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Der Staatsanwalt hatte 9 Monate veanttagt. Der An geklagte Bürger wurde freigesprochen.
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Aus Stadt und Land.
•* Von der Universität. Die Frequenz der Landesuniversität beträgt, wie wir bereits berichteten, 855 Studie- renbt- vorigen Semester waren aufgeführt, 494 Hessen, 308 Nichthefsen, nachträglich noch immatrikuliert 6 Nichthessen, zusammen 808. Hiervon sind abgegangen 101 Hessen, 112 Nichthesien, im ganzen 213, es verblieben somit 393 Hessen, 202 Nichthessen, im ganzen 595. Im gegenwärtigen Halbjahr sind hinzugekommen: 143 Hessen, 117 Nichthessen, zusammen 260. Außerdem besuchen noch 36 nichtimmatrikulierte Hörer die Vorlesungen, also zusammen 595 -s- 260 4-36—891 Studierende. Davon studieren 190 (166 Hessen) Rechte, 149 (65) Medizin, 110 (16) Tierheilkunde, 71 (58) neuere Philologie, 68 (61) Theologie, 55 (24) Chemie, 46 (38) Mathematik, 39 (28) Forstwissenschaft, 34 (32) klassische Philologie, 29 (18) Naturwissenschaften, 28(7) Pharmazie, 12 (2) Philosophie, 11 (11) Kameralwiffenschaft, 8 (7) Geschichte, 5 (3) Zahnheilkunde. Davon sind 557 im Besitz des Reifezeugnisses vom Gymnasium, 133 vom Realgymnasium, 6 von Oberrealschulen, mit Zeugnis für das Fach (Tierheilkunde, Zahnheilkunde, Chemie, Pharmazie) 140, mit sonstigen Zeugnissen 19. Der Staatsangehörigkeit nach verteilen sich die Studierenden: Heffen 536, Preußen 207, Bayern 54, Sachsen 3, Württemberg 4, Baden 5, Mecklenburg-Schwerin 1, Oldenburg 1, Sachsen-Weimar 4, Sachsen- Koburg 5, Sachsen-Altenburg 1, Braunschweig 1, Schwarzburg-Rudolstadt 2, Schwarzburg-Sondershausen 1, Reuß j. L. 1, Waldeck 2, Anhalt Köthen 1, Hamburg 3, Oesterreich-Ungarn 10, Rußland 6, Spanien 1, Schweiz 1, Niederlande 1, Nord-Amerika 2, Süd-Amerika 1, Japan 1. Davon gehören aus Hessen 61 der theologischen, 166 der juristischen, 84 der medizinischen und 225 der philosphischen, aus Preußen 5 der theologischen, 19 der juristischen, 110 der medizinischen, 73 der philosophischen, aus Bayern 3 der juristischen, 50 der medizinischen, 1 der philosophischen Fakultät an. Die Angehörigen der übrigen Staaten verteilen sich hauptsächlich (mit Ausnahme von 4) auf die medizinische und die philosophische Fakultät. Je 1 Nord- und Südamerikaner gehört der philosophischen, 1 Nordamerikaner und der Japaner der medizinischen Fakultät an. — Wir entnehmen diese Angaben dem soeben erschienenen „Personalbestand der Großh. Hess. Landesuniverfität zu Gießen, Sommerhalbjahr 1900". In diesem Hefte ist uns aufgefallen, daß bei der Aufführung der akademischen Behörden und Beamten die v. Münchow'sche Hof- und Universitätsdruckerei angeführt worden ist. Sollte diese thatsächlich an diesen Platz gehören, dann sind die Brühl'sche Universitätsdruckerei und die drei hiesigen Universitätsbuchhandlungen hier zu vermissen. Wir nehmen an, daß das Verzeichnis des Personalbestandes vom nächsten Semester auch nach dieser Richtung hin lückenlos sein wird.
** Akademische Vorträge. Der auf kommenden Mittwoch angezeigte Vortrag des Herrn Professor Dr. von Wagner kann erst am Mittwoch dem 27. d. M. stattsinden.
** Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 18, vom 15. Juni hat zum Inhalt: 1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That, Verleihung der Rettungsmedaille an den Buchdruckereibesitzer Lattreuter zu Nierstein. — 2. Bekanntmachung, die von den stimmberechtigten adeligen Grundbesitzern vorzunehmende Wahl eines Mitgliedes der Ersten Kammer der Stände betreffend. — 3. Bekanntmachung der Berwaltungs- ergebniffe der Großherzoglichen Zivildiener-Wittwenkaffe aus den Rechnungsjahren 1897/98 und 1898/99. — 4. Bekanntmachung, die für das Etatsjahr 1900/1901 zur Bestreitung der Kommunal- und Kircheubedürfnisie in der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt zu erhebenden Umlagen betreffend. — 5. Dienstnachrichten. — 6. Konkurrenzeröffnungen.
•• Persoualuachrichteu. Am 13. Juni wurde der KreiSrat des Kreises Dieburg Geh. Regierungsrat Friedrich Heß auf fein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen, treuen und ersprießlichen Dienste mit Wirkung vom l.Juli 1900 an in den Ruhestand versetzt, und ihm das Komturkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen, am 16. wurde den vortragenden Räten in dem Ministerium der Finanzen, Abteilung für Steuerwesen, Geh. Obersteuerräten Gustav Weigel, Johanne- Bitt el und Wilhelm Dorns ei f f, sowie dem vortragenden Rate in dem Ministerium der Finanzen, Abteilung für Forst- und Kameralverwaltung, Geh. Oberdomänenrat Gustav Po sein er der Charakter „Geheimer Oberfinanz- rat", dem vortragenden Rate in dem Ministerium der Finanzen, Abteilung für Steuerwesen, Obersteuerrat Konrad Bornscheuer der AmtStitel „Oberfinanzrat" verliehen; der vortragende Rat im Ministerium der Finanzen und Vorstand der Buchhaltung dieses Ministeriums, Obersteuerrat Georg S eip unter Belassung in der letzteren Stellung zum Vortragenden Rat in dem Ministerium der Finanzen, Abteilung für Finanzwirtschaft und Eisenbahnwesen, mit dem AmtStitel „Oberfinanzrat", die Finanzaspiranten Friedrich KrauS aus Worms, Friedrich Bolbach aus Mainz und Karl Carl aus Ortenberg wurden zu HauptsteueramtS- asfistenten bei den Hauptsteuerämtern Darmstadt, bezw. Gießen und Mainz ernannt.
** Berliner Domchor. Anfang Juli beginnen in Berlin die großen Ferien, nicht nur zur Freude der Schuljugend, sondern auch Künstler, Beamte und alle vom Dienst und Geschäft abkömmlichen fliehen mit jenen auS der heißen Großstadt. Nicht alle benutzen ihre Muße, um Ruhe und Erholung zu genießen, ein großer Teil des KünstlervölkchenS geht in die Weite, um Gastspiele zu absolvieren, und überall werden diese Gäste froh begrüßt. Auch die Konzert- Bereinigung des Domchors, die Quintessenz dieser weltberühmten, vornehmen Sängerschar, benützt die Ferien, um auch anderen Menschenkindern als den Berlinern ihre schöne Kunst zu teil werden zu lassen. Unserem einheimischen
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Mangels solcher protestiert worden. Auf Grund der ersten tret Wechsel wurde geklagt, ein Urteil erwirkt und am V'V Januar die Zwangsvollstreckung an Teilen des Mbel- I schen Mobiliars rc. vorgenommen. Auf Grund des vierten Äcchfels mar die Klage gegen Kübel beim Amtsgericht 1 ließen eingeleitet. Es stand aud} am 13. Januar Termin en, dock) nahm Burger die Klage vor dem Termin zurück. Die Anklage erblickt in dieser ganzen Manipulation einen »Miindel zu dem Zweck, die Gläubiger zu benachteiligen. Die Forderung Burgers sei mindestens teilweise erdichtet. Die Angeklagten bestreiten dieses ganz entschieden und behaupten, daß Burger 870 Mark als Darlehen gegeben bade. Burger erklärt, er habe die beiden letzten Wechsel, । bic ihm Wilke gesandt, nur mit seinem Namfen versehen, imnl dieser ihm mitgeteilt hätte, daß zwei frühere Wechsel Mgiltig seien. Wilke hat alles besorgt, er wisse nur, daß tr 13 mal auf je einen Bogen leeres Papier, auf dem |iu|c gestanden habe „Münzenberg den......ten.
seinen Namen hingeschrieben habe. Die seinem Schwager geliehenen 870 Mark will Burger in der Weise sich jftafft haben, daß er 500 Mark von der Wohnbacher Kasse geliehen, den Rest aber aus eigenen Mitteln hergegeben, bei den 15 Sack Mehl dreht es sich nach Angabe der Angeklagten um ein reelles Handelsgeschäft.
In der Beweisaufnahme bekundet der Konkursmassen- skerivalter Jean Boeck, daß die nach Darmstadt gesandten Zuckerwaren sowie die dorchin gesandten 15 Sack Mehl dort versteigert sind und der Erlös dafür zur Masse ge- slossen ist. Als der Konkurs ausbrach, war noch für ca. 1536 Mark Mehl bei Mbel vorhanden. Im ganzen hatte dieser während der sechs Monate seines Bestehens für 4172 Mark Mehl bezogen und darauf so gut wie nichts bezahlt. Hiernach waren also für mehr wie 2500 Mark Mehl zu Backwaren verarbeitet. Als tüchtiger Bäcker hätte er daran mindestens 20 Prozent verdienen müssen. Mbel hot während der sechs Monate seines Geschäfts einmal 300 Mark Miete, das Mehl aber nicht bezahlt; er hätte bei Ausbruch des Bankerutts nach einer vom Konkursverwalter ausgestellten Berechnung über ca. 2600 Mark bares Geld verfitgen müssen, von welchem Betrage allerdings die Auf- ivcndungen für seinen sehr bescheidenen Lebensunterhalt auf sechs Monate zu kürzen seien. Kübel hat aber keinen Pfennig bares Geld zur Masse abgeliefert. Die Gläubiger, die fast alle außerhalb wohnen, erhalten fünf Prozent, mit) wenn der von der Gläubigerversammlung gegen Burger Migestrengte Zivilprozeß gewonnen würde, etwa zwölf Prozent. Bücher habe Kübel nicht geführt. Burger, der am 13. Januar habe pfänden lassen, habe die Pfänder zu tzursten der Masse ohne weiteres freigegeben, aber eine Zoriverung zur Masse nicht angemeldet. Boeck teilt noch mit, daß das Mehllager im Strackschen Hause zwar primitiv gewesen sei, den Backofen habe aber ein Sachverständiger als m Ordnung befunden; deshalb sei ein Prozeß, den -übel gegen Strack eingeleitet gehabt, von der Masse nicht meitcr verfolgt worden. Strack sei für seine seit 1. Oktober 1899 rückständige Mete von der Masse mit 800 Mk. abgcfunden. Der Hausbesitzer Ph. Strack erklärt, daß Hack rmeister Amend, der Vorgänger Mbels, nur 900 Mk. Zchresmiete für die Bäckerei gezahlt hat. Er bestreitet, doß der Backofen schlecht sei. Am 1. Oktober habe Kübel die Miete gezahlt. Es sei auffällig gewesen, daß dieser .roetxT seiner! Winterbedarf an Kartoffeln noch an Heiz- 'MKrial sich beschafft gehabt. Er habe auch schon im Dezember geäußert, er wolle nach Darmstadt ziehen. Der jeufle Strack erklärt, als er am 6. Januar die am 1. Januar '-fällige Miete nicht erhalten, habe er Rechtsanwalt Dr. Gut- Ilmch beauftragt, diese einzuklagen; es sei dann das Re- Äeiisilonsrecl)t durch Gerichtsbeschluß eiligst gewahrt worden. «Am H. Januar seien beide Anaeklagte mit einem Fuhrwerk «efoimmen, um Mehl aufzuladen, er, der Zeuge, habe sie fomiif hingewiesen, daß alles, was Mbel besitze, wegen: der Miete mit Beschlag belegt sei, und sie sich strafbar wachten, wenn sie Mehl aus dem Hause entfernten. Mbel habe darauf die Miete bis 1. Januar (300 Mark) bezahlen wollen er habe die Annahme derselben aber abgelehnt und Om an feinen Anwalt gewiesen. Die Frankfurter Lieferan- t-ai des Angeklagten Mbel waren überaus nachsichtig mit fein Schuldner. Sie rieten ihm, einen Mnkurs zu ver- fotibrn. Durch mehrere Zeugen wird erwiesen, daß Burger EL Mbel am 7. Januar in Trais-Münzenberg 15 Sack Zchl pro Sack für 21 Mark gekauft hat. Der Fuhrwann, tat dasselbe von Gießen am nächsten Tage geholt hat, war tabei, als Burger dem Mbel für das Mehl eine Zahlung Mn 200 Mark machte, dieser hat aus der Tasche 87 Mark dazu hingezählt, ist in die Nachbarschaft gegangen und hat weitere 20 Mark dazu geborgt und wollte mit dem Geld die Miete an Strack begleichen. Ebenso wird durchs Zeugen schge stellt, daß Burger thatsächlich aus der Wohnbacher Wie 500 Mark Darlehen für Kübel erhoben hat.
Den Geschworenen wird außer der Schuldfrage, ob kibek in der Absicht, seine Gläubiger zu benachteiligen, Nnnögensstücke verheimlicht oder beiseite geschafft hat, er Schulden ober Rechtsgeschäfte anerkannt ober auf- ।Helft hat, die ganz oder teilweise erdichtet sind, und ,,lb8urqer' seinem Schwager zu diesem Verbrechen wissent- liM mit Rat und That Beihilfe geleistet habe, auch für 1 feite Angeklagte die Nebenfrage nach mildernden Um- s Ü'jnden vorgelegt. ,
Staatsanwalt Zimmermann erklärt ine ganze Art, i m Kübel gehandelt, für einen ganz modernen Schwindel, i zwar sehr fein angelegt, aber doch recht durchsichtig sei. SMbe Angeklagte seien schuldig, doch bitte er die Gefrorenen, ihnen mildernde Umstände zuzuerkennen.
Der Verteidiger Mbels, Rechtsanwalt Metz, meint, fcoiit daß Strack dem mittellosen Mbel die Bäckerei über- k pvick' überlassen hat, hat er veranlaßt, daß diesem von c teurer Seite leichtsinnig Kredit gewährt wurde. Beide Mmaellaate seien nach der Beweisaufnahme nicht schuldig. ' Rechtsanwalt Dr. Spohr, der Verteidiger des an- cHaqten Burger, sucht zu beweisen, daß hier kein Schwindel, txtlieae und ein solcher in der Beweisaufnahme Nicht eoiefien sei. Er bitte um Freisprechung Burgers.
Nach längerer Beratung verkündete der Obmann, Prof. m Eich bau in , den Spruch der Geschworenen: Kübel striichuldig des betrügerischen Bankerutts i nner Zubilligung mildernder Umstande. Der Angeklagte ^H.g'er sei nicht schuldig der ihm zur Last gelegten Mihillfe. v x , r
Eer Gerichtshof verurteilt den Angeklagten Kubel jwi; Monaten Gefängnis, von denen zwei Monate Hü verbüßte Untersuchungshaft in Abrechnung kommen. >
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Jmpreffario ist eS, gelungen, die Herren des DomchorS für einen Abend (9. Juli) zu gewinnen; eine Wiederholung des Konzertes ist unmöglich. Ein Loblied dem Berliner Domchor an dieser Stelle zu singen, ist wohl ganz überflüssig; wir bringen die Notiz nur so früh, damit jeder im Stande ist, sich den Abend des 9. Juli frei zu halten. Hinzufügen wollen wir noch, daß die Künstlerschar nicht nur geistliche, sondern auch weltliche Chöre, außerdem auch Soli auf ihr Programm gesetzt hat.
Darmstadt, 18. Juni. Da die Erholung der Groß- herzogin in der letzten Zeit sehr erfreuliche Fortschritte gemacht, konnte nach dem Ablauf der zweiten Woche bereits täglich ein längerer Aufenthalt im Freien genommen, einige» male auch schon ein kurzer Spaziergang im Park ausgeführt werden.
Frankfurt a. M., 17. Juni. Heute vormittag fand hier im Saalbau eine Guten bergfeier statt. Unter den Anwesenden bemerkten wir den kommandierenden General des 18. Armeekorps, v. Lindequist, die Generalleutnants v. Stülpnagel und Perthes, Bürgermeistep Varrentrapp, Stadtrat Beck und den Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung Justizrat Humser. Im Namen des Zentralausschusses der verschiedenen vereinigten Körperschaften, welche die Feier veranstaltet hatten, begrüßte BuchdruckereLbesitzer Osterrieth die Erschienenen, hauptsächlich die Vertreter der Behörden, die Vertreter wiffenfchaftlick)er Vereine und die Vertreter von Mainz, die zu dieser Feier hierhergekommen waren. Hierauf trug Regisseur Quincke einen von Dr. Arthur P f u n g ft für diese Feier verfaßten Prolog, der in schwungvollen Versen den Erfinder Gutenberg pries, unter großem Beifall vor. Nachdem von dem Gesangverein Gutenberg die Hörth'sche Hymne vorgetragen war, hielt der Dichter dieser Hymne, Redakteur Otto H ö r t h die Festrede über „Gutenberg und seine Mnst". Nach dem Vortrag „Die Ehre Gottes" in der Beethoven'schen Mmposition begaben sich die Anwesenden unter Vorantritt der Kapelle des hiesigen Regiments nach dem Denkmal, vor dem Rektor Dr. Lang eine kurze Ansprache hielt, schließend mit den Worten „Gott grüß' die Mnst, die Leben, Freiheit weiß zu schaffen. Gott grüß' die Kunst und segne ihre Waffen. Auf denn, ioer hier zu diesem Denkmal zog: Kunst Gutenbergs, Dir unser Hoch!" Wahrend eines Schlußchors wurden von den Vertretern der hiesigen Druckervereine und Verbünde zahlreiche Manz- fpenben atm Denkmal niedergelegt.
Sport, Spiel, Jagd.
Gießen, 18. Juni. Am Sonntag den 17. d. Mts. wurde von dem kynologischen Verein zu Marburg eine allgemeine Ausstellung von Hunden aller Raffen abgehalten. Das Marburger Jägerbataillon hatte bereitwilligst dem jungen Vereine sein Exerzierhaus nebst Exerzierplatz zur Verfügung gestellt. Die LeUung lag in den Händen des Oberjägers Jakobi. Die Wartung und Pflege der Hunde geschah von Mannschaften des Jägerbataillons, die durch zwei an Gießener Ausstellungen bewährte Wärter (Herrn Ott und Zink) kräftig unterstützt wurden. Auch die Offiziere hatten sich wesentlich um das Gelingen der Ausstellung bemüht. Die Kynologen von Gießen um Umgegend hatten nach Marburg ihre erstklassigen Hunde gesandt, wovon das Resultat der Prämiierung das beste Zeugnis abgelegt hat. Herr August Schwan erhielt für seine 3 rauhhaarigen Pinscher sechs erste, einen zweiten, einen brüten und zwei Ehrenpreise in sehr scharfer Konkurrenz. Sein „Max-Kismet" schlug spielend den bekannten „Peter Gloria" des Herrn Diffinö-Rüffelsheim a. M. Herr Konrad Rübsamen erhielt für Brauntigerhündin „Erra von der Lahn" den 2. Preis, Herr Himmelreich für „Tell" den 1. Preis, Herr Ernst Platz für „Leo" den 3. Preis, Herr Kommerzienrat Wilhelm Gail für Weimaranerhündin den 3. Preis, Herr Ferd. Schmidt für langh. Jagdhund den 2. Preis. Herr Ed. Noll für Griffon den 3. Preis. Herr Friedrich Schreiner hatte eine schöne Kollektion von 10 Hunden ausgestellt und heimste mit dieser 5 erste, 5 zweite, 4 dritte und 3 Ehrenpreise ein. Auch vom hiesigen Osfizierkorps hatte Oberleutnant Schröder seinen Bernhardiner gesandt, der einen 3. Preis erhielt. Herr H. F. Nassauer erhielt für Leonbergerhündin zwei zweite Preise, Herr Georg I. B. Noll für Tigerdogge zwei dritte Preise, Herr Zahnarzt Jaeger für rauhhaarigen Pinscher einen 3. Preis, Herr Förster für seine bereits mit cielen ersten und Ehrenpreisen prämiierte Zwergspitzhündin wieder 1. Preis.
Darmstadt, 18. Juni. (Tel.-Meld, des „Gieß. Anz." I45 mittags). Der Gesetzgebungsausschuß der 2. Kammer der Stände ist heute unter dem Vorsitz des Abg. v. Brentano-Offenbach zufammengetreten, um einige wichtige Fragen, besonders das Faselgesetz und die Anstellung der Forstwarte zu erledigen.
Berlin, 18. Juni. Wie die Montagszeitung von zu- verlässiger Seite erfährt, wird in maßgebenden Kreisen das Projekt einer Berliner Weltausstellung ernsthaft ventiliert. Es find bereits nach dieser Richtung hin Informationen bei den Oberbürgermeistern größerer Gemeinwesen eingeholt worden. Als Ausstellungsterrain ist derzeit ein Teil des Tempelhofer Feldes und als Termin das Jahr 1905 spätestens aber 1907 in Aussicht genommen.
Berlin, 18. Juni. Professor Dr. von Menzel erhielt auf derPariserWeltauöstellung die großeEhren- Medaille.
Ksnitz, 18. Juni. Der Verdacht der Thäter- schaft an dem Morde hat sich neuerdings auf den vor einiger Zeit nach Berlin Übergesiedelten Hefefabrikanten Sohrauer gelenkt. — Das Militär wird am Dienstag abrücken. Mit der Renovierung der Synagoge soll heute begonnen werden.
Wie», 18. Juni. Die Mission des tschechischen Ministers Dr. Rezek, die tschechischen Parteiführer teilweise für das Sprachengesetz des Ministerpräsidenten von Körber umzu- fiimmen, ist vollständig gescheitert. Auf die Mitteilung Rezeks, die Einführung mit Hilfe des § 14 stehe bevor, drohten die tschechischen Führer, daß ärgere Dinge und noch ärgere Ereignisse bevorstünden, als im Dezember 189 7. Thatsächlich wurde gestern in dem von allen Parteien beschickten Nationalrat die Organisation der Omladina in Böhmen und Mähren be- schloffen, der von der Regierung die größte Aufmerksamkeit zugewendet wird. Zugleich hat die Regierung die Bezirks- Hauptmannschaften und die Staatsanwaltschaften angewiesen, in der Konfiskation tschechischer Provinzblätter eine strengere Praxis zu befolgen.


