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Nr. 115 Erstes Blatt.________Freitag den 18 Mai
1900
Gießener Anzeiger
Heneral-An^eiger
Erscheint tügNch mit Ausnahme des
MontagS.
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sind und den belgischen Befehlshaber vertrieben haben.
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Ktätter für hesßsche Volkskunde.
berge geräumt. Die Freistaatler auf den Drakensbergen ind an Zahl sehr vermindert. Die Kommandos von Carolina, Lydenburg und Pretorias sind am 13. und 14. Mai von Hlatikulu nördlich weitergezogen. Elf Geschütze wurden in Glenroe in einen Eisenbahnzug geschafft; der letzte Zug mit den Ambulanzen verließ Glenroe gestern bei Tagesanbruch. Die Züge verkehren jetzt nach der Station Wesselsnek."
Wir erfahren dadurch, was bisher nicht klar war, daß die Buren zunächst nur die Biggarsberge, d. h. ihre östlichen Stellungen von Helpntakaar bis Dundee-Glenroe geräumt haben, während sie die Drakensberge noch besetzt halten, wenn auch iw stark verminderter Zahl. Buller kann also an einen Weitermarsch nach Norden nicht früher denken, als bis die Drakensberge von den Buren verlassen worden sind; denn er kann unmöglich in dieser gefähr- licheu Gegend auch noch so kleine Abteilungen in seinem
Rücken stehen lassen.
Daß die Buren größerem Schaden entgingen, verdanken sie hauptsächlich einem neuen Kampfmittel, das ihnen die trockene Jahreszeit an die Spant) giebt. Sie steckten nämlich das ausgedörrte Gras hinter sich in Brands und ließen die mächtigen Rauchwolken, die dadurch erzeugt wurden, vom Winde, der ihnen günstig war, dem Feinde entgegentragen. So hatten sie den doppelten Vorteil, selbst gegen Sicht gedeckt zu sein und den Verfolger in unangenehmster Weise zu belästigen. Gleichwohl legte Dundonald mit der 3. Kavallerie-Brigade, der die Verfolgung übernommen hatte, am 14. 64 Kilometer zurück, obgleich er _p_,---------- .
außer mit dem Qualm auch noch; mit Wassermangel zu I Gebiet zwischen dem Tangamkasee und dem englischen kämpfen hatte. Man nimmt nach Aussagen der Einge- — - — ' ~ ~ r ***“
borenen an,' daß die abgezogenen Transvaalburen bei Laingsnek im äußersten Norden von Natal wieder Spalt machen werden. Eine Reutermeldung aus Dundee vom 15. ds. sagt dagegen: Die Buren, die sich während der Nack)t eilig zurückzogen und etwa 4000 Mann stark waren, haben 18 Geschütze und ihren Transport nach Vryheid geschafft. Demnach würden die Buren nicht nur in Laingsnek, sondern aud). in Vryheid Widerstand zu leisten beabsichtigen.
11 Geschütze sind mit der Eisenbahn nordwärts geschafft, wie aus Bullers Depesche hervorgeht. Ihr Ziel scheint also ein an der Eisenbahn gelegener Punkt zu sein, also jedenfalls Laingsnek. Es fragt; sich nur, ob die Buren ihre Sache durch diese abermalige Zersplitterung fördern. Laingsnek und Vryheid sind reichlich 100 Kilometer voneinander entfernt, eine Linie, die zü verteidigen einer großen Armee Schwierigkeiten machen' würde.
Lord Roberts meldet aus Kroonstad vom 15. ds.:
Albert-Edward-See. Aus dieser Strecke liegt der Kivusee und der kleine Russissifluß, der von deutschen Schutztruppen angeblich Ende Februar gewaltsam in Besitz genommen sein soll, während an deutscher amtlicher Stelle von solchen Konflikten bisher nichts bekannt ist. Allerdings mußten bereits im Dezember 1898 deutsche Truppen nach der Grenze gesandt werden, da es dem Kongostaat nicht möglich war, die Kongorebellen zu unterwerfen. Nach den bisherigen Festlegungen läuft die Grenze von Deutsch-Ostafrika von der Nordspitze des Tanganikasees in ziemlich gerader Linie bis zur östlichen Südspitze des Albert-Edward-Sees, kommt also absolut nicht in die Nähe des Kiwusees. Die nächste deutsche Station, auf der eine größere Abteilung der Schutztruppen versammelt ist, ist Udschidji (oder Ujiji), doch klingt die Meldung auf jeden Fall übertrieben, daß von hier aus 1000 Mann mit 15 Kanonen in den Kongostaat eingedrungen
Schon seit längerer Zeit schweben zwischen dem Deutschen Reich und der Regierung des Kongostaats in Brüssel Differenzen wegen der Grenzen zwischen dem Kongostaat und Deutsch-Ostafrika. In unserer beifolgenden Uebersichts- karte sind die Grenzen, soweit es der kleine Maßstab zuläßt, übersichtlich wiedergegeben. Es handelt sich um das
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieß«.
Fernsprecher Nr. 51.
zu erlangen.
New-York, 17. Mai. Ein Mitglied der Buren- Delagation erklärte in einem Interview, alle Deutschen seien auf '-Seiten der Buren, aber aus nahe liegende« Gründen sei der deutsche Kaiser genötigt, Stillschweigen zu beobachten. Die Buren hätten Vertrauen zu dem Gelingen ihrer Mission und rechneten auf die Gefühle der amerikanischen Bevölkerung und die Unterstützung der amerikanischen Regierung. Derselbe erklärte es für unrichtig, daß die Oranje- Buren unzufrieden seien und fahnenflüchtig würden. Ein anderes Mitgled der Delegation ergänzte diese Unterredung mit der Erklärung, es habe niemals in der Absicht der Buren gelegen, im Oranje-Freistaat zu bleiben. Der Hauptwiderstand sollte von vornherein
„Zwei Offiziere und sechs Mann fouragierten gestern in der Nähe von Kroonstad. Als sie sich einer Farm näherten, auf der eine weiße Flagge wehte, eröffneten etwa fünfzehn Buren, die hinter Mauern Stellung genommen hatten, Feuer auf die Abteilung. Zwei Mann wurden getötet, der' eine Offizier verwundet; der zweite Offizier sowie zwei Mann wurden gefangen genommen."
In New-York wurde den Mitgliedern der Buren- Gesandtschaft bei der Ankunft int Hotel ein herzlicher Empfang bereitet. Fischer sagte, die Gesandtschaft wünschte an den Gemeinsinn und das Gefühl zu appellieren. Eng-, land trachte nach dem Gold und den Diamanten der Republiken. Die Gesandtschaft sei gekommen, Frieden zu suchen, aber nicht um jeden Preis. Er bitte die Vereinigten Stau-, ton, die Sache der Republiken zu prüfen.
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Telegramme deS Glesteuer Anzeigers.
London, 17. Mai. Wie amtlich aus Prätoria berichtet wird, ist das englische Hilfskorps, das nach Mafe- king unterwegs ist, mit schweren Verlusten zurückgeschlagen worden. Daily Telegraph veröffentlicht hierüber ein Telegramm aus Kapstadt, in dem berichtet wird, daß vergangenen Dienstag ein Kampf zwischen dem englischen Hilfskorps und den Buren stattgefunden hat. Das Gefecht war äußerst erbittert und fand bei Kraalpan statt. Die Buren erlitten ebenfalls schwere Verluste. Bei dieser Gelegenheit soll ein Enkel des Präsidenten Krüger mit Namen Eloof den Engländern in die Hände gefallen sein.
Loudon, 17. Mai. Aus Kronstadt wird gemeldet: Zahlreiche Truppen - Verstärkungen ziehen nach Norden. Einige Burengefangene sind in die Stadt gebracht worden. Die Buren sind noch mit der Zerstörung der Eisenbahn beschäftigt.
London, 17. Mai. Den letzten Meldungen aus Beira zufolge leiden die unter dem Befehl des Generals Carrington in Transvaal vordringenden Truppen unter dem sch lechten Trinkwasser und dem ungesunden Klima in dieser Gegend. Die Soldaten kranken infolgedessen am Fieber. Zahlreiche Pferde und Maulesel kommen um.
London, 17. Mai. Der Ministerrat beschloß, falls Lord Roberts im Lause des nächsten Monats Prätoria
erobert, die sofortige Kammerauflösung, um unter dem Eindruck des Sieges eine starke konservative Mehrheit
Der Krieg in Südafrika.
Das Drama, in dessen Mittelpunkt die kleine Stadt Mafeking steht, ist an seinem Schlußakte angelangt. Mit Spannung richten sich die Augen der ganzen Welt nach jenem Orte, her seit dem 12. Oktober v. ,J. eingeschlossen ist. Vorgestern brachten wir bereits die Nachricht, daß die Buren die Stadt energisch angriffen. Das- Stadtviertel der Kasfern fing Feuer und nach einer Stunde war es vollständig zerstört. Gestern meldeten wir bann, daß nach einer Information aus Burenquellen sich die Suren am Sonntag der Stadtviertels der Eingeborenem von Mafeking bemächtigten, nach kurzer Zeit aber^dew Ort wieder aufgeben mußten. Dann trafen folgende Telegramme ein: In Pretoria wurden, wie über Lorenzo Marques gemeldet wird, folgende Kriegsbnlletins durch Anschlag bekannt gegeben: „Während des am Samstag in Mafeking stattgehabten Kampfes brannte das Kaffern- uiertel nieder. Die Buren stürmten, in Scharen über die äußeren Befestigungslinien. Oberst Baden-Powell hat, nachdem er einen Waffenstillstand erbeten hatte, am Sonntag früh 7 Uhr kapituliert." — Das zweite, vom Buren-General Sneemann unterzeichnete Telegramm, ebenfalls vom Sonntag, lautet: „Ich hatte das Glück, heute früh den Oberst Baden-Powell mit feinen' 900 Mann gefangen gu nehmen."
Diese Meldung rief in London selbstverständlich große Erregung hervor. Tausende von Personen belagerten das Kriegsamt, das jedoch bisher weder eine Bestätigung noch eine Widerlegung der Meldung veröffentlicht hat. Obwohl die Richtigkeit der Meldung in London allgemein geglaubt wird, stellen dieselbe doch einige Londoner Blätter in Zweifel, erklären aber, daß, toenrt die Meldung sich bestätige, Baden-Powell mit feinen Truppen volles Lob verdiene für die heldenmütige Ausdauer, die er bewiesen habe. Man befürchtet in London, nach Meldungen von dort, die Buren werden nunmehr mit erneuter Energie den Kampf fortsetzen.
Andererseits allerdings hält man in London diese Meldung für trügerisch und glaubt, sie sei nur erfunden, um tx-n sinkenden Mut der Baren wieder anzufachen. Die „Daily Mail" selbst bezeichnet die Angaben als „sicherlich größtenteils erdichtet". Die Nachricht sei von Buren, bie am Montag aus Pretoria in Lorenzo Marques eintrafen, mitgebracht worben; aber ähnliche Telegramme seien in Pretoria bezüglich Ladysmith und Wepener veröffentlicht ^o^D?e Daily Mail" meldet aus Lorenzo Marques: Am Samstag fand in Mafeking ein verzweifelter Kampf statt, man glaubt aber, daß er zu gunften der Garnison geendet. Die Buren griffen die Stadt mit Artillerie an. Tas Kaffernviertel stand bald in Flammen. Während der hierdurch hervorgerufenen Verwirrung bemächtigten sich die Buren der Kaffernstadt uub richteten von dort aus! in kurzer Entfennüng die Geschütze auf die Stadt selbst. Durch geschicktes Manövrieren gelang es der Garnison trotz ihrer zusammengeschmolzenen Zahl, die Buren, bte- das Kaffernviertel genommen, zu umringen. Es folgte ein heißer Kampf, es scheint aber nach den letzten Meldungen, daß die Buren die Kaffemstadt noch besetzt halten, N-ahrscheinlich noch umringt von den englischen Truppen.
Die Spannung über die Situation von Mafeking dauert also noch fort, und man wird sichere Nachrichten zu erwarten haben. .
Nach einer Mitteilung aus portugiesischer amtlicher Quelle fand bei Mafeking ein Zusammenstoß statt, in dem bie Buren mit schweren Verlusten zurückgeworfen wurden.
Nachrichten aus Brandsdrift zufolge haben die Generale Runble uub Brabant die Distrikte von Thabanchu und Ladybrand von den Buren völlig gesäubert. Diese räumten ihre uneinnehmbaren Stellungen bei Mequatlmgnek unb zogen sich nach Linbley zurück. Hunberte von Buren haben sich ergeben. . .
Der New-York Herald veröffentlicht ein Telegramm seines Spezialkorresponbenten aus bem Burenlager vom 15 b. Mts., bas besagt: In bem Augenblick, als ich gestern Ventersburg verließ, waren bie Englänber in Sicht. Sie rückten mit bebrütenden Truppenmassen gegen die Stadt Die Bevölkerung schickte sich an, in Fuhrwerken bie Stadt zu verlassen. Aus Kroonstad reiften die Einwohner in Spezialzügen ab. Ich habe den Präsidenten Stein ruhig und vertrauensvoll in seiner Wohnung gefunden, obgleich ein Spezialzug für ihn bereit stand. Das unaufhaltsame Vordringen der Wanber ist dem Umstande zuzuschreiben, baß General Burkarb von 6000 Eng- . länbern umgangen würbe. Präsibent Stein äußerte sich d ahin, er werbe bas Land lieber in einen T rum * rnerhaufen verwandeln, als es den Englan- dem preisgeben.* *
In Natal hat sich in den letzten Tagen auch manches interessante ereignet. Die letzte Nachricht General Bullers ist aus Dundee vom 16. und lautet: „Wir besetzten gestern «lenroe. Die Transvaalburen haben jetzt die Biggars-
am Vaalflusse ftattfinben._________________________
Deutsch-Ostafrika und der Kongostaat
Expedition und Druckerei:
Achulfiraße Ar. 7.
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Deutsches Reich.
Berlin, 16. Mai. Aus Wiesbaden wird voM heute gemeldet: Der K a i f e r unternahm heute morgen einen Spazierritt in den Wald jeufeitS des Aerobera^ unb hörte später im königlichen -^düoffe den Vortrag oesj
C)Ta.]»h<. sch er Verlag
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