Ausgabe 
18.4.1900 Erstes Blatt
 
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Mittwoch den 18. April

»HF. 89 Zweites Blatt

Amtticher Teil.

Politische Tagesschau.

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Gießener Anzeiger

Generat-Wl^iger

Anrts- und Anzeigeblatt für den Ttreis Gieszen

Iranz Ireiherr Haudy.

Zu feinem IDO. Geburtstage (19. April 1900).

Von Paul Wittko - Gießen.

(Nachdruck verboten.)

Da trat mit fäü'gem Wechsel in der Hand Ein harter Giäub'ger plötzlich an sein Bett, Der Spediteur der Welt, Hans Mors genannt.

Diese Verse schrieb am 5. Februar 1840 ein Leutscker Dichter nieder, der noch nicht die Schwelle fernes vierten Lebensjahrzehntes überschritten hatte, Franz von Gaudy Und Mr selbst geschah wie er gesagt hatte.

demselben Tage noch trat Hans Mors zu rhm heran rund machte durch einen Herzschlag dem blühenden Poeten- **'Wilhelm Freiherr v Gaudy war am 19 April 1800 zu Frankfurt a. O. zur Welt ge­kommen als Sprößling einer nach Preußen ausgewander- tlen fchottischen Familie. Sein Vater, ern Mann von hoher Mldrrng lmrr damals Major. Er erkannte bald fernes -Sohnes ungewöhnliche Fähigkeiten und erteilte selbst chm Iden ersten Unterricht. Deutsch und Franzoftsch lernte der außerordentlich regsame uno lebhafte Knabe zugl. ich sprechen. Ausgelassen verkehrte er mit feinen-jugenb* und 0Spielgefährten. So Tarn es, daß sein wildes Temperament ,ts mach Jungenart ost zu toll trieb, so daß> der!Vater sich «entschließen mußte, ihn außer dem Hause erziehen zu l lassen. Aber auch die neuen Erzieher konnten ihren jungen i übermütigen Schutzbefohlenen ost nicht zügeln, der den

Bekanntmachung.

Mressend: Feldbereinigung in der Gemarkung Stein­bach bei Gießen. sro...

In der Zeit vom Donnerstag, dem 19. Aprilbrs Mitt­woch, den 2^ Mai l. Js. einschließlich liegt bezüglich der obengenannten Gemarkung bas Verzeichnis derjenigen Grundstücke, welche infolge der Feldbereinigung an ©teile der verpfändeten Grundstücke getreten stnd, «uf dem Bureau be: Großherzoalicheu Bürgermeisterei Stembach bei Gießen - o».

In einer der letzten Sitzungen des Reichstags vor Ostern gab Staatssekretär Gras Posadowsky auf eine Anfrage des Abgeordlieten Prinzen Schonaich-Carolath be­züglich des Fr au en stu diu ms folgende Antwort: |

Die Vereinbarung zwischen den verbündeten ^gier- . unqen über die Zulassung der Frauen Zum ärztlichen Beruf, bie ich bei der letzten Behandlung dieses Gegenstandes I in Aussicht gestellt habe, ist inzwischen erfolgt. Frauen, I

wähnte, fällt jedenfalls in die Zeit, bevor noch dieses I Abkommen perfekt geworden ist Aber, meine ^rren, mie I bei allen solchen Fragen: der Appetit kommt beimi Essen. Zuerst verlangten die Damen weiter nichts, als Die Zu­lassung zu den ärztlichen Prüfungen, wenn sie ordnungs­mäßig ihre Studien nachweisen konnten, ^etzt gehen sie einen Schritt weiter und verlangen, daß ste auch auf der Universität rite immatrikuliert werden (MZ recht- links), | oder daß wenigstens jeder Professor genötigt wird, sie zu ; seinen Kollegien zuzulassen, ^ch weiß nicht, wie der jetzige Herr Kultusminister über eine derartige Zulassung benft Jnsbesonbere weiß ich nicht, ob man in Preußen beu Plan hegt, etwa eine einzelne Universität als Frauen-Univerfitat zu" charakterisieren. (Zuruf links.- ^zch würbe aber sehr bebeuklich sein, mich bem Ausspruch anzuschließen, ben der Herr Vorrebner gethan hat, baß bann wahrscheinlich bi Herren Stubenten auf biefe Universität nicht gehen würben Ich würbe befürchten, mich baburch rnck ben stubierenbew Damen zu veruneinigen, unb bas wünsche ich nicht. Aber ich muß dem Herrn Vorredner doch sagen, um Nicht Hoff­nungen zu erwecken, die vielleicht nicht erfüllt werden, daß in gewissen Professorenkreisen und hei hervorragenden

Vertretern der ärztlichen Wissenschaft sich die lebhafteste Abneigung dagegen geltend macht, Damen zu ihren Vor­lesungen zuzulassen, und ich bin mir S^lMhast, ob me preußische Regierung und die übrigen deutschen Regier­ungen geneignt sein werden, in dieser Beziehung auf unsere Universitäten und insbesondere auf die Herren Professoren einen zwingenden Druck zu üben. Ich hasse auch, daß sich

I das Vorurteil gegen die Zulassung der tarnen zu den I medizinischen Kollegien immer mehr abschwachen wird, uno I daß auch diejenigen Herren Professoren, die zurzeit der I Zulassung der Damen noch vollkommen intransigent gegen- überstehen, sich allmählich bekehren werden Ich mochte aber, daß Sie von der heckenden Wirkung der Zeck, vor

I allen Dingen von dem Erfolg, bas; sich hervorragende I Aerztinnen ausbilden und auch praktisch Hervorragendes, leisten, mehr erwarten, als von einem staatlichen Zwang in der Frage. Jrn übrigen weiß ja der Herr Vorredner ganz genau, daß ich persönlich der Frage sehr wohlwollend

I gegenüberstehe."

Wir lesen in derKöln. Ztg.":Nachdem neuerdmgs I bie (preußischen) Regierungsorgane für eine allseitige und I umfassende Ausgestaltung der Kanalvorlage einge- iiaten sind, unb es als bie Aufgabe bes Staates bezeichnet I falben, durch Befriedigung berechtigter Einzelwunsche der Msarntheit zu nützen und mit ausgleichender Gerechtigkeit I b(,! einzelnen Landesteilen und Erwerbsgruppen zu helfen, I rijicheint es dringend nötig, daß jetzt auch diei^ngen, welche I seiit langen Jahren Vorkämpfer für eine endliche Kanali- ution de^Mosel,Saar und Lahn waren, aus ihrer bi-cherigen Zurückhaltung hervortreten und alles aufbTCten, duß amh noch diese wichtige und längst geplante Verbesser-- 1 uhtg unserer westlichen Verkehrsstraßen die erwartende Mnalvorlage aufgenommen wird. Die bissigen Gegner br.3 Kanals verlangen die Aufstellung eines gr inamms für den Ausbau eines vollständigen Wasserstraßen | mches, imb die Sjaatoregicrung ^klart ich! ununuvunden ihre fidiere Hoffnung,das geplante Werk des zeitgemäßen LL unserer Wasserstraßen im Interne von Handel, Landwirtschaft und Industrie zu einem für die^große Mehr^ ä«. i«.

»iofet Saar und Lahn alle Strafte rühren und alles au - bneteu, daß auch diese wichtige Verbesserung unserer Heimat- tuchen Wasserstraßen in der Kanalvortage Aufnahme fmbet. <tn ftüheren Jahren hat sich für die Aussuhrung dieser Pläne bei allen Beteiligten eine weitgehende Lpfersreudig- fuit zu erlernten gegeben; sicherlich wird sie tu ver|tarltem 'rtaüe auch heute sortbestehen; denn dte Ertenntms der Notwendigkeit, die Wasserstraßen mehr als bisher zur Per- inachtuna von Massengütern, insbe andere von Kohlen und ^rz7n km Dienste dks deutschen Gewerbesleißes heran- Sn, hat immer weitere Vertiesung und Ausbrettung <»efanden. Von der Regierung ist angekundtgt worden, daß unmittelbar nach Ostern die Verhandlungen mit den Be­

teiligten über die Verbesserung der Wasserstraßen Oder- Weichsel und den Masurischen Kanal emgeleitet und schleunigst zu Ende geführt werden sollen. Da scheint es höchste Zeit, daß auch der äußerste Westen sich schleunigst rührt und gleichsalls mit aller Straft den endlichen Ausbau dieser wichtigen westlichen Wasserstraßen zu sichern sucht.

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hlgcntm Sag erWrinmb«. «ummrr bi« «arm. 10 Uhr. tofafkUimyn späiestenS abtnbfl vorher.

Der Giftmord am Teufelssee bei Berlin.

Gerade als bie Berliner Polizei auf bem Sck;auplatz des gräßlichen Morbes in Moabit weilte unb bas Rätsel über bie Perfon bes Mörbers zu lösen sich au,chickte erhielt bie Kriminalpolizei eine Melbung, bie zu ber Verhaftung bes Töpfers Jänicke aus Perleberg führte, dessen uner­hörte Tyat in ber Kriminalchronik Berlins ihresgleichen sucht. Jänicke würbe in ein schars'es Kreuzverhör genom­men unb legte babei bas Geständnis ab , jene Fr au ^urch Gift ermorbet zu haben, bie gegen Enbe vorigen Monats am Teufelssee im Grunewalb anschemenb erfroren im Eise aufgesunben würbe. ..Ermorbete ist

bie Schneiberin Luise Bergner. Der my,terio,e Leick-enfunb, hatte damals keine Aufklärung gefunden, und selbst die Verson ber schon in Verwesung ubergegangenen Leiche, deren Finger unb Arme schon von Tieren angefreHen, waren konnte nicht ermittelt werden. Man ließ^sie als

, Unbekannt" begraben, unb stellte als Todesursache amt­lichTob burch Erfrieren" fest, trotzbem sie, wie ,ich jetzt berausstellt, burch Strychnin vergiftet worben war. Um dieselbe Zeit war bie oben erwähnte.Ächeiberiu verschwun­den, die als sleißiges unb orbentliches Mabchen bekannt 1UarGine Haussuchung förderte Briefe zu Tage die em gewisser Jänicke an bie Bergner geschrieben harte. Dieser Jänicke ein heruntergekommener Sohn emes früheren

I Ofenfabrikanten, war am 22. März in ber Wohnung ber I Bergner gewesen. Es würbe ermittelt, baß Janicke sich I für' einen hervorragenbenZauberkünstler" ausgab, und I daß die abergläubische Näherin na.ch bie,er Richtung nut ihm Verbinbung gefunben hatte.

I Ein gewisser Diener bekundete, baß die Bergner ebenso abergläubisch war, wie er selbst. Auch bem Inh hatte sich Janicke als großer Zauberer dargestellt unb ihm

I Glück in ber Liebe versprochen. Er ließ ihn §it se rn e m eigenen Blute Liebesbriefe an hochgestellte und reiche Damen schreiben. Zum 21. März abends hatte nun

I Juß unb bie Bergner in ihren Gelb- unb -.iebevangelegen- heiten gleichzeitig Einlabungen von Janicke erhalten. Aus

I bem Bahnhofe in Potsbam wollte man sich treten, unb bann zum Teufelssee im Grunewalb gehen wo ber Spuk I in ber Geifterstunbe vor sich gehen sollte, -^ würbe verhinbert hinauszufahren. Als am Donnerstag ber Chef

I ber Kriminalpolizei sich in ber Wohnung ber exmorbeten I Lehrerin Mebenwalbt befanb, erhielt er bie Nachricht, daß man Jänicke mit seiner Frau unb bem zehnfahrigen Pflege-

I sohne in Perleberg ermittelt hacke. Sofort orbnete er I seine Verhaftung an, unb ,'anbte Beamten nach Perleberg, I bie ben Festqenommenen am Donnerstag abenb mit Frau unb Kinb nach Berlin brachten. Juß ist nur burch ben

I Zufall, baß ihn bie Arbeit vom Stellbichein abhielt, vor dem Vergiftungstode bewahrt worden. Jänicke hatte nam- I lich einen teuflischen Plan ersonnen. Um sich in den Besitz ihrer 5)abseligkeiten zu setzen, wollte, er Juß und Fraulem I Bergner zu gleicher Zeit am Teufelssee vergiften, unb I so ben Anschein erwecken, als ob bort ein Lieb esbrama I den gewöhnlichen Abschluß gefunden habe. a.a nun ^ I nicht gekommen war, so wurde die Näherin allem das I Opfer dieses Mordplanes. Wie oerabrebet, traf man sich I auf d em Bahnhof in Potsbam.

geftanben unb sind später Inhaber von Sitz und Stimme auf bem deutschen Parnaß geworden. Die meisten unter ihnen, und auffallenderweise vornehmlich die Adligen, haben bann im Lause ber Jahre alles Militärische von« sich abgeftreift. Selten haben sie sich in Politik unb Kunst extremen Richtungen angeschlossen, sonbern, wenn man so sagen bars, einer gemäßigtliberalen Kunst- und Lebensanschauung gehuldigt. , r

Auch Gauby gehört zu biesen. Er entäußerte sogar m allerbings etwas oberflächlicher bemokratischer Anwanb- lung seinen Namen bes Wörtchensvon" unb nannte sich nur Franz Freiherr Gauby, weil er, wie er selbst sagte, sich nichts aus ben brei ominösen Buchstaben machte und den Leuten blos zeigen wollte, daß er ein freier Herr sei und sick) um niemanden schere. Es existiert ein Portrat von ihm, auf bem wir bas markante Gesicht bes Poeten, in dem er selbsteinen gennssen mokanten ober vielmehr verdrießlichen Charakter" findet, von starkem Barte um­rahmt sehen.Ein ins Rötliche spielender Schnurrbart, der auf ungarische Manier in zwei langen Zipfeln bis weit unter ba§ Kinn hängt, ist so erzählt er felbjt bas Merkwürbigste an seiner Visage". Die schneibige Schnurrbart höhe war ja bamals noch lange mcyr erregt . nimmt eine eigentüml^e

Sonderstellung ein zwischen ben naiD unb «nm £,'ÄE wÄÄwfes £

Friedberg, 7. April 1900.

Der Großherzogliche Bereinigungskommissär. Süffert, Regierungsrat.

braven Leutenwenig Ruh bei Tag und Nächtig ließ.

Alter von Lehn Jahren wurde Franz, als sein Vater ®ou- verneur des Kronprinzen, des späteren Königs Friedrich Wilhelm IV geworben war, mit letzterem nahe bekannt. Gemeinsam erhielten bie beiden eine vorckeffliche gym­nastische Ausbildung, Im Übrigen besuchte der Knabe das Kollege Francais in Berlin. Fünf Jahre spater gab ihn der Vater auf die bekannte sächsifchex Fürsten- und Landes- übule Viorta DieseRabenmutter", wie Gauby in }einer hübschen humoristischen NovelleSchülerliebe" spater sagte f'tieß im Jahre 1818ben hoffnungsvollsten ihrer Söhne von sich unb hinaus in bie weite kalte Welt", unb nun roibmete er sich, ber Familientrabition folgenb, bem Militärbienst. Er trat 1819 als Leutnant in bas 1. Garbe­regiment zu Potsbam ein. 1821 nach Breslau versetzt, schloß er sich bort Karl v. Holtei unb anbereu nut ber Litteratur in engem Zusammenhänge stehenden jungen Männern an, die seine poetischen Neigungen förderten und seinen litterarischen Ehrgeiz anfeuerten. Trotzdem trug er noch lange ben bunten Rock unb mußte auch infolge eines Duells einige Zeit auf Festung. Im 15. Jahre seiner militärischen Laufbahn nahm er seinen Abschieb, um sich fortan ber Dichtkunst in bie Arme zu werfen.

Ter Offizier a. D. ist in der beutschen Litteratur be­kanntlich recht häufig anzutreffen. Friedrich Baron de la Motte-Fouque, Graf Platen u. a. haben vor Gauby, Fr. v. Sacket, Ferbinanb Gregorovius, Martin Greif, Gerhart v. Amyntor, Detlev v. Lilieneron, Georg Frhr. v. Omp- teba, Rubolf Stratz, Otto Julius Bierbaum, Hans v. Zabel­titz unb viele anbere nach ihm Jahre lang in der Armee

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