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lassungen für wahrscheinlich.
London, 19. Juni. Offiziell wird gemeldet: Seymour und die gemischten Truppen sind nach Tientsin zurückgekehrt. — Ein Shangaier Telegramm meldet aus angeblich guter Quelle, daß drei deutsche Offiziere die militärischen Ratgeber der Chinesen seien, die Admiral Seymours Verbindung abgeschnitten haben. Der „Globe" erklärt, die Absetzung und Verbannung derKaiserin und dieWiedere insetzung deSKaisers seien die einzigen Maßnahmen, die China vor der Zerstückelung retten könnten. Das sei jetzt der Hauptpunkt der ganzen Schwierigkeiten. Sollte Rußland für die Beibehaltung der Kaiserin eintreten, so müßte England die Sache in ganz anderem Geiste behandeln als in dem, den Rußland bisher gestattete, die herrschende Stellung in Nord- China einzunehmen. Pflicht des Auswärtigen Amtes sei die Absetzung der Kaiserin und Wiedereinsetzung des reformfreundlichen Kaisers. Dieser Wechsel müßte die Grundlage jeder Neugestaltung der Verhältnisie in China bilden.
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durch die an die Gesandtschaften anstoßenden Gärten wird deren Verteidigung bedeutend erschwert.
Zu der Einnahme der Forts von Taku meldet das Reuter'sche Bureau aus Tschifu unters dem 18. ds. MtS.: Infolge der Beschießung flog ein chinesisches Pulvermagazin in die Luft. DaS britische Kriegsschiff „Algerine" ist beschädigt. Zwei Offiziere und vier Mann sind verwundet.
DaS Pariser Auswärtige Amt hat von dem Konsul FrautzviS in AünNanfu, der den Auftrag erhalten hatte, seine dortigen Landsleute auf tonkinesischeS Gebiet überzuführen, ein Telegramm aus der genannten Stadt erhalten, worin Francois meldet, der Bizekönig habe ihn und die übrigen Franzosen an dem Aufbruch ver- hindert. Man habe deren Wohnungen und MissionSstätten eingeäschert und ihre Kleider gestohlen; die Leute seien gewisiermaßen gefangen gehalten. Daraufhin habe der Minister Delcassö den Pariser chinesischen Gesandten zu sich entboten, und ihn aufgefordert, dem Bizekönig von Yünnan sofort zu telegraphieren, Frankreich mache ihn für daS Leben der französischen Staatsangehörigen verantwortlich. — Ferner ist in Paris der Wortlaut verschiedener Maueranschläge bekannt geworden, die die Boxer vor sechs Wochen in Schantung verbreiteten. Es heißt darin: „Verjagt die fremden Teufel! Vernichtet diese Unholde! Zerstört die Eisenbahnen! Werft die Telegraphenstangen nieder! Versenkt die Damfer! Das wird Frankreich das Herz erstarren machen, die Engländer und Russen zermalmen und dem edlen Reiche der erhabenen Tsching-Dynafiie für immerdar Blüte
Telegramme de- Gietzeuer Anzeigers.
Berlin, 19. Juni. Man glaubt in hiesigen
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Jm ungarischen Parlament interpellierte Kossuth die Regierung über die Vorgänge in China. Ministerpräsident von Szell erklärte, daß, da die chinesischen Behörden sich als ohnmächtig erwiesen haben, die Fremden zu schützen, sich sämtliche Mächte geeinigt haben, zum Schutze ihrer eigenen Unterthanen Truppen zu landen, um China zu zeigen, daß es der gesamten civilisierten Welt gegenübersteht. Eine obligatorische Abmachung zwischen den interessierten Mächten, wie die Truppen zu verwenden seien, bestehe nicht. Das Ziel der Mächte sei einzig und allein die Verteidigung ihrer Unterthanen und diplomatischen Vertreter. Auf eine Anfrage, ob die Regierung Sicherheit habe, daß einzelne Mächte, insbesondere Rußland AenderungS-Absichten nicht hegten, erklärte Szell, daß die Regierung hiervon keine Kenntnis besitze. Es lägen jedoch keine Anzeichen vor, daß irgend eine Macht besondere Ziele verfolge. Jedenfalls werde Oesterreich-Ungarn sich in keine Aktion einlassen, die zu Komplikationen führen könnte.
Aus Yokohama wird gemeldet: Wegen der kritischen Lage in China und auf speziellen Wunsch des Kaisers blieb Ministerpräsident Damagata im Amt. Die japanische Regierung beschloß, ihre Aktion in China lediglich auf den Schutz der japanischen Interessen zu L.
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Regierungskreisen trotz der bedenklichen Lage auch heute noch nicht an dieErmordung des deutschen Gesandten in Peking. Dagegen hält man wohl die Cernierung der europäischen Gesandtschaften und die Zerstörung gewisser für den christlichen Kultus bestimmter Gebäude und Nieder-
7 Stunden dauerte. Angeblich sind zwei englische Schiffe zwischen den Forts im Flusse gesunken. Der Telegraph und die Eisenbahn zwischen Taku und Tientsin sind zerstört. Die Verbindung zu Wasser ist aleich- falls gefährdet. — Wolffs Bureau in Berlin wird aus Tschifu berichtet: Nach einem kombinierten Angriff der fremden Kriegsschiffe wurde ein Fort von Taku ge- nommen. Die Fremden Niederlassungen in Tientsin werden von den Chinesen beschossen. Von dem nach Peking entsandten deutschen Detachement und den dortigen Gesandtschaften liegen keine Nachrichtzen vor.
In London traf dann folgende Depesche aus Shanghai vom 18. ds. ein: Wie ein Telegramm aus Tschifu meldet, berichtet ein japanisches Kanonenboot, daß die europäischen Marine st reitkräfte sich der Forts bei Taku bemächtigten. Nach einem Ultimatum an den chinesischen Kommandeur eröffneten sämtliche Forts das Feßrer auf die Kriegsschiffe. Diese antworteten und brachten die Geschütze der Chinesen zum Schweigen. Die Forts wurden alsdann besetzt.
Heute früh erhielten wir sodann folgende telegraphisch^ Meldung, die wir sogleich durch Anschlag bekannt gaben:
Washington, 19. Juni. Die Verluste der internationalen Truppen hei der Einnahme der Forts von Taku betrugen auf Seiten der Engländer 1 Toter, 4 Verwundete, auf Seiten der Deutschen (vom Kriegsschiff „Jltijs"". D. Red.) 3 Tote und 7 Verwundete, auf russischer Seite 16 Tote und 40 Verwundete, auffran 4 zösisch er Seite 1 Toter und 1 Verwundeter. Ein chinesisches Kanonenboot wurde beschlagnahmt.
Der Kampf um die Forts scheint also kurz und wenig verlustreich gewesen zu sein. Die Angaben machen einen durchaus glaubwürdigen Eindruck. Die schnelle Einnahme der^Forts ist sehr erfreulich, denn die Chinesen sind sehr stolz auf die Befestigungen, mit denen sie jedem den Zugang zu ihrer Hauptstadt wehren zu können meinten. Es dürfte daher recht seltsam wirken und den Leuten in Peking ein gelindes Grauen vor den Folgen ihrer Unthaten einflößen, wenn sie hören, wie schnell die berühmten Takusorts Vörden Kanonen der Mächte die Drachenflagge gestricheü haben. Mit dem Fall dieser Forts liegt den kleineren Kriegsschiffen, den Torpedo- und Kanonenbooten, die Wasserstraße des Peiho bis Tientsin offen, sie würde also nebst den Landwegen zu benutzen sein, um zunächst den Europäern in Tientsin Entsatz zu bringen, falls die Bahn Tongku-Tientsin nicht zerstört sein sollte. '>?
Ueber die Vorgänge i n Peking liegen auch noch keine Einzelheiten vor. Bezeichnend aber sind in der Meldung der „Morning Post" aus der Hauptstadt vom 13. Juni die Angaben, daß damals die chinesische Regierung noch schwankte, ob sie die Bewegung der Boxer unterdrücken oder ob sie selbst den Mächten Widerstand leisten solle, und daß die Entscheidung von der Kaiserin abhänge. Daraus müßte man schließen, daß die herrschenden Machthaber am 13. Juni noch das Heft in der Hand hatten und die Ausschreitungen bei gutem Willen hätten hindern können. Aber selbst wenn man annimmt, daß die Volksbewegung mit elementarer Gewalt über die chinesische Regierung hinweggeflutet wäre, so muß sie doch: sowohl nach der chinesischen Anschauung über Verantwortlichkeiten wie nach den internationalen Verträgen für den Sturm auf die Gesandtschaften der Mächte zur Rechenschaft gezogen werden, und auck) wenn den Gesandten und ihren Untergebenen kein Leid geschehen sein sollte, liegt ein so schmäh- licher, noch nie dagewesener Fall der Verletzung der Ex-1 territorialität vor, daß die nachdrückliche Ahndung unbedingt erforderlich ist. Der Schauplatz der Ereignisse in Peking ist die sogenannte Gesandtschaftsstraße, eine breite, staubige und löcherige Straße, die sich nicht wesentlich von den übrigen Verkehrswegen der Hauptstadt unterscheidet und sich wie diese in einem ganz unglaublichen Zustande der Vernachlässigung befindet. Sie zieht sich am Südende der Tartarenstadt, südöstlich von der kaiserlichen oder verbotenen Stadt von Osten nach Westen, parallel mit der Mauer der nahe anschließenden Chinesenstadt. Die Gesandtschaften sind alle in ehemaligen Yamen, chinesischen Regierungsgebäuden, untergebracht, sie sind einstöckig und unterscheiden sich äußerlich nicht von chinesischen Bauten. Die Front der deutschen Gesandtschaft bildet ein chinesisches Eingangsthor, von einem großen, nady chinesischem Stil geschwungenen Dach überragt; im Hof liegen zur Linken die Gebäulichkeiten für den Gesandten, zur Rechten die Wohnungen der Gesandtschaftsmitglieder und Bediensteten; im Hintergründe schließt sich, eine Oase in der Staubwüste Pekings, ein großer Garten an. Das Viertel, in dem die Gesandten und, von den Missionaren abgesehn, die meisten Europäer wohnen, ist also keineswegs eine besondere von Fremden gebaute Niederlassung wie die Settlements in den Vertragshäfen, sondern es sind Straßen der Stadt wie jalle andern, in denen auch zwischen den Gesandtschaften Manschu und Chinesen ihre Häuser haben. Dadurch sowie
Die Wirre« in China.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung"" schreibt Unterm 18. d. M. in offiziösem Sperrdruck:
Die Nachricht, daß die Londoner Agentur Laffan eine Meldung aus Tientsin über die Ermordung des deutschen Gesandten in Peking verbreite, traf anr Sonnabend hier ein. Unmittelbar darauf wurde der kaiserliche Geschäftsträger in Petersburg zu umgehenden Drahtbericht, ob und welche Nachrichten die dortige Regierung •US Peking habe, aufgefordert und auch der kaiserliche Konsul in Tschifu angewiesen, auf jede, mögliche Weise Nachrichten einzuziehen und hierher zu drahten. Ebenso erhielt der Chef des Kreuzergeschivaders noch am Samstag telegraphische Weisung, zu depeschieren, was er über die Lage in Peking in Erfahrung bringen konnte. Sowohl aus Perersburg, als a^uch aus Tschifu wurde gestern zurück- gemeldet, daß keinerlei Bestätigung der Laffan- schen Meldung vorliege. Auch in London ist amtlich nichts bekannt. Als dann heute früh die Draht-Nachricht aus Tschifu eintraf: Ein japanisches Torpedoboot meldet: „Die Botschaften in Peking genommen"" wurden sofort die kaiserlichen Botschaften in London, Petersburg, Tokio und Shanghai telegraphisch angewiesen, schnellstens Erkundigungen einzuziehen. Aus einer heute einge- twffenen Meldüng des Konsulats in Hongkong, das schon xestern zur Einziehung von Ermittelungen beauftragt war, geht hervor, daß dort keine ähnlichen Nachrichten vorliegen. ‘Sie Antwort der oben genannten kaiserlichen Vertreter steht iwch aus und werden sofort nach Eintreffen bekannt ge- §ebn werden.
Aus diesen offiziösen Mitteilungen geht hervor, wie sehr sich das Berliner Auswärtige Amt bemüht hat, über die bisher ersreulicherweise unbestätigt gebliebene Meldung doi, der Ermordung des deutschen Gesandten in Pekmg zuverlässige Erkundigungen einzuziehen; sie sind bisher leider ohne Ergebnis gewesen, denn den aufständischen Boxern ist es gelungen, seit vier Tagen jede telegraphische Berbindung mit Peking und Tientsin abzuschneiden. Des- Wb ist leider auch nicht sestzustellen, was die vor 14 Tagen nach Peking zum Schutze der deutschen Gesandtschaft entsandte Wteilung von 50 Matrosen und was ferner die leit dem 13. Juni auf dem Marsche nach Peking befindliche deutsche Truppenabteilung macht. Ebensowenig Kegen zuverlässige Nachrichten über die Bewegungen der übrigen gelandeten europäischen Truppenabteilungen vor. Bekannt ist nur, daß alle dem einheitlichen Obetbefehl des englischen Vizeadmirals Sir E. Seymour, dem Kommandierenden des englischen Geschwaders in China, als dem den höchsten militärischen Rang bekleidenden Offizier, unterstellt sind, iss ist zu hoffen, daß schoii in den nächsten Tagen dank dem Norwärtsschreiten der gelandeten Truppen auch die telegraphischen Verbindungen wiederhergestellt sein werden^, und es ist mit Freuden zu begrüßen, daß das Auswärtige Ävrt in der offiziellen Note ausdrücklich verspricht, datz die nntreffenden Nachrichten sofort bekannt gegeben werden ^H^Die in Münster i. W. lebende Mutter des Gesandten ?wbr v Ketteler erhielt die telegraphische Nachricht, daß brSohn noch am Leben sei. (?) - Eine ganz thörichte Nachricht, die den Stempel der Erfindung an der Stirn trägt, liegt aus Wien vor. Sie lautet: „N^l- dilngen aus Paris zufolge proklamierte die KaiseriN-Re- oenttn von China den heiligen Krieg gegen die Auslandes Der deutsche Gesandte, Frhr. v. Ketteler wurde durch! Säbelhiebe getötet. Das Schicksal der übrigen gesandten, die gefangen sind, ist unbekannt"". Eino ms Shanghai in Paris eingettoffene Privatmeldung bejaht- Fünf fremde Gesandte forderten von Lr Kaiseriü-Witwe freies Geleit. Es wurde ihnen verweigert'". Hinzugefügt wird, daß alle fremden Archen in Peking in Flammen aufgingen.
Vom kaiserlichen Konsul m Tschifii ging am Montag morgen nachstehendes Telegramm ein: Ernj,apan- isches Torpedoboot meldet, die Gesandt- ichaften in Peking seien gen om m e n. Gleich darauf otate ein Telegramm aus Petersburg, das besagt, daß man dort dieser Nachricht sehr skeptisch gegenuberstehe. Ein weiteres Telegramm des deutschen Konsuls Tschifu, das .pftern nrittaa in Berlin eintraf, lautet: Heute Nacht HS! pin japanisches Torpedoboot aus Taku folgende Stan' 'N Chinesen legten int Takuslusse Torpedos ' eine Tvuppe vor Shan-Hei-Wan zusammen. “ W dem russischen AdmiralsscAffe versammelten Hemden Befehlshaber richteten ar.die Kommandanten der ^kuforts ein Ultimatum, ihre Truppen bis 2 _ Uhr en, Nachmittag des 17. Ium zu^ckznztehen worauf ine -orts am 17. Juni 1 Uhr nachts daS Feuer erüff- !"ten, das von den deutschen, russischen englischen fran- Aschen wnd japanischen Schissen erwidert wurde und
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