl eingetroffen. Die Mehrzahl der großen deutschen Städte entsandte Abordnungen. Gestern abend und heute früh fand auf den Bahnhöfen Empfang der Festgäste statt. An der Feier nahmen Vertreter der sächsischen Staats- und Gemeindebehörden sowie die Präsidenten der sächsischen Kammern teil. Die Feier begann mit einem Festzuge, nn dem 600 Vereine mit Fahnen, die Leipziger Schüler­schaft und studentische Abordnungen im Wichs teil- nahmen. Der Zug begann auf dem Augustusplatz und endete auf dem Denkmalsplatze bei Probstheida. Nach dem Eintreffen des Festzuges auf dem Festplatze be­gann der Weiheakt der Grundsteinlegung. DerSiegeS- gefang der Deutschen nach der Hermannsschlacht", von über 1000 Sängern gesungen, leitete die Feier ein. Hieraus hielt der Oberbürgermeister Troendlin die Festansprache. Sodann wurde die Urkunde über die Grundsteinlegung verlesen, worin die Geschichte der Denkmalsgründung dar­gelegt ist. Die Urkunde wurde nebst Münzen, Leipziger Zeitungen und einigen modernen Schriftstücken dem Grund­stein einverleibt. Die Kommerse waren von vielen Tausen­den besucht. An den Kaiser und den König von Sachsen wurden Huldigungstelegramme abgesandt.

Im Genfer Gerichlsgebäude erzählten sich unlängst die Advokaten folgendes Geschichtchen: Ein ZeitungS- t) erlauf er hatte vor einigen Monaten seine Fran in der Gesellschaft eines jungen Italieners gefunden. Er klagte auf Scheidung, und das Civilgericht hat ihm vor einigen Tagen Recht gegeben. Als der betrogene Ehemann seine Wohnung wieder betrat, fand er seine reuige, aber geschiedene Frau. Tief bewegt sagte er zu seiner ehemaligen Ehehälfte:Meine Frau kannst Du nicht mehr sein, aber wenn Du bei mir als Wir t schäft er in bleiben willst, so will ich Dich behalten." Die Frau sagte nicht nein.Darf der Italiener jetzt aber auch wiederkommen?" «Ja gewiß, ich habe nichts mehr dagegen, wir sind ja geschieden", erwiderte der gute Mann.

* Budapest, 18. Oktober. Der in der bekannten Asiaire der Prinzessin Louise von Koburg zu achtjähriger Festungsstrafe verurteilte Oberleutnant Mattasich Keglovich hat den Abgeordneten Polonyi zum Curator gewählt und ihn mit der Revision seines Prozesses betraut.

Universität und Hochschule.

Aus Heidelberg wird geschrieben: Die Nachricht von der Be­rufung Professor Dr. Henry T h o d e 's nach Berlin hat sich zum mindesten als verfrüht herausgestellt. Laut Anschlag am schwarzen Brett wird Professor Thode seine für kommendes Wintersemester ange­kündigten Vorlesungen überGeschichte der toskanischen Malerei im 14. und 15. Jahrhundert" undRaffael" am 29. Oktober eröffnen. Weiter wird aus Heidelberg berichtet: Der Privatdozent Dr. E. Schneegans an unserer Hochschule hat einen Ruf als Profeffor der romanischen Philologie an die Universität Erlangen erhalten, und wird demselben folgeleisten In der medizinischen Fakultät der Uni­versität Jena hat sich Dr. O. Hartmann auf Grund einer Habili- tationsschrift .Kleber die Behandlung der akuten primär synovialen Eite­rungen der großen Gelenke" als Privatdozent niedergelassen. Der Bibliothekar der Reichsgerichtsbibliöthek Dr. jur. Georg Maas in Leipzig ist zum Bibliothekar des Reichsmilitärgerichts in Berlin ausersthen. DieStraßb. Post" berichtet: Der Oberarzt im Infan­terie-Regiment 137 in Hagenau Dr. M. Westenh öffe r ist als Assi­stent zum Pathologischen Institut der Universität Berlin komman­diert worden, und zwar erfolgte die Kommandierung, die erste die an einen Militärärzt erging, auf persönlichen Wunsch von Rudolf Virchow.

Aus Marburg wird geschrieben: Der Direktor des hiesigen physiologischen Instituts, Prof. Albrecht Kos sei, übernimmt mit dem 1. April n. I. den Lehrstuhl des verstorbenen Geh.-Rats Prof. Willy Kühne in Heidelberg. Aus Heidelberg wird berichtet: Auf Ver­anlassung des hiesigen, äußerst rührigen VereinsFrauenbildung- Fraucnftudiuni" werden auch in diesem Wintersemester öffentliche Vor- lesungscyklen Heidelberger Hochschulprofessoren veranstaltet. Der Privatdozent an der Universität München Dr. Karl Hesele, königl. Forstamtsassistent in Scklichtenberg, erhielt einen Ruf als Professor der Forstwissenschaft an die Universität Tokio. Wie man berichtet, wird die Sammlung für Krankenpflege der Berliner Universität zu einem Museum ausgebaut, dessen Direktion Prof. Martin Mendelsohn über­nimmt. Aus Tübingen wird berichtet: Die reichen Bücherschätze des in Bonn verstorbenen altkatholischen Theologen Franz Heinrich Reu sch, die insbesondere eine umfassende Jesuitenlitteratur enthalten, werden in den Besitz der Tübinger Universitätsbibliothek übergehen. Oberbibliothekar Dr. Geiger hat sich nach Bonn begeben, um den Kauf abzuschließen.

Kirchliche Nachrichten.

Snaugelische Gemeinde.

Sonntag den 21. Oktober. 19. nach Trinitatis. Gottesdienst.

In -er Giadttirche.

Vormittags 91/* Uhr: Pfarrer Schlosser.

Vormittags 11 Ubr: Kinderkirche für die Mattbäusgemeinde. ,,, Pfarrer Schlosser.

Abends 5 Uhr: Siehe JohanneSkirche.

. Die Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Markus- gememde findet statt: DonnerStag den 25. Oktober, abends 6 Uhr, rm Konfirmandenhaus. Die seiiherigen Mitglieder, sowie die in diesem Jahre konfirmierten Mädchen werden herzlichst eingeladen.

Donnerstag den 25. Oktober, abends 8 Uhr: BibelflUnSe im Konfirmandensaal (Kirchstraße). Pfarrer Schlosser.

In der JohanneSkirche.

Vormittags 9*/, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Vormittags n Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes» gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann.

Abends 5 Uhr: Pfarrassistent Kraus.

Montag den 22. Oktober, abends 8 Uhr: Bibelstnnd- nn Konfirmandensaal der JohanneSkirche. Hebräerbrief Kap. 1. Gottes Offenbarung in seinem Sohne und dessen Herrlichkeit.

Pfarrer Dr. Naumann.

Mittwoch den 24. Oktober: Dekanatssynode. Vormittags 9 Uhr: Gottesdienst in der JohanneSkirche.

Es wird wiederholt darauf aufmerksam geinacht, daß der kirch« lichen Trauung auch ein kirchliches Aufgebots vorherzugehen hat, und wird dringend gebeten, es rechtzeitig spätestens eme Woche vor der Trauung bei dem zuständigen Pfarrer zu bestellen.

Katholische Gemeinde.

Samstag den 20. Oktober. .

Nachmittags um 4'/, Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte.

Sonntag den 21. Oktober. 19. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6</a Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht.

, um 7 Uhr: Die erste heil. Messe;

vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion.

um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. Militärgottesdienst mit Predigt.

, um 9«/, Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 2«/, Uhr: Christenlehre; darauf Rosenkranz-Andacht mit Segen.

An den Werktagen ist täglich abends um 6Vs Uhr Rosen­kranz-Andacht mit Segen.

Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage.

Israelitische Hietigionsgemeivde.

Samstag den 20. Oktober 1900.

Vorabend 5 Uhr, morgens v Uhr, nachmütagS 3 Uhr SchrifterklLrung, Sabbathausgang Uhr.

SchiMachrichte»

Norddeutscher Lloyd, tn Gießen vertreten durch di« Agenten S«rl Loos und I. M. Schulhof.

Bremen, 16. Oktober. (Per transatlantischen Telegraph.) Da PostdampserBo, kum", Kapitän P. Albrecht, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist am 14. Oktober 9 Uhr vormittags wohl­behalten in Galveston angekommen.

Der PostdampferKensington" derRed Star Line" in Ant­werpen ist laut Telegramm am 16. Oktober wohlbehalten tn Neu - Nork angekommen ____________________________

Neueste Meldungen.

Berlin, 19. Oktober. Wie ein hiesiges Blatt erfährt, hat Fürst Hohenlohe vor 14 Tagen von Saßnitz aus, wo er einen Tag weilte, sein Entlassungsgesuch eingereicht. Am Freitag vergangener Woche hat Fürst Hohenlohe die notwendigen Maßnahmen für die Räumung seiner Amtswohnung getroffen.

Berlin, 19. Oktober. Aus Homburg v. d. H. wird gemeldet: Fürst Hohenlohe ist gestern von Homburg nach Baden-Baden abgereist. Später kehrt der Fürst nach Berlin zurück, um die Geschäfte seinem Nachfolger zu über­geben. Dem Grafen Bülow sind im Laufe des gestrigen Tages viele Glückwunschdepeschen zugegangen. Einer der ersten Gratulanten war der Kaiser von Oesterreich.

Berlin, 19. Oktober. DieBerl. Neueft Nachr." schreiben: An den Kanzler wechsel knüpfen sich in der Presse bereits allerlei Kombinationen über die Rück­wirkung auf die Zusammensetzung des preußischen Staats- nnnisteriums. Wir glauben, daß dieselben einstweilen ohne Belang sind. Was die Neubesetzung des Postens d e s S t a a t s s e k r e t ä r s im Auswärtigen Amte betrifft, so dürfte die Wahl wohl auf den bisherigen Mitarbeiter des Grafen Bülow, >den derzeitigen Unterstaatssekretär Frei­herrn von Richthofen fallen. DiePost" vertritt die An­sicht, daß infolge des Kanzlerwechscls sämtliche Mitglieder des preußischen Staatsministeriums dem Kaiser ihre Por­tefeuilles zur Verfügung stellen müßten, obwohl der Wechsel im Präsidium des Staatsministeriums, dessen Gründe vor­nehmlich auf dem Gebiete der Reichspolitik liegen, weiter keinen Systemwechsel bedeute. Die Neubildung des Mi­nisteriums würde nicht nur volle Klarheit über den po­litischen ZlUrs der Zukunft dringen, sondern auch Garantie für die Einheitlichkeit und Stetigkeit dieses Kurses in sich schließen.

Berlin, 19. Oktober. Die Königin von Eng­land läßt s ich, wie aus London telegraphiert wird, noch täglich telegraphisch über den Zu stand der Kaiserin Friedrich berichten. Jeden Morgen wird der Bericht der behandelnden Aerzte übermittelt, später folgen Tele­gramm e, ob eine Aenderung eingetreten ist. Obwohl körperlich gesund, ist die Königin ziemlich tief nieder­gebeugt.

London, 19. Oktober. Die heutigen Morgenblätter berichten, daß die Königin dieEinberufungdesPar- l o m c u t § auf Ende Dezember vertagt hat.

Lüttich, 19. Oktober. Infolge eines Erdrutsches in der Grube Surmont wurden zwei Bergarbeiter verschüttet. Der eine wurde als Leiche hervorge­zogen, mährend der andere schwere Verletzungen davon­trug.

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Telephonischer Kursbericht.

Frankfurt, den 19. Oktober.

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Dresdener Bank . . .

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Berliner Handelsges. .

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Oesterr. Staatsbahn

137.

41 60

Gotthardbahn . . .

. 189.

23.60

Laurahütte ....

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25.60

Bochum.....

. 173.50

74 60

Harpenor . ...

. 175.50

Tenc

enz: fest.