| Auf einer Treppe, die als Geländer dinen von Pro- I fessor G. Riegelmann-Charlottenburg stammenden holzgeschnitzten Jagdfries aufweist, während die Wandflächen I große handgewebte Teppiche der Krefelder Teppich-Fabrik I als Schmuck erhalten haben, und die Glasgemälde der I Fenster von C. Engelbrecht-Hamburg herrühren, gelangt I man zu dem oberen Stockwerk, dessen Galerien um den I Lichthof führen. Hier treffen wir noch auf verschiedene I Zimmereinrichtungen, so zunächst auf den von Professor I H- Götz entworfenen stimmungsvollen Trausaal (für die | standesamtlichen Verbindungen) des Rathauses zu Karls- I ruhe, das eigenartige, hell gehaltene Empfangszimmer der I Künstler-Kolonie in Darmstadt und das freund- I liche Musikzimmer von Carl Spindler in St. Leonhardt I (Elsaß) mit eingelegten Paneelen und Möbeln aus Natur- I holz.
Zwei Cojen, deren Rückwände mit heimatlichen Winter- I landschaften bemalt sind, haben die Sonneberger und »Nürnberger Spielwaren-Fabriken mit ganz I reizenden, fich als wirkungsreiches Ganzes gebenden Kol- I lektiv - Ausstellungen eingenommen; hellen Kinderjubel I hört man hier häufig, aber auch die Erwachsenen halten nicht mit ihrer Freude zurück, und betrübt gestehen die Pariser Zeitungen ein, daß diese beiden Ausstellungen das Geschickteste und Hübscheste sind, was man sich denken kann, und daß hiervon die Franzosen viel zu lernen vermögen. Andere Cojen statteten E. Hulbe-Hamburg mit gepunzten Ledersachen, I. P. Kayser und Sohn-Krefeld mit ihren Zinn-, Bruckmann und Söhne-Heilbronn mit Bronze- und Eisengußwaren, darunter einen die deutsche Musik verherrlichenden, prächtigen Zimmerbrunnen, und F. H. Schmitz-Köln mit trefflichen Bronze- und Zinngeräten aus.
! Würdig besteht die deutsche Gold - und Silber- schm i e d e k u n st; verfügt sie auch bei weitem nicht über ein so kostbares Material, wie es bei den französischen^ Juwelieren der Fall ist, die einen viel reicheren und internationaleren Kaufmarkt besitzen, so bemüht sie sich dafür, die Erftndung neuer Formen, in sorgsam-liebevoller Arbeit, in vornehmen Zusammenstellungen der Edelmetalle und Erzielung schöner Farbenwirkungen das Beste zu lie- fern und zwar, unter Wahrung des Modernen und Gefälligen, in möglichst nationalem Stil. Mit prunkenden Ehrengeschenken paradiert München, Schmucksachen jeder Art und meist zu auffallend mäßigen Preisen enthält die Sammelausstellung der Pforzheimer Bijouterie-Industrie, umfassende Verwendung des Silbers zeigt uns) die Kollektivausstellung der E d e l m e t a l l i n d u st r i e Schwäbisch-Gmünd, eine Fülle meisterhafter Leistungen weist die Ausstellung der Königl. Zeichen-Akademie in Hanau a. M. auf. Aus den großen Städten, wie Berlin, München, Dresden, Stuttgart, D a r m st a d t, Karlsruhe, Köln, Frankfurt a. M. rc. haben die tüchtigsten Juweliere und Goldschmiede ihre Schätze gesandt (darunter auch das Wasmuth'sche Salta-Brettspiel, bestehend aus einem Spieltisch mit 30 aus Edelsteinen und Gold hergestellten Spielfteinen im Werte von 150 000 Francs), und erfreuen sich warmer Anerkennung. Leider sind die Kojen, in denen diese Arbeiten ausgestellt sind, etwas eng; auf kleinem Rauin wurde zuviel vereint, sodaß oft das eine das andere beeinträchtigt und eine erwünschte Ueber- sichtlichkeit fehlt.
9kur ein kleiner Teil der deutschen Aussteller konnte in Vorstehendem erwähnt werden, es wird dabei schon genug der Namen für die Leser sein, aber aus den Bezeichnungen kann man ersehen, daß alle Provinzen und' Länder des deutschen Reichs sich an dex^ Ausstellung beteiligt, mit gewijsenhaftem Streben, mit rastlosem Fleiß, hoffentlich auch mit dem ersehnten. Erfolg!
In unmittelbarer Nähe der deutschen Abteilung ist, außerhalb des Palastes, ein kapellenartiger Bau errichtet! worden, in dem die deutsche Kirchenkunst und die Waren jener Aussteller, die nicht auf kunstgewerblichem Gebiet thätig sind. Unterkunft finden sollen. Wohlgemerkt: sollen! denn vorläufig sind noch die Thore gefchlossen und im
Fachschule des Direktors Sauermann in Flensburg hergestellte niederdeutsche Zimmer mit seinen dunklen Holztäfelungen, dem behaglichen Fenstersitz, dem Kamin mit seinen farbigen Majolika-Fliesen, den reichgeschnitzten Wandschränken mit Haussprüchen und Beziehungen, auf das Eheglück, der ganzen gemütswarmen Einrichtung. Der „altdeutsche" Stil, wie ihn dieses Gemach vertritt, ist ja vielfach aus Unseren Wohnrüumen wieder verdrängt worden, und die schweren altväterlichen Möbel werden durch leicht- gesormte, hell gehaltene ersetzt. Nun, über den Geschmack ist nicht zu streiten, für viele bedeutet das „NLoderne" ja auch stets das Gute und sie sehen das „Alte" als überwunden an; aber ich glaube, daß man sich dock) zehnmal' heimischer fühlt in solch einem niederdeutschen Gemach als. wie in den benachbarten Münchener Zimmern mit ihren übermodernen, absichtlich eckig geformten, steifen Möbeln und den gesucht originellen Wanddekorationen. Auszunehmen ist das von R. Riemerschmied in München herrührende sehr wirksame Zimmer eines Kunstfreundes mit mannigfaltigster und sich doch hübsch zusammenfügender kunstgewerblicher Ausstattung und der Prunksaal von Professor Eman. Seidl. Sehr vornehme Einrichtungen von elegant- kunstlerischem Geschmack stellten H. Pallemburg in Köln, Schneider & Hanau in Frankfurt a. M., I. Buhten & Söhnei in Düsseldorf, sowie Max Bodenheim in Berlin aus, wobei ich erwähnen möchte, daß einem das Anführen von Namen sehr erschwert wird, denn jetzt, sieben Wochen nach Eröffnung der Ausstellung, forscht man noch oft vergeblich nach den nötigsten Angaben über Aussteller und Ausstellungs-Gegenstände !
Einen breiten Raum beanspruchte dieBerlinerKö- Porzellanmanufaktur, deren umfangreiche Ausstellung in überraschend schöner Weise die hintere Wand der deutschen Abteilung abschließt, derart, daß von j dem oben erwähnten Durchgänge die Blicke sofort auf ein von Professor Kips stammendes, halbkreisförmiges, aus über tausend Einzelteilen zusammengesetztes Porzellangemälde fallen, das in farbenfreudiger Darstellung das Streben nach dem Idealen versinnbildlicht, künstlerisch wie technisch eine Arbeit ersten Ranges. Das Gleiche darf von dem unten vor dem Gemälde aufgebauten, etwa drei I Meter hohen, zwei Meter breiten und fast acht Meter, langen Brunnen gesagt werden, der in prachtvoller Modellierung eme mächtige, von Nereiden und Tritonen getragene Muschel zeigt, über der eine auf einem Adler I Utende und auf einem Muschelhorn blasende Putte thront, I wahrend die Reliefs rechts und links allerhand Meeres- I bewohner zeigen, die auf die aus der Muschel der Putte sich ergießenden Wassermassen schauen. Nach vielen Hunderten zählen die übrigen Gegenstände der Manufaktur, I Achter ihnen zwei gewaltige Vasen mit herrlichem dekora- I tivem Beiwerk, dann kleinere Gerätschaften mit Verschmelz- I ung öon Goldbronze und Ziselierungen. Im gleick)en Saal I ijt sehr vorteilhaft bie Privat-Porzellanfabrikation ver- treteii ne&en einer schönen Sonderausstellung der K ö n i q - I lich Bayrischen Porzellanmanufaktur Nym - I phenburg.
Einen Seitenraum füllt die Königl. Sächsische Porzellan Manufaktur in Meißen aus; hier I tritt uns das Roccoco entgegen in all seinen graziösen I Gestaltungen, durch anmutige Gruppen verkörpert wie I durch Tafel- und Salondekorationen, daneben fehlts nicht I au. andern stilisierten Sachen rc. von farbig reizvoller I Wirkung. Freudige Ueberraschung bereitet die benachbarte I Ausstellung von Franz Ant. Mehlem in Bonn, die nur Porzellan-Kunstwerke ersten Ranges birgt, die es an Ge- I schwach Schönheit und sorgsamer Ausführung mit den I besten Arbeiten der Königlichen Manufakturen aushalten. Das Ganze stellt den Flur einer vornehmen Villa dar, um I Zu zeigen, zu welch' vielseitigen dekorativen Zwecken das I Porzellan verwendet werden kann: Vasen, Jardinieren, I Uhren, Beleuchtungskörper, Büsten, Schmuckgefäße mit auf- I liegenden Emails, Nippes, all das, in gewählter Aus-I ftellung, ist von seltenem Reiz und einer wunderbaren I Farbentönung.
^nnern herrscht ein arges Durcheinander. Angenehm rührt dies gerade nicht, und etwas mehr Emsigkeit bäv- man wohl erwarten dürfen; mit der berühmten deutsch^ „Fixigkeit" hat es sowieso an manchen Stellen retbt / hapert, leider, leider! '
Hinter Deutschland stoßen wir auf Rußland ba» einen beträchtlichen Raum einnimmt und auch hier' in seiner schon geschilderten asiatischen Abteilung bestrebt ist, sich Geltung zu verschaffen, was ihm sichtlich aelinat Eine Fülle schöner Möbel, Glas- und Porzellan-Waren Silber- und Emaille-Arbeiten, Bronzen (darunter die be' wunderswerten kleinen Einzelfiguren und Gruppen aus dem Soldaten- und Volksleben) rc. ist zur Schau gestellt und in der kirchlichen Kunst zeigt sich der Glanz und Prunk der byzantinischen Ueberlieferungen in all seiner buntfarbigen Pracht. Von überraschender Großartigkeit jedoch sind die Ausstellungen der Petersburger und Moskauer Juweliere die Schmuckstücke in des Wortes wahrster Bedeutung lieferten, von enorm künstlerischer, vornehmer Arbeit und erstaunlicher Kostbarkeit. Da sieht man u. a. die brillantenschimmernden kleinen Nachbildungen der russischen Kroninsignien, ferner über zwanzig Ostexeier aus dem Besin der jetzigen Kaiserin und der Kaiserin-Witwe von Rußland alles Meisterstücke der Juwelier- und Goldschmiedekunsl' ein freundlicher Brauch ist es nämlich, daß der Zar Ostern seiner Gemahlin ein solches Ei schenkt mit irgend einer Erinnerung au ein frohes Ereignis sdes letzten Jahres.
So finden wir hier ein Jaspis-Ei, auf das vollendetste verziert mit Gold und Diamanten, im weißseidenen Innern enthält es ein goldenes Miniatur-Kriegsschiff — jene: Schiff, auf welck>em der jetzige Zar seine Reise um die Erde zurückgelegt, und das Ei schenkte Alexander III. seiner Gemahlin in dem Jahre der Rückkehr ihres Sohnes von seiner weiten Fahrt. Ein anderes Ei aus massivem Gold mit Rosa-Emaille und einem Diamanten-Gespinnst birgt die Nachbildung des Galawagens, in welchem die gegen wärtige Kaiserin zur Krönung gefahren, wieder ein anderes aus diamantenen Pompadour-Ornamenten ruht auf einem Büschel aus Gold und Perlen gebildeter Maiglöckchen und zeigt, wenn man auf einen Diamantkopf drückt, die auf Elfenbein gemalten Bildchen des Kaisers und seiner Töchterchen, überragt von einer zierlichen Diamantkrone. Und all diese Wunder haben die Größe von Hühnereiern.
Nebenan, in einer blausammetnen, baldachinartigen Umrahmung, erblickt man die vom Zaren der Stadt Paris gewidmete, etwa einen Quadratmeter große Karte von Frankreich, deren einzelne Provinzen aus verschiedenen polierten edlen Mineralien bestehen, während die hauptsächlichsten Städte durch Diamanten, deren Größe sich nach der Bedeutung der Orte richtet, die Flüsse gleichfalls durch Diamantstreifen mit goldenen Bezeichnungen vertreten sind — ein sehr kostbares und sehr originelles Geschenk, der französischen Eitelkeit ungemein schmeichelnd.
Im ersten Stockwerk ist noch eine bedeutsame Ausstellung der russischen kunstgewerblichen Unterrichts-Anstalten, der Holz- und Papier- wie Spielwaren-Jndustrien rc. untergebracht, die viel neues und beachtenswertes enthält. Dann die oberen Gallerten zurückwandernd, treffen wir auf die hübschen und lehrreichen Sonderausstellungen von Schweden und Norwegen (mit den mannigfachen Erzeugnissen der Hausindustrien), von Spanien, das sich nur wenig beteiligt hat und in seinen kunstgewerblichen Darbietungen die Verherrlichung der Heiligen und der — Stierkämpfer zu Vereinen weiß, schließlich noch auf jene von Holland mit reichen Sammlungen Delfter Porzellanen.
Und dann--dann ist man ^oh, wenn man hinaus
tritt in die frische Lust und wenn die müden Augen sich erquicken können im munteren, weck)selvollen Leben und Treiben, denn solch eine stundenlange Wanderung von einem Saal zum andern, gewiß, sie ist interessant und lehrreich, aber anstrengend, o, anstrengend ist sie auch!--
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