Ausgabe 
19.8.1900 Zweites Blatt
 
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seine letzten Telegramme vermuten lasten. Die Kolonne Hunter- hatte 3 Tote und 40 Verwundete und einen Vermißten. Ein Unterleutnant ist seinen Wunden erlegen. Lord Kitchener telegraphiert am 15. daß er von Südwesten aus, dem belagerten Oberst Hoare bei Elands- rivcr zu Hilfe eilte. Die Aeomanry hatten gestern ein Gefecht östlich von demPlateau vonOttoshoop. Roberts drückt die Ansicht aus, eS sei dem Kommandanten DeWet nur dadurch gelungen zu entkommen, daß er seine Abteilung in kleinere Trupps teilte. Zum letzten male hörte man von ihm aus der Gegend von Rustenburg.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. August. Aus Kassel wird gemeldet: Der Kaiser und die Kaiserin unternahmen heute morgen 7Vi Uhr nebst Gefolge einen größeren Spazierritt durch die Rasenallce über den Hühnerberg bis zum Staatsberg­werk oberhalb des DruselthaleS, dort bestiegen die Herr­schaften den bereitstehenden Wagen und fuhren durch das Druselthal nach dem Schloß zurück. Später empfing der Kaiser den Chef des großen Generalstabes v. Schlieffen, der am Morgen hier eingetroffen war, zum Vortrag, nach­her den Chef des Militärkabinetts v. Hahnke. Dem heute abend 8 Uhr 10 Min. hier einoetroffenen Grafen Waldersee brachte die Menge jubelnde Ovationen dar. Er fuhr im kaiserlichen Wagen nach WilhelmShöhe. An der Abendtafel bei dem Kaiserpaar nahmen außer der Umgebung u. a. Generalfeldmarschall Graf Waldersee mit Gemahlin und Botschafter Fürst Münster-Dern- burg teil.

Aus Homburg v. d. H. wird gemeldet: Der Prinz von Wales ist heute nachmittag zum Kurgebrauch hier eingetroffen.

Nach einer Meldung aus Cronberg ist der Prinz von Wales heute mittag 12'/, Uhr mit Extrazug hier ein- getroffen und begab sich zu Wagen nach Schloß Friedrichs- Hof, wo er mehrere Tage zum Besuche der Kaiserin Friedrich zu verweilen gedenkt.

Ein hiesiges Blatt will wiffen, daß man an den maßgebenden Stellen nunmehr entschlossen sei, alsbald die erforderlichen Schritte zu thun, um die Oberlehrer und Direktoren der höheren Lehranstalten im Gehalt den Amtsrichtern bezw. Landgerichtsdirektoren gleichzustellen. Ob zu den maßgebenden Stellen auch das Finanzministerium gehört, wird nicht gesagt. Die Entschiedenheit, mit welcher auS diesem Reffort heraus im Landtage allen Anregungen, Härten und Ungleichheiten bei der Besoldung einzelner Beamtenklassen, namentlich der Unterbeamten zu beseitigen, entgegengetreten wird, läßt die Nachricht nicht glaubwürdig erscheinen.

Wie aus München berichtet wird, ist zum Staats­kommissar für die Münchener Börse der Regie- rungS- und Fiskalrat Albert Reiter in München ernannt worden.

Zum siebzigsten Geburtstage Kaiser Franz Josephs schreibt daSMil. Wochenbl.":

Die Oesterreich:Ungarische Monarchie und das uns durch Tradition und Waffenbrüderschaft so nahestehende kaiserliche und königliche Heer begehen am 18 August 1900 die Feier des siebzigsten Geburtstages ihres erlauchten Herrschers und Kriegsherrn. Auch die preußische und deutsche Armee nimmt- an diesem Feste den herzlichsten Anteil. Ueber ein halbes Jahrhundert schon zählt sie mit Stolz Kaiser Franz Joseph alS Regirnenttchef zu den ihrigen; vier Königen und Kaisern ist er ein persönlicher Freund gewesen, seit fast einem Menschenalter verbinden die beiden großen Mächte auch politisch und militärisch gleiche friedliche Ziele. Im fernen Osten stehen gerade jetzt zum Schutze europäischer und christlicher Kultur Oesterrercher und Deutsche vereint zum ersten male wieder seit 36 Jahren vor dem Feinde. Da werden alte Er­innerungen wach an Eugen von Savoyen und Leopold von Anhalt- D-ffau, an die große Zeit der Befreiungskriege, an das Seegefecht bei Helgoland, in dem die ersten Anfänge preußisch-deutscher Seemacht unter deS österreichischen Helden Tegetthoff Führung fochten. Die alte und die neue Waffenbrüderschaft und die gemeinsamen soldatischen Anschau­ungen und Ueberlieferungen aber finden heute ihren Ausdruck in den ehrfurchtsvollsten Glückwünschen für den greisen kaiserlichen und rittet; lichen Herrn. Möge ihm durch Gottes Gnade nach manchem schweren Schicksalsschlage ein langer und glücklicher Lebensabend beschieden sein, möge er der deutschen Armee, insbesondere den Regimentern, die in ihm ihren durchlauchtigsten Chef verehren dürfen, auch weiter sein gnädiges Wohlwollen bewahren.

DerReichsanz.- schreibt:

In dankbarer Liebe und Verehrung begehen morgen die Völker der verbündeten österreichisch-ungarischen Monarchie die Feier des siebzigsten Geburtstages ihres ehrwürdigen Herrschers. Dem erlauchten Bundesgenossen des deutschen Reiches, den wir in diesem Frühjahr an unvergeßlich schönen Maitagen als hochgeehrten Gast begrüßen durften, schlagen auch zum morgigen Freudentag in unserem Vaterlande die Herzen warm entgegen, und unser aller Segenswünsche vereinigen sich mitdem Gebet, das in Oesterreich wie in Ungarn die Gemüter der Patrioten bewegt: Gott schütze, Gott erhalte den Kaiser und König Fran, Joseph!

Auch dieNordd. Allg. Zig.- bringt einen warmen Glückwunschartikel.

Der Gesetzentwurf über das Urheber- recht sollte bekanntlich noch dem vorigen Reichstage zu- gehen. Die Beratung desselben im preußischen Staats- Ministerium währte aber so lange, daß die Einbringung im Bundesrat und Reichstag sich nicht mehr ermöglichen ließ. Wie diePost- von gut unterrichteter Seite erfährt, find nicht nur seitens des preußischen Kultusministers, sondern auch der Militärverwaltung verschiedene Wünsche geltend gemacht worden. Durch die Aenderung des Schutzrechts, welches die Komponisten genießen, werden auch die Militär- mufiker in Mitleidenschaft gezogen.

Ausland.

Paris, 17. August. DasEcho de Paris" meldet, 7>er Zar würde am 15. oder 17. September hier eintreffen. Der Besuch sei noch durch den Grasen Murawiew vereinbart Wrten. Der Streik der Pariser Kutscher ist stationär, da die Unternehmer die Bildung eines Schieds- ^richts ablehnen. Die Kutscher verlangen nunmehr die vinsirhrung des Taxameters und einen fixen Taglohn.

Die Ausstandsbewegung der Hafenarbeiter hat nunmehr alle französischen Seehafen ergriffen

Madrid, 17. August. Tie kgl. Familie ver­ließ gestern San Sebastian, um Bilbao zu besuchen, wo sie um 5 Uhr nachmittags landete. Eine große Menschen­menge begrüßte die kgl. Familie, welche um 7 Uhr wieder abreiste.

Rom, 17. Aug. Ta die Arbeiter auf den Reis­feldern von M o l i n e l l a in den A u s st a n d ge­treten sind, wurden 300 Soldaten zum Ersätze der Ar­beiter entsandt. Es heißt weiter 2000 Soldaten seien be­reit, ebenfalls dorthin abzugehen.

Wien, 17. August. Der dem Oberkommando des Grafen Waldersee zugeteilte Generalsstabshauptmann Wojcik wurde heute vom Kaiser in Ischl empfangen.

Anläßlich des 70. G e b u r t s t a g e s d e s K a i s e r s prangt die Stadt im Festschmuck. Alle Häuser sind beflaggt. In den meisten Schaufenstern stehen Büsten oder Bilder des Kaisers mit Blumen geschmückt. Heute abend findet Illumination statt, die sich bis in die äußersten Stadtteile erstreckt. Tas Rathaus, die Votivkirche und die Palais der Erzberzöge, die Banken, sowie zahlreiche Privatgebäude waren durch unzählige elektrische Flammen feenhaft er­leuchtet. Auf dem Kahlen- und Leopoldsberge brennen Höhen feuer. In den Straßen wogt eine festlich ge­stimmte Menge. Aus allen Landesteilen laufen Meld­ungen über Illuminationen und Fackelzüge ein. Heute fand in dem reichgeschmückten Sitzungssäle daes Rathauses anläßlich des 70. Geburtstages des Kaisers eine Fest­sitzung des Gemeinderats statt. Der Bürger­meister hielt die Festrede, die mit einem dreifachen Hoch au- tzen Kaiser schloß, worauf stehend die Volkshymne gesungen wurde. Darauf wurde die Sitzung geschlossen. Hierauf wurde die Gedenktafel zur Erinnerung an das Regierungsiubiläum des Kaisers im Jahre 1898 enthüllt. Wie diePolitische Korrespondenz" mel­det, überreichte die Deputation sämtlicher Rektoren der deutschen Universität en Oesterreichs anläßlich des 70. Geburtstages des Kaisers dem Unterrichtsminister Härtel eine Huldigungsadresse mit dem Ersuchen, die­selbe an die Stufen des Thrones gelangen zu lassen.

New-Port, 17. August. Carl Schurz und andere Führer hielten sich vom Freiheits-Kongreß fern, da letzterer augenscheinlich vollständig in Bryan'sches Fahr­wasser geraten war und nun auch thatsächlich dessen Wahl befürwortet.

Der Chef des Bundesgeheimdienftes empfahl den Rücktransport zweier italienischer Anarchisten, welche laut einem aus Italien eingetroffenen Briese Mac Kinley ermorden wollten. Der Rücktrans­port wurde empfohlen, weil beide schon H a f t st r a f e n gehabt haben.

' Bis heute mittag waren von dem neuen deutsch-amerikanischen Kabel 324 Seemeilen; ausgelegt. Das Wetter ist schön bei glatter, ruhiger See.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 18. August 1900.

** Konzert. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, konzertiert unsere Regimentskapelle morgen nachmittag von 5 Uhr ab inSteins Garten-.

* Ostafiatifcher Hilfsverein Gießen. Die vereinigten Militärvereine unserer Stadt, deren Aufruf zur Gründung eines Hilfsvereins vom besten Erfolg begleitet war, hatten am Donnerstag imHotel Großherzog von Hessen- eine Sitzung anberaumt, und hierzu die Spitzen unserer Be­hörden, sowie andere angesehene Mitbürger eingeladen, um über ihre seitherige Thätigkeit zu berichten, und mit diesen Herren gemeinsam in eine Vorberatung der Statuten ein­zutreten. Durch Abwesenheit.von Gießen und Unwohlsein waren die Eingeladenen zumeist am Erscheinen verhindert, und nur die Herren Oberst v. Dewitz, Kommerzienräte Georgi und Koch, Stadtrat Kirch und Postsekretär i. P. Mayer anwesend. Der vorgelegte Statuten-Entwurs wurde sehr eingehend durchberaten, und für die Ausarbei­tung der beschloffenen Satzungen ein Ausschuß ernannt. Die Genehmigung derselben bleibt der konstituierenden Ver­sammlung Vorbehalten, deren Berufung im Interesse all­gemeiner Beteiligung erst im Monat Oktober stattfinden wird. Es entsprach der ungeteilten Auffassung der Be­ratenden, daß die Vereinsthätigkeit hierdurch in keiner Weise eine Unterbrechung erleide; das gegenwärtige Komitee der Militärvereine wird demgemäß zur Einleitung der Organi­sation Listen cirkulieren lassen. Von verschiedenen Seiten wurde hierbei der Ueberzeugung Ausdruck verliehen, daß ohne Ausnahme alle Diejenigen, welche seither durch pekuniLre Zuwendungen unsere Bestreb- ungen unterstützten, als Mitglieder beitreten, dies durch Einzeichnunq bethätigen und daß ferner in weitesten Kreisen auf Beitritt neuer Mitglieder zu diesem patriotischen Werke zu rechnen sein werde. Der Vorsitzende, Herr Möbus, hatte die Versammlung mit freundlich begrüßenden Worten, die namentlich den Gästen galten, eröffnet; er schloß sie mit dem Dank für deren Mitarbeit und dem Allen sympa- tischen Wunsche, daß die Vereinsthätigkeit blühen und eine recht segensreiche, aber nicht von zu langer Dauer sein möge. Diesen Wünschen schließt sich derGieß. Anz.- in weitgehendstem Maße an und erklärt sich gern bereit, allen Aufrufen, Bekanntmachungen usw. kostenlose Aufnahme zu gewähren, wie überhaupt die löblichen Zwecke dieses patriotischen Wohlthätigkeitsvereins durch geeignete Lokal- notizen und Veröffentlichung der eingegangenen Gaben in jeder Weise zu unterstützen und zu fördern.

-d- Bad Nauheim, 17. August. Zu dem Besuch unseres Bades seitens des Prof. Dr. Brieger (s.Gieß. Anz.- Nr. 168) schreibt dieDeutsche med. Wochenschrift": Zahl­reiche Tagesblätter haben übereinstimmend die Nachricht verbreitet, daß Geheimrat Prof. Brieger der bekannt­lich in ministeriellem Auftrage längere Zeit in Wien und Süddeutschland geweilt hat sich auch nach Nauheim be­geben habe, um die Heilmethode des Prof. Schott kennen zu lernen und deren offizielle Einführung an dem zu er­

richtenden Institute für physikalisch- Therapie in Berlin °?^ubereiten. Wie wir au« sicherster Quelle erfahren, sind diese Angaben durchaus unbegründet; der Besuch des Prof. Brieger hat lediglich informatorischen Zwecken gegolten und ist von dem Inspirator jenerNotiz in seiner Bedeutung offenbar verkannt und subjektiv überschätzt worden.

-vt- Vilbel, 17. August. In der Nacht vom 16. aus den 17. I. MtS. wurde in der Apotheke des Herrn Metten­heimer hier, ein Einbruchsdiebstahl verübt. Der Thäter erbrach den Fensterladen, zertrümmerte die Fenster­scheibe, öffnete sodann das Fenster und gelangte durch diese- in die Apotheke. Hier erbrach er die Ladenkaffe und nahm deren Inhalt im Betrage von Mk. 77.68 an sich, mit dem er auf gleichem Wege das Weite suchte. Von der Person des ThäterS fehlt jede Spur. Es ist anzunehmen, daß der in Friedberg verübte Apothekeneinbruch von demselben Thäter verübt worden ist.

-iz- Nounenrolftz 17. August. Gestern mittag um 12 U^r brach in der Hofraithe des Heinrich Zimmer V. hier ifeuer auS. Da die meisten Leute noch auf dem Felde beschäftigt waren, so konnte dem Umsichgreifen deS Feuers nicht gleich Einhalt geboten werden. Es wurde zuerst in dem Holzschuppen wahrgenommen, und erreichte alsdann deck daranstehenden Viehstall. Beide Gebäude brannten voll- ständig nieder. Der inzwischen an die Brandstätte geeilten Feuerwehr gelang es noch, das Weitergreisen des Brandes zu verhüten.

Darmstadt, 17. August. Wie auS guter Quelle ver­lautet, ist vor einigen Tagen der Generalstaatsanwalt und vortragende Rat im Justizministerium, Geheimrat Schlippe, von einem Schlaganfall betroffen worden. Er soll sich jedoch auf dem Wege der Besserung befinden._________

Kinioersttüt und Hochschulei

verkitt, 17. August. Gegenüber den Blättermeldungen, Prof. Zorn in Königsberg sei als Staatvrechtvlehrer an die Universität Bonn berufen, ohne daß das betr. Fach vakant sei, weist dieNationalztg.* auf die Thatsache hin, daß im KultuSctat für 1900 zur Errichtung je eines Gesetzordinariates in der evangelisch theologischen und juristischen Fakultät der Universität Bonn Mittel eingestellt und b willigt sind. Für die bewilligte Ersatzprofessur in der Bonner juristischen Fakultät sei Prof. Zorn berufen. ______________________________________________

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Gießt«, 18. August. Marktbericht. Auf dem beutigeu Lochenmarkt kosteten: Buller per Pfd. X 1.001.20, Hühnerei» l per 6t. 0 - 0 2 Et. 13-15 H, Enteneier 2 St. 0016 4, «ünse»

eier per Si '00-00 4, Käse 1 St. 68 H, Käsematte 2 St. 66 4, Erbsen per Mer 24 Linsen per Mer 34 Tauben per Paar x 0.700.80, Hühner per St. X 1.001.40, Hahnen per ettid X 0 601.00, Enten per St. X 1.802.00, Gänse per Pfund x 0.000.00 Ochsenfletsch per Pfd. 6874 4, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 6264 4 Schweinefleisch per Pfd. 6070 4, Schweine­fleisch, gesalzen, per Pfd. 74 Ä, Kalbfleisch per Pfd. 6466 A, Hammelfleisch pec Pfd. 6070 H, Kartoffeln per 100 Kilo 6.60 bij 6.00 X, Weißkraut per St. 0000, Zwiebeln per Etr. X 6.506.00, Muck per Liter 18 H. Bohnen per Pfund v15 ____________

Krieskasten der Redaktion.

Ehina. a) + 6,686», b) im Frühjahr 0,644», im Sommer + 9,9l», im Herbst + 13,65», im Winter 4- 2,837°._____________

Neueste Meldungen.

Kopenhagen, 18. August. Ein Erdbeben mit starkem Getöse begleitet, ein sehr seltenes Phänomen, hat in Fries­land stattgefunden.

Paris, 18. August. Wie (wo? D. Red.) verlautet, erhielt die Negierung die Einladung, französische Offi­ziere zur Teilnahme an den deutschen Kaiser- Manövern zu entsenden.

Paris, 18. August. Wie die heutigen Morgenblätter berichten, wird der Besuch des Zaren erst im Ok­tober stattfinden.

Rom, 18. August, De^ Bischof A n z e r! ist gestern (nach China auf seinen Posten abgereist.

Mailand, 18. August. Die Anklagekammer beschloß gestern die Verweisung Brescis vor das nächste Schwurgericht, daS am 27. August beginnt. Der Prozeß gegen BreSci wird am 29. zur Verhandlung kommen.

Wien, 18. August. Ein ungeheures Gedränge durch- wogte gestern die Straßen Wiens. Trotz des strömenden Regens wollte jedermann die Illumination sehen, die am Vorabend des 70. Geburtstages Kaiser Franz Josefs inszeniert wurde. Am lebhaftesten ging eS vor dem Rathause zu, daS in allen feinen gothischen Linien durch elektrische Lampen nachgezeichnet war. Eindruck machten auch die großen Scheinwerfer aus dem StephanS- turm und den Türmen der Botivkirche, die Museen, die Kuppeln der Kaiserburg und der Obelisk vor dem äußeren Burgthor. Vor dem Rathause entstand ein lebensgefähr­liches Gedränge, sodaß man UnglückSsälle befürchtete. Auch in Budapest fand eine große Illumination statt. Trotzdem dieselbe erst in den letzten Tagen beschlossen war, fiel sie doch verhältnismäßig glänzend aus.

Wien, 18. August. Kaiser Wilhelm und König Viktor Emanuel sandten an Kaiser Franz Joses aus Anlaß der Feier seines 70. Geburtstages herzlich ge­haltene Glückwunsch-Telegramme.

Budapest, 18. August. In der hohen Tatra find vor einigen Tagen drei aus Galizien nach Ungarn gekommene Touristen und zwei Führer in der Nähe der Franz- JosefS'Spitze verunglückt. Eine aus Tatrafuered ent­sandte Rettungs-Expedition fand bisher nur die Hüte und Stöcke der Verunglückten.

Budapest, 18. August. In der Petrozfenzer Gegend sind infolge von Ueberschwemmungen fast alle Straßen, Bahndämme und Brücken beschädigt, sodaß der Verkehr vor­aussichtlich längere Zeit vollständig eingestellt werden muß. Auch die Arbeiten in den dortigen Kohlenwerken ruhen in­folge der Ueberschwemmungen fast gänzlich, sodaß etwa 3000 Bergleute brodloS find. Der Schaden beläuft sich auf über eine Million Gulden.