Ausgabe 
20.5.1900 Viertes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

!MM

Sonntag den 20. Mai

idoe

Aints- unb 2lnzeigebltttt für den ICrcis Giefzen

$8cjngspreU viertehährl. Mk. 2,90 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestell« viertcljährl. Mk. 1,9t monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 vierleljährt. mit Bestellgeld.

Alle Snzeigen-BermittlungSstellen deS In« und Ausland«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

ter Höhe ÄcWignng

i äusser den

dkitellm

RMtiM, Expedition und Druckerei:

>4*(flr»6e Nr. 7.

b*-r^

6»raitl(

Siechenanstalt einfacher eingerichtet werden als z. B. in Grünberg oder Alsfeld, Wo Vorkehrungen für solche Fälle (Operationsraum, Ueberwachungszimmer usw.) getroffen werden müßten.

3. Das allgemeine medizinische Interesse an der Erkennung und Verhütung von Krankheiten. Das Beispiel mehrerer Siecheininstalten, besonders des Aus­landes, lehrt, daß die in einer solches Anstalt untergebrachf- ten Krankheitsfälle, mit denen der praktische Arzt im ein­zelnen zunächst nichts anfangen kann, einem wissenschaftlich weitergebildeten Anstaltsarzt Gelegenheit zu wichtigen Stu­dien über Natur und Verhütung der Krankheiten geben können. Durch die Nähe der Universität würde dieses In­teresse sicher gefördert werden. Dazu kommt, daß die hessischen Kreisärzte, die in bestimmtem Turnus in Gießen zu Fortbildungskursen vereinigt werden, dadurch Gelegen­heit 'bekommen würden, diese Zustände, die vom Standpunkt der allgemeinen Fürsorge für Kranke im Lande Interesse haben, im Zusammenhang genauer kennen zu lernen. An eine Verwendung für den Unterricht der Studierenden ist nicht zu denken, besonders da das wesentliche Interesse der Provinz nur auf eine sachgemäße Verpflegung dieser Personen gerichtet sein kann.

Die genannten drei Momente sprechen, abgesehen von der Platzfrage im einzelnen, die dem allgemein hygieni­scher Ermessen überlassen werden muß, für die Wahl von

einander zu bringen.

Sollte die bauliche Anlage bei den weiteren Verhand­lungen nochmals erörtert werden, so empfiehlt es sich, das zuletzt entwickelte Prinzip festzuhalten, wenn sich auch vom bautechnischen Standpunkt manche Modifikationen des dar­gelegten Planes als notwendig erweisen würden. Keines­falls sollte ein allen Kundigen durchaus notwendig erschei­nendes Werk durch ungerechtfertigte Einwände und durch die noch bestehenden Bedenken wegen der Platzfrage länger hinausgeschoben oder vielleicht für immer zerstört werden. Am besten wäre es, die Vorlage des Provinzialausschusses ohne weiteres zum Beschluß zu erheben.

schäftSlnhaber dementsprechend disponieren, zumal dies auch sehr in deren eigenem Interesse liegt; denn in den Fällen, in welchen ein Kassaposten unrichtig oder über« Haupt nicht gebucht ist, oder sonst eine Differenz vor« liegt, wird es sich meist nicht ohne weiteres feststellen lassen, wer daS Geld angenommen hat, zumal eS bei größerem Personal häufig vorkommt, daß der Ches die Schrift aller seiner Angestellten nicht so genau kennt. Noch viel schwieriger wird natürlich irgend eine Feststellung sein, wenn auch noch das Empfangsdatum auf der Quittung fehlt und es sich womöglich um einen zur betreffenden Zeit in dem Geschäfte nicht mehr thätigen Gehilfen handelt. Die Beisetzung des Datums wird nämlich mindestens eben so oft versäumt wie die Hinzufügung des Namens des persönlichen Empfängers, und trotzdem bezüglich des Ersteren keine ge­setzlichen Vorschriften bestehen, ist eS schon aus den ange­führten Gründen sehr wünschenswert, dasselbe stets mit

Gratisbeilagen: Gießener Famitienblätter, Der hessische Landwirt, Dlätter für hessische Volkskunde. ___________

Lacher aus Schaafheim, 84 Jahre alt; Wwe. Julia Johanna Rothschild, geb. Wise, aus Cassel, 75 Jahre alt; Fritz Holle aus Frankfurt a. M., 59 Jahre alt. Peoria, Jll.: Phil. Zell aus dem Großherzogtum Hessen, 70 Jahre alt.

Um die Rückkehr von Dienstboten in die verlassenen Dienststellen herbeizuführen, ist das polizeiliche Zwangs­verfahren durch wiederholte Verhängung von Geldstrafen ausgeübt worden. Da in den meisten Fällen die betreffenden Leute mittellos find, entstehen hierdurch nur längere Ver­zögerungen. Zur Vermeidung derselben sind jetzt die zu­ständigen Behörden angewiesen worden, daS entwichene Ge­sinde im unmittelbaren Zwangswege den Herrschaften wieder zuzusühren.

teeetmt een Anzeigen zu der nachmittags für den f»tgenden La« erfcheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Lddtsttüungkn spätestens abends vorher.

Frauen. .,.

4) Sieche, die wenig soziale Bedürfnisse haben, die bettlägerig sind oder im Lehnstuhl außer Bett sein können; ca. 120, beide Geschlechter zur Hälfte. Hierbei ist die Erzielung von möglichster Aufsicht nut ge­ringem Personal im Auge zu behalten. Die Anstalt ist zweistöckig gedacht (Erdgeschoß, Obergeschoß) mit Benutzung der Souterrainräume. Ter ganze Entwurf ist ein Versuch,

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen.

Fernsprecher Nr. 51.

anzugeben.

* In Amerika verstorbene Hesien, New-York: Elise Harth, geb. Buschmann aus Mainz, 71 Jahre alt. Cath. Rothenbusch, geb, Schultheis, aus Oberhessen; Adam Pitz aus Rai-Breitenbach, 58 Jahre alt. Washington, D. C.: Schuhmachermeister Jos. Conr. Herbert aus Marburg, 61 Jahre alt. Bergen, N. I.: Maschinist Beruh. Müller aus Frankfurt a. M., 36 Jahre alt. Baltimore, Md.: Cath. Born aus Marburg, 56Jahre alt; Ferdinand Hahn aus Cassel, 66 Jahre alt. e I Ossian, Ja.: Nikolaus Milbret aus Nieder-LieberS- bach, 75 Jahre alt. Tell City, Jnd.: Valentin Reß aus dem Großh. Hesien 67 Jahre alt. - New-Melle, Mo.: Elisabeths Holt, geb. Lotz, aus Villingen, 76 Jahre alt. Philadelphia, Pa.: Wein- und Sprithändler Georg Schleicher aus Hillesheim, 41 Jahre alt. Quincy, I. M.: Anna Maria Georgens, geb. Pohl, aus Hesien, 76 Jahre alt. Springfield, O.: Marie E. Reisig, geb. Bickel, aus Oberschönau, 36 Jahre alt. Mascoutah, In.: Christian Mathias aus Oppen­heim, 81 Jahre alt. Sheboygan, Wis.: Elisabeths Schreiner, geb. Schätze! aus Guntersblum, 67 Jahre alt. Schöpps Valley, Buff. Co.: Elisabethe Hoh­mann aus Butzbach, 76 Jahre alt. Reading, Pa.: John F. Fett aus Marburg, 70 Jahre alt. Elmira, Ont.: Prediger Diedrich Dippel aus Ibra, 74 Jahre alt. Arcadia, Wis.: Georg Arnold aus Ober-Kinzig, 70 Jahre alt. Oakville, Conn.: Charles Gerisch aus Hochstädten.Detroit, Mich.: Elisabethe Wittels- berget aus Amöneburg. 79Jahre alt. Jersey City, N. I.: Frau Knell, verw. Rübsam aus Butzbach, 63 Jahre alt. New-York: Carl Bernhard aus Cassel; Friedrich Molitor aus Pleitersheim, 62 Jahre alt; Annie Becker aus Gießen 52 Jahre alt; Simon Zinn aus Kurhesien, 60 Jahre alt; Georg Reich mann aus Alsfeld; Julius Binq aus Frankfurt a. M., 74 Jahre alt. Brooklyn, N. Y.: PH. Jac. Volz aus Lich, 93 Jahre alt. Dayton, O.: Wilhelm Miller aus Homburg v. d. H., 51 Jahre alt. Bellevue, O.: Johann Lachner aus Neunkirchen, 71 Jahre alt. St. Louis, Mo.: Wittwe Anna Marie Eckert geb. Presch-

eopfohlen'.

t 3556

Viertes Blstt.

Errichtung einer Siechenanstatt für Oberheffen.

Gießen, 18. Mai.

Unter dieser Ueberschrift liegt uns eine längere Ab­handlung des Prof. Dr. Sommer-Gießen vor, die sick) an die in derj Sitzung des Provinzialtages der Provinz vberhessen am 8. Mai 1899 gegebenen Ausführungen au- Meßt. Da diese Angelegenheit in der Sitzung des Pro­vinzialtages am 26. Mai zur Erörterung und hoffentlich zum endgiltigen Abschluß gelangen wird und die weitesten Kreise interessieren dürste, verfehlen wir nicht, des näheren darauf einzugehen.

Der Verfasser erhebt zunächst die Frage, ob eine Acchenanstalt für Oberhessen überhaupt notwendig ist. Infolge jahrelanger Beschäftigung mit dieser Frage wird sie in Uebereinstimmung mit den Gutachten der Kreisämter und Kreis-Gesundheitsämter bejaht, da sich in der Provinz eine große Zahl von hilfsbedürftigen Personen, die weder in die bestehenden Krankenhäuser, Irrenanstalten noch Pfiünden hineinpassen. Die Zahl der aufzunehmenden Kranken wird auf 300 veranschlagt. Doch läßt sich eine genaue Zahl niemals festlegen. Keinesfalls sollte durch längeres Suchen nach der absolut richtigen Zahl die Aus-

bie von vornherein anzunehmenden Gruppen von Kranken ihrem inneren Zustande ent­sprechend zu verpflegen und die verschiede- nen Abteilungen in eine richtige Lage zu

nd:

Giessen

en e

Aus Stadt und Land.

* Kuustverein. Die Aquarelle von Prof. M a e n n ch e n bleiben nur noch Sonntag und Montag ausgestellt. Ferner gelangt auch ein weiterer Teil der gegenwärtig reichhaltigen Ausstellung zur Weitersendung, da voraussichtlich nächste Woche wieder ein größerer Wechsel der Gemälde stattfindet.

Beim Quittieren der Rechnungen wird in vielen Detailgeschäften der Fehler gemacht, daß irgend ein Bevoll­mächtigter, der den Betrag in Empfang nimmt, unter die WorteBetrag empfangen" oderDankend quittiert" nur per" und den Namen der Firma setzt, ohne seinen eigenen Namen hinzuzufügen. Es dürfte deshalb im allgemeinen Interesse liegen, darauf hinzuweisen, daß nach den gesetz. lichen Vorschriften der Name des Betreffenden unbedingt auch mit dastehen muß, weil sonst die Quittung ungiltig ist. Es wäre also sehr zu wünschen, daß die Herren Ge-

Gießener Anzeiger

Henerat-'Unzeiger

ad Glas- laft gentur Gie*

V.

Gießen. .

Am Schluß dieser Erörterungen finden rotr einen Entwurf einer Siechen an st alt für 300 bis 330 Kranke. Bei der Konstruktion ist auszugehen von der ver-, mutlichen Beschaffenheit der zu verpflegenden Kranken. Die einzelnen Abteilungen müssen dem verschiedenen Charakter der einzelnen Gruppen von Kranken angepaßt sein. Es! wird angenommen, daß unter 300 Kranken sich folgende Gruppen" ergeben: . ...

1) Sieche, die nicht dauernd bettlägerig sind, noch eine Anzahl soziale Eigenschaften und noch das Be­dürfnis haben, mit der Außenwelt in Beziehung zu treten, denen eine gewisse Selbständigkeit gelassen werden kann. Diese sind für eine relativ freie Art der Unterbringung ge­eignet. Zahl ca. 80, zur Hälfte Männer, zur Hälfte Frauen.

2) Nicht geisteskranke Epileptische, Zahl ca. 50, beide Geschlechter zur Hälfte. Diese sind möglichst nahe an den Ort der Arbeitsgelegenheit heranzurücken und dabei von den Siechen nach Möglichkeit zu trennen.

3) Harmlose Geisteskranke, die der Pfleae in den Landesanstalten nicht mehr bedürftig sind. Auch hier ist die Verwendung der Arbeitskräfte möglichst im Auge zu behalten. Zahl ca. 50, halb und halb Männer und

Vermischtes.

* Weimar, 18. Mai. Das angesehene Bankhaus A. Callmann Ist zusammengebrochen. Eine Reihe wohl­habender Familien in Weimar und in der Umgegend hat bei dem Bankhaus bedeutende Depots. Die Firma befand sich schon seit Wochen in Zahlungsschwierigkeiten, die durcy ihre Beteiligung an verschiedenen industriellen UErneym- ungen entstanden zu sein scheinen. Grundmig

wai die Aktiengesellschaft für Metallindustrie m Apolda, die vor einigen Tagen m Konkurs geraten A bar darauf ist der Zusammenbruch der Bankfirma gefolgt.

tuser

ÄS

führung des Werkes verzögert werden. Bei der Frage, I ob gewisse Arten von Geisteskranken oder Epileptischen auf- I genommen werden sollen, wird dringend abgeraten, Harm- I lose Geisteskranke, soweit sie die Ordnung des Siechen- I Hauses nicht stören, prinzipiell auszuschließen. Z. B. be- I weise die Erfahrung im Juliusspital in Würzburg, daß I der Aufenthalt solcher mit körperlich Kranken in einem | Hause bei richtiger Lage und Einrichtung der! Abteilungen unter ärztlicher Leitung sehr wohl mög­lich» ist. Auch Epileptiker, bei denen nur Krarnpfzu- stände vorliegen und sich deshalb die häusliche Pflege unthunlich erweist, sollen aufgenommen werden. Epilep­tische Geisteskranke gehören selbstverständlich in die staat­lichen Irrenanstalten. Ideal wäre natürlich eine staatliche Lpileptikeranstalt für das Großherzogtum, in der die Er­forschung und Behandlung dieser dunklen und verheerenden Krankheit zur besonderen Aufgabe gemacht werden könnte. Solange wir diese aber nicht haben, müssen u ich t-geistes- franfe Epileptische als das betrachtet werden, was sie thatsächlich durch ihre Krampfanfälle sind, als Sieche, ter Verfasser nimmt dann Stellung zu den Vorschlägen, gemeinsam für Oberhessen und Starkenburg eine Siechen- anstalt zu bauen und zwei getrennte Anstalten für männ-i üche und weibliche Sieche anzulegen. Beide Vorschläge scheinen dem Verfasser ungeeignet, weil sie einen in Ober­hessen bisher völlig konsequent und mit allgemeiner Ueber- emstimmung entwickelten Plan verwirren und eine Ver­zögerung des durchaus notwendigen Baues hervorbringen. Schpn aus diesem praktischen Grunde sollten sie abgelehnt werden. Außerdem ist es bei der eigenartig abgeschlossenen Lage von Oberhessen in; dieser die Selbstverwaltung der Provinz betreffenden Sache auch territorial richtiger, die Lage der Anstalt lediglich nach dem Bedürfnis der Provinz zu. wählen, mag maiti sich nun von diesem Prinzip aus bei Ansehung der besonderen Umstände für Gießen, Grün- berq oder Alsfeld entscheiden., Ferner liegen stichhaltige Münde für getrennte Anstalten für Männer und Frauen nicht vor. Die Trennung! der Geschlechter kann bei dem Anstaltsbau in viel einfacherer Weise unter einheitlicher Leitung baulich bewirkt werden. Nur ein Einwand wäre geeignet den Plan aus dem Fundament umzustoßen, wenn nämlich nachgewiesen werden könnte, daß durch den an sich wünschenswerten Bau nach anderer Richtung ein kdtoben entstehen würde, speziell für den Aerztestaud im Moßherzogtum. Der Verfasser weist indessen überzeugend nach, daß durch die Errichtung eines Zentral-Siechenhauses in Gießen, Grünberg oder Alsfeld die kleineren Kranken- . amtalten und der Aerztestaud nicht geschädigt würden Die deinen Anstalten sollten vielmehr in erhöhtem Maße für MMl die Aufnahme akuter Fälle, nicht als Bewah- z lunqs-An st alten für chronisch Sieche dienen, a . Dann würden sie dem wissenschaftlichen und praktischen Jn- 7 ^flßkOCl' Messe der ärztlichen Kollegen am besten entsprechen. igßgaSavV ber Erörterung der. Platzfrage sind für den

' Verfasser folgende Gesichtspunkte bestimmend gewesen:

1 Die Erleichterung des Transportes durch eine zentrale Lage der Anstalt, d. h. eine solche, bei der die vorhandenen Eisenbahnstrecken unter möglichster Ver­meidung von Wagenwechsel und Aufenthalt auf Zwischen­stationen benutzt werden können Dabei ist zu bedenken daß es sich vielfach um körperlich völlig Sieche handelt deren Transport möglichst abgekürzt werden muß Es ist sichtlich, daß sich bei dem z. Z. vorhandenen Eisenbahnnetz ließen von diesem Gesichtspunkt aus am besten eignet.

2 Die Nähe der Universitätskliniken, die es ermöglichen würden, schwere Krankheitsfälle in die be­sonders für solche Fälle eingerichteten nahen Anstalten zu bringen. Es könnte bei dieser Lage, d. h. m Gi e ß e n, die

Mieten,

Ar. 117

Hrscheiul täglich mit Ausnahme des

Montags.

Die Gießener -amtlteu-lälter ttben dem Anzeiger ta Wechsel mitHess Landwirt" tt.Blätter ßr Hess Volkskunde" Nbchtl. 4 mal beigelegt.