Mittwoch dm 9 Dezember
150. Jahrgang
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Gießener Anzeiger
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General-Anzeiger
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Dillenburg, den 14. Dezember 1900. gez. von Beckerath.
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Telegramme des Gießener Anzeigers.
Berlin, 18. Dezember. In später Nachtstunde ist an amtlicher Stelle die Nachricht eingegavgen, daß von der Besatzung der „Gneisenau", die 452 Mann zählte, bisher 38 Personen vermißt werden. Die Entwickelung der Katastrophe ist durch das Versagen einer Maschine des Schiffes und Vas Ausgleiten der Anker begünstigt worden. Neber die Einzelheiten des Unglücks fehlen noch Nachrichten. Der Staatssekretär von Tirpitz hielt dem Kaiser über das Unglück nach den bisherigen Meldungen gestern Nachmittag Vortrag und kehrte erst abends nach Berlin zurück. Er veranlaßte, daß das Reichsmarineamt sich durch die ganze Nacht in Permanenz erklärte, um auf alle Fälle beim Eintreffen der Liste der Opfer der Katastrophe möglichst bald Auskunft geben zu können. — Zwei Freunde, die im April d.Is. in die Marine eintraten, sind gerettet worden. Es sind die See-Kadetten Curt Dortzsjchy und Walter Becker. Ueber den Sohn des Hofjuweliers Schaper, Joachim Schaper, fehlt bisher jede Kunde, obwohl wiederholt an das Konsulat in Malaga von
den Eltern telegraphiert wurde. Auch der See-Kadett von Rosenberg-GruszczinSki, ein Sohn des General-MajorS von Rosenberg Gruszczinski in Hannover ist gerettet worden. Im Adligen-Spital in Madrid liegen 30 Verwundete, darunter einige Schwerverletzte. Ueber hundert sind im ganzen leicht verletzt. Die Ueberlebenden werden auf Kosten der Stadt-Verwaltung verpflegt. Etwa 15 Spanier find bei dem Rettungswerk ertrunken und haben Witwen und Waisen im Elend hinterlassen. Ein deutscher Matrose hat den Verstand verloren. Die meisten aufgefischten Toten haben Kopf, Arme und Beine zerschlagen.
London, 18. Dezember. Nach einer Meldung aus Malaga ankerte die „Gneisenau" zum Gottesdienst, als der Sturm so zunahm, daß Kapitän Kretzschmann beschloß, in See zu gehen. Doch ehe die Feuer Dampf aufbringen konnten, traf das Schiff ein furchtbarer Windstoß, sodaß es den Anker mitreißend gegen die Klippen trieb. Kretzschmann that alles, was in seiner Macht stand, die Besatzung zu retten Infolge der Brandung wurden die mit Rettung-- gürieln Ringenden gegen die Klippen geworfen und schrecklich verletzt.
Madrid, 18. Dezember. Folgende Einzelheiten werden noch über den Untergang des Schulschiffes „Gneis en au" bekannt: Der Schiffökommandant Kretzschmann stand auf seinem Posten und verweigerte jeden Beistand zu seiner Rettung. Als der spanische Matrose Fons die „Gneisenau" erreichte und dem Kommandanten eine Leine zuwarf, warf dieser ihm den Degen hin. Der zweite Offizier kämpfte während einer ganzen Stunde gegen die Wellen, unterlag aber schließlich aus Ermüdung. Die Ueberlebenden vereinigten sich gestern beim deutschen Konsul. Es fanden sich noch mehrere Matrosen ein, die bereits für verloren gehalten wurden. Das Kanonenboot „Nuevo Hifpania" ist aus Cadix in Malaga eingetroffen, um sich an den Rettungsarbeiten zu beteiligen.
Auf die Beileidsdepesche des Lübecker Senats aus Anlaß des Schicksals der „Gneisenau" antwortete Kaiser: Für den Ausdruck der Teilnahme an dem schweren Unglück, welches die Marine heimgesucht hat, spreche ich dem Senat meinen wärmsten Dunk aus. Ich bin tief erschüttert durch den jähen Tod der erprobten
Aach einem dem Reichsmarineamt zugegangenen Te- lGMHmn werden von der Besatzung der „Gneisenau" ver- Kapitän Kretschmann, Kapitänleutnant Berning- Ingenieur Prüfer, Maschinist Seher, Seekadett Beeck,. Maschinistenmaac Grewe, Feuermeistermaate Mi'nriciu, Rühe und Vierling, die Heizer Werschoer und AMr, die Schiffsjungen Riemer, Heisel, Richard, Jaserich, Hamert, Becker, Petz, Delitz, Philippsen, Johann- sem Moeller, Friedrich, Beehs, Scharf, Kahl, von Sperl, xFv' JVe Matrosen Herwangen, Meyer, Wilhelm Weiß, Jimmermannsmaat Deilehsen, Verwaltersapplikant
Rappe, Steward Schröder und Barbier Rudloff. Bezüglich der Namen Meyer, Wilhelm Weiß ist es zweifelhaft, ob Wilhelm zu Meyer oder Weiß gehört.
Aus Madrid wird amtlich gemeldet, daß bei der Schiffskatastrophe 60 Deutsche und 12 Spanier ertrunken und über 100 Pers onen verwundet worden sind.
Unter den Geretteten befindet sich der Marinepfarrer Kramm. Bei dem Schwager Kramms in Friedrichsfeld lief ein Telegramm ein, das mit den Worten: „Aus schwerem Schiffbruch glücklich gerettet", anzeigt, daß der Seelsorger der „Gneisenau" der furchtbaren Katastrophe entronnen ist. Zu den Geretteten her „Gneisenau" gehört ferner ein Berliner, ein Sohn des Regierungsrates Dr. Heyroth, ständiges Mitglied des Reichs-Versicherungs- amtes. Sein Sohn befand sich) als Seekadett an Bord des gescheiterten Schiffes. An amtlicher Berliner Stelle wird der Tod des Kommandanten der „Gneisenau", Kretschmann und des ersten Offiziers Berninghaus bestätigt. Auch die Zahl der Opfer der Katastrophe steht noch nicht fest.
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Männer und hoffnungsvollen Jünglinge, denen die Elemente ein frühes Grab bereiteten, während ihre Kameraden aus China bejubelt fiegesftohe Heimkehr hielten. Wilhelm".
Das Schulschiff „Gneisenau" lag feit dem 15. November ds. Js. vor Malaga und hatte den Auftrag, sich zur Abholung des deutschen Gesandten Frhrn. v. Mentzingen aus Mazagan bereit zu halten. DerLlusenthalt vor Malaga wurde hauptsächlich zu Schießübungen benutzt. An Schiffsbooten standen zur Verfügung ein Dampfboot und zehn Ruderboote. Der Stab besteht aus 14 Offizieren, einem Marine-Ingenieur, zwei Aerzten, einem Zahlmeister und einem Geistlichen. Außerdem befanden sich auf dem Schiffe 49 See-Kadetten und 200 Schiffsjungen, insgesamt 460 Mann.
Laut einem in Kiel eingetroffenen Privat-Telegramm eines Unteroffiziers der „Gneisenau" ist die halbe Besatzung ertrunken.
Aus Madrid berichtet man: Ganz Malaga wetteifert aus Anlaß der Gneisenau-Katastrophe in Hilfeleistungen. Alle Vereine und Gesellschaften sowie Aerzte boten ihre Hilfe an. Der Bürgermeister telegraphierte an den deutschen Botschafter sein Beileid. Alle Theater suspendierten ihre Vorstellungen, die Konsulate flaggten Halbmast. Nach einem Telegramm des Gouverneurs befinden sich 38 Schwerverletzte mit zerschmetterten Gliedmaßen im Nobel- Hospital, 140 Mann in den Kasernen, 82 im Nathause und etwa 100 Mann in Privathäusern, namentlich solchen der deutschen Kolonie. In Malaga herrscht die größte Bestürzung. Der Kommandant, Kapitän Kretschmann, hielt bis zuletzt aus. Bei ihm befanden sich mehrere Kameraden, die ihn nicht verlassen wollten. Die Witwen und Waisen der beim Rettungswerk umgekommenen spanischen Seeleute wohnten der furchtbaren Szene des Unterganges vom Strande aus bei. Im Sitzungssaale des Rathauses sind Betten aufgeschlagen. Die Stadt liefert Speisen aus dem ersten Hotel.
Die deutsche Nation nimmt den innigsten Anteil an allen Schicksalen ihrer Seemacht. Sie trauert in tiefstem Herzen um die Opfer des Unglücks von Malaga, in der .Hoffnung und mit dem Wunsche, daß ein aütiges Geschick die deutsche Marine in Zukunft mit ähnttchen Schlägen verschonen möge.
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r Evers, Zahlmeister Arndt, Pfarrer Kramm.
im heute bald nach Mitternacht bei uns angelangtes Äei-rzramm aus Berlin lautet:
. „Ter kaiserl. Konsul in Malaga meldet: Von der „GMemau" sind vermutliche38 Mann umgekommen, dckramlea Kommandant Kretschmann, erster Offizier Berninghaus und erster Ingenieur Prüfer. Das Re ch-marineamt bemerkt, die Feststellung der Namen beri Äcrunglückten ist anscheinend schwierig, weil die wtetlcten in der ganzen Stadt zerstreut untergebracht iiir
Sie Strandung der „Gneisenau .
lie „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Ein furchtbares Un- glürihat unsere Marine ereilt. Vor Malaga ist am Sonn- ioai vormittag das Schulschiff „Gneisenau" gestrandet. Ein le ellder Besatzung hat ihr Grab in den Fluten gefunden, obtMhl i hre Rettung aufopfernd versucht wurde. In tiefer Treier beklagt Deutschland den Verlust dieser wackeren 2eideuk.,_bie in treuer Pflichterfüllung den Tod erlitten, uni) es -st ein tragisches Zusammentreffen, daß etwa um bie utfbe Stunde, wo die deutsche Reichshauptstadt sich an- idmdit', her Marine mit dem Empfang der aus China heim- tchümden Mannschaften einen besonderen Ehrentag zu be- lei-hai, ihre Kameraden von Sr. Majestät Schiff < >■' utifenau" mit den Wellen des Mittelmeeres um ihr 2cltien rangen. Für manche Familie im Deutschen Reicks miicä nun statt der Freude des nahen Weihnachtsfestes tiefes Leid einkehren.
iic Trauerkunde von dem Untergänge des Schul- <.chiHs „Gneisenau verbreitete sich in Berlin wie ein Laus- leiiiw Ihre Wirkung war um sy tiefer, als sie dem glän- ■ eir^'tn Einzuge der aus China gekommenen Marinemann- -haisien unmitelbar folgte. Das Admiralitätsgebäude und das: ^'ichsmarineamt wurden alsdann von den in Berlin h'btmben Angehörigen bestürmt. Jeder fürchtete für die Ujtrn Nahestehenden das Schlimmste, und schon die Un- enptiheit führte zu ergreifenden Szenen. Kurz nach neun dhuUs gestern ein Telegramm mit der Kunde ein, daß der gr Hte Teil der Besatzung gerettet und die BerMiig noch im Gange sei. Das Telegramm ist unter» sacifjict von dem allsten Schiffs-Offizier Kapitänleutnant We-mr.
!ie Offizierbesatzung der „Gneisenau" war die 'olijniöe: Kommandant: Kapitän zur See Kretschmann; ?cW k Offizier: Kapitänleutnants Berninghaus, Werner; ObMutnantd zur See: Lüdecke, Boland (Max), Brehmer, Krc'ih, v. Koch; Leutnants zur See: Pundt, Habedanck, 'Wit (Bruno), Wehner, Möller; See k adelten : Aye tEmi! Barckhausen, Baum, Becker (Friedrich), Beckert, Becch Robert), Behrendt, Berndt, Bieber, Bredschneider
Die Buren.
General D e W e t ist mit 2000 bis 3000 Mann wieder in der Umgegend von Th ab auchu erschienen und hat Lapberg und Warringhams Store angegriffen. Er unternahm drei entschlossene Angriffe auf die britischen Linien. Den dritten Sturm leitete General De Wet persönlick) und drang mit dem Reste feiner T rnppen durch. Die Engländer erbeuteten einen 15-Psünder und 15 Wagen, die mit Munition, Dynamit und Lebensmitteln beladen waren. Ein anderes Burenkommando, das den Thabanchupaß nehmen wollte, wurde abgeschlagen. Kommandant Haasbroek, der mit seinem Kommando durch den Springkantspaß bei Thabanchu sich freie Bahn erzwingen wollte, und zwei Geschütze mit sich führte, wurde ebenfalls geschlagen und verlor 40 Mann. Dieser nicht amtliche Bericht über De Wets erfolgreichen Durchbruch bei Thabanchu giebt brauchbare Ausschlüsse. Danach scheint es, daß die zwischen Thabanchu und Ladybrand ausgestellten englischen Truppen eine rein passive Rolle gespielt haben. Nicht sie griffen an, sondern De Wet war der Angreifer. Offenbar hat nicht unwesentlich dazu beigetragen, daß Kommandant Haasbroek von Norden her mit De Wet zusammen operierte. Der Berichterstatter stellt es so dar, als ob Haasbroek sich den Durchgang nach Süden erzwingen wollte. Das war gewiß nicht die Absicht des Bärenführers, da er wissen mußte, daß Knok De Wet auf dem Fuße folgte. Dieser Durchbruch ist eine der interessantesten Episoden des Krieges. Schade, daß Berichte von bnrischer Seite darüber nicht zu erwarten sind.
Ueber dieSchlappedesenglischenGenerals Clements giebt eine Standardmeldung aus Pretoria nähere Auskunft. Die von denBuren abgefangene ^dteilung Infanterie gehörte größtenteils zum 2. Bataillon der Northumberland - Füsiliere, das vor Jahresfrist auch ein halbes Bataillon bei Stormbera durch Gefangennahme verlor. Das Regiment zählt zu den berühmtesten in der englischen Kriegsgeschichte. Ans dem Magaliesberg lagerten die Füsiliere inmitten einer hufeisenförmigen Plateau-Einsenkung, während "General Clements 1000 Meter unterhalb mit der Hauptabteilung, uamlich zwei reitenden, zwei Feldbatterien, einem schweren Aesthütz und dem zugehörigen Train kampierte und zier Deckung seinerseits den Obersten Segge mit einer kleinern Truppe auf 800 Meter vorgeschoben hatte. An die letztere, auf einem flachen Bergvorsprung stehende Abteilung kam bei Tagesanbruch eine Burentruppe in britischer Khaki- Uniform, die infolge dessen für eine britifdye gehalten wurde, bis auf 100 Schritt heran. Sie wurde formell vori der Feldwache angerufen, erwiderte den Ruf mit einer Salve und hatte beinahe Legges Abteilung über»
((md, v. Bülow, Detring (aus Gießen, bekanntlich gereM), Freiherr v. Dörnbera, Dortschy, Engelkiug, Feldt, i'>D':.btnftebt, Groos, Hernmark, Heyroth, v. Joeden, Kaiser tFr-ickich), Killmann, v. Koblinski, Koch, Kolbe, Loewen- ver H Lvmberg, Rebesky, Orb, Pauli, Quaatz, Rettberg, } EW- v. Rosenberg-Gruszczinski, Schauer, Freiherr von ^chqitinitz, Schlenzka, Schoett, Schumacher, Schwerdtfeger PoW, ^iewert, Stabbert, Steinbrinck, Wagenfuehr, Wer- n c:>L Wiersbitzky, Wilcke, Wolff. Ferner Leutnant Nie- nptflleü,. Ingenieur Pruefer, Stabsarzt Dr. Mtz, Ober-
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1,1 vatn. Eine Ausnahme wird hinsichtlich des aus den nw** '? uicgertMiftereien Aßlar und Hohensolms des letztgenannten
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Nr. 7.


