Ausgabe 
17.1.1900 Zweites Blatt
 
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Nr. 13 Zweites Blatt Mittwoch den 17. Zanuar ai)OO

Gießener Anzeiger

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Hießen, den 16. Januar 1900.

♦♦ «eschichtSkalender. (Nachdruck verboten.) Vor 194 J-bren, sm 17. Januar 1706, wurde zu Boston Benjamin Franklin, der Erfinder deS Bl tzabletters, peboren, der sich außerdem noch als Begründer einer öffentlichen Bibliothek in Amerika, sowie durch Rede und Schrift und als kluger Geschäftsführer seines Vaterlandes an dm Höfen von London und Parts hervorthat. Die Erscheinung dieses schlichten, verständigen Mannes erzeugte einst in Frankreichs erregbarer Hauptstadt eine solche Begeisterung, daß sich viele franzö­sische Edelleute an dem amerikanischen Freiheitskampfe beteiligten.

* Aus dem Gerichtsdienst. Seine Königliche Hoheit der Großherzog habenAllergnädigst geruht, am 13. Januar den Registrator bei dem Oberlandesgericht, Peter Schäfer, auf sein Nachfuchen und unter Anerkennung seiner lang­jährigen, treuen Dienste, mit Wirkung vom Dienstantritt seines Dienstnachfolgers, in den Ruhestand zu versetzen und demselben aus diesem Anlaß den Charakter alsKanzleirat" zu erteilen.

** Touristisches. Die erste diesjährige Tour der Sektion Gießen" des Deutschen und Oester. Alpenvereins am letzten Sonntag galt dem Herrscher unserer Gegend, dem Dünsberg. In der stattlichen Zahl von 23 Sektions- gcnossen, dazu noch 16 Herren vom Wetzlarer Taunusklub, marschierte man gegen 1/29 Uhr von der Lahnbrücke ab. In zwanglosen Gruppen ging es auf bekannten Wegen über Gleiberg nach Fellingshausen, wo der Aufstieg zu der'be­waldeten Höhe begann. Die Schneedecke des Bodens, nicht so hoch, um den rüstigen Touriftenschritt allzusehr zu hemmen, und die Pracht der vom Rauhreif überzuckerten Bäume und Sträucher verliehen dem Berge ein echt winter­liches Gepräge und der Wanderung einen ganz besonderen Reiz. Als um 11 Uhr auch der Nachtrab der munteren Touristenschar den Gipfel erreicht hatte, prasselte bereits ein lustiges Feuer in dem Herde der mit dem Turm ver­bundenen Schutzhütte und fing an, behagliche Wärme zu verbreiten. Bei sparsamster Raumeinteilung konnten sämt­liche Wandergenossen in der Hütte Aufnahme finden, und köstlich mundete das Frühstück nach dem Marsch durch die frische Morgenluft. Schon kam auch das aus Fellings­hausen mitgebrachte Wasser zum Sieden, und mit einem vortrefflichen Punsche konnten die neuen Becher und Gläser, das jüngste Hütteninventar, eingeweiht werden. Dreimal durfte der stattliche Kessel seinen wärmenden Inhalt spenden,

bis zum Aufbruch gemahnt wurde. Wer darauf gerechnet hatte, beim Verlassen des gastlichen Daches die Szene ver­ändert zu finden und statt der Nebelkappe des Berges nun einen umfassenden Rundblick von dieser hohen Warte aus zu genießen, der war freilich enttäuscht. Doch konnte das der allgemeinen Stimmung keinen Abbruch thun, und fröhlich wurde der Weüermarsch angetreten, nicht ohne vorher für das Vereinsalbum durch zwei photo­graphische Aufnahmen gesorgt zu haben. Gegen V81 Uhr begann man den Abstieg, auf Vorschlag eines bewährten Pfadfinders nicht auf den betretenen Wegen, sondern des Tannen- und Buchengestrüpps nicht achtend in gerader Richtung nach Westen, den steilen Abhang des Berges hinunter. Unstreitig darf dieseAbfahrt" mit ihrer Fülle von landschaftlichen Schönheiten und humorvollen Erleb­nissen als der interessanteste Teil der Tour bezeichnet werden. Nachdem das Hindernis des Bieberbaches ge­nommen war, gings wieder aufwärts gen Hohensolms, das freundlich von seiner anmutigen Höhe den Wanderern wiederholt entgegenwinkte. Um 2 Uhr war das Städtchen erreicht, wo bei Führer ein einfaches Mahl der Hungrigen harrte. Gegen 4 Uhr verabschiedeten sich die Wetzlarer Tourgenossen, um auf geradem Wege über Blasbach nach Hause zurückzupilgern. Bald darauf machten auch unsere Gießener Freunde sich auf zum Marsche über Königsberg, Bieber nach Rodheim, wo noch eine kurze Rast dem größten Teile der Gesellschaft Gelegenheit bot, bei beschaulichem Rückblick auf die gelungene Tour den Zug der Bieberthal­bahn zu erwarten, der sie um 7 Uhr nach Gießen zurück» brachte, während nur wenige es sich nicht nehmen ließen, auch diese letzte Strecke noch zu Fuß zurückzulegen. z.

* Die neuen LPsennigMarken. Es herrscht vielfach Unklarheit über den Zweck und die Giltigkeit der neu aus­gegebenen Postmarken im Werte von 2 Pfennigen. Diese Marken erhalten ihre eigentliche Bestimmung erst mit der am 1. April ins Leben tretenden Postnovelle. Von da an wird der Tarif der Postkarten im Ortsverkehr auf zwei Pfennig ermäßigt und zur Frankierung dieser Lokal­postkarten dient die 2 Pfennig Marke. Außerdem noch zur Frankierung offener Drucksachen, die auch eine Er­mäßigung vom 1. April an erfahren. Bis 1. April dürfen die 2 Pfennig Marken nur zur Ergänzung dienen. Will man einen Brief mit 5 Pfennig frankieren und hierzu eine 3-Pfennig-Marke verwenden, so kann man dieser eine solche neue 2 Pfennig Marke als Ergänzung hinzufügen. Eine andere Verwendung darf die 2-Pfennig-Marke vorerst nicht finden.

** Pensionierung der Gerichtsvollzieher. An sämtliche Gerichtsvollzieher des Landes ist ein Ausschreiben des Großh. Ministeriums der Justiz eingetroffen, in welchen denselben die Mitteilung gemacht wird, daß die Averfional- summe, die bei der Versetzung eines Gerichtsvollziehers in den Ruhestand der Berechnung der Pension derselben zu Grunde gelegt werde, von 2000 Mk. nunmehr auf 2600 Mk., und zwar mit Wirkung vom 1. April 1897, erhöht worden sei.

NiederMoos, 14. Januar, Dem hiesigen Nachtwächter Heinrich Rück wurde kürzlich nachts am Fenster geklopft. Als derselbe ausmachte, wollte eine fremde Person eine Laterne von ihm geliehen haben zum Nachhausegehen (die betreffende Person war nämlich ein Steinklopfer von dem benachbarten Metzlos.) Der Nachtwächter sagte, daß er seine Laterne nicht entbehren könne, da er dieselbe zu seinem Nachtwachedienst dringend nötig habe, auch keine andere besitze. Nachdem war die Sache erledigt. Als der Nachtwächter seine Stunde abblasen wollte, begegnete ihm wieder dieselbe Persönlichkeit mit der Ansprache er (der Nachtwächter) solle ihm doch den Weg zeigen, welches Ersterer auch bereitwilligst that. Nachdem beide eine Strecke weit zusammen gegangen waren, sagte der Fremde zu dem Nachtwächter: So jetzt finde ich den Weg allein, du kannst jetzt fortgehen, du Lump, 2C., wobei er dem Nachtwächter gleichzeitig einen Schlag auf den Arm und darnach einen solchen auf den Kopf versetzte. Nur durch Gegenwehr konnte sich letzterer retten und kamen dann beide auseinander. Nach einigen Mmuten kam der Betreffende wieder, um abermals nach dem Weg zu fragen, worauf jedoch der Nachtwächter erwiderte, er habe ihm ja bereits den Weg gezeigt, nun solle er sehen wie er heim komme. Hierauf hat er sich bann nicht wieder sehen lassen. Der Nachtwächter hat die Sache bereits zur An­zeige gebracht und wird dem Uebermütigen, welcher wahrscheinlich angetrunken war, sein Benehmen teuer zu stehen kommen, zumal der Nachtwächter auch noch im Dienst war.

Darmstadt, 15. Januar. DieNeue Hess. Volksbl." melden: Wie bereits kurz erwähnt, wurde der von unserem talentvollen Landsmann, Herrn Bildhauer Ludwig Habich dahier, angefertigte Entwurf für ein Alicedenkmal zur Ausführung bestimmt. Wie wir erfahren, stellt dasselbe einen Obelisken dar, aus dessen unterem Teil vier weibliche Figuren ausgemeißelt sind, in Verbindung mit Lorbeer­bäumen, Jnschriftband, Kränzen und einem Medaillon-

Feuilleton.

Miefe aus der Mstdenz.

Originalbericht für denGießener Anzeiger".

(Nachdruck verboten.)

Familieuabend desMufikvereinS" iw Saalbau. Der 2. TeU be8 Goethe'schen Faust am Hoftheater. Reue Bilder im Kunstverein. Das Alice-Denkmal.

Wo werden mich die ersten Veilchen grüßen?" Halb und halb hat man es beklagt, daß diese dichterische Frage so ziemlich unzeitgemäß geworden, denn alle süß duftenden Blumen des Frühjahrs bringen uns die Künste und den Betriebssinn der Gärtner schon im eiskalten Winter vor die entzückten Geruchsnerven. Die Vertauschung der Zeiten ist eben das Allermodernste auf allen Gebieten! Was ver­gleicht sich wohl an Kühnheit dem Entschluß unseresDarm­städter Musikvereins", samt Mitgliedern und Präsidium einer Einladung desLützelbacher Gesangvereins" zu folgen und in der herrlichen Odenwälder Luft, die jetzt ganz be­sonders frisch fein soll, im Freien Chorgesänge, Solovor­träge und Mahlzeiten, gewürzt durch Koupletscherze, ab­zuhalten.

Es traf sich günstig, daß in Lützelbach gerade eine stattlicheBauernhochzeit" ausgerichtet wurde, zu der man natürlich die städtischen Gäste einlud. Die beiden Elemente fanden sich auf dem Boden der edlen Sangeskunst vor­trefflich zusammen und wetteiferten in rühmlicher Weise, die aus weiteren Kreisen von Nah und Fern herbeigeströmten Zuschauer aufs liebenswürdigste zu unterhalten.

Der Glanz des Hochsommers lag über dem Fest und vor allem über den Toiletten der Damen. Frische Bauern­

dirnen, noch in der üblichen Landestracht, sah man neben hocheleganten Radfahrdamen, deren weißes Piquäkleid gar nicht vermuten ließ, daß sie bereits den an einigen Strecken nicht ganz staubfreien Weg von Darmstadt bis Lützelbach zurückgelegt hatten. Auf den Hüten ragte eS von Mohn­blüten, Kornblumen und Eichenlaub. Auch die Touristen­kopfbedeckung fehlte selbstverständlich nicht. Die umgehangene Ledertasche verriet, daß einige Teilnehmer schon von etwas weiter kommen, wie denn auch die Anwesenheit vonTirolern" bayerischem Gebirgsvolk, ja italienischen Eisenbahnarbeitern in ihrem Sonntagsstaat bewies, daß man das nicht hessische Element keineswegs ausgeschlossen hatte. BonOld Eng­land" hatte aber doch nur eine D ame den Mut besessen, sich in die Gesellschaft zu wagen. Natürlich ließ man sie die tolle Politik Chamberlains nicht entgelten, zumal sie sich als eine treue Freundin und gute Kennerin deutscher Musik legitimieren konnte. Bewundern muß man die große Sorg­fältigkeit, die riesige Vertrauensseligkeit der Gesellschaft, in der sich auch kein Einziger mit einem Regenschirm bewaff­net hatte, hinsichtlich des Wetters. Die schützende Decke liehen diesmal die festen Mauern des Saal­baues her, innerhalb deren einem oft genug die in Fröh­lichkeit verlebten Stunden wie im Fluge enteilen.

Im Großherzoglichen Hostheater heißt die Hauptleistung des Januar: Einstudierung des Goethe- scheu Faust, vom Vorspiel auf dem Theater an bis zum Schluß des zweiten Teils. Auf drei Abende hat man den gewaltigen Stoff verteilt. Die Spielzeit des zweiten Teils währte mit zwei kleinen Pausen gerade von halb sechs bis elf Uhr.

In der Darmstädter Bühneneinrichtuug legt man den Hauptaccent auf all' die Momente die mit dem Faustthema selbst eng zusammenhängen und verweilt nicht mit umständ­licher Ausführlichkeit bei den nebensächlichen Episoden.

So macht denn auch das Werk bei uns durchaus nicht den Eindruck eines Ausstattungsstückes, sondern einer har­monisch gegliederten Dichtung. Das gesamte Künstler- personal des Schauspiels, aber auch verschiedene Kräfte der Oper waren zur Aufführung herangezogen.

Unser Kunstverein hat gleich zu Beginn des neuen Jahres wieder viel des Anziehenden geboten, die gute Leitung hält uns allen dilettantischen Kram fern, und sagt vor allem, daß durch Vorführung solcher Gemälde, die eine nicht sofort zu erfassende persönliche Eigenart bekunden, das Publikum, das vor den Werken der bildenden Kunst noch immer ziemlich ratlos, mit allgemeinen Schlagworten sich behelfend steht, zu intimerem Schauen erzogen werde.

Ein großes ernstes Bild von dem Düsseldorfer Arthur Kamps,Volksopf er" betitelt, und jene freiwillige Bei­steuer an Kleinodien, silbernen Gerätschaften, Trauringen, abgeschnittenen prachtvollen Haarflechten zeigend, welche die Leute in den altpreußischen Provinzen aus dem Altar des Vaterlandes im Jahr 1813 niederlegten, ist so recht dazu augethan, zu zeigen, daß auch heute noch Geschichte ge­malt werden kann, nur schlichter, einfacher und natur­getreuer, als man das vor dreißig Jahren anzunehmen sich gewöhnt hatte.

DaS Alice-Denkmal wird für Darmstadt in etwa 14 Monaten eine Thatsache fein. Die Beiträge, die eine hohe Summe erreicht haben, sind aus dem ganzen Groß- Herzogtum geflossen; auch im Auslande lebende Personen haben sich in erstaunlich reger Weise beteiligt. Ausstellung finden wird das Monument auf dem freien Platz vor der katholischen Kirche, dem Palaisgarten gerade gegenüber.

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