Ministeriums in der Schulreform frage erfährt die „Kreuzzeitung": Die Lehrpläne des Gymnasiums und Realgymnasiums sollten bis einschließlich Obertertia gleich- gemacht werden; das Griechische solle am Gymnasium nichb ni Obersekunda, sondern in Untersekunda beginnen.
— Der „Liberalen Correspondenz" zufolge hat die Regierungin Danzig einen Justitiar nach Könitz entsandt zur persönlichen Vernehmung der antisemitischen Gym-^ n a s i a l l e h r e r, die sich an der Verbreitung der R i -i tualmordlegende in Könitz beteiligt hatten, und auf gemeinsame direkte Anweisung aus dem Ministerium des Innern und dem Kultusministerium ist den Beteiligten außerdem eine ausdrückliche Verwarnung erteilt worden mit Hinweis auf ein im Falle der Nichtbeachtung sofort zu gewärtigendes Disziplinarverfahren.
Stettin, 15. Mai. Die Minister v. Miquel und Frhr. r>. Hammer st ein trafen heute vormittag hier ein und begaben sich zur Besichtigung des Eisenwerkes Kraft nach Kratzwieck a. O. Die Rückreise nach Berlin erfolgte um 4 Uhr nachmittags.
Leipzig, 15. Mai. In der heutigen außerordentlich zahlreich besuchten Generalversammlung des Vereins deutscher Zeitungsverleger wurde angesichts der enormen Preissteigerung des Papiers infolge der Syndikatsbildung beschlossen, den Bau von Papierfabriken auf dem Weae des Genossenschaftswesens sofort anzubahnen. Es wurde eine Kommission gewählt, die einer baldmöglichst in Berlin einzuberufenden Versammlung, zu der auch Verleger größerer, dem Verein nicht angehörender Zeitungen eingeladen werden sollen, Bericht erstatten soll, an welchen Orten Deutschlands am geeignetsten Papierfabriken großen Stils zu errichten seien. Ein Zentralbüreau in Hannover soll Zeichnungen zu Beteiligungen an der Genossenschaft entgegennehmen. Zahlreiche Verleger erklärten bereits heute ihren Beitritt zur Genossenschaft.
Homburg v. d. H.> 15. Mai. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen ttafen gestern nachmittag von Schloß Friedrichshof auf der Saalburg ein. Der Prinz hatte mit seinem Adjutanten den Weg auf dem Fahrrad zurückgelegt.
Loudon, 16. Mai. Das Unterhaus nahm die Marine- Reservebill in dritter Lesung an.
Autwerpen, 15. Mai. Passagiere des Dampfers „Alvertville", der aus Boma hier eingelaufen ist, berichten über den jüngst gemeldeten Aufruhr der Batetelas in der Festung Cinkakaffe, daß er einen äußerst ernsten Charakter trug. Die Zahl der Aufständischen betrug über hundert. Sie hatten die belgischen Soldaten überrumpelt und eingeschloffen. Diejenigen Soldaten, die sich flüchten konnten, und in dem Hause' des Kommandanten Schutz gesucht hatten, wurden umzingelt und beschossen. Der Gouverneur ließ telegraphisch Unterstützung aus Luki herbeirufen, worauf die Aufständischen, als die Unterstützung ein traf, die Flucht ergriffen. Man ist über die Haltung der Aufständischen sehr beunruhigt, da sie vollständig bewaffnet und mit reichlicher Munition versehen sind. Die Ursache des Aufstandes war, daß die Behörden des Kongostaates gezögert hatten, die Leute nach ihrer Heimat zurückkehren zu laffen, als ihre Dienstzeit abgelaufen war.
Paris, 15. Mai. Mehrere Morgenblätter melden, der Zar werde im August zu längerem Aufenthalt nach Paris kommen; die Zarin werde ihn nicht begleiten; hingegen würden Finanzminifter Witte und der Minister des Auswärtigen, Murawjew, im Gefolge des Zaren sein.
Rom, 15. Mai. Die spanische Regierung hat die Konsulate in Italien und Oesterreich beauftragt, den in Görz weilenden Jnfanten Don Carlos zu überwachen, da angeblich zwischen Don Carlos und den Car liste n- führern in Spanien ein reger Depeschenwechsel stattfand. Don Carlos soll die letzten Aufstände veranlaßt haben.
— In der Kammer erfand die Opposition eine neue Variation der Obstruktion, nämlich eine musikalische. Nach Ferri, der stellenweise sehr heftig wurde, erhob sich Giolitti als Friedensstifter und beantragte die Ernennung einer neungliedrigen Kommission zur Beratung der Modifikation der Geschäftsordnung. Darauf beantragte Ferri die Feststellung der Beschlußfähigkeit, was der Präsident nach dem neuen Reglement als unstatthaft bezeichnete. Als Antwort begann die äußerste Linke mit Pultdeckeln zu arbeiten und sang die Arbeitermarseillaise. Der Präsident suspendierte nach den Bestimmungen des neuen Reglements die Sitzung auf eine Stunde.
Wien, 15. Mai. Wie verlautet, hat sich die Erzherzogin Marie Therese (Herzogin von Braganza und Infantin von Portugal), Wittwe des Erzherzogs Carl Ludwig, Stiefmutter der Erzherzöge Franz Ferdinand und Otto, mit ihrem Oberfihofmeister Graf Cabriani verlobt.
Prag, 15. Mai. „Narodni Listy" schlagen Repressalien gegen die Ausweisung von Tschechen aus dem preußischen Gebiete vor. Jeder preußische Staatsangehörige sei in den tschechischen Ländern von der tschechischen Bevölkerung so zu behandeln, daß ihm der Aufenthalt unmöglich gemacht werde. — Gegenüber den Versuchen, die Jungtschechen von'der Obstruktion abzubringen, schreibt dasselbe Blatt, daß es Unsinn wäre, zu glauben, daß sich die Tschechen mit der Lösung der Sprachenfrage zufrieden geben könnten. Ihre Ziele gehen weiter: Sie verlangen die völlige nationale Selbständigkeit des Königreichs. Ein Oesterreich wie das jetzige wollen sie nicht; die Dinge müßten zur Krise getrieben werden. — Die „Narodni Listy" wurden deswegen konfiszirt.
Aus Stadt Md Kand.
** Militärischer. Kitte, Lazarettiuspektor auf Probe in Darmstadt, ist zum Lazarettinspektor ernannt morden.
• * Personaluachrichten. Der Kanzlist bei dem Ministerium der Finanzen Heinrich Peter Krämer und der frühere Schutzmann Richard F i u n «zu Kanzlisten bei dem Ministerium des Innern ernannt. — Dem Oberamtsrichter Ludwig Seibert zu Höchst i. O. wurde das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
* * Distanzritt Insterburg-Straßburg L 8. Von den auf dem Rückwege beim Distanzritt Insterburg-Straßburg befindlichen Offiziere übernachteten hier im Hotel „zum Rappen" die Leutnants Löb decke und Blank vom 12. Ul.-Regt. aus Insterburg. Diese setzten heute morgen ihren Ritt fort, während zwei Kameraden noch gestern abend nach Marburg weitergeritten sind. Die vier Offiziere kamen von Koblenz das Lahnthal herauf.
• • Diebstahl oder Verlust? Einem Kommerzienrat und Fabrikbesitzer aus Gießen ist auf dem Wege von Wiesbaden nach Mainz eine goldene Uhr abhanden gekommen.
** Photographische Momentaufnahmen von der Denkmals-Emthüllung liegen uns in mehreren Exemplaren aus dem Verlag von Karl Krebs, Schulstraße, vor, die trotz der ungünstigen trüben Witterung größtenteils recht deutlich und wohlgelungen sind. Zwei oavoü zeigen uns den Ehrentempel mit dem Groß- Herzog und Prinzen Wilhelm, und auf der Esttade die Ehrengäste, links Oberbürgermeister Gnauth ,unb Beigeordneten Wolff, rechts die Generalität, die Stabsoffiziere des Regiments, die Stadtverordneten EmmeliuA und Kirch, den Schöpfer des Denkmals Ludwig Habich, die Ehrenkompagnie und Häuser Marktplatz 16 und 17 mit dicht besetzten Fenstern. Äne andere ist in dem Moment, ausgenommen, als Exzellenz Rau im Namen der Veteranen den Kranz niederlegt. Im Mittelpunkt steht das, Denkmal, im Vordergrund die inaktiven Offiziere, im Hintergrund die Sänger und die Kapelle der Marburger Jäger. — Eine recht reichhalttge Kollektion ist uns ferner von dem Verlag von H e i n r i ch N o l l, Mäusburg 7, vorgelegt, die vor allem auch den Vorbeimarsch der Veteranen, kompagnieen, jede einzeln ausgenommen, bringt. Die Gesichter sind deutlich zu erkennen, so daß diese Aufnahmen vielen Veteranen eine willkommene Erinnerung an diesen, für manchen vielleicht letzten, Parademarsch vor seinem Landesherrn sein dürfte. Auch von der Denkmals- Enthüllung liegen aus diesem Verlage mehrere Aufnahmen vor, die andere Momente wiedergeben, als die aus dem Krebs'schen Verlage, und von der entgegengesetzten Seite, des Dtarktplatzes ausgenommen sind. Die eine giebt den Augenblick wieder, in dem der Großherzog mit Oberbürgermeister Gnauth zur Linken und Prinz Wilhelm mit dem Stadtverordneten Kirch zur Linken, gefolgt von der Generalität, die Esttade verlassen und zur Besichtigung des' Denkmals schreiten, im Hintergrund die Ehrenkompagnie, sowie die Häuser der Schulsttaßen Ecke, ebenfalls mit vollbesetzten Fenstern. Eine andere bietet den Moment, als der Großherzog mit Oberbürgermeister Gnauth zur Besichtigung der Votivtafeln im Rathaus schreitet. Der Hintergrund ist im allgemeinen derselbe wie auf der vorigem. Eine dritte giebt die Stellung des Großherzogs und des Prinzen Wilhelm vor dem «Denkmal zur Abnahme des, Vorbeimarsches der Veteranen, Vereine, Schulen u. s. w. wieder. Auf ihr bemerken wir auch den Festredner, Pfarrer Dr. Naumann. Den Hintergrund bilden die Häuser der Ostseite des Marktplatzes, in deren Fenstern sich die Zuschauer wieder erkennen dürften.
Bad-Nauheim, 15. Mai. Tie vielbeklagte Unzulänglichkeit der hiesigen Bahnhofszustände wurde gestern wieder durch einen bedauerlichen Vorfall illustriert. Eine um 5 Uhr 15 Min. mit dem > Zuge von Frankfurt angekommene ältere Dame stürzte einen Teil der namentlich an bedeckten Tagen ziemlich dunklen Treppe hinab, die vom Bahnsteig in die Stadt führt. Die Bedauernswerte zog sich eine bluttge Verletzung im Gesicht zu. Wenn man erwägt, daß bei dem Zustand vieler hier an kommenden Kurftemden auch an sich unbedeutende Unfälle infolge der damit verknüpften Erregung die ernstesten Folgen haben können, so scheint der berechtigte Wunsch doppelt angebracht, daß, solange die bisherigen Bahnhofs-- zustände bestehen bleibeü, wenigstens für eine ausreichende Beleuchtung der Bahnhof und Stadt verbindenden Fallstiege gesorgt werden möge. Vielleicht würde es sich auch empfehlen, auf dem Bahnsteig eine Warnungstafel etwa folgenden Inhalts anzubringen: „Tie verehrlichen Reisenden werden in ihrem eigenen Interesse gebeten, nicht den Hauptausgang (die Treppe herab), sondern die seitlichen Nebenausgänge zu benutzen." Tas würde ja nicht- gerade eine Ruhmestafel für die preußische Eisenbahnverwaltung, aber eine unter den gegebenen Verhältnissen seht angebrachte Einrichtung sein.
n. Darmstadt, 16. Mai. Das frühere Palais des Prinzen Heinrich von Hessen, Wilhelminenstraße 34, von der Jnvaliditäts- und Altersversicherungsanstalt erworben, wird gegenwärtig für die Zwecke dieser Anstalt umgebaut. Obgleich es sich hier teilweise um recht umfangreiche Arbeiten handelt, so wurde nicht, wie dies bei Staatsbauten geschehen soll, eine Submission ausgeschrieben, sondern die Arbeiten von dem Vorsitzenden dieser Anstalt nach seinem Belieben, ohne jede Konkurrenz einfach vergeben. Wenn nun auch für dieses Gebäude keine Staatsmittel Verwendung finden, so trögt dasselbe doch unzweifelhaft den Charakter einer Staatsanstalt, zu ivelcher der Staat und in noch hervorragender Weise der Gewerbestand durch seine gesetzlichen Beittagsleistungen herangezogen wird. Schon aus diesen Gründen sollten die berufenen Organe, und in erster Linie der Ausschuß dieser Versicherungsanstalt sich für verpflichtet erachten, die Interessen des Instituts und des Gewerbestandes nach allen Seiten wahrzunehmen und darüber zu wachen, daß jedem Handwerker die Möglichkeit zur Arbeitserwerbung gegeben wird. Durch die gänzlich unbegründete Bevorzugung einzelner wird die Unzufriedenheit in weiten Kreisen des Handwerks geradezu herausgefordert. Handwerker, die in den Pflichten ihres Berufes es unternommen und recht ftühzeitig den Vorsitzenden der Anstalt gebeten hatten, nicht etwa sie zu bevorzugen, sondern sie nur zur Konkurrenz zuzulassen, wurde nach ^.nger Zeit und nach mehrmaligem Ersuchen um einen Bescheid und Anwendung nicht üblicher Gebräuche die Antwort zu Leit, daß die Arbeiten bereits vergeben seien. Wir glauben, daß das Großtz. Ministerium des Innern als
«ufsMbehördr, sowie au^ das Reichsversichcrungsamt ™ltr?,\CjC"L.PDrge^ «-r itzenden der Versicherns- Anstalt nicht einverstanden sein kann. Immerhin ist es bezeichnend, wenn am Vorabend des Beginns der Tbätia- keit der Handwerkskammer von sehr wohl berufenen Organen der Staatsverwaltung die Interessen des Handwerks so wenig beachtet werden, und es würde der Aussvrurd eines Reichstagsabgeordneten, der die Handwerkskammer als ein „leeres Ei" bezeichnete, zur Wahrheit werden Liegen die Sachen thatsächlich so, so wäre es allerdings wünschenswert, daß hier gründlich Wandel geschaffen
Darmstadt, 15. Mai. Anläßlich des Besuchs der Torpedobootsdivision in den hessischen Rhein - städteu sandte der Großherzog gestern folgendes Telegramm ab:
An Se. Maj. den Kaiser.
Eurer Majestät melde Ich, daß Ich heute Eurer Majestät Rheintorpedobootsdivision an Meiner Landes- grenze in Bingen empfangen habe und mit derselben nach Mainz gefahren bin. Zum erstenmal vereint mit deutschen Kriegsschiffen in Meinem Land, drängt es Mich Eurer Majestät auszusprechen, welche Freude Mich und Mein Hessenland erfüllt beim Anblick eines Teiles unserer Wehrkraft, welcher mit dazu berufen ist, Deutschlands Größe zu erhalten. Ernst Ludwig.
Der Kaiser antwortete:
An Se. König!. Hoheit den Großherzog von Hessen.
Ich danke Eurer Königlichen Hoheit von Herzen für den warmen patriotischen Empfang, welchen das Heffen- land unter Höchstihrer persönlichen Beteiligung der Rheintorpedobootsdivision bereitet hat. Wie dieselbe trotz aller Hindernisse immer weiter in das innere Deutschland vordringt, so wird auch, davon bin Ich überzeugt, die nationale Begeisterung, das Verständnis und das Interesse für unsere Aufgaben auf dem Wasser im deutschen Volke unter Führung seiner Fürsten immer weitere Fortschritte machen zum Wohle des zu Wasser wie zu Land Achtung gebietenden Vaterlandes. Wilhelm.
Gestern nachmittag 4*/, Uhr traf die Erbprinzessin Alexandra zu Hohenlohe-Langenburg, von Coburg kommend, hier ein und reiste um 5 Uhr in Begleitung der Hofdame Freiin v. Rotsmann, die zum Empfang hier erschienen war, nach Jagdschloß Wolssgarten weiter. — Der Großherzog begab sich heute früh von Jagdschloß Wolfsgarten in Begleitung des funktionierenden Generaladjutanten Freiherrn v. Senarclens-Grancy und Rittmeisters Kraemer nach dem Truppenübungsplatz bei Griesheim, wohnte der Besichtigung von drei Eskadronen des 1. Großh. Dragoner»Regiments Nr. 23 bei und kehrte sodann wieder nach Jagdschloß Wolfsgarten zurück. — Zur Vorbesprechung über die Gründung eines Hessischen GoethebuudeS zum Schutze von Wiffenschaft, Litteratur und Kunst fand Montagabend unter dem Vorsitz des Profeffors Dr. Har- nack im Kaisersaal eine Delegiertenversammlung statt. Es wurde nach eingehender Diskussion beschlossen, durch öffentlichen Aufruf alle interessierten Kreise zu einer konstituierenden Versammlung einzuladen, die am Freitag, abends 9 Uhr, im Kaisersaal stattfinden soll. Ein Statutenentwurf wurde durchberaten und angenommen. Für die öffentliche Versammlung hat Professor Dr. Harnack das einleitende Re- ferat übernommen.
In Hechtshei», 14. Mai, wurde der bei dem Landwirte Jakob Stenner bedienstete Knecht Namens Kloos erstochen aufgefunden. Die Thal soll bei einem Streit begangen worven sein. Gestern nachmittag trafen die Staatsanwaltschaft und der Untersuchungsrichter, sowie Medizinalrat Dr. Balser hier ein. Die Leiche des Kloos wurde von letzterem seziert. Der Tod ist erfolgt durch einen Meffer- stich, der die Lunge durchbohrt hat. Weiter zeigt die Leiche aber Spuren von einer unbeschreiblich rohen, geradezu tierischen Handlungsweise. Der Kopf, wie der Unterleib sind durch Fußtritte arg verletzt. Die Thäter müffen mit aller ihnen zu Gebote stehenden Kraft auf den am Boden liegenden und mit dem Tode ringenden herumgetreten sein. Durch die eingeleitete Untersuchung und die Borermitteluugen der Gendarmerie bekam man Kenntnis über den ungefähren Hergang bei der Ermordung und die Thäter selbst. Zwischen 11 und 12 Uhr nachts hat sich der Vorgang in der Mainzer Straße abgespielt. Eines Frauenzimmers wegen dürften die Thäter mit dem Ermordeten in Streit geraten fein. Als sie sahen, daß ihr Gegner tot war, haben die, man muß sagen, „vertierten" Menschen, den Toten aufgehoben, vor das Gemeindehaus getragen, und dort angegeben, sie hätten den Toten eben in der Mainzer Straße liegend aufgefunden. Vernehmungen fanden gleich gestern nachmittag statt. Sämtliche Ausgänge des Ortes waren durch Gens- darmen besetzt, und diese verhafteten die Thäter. Im Ganzen wurden sieben Burschen verhaftet, von denen der jüngste 17, der älteste 23 Jahre alt ist. Die Namen sind Sttößinger (dieser wurde morgens gefoppt und hat daraufhin die nachfolgenden Mitthäter verraten), die Brüder Sippe!, Löb, Kaltenbach, Borstel und Orth. Alle sieben wurden noch gestern abend aneinander geschloffen von Gendarmen in die Stadt gebracht und in das Untersuchungsgefängnis, in dem sie einzeln inhaftiert wurden, eingeliefert.
•* Kleine Mitteilungen aus Heffeu und den Nachbarstaaten. In Friedberg ließ man am 13. d. M. 16000 Brieftauben, die von Solingen und Remscheid aus mit der Bahn dahingebracht waren, auffliegen. — In der Nacht zum Sonntag wurden in der Frankfurter Straße in Marburg beim Morgengrauen die Laternen wieder angezündet und mitgenommene Ascheneimer und Restaurationslaternen an den Bäumen aufgehängt. — In Offenbach a. M. fand eine Versammlung von Frankfurter und Offenbacher Ju- tereffenten der Portefeuilles- und Sattlerwaren-Jndufirie statt. ES wurde eine Vereinigung der Portefeuilles- und Sattlerwaren Industriellen zur Wahrung der gemeinsame«
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