W. 896 Zweites Blatt
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Der Krieg in China.
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Nach einer Meldung aus London erfährt „Daily Graphic", daß alle Machte ihre Zustimmung zum Text der Ko l le k t i v n o t e gaben. Amerika acceptierte auch die ursprünglich beqnstandeten deutschen und fran-
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Fernsprecher Nr. 51.
Aus angeblich zuverlässiger Quelle wird der Agentur Havas aus Tientsin berichtet, der Kaiser von China habe folgende zehn Bedingungen angenommen: 1. Bezahlung einer Entschädigung von 700 Millionen TaelS in sechzig Jahresraten, die durch das Likin verbürgt werden sollen. 2. Errichtung eines Denkmals für Frciherrn v. Ketteler. 3. Besuch eines dem kaiserlichen Hofe nahe verwandten Prinzen in Berlin. 4. Besetzung der Lerkehrswege zwischen Taku und Peking durch die fremden Truppen. 5. Bestrafung der Boxexbeamten. 6. In Provinzen, wo Fremde mißhandelt wurden, werden die Staatsprüfungen auf fünf Jahre eingestellt. 7. Abschaffung des Tsungliyamen. 8. Die fremden Gesandten müssen vom Kaiser jederzeit empfangen werden. 9. Einfuhrverbot von Waffen und Munition. 18. Schleifung der Festungen im Binnenlande und an der Küste zwischen Schanhaikwan, Taku und Peking.
Dem „TempS" wird aus Schanghai vom 15. Dezember gemeldet: Ich habe den Prinzen Tsching gesprochen, der die Gerüchte über die Rückkehr des kaiserlichen Hofes in°Abrede stellte. Er erklärte, China werde seinen Schadenersatz durch Jahresraten bezahlen, aber keine Anleihe aufnehmen.
Das Hauptquartier des fünften deutschen Regiments in Tientsin, das vom 13. bis zum 20. Oktober von einem deutschen Posten besetzt war, ist niedergebrannt. Das Regiment befand sich auf einer Expedition.
, Mten Lindes.
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Eine Tientsiner Drahtung des „Standard" klagt über das Borgehen der Deutschen, das von vielen Leuten als Vertilgungspolitik betrachtet werde. Tie deutsche Streitkraft sei soeben von einer Expe- ditton gegen G e n e r a l M e i in Tsangtschanfu am großen Kanal zurückgekehrt. Sie schlug die Truppen des Ge- nerals, plünderte sein Gepäck und befreite einige gefährliche Boxer, die er gefangen genommen hatte. Dieses Verfahren sei um so bedauerlicher, als Mei sehr thätig dre Boxer unterdrückt und der Kaiserin Trotz geboten habe. Von den Engländern in Tientsin werde die unheilvolle Thätigkeit der Teu tschen sehr bedauert. Man fürchte, sie könne die Beruhigung des Landes verzögern.
Die Buren.
Drr englische General Clements hat sich der Um- sctqlliißung auf dem Witvatersberg bei Hekspoort entzogen unter Einbüßung eines großen Teils des Twains den Rest nach Commandonek geführt. Seine Bskilulste sind schwer, sagt Kitchener in'seiner amtlichen MKLmg: getötet sind freilich nur 5 Offiziere und 14 Mann, Mrv ermißt, d. h. gefangen genommen 18 Offi- zinere und 55 5 Mann. Das ist in der That eine Vtrrlu stziffer, die nur wenige Gefechte des lang re 'Ittigen Krieges übertroffen haben. Unter den G!efa»genen befinden fich die vier Kompagnien der NbUhiuinberland - Füsiliere, die die Berbindung zwischen MlMnlS und dem am Nordabhang der MagalieSberge iletfeaben Broadwood aufrechterhalten sollten, und ihre Wichr sträflich vernachlässigt haben müffen, denn dadurch, dmtz ks gelang, sie zu überrumpeln, kam das ganze Lager Eltt-vmis in die kritische Lage, weil eS von der Höhe, wo M halben, beschossen werden konnte Was den Eng- liiiwbc tu diesen Verlust noch fühlbarer macht, ist dick! Thmsache, daß gleichzeitig De Wet entkommen ist. Lor) Kitchener berichtet aus Pretoria vom 14. Dezember «dtneral Knox trieb De Wet nordwärts nach TyabMchu und Ladybrand, der Linie, die von den britischen besetzt war. De Wels Streitmacht, etwa 3000 UJ“ stark, machte im Laufe des TageS verschiedene Ver- ,
Dienstag den 18 Dezember 150. Jahrgang LSOO
I suche, mit Hilfe einer von Norden her operierenden Buren- I macht die Linie zu durchbrechen. Diese Angriffe wurden I abgeschlagen, obwohl es einigen Buren gelang, vom Süden I her durch die Linie zu kommen. In einer späteren De- I vesche meldet Lord Kitchener weiter: „Beim Passieren der I britischen Linie in der Nähe von Thabanchu erlitt De Wet I beträchtliche Verluste. Die Briten erbeuteten einen Fünf- I zehnpfünder, den die Buren ihnen bei De WetS Dorps I genommen hatten, und mehrere Munitionswagen. Sie I nahmen 22 Mann gefangen. Einem Teil der feindlichen I Truppen gelang es nicht, nach Norden durchzukommen."
De Wet hat also schließlich doch, wenn auch unter Zurücklassung eines Teils seiner Leute, eines bei De Wets Dorp erbeuteten Geschützes und mehrerer Munitionswagen, die englische Linie zwischen Thabanchu und Ladybrand durchbrochen und sich mit den Burenkorps vereinigt, die bei Fouriesburg und Ficksburg ihr Zentrum haben, und deren Unterstützung ihm gewiß von großem Nutzen gewesen ist. Die Taktik, die ihm auch hier wieder geholfen hat, ist die der Auflösung seiner Truppen in kleine Abteilungen.
Wie die südafrikanische Presse mitteilt, hat der englis che ^General Bruce Hamilton in Ventersburg (Oranje- Freistaat) folgende Bekanntmachung erlassen: Die Stadt VenterSburg ist zum größten Teile niedergebrannt und aller Lebensmittel entblößt worden als Strafe für die wiederholten Angriffe, die Burenhaufen auf die Eisenbahn in der Nachbarschaft gemacht haben. Die im Orte zurückgelassenen Weiber und Kinder der Buren mögen sich an Letztere um Nahrungsmittel wenden, falls sie nicht Hungers sterben wollen, denn von der Bahn aus werden keine Nahrungsmittel hingesandt werden!
Zu der bevorstehenden Einwanderung von Kapland- Buren, die in den beiden Republiken gekämpft haben, nach Deutsch - Südweftafrika wird von bestunterrichteter Seite mitgeteilt, daß die vorhergehenden Verhandlungen mit der deutschen Regierung zu einem für die Buren befriedigenden Abschluß gelangt sind. Darnach ist ihnen der gewünschte Ankauf von Land in Groß-Namaqua- und Damara Land gewährleistet worden. 50 Kap-Kolonisten, die zurzeit in Amsterdam mit ihren Familien weilen, haben von dem deutschen Kolonialamt ein Schreiben erhalten, in dem die gegenseitige Uebereinkunft festgelegt worden ist. Gleichzeitig find auch die für die Uebersiedelung benötigten Papiere übersandt worden, sodaß die Abreise in die neue Heimat am 5. Januar erfolgen kann.
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Telegramme des Gießener Anzeigers.
Limerick, 17. Dezember. Entgegen der Opposition des Bürgermeisters ernannten die Gemeindebehörden einstimmig den Präsidenten Krüger zum Ehrenbürger der Stadt. Die letzten Nachrichten aus der Provinz beweisen, daß die anti-englische und burenfreundliche Bewegung überall in Irland bedeutend zunimmt.
Loudon, 17. Dezember. Wie aus zuverlässiger Quelle | verlautet, wird Lord Roberts bei seinem beabsichtigtem 24stündigen Abstecher nach St. Helena, um sich von den dortigen Verhältnissen zu überzeugen, auch eine Rücksprache mit General Cronje haben.
Deutsches Reich.
Berlin, 16. Dezember. Wie aus Saupark b. Springe gemeldet wird, begab sich der Kaiser vorgestern vormittag mit den Jagdgästen in das Revier Gersiek, wo bei günstigem Wetter ein eingestelltes Jagen auf Sauen stattfand. Nachdem im Jagdzelt ein Frühstück eingenommen worden war, wurde in Hollerbruch ein zweites Treiben auf Sauen und Damwild abgehalten. Um 61/* Uhr erfolgte die Abreise des Kaisers nach Potsdam.
— Ueber die Einführung eines Jnterims-Feld- marschallstabs hat der Kaiser unter dem 26. Oktober 1900, am 100. Geburtstag Moltke's, eine Kabinetsordre erlaffen, die bestimmt, daß alle Generalfeldmarschälle „neben dem großen Feldmarschallstab einen Interims-Feldmarschall- stab (Reitstock) führen." Die Kabinetsordre lautet:
1
" > ' —"?*v ijuit. Ober
bürgermeister Kirschner, umgeben von Vertretern des Magistrats und der Stadtverordneten erwartete am Branden- burgerthor den Zug, um im Namen der Stadt die Heimgekehrten willkommen zu heißen. Da dieser Punkt des Festprogramms sich bereits um 2 Uhr abspielte und die Begrüßung vor dem Zeughause erst auf 3 Uhr festgesetzt war, zudem daö Kaiserpaar, der Kronprinz und die andern Prinzen von Potsdam noch nicht in Berlin eingetroffen waren, blieb der Zug bis nach Auffahrt der Allerhöchsten Herrschaften vor dem Brandenburgerthor aufgestellt. Um dreivierteldrei Uhr setzte sich der Zug wieder in Bewegung. Am Opernplatz bildeten die hiesigen Marine- und Krieger- Vereine Spalier. Auf dem ganzen Wege, den die Zurückgekehrten passierten, tönten ihnen laute Hochrufe entgegen
D-.r Feldmarschallstab wird geführt: 1. bei Paraden, auch beim Vorführen emes Regiments als Chef, sofern nicht der Degen gezogen wird; 2. bei R^krutenvereidigungen; 3. bei Trauerfeierlichkeiten mit militärischen Ehrenbezeugungen; 4. bei den Mir und Ihren Majestäten den Kaiserinnen und Königinnen, sowie den auswärtigen Herrschern zu erweisenden militärischen Ehrenbezeugungen auf Reisen, sofern großer Empfang befohlen ist; 5. bei Denlmalseinweihungen von weil regierenden Herrschern; 6. bei Reichstags- und Landtags^ Eröffnungen oder deren Schluß, bet Kirchen Einweihungen sowie ähnlichem
— Aus Anlaß der heute Nachmittag 1/x2 Uhr auf dem Lehrter Bahnhofe erfolgten Ankunft der abgelösten China- Kämpfer hatte sich eine zahlreiche Menschenmenge eingefunden. Die militärischen Gebäude und eine Anzahl öffentliche und Privatgebäude hatten geflaggt. Pünklich i/z2 Uhr lief der Zug von Wilhelmshaven auf dem Bahnhof ein, erwartet vom Gouverneur von Berlin und einer Kompagnie des 2. Garde-Regiments zu Fuß mit Spielleuten, Regimentsmusik und Fahne. Nach Vorstellung und Begrüßung formierten sich die China-Krieger, um zum Branden- burger Thor zu marschiren. Den Zug eröffnete die Marine- Kapelle, der vier Kompagnien Marine-Soldaten, in deren Reihen die auf den Taku-Forts erbeutete chinesische Fahne und die beim Sturm auf diese Forts geführte Reichs- KriegSflagge getragen wurden, folgten. Tann kamen die er ’ ■ .x । von den deutschen Mannschaften auf den Taku-FortS er-
zosischen Vorschläge. Ferner unterzeichneten alle Mächte beuteten Geschütze, deren Bespannung das 1 Garde ^eld-
°.n Instrument, worrn he hd> verüm»teten «„*. Anilltne Regiment gestellt hatte Hinter diesen folqtkÄe
1 Begleit-Kompagnie mit Musik. Als der Zug am Branden-
Grosse Frankfi
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Berlin, 17. Dezember. Tas Reichsmarme-Amt imnbc nach Mitternacht von Personen, die Angehörige a<»s dem Schiffe haben, aufgesucht. Ter Staatssekretär wc ^ich'itz begab sich) heute vormittag zum Kaiser, um *öictid)t zu erstatten. — Tas Schiff befand sich! auf der Mhkdc bei Malaga, um Schfeßversuche vorzunehmen, als esv Mlich, von einem gewaltigen, in solcher Heftigkeit fejCIen dagewesenen Sturm überrascht wurde. Es towbeii vergeblich Versuche gemacht, das Feuer der Tampf- keksstl ainzuzünden. Tie Anker rissen sick) los und das SZ^iss wurde auf einen Felsen geworfen, wo es Kttrschellte. Schließlich ragte nur noch der Mast her- nnH. Als alles verloren war, stürzte sich die Mannschaft ins Meer und versuchte sichi -durch Fest- äiiiflhii an Brettern und Rettungsgürteln zu retten, allein vianbr eiter Blut st reifen zeigte bald, daß viele der Uglücklichen ,an den Felsen zerschmettert wurden. Die BÄlcrden thaten ihr möglickfftes. Es wurden Rettungs- bcwfcr abgesandt. Der Bürgermeister stellte das .Rat- hc^ius für die Geretteten zur Verfügung. Mannschaften vrch Roten Kreuz schafften zahlreiche Verwundete ins S.Wl. Auch die Mitglieder der deutschen Kolonie bete iiEigten sich am Rettungswerk. Eine riesige Menschen- MMße wohnte auf der Moole dem traurigen Schauspiele be>i_ Tas Boot, in das sich der Kapitän Kr e tz s ch m a n n m tilt mehreren Offizieren gerettet hatte, schlug um, und bi ft f affen ertranken. Die Königin-Regentin und
ein Instrument, worin sie sichj verpflichteten, bei Durchs
b1ln9uiib ®inerfeinCibKänb(u^en $ina "u I der Zug am!
pflegen, bis die Bedingungen der Kollektivnote anaeiwrn- I ^rgerthor angelangt war, machte-das Ganze halt, men find ö ■ hiimprniPifTPr m.......
ein Bote gesucht jsf k'mmg des Gletzenal hort
06s ZvttgtS -«u ht. edtc
D«s deutsche Schulschiff „Gueiseuau" ’ gekentert.
HLUte früh erhielten wir folgendes Telegramm:
Madrid, 17. Dezember. (Tel. des G. A.). Nach einer iÄdbuig der „Agenzia Fabra" strandete das deutsche Schul- >vtziff „Gneisenau" in der Bucht von Malaga. Das Schiff Wtrtf. Angeblich ertrunken 40 Personen. (Nach Er- kiludigragen au amtlicher deutscher Stelle bestätigt fich die Mnchricht von der Strandung des Schiffes.)
Im Laufe des Vormittags liefen dann noch folgende Lieschen und telephonische Meldungen ein:
Madrid, 17. Dezember. (Fabra-Meldung ) DieStrandung d«^„Gneisenau" erso!gte Sonntagvormittag. Infolge plötz lichm Sturms befahl der Kommandant schleunigst „Dampf u i stachen", die Sturmesgewalt riß die Ankerkette los und amldos strandete „Gneisenau" am Hafeneingang. Das Schiss fank bis zur Mitte des Mastwerks. Die Mannschaft spmng in die Fluten. Trotz heldenmütigen Rettungswerks eiLnnkea etwa 100 Mann, darunter Kapitän Kretzschmann. TiLe Ächörden brachten die Geretteten im Rathause und im Wchitul unter.
r»i . - . o ---.-Jen dem deutschen Botschafter in JdHriö ihr tiefstes Beileid über das furchtbare Unglück owÄ Es sollen im ganzen 40 Mann umgekommen sein, uiM. diesen befinden fick; auch spanische Seeleute, die siich bei den Rettungswerken beteiligten.
! ij 2er Kommandeur des Gießener Bezirkskommandos, O!üeptleutuant De t ring, dessen Sohn sick) an Bord t.Gneisenau" befand, erhielt heute früh folgende er- rul'cke telegraphische Meldung: „B e i Strandung '2 „Gneisena u" gerette t".
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