Ausgabe 
19.12.1900 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

I

|rzen

Tuch- Buxki,

1 sa

Wer Buxki,

15.

Wer M Rest

8 Sl«it bas fc

tt & Co.

1? UM

iwsFül!

bestes Fahrt

te Auswahl in

Illostrierte KfW ?

M Kühn

PapierhanM

Selterswp

Il-Ta*;^ 6ie,U^Ser5

Sfe, S-S

M 297 Erstes Blatt. Mittwoch den 19. Dezember L5V. Jahrgang iooe

Gießener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Zlints- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren

flfle Snzeigen-BermittlungSstellm de- In- und Auslands- nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeß«, Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

WEmhet »en Anzeigen -u der nachmittag- für den k'dchadsn Äeg erfcheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uh». Nddestevungm spätestens abend- vorher.

Bezugspreis Vierteljahr!. Mk. 2,29 monatlich 75 Pfg.

mit Bringerlohpt durch die AbholesteSe» vierteljährl. Mk. 1,9t monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljäh««, eit Bestellgeld.

Irrtet ltgNch « Lu-nahmc deS »antags.

Vir Gießener ||i»iritelf6(tet w*d dem Anzeiger ÜeBt*ftt mitHess. 8W»trt* u.Blätter flhitff. Volkskunde- »Mhtl -mal beigelegt.

WMie«, EppediNon und Vrmßerei: Fchntßrnße 31«. 7.

GrÄistteilaM«: Gießener FamilienblAter, Der hessische Landwirt, Kälter für hessische Uolkskuude.

Adresse für Depeschen: Anzeige« chistz«v Fernsprecher Nr. 51.

! - Amtlicher Heil.

Gießen, den 8. Dezember 1900.

8etr.: Erhebungen über die Lage der Landwirtschaft.

M Großherzogliche Kreisamt Gießen

i bie Grotzh. Bürgermeistereien des KreiseS.

Wir beauftragen Sie, die von den Gerichtsbehörden um Jniieresse der Erhebungen über die Lage der Landwirt­schaft geforderte Auskunft unentgeltlich zu erteilen.

v. Bechtold.

Mer hessische Budgetentwurf für 1901/& n.

Ml beginne mit dem Verwaltungsetat.

Ter Ertrag aus den Doinänen des Großh. Ä-ausies ist auf insgesamt 5 684 630 Mk. geschätzt, das firnb rund 683 760 Mk. mehr als für die Finanzperiode 110)7/1900. An diesem Ertrag sind am meisten beteiligt b:ie mtter der Verwaltung der Obcrsörstereien stehenden Kimi ereil- und Forst-Domänen, und zwar mit rund 54374000 Mk. 720900 Mk. mehr als bisher. Der Eliäiag aus Bau-,. Nutz- und Brennholz allein ist aus 3r717000 Mk. 767 800 Mk. mähr als 1897/1900 vk-ianfchlagt, indem 374 000 Festmeter zur Fällung vor- Apftheu sind und ein Erlös von 9 Mk. 94 Pf. pro Fest- mtter, dem Durchschnittserlös im Etatsjahr 1900/01, er- nientcl wird. Die Einnahmen aus Kameral-Domänen sijmd iim Rückgang begriffen, bei Neuverpachtungen und b<rn tzk asversteigerungen werden geringere Erlöse erzielt imnd siiid deshalb hier rund 50000 Mk. weniger eingestellt ati für 1897/1900 vorgesehen war. Die aus den Do- ntineneinkünsten zu bestreitenden Ausgaben sind zu rund 4)311500 Mk. veranschlagt, so daß sich im ganzen' aus Dimmulcn des Großy. Hauses ein Ueberschuß für die ZNatskasse ergiebt von rund 843 000 Mk.

Diie HauptabteilungStaatsdomänen" schließt ort einer Einnahme von 12995583 Mk. und einer Aus- gjrtie mon 1 243 281 Mk. ab, sie wird also vermutlich, l' itflin Ueberschuß liefern von 11 752 302 Mk. Es interessiert Ufer wohl am meisten der mutmaßliche hessische Anteil cm dem Betriebsüberschusse der Msenbahngemeinschaft. Derselbe ist nach d.'en Veranschlagungen der Zentralstelle b tiefer Gemeinschaft mit 11923 929 Mk. eingestellt, d. h. irnit 1697 329 Mk. mehr als für 1897/1900 vorgesehen gMsen. Die wir klick) en Ablieferungen aus der Gemein- fciHt an die Diesseite haben betragen: für 1897/98 rund 110 515 000 Mk., für 1898/99 rund 10 623 000 Mk. und

für 1899/1500 rund 11 146 000 Mk.; für 1900/01 ist der hessische Anteil zu 11031000 Mk. veranschlagt, doch ist zu erwarten, daß sich - das Ergebnis noch günstiger ge­stalten wird. ' >

Die auf den Eisenbahneinnahmen ruhenden Lasten Staatszuschuß zu den garantierten Linien der vor­maligen Hessischen Ludwigsbahn und öffentliche Abgaben sind für das kommende Jahr zu 290000 Mk. veranschlagt. Will man den Reinüberschuß unserer Bahnen ermitteln, so muß man außer diesen Lasten auch die für Verzinsung der Eisenbahnschuld und für Tilgung derselben aufzu­wendenden Beträge berücksichtigen. Es ergiebt sich dann folgende Berechnung:

Der Betriebsüberschuß ist veran- Mk. Pf.

schlagt zu ...... 11923929

Für Verzinsung der Mk. Pf.

Eisenbahnschuld sind auf- _

zuwenden . . 9107 622 80

Für Tilgung derselben 600 000

Für Bestreitung der

auf den Einnahmen ruhen­

den Lasten sind vorgesehen 290 000

zusammen . 9 997 622 80

Verglichen mit dem veranschlagten Er­trägnis erscheint ein Reinüberschuß von . 1926 306 80

Die Saline Bad-Nauheim als solche rentiert nicht mehr, es ist deshalb die Vereinigung derselben als Neben- betrieb mit der Badeanstalt vorgesehen. Die auf Bad- Nauheim anfallenden Einnahmen sind zu 880000 Mk. taxiert und sollen, wie bisher hauptsächlich für das Bad selbst wieder verwendet werden: 617 000 Mk. sind zur Bestreitung laufender Ausgaben vorgesehen und 208000 Mk. sollen in den Kurfonds fließen^ von dem Rest hätten 50000 Mk., wie bisher, zur Deckung von Staatsausgaben Verwendung zu finden und 5000 Mk. zu Zwecken der Badeanstalt Bad-Salzhausen.

Der Betrieb der Lotterie gestaltet sich recht günstig: statt der früher erwarteten Reineinnahme von 500 000 Mk. kann für 1901/02 eine solche aus zwei Lotterien von 719100 Mk. angenommen werden, das sind 219100 Mk. mehr.

Die Hauptabteilung V direkte Steuern, Re­galien 2C. schließt in Einnahme mit 13807 736 Mk. und in Ausgabe mit 1280 779 Mk. ab, sonach mit einem Ueberschuß von rund 12 527 000 Mk. Dabei kommen die bisherigen Ertragssteuern mit dem 1. April 1901 in Wegfall und von da ab die Vermögenssteuer zur Er­hebung. Tie Veranlagung der letzteren ist zwar dank der unermüdlichen Thätigkeit unserer Steuerbehörden schon weit vorangeschritten, immerhin aber steht das vor­aussichtliche Ergebnis derselben bis heute noch keineswegs

fest, sodaß man bei Veranschlagung des Erträgnisses für 1901/02 noch auf das bei Einbringung der Steuerreform- Vorlagen zur Verfügung gestandene Material angewiesen war, wonach die fragliche Steuer etwa 1980 000 Mk. er­bringen wird. Man hat geglaubt, diese Summe für 1901/02 infolge des inzwischen erfolgten Vermögeus- zuwachfes auf rund 2 000 000 Mk. erhöhen zu können. Der Ertrag an Einkommensteuer konnte bei Zugrund­legung der Zahl der Steuerpflichtigen in 1899/1900 und 1900/01 und der neuen Einkommensteuerfätze, sowie unter Berücksichtigung der voraussichtlichen Zugänge von Steuer­pflichtigen im Laufe des Steuerjahres auf 7 950 000 Mk. veranschlagt werden. Insgesamt würden danach unsere beiden künftigen direkten Steuern 9 950 000 Mk. ertragen, d. h. nur rund 410 000 Mk. weniger als der Ertrag dep sämtlichen bisherigen direkten Steuern im Hauptvoran­schlag 1897/1900 geschätzt Dar an sich gewiß ein günstiges Zeugnis von der Steuerkraft unseres Landes. Aus der Hauptabteilung V wird dann noch weiter inter­essieren, daß der Ertrag an Stempel auf 2 720 000 Mk. geschätzt ist, d. s. 1240 000 Mk. mehr als für 1897/1900 vorgesehen, und der Ertrag der Hundesteuer auf 355 000 Mk., d. s. 120 000 Mk. mehr. Bei letzterer Steuer wurde somit das bei Einbringung oer Steuerreformvorlagen unterstellte Plus von 165 000 Mk. bis jetzt nicht erreicht, indem eben* viele Hundebesitzer infolge der Erhöhung der staatliches Steuer und da auch, eine größere Zahl von Gemeinden von dem ihnen zugestandenen Recht der Erhöhung der Ge­meindesteuer Gebrauch) machten, ihre Hunde abschafften, es! ist aber immerhin anzunehmen, daß die Zahl der zu ver­steuernden Hunde in den nächsten Jahren wieder zu- nehmen und der Steueraussall bald gedeckt sein wird.

Unter den Ausgaben sind wie gestern bereits mit­geteiltfür Besserstellung der Steuerkommissariaksgehilfen rund 24 000 Mk. eingestellt. Es soll inskünftig für jedes Steuerkommissariat einSteuerkommissariatsgehilfe" an­gestellt werden, der befähigt ist, die dort vorkommenden technischen Büreauarbeiten, wenigstens in der Hauptsache, selbständig auszuführen und die übrigen Gehilfen des Amts zu beaufsichtigen. DieseSteuerkommissariats­gehilfen" müßten längere Zeit auf einem Steuer- kommissariat gearbeitet haben und es soll für sie auch eine Fachprüfung eingeführt werden. Soweit die zur Zeit auf den Steuerkommissariaten angestellten Gehilfen in ihrer seitherigen Thätigkeit die Befähigung zur Bekleidung der neu zu schaffenden Stellen nachgewiesen haben dies wird voraussichtlich für die meisten zutreffen sollen sie auch ohne Prüfung in die neuen Stellen über­nommen werden können. Als Gehalte sindfür diese Stellen, wie für die Stellen der Kreisamtsgehilfen, 18002600 Mk. mit Aufrückungsfristen von je 3 Jahren

AMche Aachwerköauken, ihre Erhaltung und Wiederherstellung.

Debet dieses Thema sprach Professor Sauer im Ober» HWchen Geschichtsverein zu Gießen. Er führte u. a. aus:

ES giebt wenig Themata in der hessischen Kunst- gMichte, die sich im Rahmen eines kurzen Vortrags be­handeln lassen. Man kommt sofort auf die Architektur. « älteste Architektur in waldreichen Ländern ist eine reine ^ Architektur. Während in frühster Zeit nur Blockbauten satstaindrn, bildeten sich später Unterschiede aus zwischen den c ius tzolz bestehenden Hauptteilen und den Füllungen. Diese Mumgen stellte man in einigen Gegenden aus einem durch Miseuwerk gestützten, scstgestampften und gekneteten Lehm, i»andern mit Bruchsteinen und Geröll her, teilweise ging u.an «auch zu geformten Steinen über. Der Fachwerkbau bie eigentliche nationale Bauweise in Deutsch­land und besonders auch in Hessen. Bei den hessischen Mulen ist ein zähes Festhalten an der Verwendung des LHmS als Füllung zu bemerken, während in Riederdeutsch- Denb iber gebrannte Lehm angewendet wurde. Diese beiden Mmrten machten dann auch eine ganz verschiedene Ent- Hitag durch, sodaß ein braunschweigischer oder han- «Smischer Fachwerkbau nicht mit einem hessischen zu ver- ihchssln ist. Der ungebrannte Lehm verlangt eine schützende ' V«le, damit er nicht vom Regen weggewaschen wird. DeS- :l< öirb meist Verputz angewendet, während er aber bei Wungen aus gebranntem Lehm fehlen kann, z. B. ube:n berühmten Knochenhauer-AmtShauS in Hildesheim*).

. : *) Don Wichtigkeit für Architekten und Baumeister dürste übrigens der kürzlich erschienenen Hefte der Deutschen Konkurrenzen (Heraus- I*1 Professor A. Neumeister Karlsruhe, Verlag von Seemann & Co., sein, auf das in diesem Anschluß aufmerksam gemacht sei. Es l'stomelt Bau-Entwürfe für Hildesheim, in denen die Baukunst

. Die hessischen Bauten lassen sich in Kategorien teilen. 1. Die Verwendung von Steinen beschränkte sich auf das Fundament und die Sockelschicht. Das Fachwerk beginnt dann schon mit dem untersten Stockwerk. Man versucht noch mit einfachen, meist rechteckigen Rahmenbildungen aus­zukommen. Die Folge war, daß diese Häuser eine beson­dere Neigung zeigten, schief zu werden. Allmählich brachte man auch Verzierungen durch Schnitzen der Holzteile an, und fing an Farben zu verwenden. Zu den reinen Fach­werkbauten gehört die Gießener Hirschapo theke. (An­fang des 17. Jahrh.) Sie hat viele schräge Verstrebungen und hat darum so gut gehalten. 2. Der Steinunterbau erstreckt sich auch auf den untersten Stock. Besonders er­wähnenswert sind die Schlösser und schloßähnlichen Gebäude. Auch sie lassen sich in die genannten Kate­gorien teilen. Die Rathäuser inMarköbel und Sachsen­berg sind Fachwerkbauten von Grund aus, während die Rathäuser in Alsfeld (1512) und Gießen einen starken steinernen Unterbau besitzen. Das Alsfelder Rathaus ist mit der schönste Fachwerkbau in Hessen mit spätgothischen Formen, unten eine weite Spitzbogenhalle, in Stein durch­geführt. An ihm kann man sehen, was mit dem Gießener Rathaus ursprünglich gemeint war. Hier ist auch das Schl ößchen am Brand in Gießen zu nennen, ebenso die sog. Komthurei auf dem Schiffenberg.

Sehr selten findet man Fachwerke bei Kirchenbauten. Grade der Kirchenbau ist frühzeitig zur Verwendung des Steins Übergegangen. Meist sind es Notkirchen, die im des 16. und 17. Jahrhunderts, die gerade in Hildesheim in hoher Blüte steht, unter Berücksichtigung der modernen Erfordernisse, ihre Auf­erstehung feiert. Die reizvollen Motive lassen sich selbstverständlich auch auf andere Gegenständen übertragen und dürften Architekten und Bau­meistern willkommene Anregung zur Schaffung von architektonisch wirk­samen Bauten geben, ohne daß für das Künstlerische der Ausgestaltung besondere Opfer seitens des Bauherrn nötig wären. Das reich illustrierte Heft kostet nur Mk. 1.80. D. Red.

| Fachwerkbau auSgeführt find, z. B. die Friedhofkapelle in Gießen, die aus dem 16 Jahrhundert stammt und im Laufe deS 19. Jahrh. von Rithgen wiederhergestellt ist. Bei Schloßbauten kann man dem Fachwerk kaum eine impo­nierende Wirkung zuschreiben, es bleibt meist der Charakter des Wohnhauses, wie man das am Gießener Schloß sehen kann. Die Unregelmäßigkeit gehört zu solchen Bauten.

An Stelle der zu Anfang vom Zimmermann mit der Axt gefertigten Holzverzierung tritt später die feinere Holz­schnitzerei. Sie kommt sehr stark zur Anwendung an den vielfach im Innern ausgestellten Holzfäulen. Schöne Beispiele kann man im Kloster Haina sehen. Die Säulen haben meist polygonale Gestalt, ruhen vielfach auf kleinen steinernen Sohlen und haben oben rechts und links Seiten- stützen für die Deckbalken. Solche Säulen sind auch in Gießen im alten Schloß verdeckt aufgefunden worden, wo das Erdgeschoß ursprünglich aus zwei stattlichen Räumen bestand, in denen sich zwei Reihen solcher Säulen befinden. Sie werden nach Beseitigung der später eingezogenen Zwischenwände wieder ganz sichtbar sein.

Bei den Fachwerkbauten zeigt sich oft an den Ecken und Fenstern Schnitzerei, damit ist vielfach Bemalung ver­bunden. Die zierlichste Schnitzerei findet sich an dem oben genannten Knochenhauer - Amtshaus, während in Hessen wenig von Verzierungen zu merken ist. Deshalb hat der Fachwerkbau in Hessen so sehr seine alte Kraft verloren. Die Bewunderung für den Steinbau hat es bann meist fertig gebracht, daß die ganze Fassade mit Stuck überzogen und gleichmäßig verputzt wurde. Auf den glatten Flächen brachte man dann Malerei an, z. B. war am Gießener Rat­haus die Figur einer Justitia im 17. Jahrhundert ange­bracht worden. Aehnlich erging es den Häusern links und rechts vorn Rathaus und auch den auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes stehenden Häusern, die fast alle den Charakter des Fachbauwerkbaus an sich tragen. Die all*