13 freiwillige Feuerwehren, nämlich in Annerod, Birklar, Gießen (2), Großen - Linden, Grünberg, Heuchelheim, Hungen, Klein-Linden, Lang-GönS, Lich, Lollar, Rieder- Bessingen. In den JnfpektionSbezirk sind eingereiht worden die Gutsbezirke Arnsburg, Schiffenberg und Winnerod mit zusammen 5 Spritzen. Infolge der gesetzlichen Vorschrift, daß für jeden Spritzen-AuSguß mindestens 50 Meter Schlauch vorhanden sein müssen, hat sich das Schlauchmaterial bedeutend vermehrt. — In dem nun folgenden Vortrag über Scheunenbrände führte KreiSfeuerwchrinspektor Loos u. a. aus, daß es in der Regel nur dann gelingen könne, das Feuer zu löschen, wenn es noch klein, bezw. im Entstehen begriffen sei. Bei jedem Scheunenbrande müsse man aber versuchen, die etwa in der Scheune stehenden Maschinen zu retten, überhaupt solle man darauf bedacht sein, soweit dies noch möglich, die Scheunen gänzlich zn räumen. Hat das Feuer schon weit um sich gegriffen, so sind Balken, Bretter und Dachsparren zuerst zu löschen, das brennende Heu usw. vom Rohrführer zu überstrahlen, damit das äußere Feuer gelöscht wird; das stärkste Spritzen aus einen brennenden Stoß Heu ober Stroh nütze nichts, da die innen brennenden Stellen nicht getroffen werden. Sein Hauptaugenmerk habe der Kommandant der Feuerwehr aus etwa bedrohte Nachbargebäude zu lenken, wenn bei Eintreffen der Feuerwehr die Scheune bereits in hellen Flammen steht, umsomehr, da ein Scheunenbrand in der Regel starkes Flugfeuer verursacht; ein Versuch zur Dämpfung eines großen Scheunen- brandeS soll erst dann unternommen werden, wenn eine größere Anzahl von Spritzen und Ueberfluß an Wasser vorhanden ist, ober wenn es zur Verhütung weiterer Bränbe unbebingt nötig ist, z. B. bei Sturm; erster Grundsatz des Löschens solle immer sein, daS Feuer am Weüerumsich- greisen zu hindern. Ein Uebergreifen des Feuers auf Nachbargebäude könne auch dadurch verhindert werden, daß zwischenliegende Holzbauten, Schutzdächer usw. niebergeriffen werden. Nach jedem Brandfall ist es rötlich, daß der Kommandant mit seinen Führern am nächsten Tage die Brandstelle besichtigt, und alle- mit ihnen bespricht; werden die dabei gemachten Erfahrungen ausgetauscht, so werde der Feuerwehr das nächste mal diese Erfahrung von großem Nutzen sein. — Provinzialvertreter Feller-Lollar sprach hierauf über Wasserversorgung zu Feuerlöschzwecken in Landgemeinden. Der Redner sprach sich dafür auS, daß in Gemeinden, die eine Wasserleitung nicht besitzen, sogen. Brandweiher angelegt werden müßten, in die entweder das aus starken Regengüssen herrührende Wasser zu leiten sei, ober es sollten, wo eS trgenb möglich, Zuleitungen aus benachbarten Bächen unb Flüssen angelegt werden. Herr Feller gab in einem weiteren Bortrage wertvolle Fingerzeige über die Behandlung der Schläuche. — Besondere Anträge standen nicht zur Beratung, dagegen fand eine kurze Besprechung über verschiedene, daS Löschwesen betreffende Gegenstände statt. KreiSfeuerwehrinspektor Loos zeigte unter Hinweis auf daS öfter vorkommende Abspringen der Schläuche von den Gewinden eine Schlauch klammer vor, durch die die Verbindung zwischen Schlauch und Gewinde rasch wieder hergestellt werden kann. — Zum Kreisfeuerwehrtage in Grünberg ist nachzutragen, daß sich an die dort gehaltenen Vorträge eine rege Besprechung an- schloß. Die gestellten Anfragen über die Stellung von Brandwachen und Vergütung hierfür, über Handhabung der Ordnung bei Hebungen und Bränden wurden vom Vorsitzenden beantwortet.
Darmstadt, 16. Oktober. Der Großherzog empfing gestern auf Jagdschloß WolfSgartcn den Staatssekretär des Reichspostamts v. PodbielSki. Der Staatssekretär wurde danach zur Frühstückstafel gezogen.
Z«m Konitzcr Mord.
Könitz, 16. Oktober.
Kaum haben sich die Wogen, die der vor acht Tagen stattgefundene Meineidsprozeß wider den Prüparandcn Speisiger hervorgerufen hatte, einigermaßen geglättet, so beginnt schon rottber ein neuer Prozeß bie Einwohnerschaft von Könitz in Aufregung zu setzen. Es hanbelt sich bieSmal um ein gerichtliches Nachspiel zu ben tumuttuarischen Vor gängen vom 10. Juni b. I. ES war an einem Sonntage. Der Zustrom aus ben umliegenden Dörfern nach der Stadt war ein großer, da der Johannismarkt, der einige Tage vorher stattfinden sollte, auS sicherheitspolizeilichen Gründen verboten worben war. Es hatten nämlich schon einige Zeit vorher, aus Anlaß bes bekannten GymnasiastenmorbeS, tumultuarische Vorgänge stattgefunden, bie baS Herbeirufen militärischer Hilfe notwendig machten.
An jenem Sonntag, etwa um die Mittagszeit, wurde von dem Polizeikornmiffar Bloch ein Arbeiter namens Knebel verhaftet. Die aufgeregte Volksmenge glaubte, es handele sich um die Festnahme des Stadtverordneten und Fleischer- meisterS Hoffmann, der bekanntlich auch im Verdacht stand, den Gymnasiasten Winter getötet zu haben. Die Volks- Menge drang auf bie Polizisten unb Genbarmen ein, bc- brohte biefelben mit Knütteln, unb warf sie mit Steinen, sobaß bie Beamten zu flüchten genötigt waren. Der Berliner Kriminalkommissar Wehn ertappte einen Burschen dabei, als er mit Steinen nach einem Fenster warf. Wehn nahm den Burschen fest. In demselben Augenblick wurde jedoch Wehn von der wütenden Menge geschlagen und zu Boden geworfen, sodaß er den Burschen wieder loSlassen mußte. Auf dem Markte und ben umliegenben Straßen würben unter Hepp Hepp Rufen bie Läden und Häuser der Israeliten demoliert. Faustgroße Steine wurden in bie Schaufenster geworfen, ein bebrütender Schaben würbe angerichtet. Eine große Volksmenge zog nach ber dicht neben dem Mönchfee belegenen Synagoge.
Die Menge bombardierte zunächst unter Hepp Hepp- Geschrei bie Synagoge mit Steinwürfen, sodaß alle Fenster zerbrachen. Alsdann drang die Menge in das Gotteshaus. Hier würbe der Kronleuchter zertrümmert, Teppiche unb Decken zerrissen, baS Innere des Gotteshauses beschmutzt, Stühle und Bänke zerbrochen. Lanbrat v. Zeblitz, ber hier sehr beliebt ist, machte alle Anstrengungen, um bie Menge zu beruhigen, er wurde jedoch nur ausgelacht. Noch schlimmer erging eö dem Bürgermeister DeditiuS. Dieser wurde, als er aus die Straße eilte, um Ruhe unb Drbnung toteber herzustellen, derartig verhöhnt unb beleidigt, daß er sich genötigt sah, vor bet Volkswut zu flüchten.
Da alles nichts fruchtete, so telegraphierte der Lanbrat nach Grandenz um militärische Hilfe. Noch abenbS rückte eine Kompagnie des 14. Infanterie- Regiments ans Graubenz in Könitz ein, bie mit aufgepflanztem Seitengewehr bie Straßen besetzte. Trotzdem bildeten sich noch immer Gruppen erregter Menschen in ben schmalen Gassen. Jn- folgebeffen rückte baS Militär mit gefälltem Bajonett vor. CS würbe alles zu Boben gerannt, viele Personen, auch viele Unschuldige, wurden durch Bajonettstiche verwundet.
Am folgenden Morgen trafen noch drei Kompagniccn des 14. Infanterieregiments aus Grandenz ein; seitdem herrscht vollständige Ruhe. Es gelang, einige Exzedenten, und zwar die Arbeiter Pech, Ullrich und Zaindl, den Schuhmacher Warmser, den Müllergesellen RogalSki, den Schlossergesellen Wilhelm TierschewSki und ben Gymnasiasten v. Sarnowski zu verhaften. Diese haben sich nun am Mittwoch vor dem Schwurgericht des hiesigen König!. Landgerichts wegen Aufruhrs bez. Landfriebensbrnchs auf Erund ber §§ 113, 114, 115 und 125 beS Strafgesetzbuchs zu verantworten.
Die Staatsanwaltschaft hat von einem Revisionsantrage im Speisiger-Prvzeß Abstanb genommen. Moritz Levy hat in der Person bes Rechtsanwalts Maschkc einen Verteibiger erhalten. Zu bem am 24. Oktober beginnenben letzten MeineidSprozeß gegen ben (HaSanstaltSai beiter Maßlow unb besten Schwiegermutter Frau Roß sind 23 Zeugen geladen.
Vermischtes.
* W a S ei n e r a n ft ä n b i g e n F r au passiere n fann! Zu diesem Kapitel unseres Großstadttebens erfährt das „Kl. Journ." aus Berlin folgende Geschichte: Die jungverheiratete Gattin eines bekannten Bankiers passierte neulich um 7 Uhr abends die Jägerstrasie, als ihr in der Rühe der Marlgrafenstraste plötzlich eine vor nehm atlüfehcnde alte Dame in den Weg trat und sie lebhaft uub herzlich begrüßte. Die junge Frau glaubte, in Anbetracht der zudringlichen Vertraulichkeit, eine Bekannte vor sich zu sehen, aber ihr Phhsiognomiegedächt- nis ließ sie vollkommen im Stich, sie hatte die würdige Dame mit dem schneeweißen Haar noch nie gesehen. Als sie ihr Befremden äußerte, daß ihr eine Fremde mit solcher Herzlichkeit entgegenkolnme, machte die Alte ein paar nichts sagende Redensarten und forderte schließlich die junge Frau mit biirren Worten auf, ihr nach ihrer in der Nahe befindlichen Wohnung zn folgen, luo eine Auswahl eleganter, vornehmer Kavaliere „auf fo reizende Frauen mit Sehnsucht warte". Die imige Frau konute zuerst vor Schreck kein Wort hervorbriugeu, als sie aber bann ihrer Empörung über bie schmutzige Zumutung Ansbrnck verlieh, begann die Fremde Lärm zu schlagen, sobaß sich in wenigen Augenblicken eine gaffende Zllschauermenge um die geängstigte Fran und ihren Quälgeist sammelte. Und jetzt nannte die Alte bie jnnge Frau mit den unflätigsten Schimpfworten, behauptete, von der „unverschämten, frechen Dirne" in ber nnanstänbigsten Weise belästigt zu sein, unb hielt biese Behauptung mit ber unverschämtesten Frechheit aufrecht. Erst durch! bas Einschreiten einiger Herren, die ben Vorgang beobachtet hatten und als Kenner den „grauen haaren" doch nicht so recht trauten, wurde eS ber jungen Frau ermöglicht, sich ber peinlichen Situation durch die Flucht zu entziehen. Leiber würbe babnrch bie Feststellung ber „alten Dame" unmöglich, deren Wohnung mit der interessanten Sammlung von zahlungsfähigen Ka Volieren ein geeignetes Operationsfeld für die Sitten Polizei bieten Dürfte.
SchWlBkld.WkM .13.80 unb höher — 12 Meter I — porto» und zollfrei zugesandt! Muster umgehend; ebenso von schwarzer, weißer und farbiger „Henneberg Seide" von 85 Psg. bis 18.65 p. Meter. 6496
G. Henneberg, »n-FaW (k. y. k. Holl.) Zürich.
Q
'M
□
11
Niederlage: Emäß Piston Macht
Lich, den 15. Oktober 1900.
6829
Oygiania
Vorrätig in den Apotheken und Drogerien.
Beliebteste Dauert) randheizuruj.
Solid. sparsam, bequem.
flesunde Zlmmrrlgn. moderne formen.
mH Sicberbtiß-Kegulaior
F. Bischof!,
Hroßyerzogticher Her»Meter 1. «Zltasse.
Q Beehre mich hierdurch, bekannt zu geben, daß ich nach Beendigung O meiner einjährigen Militärdienftzeit meine Praxis als
8 Geometer !♦ Masse
g in Lieh wieder ausgenommen habe.
O dürearr befindet sich wie früher im Gasthof zum Löwe»,
Q wohin Bestellungen zu richien sind.
für 8854
Frauen und Mütter besonders geeignet zum tägliohen Genug», namentlich bei SchwUobezuHtilndon aller Art.
Preis Mk. 1.60 und Mk. 2.50.
Zur.tzcrbstdüngung
empfahlen 6237
Peru - Ouano (Füllhornmarke) ju 8,50 Mk. pro Scntner, bei Abnahme von 10 (Str. und mehr billiger. A. Kröll Söhne, 8ießen, Aclttt»wrz.
n" reiche Auswahl lecker Preislage.
Qurcb
Epoclieaacitemte PaUate verbesserte Systeme,
EseshtirvD Nacbabukun^en, daher auodrtickHcb
\Rlessner-Oefcn
Weiße und Greme-Worhänae
in großer Auswahl, abgepatzt und am Glück.
Gcoßer Posten Vorhänge von 3 Mk. an per Fenster zum Ausverkauf.
Vorhänge in Wolle, Seide und gestickt.
Th. Brück, SchloßMe 16.
üüoaflnaxiaaoüoooaioiannii e rjuaaonnnnnnn
Heilanstalt „Hygiea“
vormals Oskar £>oepfner eni«
Wrafje 8. ©iefteu Wtteflrafce 8
Maff-se, -hkilgymogstik, «yrthopadik, fflehtrolljfrnpit, fiobroeltlitrifttie ßifotr «tfohrddjt Üefjnnöluug oon llijrainatigmus, «ich,, Mgiir!- unb Gklrnki trmkhkitkll, vkrdliUWgsbklchmrdkn, Kigriiiik, Klutarmut, Klkichsiich, elr Behandlung auch außer dem Hause. — Aür Iameu auf Mnvsch w,t05. Aettandka
— Aeußerst mäßige Preise. — Sprechstunden von 9—12 und 2—4 Uhr ‘ Hochachtungsvoll Victor May.
Städtischer Arbeitsnachweis Gießen
tttartenftedk 9L
Angebot der Arbeitnehmer: 1 Lackierer, 1 Tapezierer, 1 Heizer, 2 Bauschreiner, 1 Schneider, 1 Taglöhner, 1 Büreaudiener, 1 Aufseher, 1 Mechanikerlehrling.
Nachfrage der Arbeitgeber r 1 Drechsler, 1 Schuhmacher, 2 Bauschreiner, 2 HauSburschen, 1 Pferdeknecht, 1 Dienstmädchen, 2 Laufmädchen.
onra mnoogocmca 00 oaaDorxiQcaocT^aai'
Trarvacher
Tmbkii-MB empfiehlt per Glaö oder in Flaschen Carl Schwaab ___________Hostieferant._______6822 Siiütn Tmbkirnio- empfiehlt [6265
& Schott, Naynyofstraße.
Alle
Sorten See- nnb Kahnfische:
Schellfische, Ftavekiau, Seezungen, Zander, hechte, AYethfische, Marven usw. 6R6O
in stets frischer, sowie in lebender Ware. Bestellungen zu GesellschastSeficn usw. werden prompt auögeführt.
__Martin Gtmon, Asterweg 1.
Zwiebeln
Prima Wintorware 50 kg mit Sack ab Friedberg mir
Drei Mark 50 Pfennige versendet gegen Nachnahme
Jacob Ntern Simon, Friedberg (Hessen).
Knoblauch billigst._____________6605
Heute frische Schellfische, »abliau, Aander, «choUen, Atlnß- hechte, lebende Karpfen, Schleis und Aale etnaetroffen. 850
Prompter Versandt nach auöwärtS.
I ». Schulhof,
Kolonialwaren- und Dclikatefiengeschäst.


