Ausgabe 
20.10.1900 Erstes Blatt
 
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Schnittpunkt der Bahnen aus nach Ober-Rosbach zu hat die neue Bahnstrecke bedeutendes Gefall, nämlich 1 : 70, Die Arbeiten zu dem Oberbau sind gegenwärtig ausge­schrieben; die Unternehmer haben bereits ihre Forderungen für den lausenden Meter eingereicht. Die Bahn soll bis zum 1. April 1901 dem Verkehr übergeben werden.

-p. Friedberg, 18. Oktober. Zur Durchführung eines Herbstjungviehmarktes haben der landw. Bezirksverein 100 Mk., der Zuchtverein Friedberg 200 Mk. und die Stadt Friedberg 100 Mk., im ganzen also 400 Mk. zu Prämien bewilligt, wovon 250 Mk. für junge Bullen über 1 Jahr und 150 Mk. für Rinder über 18 Monate alt verwendet werden sollen. Die Tiere müssen am genann­ten Tage, vormittags 9 Uhr, im Ringe aufgetrieben sein und zwar Bullen im nördlichen Ringe vor dem Amts­gerichtsgebäude, Rinder im südlichen Ringe, gegenüber der Wirtschaft von Schreibet. Zugelassen sind nur Tiere eigener Zucht oder solche, die ein halbes Jahr im Besitze sind, aus dem Kreise Friedberg. Eine Kommission ist zur Ge­schäftsvermittelung bereit und im Protokollzimmer bei Ernst Engel anwesend. Anmeldungen mit Angabe des -Besitzers, Geschlechts und Alters des Tieres, eventuell Herdbuchnummer, sind bis Dienstag den 23. d. Mts., vor­mittags, a,n das Sekretariat des landw. Bezirksvereins Friedberg, Homburger Landstraße Nr. 9, zu richten.

Nieder-Ramstadt, 18. Oktober. Gestern nachmittag fand die feierliche Einweihung der neu erbauten Heilstätte für epileptische Kinder und Jugendliche statt, die Menschenliebe errichtet hat zum Wohle und als friedliche Heimstätte dieser armen, unglücklichen Wesen. Die Bahn brachte viele Teilnehmer an dem Einweihungsakt, der in Anwesenheit des Groß Herzogs, der der wohlthätigen Anstalt seine Unterstützung in freigiebigster Weise hat ange- -Äeihen laffen, und der Groß Herzogin, die das Protek- loriat der Anstalt übernommen hat, stattsand. Die Feier nahm mit einem Gesang ihren Anfang. Superintendent Waas verlas den Eingangsspruch. Dann folgte ein Gebet und Verlesung des 23. Psalms. Nach einem gemeinsamen Gesang folgte die eigentliche Weiherede durch Superinten­dent WaaS. Nach Schluß der Feier besichtigten die Großherzoglichen Herrschaften das Haus, das äußerst prak­tisch eingerichtet ist.

b. Ockstadt, 17. Oktober. Nachdem die Kaiser­grube auf dem Winterstein mehrere Jahre ihren Betrieb eingestellt hatte, ist nach längerem Schürfen in diesem Sommer eine neue Bleierzader entdeckt, und bereits ein Schacht darüber erbaut worden. Der neue Schacht liegt 10 Minuten westlich von der früheren Grube.

(?) Grün berg, 18. Oktober. Gestern und heute fand hier der diesjährige Gallus markt statt, der wiederum seine Anziehungskraft auf die Bewohner der näheren und weiteren Umgebung ausübte und sehr zahl­reich besucht war. Da besonders gestern vormittag das Wetter recht günstig zu werden schien, strömte aus allen Richtungen die Landbevölkerung in Scharen nach dem

zwischen der Londorfer und Gießener Straße liegenden Marktplatze. Der V i e h m a r k t war mit R i n d v i e h nicht so stark befahren, als dies sonst am Gallmarkt der Fall war. Das Geschäft ging ziemlich lebhaft bei verhältnis­mäßig hohen Preisen. Jüngere Rinder wurden zu 120 bis 160 Mk., trächtige zu 220 bis 250 Mk. verkauft. Schweine, namentlich Ferkel und Läufer, waren in Menge aufge­trieben. Da die Viehmärkte zu Gießen der Maul- und Klauenseuche wegen verboten werden mußten, hatten viele auswärtige Händler ihre Ware hier zu Markt gebracht. Infolge des starken Angebots waren die Preise etwas gedrückt. Sechs- bis achtwöchige Ferkel kosteten 12 bis 25 Mk. das Paar, ältere 32 bis 48 Mk.; Läufer wurden zu 70 'bis 90 Mk. das Paar verkauft. Der Krammarkt war von hiesigen und auswärtigen Geschäftsleuten mit Verkaufsständen gut besetzt, und auf dem Juxplatze boten Karoussel, Schieß- und Schaubuden aller Art, sowie ein Zirkus Abwechslung und Unterhaltung für Jung und Alt. Leider wurde der Marktverkehr und das Geschäft durch den nachmittags einsetzenden Regen sehr beeinträch­tigt, was andererseits den Geschäftsleuten in der Stadt wieder zu gute kam. Sämtliche Wirtschaften und Läden der Stadt waren denn auch bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein gut besuchter Festball im GasthofZum Hirsche bildete den Schluß des ersten Markttages. Auch der heutige zweite Markttag brachte, da das Wetter sich nachmittags wieder aufgeklärt hatte, recht lebhaften Verkehr, und so ist zu hoffen, daß die Geschäftsleute im ganzen mit dem Geschäftsergebnis des heurigen Gallus- marktes zufrieden sind. §eute abend bildet ein Bürger- ball im GasthausZum Rappen" den Abschluß.

Burkhards, 18. Oktober. Recht unangenehme Folgen hat die Bürgermeisterwahl für einen Bürger von hier. Er hatte den seitherigen Bürgermeister Kunkel, zu dessen Gegenpartei er gehörte, um geringfügiger Ursache willen angezeigt. Die Sache wurde seinerzeit vor dem Schöffengerichte zu Schotten verhandelt. Nun aber hat die Angelegenheit für den Ankläger eine recht unangenehme Wendung genommen, denn er wurde, da er im Verdacht steht, einen Meineid geschworen zu haben, verhaftet.

Rüdingshaiu, 17. Oktober. Bei der gestern hier statt­gefundenen Bürgermeisterwahl wurde anstelle des seitherigen Bürgermeisters Fischer Herr Deubel IV. gewählt. Herr Deubel wurde hiermit zum zweitenmale gewählt. Die erste Wahl war beanstandet worden.__________________________

Vermischtes.

Ue6et eine Episode, die sich bei der Saalburg- Feier zutrug, wird berichtet: Ein schlanker Centurio, seinem modernen Civilberufe nach Philolog, soll durch lateinische Ansprachen, nach dem Weihegesang au Apollo auch durch griechische, mehrere vornehme Personen in Ver­legenheit gebracht haben. Eine hat sich schlagfertig er­wiesen. Nach der Beendigung der Feier trat der Centurio zu einem rauchenden Herrn: Ut excellentia ignis paululum concedat, precor. (Ich bitte Excellenz um etwas Feuer.)

Mit den Worten: Libenter, sum semper is qui (Gern^ ich bin immer derjenige, welcher) hielt Graf PosadowSky dem jungen Krieger die Cigarre zum Anzünden der seinigen hin.

* Siegburg, 17. Oktober. Gestern waren hier die drei Kinder eines Fabrikarbeiters im Alter von ein bis drei Jahren eine Zeit lang allein in der Wohnung. Sie müssen nun durch Spielen mit Feuerzeug Braud ver­ursacht haben. Als die Nachbarn infolge des Rauches hinzu eilten, war es schon zu spät; alle drei Kinder waren bereits e r st i ck t.

* Bruchsal, 18. Oktober. In der letzten Nacht st ü r z t e aus einem Abteil des Nachtzuges Frankfurt- Stuttgart kurz vor der Station Ilgen ein siebenjähriger Knabe. Der Zug churde sofort gestellt und das Kind schwer verletzt aufgefunden. Der Vater verbrachte den Knaben mit dem folgenden Zuge nach Bruchsal, wo er kurz darauf seinen Verletzungen erlag.

* Ulm, 18. Oktobers Bei prächtigem Wetter wurde heute mittag auf dem Marktplatze das D e n k m a l K a i s e r Wilhelms I. enthüllt. Die Festrede hielt Oberbürger­meister Wagner. Darauf fiel auf Befehl des Königs unter Glockengeläute, den Klängen der Musik und Salutschüssen von den Wällen die Hülle.

Krieskasten der Redaktion.

x. Sie haben recht, das war ein Schreibfehler. Der gestrige Artikel hat natürlich die UeberschriftKaiser Friedrichs Geburtstag" zu tragen.

Handel nnd Verkehr. Volkswirtschaft.

Frankturter Börse vom 18. Oktober.

Wechsel auf New-York zu 0.00-00.

PrfirnieB auf Kredit per ult Okt. 1.20%, do. per ult. Novbr. 3.00%, Diakonto-Kommandit per ult. Okt 1.10%, do. per ult. Novbr. 2.80 % Lombarden per ult Novbr. 0.80 % Brief. Deutsche Bank 0.00%.

Notierungen: Kreditaktien 201.90-000.00, Diakonto- Kommandit 170.00-000-00, Staatsbahn 136.70-000.00, Lombarden 23.10, Italiener 93.80, Spanier 69-60-20, Bproz. Mexikaner 25.40, Bochumer 170.80-000.00 bz., Laura 192.90-000.00 bz., Harpener 172.20-60-000.00 bz., Gelsenkirchen 181.00-000 00 G., Privat- Diskont 4%% G.

1% bi- 2% Uhr: Kreditaktien 201,80-202-20 bz., Dis- honto-Kommandit 170-171.30-000.00 bz., Staatsbahn 000.00 bz. Lombarden 25.20-00.00 b., Laura 000.00, Berliner Handelsgesell­schaft 000.00 bz., Bproz. Mexikaner 00.00 bz., 3proz. Portugiesen 00.00-00 bz., Ottomanbank 000.00 bz , Bochumer 000.00 bz., Deutsche Bank 000.00-000 bz., Harpener 000.000 00 bz.

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Bekanntmachung,

betr.. DaS Einhalten der Tauben während der Taatzeit.

Die Besitzer von Tauben werden unter Hinweis auf Art. 79 des Feldstrafgesetzes * aufgefordert, ihre Tauben vom 80. Oktober bis Gude Oktober er. in den Schlägen einzuhalten. Uebertretungen dieser Vorschrift müssen nach Maßgabe des Feldstrafgesetzes zur Anzeige und zur Bestrafung gebracht werden.

Gießen, den 16. Oktober 1900. 6880

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

_________________________I. V.: Wolff._________________________

Bekanntmachung.

Der Voranschlag der Gemeinde Allertshausen liegt vom 22 d. MtS. an acht Tags lang auf hiesiger Bürgermeisterei zur Einsicht aller Interessenten offen.

Allertshausen, am 18. Oktober 1900.

Großherzogltche Bürgermeisterei Allertshausen.

Hillgärtner. 6882

Steckbrief. I

Gegen den Arbeiter Christian Rühl von Groß-Felda (Kreis Als­feld), geboren daselbst am 31. Januar 1843, evangelisch, welcher sich ver­borgen hält, ist die Untersuchungs­haft wegen Bettelns und Land­streichens verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu ver­haften und in das nächste Gerichts­gefängnis abzuliefern, sowie zu den hiesigen Akten E 23/00 sofort Mit­teilung zu machen. 6884

Großenlüder, den 16. Okt. 1900. Königliches Amtsgericht.

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