Ausgabe 
18.11.1900 Drittes Blatt
 
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sorgfältigen Auswahl der Pflegeeltern und einer fort­laufenden sorgsamen Ueberwachung der Pflegekinder, an­gesichts der wachsenden Bereitwilligkeit der staatlichen Behörden, die Hilfe der Kirche und ihrer Organe der dieser Aufgabe anzunehmen, wo sie in zweckentsprechen­der Weise angeboten wird, für dringend geboten, uver das ganze Land hin Crziehungsvereine zu gründen, me »us Zweckmäßigkeitsgründen dekanatlich gegliedert, doch in einen Verband zusammengeschlossen und^ einander aushelfend, diese zum Heil der gefährdeten Seelen und zur Förderung des Wohls der bürgerlichen Gesellschaft unentbehrliche Arbeit leisten."

Hierauf begrüßte der Sekretär des Landesausschusses, Pfarrer W a l d e ck - Darmstadt die Versammlung. Nach ihm sprach der Chefarzt des Elisabethenstiftes in Darm­stadt, Tr. Coll atz, überStand und Aufgaben der Alkoholfrage". Deutschland komme in Be^ug aus den Alkoholverbrauch ztvar erst an siebenter Stelle, immerhin entfalle auf den Kopf der Bevölkerung 125 Liter Bier, 7 Mer Wein und 9 Liter Branntwein, gleich über 50 Mk. im Jahre, 3 Milliarden würden bei uns im Jahre für alkoholhaltige Getränke ausgegebcn. Ter Kampf gegen» den Alkohol müsse auf der ganzen Linie ausgenommen wer­den. Es sei eine Geselligkeit ohne Alkohol zu ermöglick)en. Herr E. Just-Hildesheim forderte zum Zusammenschluß auf. In der Diskussion wurde der Wunsch geäußert, daß auch die Studentenschaft sich aufrasfen möge. ^iMrt Schlüsse fand folgende Resolution einstimmige Annahme:

Dtte Versammlung, tief bewegt durch die erschüt­ternden Thatsachen der körperlichen, sittlichen und geistigen Verwüstungen, welche der Alkoholgenuß und zwar nicht nur der jetzt schon als übermäßig anerkannte, sondern jeder zum unwiderstehlichen Hang gewordene, in unserm Volk anrichtet, wie die Herren Referenten sie in ihren Vorträgen vorgeführt haben, erklärt es für eine Gewissenspflicht aller ernsten Christen aller Stände und Berufsarten gegen diesen furchtbaren Feind der Seelen, des Familienlebens und der Volkswohlfahrt mit allen Kräften, mit Wort und Schrift, vor allem mit dem eigenen Beispiel nüchternen und mäßigen Wandels, und wenn es notthut, sogar völliger Abstinenz anzukämpsen. tote* empfiehl^ dringend neben der persönlichen liebe­vollen Fürsorge für die einzelnen Trinker Zusammen­schluß aller, die sich dieser Pflicht bewußt sind, in Lokal- und Bezirksvereinen des deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke zu gemeinsamer Arbeit und dem nötigen Aufklärungsdienst. Sie regt zur Förderung aller vorbeugenden Maßregeln, namentlich zur Gründung alkoholfreier Wirtschaften und, wo es . notthut, von Kaffee- und Wärmehallen und zum Zweck der Heilung der Trinker die Gründung eines Trinkerasyls für Hessen und Hessen-Nassau sowie von Enthaltsam- keitsvereinen zur Bewahrung der geheilt Zurückkehren­den an. Sie fordert gesetzgeberische Maßregeln gegen Trunksucht und die sie fördernden Auswüchse des Wirts­hauslebens, und unterstützt die dahingehende Petition des Bundes deutscher Gastwirte an den Bundesrat, so­weit sie diesem Zwecke dient."

ks wurden dann noch die nötigen Schritte zur Gründ­ung eines Verbandes, wie ihn ttc Resolution fordert, gethan. Mit einem gemeinsamen Mittagessen schloß das in allen Teilen wohlgelungene Fest.

Aus Stadt und Land.

Siege», 17. November 1900.

* Der historische Verein für das Großherzogtum Hessen hält seine 1. Monats-Versammlung am Montag, 19. November, abends 6y2 Uhr, im Hause der Vereinigten Gesellschaft zu Darmstadt mit folgender Tagesordnung ab: Vortrag des Gymnasialdirektors Prof. Dr. Schaedel- Gießen: ,,Haltlose loci communes der deutschen Popular-GeschichtSschreibung.-

Bilbel, 14. November. Der Besitzer des Sprudels, Herr Brod, hat die hiesige Burgruine nebst dazu ge­hörigem Gelände für den Preis von 23 000 Mk. von dem bisherigen Eigentümer, Herrn Dr. Maley, käuflich erworben. Man nimmt an, daß ein Badehaus oder Kurhaus auf dem gekauften Grundstücke errichtet werden soll. Die Entfern­ung zum Sprudel ist keine sehr große, doch entspringt der­selbe im Hauptteil von Vilbel (früher hanauischer Anteil), der am linken Ufer der Nidda liegt, während die Burg nahe der Brücke im sogenanntenSachsenhausen", d. i. dem Teile von Vilbel rechts der Nidda (früher kurmainzisch), gelegen ist. Die Zuleitung des Sprudelwassers müßte da­her, wie man derDarmst. Ztg." schreibt, über oder unter der Nidda erfolgen.

Darmstadt, 15. November. Zwei Raubanfälle, Mc am vorigen Sonntag zwischen 2 und 3 Uhr nachmit- i igs im Walde zwischen Rodau und Rohrbach mit größter orechheit verübt wurden, haben in der dortigen Gegend große Aufregung hervorgerufen. Erfreulicherweise sind die energisch angestellten Ermittelungen nach den nur ihrem Signalement nach bekannten beiden Thätern von raschem Erfolg begleitet gewesen, indem namentlich durch die Be­mühungen des hierzu beauftragten Kriminalbeamten gestern die Feststellung der betreffenden Persönlichkeiten und ihre Üeberführung gelang. Die beiden, der 20jährige Schuh­macher Jakob Horn von Niedernhausen und der 20jährige Bildhauer Karl Hufnagel von Michelbach in Württem­berg wurden in Frankfurt a. M. verhaftet, und es fanden sich einige der geraubten Gegenstände noch in ihrem Besitz vor. Die beiden sind mehrfach vorbestraft und ge­hören zur berüchtigten Klasse der Frankfurter Zuhälter. Hufnagel hat bereits ein Geständnis abgelegt, während Horn, trotzdem sich ein Messer, sowie die Uhr des einen Beraubten noch bei ihm vorfand, hartnäckig leugnet. Sie befinden sich in Untersuchungshaft hier und werden am nächsten Schwurgericht der Provinz Starkenburg zur Ab­urteilung kommen. Die Raubanfälle folgten fast unmittelbar hintereinander. Zuerst gingen die Thäter von Rodau aus

einem jungen Burschen nach, gesellten sich unterwegs zu ihm und nahmen ihm an einer einsamen Stelle des Wegs mit Gewalt den kleinen vorhandenen Geldbetrag von Mk. 1.60 ab. Sie kehrten alsdann um und beraubten einen andere» jungen Menschen auf dem gleichen Weg. Dieser setzte sich zwar zur Wehre, wurde jedoch zu Boden geworfen, am Hilferufen gehindert und mit seinem eigenen Messer be­droht, bis er seine Uhr und 28 Mk. Barschaft auslieferte. Hierauf wohnten die frechen Thäter noch der Kirchweih in Groß Bieberau bei, verjubelten einen Teil ihres Raubes und begaben sich nach Frankfurt zurück, von wo sie am Samstag eingetroffen waren. (Darmst. Ztg.)

Kastel, 15. November. Zu dem gestern schon gemeldete» Eisenbahnunglück wird uns noch von einem Augen­zeugen berichtet: Ein Güterzug, von Hannover kommend, war auf dem Bahnhof Elze gegen 10 Uhr abends einge­fahren, die Maschine des Zuges abgekoppelt und mit Ran­gieren beschäftigt, während von Göttingen, also aus ent­gegengesetzter Richtung, ein Kasseler Güterzug einlief, ohne daß das Einfahrtssignal gegeben ward. Drr Lokomotiv­führer des Kasseler Zuges konnte bei dem fallenden Niveau und der Schwere des Zuges (150 Achsen), da die Not­bremsen versagten, diesen nicht mehr zum Stehen bringen und fuhr mit voller Kraft auf die mit Rangieren beschäftigte Maschine und drei Wagen, wrbei die letztere ca. 30 Meter weit zurückgeworfen wurde. Der Lokomotivführer und Heizer der Rangiermaschine sind, als sie sahen, daß der Unfall unvermeidlich war, rechtzeitig abgesprungen und mit dem Schrecken davongekommen. Der Zugführer des Kaffeler Güterzuges ist durch den Zusammenstoß von dem Trittbrett seines Wagens in den Kies geschleudert, wo er besinnungs­los aufgefunden wurde, sich aber bald erholte und in dem Bohn'schen Hotel die erste ärztliche Hilfe empfing. Trotz­dem, daß schon um 1 Uhr nachts ein Hilfszug aus Lem- hausen eintraf und die Nacht unermüdlich gearbeitet wurde, ist die Strecke heute abend noch nicht ganz frei, denn über fieben Wagen find vollständig zertrümmert und die Ladung der anderen Wagen teilweise auf dem Bahnkörper zerstreut. Der Materialschaden ist bedeutend. Vom Begleitpersonal erlitten zwei Personen leichte Verletzungen.

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Sonntagsverein für Mädchen.

Die Vereinigung der jungen Mädchen am Sonntag soll für das Winterhalbjahr am nächsten Sonntag den 18. November wieder ihren Anfang nehmen.

Vereinigung findet statt an jedem Sonntag zwischen 2 und 7 Uhr nachmittags im Saale der Kleiukiuderschule; die Mädchen können zu ieder Zeit kommen und gehen. Von 4 bis 5 Uhr findet ge­meinsame Unterhaltung statt mit Gesang, Ansprache, Vorträgen.

Vorhalten?' Anhaltende Bücher und Spiele sind in großer Zahl

Eröffnungsfeier am Tonntag dem 18. November er., nachmittags 4 Uhr.

Wi» die Mädchen zu zahlreicher Beteiligung ein, und bitten Eltern, Herrschaften und Geschästembab-r. ihr- Mädchen auf den Sonntag-, verein Hinweisen und denselben die Teilnahme gestatten iu wollen

Gießen, den 12. November 1000. 7379

Für den Vorstand: _____ Pr- Naumann. Pfarcer.

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