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Re 270 Erstes Blatt. Samstag den i7. November 15V. Jahrgang woo
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Die Gießener K«»ikte«»rL1ter werken dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für heff. Volkskunde" rvSchtl. 4 mol beigelegt.
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Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis Giefzen.
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Cberhesstscher (Obßbmcrrin Neremsbesirk (Siegen.
Am Sonntag dem 18.November findet in Daubringen eine Versammlung statt, in welcher der Sekretär des Vereins, Herr Oberlehrer Reichest aus Friedberg über „Das Erfrieren der Obstbäume" und über „Die wichtigsten Obstbaumschädlinge aus dem Tierreiche" sprechen wird.
Für die Mitglieder aus Daubringen findet dann eine Verlosung von Obstbäumen statt.
Die Mitglieder des Oberhessischen Obftbauvereins sowie sonstige Interessenten werden zu der Versammlung freundlichst eingeladen.
Gießen, den 15. November 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Dr. Wagner.
Amtlicher Feil.
Bekanntmachung.
Betr.: Schasräude in Grünberg.
Nachdem in der Schafherde des Schäfers Schmidt in Grünberg die Schafräude ausgebrochen ist, wird hierdurch für die betreffende Weide die Weidesperre verfügt.
Gießen, den 14. November 1900.
Großherzoglich^ Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung. ■.
Betr.: Abhaltung der Biehmärkte. '
Der für den 28. November d. Js. vorgesehene Viehmarkt zu Allendorf an der Lumda wird wegen der dort herrschenden Maul« und Klauenseuche hiermit aufgehoben.
Gießen, den 15. November 1900.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Dr. Wagner.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 15. November.
2. Sitzung.
Nach Verlesung der Eingaben schreitet das Haus zur Wahl des Präsidiums. Bei der Wahl der Präsidenten werden 294 Zettel abgegeben, davon 26 weiße, die übrigen lauten auf den bisherigen Präsidenten Grafen Ballestrem, der unter Beifall erklärt, daß er die Wahl annehme und das Präsidium übernimmt, wobei er den Vizepräsidenten von Frege unter Heiterkeit mit sanfter Gewalt von dem Präsidentenplatze verdrängen muß. Er hält hierauf folgende Ansprache:
Meine Herren! Sie haben mir wieder die große Ehre erwiesen, mich zum Präsidenten des deutschen Reichstages zu wählen, Sie haben mir nicht nur eine große Ehre hierdurch erzeigt, sondern eine besondere Genugthuung bereitet. Diesmal haben Sie mich nicht als einen Unbekannten gewählt, wie das letzte Mal, sondern Sie haben mich gewählt, nachdem ich zwei Jahre die Geschäfte des Präsidiums geführt habe. Ich glaube daher aus Ihrer Wahl entnehmen zu dürfen, daß Sie im »großen und ganzen nut meiner Geschäftsführung nicht ganz unzufrieden waren. (Zustimmung.) Diese erneute Wahl wird mir eine Anspornung jein, auch in dieser Session diejenigen Prin- zipren hoch zu halten, welche ich bei meiner ersten Wahl als maßgebend für die Führung der Präsidialgeschäfte bezeichnet habe. (Lebhafter Beifall.) Auch in dieser Session will ich die Würde des Reichstages nach jeder Richtung hin wahren. (Bravo!) Ich will ferner die größte Unparteilichkeit walten lassen. (Erneuter Beifall.) Ich will weder auf Parteien noch auf Personen sehen, wenn ich meine Präsidialbefugnisse ausübe. Endlich will id) mir Mühe geben, die Geschäfte, mit denen der Reichstag befaßt wird, möglichst zu fördern. Um aber viel zu erreichen, dazu bedarf ich Ihrer Mithilfe und zwar Ihrer all- seitigen Mithilfe, nur dann wird es mir möglich sein, das zu'erreichten. Die große Zahl der Stimmen, die sich ruf mich vereinigt haben, läßt mich hoffen, daß die Mit- wirkung auf keiner Seite des Hauses fehlen wird. (Zustimmung.) Nochmals meinen herzlichsten Dank für den Vertrauensbeweis, den Sie mir gegeben haben. (Allseitiger Veifall.)
Zum ersten Vizepräsidenten wird Abg. von Frege mit 190 von 290 abgegebenen Zetteln gewählt; 90 Zettel waren unbeschrieben, 3 lauteten auf von Treuen- fe:ld, 2 auf Singer, je 1 auf Levetzow, Schrimpf, Graf Bismarck-Bohlen, Sck,midt-Bingen und Dr. Schönlank. Abg. **n Frege nimmt die Wahl dankend an.
Bei der Wahl des zweiten Vizepräsidenten
werden 293 Stimmzettel abgegeben. Davon sind drei un- giltig, banmter einer, der auf den Namen Li-Hung- T s ch a n g lautet. (Große Heiterkeit.) Weitere vier Zettel sind unbeschrieben. Von den 286 giltigen Zetteln lauten 181 auf Büsin g (nl.), 55 auf Schmidt-Elberfeld (frs.) und 50 auf Singer (soz.). Abg. Büsing erklärt die Wahl mit Tank anzunehmen. Es folgt die Wahl der Schriftführer ebenfalls durch Stimmzettel. Entsprechend einem Vorschläge des Präsidenten wird die Feststellung des Ergebnisses dieser Wahl nach 6er Sitzung erfolgen und in der nächsten Sitzung verkündet werden. Zu Quästoren ernennt der Präsident die Abgeordneten Rintelen (c.) und Münch-Färber (nl.). Der Präsident gedenkt dann noch kurz der seit der letzten Sitzung durch den Tod abberufenen Mitglieder des Hauses. Dieses ehrt das Andenken der Dahingeschiedenen v. Dziembowski, v. Manteuffel und Liebknecht durch Erheben von den Sitzen. — Montag 12 Uhr: Interpellation betreffend die 12 0 0 0 Mark-An Gelegenheit und eventuell noch Nachtrags-Etat für Ch ina. Schluß nach 5 Uhr.
Jahresfeft des Oberhessischerr Vereins für innere Mission.
s-r. Gieße«, den 15. November 1900.
Das Fest begann am Dienstag um 3V2 Uhr mit einer Sitzung, an der sich außer dem Vorstand und den Synodalvertretern für innere Mission Regierungsrat Dr. Wagner, Beigeordneter Wolff, Strafanstaltsdirektor Clementz- Butzbach, Polizeiamtmann Hechler und mehrere Bezirksvorsteher und Armenpfleger der hiesigen städtischen Armenpflege teilnahmen. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten sprach Pfarrer Roeschen-Freienseen über „Fürsorge für verwahrloste und schutzbedürftige Kinder, besonders im Blick auf dasBürgerliche Gesetzbuch."
Es giebt wenig Fragen, die unsere staatlichen, städtischen und kirchlichen Verwaltungsbehörden in den letzten Jahren so beschäftigt haben, wie die Frage der Unterbringung der in Zwangserziehung zu gebenden Kinder. So konnte der Referent auf Grund reichhaltigen Materials, wie Aeußerungen der Kreisämter, der städtischen Armenämter, mehrerer Erziehungsvereine u. s. ro., die ihm die zugesandten Fragebogen beantwortet hatten, und an der Hand einiger Erfahrungen mit ausführlichen und klaren Darlegungen und Vorschlägen hervortreten. Diese Frage hat seit der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches und der Novelle zum Hessischen Zwangserziehungsgesetz eine erhöhte Bedeutung erhalten, indem die Möglichkeit der Zwangserziehung vergrößert und bis zur erreichten Volljährigkeit ausgedehnt worden ist. Heute ist man aus den mannigfachsten Gründen zur Familienerziehung übergegangen d. h. ihrem Elternhause zwangsweise entzogenen Pfleglinge sind in der Regel in einer Familie auf dem Lande zu erziehen; wo die Familienerziehung nicht ausreicht, also bei ganz verwahrlosten, tritt Anstaltspflege ein. Da nun die Verwaltungsbehörden schwer in der Lage sind, geeignete Familien zu finden, so haben bisher eine Reihe von Pfarrämtern und auch einige sogen. Erziehungsvereine die Ausfindigmachung und Ueberwachung dieser Familien freiwillig übernommen. Doch müßte jetzt ein Netz von Erziehungsvereinen sich über das ganze Land ausbreiten. Aufgabe dieser Vereine ist: für die vom Staat auf dem Zwangswege in Familien zu erziehenden Kinder geeignete Pflegefamilien, sodann geeignete Lehr- oder Dienststellen auszuwählen, den Vertragsabschluß zu vermitteln, die Erziehung zu überwachen und alle Verhandlungen mit den Pflegefamilien im Einverständnis mit der unterbringenden Verwaltungsbehörde zu führen. Der angemessene Bezirk für den Erziehungsverein soll das Dekanat sein; größere Bezirke hemmen die einheitliche Verwaltung und find darum nach Dekanaten zu teilen. Zudem empfahl der Redner einen losen Verband der Erziehungsvereine, durch den die gemachten Erfahrungen ausgetäuscht werden, und der beim Mangel geeigneter Pflegefamilien die gegenfeirige Aushilfe vermitteln soll. Dabei betonte er, daß die Fürsorge für die Pfleglinge sich nicht auf die Darbietung der notwendigen Lebensbedingungen beschränken dürfe, sondern vielmehr in der zielbewußten Erziehung des Kindes zu einem tüchtigen, für einen Beruf ausgebildeten ©liebe der Gesellschaft bestehen müsse. — Bei der nun folgenden Debatte, an der sich auch die obengenannten Vertreter der Behörden beteiligten, kam die Anerkennung für vieles, was schon nach dieser Richtung hin geleistet worden ist, zum Ausdruck. Insbesondere wurde der Eifer der Verwaltungsbehörden dankbar anerkannt. Allgemein war man der An
sicht, daß der von dem Referenten vorgeschlagene Weg der gangbarste sei, und stimmte seinen Ausführungen durchaus zu. Erst der Beginn des Festgottesdienstes machte der gegenseitigen Aussprache ein Ende. Nach Beendigung deS Gottesdienstes in der Stadtkirche, wo Pfarrer Grünewald- Mainz zum Werke der Nächstenliebe aufrief, vereinigte matt sich zur Freien Versammlung in „Steins Saalbau", der trotz mannigfacher anderweitiger Veranstaltungen von einer großen Zahl von Freunden der inneren Mission gefüllt war. In seiner Eröffnungsansprache gedachte der Vorsitzende, Professor Stamm, des Grafen Zinzendorf, dessen 200jährigen Geburtstag man in diesem Jahre ge° feiert hat.__________________________________(Schluß folgt.)
Aus Stadt und Kand.
Gießen, 16. November 1900.
** Schwurgericht. Verzeichnis der Geschworenen für das 4. Quartal: 1. Carl L 0 rz, Kaufmann in Nidda; 2. Wilhelm Stoll, Landwirt in Heuchelheim b. N.; 3. Ernst Dömlin g, Kaufmann in Gießen ; 4. Wilhelm Benner, Bürgermeister in Treis a. L.; 5. Heinrich 2 ch udt IV., Oekonom in Steinfurth; 6. Georg Alt I., Kaufmann in Lauterbach; 7. Philipp Kraus- grill XL, Kaufmann in Nieder-Weisel; 8. Moritz Zehner, Oekonom in Schwalheim; 9. Josef Thür in cf, Kaufmann in Büdingen; 10. Peter Wilh. Bär^ Landwirt in Rohrbach; 11. Konrad Leschh 0 rn II., Bürgermeister in Obbornhofen; 12. Peter Fatum, Bürgermeister in Wohnbach; 13. Karl K 0 ch, Müller in Assenheim; 14. Ludwig H 0 rst, Landwirt in Ilsdorf; 15. Moritz Frhr. von Leonhardt in Gr.-Karben; 16. Heinrich Reuther II., Landwirt in Nieder-Mockstadt; 17. Albert Knicket, Landwirt in Alt-Widermus; 18. Martin Kasimir König, Beigeordneter in Ober-Mörlen; 19. Wilhelm Mäser, Landwirt in Selters; 20. Leonhard Metzendorf, Maurermeister in Schlitz; 21. Hermann Koch, Bürgermeister in Stockheim; 22. Johannes Fölzing, Landwirt in Billertshausen; 23. Paul Heiur. Korell, Landwirt in Eutorf; 24. Heinr. Winter VI., Landwirt in Glauberg; 25. Friedr. Helfrich, Rentner in Gießen; 26. Max Heß, Bankier in Friedberg; 27. Wilh. Ludw. Ul r i ch, in Langenbergheim ; 28. Johannes G 0 t t w a l s I., Landwirt in Ulfa; 29. Christoph Häuser IV. in Nieder-Weisel; 30. Karl Kirchhof, Landwirt in Nidda.
** Konzert der Meininger Hofkapelle am 2 3. N 0 v e m b e r. Mit Bezug auf unsere Notiz betreffs der Konzertreise der Hofkapelle wird uns mitgeteilt, daß die Herzogl. Hofkapelle in der kommenden .Saison sechs Abonnements-Konzerte in Eisenach, vier in Gotha, drei in Erfurt und vier in Hildburghausen veranstalten wird. Die erste größere Konzertreise begann am 20. Oktober und erstreckte sich über Eisenach, Gotha, Halle, Berlin (vier Konzerte), Frankfurt a. O., Cassel, Göttingen, Elberfeld nach Holland, wo acht Konzerte stattfanden, und von da uach Köln, Düsseldorf und Crefeld. Am 12. November war die Reise beendigt. Die zweite Reise beginnt am 23. November und führt von Gießen nach Frankfurt a. M. (zwei Konzerte), Baden-Baden, Karlsruhe, Mainz, Darmstadt, Marburg und über Eisenach und Gotha (2. Dezember) zurück. Außerdem ist die Hofkapelle für zwei Konzerte (im März) nach Leipzig und für je ein Konzert noch nach Jena, Pößneck, Cassel und Göttingen engagiert. Mit den Pensionsfonds-Konzerten wird die Hofkapelle in kommender Saison ein Pensum von über 60 Konzerten zu bewältigen haben.
** Der Männerturnverein feiert am Samstag auf Lony's Bier keil er sein Stiftungsfest, verbunden mit Eröffnungskneipe, worauf wir nochmals besonders aufmerksam machen, (s. a. Inserat.)
Darmstadt, 15. November. Die vorgestern abend abgehaltene öffentliche Versammlung des Hessischen Goethebundes wurde durch Oberstleutnant Gad eröffnet, der u. a. mit Befriedigung die jüngst zu stände gekommene Gründung eines sich über ganz Deutschland erstreckenden Verbandes der Vereine erwähnte. Alsdann sprach Professor Dr. H a r n a ck in etwa fünfviertelstündigem Vortrag über das deutsche Drama im 19. Jahrhundert. — Die 8. Aufführung des Devrientschen G u st a v Adolf- Festspiels am Dienstag wurde durch die Teilnahme zahlreicher Professoren und Studierenden der hiesigen Technischen Hochschule bemerkenswert. Als der Beifall nach Schluß des 3. Aufzuges, wo Deutsche und Schweden Gustav Adolf gemeinschaftlich huldigen, noch nicht ganz verrauscht war, trat der Vorsitzende des Ausschusses der Studierenden, cand. electr. Glantz, vor, um bei geöffnetem Vorhang folgende Ansprache zu halten:
„In diesem von edler Begeisterung getragenen Augenblicke bringt die anwesende Darmstädter Studentenschaft den Darstellern dieses Festspiels freudigen Dank dar. Die hehre Gestalt des Schweden Gustav Adolf zeigt uns die heldenhafte Verbindung ger-


