1900
Sonntag den 20 Mai
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.
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-chntstratze Nr. 7.
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Gefunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 2 Sonnenschirme, 2 verschiedene Glacehandschuhe und 1 Luftpumpe. Gießen, den 19. Mai 1900.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Hechler.
Auch die Eisenbahnlinie ist schwer beschädigt. Die Buren zerstörten außerdem mehrere Brücken und öffentliche Bauten.
London, 19. Mai. Bon den 7000 Buren, die geflohen find, begaben sich etwa 1000 nach Waterstrom, dir anderen find nach dem Freistaat zurückgekehrt.
London, 19. Mai. Das Sriegsamt erklärt, daß die Meldung Lord Roberts über die Gefangennahme deS Generals Botha sich auf den Kommandanten Jane Botha bezieht.
London, 19. Mai. AuS Malopo wird vom 17. gemeldet: Gestern fand ein ernstes Gefecht um Mafe- kinq statt. Das Resultat desselben ist noch nicht bekannt. — Nach einer Meldung aus BolkSruft zerstörten die Buren gestern die Eisenbahnlinie bei Laingsueck» wodurch die Verbindung durch die Drakensberge längere Zeit gestört sein wird. Die Buren besetzten die strategische« Punkte und man glaubt, daß Laingsneck uneinnehmbar fein wird. . t m .
London, 19. Mai. Der Bruder deS Obersten Bade« Powell hat ein Telegramm erhalten, in dem ihm die Entsetzung von Mafeking mitgeteilt wird.
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«bei U 'm Aller mum tföt, 10 Will*
M, I Miwc Mt, 1 66)\xm- !, 1 ffiflgntt.
»drrfie für Drpeschen: Anzeiger Kietze».
Fernsprecher Nr. 51.
Annahme een Anzeigen zu der nachmittags für den fnlgmden t*| erscheinenden Nummer bi» »orm. 10 llhr. Abbestellungen spätestens abend» vorher.
Erscheint täglich gidt Ausnahme deS
Montag».
Die Gießener MamilteuStätler werden dem Anzeiger tat Wechsel mit ,^heff. Landwirt^ n. ^Blätter Mr heff. Volkskunde- »bchtl. 4 mal beigelegt.
Nr. 117 Zweites Blatt
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Die unterm 14. l. MtS. für den FuhrwerkSverkehr an- geordnete Sperre der Hammstraße wird von Montag dem 21. I. MtS. wieder aufgehoben.
Gießen, den 19. Mai 1900.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Hechler.
1.65. i
2 Jab» I
Gießener Anzeiger
Heneral-Anzeiger
Telegramme deS Gietzewer Anzeigers.
London, 19. Mai. Mafeking ist entsetzt. Diese Meldung, die gegen 10 Uhr abends bekannt wurde, verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die Stadt. Der Enthusiasmus überschritt alles bisher Dagewesene. Große Menschenmaffen mit Fahnen durchziehen singend, jubelnd, schreiend die Straßen. Mit demselben vereinigte sich das aus den Theatern kommende Publikum. Musik- und Trommler-Korps setzten sich zusammen und schritten an der Spitze der begeisterten Menge. Die Telegraphen-Aemter sind belagert von Tausenden. Die Nachricht von dem Entsätze MafekingS ist halb offiziell. Das Kriegsamt wußte bis spät abends noch nichts davon.
Loudon, 19. Mai. Obgleich die Meldung vom Entsätze Mafekings noch nicht amtlich bestätigt ist, zweifelt niemand an der Richtigkeit derselben, da der Lord-Major dieselbe bekannt machte. Trotz der späten Stunde wurde allgemein geflaggt und das Bild des Obersten Badeu-Powell wurde überall ausgestellt. Er ist zur Zeit der populärste Mann in ganz England. Bis 5 Uhr morgens herrschte reges Leben in den Straßen.
Loudon, 19. Mai. Wie General Buller meldet, hat er gestern Newcastle besetzt. Er sandte eine berittene Kolonne nach Niutu, um eine große feindliche Kolonne, die sich dort festgesetzt hatte, zu vertreiben. Die Buren haben ringsum Alles zerstört, und sogar die Kirchen und Klöster nicht verschont. Die vornehmeren Wohnhäuser sind geplündert, und alles Wertvolle ist mitgenommen worden.
Der Krieg in Südafrika.
Vorn Kriegsschauplätze wird aus London gemeldet: Die Spannung bezüglich Mafekings ist noch immer int Wachsen begriffen. Aus Pretoria wird allerdings vorn 18. ds. gemeldet: Es wird amtlich (!) bekannt gegeben, die Belagerung Mafekings seitens der verbündeten Buren fei aufgegeben, nachdem das Burenlager aus den Forts heftig beschossen worden war. Die von Süden gekommenen britischen Truppen besetzten die Forts. — Wenn sich diese Nachricht bewahrheitet, was kaum zu bezweifeln ist, dann wird es in London einen kolossalen Freudenausbruch geben. Daß die Stadt nicht kapituliert hat, kann jedenfalls jedenfalls als feststehend gelten.
Metier die letzten Tage in Mafeking hat die „Daily Mail" von der unverwüstlichen Lady Sarah Wilson wieder einen ziemlich ausführlichen Bericht erhalten, dem Dir folgende Einzelheiten entnehmen:
Die Nahrung, die wir noch haben, wird uns so lange lebendig erhalten, bis die Hilfe kommt, — wenn sie nicht zu langsam macht. Wir müssen jetzt von allem leben, was überhaupt noch, gegeben werdet: kann, und dankbar fein daß wir es haben, einerlei, was es ift, Pf e r de- ileisch, Heüschrecken, Maultiere u. dgl. sind jedermann als schätzungswerte Nahrungsmittel vertraut. Die letzte Anregung zu einer möglichst sparsamen Fütterung ist die Errichtung einer Suppenknche für Weiße, und es ist ein spaßiger Anblick, zu sehen, wie wir alle, hoch und niedrig selbst hingehen, nm unsere Ration m Empfang ju nehmen. Sülze aus Pferdehaut ist augenblicklich eine hervorragende Delikatesse und schmeckt auch gar- nicht schlecht, wenngleich sie manchmal etwas zähe ist. ^rotz unseres Hungers hatten wir doch noch Energie genug, um am letzten Sonntag (6. Mai) ein militärisches Turnier abzuhalten, das sich als ein großer Erfolg darstellte, und trotz der schmalen Kost, von der die Soldaten leben, brachten sie doch ein feines Schauspiel zusammen. Die ganze Gar- rtiton, Offiziere und Mannschaften, haben ihre tägliche Ration von einer Unze Zucker aufgegeben. Dies ist nur eins 'von 'den vielen Zeichen 'für! das herzliche Einvernehmen, in dem Garnison und Einwohner leben. Die Frauen wetteifern miteinander, um die besten Mittel zu finden, die Rationen so gut wie möglich auszunutzen, und wir «lle hoffen, die englische Regierung wird diesen tapferen und edlen Frauen einen guten Feiertag oder eine Heimreise ium Dank für die aufopfernde Weise, in der sie den Männern beistehen und sie bei guter Laune halten, bereiten. Am Montag den 7. Mai, bombardierte der Feind mit Tagesanbruch unsere Stellungen; unsere Leute antworteten nicht In der Hoffnung, ihn näher heranzuziehen. Aber ein neuer Vorstoß wurde nicht gemacht, und gegen 9 Uhr stellten die Buren das Feuern ein. Am Sonntag wurde der sonst regelmäßig gehaltene Sabbathfriede zum ersten Mal seit den 30 Sonntagen, an denen sich Belagerte und Belagerer jetzt gegenütierstehen, gebrochen. Eine eüglische Patrouille ging etwas zu weit vor und wurde prompt abgefangen." ,pi, r _
General Hunter ist aus Christiana nach Fourten- streams zurückgekehrt und hat Gewehre und Remonten mitgenommen. General Bar ton wurde auf Transvaal- Gebiet zurückgelassen. — Lord Methueu und General A unter erhielten den Auftrag, der erstere südlich vom Vaal und Hunter nördlich vom Vaal, auf Klerksdorp zu operieren, nachdem sie sich hinreichend verproviantiert haben
Lord Roberts telegraphiert aus Kroonstad vom 18. ds.. Methueu zog gestern in Hoopstadt ein. Die Generäle d u P r e e z und Daniels mit 40 Mann ergaben sich. — Die Kavallerie unter Broadwood besetzte Lindley nach geringem Widerstände. Präsident Steijn befand sich nicht dort. Seine Regierungsbeamten verließen Lindley am Sonntag. — Huttons berittene Infanterie überraschte und nahm 30 Meilen (50 Kilometer) nordwestlich von Kroonstad den Kommandanten Botha
Deutsches Wich.
Berlin, 18. Mai. Aus Wiesbaden wird vom heutige« Tage gemeldet: Heute früh 8 Uhr unternahm der Kaiser einen Spazierritt über den Sonnenberg hinaus und frühstückte mit den schaumburg-lippe'schen Herrschaften. Hieraus nahm er aus den Händen des Chefs der Geheime« Kriegskanzlei die neue Rangliste entgegen, die mit dem 7. Mai abschließt, und hörte dann die Vorträge deS Chefs de- Civilkabinetts v. Lucanus und deS Vertreters des Auswärtigen Amtes v. Tschirsky-Bögendorf. Prinz und Prinzessin Adolf von Schaumburg-Lippe verließen um 10% Uhr Wiesbaden. Zur Frühstückstafel um 1 Uhr folgte der Kaiser einer Einladung der Prinzessin Luise von Preußen. Am Nachmittag erschien der Kaiser zum Blumenkorso. Er ritt in der Uniform der Leibgardehusaren auf einem Schimmel im Schritt durch die dichtgedrängte Menge. Blumen und Blicke flogen, der Wettbewerb von Schönheit und Eleganz war bald im regsten Gange. Die Wiesbadener, Frankfurter, Mainzer, Darmstädter, Rheingauer Gesellschaft, auch einzelne Berliner und Leipziger hatten sich außerordentlich angestrengt. Die Gespanne selbst wie die Dekorationen waren durchweg in vorzüglicher Form. Ein Sechserzug, mehr als ein Dutzend Viergespanne, Wagen jeglicher Bauart, Uniformen vieler Regimenter, Kavalkaden von Reitern und Reitern und Reiterinnen wetteiferten in der Belebung des Corsotreibens. von Lang-Frankfurt mit zwei Viererzügen, davon einer mit Kirschen appetitlich behangen, Oberstleutnant Auer von Herrenkirchen: ein von vier Rappen gezogenes Schiff, verschiedene Mailcoaches, ein geschmackvoller Victoria in Kornblumen, Mohn und Aehren der Fra« v. Graeff-Wiesbaden, Prinz Solms-Braunfels, Frau Roth- Wiesbaden mit rotem Mohn, Prinz Albert von Schleswig» Holstein, C. Weinberg-Frankfurt mit feinem Viererzug, Hauptmann Klaetten-Mainz, Freiherr v. Eschbach-Darmstadt.
— Bei den nächstjährigen Wiesbadener Fest- ! spielen soll nach einer von Kaiser Wilhelm getroffene» । Bestimmung ein neues Hohenzollern-Drama von Joses Lauff: i „Der große Kurfürst" zur Feier des 200jährigen Jubiläums des Königreichs Preußen in Szene gehen.
— Von einer diesjährigen Reise des Kaiser S nach England ist, wie die „National Ztg." erfährt, bis jetzt in Hofkreisen nichts bekannt.
— Der Reichskanzler, Fürst Hohenlohe, empfing gestern nachmittag eine Abordnung von Interessenten der Berliner Fondsbörse. Dieselbe überreichte dem Reichskanzler eine Resolution, die in einer Versammlung von Interessenten der Berliner Fondsbörse am 12. ds. Mts. beschloffeu worden ist und gegen die aus Anlaß der Flottenverstärkung in Aussicht genommene Erhöhung der Stempelsteuer für Börsengeschäfte Einspruch erhebt. Die Deputation fand eine sehr freundliche Ausnahme. Der I Reichskanzler zeigte sich über die in Rede stehenden Fragen I durchaus orientiert. Indessen wurden von seiner Seite I irgend welche bindenden Erklärungen zu Gunsten der Börsen- I intereffen nicht abgegeben. In der gleichen Angelegenheit I wurde die Abordnung heute vom Staatssekretär des Reichs- I fchatzamts empfangen. . ,
I — In d-r Budg-tkommissi°» d-S Reichstags wurde heute di- Beratung der N°°-ll- zum Re>chs- I stempelsteuergesetz fortgesetzt Bei der «bstimmu», I wurde der Stempel von 2 vom Tausend fitr städtische An
und den Feldkornet Gassen nebst fünf Johannistiurger I Polizisten und 17 Buren gefangen. Keine Verlustei unserseits. Buller berichtet, mehrere Natalsarmer hätten I die Waffen eingeliefert. (Der gefangene Botha scheint I nid) t der Generalkommandant zu sein.)
Ein Telegramm aus Durban meldet: Der Korrespon- I dent in der Delagoa-Bai sendet die sensationelle Meldung! I von einem Komplott der Buren, dem englischen! Kreuzer „Forte" das Schicksal der „Maine" im Hafern I von Havana zu bereiten, das heißt, ihn in die Luft! zu sprengen. Der Kreuzer sticht daher jede Nacht 17 I Meilen weit in See.
Aus Thabanchu kommen dauernd Meldungen von der I Auflösung der Burenarmee. Der Afrikander-I tiund hat einen Kongreß für den 15. Mai nach Paarl ein- I berufen. Die Blätter Kapstadts bespötteln diese Berufung post festum. ,
Ein Telegramm von Kr o o n stadd von Mittwochnacht meldet: Die Wiederherstellung der Eisenbahn schreitet vor. Eine große Menge von Vorräten ist hier angehäuft. Die Buren haben die Rhenoster Spruit-Brücke zer - st ö r t und sollen dort in großer Stärke und mit schweren Geschützen stehen. Möglicherweise halten sie dort Stand.
Das „Reut. Bur." meldet aus dem Burenlager in Volksrust: Es herrscht wieder die gewöhnliche Ruhe. Alle Kommandos haben die ihnen zugewiesenen Stellungen an der Grenze eingenommen. Die Engländer sind noch! nicht in Sicht. Die nördlich von Newcastle stehenden Buren gehen nach dem Amajubaberge zurück.
Der „Times" wird aus Lorenzo Marquez vom 16. Mar gemeldet: Es scheint kein Zweifel mehr darüber zu tie^ stehen, daß, wie in Pretoria allgemein erzählt wird, Präsident Krüger wirklich die Absicht habe, die Hauptstadt zu verlassen. Man plant in Transvaal, den Sitz der Regierung nach L y d e n b u r g zu verlegen unti zu versuchen, dort dem Feinde den letzten Widerstand zu leisten. Der Volksraad soll diesen Vorschlag genehmigt haben. Zahlreiche Beamte bereiten sich schon zur Flucht! vor. Staatssekretär Reitz soll beabsichtigen, sich in Südamerika niederzulassen.
Der Korrespondet des „New-York Herald" in Washington meldet: Die Aussichten, welche die Bur en gesandt schäft hatte, vom Präsidenten Mae Kinley empfangen zu werden, haben sich verringert infolge ihres Vorgehens in New-York, wo sie öffentlich den Zweck ihrer Mission kundgegeben hat, bevor sie von amtlicher Seite anerkannt worden war. Die Regierung ist der Ansicht, daß dies geschehen sei, um die öffentliche Meinung aufzuwiegeln und auf diese Weise die Regierung zu zwingen, die Burengesandtschaft zu empfangen und die ihr gemachten Vorschläge zur Ausführung zu bringen.
Jameson ist, wie „Reuters Bureau" aus Kimberley meldet, eine Direktor stelle bei den Debeers- Minen übertragen worden. Es handelt sich offenbar um eine Demonstration zur Demütigung der Buren.
Die Professoren der niederländischen Universitäten richteten unterm 8. ds. an Gelehrte der Unionsstaaten einen Appell, in dem ersucht wird, die Deputation der Buren in ihrem friedlichen Zwecke zu unterstütze n.
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