Dienstag den 18 September 150. Jahrgang LNOG
Erstes Blatt
Nr. 218
Wchmer Anzeiger
Keneral-Anzeiger
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Bekanntmachung.
Die Inspektion der Infanterie)chulen hat für die diesjährige Herbsteinstellung noch einen erheblichen Bedarf an Unteroffizierschülern und Unterofftziervorschülern.
Junge Leute, welche in eine Unteroffizierschule, bezw. -Vorschule ausgenommen zu werden wünschen, wollen sich alsbald bei dem Bezirks-Kommando in Gießen, Selters- weg 55, persönlich melden.
Bei der Anmeldung zu einer Unterosfiziervorschule hat der gesetzliche Vertreter des sich Meldenden (Vater, Mutter oder Vormund) ebenfalls zu erscheinen.
Zur Anmeldung sind folgende Papiere erforderlich: 1. Konfirmationsschein, bezw. Ausweis über den Empfang der ersten Kommunion; 2, etwa vorhandene Schulzeugnisse; 3. eine amtliche Bescheinigung über die bisherige Beschäf- tigungSweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung.
Außerdem noch für Urrteroffizierschulerr: einen von dem Zivil-Vorsitzenden der Ersatz-Kommission des betreffenden Aushebungsbezirks ausgestellten Meldeschein; für Urtteroffiziervorschrrleu: 1. ein Geburtszeugnis, 2. ein Unbescholtenheitszeugnis der Polizeiobrigkeit.
Der in eine Unteroffizierschule Einzustellende muß mindestens 17 Jahre alt sein, darf aber daS 20. Jahr noch nicht vollendet haben, während der in eine Unteroffiziervorschule Aufzunehmende in der Regel nicht unter 15, aber nicht über 16 Jahre alt sein darf.
Gießen, den 14. September 1900.
Großherzogliches Bezirks-Kommando Gießen. __________ Detrin g.
Prinz Heinrich von Hessen
München, 16. September. Prinz v<t«rich von Hessen ist heute vormittag 101/2 Uhr gestorben.
Wieder hat der grausame Meister Tod eine Lücke hineingenssen m unser Großherzogliches Haus. Prinz Heinrich, der Oheim unseres Landesherrn, der Vielverehrte, dem ein Geist eigen war reich an Liebe, an Maß und an Innigkeit, ist von dannen gegangen.
In tiefer Trauer senken wir Mit allem Volk die Fahnen, Dein Schatten soll für alle Zeit Zu deutscher Treu uns mahnen.
Prinz Ludwig, Wilhelm, Adalbert, Waldemar, Alexander, Heinrich von Heffen war geboren am 28. November 1838 als Sohn des Prinzen Karl von Hessen. Er hat also nahezu ein Alter von 62 Jahren erreicht. Er wurde am 2. Weihnachtsfeiertage des genannten Jahres getauft und gemeinsam mit seinem älteren Bruder Ludwig, unserem leider allzufrüh verstorbenen Landessürsten Ludwig IV., gemeinsam erzogen und herangebildet. Beide Brüder wurden für die militärische Laufbahn bestimmt und traten an demselben Tage in den Waffendienst ein. Später erwarben sich beide Brüder in dem großen Kamps um die Unabhängigkeit Deutschlands aus französischem Boden hohen
ertaätro. ewMb« und DrnS^ Nr. 7.
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Gratisbeilage«: Gießener FanntientMtrr, Der heUßtze Amdwirt, Klätter für hessische NsüstMu-r.
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Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Daubringen.
Montag den 24. September d. Js. findet die Ueberweisung der neuen Grundstücke und die Versteigerung der Massegrundstücke vom 1. Felde statt.
Zusammenkunft vormittags 9 Uhr am Bureau der Großherzogl. Bürgermeisterei Daubringen, woselbst auch die Verfteigerungsbedingungen bekannt gegeben werden.
Die Ueberweisung erfolgt unter folgenden Bedingungen:
1. Meliorationsarbeiten können auf den überwiesenen Grundstücken auch fernerhin vorgenommen werden;
2. Eigentumsveränderungen, die infolge der Ausführung von Meliorationsarbeiten, der Anlage von Wegen und Gräben und dergleichen, sowie des Baues der Nebenbahn Lollar—Londorf innerhalb der Ausführung dieser Arbeiten notwendig werden, müssen die neuen Eigentümer dulden. Ein hierdurch bedingter Ab- und Zugang von Gelände wird dem neuen Eigentümer nach dem Bonitätswert vergütet, bezw. zugeschrieben.
Friedberg, 14. September 1900.
Der Großherzogliche Bereinigungskommissär: Süffert, Regierungsrat.
Kriegsruhm und kehrten mit dem Rufe, ausgezeichnete Truppenführer zu sein, in die Heimat zurück. Sodann hatten beide Brüder das herbe Geschick, nach verhältnismäßig kurzer Zeit ihre Gemahlinnen durch den Tod zu verlieren. Beide Brüder haben in ihrem ganzen späteren Leben treu zusammengehalten. In treuer Bruderliebe sind sie sich stets nahe geblieben, wenn sie auch räumlich fern von einander waren.
Der Verstorbenen Mutter, Prinzessin Elisabeth, war eine Tochter der Prinzen Wilhelm von Preußen, eines Geschwisterkindes Kaiser Wilhelms I. Die Erziehung der beiden Prinzen war sehr genau geregelt, bisweilen recht streng. Ihre Jugend verlebten sie im Sommer meist in Schloß Seeheim an der Bergstraße, oder auf dem Landsitze „Rosenhöhe" bei Darmstadt oder auch auf dem den Großeltern gehörenden Schloß Fischbach in Schlesien.
Der erste Erzieher war ein hochgebildeter Edelmann, Adolf von Grolmann. Privatunterricht erteilte der damalige Hofrat, als Geh. Oberschulrat verstorbene Becker, den Relig.-Nnterricht Hofprediger Dr. Bender, neuere Sprachen lehrte Hofrat Fedeu. Weitere Lehrer waren noch A. F. Herbold, Kataster-Jng. Thomars, Militärwitwenkassenrechner Wiegand. Besondere Sorgfalt wurde auf körperliche Uebungen gelegt. So erhielten die Prinzen ihre turnerische Ausbildung bei dem berühmten Turnlehrer Asseffor Eduard Spieß und Fechtunterricht beim Fechtmeister Hahn. Auch die am Darmstädter Hof sehr gepflegten schönen Künste wurden nicht vernachlässigt. Hofmaler Lucas gab Zeichen- Unterricht und Fräulein von Heloenberg Unterweisung im Klavierspiel.
Ostern 1854 wurden beide Prinzen in der Hofkirche eingesegnet und an demselben Morgen ernannte der Onkel, der Großherzog Ludwig III., beide Prinzen zu aggreg. Leutnants im 1. Großh. Hess. Jnf.-Reg. (jetzt No. 115) und verlieh ihnen das Großkreuz des Ludwig-Ordens. Sie thaten Front- und Wachedienst wie jeder andere Offizier und wurden am 9. Juni 1855, dem Geburtstage des Großherzogs, zu Oberleutnants befördert.
Im Jahre 1856 auf Ostern bezogen beide Prinzen die Universität G ö t t i n g e n auf ein Jahr und hörten Vorlesungen bei Hansen über Staatswirtschast und National- Oekonomie und Pros. Waitz über Geschichte. Beide Prinzen trieben auch viel Musik, und Prinz Heinrich besaß besondere Gewandheit im Zeichnen.
Im Frühjahr 1857 ließen sich dann beide Prinzen auf der Landesuniversität Gießen immatrikulieren und belegten auch hier für das Sommersemester verschiedene Collegia, besonders Staatsrecht und Geschichte. Nach Darmstadt zurückgekehrt wurden sie am Ludwigstage (25. August) 1857, zu Hauptleuten befördert. Jeder hatte eine Kompagnie zu führen und war eifrig bemüht, den oft nicht leichten Anforderungen gerecht zu werden.
Während der Vater Prinz Carl von Heffen bestrebt war, die Prinzen zur weiteren militärischen Ausbildung in die österreichische Armee eintreten zu laffen, in der sein Bruder Alexander von Hessen damals Generalmajor und Brigade-Kommandeur war, hatte die Mutter den Wunsch, die Prinzen im preußischen Militärdienste weiter ausgebildet zu sehen.
Nach verschiedentlichen Unterhandlungen traten die Prinzen nach einem eigenhändigen sehr liebenswürdigen Schreiben des damaligen Prinz-Regenten Wilhelm von Preußen am 22. Januar 1859 als Hauptleute & ia suite des 1. Garde-Regiments zu Fuß in die preußische Armee ein, und wohnten in Potsdam. Die Prinzen zeichneten sich schon damals durch ihre selbständigen Leistungen aus. Im Sommer 1860 nahmen beide Brüder gleichzeitig Urlaub, um sich zusammen nach England zu begeben, wo Prinz Ludwig sich damals in die 17jjährige Prinzessin Alice von Großbritanien verliebte.
Später wurden die militärischen Uebungen in Potsdam weiter fortgesetzt. Im Sommer 1860 und 1861 wohnten sie den Uebungen des Gardekorps bei, es erfolgte ihre Beförderung zu Majors am 18. Oktober 1861 bei den Krönungsfeierlichkeiten in Königsberg. Als am 9. Juni 1862 die Verheiratung des Prinzen Ludwig mit Alice stattfand, trat in dem persönlichen Verkehr der Brüder keine Aenderung ein. Prinz Heinrich widmete sich von da ab vollständig dem Militärdienst.
Prinz Heinrich war vom Jahre 1859 bis 1862 in Potsdam, wurde am 12. Juli 2. Inhaber des Großherzogl. Hess. 2. Reiterregiments (jetzt 24. Dragoner) und am 22. Juli desselben Jahres ä la suite des KönigS-Husaren« Regiments (Rheinisches) Nr. 7 in Bonn versetzt und am
4. September als etatsmäßiger Stabsoffizier in das Regiment einrangiert. Am 6. Juni 1866 wurde er zum Oberst- leutnant befördert und am 17. September zum Kommandeur des 2. Garde-Ulanen-RegimentS ernannt. 1868 am 22. März wurde er Oberst und am 6. Juli 1871 kommandiert zur Führung der Garde-Kavallerie Brigade und am 23. Mai 1872 Kommandeur der 14. Kav.-Brigade. Am 22. März 1873 wurde er Generalmajor und am 2. Januar 1876 Kommandeur der 16. Kavallerie-Brigade in Trier.
Im Jahre 1878, am 28. Februar, erfolgte dann seine Vermählung mit Karolina Freiin v. Willich, gen. v. Pöllnitz, spateren Baronin zu Nidda, die ihm am 4. Januar 1879 einen Sohn gebar, der leider ihr Leben raubte. Der Sohn, Graf Karl zu Nidda, steht zurzeit als Leutnant im 2. Großh. Hess. Leib-Drag.-Regiment Nr. 24.
Im März 1879 erfolgte die Beauftragung zur Führung und am 10. Mai die Ernennung zum Kommandeur der Großh. Hess. 25. Division und damit die definitive Uebersiedelung nach Darmstadt. Im Jahre 1879 besuchte der Prinz den türkisch rumänischen Kriegsschauplatz. 1883 wurde er ä la suite des Königshusaren-RegimentS Nc. 7 gestellt. Am 8. September 1883 erhielt der Prinz den Rang eines Generals der Kavallerie und am 21. August 1884 den Rang eines kommandierenden Generals. 1887 nahm er seinen Abschied.
Der Aufenthalt des Prinzen war (nach seinen eigenen Aufzeichnungen): von 1859—60 Potsdam, von 62—66 Bonn, von 64 in SchleSwig-Jütland, 66—71 Berlin, 71—76 Düsseldorf, 76—79 Trier, 77 Rumänien und von da ab Darmstadt bis zum Jahre 1892, wo er sich mit Milena Freiin Hrzic von Dornberg verheiratete und seinen Wohnsitz in München nahm. Dieser Ehe ist im Jahre 1893 ein Sohn, Elimar Baron v. Dornberg, entsprossen.
Prinz Heinrich machte folgende Feldzüge mit: 1864 gegen Dänemark und beteiligte sich an den Gefechten bei Messunde am 2. Febr., Rockebuhl am 20. Febr., Wielhoi am 22. Febr.; 1866 gegen Oesterreich: 26. Juni Gefecht bei Hünerwaffer, 26. Juni Gefecht bei Münchengrätz, 2. Juli Schlacht bei Königgrätz, 12. Juli Rencontre bei Jacobon, 13. Juli Rencontre bei Znaim; Feldzug gegen Frankreich 1870/71: 18. Aug. Schlacht bei St. Privat, 30. Aug. Schlacht bei Beaumont, 1. Sept. Schlacht bei Sedan, 19. Sept, bis 20. Dezbr. Einschließung von Paris, 24. Dezbr. Schlacht an der Hallue, 3. Januar Treffen bei Bapaume, 19. Januar Schlacht bei St. Quentin.
Den Prinzen zeichnete seine außerordentliche Humanität, sowohl als Vorgesetzter im militärischen Dienst wie im öffentlichen Leben, aus. Als Militär war er ein tapferer und unerschrockener Führer, und bei Untergebenen wie bei Vorgesetzten gleich beliebt.
Bei St. Privat und St. Quentin erhielt er das Eiserne Kreuz zweiter und erster Klaffe. Er war ferner im Besitz folgender Orden: HauSorden der Hohenzollern, Ritterkreuz mit Schwertern für den Feldzug 1864, Hausorden der Hohenzollern, Stern der Comthure mit Schwertern für den Feldzug 1866, Schwarzer Adlerorden mit der Krone, DienstauszeichnungS-Kreuz, Großh. hessisches Militar- Verdienstkreuz für 1870/71, russischer St. Georg-Orden 4. Kl. für 1870/71, Herzog-Anhalt-Orden Albrecht des Bären, Großkreuz, Großh. badischer Orden für Treue, Großh. badischer Orden Berthold I. von Zähringen, König!, bayr. St. Hubertus-Orden, Großkreuz des Herz. Braunschw. Heinrich des Löwen, Großkreuz des hessischen Ludwigs- Ordens, Großkreuz des Großh. hessischen Verdienstordens Philipps des Großmütigen, Großh. hessischer Hausorden vom goldenen Löwen, Großh. Hess. Ehrenzeichen für Verdienste während der Wassersnot 1882/83, Mecklenburger Orden der Wendischen Krone, Großkreuz von der Krone in Erz, Großkreuz des Sterns von Rumänien, Kaiserl. russischer St. Andreas-Ordem — Bei seiner Verabschiedung aus der Armee erhielt er den Orden pour le merite.
Ganz Heffen trauert aufrichtig um den Verlust dieses vortrefflichen hessischen Fürstensohnes, den leider familiäre Gründe und auch militärische Verhältnisse bestimmten, seinen Wohnsitz außerhalb Hessens zu nehmen. War es ihm auch nicht vergönnt, seine letzten Lebensstunden in seiner Heimat zuzubringen, so war man sich doch bewußt, daß ihm sein Lebensabend im trauten Kreise seiner geliebten Gemahlin vnd seines Sohnes verschönt worden ist. Wie seine beide» Brüder mußte er leider allzufrüh unsere Erde verlassen, von allen, die jemals Gelegenheit hatten, ihm näher zu treten, und die ihn auf's höchste verehrten, herzlich beweint.


