Ausgabe 
18.2.1900 Erstes Blatt
 
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die Aufnahme in das Vereinsregister des Amtsgerichts nachgesucht werden soll. *

Stadttheater. Wir haben bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß unser ausgezeichneter Väter- und Charakterspieler Karl Walter am nächsten Dienstag sein Benefiz hat. Da wir den Künstler bereits im Laufe der vorigen Theatersaisou schätzen lernten, so erübrigt uns nur noch, verschiedene Hauptpartieen aufzuzählen, deren Wiedergabe durch Herrn Walter uns vollgiltige Beweise für sein Können lieferten. Wir nennen nur den Gehcimerat Sartorius imErbe", den Stauffacher imTell", König PhilippDon Carlos", Junker TobiasWas Ihr wollt", SchwetzingenGoldne Eva",Doctor Klaus" u. s. w. Auch in zahlreichen kleineren Partieen zeigte Herr Walter, daß er gutes künstlerisches Verständnis besitzt, welches chn in den Stand setzt, eine klare Auffassung der jeweiligen Rolle zuteil werden zu laffen. Der künstlerische Geschmack des Darstellers offenbart sich übrigens auch in der Wahl des Stückes:DerG'wissenswur m", Bauern­komödie mit Gesang von Anzengruber. Anzengruber ist in dieser Saison noch nicht zu Wort gekommen, aber man darf nur denPfarrer von Kirchseld" und den Meineidbauer" anführen, um die Popularität Anzen­grubers darzuthun. Die eben genannten Stücke enthalten eine gewisse Tragik, welche demG'wissenswurm" nicht beigemischt ist, aber ein so herzerquickender, gesunder, frischer Humor, welcher stellenweise drastisch zu nennen ist, zeichnen das Stück vor vielen anderen dieses Genres aus. Nicht zu unterschätzen sind auch die in dem Stück enthaltenen Gesänge, G'stanzeln rc. Herr Walter, welcher den oberbayrischen Dialekt vollständig beherrscht, spielt eine komische Charakterrolle, denDusterer", und das Publi­kum weiß zur Genüge, daß der Künstler gerade in derartigen Rollen Hervorragendes zu leisten vermag. Herr Walter hat, wie man uns schreibt, nach Schluß der Saison, ein zweijähriges Engagement an das Stadttheater in Nürnberg angenommen. Wir wünschen ihm zu diesem Fortschritt viel Glück und an seinem Ehrenabend einen vollen künstlerischen und materiellen Erfolg!

** Man schreibt derFrkf. Ztg." aus Darmstadt:Die Generaldebatte in der Zweiten Kammer brachte heute einen überaus heftigen Vorstoß, den die Zentrums­partei durch ihren Führer, den Abg. Dr. Schmitt-Mainz, gegendenStaatsministerRothe ^unternahm, und der eine besondere Folie durch Lobeshymnen auf die beiden anderen Minister erhielt. Während das Zentrum seinerzeit den Abgang des Herrn Finger nicht ungern sah, und Herrn Rothe recht sympathisch empfing, ist es neuerdings mit dem Staatsminister unzufrieden. Einmal wegen der Neu­besetzung der leitenden Stellen im Schulministerium, die ohne Berücksichtigung ultramontaner Herzenswünsche er­folgte, sodann wegen des Verhaltens bei der jüngsten Mainzer Bischofswahl. Staatsminister Rothe hat, was offen herauszusagen nun wohl nicht mehr allzu indiskret ist, hervorragenden Zentrumsleuten die Zusicherung ge­geben, daß bestimmte Kandidaten einem Widerspruch bei der Staatsregierung nicht begegnen würden. Als nun die Kandidatenliste zurückkam, sah das Zentrum zu seinem Ingrimm, daß Kandidaten, auf deren Annahme es Wert gelegt hatte, gestrichen waren. Ob gerade Herr Rothe dafür verantwortlich zu machen, und obnicht in einem anderen Minister der eigentliche Wider­sacher "des Zentrums zu suchen ist, wollen wir heute unerörtert lassen: Genug, Rothe soll das Opfer sein, und so sagte ihm denn Doktor Schmitt heute die unterschiedlichen Offenherzigkeiten. Der Staats-Minister war durch die Vehemenz der Angriffe sichtlich frappiert, und wenn auch seine beiden belobten Kollegen, der Justizminister und der Finanz­minister, ihm beisprangen und sich ihm unbedingt und in allen Maßnahmen solidarisch und gleichmäßig verantwort­lich erklärten, so dürfte doch die Lust am Amte bei ihm noch geringer geworden sein, als sie ohnehin war. Wir haben wahrlich keine Veranlassung dem Staatsminister ein Loblied zu singen; das kann uns aber nicht hindern, anzuerkennen, daß er niemals sein Präsidium im Minister­rat zur Unterdrückung oder Verzögerung notwendiger Re­formen gemißbraucht, und daß er durch seine Vermittler­fähigkeit gute Dienste geleistet hat. Wir erinnern an sein Eintreten für die Fortentwickelung des Fabrik­inspektorenwesens, für die Einführung einjäh­riger Budgets, für die noch ausstehende Reform des Landtagswahlrechts, bei dem er das Prinzip der direkten Wahl anerkennt. Kulturkämpfer und ausge­sprochener Parteimann ist er ganz und gar nicht, und des­halb erscheint der ultramontane Versuch, ihm sein Amt zu verleiden, als politisch nicht ganz reiflich erwogen. Das Zentrum besorgt damit die Geschäfte der Nationalliberalen, die nichts sehnlicher wünschen, als den Mann an leitender Stelle zu sehen, der, aus ihren Reihen hervorgegangen, sich als Kulturkämpfer von bedeutenden Fähigkeiten hin­länglich bewährt hat. Soviel steht wohl fest, daß die anderen Oppositionsparteien den Husarenritt gegen den Staatsminister Rothe nicht mitmachen werden, weil sie nicht geneigt sind, einem ausgesprochen nationalliberalen Parteiministerium die Wege zu ebnen. . . ."

** Luxuswagen-Steuer. DieButzb. Ztg." schreibt: Bekanntlich herrscht durch die neueingeführte Ver­steuerung der Luxuswagen (20 Mk. pro Jahr) bei denen, die dazu ungerechtfertigterweise durch die falsche Gesetzes­auslegung von der Finanzverwaltung herangezogen wer­den, und auch bei den Wagenbauern große Erregung. Be­sonders wird der letztere Geschäftszweig empfindlich unter den jetzt gehandhabten Bestimmungen zu leiden haben. Bürgermeister Joutz, unser Vertreter im Landtage, legte kürzlich in den Spalten dieses Blattes klar, was die Abg. bei Annahme dieser Steuer unter Luxuswagen verstanden haben, und daß die gegenwärtige Anwendung sofort be-, seitigt werden müsse. Herr Wagenbauer Grauer dahier hat sich an seine Kollegen, mit der Bitte gewandt, bei ihren Abgeordneten dahin vorstellig zu werden, daß die­selben tim Landtage in abänderndem Sinne wirken. Ge­nannter Herr hat sich auch an den Landtags- und dies­seitigen Reichstagsabgeordneten, den Grafen Oriola ge­wandt, um die Ansichten dieses Sperrn, der den Antrag auf

Besteuerung der Luxuswagen miteingebracht hat, zu hören. Herrn Grauer wurde nun aus Berlin das folgende Schreiben:

Geehrtester Herr Grauer?

Der Antrag auf Besteuerung der Luxuswagen wurde von mir mitgestellt, weil ich es für ungerecht hielt, das; reiche Leute, Besitzer mehrerer Equipagen, in Bezug auf diese steuerfrei sein sollten, während der weniger Be­sitzende sein Fahrrad mit 5 Mk. besteuern sollte.

Ich stimmte gegen die Fahrradsteuer, als diese aber genehmigt wurde, stimmte ich .für die Besteuerung der Luxuswagen. Unter Luxuswageti haben wir aber keines­wegs den Wagen verstanden, den der Landwirt bedarf, um seine Geschäfte ordnungsmäßig erledigen zu können., Ob der Wagen, den der Oekonom braucht, um die Um­gegend zur Erledigung seiner Berufsgeschäfte zu befahren, Federn hat oder nicht, kommt meines Erachtens für die Be­urteilung, ob der Wagen ein Luxuswagen ist, nicht in Be­tracht.

Ich werde nicht unterlassen, in dieser Angelegenheit die geeigneten Schritte zu thun und gedenke eine Inter-' pellation einzureichen.

Hochachtungvoll ergebenst

Graf Oriola."

r. A u s d e m O h m t h a l e. Sicherem Vernehmen nach wird auf der Kleinbahnstrecke Kirchhain-Schweins­berg mit den Stationen Kirchhain, Amöneburg, Rüdig­heim und Schweinsberg am 1. April d. Js. durch die Staatseisenbahnverwaltung und zwar zunächst von der Königlichen Eisenbahndirektion zu Kassel der Betrieb er­öffnet. Später, jedenfalls mit der Eröffnung des Be­triebes auf der hessischen Staatsbahnstrecke Burg- und Nieder-GmündenNiederofteiden (Landesgrenze) wird der Betrieb auf der ganzen Strecke bis dttrchhain voraussicht­lich von der königl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. mit durchgehenden Zügen als Nebenbahn betrieben wer­den. Zunächst sind täglich drei Züge in jeder Richtung vorgesehen. Ob diese "dem Bedürfnis genügen und ent­sprechend gelegt sind, wird die Erfahrung lehren. Vor allem aber werden sich die in Betracht kommenden Be­wohner des Ohmthales freuen, daß nunmehr der langer-^ sehnte Zeitpunkt der Betriebseröffnung nahe gerückt ist. Hoffentlich werden alle Vorkehrungen rechtzeitig getroffen' und so beschleunigt, daß der Eröffnungstermin nicht noch­mals eine Verschiebung im letzten Augenblicke erleiden muß. Der Verkehr wird sich voraussichtlich weit besser gestalten, als früher angenommen worden ist. In der Umgebung von Schweinsberg und Niederofleiden sind in­zwischen fast unerschöpfliche Steinbrüche und Steinlager von zum Teil sehr wertvollem Material von auswärtigen Unter­nehmern zur Ausbeutung, erworben bezw. gepachtet worden, welche auch alsbald in Benutzung genommen werden sollen. Diese werden der neuen Bahn allein eine regelmäßige und dauernde Befrachtung sichern. Aber auch noch andere Umstände sprechen für eine verhältnismäßig rege Gestal­tung sowohl des Personen- wie des Güterverkehrs.

Darmstadt, 16. Februar. Ihre Königl. Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin sind mit Prinzessin Elisabeth am Dienstag mittag 12 Uhr 30 Min. in erwünsch­tem Wohlsein bei schönem Wetter in Capri angekommen, wo bereits eine Villa für die Allerhöchsten Herrschaften durch die vorausgesendete Dienerschaft vollständig herge­richtet worden war. Die Reise Ihrer Königlichen Hoheiten wurde dadurch verzögert, daß am Sonntag der Expreßzug in Mailand den Anschluß zum Zug nach Genua nicht mehr erreichte; leider kam auch in Rom der Zug so ver­spätet an, daß die Ankunft in Neapel erst am Montagabend möglich war, und die Allerhöchsten Herrschaften daselbst über Nacht bleiben mußten. In dem bereit liegenden DampfbootPia" erfolgte die Ueberfahrt am Dienstag Vormittag, und obwohl das Wetter schön war, dauerte die Fahrt von 10 bis 12 Uhr 30 Min. infolge der durch die vorhergegangenen Stürme noch bewegten See. (Drst. Zt.)

Arbeiterbewegung.

Der Streik itt den Kohlenreviere«.

Leipzig, 16. Februar. Die vorliegenden amtlichen Meldungen aus dem Streikgebiete sprechen zwar immer noch nur von einer mäßigen Zunahme der Zahl der Streikenden, aber der Ernst der Situation wird dadurch nicht verringert. Eine bedenkliche Illustration erfährt die Lage durch die Maßnahmen der Generaldirektion der sächsischen Staatsbahnen; Unter solchen Verhältniffen ist es dankbarst zu begrüßen, daß die kömgl. Staatsregierung offenbar entschloffen ist, alles zu thun, wa$ Hebung der Krise herbeizuführen vermag. Die Reise des Herrn Munsters v. Metzsch noch Zwickau, von der die nachfolgende Dresdener Meldung berichtet, läßt dies klar erkennen. Wir laffen nunmehr die vorliegenden Mitteilungen folgen. o

Dreöden, 16. Februar. Infolge der sehr bedenklichen Lage, welche durch die Streikbewegung im Zwickauer und Oelsnitz Lugauer Kohlenbezirke geschaffen worden ist, hat Herr Staatsminlster v. Metzsch Veranlassung genommen, sich heute in Begleitung des Herrn Geh. Rates Merz und des Herrn Obersinanzrates Wahle nach Zwickau zu begeben. Es sollen mit den in Frage kommenden Behörden, sowie den Vertretern der in Frage kommenden Vereine der bergbaulichen Jntereffen Be­sprechungen und Verhandlungen gepflogen werden, um der drohenden Kalamität nach Möglichkeit zu steuern. Das schnelle Emgreifen der sächsischen Staatsregierung verdient jedenfalls alle Anerkennung.

Halle a. G., 16. Februar. An die Werksbesitzer ist «ne Ein­gabe der Braunkohlenbergleute abgesandt worden, deren wichtigste Forderungen folgende sind: r . .

1. Eine Lohnzulage von 10 Proz. für alle Arbeiten über und unter Tage.

2. Vom 1. April 1900 ist die eigentliche Arbeitszeit um eme Stunde zu verkürzen. t

8. Möglichste Ausgleichung der Gedmgsätze nach dem Grundsätze: Für gleiche Arbeit ist auch der gleiche Lohn zu zahlen.

4. Beffere Wetterventilation, drrchgeführt bis vor den Oertern.

5. Einrichtung von ausreichenden Waschanstalten (Emzelbrause- bäder) und erwärmten Umkleideräumen; Stellung von Verbandsstoffen und Transportwagen für Verletzte. , ,, . .

6. Lieferung von hinreichendem Heizmaterial für den Hausbedarf der Bergarbeiter. e ,r

7. Wöchentliche Lohnzahlung, wie sie schon aus einer Anzahl Gruben des mitteldeutschen Braunkohlenreviers fiattsindet.

Die Petenten verlangen, daß ihre Eingabe bis zu morgen, 17. Februar, beantwortet werde und sprechen chre Hoffnung aus aus friedliche Erledigung der Arbeiterwünsche.

Wetterbericht. Die gestern westlich von Irland erschienene Depression hat ihren Bereich rasch ostwärts ausgebreitet, und den gestern erwähnten Rücken hohen Druckes in gleicher Richtung zurückgedrängt. Soweit die

heute vorliegenden mangelhaften Nachrichten aus dem? Nordwesten des Erdteils erkennen lassen, liegt das Zentruvr des niederen Druckes nicht weniger als 737 Millimeter über den britischen Inseln. Gegen das Gebiet mit hohem Ba­rometerstand, also gegen Osten zu sind die Gradienten sehr beträchtlich erweitert. Voraussichtliche Witterung: An'- dauernd unbeständiges windiges Wetter, später Abkühlung mit zeitweisen Niederschlägen.

Das höchste Haus der Welt

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In Amerika ist das höchste Haus der Welt erbtmt worden/zunächst freilich nur auf dem Papier. Bruce Pnce, der den höchstenWolkenkratzer" erbaut hat, ist der Vater dieses Gedankens. Nur 1500 Fuß soll das HauS hoch werden, also über 3mal so hoch als die Nikolaikirche in Hamburg. In diesem Hause sollen weit über 120000 Menschen wohnen können. DaS großartige Gebäude soll 125 Stockwerke haben, in welchen sich 6000 verschiedene Bureaux, Restaurants, Balllokale und Wohnungen befinden. Ein Wetterbureau wird imDachgeschoß" errichtet, eben­falls soll hier ein Luftkurort etabliert werden. Fünfzig Lifts sollen die ersten 30 Stockwerke emporführen, 10 Lifts ganz in die Höhe gehen. Durch 10000 Fenster soll dem Innern Licht gespendet werden und eine elektrische Riesen« flamme an der Turmspitze wird zur Nachtzeit blendende Helle verbreiten. Die Kosten sind auf ca. 180 Millionen Mark veranschlagt.

Markus Bauer Spezial-Geschäft in feiner kserren-Garderobe. Anfertigung nach Maß in eigener Werkstätte.

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