Amts- unb Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen
Mks Hkdda Gabler im franfefurter Schauspiklhaase.
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Rtbohion, Expedition und Dnickerei:
Schukflraße Ar. 7.
16 Kilometer lang ist, Paris in seiner größten Ausdehnung^ von Vincennes zum Bois de Boulogne, durchschneidet und an zwei Eingängen hält. Die Stadtbahn hat die ihr gehörige Gürtelbahn (um Paris) mit vierfachen Geleisen versehen u nd von derselben aus auf dem linken Ufer eine meist unterirdische Zweigbahn nach dem Marsfcld und der Esplanade gebaut. Alle drei Minuten sollen Züge von 2000 Personen (mit, zweistöckigen Wagen) einlausen und abgehen. Der neue Orleansbahnhof ist auch nicht weit von der Ausstellung; er vermittelt den Verkehr mit den entfernten Vierteln des linken Ufers — wenn er in Betrieb gesetzt sein wird. Auch die Dampfer auf der Seine sind nicht zu vergessen. k
Es wird daher berechnet, daß in einer Stunde bis 100 000 Personen und selbst noch mehr zur Ausstellung befördert werden können. Eine solche Leistung ist auch notwendig, denn 1889 wurden an gewöhnlichen Tagen 250 000, Sonntags bis 360000 Besucher gezählt, die dann abends meist in wenigen Stunden nach Hause fahren wollten. In den beiden Ostertagen zählte man diesmal etwa 225 000 bis 250 000 Besucher. Besonders die Ausstellungsgebäude der fremden Nationen und das Marsfeld wurden in Augenschein genommen.
Ein R u n d g a n g durch die deutsche A u s st e l l- u n g macht den besten Eindruck, und jeder Deutsche, der die Ausstellung betritt, wird mit Stolz auf unsere Leistungen blicken. Das deutsche Haus bietet, besonders von der Seine aus gesehen, einen prächtigen Anblick. Es ist reich und geschmackvoll zugleich, wenn auch die Wirkung der Architektur durch die Beschränktheit des Raumes beeinträchtigt wird. Die Dekoration der Jnnenräume ist diskret. Die Halle, in der d'ie Wittigschen Deckengemälde und die Fenster die Aufmerksamkeit fesseln, ist von lichter und froher Stimmung. Das Erdgeschoß ist vorzugsweise dem Buchgewerbe gewidmet. Nicht ohne Fährlichkekten gelangten wir dann in das Palais des beaux arts, in dem uns Meister Lenbach entgegentrat. Hier verfügt die deutsche Architektur über zwei Säle im Erdgeschosse und vier Räume im ersten Stock, deren jeder liebevoll eigenartig dekoriert ist, während die anderen Nationen auf derartige Hilfsmittel verzichtet haben und augenscheinlich die Kunst durch sich selbst wirken lassen wollen. Ganz wundervoll ist der Eindruck unserer Kunstgewerblichen A u s st e l l u n g, um die sich Professor Hoffacker ein hohes Verdienst erworben hat. Ueberhebung gegen unsere freundlichen Wirte und lieben Mitgäste liegt uns gewiß fern, aber wir dürfen woht offen sagen, daß unser Vorsprung hinsichtlich der Fertigstellung enorm ist. Links und rechts von den deutschen Bauten liegen öde Flächen. Aehnlich ist es in der
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was ihm das Leben wert machte. Frau Hedda aber hat diese wertvollen Papiere, die den Ruf ihres Gatten hätten, untergraben können, in den Ofen gesteckt, Lövborg damit: seines Lebenszweckes beraubt, ihm den Weg zur Unsterb-; lichkeit vernichtet. Ihr fällt es nicht ein, ihm darüber Aufschluß zu geben, im Gegenteil: sie drückt ihm eine Pistole: in die Hartd. Und er geht hin und, innerlich vernichtet, erschießt er sich im Salon einer Demimondedame — in den- Unterlcib. Die Pistole wird dort von der Polizei ausgefunden, und als die von Frau Dr. Tesman erkannt. Jyr steht ein unangenehmer Handel bevor; sie fühlt sich in der Hand des Gerichtsrats, der das Geheimnis zwischen ihr und Lövborg kennt und seine Macht auszunutzen gedenkt. Dev Gedanke an die ihr bevorstehende Unfreiheit macht ihr das Leben ganz verhaßt und sie begeht zum ersten Male in ihrem Leben eine nach ihren Begriffen mutige That: sie erschießt sich selbst — in die Schläfe.
Ibsens Hohngelächter über die beste aller Welten, sein bitterer Sarkasmus, der die Seele seines meisterhaften Dialogs ausmacht, ist natürlich allen denen zuwider, die das Theater nur für eine Stätte des Vergnügens und die dramatische Kunst für etwas recht Angenehmes halten, solange sie scherzt und lacht oder durch Wahngebilde dichterischer Phantasie „erbaut" und „erhebt". Daß ein ernsthafter Denker aber ernsthafte Dinge künstlerisch ernsthaft behandelt, daß die Kunst sich das gewaltige Gebiet der modernen Physiologie unterthan macht, das wollen viele: immer noch nicht gelten lassen. Nun, auch diese der modernen Kunst noch fern Stehenden werden einmal zu den besseren Einsicht kommen, daß die Kunst keinen anderem Zweck hat als sich selbst.
Irene Triesch hatte ihre Hedda sehr richtig nicht in eine aschgraue Gleichgiltigkeit gesteckt. Sie verlieh ihr eine Seele verzückten Schauens und dabei ein Verschleiertes, das dieser Gestalt eigen sein muß. Ihre Hedda verbarg die inneren Abgründe, auch bei großen Entschließungen, meisterhaft. Nur im Dialog mit dem Gerichtsrot traten fie hervor, mußten sie hervortreten. Aber sie nahm doch> wohL die Hedda etwas zu tief, zu ernst, zu schwer, sie betonte nicht das ganze Instinktive ihres Wesens, das stets au, dem
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der Erde kraftlos haften bleibenden Lebens durch Selbstmord. Sie hat sich ihr Schönheitsideal auch für den Tod zurecht gemacht: Weinlaubumkränzt ein Schuß in die Schläfe, allenfalls in die Brust; ein Schuß in den Unterleib! dagegen ist häßlich.
Hedda hat den guten Jörgen Tesmann geheiratet aus Langerweile stlnd um versorgt zu werden. Sie, wie alle Welt, meinte zudem, daß ein besonders hervorragender Mensch aus ihm werden würde. Eine Professur hatte man ihm bereits so gut wie versprochen. Das lockte sie. Auch Ejlert Lövborg war ihr leidenschaftlicher Verehrer. Er ist außerordentlich talentvoll, ein eigener Geist, Tesmann dagegen nur ein fleißiger Sammler, der die geistige Eiaen- arbeit anderer mühsam, aber rastlos zusammenträgt. Tesman ist hübsch solide und bürgerlich gesittet, Lövborg dagegen so arg verbummelt, daß seine Familie, die einst große Stücke auf ihn hielt, sich von ihm lossagt. Lövborg ist für Hedda der weitaus Interessantere, aber sie, die Generalstochter, steckt so tief in der gesellschaftlichen Konvention, daß sie nicht im entferntesten daran denkt, aus dem hochbegabten, nur vielfach irregeleiteten und von Natur etwas unsteten, nicht in sich gefesteten jungen Menschen einen tüchtigen Mann zu machen. Erst als sie, längst Frau Dr. Tesman geworden, sieht, daß einer schlichten Frau, der Gattin des Landrichters Elvsted, durch die Einfalt ihres reinen, hingebungsvollen Herzens, dieses gelungen »ist, erwacht in ihr der Neid. Macht über ein Menschenschicksal zu gewinnen, das Schicksal eines wahren, eines Einzelmenschen, nicht eines Dutzendmenschen wie Tesman, ist ihr Ehrgeiz, und sie beginnt Lövborg der ehemaligen Schulfreundin abspenstig zu machen. Sie schickt ihn in eine Herrengesellschaft, in der tüchtig gezecht wird. Lövborg, der durch, Frau Elvsted beinahe kurierte Alkoholiker, verfällt hier aufs neue seinem Laster. Im Rausche fast zum Tier geworden, macht er sich aufs neue gesellschaftlich unmöglich und verliert obendrein das Manuskript zu seinem Lebenswerk, einer Art Kulturgeschichte der Zukunft. Tesman findet es, seine Frau aber weiß es in ihre Hand zu bekommen. Da erscheint Lövborg von dem Bacchanal, nicht Weinlaub im Haar, wie Hedda es sich erträumt hatte, sondern im tiefsten berührt durch den Verlust dessen,
Am Ostermontag gab Herr Intendant Claar dem »«reich im Frankfurter Schauspielhause versammelten Miagspublikum eine der härtesten Ibsen-Nüsse zu knacken. VÜn der „Hedda Gabler" kann man sich leicht die Zähne vM'eißen; es gehören haltbare und geübte ästhetische Kau- hbedieuge dazu, um einen Genuß daran zu ermöglichen.
Die vielgescholtene „Hedda Gabler" zu verteidigen, ist fiütben objektiv alle Kunst Genießenden, für den, der allen iih irgend ein System zwängenden ästhetischen Dogmen ab- lM ist, die -mit der wahren, freien Kunst nichts zu thun iMn, nicht schwer. Ibsen, der vor der „Hedda Gabler" jrtin große, edle Frauencharaktere geschaffen hatte, solche, fciie alles einsetzen für Wahrheit und Freiheit, die aus, die- Enge der Unfreiheit und Unwahrheit sich heraus- aAidkiten, mußte es einmal reizen, das Gegenteil zu schaffen, eiinen Charakter, der, zugleich künstlerisch subtil und seelisch Waital veranlagt, durch die Nichtigkeit seiner Umgebung im LMrsten unbefriedigt, ja angewidert, zerfressen, IN sich ntin niedere, gemeine Instinkte des weiblichen Trieblebens! zm Entfaltung gebracht hat: Neid, Mißgunst, Eifersucht, ULAN Hastigkeit, Genußsucht, rücksichtslosen Egoismus, kNlhheit, absolute Lieblosigkeit, dem aber der Stolz und $ijn Mut nicht fehlen, diese Instinkte offen und ungescheut f q ausleben zu lassen. Sie sind bei Hedda verborgen m dla bestechenden Form der Weltdame. Die Begriffe Pflicht un,d Verantwortung kennt Hedda nicht, sie bat keine Lebens- mniflafce, in ihr ist eine ungeheure Leere, die sie mit Nich- tügkitcn auszufüllen sucht. Mit dieser Figur geißelt Ibsen Ä Freiheitsstreben, dem der Mut der Ueberzeugung und U-r innere Gekmlt fehlen. Hedda Gabler ist eine Summe um Nora, Frau Alving und Rebecca, aber ohne die großen Mele, die tiefen Einsichten und die stolzen Absichten und Leidenschaften dieser Frauen, sie ist eine bewußte Ver- MüNg ins Häßliche, wosslgemerkt ms ethisch Häßliche. Aesthetisch hat sie ihr eigenes Schönheitsideal. Sie schwärmt Mgroße Thaten. Für groß hält sie auch die Ueberwmdung ~ ~ unbefriedigten, bei aller Sehnsucht nach Bedeuten-
UngewöhnUchem doch an' den verstaubten Schollen
mentale Formenlehre und Stilkunde, Materialieukunde, Technologie, Konstruktionslehre und Kostenvoranschläge.
HewervticherAveudfortöitdungsuuterricht im Sommer von 7V,—9i/a Uhr, als Einzelnfachunterricht für alle Handwerker und Gewerbetreibende.
Kaufmännischer AortvitdungsunterrichL im Sommer von 5—7 Uhr abends. Buchführung, Kalkulation, Wechsel- lehre, Gesetzeskunde, Rundschrift, Geometrie, Algebra u. s. w.
Der Unterricht wird durch eine reiche Modell- und Vorbildersammlung, sowie gut ausgestattete Werkstätten unterstützt.
Das Schulgeld beträgt 15 Mark im Halbjahr.
Unbemittelten Schülern kann die Entrichtung des Schul- gelbes nachgelassen, sowie Auswärtigen der Besuch der Schule durch einen Unterstützungsbeitrag erleichtert werden. Bei Gesuchen um Gewährung der einen oder anderen Art dieser Erleichterungen werden neben der Vermögenslage des Schülers auch die Vermögensverhältnisse der Heimat«- gemeinde oder das Vorhandensein geeigneter Stiftungsmittel in Betracht gezogen.
Anmeldungen und Gesuche sind an die Unterzeichneten zu richten, welche weitere Auskunft erteilen.
Schulprogramm kostenlos.
Erbach i. O., 8. April 1900.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats: Der Großh. Hauptlehrer: Stegmüller, Bürgermeister. Klein.
Die Pariser Welt-Ausstellung.
Paris, im April 1900.
Es ist eine ausgemachte Sache, daß jede Weltausstellung unvergleichlich, unübertrefflich ist, daß nad), ihr nichts mehr übrig bleibt, als ein- für allemal abzuschließen, da ein weiteres nicht mehr möglich sei. Und die folgende Weltausstellung straft all diese Voraussetzungen jedesmal Lügen, da sie ihre Vorgängerin weit hinter sich läßt. Die Welt ist eben unerschöpflich, bringt immer wieder Neues, Nichtdagewesenes hervor.
Der Platz für die diesjährige Weltausstellung ist sehr glücklich gewählt; er begreift alle Flächen, welche seit der ersten Weltausstellung (1855) nacl-einander zu diesem Zweck benutzt worden sind. Da Paris seither ungemein sich ausgedehnt hat, ist die 108 Hektar einnehmende Weltausstellung mitten in die Stadt versetzt. Im ganzen stehen an zwanzig Eingänge offen, zu denen etliche vierzig Omnibus- und Pferdebahnlinien führen. Dazu noch die Stadtbahn, die
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche wird die Abhaltung der auf den 18. April d 'S. IS. in Wetzlar und auf den 19. April dss. IS. in $*tun anstehenden Biehmärkte an die Bedingungen geknüpft, iueldje durch meine Bekanntmachung vom 4. Oktober 1898 amgeorbnct und in Nr. 234 des Kreisblatts von 1898 ver- öissentlicht worden sind.
Aus der Provinz Oberhessen des Großherzogtums dem preußischen Kreise Usingen und den Orten Atknberg und Kinzenbach des hiesigen Kreises dürfen Rindvieh, Schweine und Schafe nicht aufgetrieben werden.
Wetzlar, den 10. April 1900.
Der Königs. Landratsamtsverwalter.
Im Auftrage: Maguino, Kreissekretär.
Grotzh. Fachschule
föt Elfkllbemschnihttki und verwandte Gewerbe.
MftgewerStiche Aachfchuke mit Lehrwerkstätte«, zu Erbach i. O.
Beginn des Sommerhalbjahres 19. April 1900.
Unterrichtet wird von 4 Fachlehrern und 2 Hilfs- . Hein. Gründliche fachmännische, praktische und theo- rnlische Ausbildung von jungen Leuten in den gesamten Zeichen- und Modellierfächern, sowie in Werk- 1 satten für Elfenbeinschnitzer, Holzbildhauer, Drechsler und -Mure. ,
Die Anstalt enthält eine WorKkaste und zwei Aach- Sfatfe. , 4 .
Die Vorklasse hat einjährigen Lehrplan: Planimetrie, ÜirvjcktionSzeichnen, Schattenkonstruktion, Beleuchtungskunde, Architekturzeichnen, Ornamentzeichnen, Figurenzeichnen, .^zeichnen und Skizzieren. . ... , _
Die Fachkurse haben ;e einjährigen Lehrplan: Mauren- und Ornamentmodellieren, Figurenzeichnen, Aquarell- nnaltn, Fachzeichnen und Entwerfen (in alten und modernen X^-tien), Gewandstudien, Aktzeichnen, Perspektive.
Außerdem finden Korträge statt über Anatomie, orna


