Ausgabe 
16.12.1900 Sechstes Blatt
 
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Seine erste Sorge war Geld zu bekommen. Fräulein v. D. schaffte, weil ihr angehender Bräutigam ohne Mittel die Erbschaft nicht erheben zu können vorgab, alles heran, was sie entbehren oder bekommen konnte, zum Teil von ihrer Schwester. Gravenhorst aber wandte sich hinter ihrem Rücken auch an seine Wirtin Fräulein H-, machte ihr schließlich! eine Liebeserklärung und schlug ihr vor, mit ihm nach England zu fliehen, nachdem sie ihre Wohnungseinrichtung verkauft hätte. Fraulein H. ging aber darauf nicht ein, und auch jeder Versuch des Werbers, sie anzupumpen, schlug fehl. Unter der Hand aber knüpfte Gravenhorst noch mit einer Haupt­mannswitwe in Charlottenburg, einer Witwe R. und einer anderen Dame an, deren Persönlichkeit noch nicht be­kannt ist. Dieser vielfache Schwindel ging so lange gut, bis der Bericht erschien, daß Herr von Gravenhorst ver­mißt wurde. Nun fanden seine Beziehungen zu Fräulein v. D. einen sehr dramatischen Abschluß. Die Dame trat Gravenhorst entgegen und verlangte Aufklärung. Er machte Ausflüchte und erklärte, daß die Zeitungsmeldung unwahr sei. Plötzlich, lud er vor den Augen der Dame einen Revolver. Fräulein v. D. jedoch, der er früher schon gesagt hatte, er werde noch sie und sich, erschießen, wenn er nicht die Mittel bekomme, die Erbschaft zu regeln, zog nun ihrerseits den Revolver, den sie stets bei sich, trug, und feuerte einen Schuß auf ihn ab, ohne zu treffen. Gravenhorst ließ vor Schreck seine Waffe fallen und entfloh. Seinen Koffer, den Ueber- zieher u. a. m. ließ er zurück. Die Kriminalpolizei verfolgt ihn jetzt, ein Steckbrief ist bereits ausgefertigt. Fräulein v. D. aber wurde verhaftet. Ob sie in berechtigter Not­wehr den Schuß abgefeuert hat, steht noch dahin. Die Angaben der Frau Gravenhorst, daß sie von dem Treiben ihres Mannes keine Kenntnis gehabt habe, begegnet Zweifeln. Die Frau ist bereits zweimal vernommen worden.

Weibliche Rechtsanwälte. Aus Paris wird geschrieben: Bor wenigen Jahren wurde Fräulein Chauvin abgewiesen, als sie im Justizpalast ihren An­trag auf Zulassung zur Anwaltschaft in glänzender Rede vor den versammelten Richtern begründete. Jedoch fand sie vollen Beifall bei den zahlreichen Zuhörern. Inzwischen ist aber ein Gesetz ergangen, kraft deffen Frau Petit den Eid als Anwältin zugleich mit siebzehn männlichen Rechts­kundigen ablegen konnte:Ich schwöre, als Verteidiger oder als Rechtsbeistand, nichts zu sagen oder zu veröffent lichen, daS gegen die Gesetze, Ordnungen, guten Sitten, Sicherheit des Staates oder den öffentlichen Frieden ge­richtet wäre, niemals gegen die den Gerichten und Obrig­keiten gebührende Achtung zu verstoßen." Frau Petit erhob dabei ihre schöne, kleine, m't vielen Ringen beschwerte Frauenhand mit einer so anmutigen Bewegung, zog dabei mit der linken Hand den weiten rechten Aermel des AmtS- kleides so gesch'ckt zurück, daß sie allgemein bewundert wurde. Dann machte sie sofort von ihrem Rechte Ge­brauch, setzte sich neben ihren Mann auf eine der

den Anwälten vorbehaltenen Bänke. Sie ist eine mittelgroße, hübsche Gestalt, blond, und hat das kleine Stumpfnäschen, das als Besonderheit schöner Pariserinnen gilt. Ihren Talar hatte sie mit einer Watteau-Falte aus gestattet und hatte einen höheren Halskragen angelegt, als ihn ihre männlichen Kollegen tragen. Ihr Gatte ist Anwalt, folglich wird sie seine Mitarbeiterin. Nächstens leistet nun auch Frl. Chauvin den Eid. Paris hat dann seine zw«i ersten Anwaltinnen. Aber dann ist es zu Ende. Es giebt keine weiteren weiblichen Rechtskundigen in Frankreich, und auf den Hochschulen keine einzige französische Rechtshörerin. In Paris giebt es an zweitausend regelrecht geprüfte Rechtskundige, wovon die Hälfte in der Liste der Anwalt­schaft eingetragen ist. Jedoch üben nur fünf- bis sechs­hundert wirklich den Beruf als Anwalt aus, und von diesen nehmen etwa zehn jährlich 100 000 Fr. und darüber ein; etwa dreihundert verdienen weniger bis herab zu 10000 Fr. Die übrigen bleiben unter dieser Z ffer, bringen es nur allmählich etwas höher, oder bleiben immer zurück. Biele giebt es auch, die von ihrem Berufe über­haupt kaum leben können.

* Ue6er den furchtbaren Skandal im Kleinen Theater zu Petersburg entnehmen wir russischen Blättern folgende Einzelheiten: Der fruchtbare Dramatiker Krylow hat in Gemeinschaft mit einem ge­wissen Litwin einen Vierakter verfaßt, der in der ge­druckten AusgabeDie Kinder Israel" heißt. Der littera- rische Verein brachte das Stück unter dem veränderten TitelDie SchMuggler" im Kleinen Theater am 7. ds. zur Aufführung. Wir befinden uns an der russisch­deutschen Grenze. Sarah Goldenweiser, die schöne junge Tochter eines frommen jüdischen Kaufmanns, liebt einen Christen, den Untersuck)ungsrichter Goranin. Das Mäd­chen kämpft einen schweren Seelenkampf, da es gläubig in den Satzungen der jüdischen Religion aufgewachsen ist. Die Verfasser lassen diesen Konflikt jedoch links liegen und befassen sich mit einer weniger interessanten Episode aus dem Schmugglerleben. Sarah flieht zuletzt aus dem elterlichen Hause und wird vom eigenen Vater getötet. Das Drama ist sehr nüchtern und farblos; trotzdem ent­fesselte es den Skandal, der in den Annalen der Peters­burger Theater einzig dastehen dürfte. DasKleine Theater" war brechend voll, und es gährte unheilkündend im Parterre und auf den Gallerten. Kaum war der Vor­hang in die Höhe gegangen, so begann ein Pfeifen und Zischen, daß man kein Wort von dem Dialog auf der Bühne verstehen konnte. Alles im Zuschauerraume erhob sich, die Stühle wurden durcheinander geschoben. Der Saal er­dröhnte von Pfeifen, Winseln, Gebrüll und Geschimpfe an die Adresse der Verfasser, des Regisseurs und der Dar­steller. Der Vorhang mußte herabgelassen werden. Als er sich wieder erhob, flogen gegen die Schauspieler Aepfel, Gurken, Gummischuhe, ja sogar ein Opernglas. Das Pu­blikum protestierte damit gegen den Versuä) einer Juden­hetze auf der Bühne. Die Demonstrationen wiederholten sich beim Versuch einer Wiederaufnahme des Stückes und

erreichten ihren Höhepunkt, als es sich erwies, daß ty Verfasser Krylow und Efron fein getaufter Jude) in Angriffen auch die Religion Der Juden nicht verschon^ Die leidenschaftlichen Erörterungen, die sich, an den Sb,, dal in der Presse und im Publikum knüpften, zeri», nur zu deutlich, welch, unverantwortliches und frevelhastn Spiel diejenigen betreiben, die nationale Leidenschaft^ durch die Bühne anfachen. Sie hätten sich durch Weigerung der Schauspielerin Jaworsny, einer Polin, noch eines Schauspielers, eine Rolle in dem judenhetzeri­schen Stück zu übernehmen, warnen lassen sollen.

Litwin-Krylow'sche Stück ist bereits in Odessa ausgepsisfe,, in Chersson, Charkow und Jekatarinburg polizeilich ver­boten worden. Das Pasquill war der kaiserlichen Bühn, zur Aufführung eingereicht, wurde jedoch von Direkt Fürst Wolkonski schroff zurückgewiesen.

Kunst und Wissenschaft. "

Aus Mainz schreibt man: Als Cyprienne beschloß Frl. Ruhden ihr Gastspiel. Am 11. ds. gastierte Herr Goss Regensburg. Der noch sehr jugendliche Sänger fand nti: seinem Valentin in der OperFaust" nur mäßigen Beifall Heute gingenDie Neuvermählten" in Szene. Das junge Ehepaar wurde von Frl. Schachert und Herrn Bauer ftimrn ungsvoll gespielt. Das darauffolgende entzückende Vers LustspielDurchs Ohr" von Will). Jordan gaben die Damen Schachert, Pflüger und die Herren Brehm nnd Pichon mit prächtiger Wirkung.

Handel und KerKrhr. Uolkswirtschssl

Mannheim, 14. Dezember. Pfälzer Taba' Die Abhängungen der neuen Tabake nahmen in letzter Zeit ihren Fortgang; das bisherige Wetter war indessen jin die Entwickelung des Gewächses nicht recht geeignet, we> infolge zu gelinden Wetters die erforderliche Auslaugung des Blattes nicht vollkommen möglich war und sich über dies hier und da ein nicht unwesentlicher Bestandteil faule: Blätter zeigte. Der Einkauf der noch bei den Pflanzea lagernden 1900er Tabake setzte sich in verflossener Noch fort. Doch haben einige Orte zum Teil feuchte Wa? abgehängt, von deren weiterer Entwickelung man nicht bei Beste erhofft. In der Rheinpfalz fanden Ankäufe in Heß­heim in der Preislage von 2728 Mk. für 50 Kilo statt Mehr Bewegung war im Einkäufe in der badischen Um­gegend. Walldorf setzte Partien zu 2428 Mk. ab, tu Heißenheim gelangte der größte Teil des diesjährigen (h Zeugnisses zu 2427 Mk. zum Absätze. Was den Handck mit alten Tabaken betrifft, so konnte sich derselbe aus be­scheidenen Grenzen nicht herausbewegen. Im Korber gründe des Interesses standen Einlagesachen wie entrippt- Einlagen. In 1898er Einlagesachen kam einiges zu .W bis 39 Mk. zum Verkauf. Entrippte Einlage würbe zu b- bis 71 Mk. gehandelt. Auch 1900er Sandblätter waren ve>. unveränderten Preisen im Verkehr. Rippen haUen em mittelmäßiges Geschäft. Lose feine Sachen bedangen du^ schnittlich 8.75 Mk. und gebündelte Ware zu 12 Mk. Handel mit loser Pfälzer Ware blieb belanglos.

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SDie diesjährige Hauptversammlung hat uns aus den Ueberschüffen pro 1899 wieder Mttjel zur Verfügung gestellt, um im nächsten Sommer eine Anzahl armer skrophulöser Kuder in der Kinder-Heil anstatt zu Bad Nauheim behufs G-brauchs einer Bad kur unter« JrJWn zu können. Es ergehe daher an diejenigen Bewohner des Spar« kaffenbezirks Gießen, welche solche kranke Kinder haben, aber selbst nicht in der Lage sind, die Kosten zu bestreiten, dte Aufforderung, sich bet ihiem Pfarramt oder der betr. Bürgermeisterei zu melden. Bei der Anmeldun m ein ärztliches Zeugnis abzu-zeben, m welchem die Notwendigkeit eine, »abcftir bescheinigt sein mutz. Es können auch solche Knder, welch un[ere kosten eine Badekur durchgemacht haben, nochmals be- rücksichtigt werden, wenn dies ärztlicherseits für notwendig erachtet wird . , l *!iry?mtcr un& Bürgern istereten ersuchen wir, uns die eir »^^ldunoen mit den ärztlichen Attesten und einer Besch, niauua ?u,ns?nd^Elofigk.tt der betr.ffenden Eltern bis zum RO.Jaunar ISoi zuzusenden. Später entlaufende Gesuche können nur dann b.ückncht.gt CtT 5e?*ettl9 ang meldete Kinder ausfallen sollte... - unter 3 Jahren, sowie Knaben über 14 unb Mädchen Über 15 Jahre in die Anstalt nicht ausgenommen werden.

Gießen, den 30. November 1900.

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