Ausgabe 
19.9.1900 Erstes Blatt
 
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finanzielle Unterstützung für die österreichischen Parteigenossen von den deutschen erbat.

Von anderer Seite wird uns noch folgendes ge­schrieben :

Bei der Schristführerwahl wurde auch eine Frau in das Büreau berufen, Frau Zietz aus Hamburg, die das Amt mit einer anmutigen Verbeugung annahm. Bei Fest­setzung der Tagesordnung wurde beschlossen, die Frage der Taktik der Partei bei den Landtagswahlen, für die Bebel die Berichterstattung übernommen, erstt in den letzten Tagen des Kongresses zu behandeln. Ein Antrag, die Frage der Neutralität der Gewerkschaften gegenüber der Politik auf die Tagesordnung zu setzen, fiel aus Mangel a n Unterstützung unter den Tisch- Tie Arbeitszeit für die Tagung wurde von 9 biß 1 Uhr und 3 bis 7 Uhr festgesetzt. Den Geschäftsbericht erstatteten Parteikassierer Ger isch aus Berlin und der Abg. Psa n nkuch aus Berlin. Für die Kontrolleure berichtete Abg. Meister aus Hannover. Nach dem Berichte von Gerisch haben im verflossenen Jahre die Einnahmen die Ausgaben nicht gedeckt, was nach dem Berichterstatter darauf zurückzuführen ist, daß diegroßen Wahlkreise ihre Pflichten gegen die Parteikasse in keiner Weise erfüllt haben". Abg. Meister teilt mit, daß gegen die Partei­leitung ein Protest erhoben worden und zwar von Seiten der Berliner Genossen gegen die Erhöhung des Gehaltes des Leiters der Parteibuchhandlung in Berlin um 1000 Mark. Ueber diesen Gegenstand sprachen noch M a n a s s e - Berlin und Ulrich-Osfenbach, letzterer scharf gegen die Berliner. Ueber die Mandatsniederlegung Buebs sprach Fischer -Mülhausen.

Allem Anschein nach werden die Verhandlungen einen ruhigen Verlauf nehmen. In der Frage der Reorgani­sation der Partei ist, wie verlautet, ein Kompromiß zu Stande gekommen und ebenso wegen der Landtagswahlen.

Der Antrag Berlin wegen der Gehälter der Partei- Beamten wurde vor der Abstimmung zurückgezogen. Singer erstattete den parlamentarischen Bericht. Von Elberseld wurde der Antrag gestellt, die Fraktion möge im Reichstage den Antrag stellen, den Majestäts-Belei- digunasparagraphen auszuheben. Singer erwähnt, daß dies die Fraktion schon immer gethan habe. Allein es liege nicht in der Natur der Sozialdemokratie, Menschen zu beleidigen, also auch keine Monarchen. Gewehr- Elberfeld will den Antrag direkt angenommen haben. Fräulein Rosa Luxemburg stellt den Antrag, die Fraktion solle im Reichstag die Maßnahmen der preußi­schen Regierung wegen Gebrauchs der polnischen Sprache in der Provinz Posen zur Sprache bringen. Gegen Fräu­lein Luxemburg war ein Flugblatt eingegangen, in dem ihr wegen ihres Verhaltens Vorwürfe gemacht werden, wogegen diese sich heftig verteidigt, aber ebenso energisch durch einen Polen zurückgewiesen wird. Schmalfeld- Hamburg bringt den Streik bei Bloehm und Voß in Ham­burg zur Sprache. Es sprechen noch Köhm, der mit der Haltung der Fraktion beim Zuchthausgesetz nicht zufrieden ist, Eisner-Berlin, Fr o hm e-Hamburg, der das Ver­

halten der Fraktion verteidigte. Jn^Fortsetzung der De­batte über den Antrag Luxemburg, Sprachen-Maßnahmen der preußischen Regierung betressend, wurde der Antrag mit großer Mehrheit angenommen. Der Majestäts-Be­leidigungs-Paragraph - Antrag Elberfeld wurde ange­nommen. Andere nebensächliche Anträge werden abgelehnt. Auer referiert über da§ Organisations-Statut. Er be­fürwortet den Antrag Wiesbaden zu §2 des Organisations- Statuts, Ausschluß betreffend, der ein Schiedsgericht von drei Personen vorschlägt, von denen eine der Antragsteller, eine der Betroffene und eine der Partei-Vorstand ernennt. Der Partei-Vorstand hat das Schiedsgericht zu berufen. Zu § 3 befürwortet Auer einen Antrag der Frauen in den Länoern, wo Frauen politischen Vereinen nicht angehören dürfen, das System der Vertrauens-Personen beibehalten wird. Die Verleger, Geschäftsführer 2c. der Arbeiterpresse treten heute abend zu einer Besprechung zusammen. Die deutschen, österreichischen und Schweizer Sozialisten haben Begrüßungs-Telegramme geschickt. Schluß 7 Uhr 15 Min. Morgen Fortsetzung.

Nermischtrs.

Budapest, 16. September. Der Rechtsbeistand der Neuen Pester Gewerbe- und Handelskammer ist nach Unter­schlagung bedeutender Summen nach Amerika geflüchtet.

Die Pest. Im Haag wird versichert, daß ein Pestfall in Amsterdam festgestellt worden sei. Der Fall soll in einem gewissen Hause konstatiert worden sein. Die Nachricht bedarf jedoch noch der Bestätigung. Die belgische Regierung hat eine amtliche Delegation nach Glas­gow entsandt, um die zur Bekämpfung der Pest getroffenen Maßregeln zu studieren. Die Mission besteht aus Beamten des Ackerbauministeriums, einigen Professoren und Aerzten.

Das schreckliche Unglück in Texas, das so viele Menschen­leben gekostet und namenloses Unglück herbeigeführt hat, veranlaßte die Berliner amerikanische Botschaft zu einer Sammlung von Beiträgen. Die Zeichnung hat am 15 d. M. begonnen. Es sind bereits 2000 Mark zur Linderung der Not gespendet worden. Bei dieser Summe ist zu berück­sichtigen, daß sie zwei Stunden nach Eröffnung der Sub­skription gezeichnet worden war. Der Ackerbauminister gibt bekannt, daß bei dem Orkan in Texas 75000 Ctr. stehender Baumwolle vernichtet wurden. In Galvestone wurden 50 000 Tonnen Baumwolle vernichtet.

Paris, 16. September. Die Jenabrücke im Aus­stellungsgebiete wurde durch eine in einem benachbarten Restaurant entstandene Explosion beschädigt. Die Art und Weise, wie die Explosion erfolgte, ist noch unaufgeklärt. Ein mit Karbol gefüllter Apparat explodierte plötzlich und man war besorgt, daß eine Explosion von 15 weiteren Be­hältern, die im ganzen 2000 1 Alkohol enthielten, noch er- I folgen würde. Ein Teil der Fußgängerbrücke geriet in Brand. Dieser Teil der Ausstellung mußte während des ganzen Abends geschloffen bleiben. Arbeiter, die in der

Nähe des Explosionsortes arbeiteten, erklärten, ihrer Ansicht nach sei die Explosion auf die Unvorsichtigkeit eines Spazier­gängers zurückzuführen, der ein brennendes Streichholz von der Brücke herabgeworfen habe.

Bilbao, 17. September. Bei einem Eisenbahn - zusammenstoß wurde ein Paffagier getötet, ein Zug­führer und ein anderer Bahnbeamter lebensgefährlich und mehrere Passagiere leicht verletzt.

New York, 17. September. Der Wahrspruch der Toten­schau-Kommission in Sachen der seinerzeit bei dem Brande in Hoboken umS Leben Gekommenen erklärte, die Er­zählung von der Unmenschlichkeit von Kapitänen derSchleppboote für wohl begründet, aber die Namen der betreffenden Kapitäne seien nicht mehr zu ermitteln. Die Zahl der Ertrunkenen würde geringer gewesen sein, wenn die Schleppboote mehr Zeit darauf verwendet hätten, Menschenleben zu retten, als der Hoffnung nachzugehen, Güter zu bergen. Ueber die Eutstehungsursache des Brandes hat man keine Kenntnis.

Handel und Verkehr. Nslkr«iktsthafi.

Frankfurter Börse vom 17. September.

Wechsel auf New-York zu 0.00-00.

Prämien auf Kredit per ult. Sept USM/o, do. per ult Okt. 2.40%, Diakonto-Kommandit per ult. Sept. 1.00%, do. per ult. Okt. 2.30 o/o, Lombarden per ub Sept. 0.50%, do. per ult Okt. 0 90%. Deutsche Bank per ult. Sept. 0.00%.

Notierungen ; Kreditaktien 206.80-000.00-00 , Dlskonto- Kcmmandit 173.30-60-00-00-00 Staatsbahn 141.70-00., Lombarden 26.00.00, Italiener 94.10, Spanier 72.00-00, Bproz. Mexikaner 25.40, Bochumer 178.50-90 bz., Laura 194 80-5.60-4.50-60-50 bz., Harpener 176.10-176-000.00 bz., Gelsenkirchen 188-00.000 bz., G., Privat-Dis­kont 4%-4% % G.

1% bis 2% Uhr: Kreditaktien 206.80-40-000-000.00 bz., Dis- konto-Kommandit 173.40-172.10-40 tfz., Staatsbahn 141.70-50.0 bz., Lombardei) 00.C0-26.C0 b., Laura 000-00, Berliner Handelsgesell­schaft 000.00 bz., Sproz. Mexikaner 00.00 bz, 3proz. Portugiesen 00.00-00 bz., Ottomanbank 000.00 bz.

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Bekanntmachung,

betreffend. Städtisches Elektrizitätswerk.

Um die Abgabe von Elektrizität für den Bedarf des Stadtgebietes bi» zum 1. April 1901 bewirken zu können, ist es jetzt schon erforderlich, die Verteilung elektrischer Energie in diesem Gebiet festzustellen. Das Werk wird im Gleichstrom-Dreileitersystem 2 mal 220 Volt ausgeführt. Die Stärke der Leitungen und die Führung derselben wird in den Straßen entsprechend dem voraussichtlichen Bedürfe an elektrischer Energie für die einzelnen Bezirke bestimmt. Wird dabei auch Spielraum für einen über den Rahmen der ersten Anmeldungen hiuausgeheudeu Verbrauch vor­gesehen, so können durch nachträgliche Anmeldungen den Abnehmern Schwierigkeiten und besondere Kosten er­wachsen. ES wird deshalb dringend gebeten, den voraus­sichtlichen Bedarf au elektrischer Energie bis zum 1. Oktober dS. IS. auf den dafür in dem Büreau deS städtischen Elektrizitätswerkes (Neumühle) und bei der Großherzog­lichen Bürgermeisterei unentgeltlich zur Verfügung stehen­den Formularen auzumeldeu.

Die Bedingungen für den Bezug elektrischer Energie sind ebendaselbst erhältlich. Die Aufforderung zur Stellung definitiver Anträge auf Anschluß erfolgt dann später. Zur Erläuterung sei bemerkt, daß jedes Grundstück in der Regel nur einen Anschluß an die elektrische Leitung erhält, daß aber die verschiedenen Gebäude eines Grundstückes oder die verschiedenen Stockwerke eines Gebäudes durch besonderen, mietweise Überlaffenen, Zähler in ihrem Verbrauche kontrolliert werden können.

Bei der Anmeldung ist getrennt anzugeben der voraussichtliche Be­darf an elektrischer Energie:

a) Ar,_Beleuchtungszwecke durch Bezeichnung der Art, Stärke und Zahl der Lampen,

d) für elektrische Motoren nach Pferdestärken des Elektrometers,

Jr sonstige Zwecke unter Beschreibung der Verwendung, die beiden letzten Angaben mit Zufügung der Tageszeiten und Stunden, in welchen der Betrieb voll und beschränkt stattfindet.

Jede gewünschte wettere Auskunft erteilt der Betriebsletter des städtifchen Elektrizitätswerkes, Herr Mulert, auf der Neumühle in den Stunden von 11 12 Uhr vormittags und 56 Uhr nachmittags.

Gießen, den 27. August 1900.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

I. V.: Wolff. 5705

Mittwoch den 26. Zeptbr. d. nachmittag» L% Uhr, sollen auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Namen des Carl Georg stehenden Immobilien der Gemarkung Gießen: Flur 40 Nr. 37>%0o 276 qm Hofraite links der Chaussee,

Flur 40 Nr. 37«% » 166 qm Grab­garten daselbst

off^rtlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 4. September 1900.

Ortsgericht Gießen. Gros. 5859

Göstversteigerung.

Donnerstag den 20. d. M , von nachmittags 4 Uhr an, soll das Obst, als Aepfel (meist Tafelobst), Birnen und Zwetschen, von dem Freiherrlich van der Hoop'scherr Gute bei Rodhe-m a. Bieber an Oct und Stelle ver­steigert werdrn. 6107

Zusammenkunft bei der Schmitte.

4486

Jfacbener-Badeökn

O.R.P, Uber 50000 im tiebrawcb D.R.P.

1 fiouben'sßasbeizöktt

[T @r^specta gratis.Ue rtrefer an last allen PlÄfzeib

J.ß.bouben Sohn Carl, Bachen.

Verdingung.

Die Lieferung von 300 Stuck Baumstangeu für die städtischen Anlagen soll

Samstag, 22. Sept. d. I., vormittags 11% Uhr, öffentlich verdungen werden.

Die Lieferungsbedingungen liegen während der Dienststunden auf un­serem Bureau, Zimmer Nr. 7, zur Einsicht offen. Angebote auf Vor­druck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Termin einzureichen.

Gießen, 15. September 1900. Das Stadtbauamt. ________Schmandt._____6142 Mittwoch den 19. Zkptbr. I. Is., nachmittags 2 Uhr,

versteigere ick im Bieker'schen Saale: Möbel aller Arten, 1 Nähmaschine, 1 Re­gulator, 1 vollst. Bett, 1 Schreibtisch, 1 Faß Sprit, 2 Zugpferde, 1 Damen­fahrrad u. a. m.

6136 Geißler, Gerichtsvollzieher.

Zwiebelkuche«

Montag, Mittwoch und Freitag, von 9 Uhr ab. 4684 Hofbäcker Noll, Mäusburg 12.

Von jetzt ab täglich:

Has im Topf.

Gasthof zum Löwen

Neuenweg S8. 03858

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Hmdmdkitsschule w ftiukin Lmdnmn

Gießen, Südanlage 7. 6021

Wiederbeginn des Unterrichts in alle« weiblichen Handarbeiten, sowie Kunsthandarbeiten insbesondere machen wir auf die moderne Tief- brenntechnik aufmerksam

Montag den 17. September 1900.

Mit der Handarbeitsschule ist HarrShaltungS-Pensionat für gebildete junge Mädchen verbunden.

Anmeldungen für das Pensionat bis spätestens 1 Oktober erbeten.

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