Ausgabe 
16.9.1900 Zweites Blatt
 
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Haus Ein Haus ohne Zucht arbeitet demZucht­haus" vor. In der folgenden Diskussion wurde von einem weltlichen Synodalen vor unvorsichtiger Behandlung des 6. Gebotes im Unterricht gewarnt. Dekan Hofmeyer gab noch eine Uebersicht über die Thätigkeit der .Dekanats­krankenschwester, sie pflegte 264 Tage, und ihre Dhätigkeit wird allerseits anerkannt. Pfarrer Wolf-Ranstadt schloß mit Gebet. Das gemeinsame Mittagessen wurde bei Gast­wirt Bernshansen eingenommen. Zur Synode war auch oer geistliche Vertreter des Dekanats in der Landessynode, Pfarrer Wahl-Langen erschienen; derselbe hielt eine kurze Ansprache, die in einem Hoch auf den Dekan gipfelte.

Mainz, 13. September. Bor einigen Tagen stürzte hier der Handelsmann Heymann von Rieder-Sanlheim in einer Restauration in einen Keller und verletzte sich stark am Kopfe. Der Verunglückte kam in das Hospital. Nachs- dem er daselbst verbünde:: war, wurde er wieder ent­lassen. Heute kam die Nachricht, daß Heymann.gestorben sei. Bei der Sektion der Leiche stellte -es sich heraus, daß der Verunglückte bei dem Sturze einen Schädelbru ch davon getragen hatte. Heute abend fand wieder ein großer Vo l k s a u f l a u f vor denMainzer Lederwerken" statt. Die Polizei schritt gegen die Renitenten energisch ein und nahm mehrere Verhaftungen vor.

Mainz, 13. September. Die von feiten der.Militär­behörde ausgeschriebene Submission zur Erbauung einer Infanteriekaserne in der Neustadt hat die Geneh­migung des Kriegsministeriums nicht erhalte::, es soll nun­mehr diese Kaserne nicht mehr wie bei der ersten Sub­mission in zwei Teile Unterbau und überbau son­dern allein an einen Unternehmer vergeben werden. Dre Eröffnung der Offerten ist ans den Monat Oktober ver­legt worden. Nach Vergebung der Arbeiten soll mit der Erbauung der Kaserne alsbald begonnen werden.

-z. Frankfurt a. M., 12. September. In der ver­gangenen Woche ist die 50 Gelasse enthaltende Käfigreihe des neuen Säugetierhauses fertig geworden und heute schon und sämtliche Behälter besetzt. Noch nie, seitdem .in Frankfurt ein Zoologischer Garten besteht, sind so große Summen zum Ankauf neuer Tiere verwendet worden als in den letzten zwei Jahren. Zum erstenmale wird gegenwärtig ein sibirischer Bobac gehalten, und in einem Becken des Aquariums befinden sich über handgroße Exem­plare der wilden Beißschildkröte. Das Tier beißt nicht nur wütend nach ledern Angreifer, sondern es vermag auch mit großer Geschicklichkeit Fische und Salamander emzufangen. Die Beißschildkröten haben statt des Panzers e:ne we:ch^ Lederhaut, wodurch sie von allen anderen Schildkröten abweichen. Neben dem alten Lämmergeier Und jetzt zwei junge ausgestellt, die noch vollständig grau gefärbt sind. Im Raubtierhaus wurden zwei schwarze Panter geboren. t

Vermischtes.

* Die Feier der goldenen Hochzeit Ru­dolf Vrrchows giebt denHamb. Nachr." Gelegenheit, an das Duell zu erinnern, zu dem ihn Bismarck vor Jahren gefordert hatte.Es war anno 1865, an: heißen zweiten Juni. Draußen brütete die Sonne auf dem Dönhoffplatz, und drinnen, im Abgeordnetenhause, beschäftigte man sich o schlimmer Scherz! mit der Marinevorlage. Der Ministerpräsident hatte den Kom­missionsbericht über die Marinevorlage als einein­direkte Apologie" Hannibal Fischers, des Auktionators der preußischen Marine", gekennzeichnet und darüber ärgerte sich Virchow. Er wurde scharf, sehr scharf und warf Bismarck vor, den Bericht nur ungenügend gelesen zu haben; wenn Bismarck ihn aber bis zu Ende gelesen habe, so begreife er, Virchow, in der That nicht, was er von des Herrn Ministerpräsidenten Wahrheitsliebe denken solle ..... Das ging Bismarck über die Hutschnur. Er schickte seinen Keudell zu Virchow, der sich Herrn von Henning als seinen Vertreter erwählt hatte. Zu einem Zweikampf kam es natürlich nicht, wohl aber zu einer hitzigen Parlamentsübung über die Duellfrage im all­gemeinen und besonderen. Am 8. Juli ging der Kampf im Abgeordnetenhause los. Forckenbeck trat selbstverständ­lich auf die Seite seines Parteigenossen. Er hielt eine gewaltige Philippika gegen die Unsitte des Duells und erklärte, der Minister verletze seine Pflicht als Abgeord­neter, wenn er außerhalb des Hauses einen Streit zum Austrag bringen wolle, der durch eine Acußerung von der Tribüne herab herbeigeführt worden sei. Während der Präsident Grabow Herrn v. Forckenbeck Recht gab und dabei

von der linken Seite und einem Teil des Zentrums unterstützt wurde, hielt der alte Roon eine prachtvolle Rede zu Gunsten der persönlichen Ehre, der Mannesehre, die auch unter dem Schutze der Parlamentsfreiheit nicht verletzt werden dürfe. Virchow wohnte der Tagung nicht bei, erschien aber in der Sitzung vom 17. Juni, um in loyaler Weise die Versicherung abzugeben, daß es. ihm durchaus fern gelegen habe, Exzellenz von Bismarck ge­flissentlich zu beleidigen. Mit dieser Erklärung gab Bis­marck sich zufrieden, und Roo:: konnte den Abgeordneten mitteilen, daß der Ministerpräsident auf weitere Satis­faktion Verzicht leiste. So endete denn diese Affaire friedevoller als s. Z. der blutige Streit Rochow-Hinckeldey und das politische Duell, das einst der General v. Man­teuffel mit Herrn Twesten ausfocht.... Bismarck ist tot und Virchow ein alter Mann geworden, der wohl nur noch mit Lächeln an jene einzige Forderung zum Zwei­kampf zurückdenkt, die ihm in seinem Leben geworden ist.

* Wie man einen Pariser Droschkenkut­scher, der zu peu unhöflichsten und störrigsten Geschöpfen dieser Erde gehört, mit Erfolg zähmen kann, erzählt Ernst Blum in seinemJournal d'nn vaudevilliste" mit folgenden Worten:Einer meiner Freunde, der Bretone und daher starrköpfiger ist als die sämtlicher Departements, ja sogar als sämtliche Droschkenkutscher von Paris zu­sammengenommen, erzählte mir, daß er eines Tages einen Wagen nahm, um eine einfache Fahrt zu machen, und dem Kutscher die Adresse nannte. Die Fahrt mißfiel >aber dem Kutscher ganz und gar, weil ihm die Strecke zu lang schien; ev weigerte sich also zu fahren, indem er sagte:Ich muß die Pferde wechseln!"Zu spät!" erwiderte mein Freund,das hätten Sie mir sagen sollen, bevor ich in Ihren Wagen einstieg; jetzt, wo ich einmal drin sitze, bleibe ich, auch drin!"Bleiben Sie, wenn Sie wollen, ich fahr - die Pferde wechseln!" Mein Freund machte sich's in der Droschke bequem. Der Kutscher wurde wütend und fuhr ihn drei Stunden lang durch die ganze Stadt spa­zieren; mein Freund amüsierte sich köstlich und .rührte sich nicht von: Flecke. Der Kutscher wechselte dann thatsäch- lich die Pferde, mein Freund wartete inzwischen ruhig im Wagen. Der Kutscher stieg endlich wieder auf seinen Sitz und fuhr nach Hause, um zu Mittag zu essen; mein Freund wartete wieder auf ihn, zum größten Gaudium der Nachs- barn, die aus den Häusern herbeiströmten, und der Passan­ten, die sich ansammelten, um den merkwürdigen, gedul­digen Fahrgast zu bewundern. Endlich war der .Kutscher besiegt; da er kein anderes Mittel fand, sich seines Passa­giers zu entledigen, entschloß er sich, ihn nach der ange­gebenen Adresse zu fahren. Hier stieg mein .Freund aus dem Wagen und gab kalt lächelnd dem Kutscher 30 Sous als Preis für die einfache Fahrt."

* Es beginnt jetzt die Zeit der Metzel­suppe. Wurstsuppe, Wellfleisch und frische Wurst kommen an die Tagesordnung. Das Schwein, so verächtlich es erscheinen mag, wenn es sich im Kote wälzt, kommt jetzt zur höchsten Ehre. Auch die Maler sollten das Schwein mit Hochachtung betrachten, denn es liefert ihnen ja die zur Herstellung der Pinsel nötigen Borsten. Der Floren­tiner Maler Giotto hatte ganz recht, als >er, nach San Gallo hiuaufgehend, in der Straße del Cocomers von einem Schwein umgerissen wnrde,!auszurufen!7 .Das Tier nimmt Rache an mir! Tausende habe ich mit den Borsten seiner Kameraden gewonnen und mich doch nie (um die Schweine gekümmert!" Bücher sammelnde Gelehrte freuen sich über lange Reihen in Schweinsleder gebundener Bücher, die sie ihr eigen nennen. Die Dichter endlich haben es nicht verschmäht, das Schwein im Liede zu verherrlichen. Franz Wiedemann dichtete:Totes Schwein! Um dein Gebein, Scharen sich die heitern Gäste. Alles kaut An deiner Haut, Und sitzt wie auf der Mäste. Armes Tier! Verachtet hier! Ein «Meuchelmord ohn' Ende! Wunderbar! Der Fressetr Schar, Leckt nur nach dir die Hände! Gute Sau! Dort auf der Au, Lagst manchmal du int Kote. Schau' doch an! Auf Porzellan Trägt man dich nach dem Tode! Alte Borsch! Ich dien' und forsch'! Und find ich dir die Lehre (Nicht gelacht!) Gar manchem macht Der Tod die meiste Ehre!", Uhland dichtete einMetzel­suppenlied", und Blum au er singt:Heil dir, geborstetes, Ewig geworstetes, Dutzendgeborenes, Niemals geschorenes Liebliches Schwein! Dichter begeisterst du, Eicheln bemeisterst du, Alles verzehrst du, Christen ernährst du, Gütiges Schwein! Heil dir drum, ewiges, Immerfort schäbiges, Niemals ge­reinigtes, Vierfach gebeinigtes, Liebliches Schwein!"

Kunst und Wissenschaft.

. . nParis, 13. September. Gestern nachmittag wurde im Garte« des Luxembourg-Palastes die Büste des Komponisten Ch opin errichtet.

Aus den Vorschlag der Sanitäts-Behörden traf die Regierung dis umfassendsten Maßregeln, um eine Einschleppung der Pest aus England zu verhmdern. Dem Institut Pasteur wurden 30,000 Frcs. zur Ver- sügung gestellt, dre zur Anschaffung von Abwehrmittel verwendet werden sollen. In den Hafenstädten werden die größten Sicherheits-Maßregeln getroffen, um eine Einschleppung der Pest zu verhindern.

m ß; bin« Ausstellung musikalischer

tJIä1 Prr Reichtum an wahren Kuriositäten von teil­weise höchstem Interesse ist unvergleichlich. Es wird besonders intereffant sein zu erfahren, daß die Absicht bestand, auch von Kaiser Wilhelm einen Beitrag zu erbitten. Allein man hatte im französischen Ministerium der schönen Künste Bedenken, und so nahm man davon Abstand. Von deutschen Fürstlichkeiten ist die Ausstellung sonst reich bedacht worden. Der Landgraf von Hessen und Fürst von Reuß-Köstritz befinden sich unter den Gästen.

Gerichtssaal.

SottiM# 13. September. Die Begründung des fretsprechende« U jn 6cn Verhandlungen gegen den früheren Abdecker JS- r Orix?v IQUtet: Der Gerichtshof nimmt an, daß Winter einer Ge- waltthat zum Opfer gefallen ist, hält jedoch den Modus der Tötung nicht für festgestellt. Rach Anficht deS Gerichtshofes liegt ein SchScht- schnitt nicht vor. Als erwiesen ist anzunehmen, daß Zeuge Fiedler den Angeklagten, wie ausgesagt, unmittelbar am Landgericht gesehen hat, es ist aber nicht nachgewiesen, ob Jsrarlskt in der Richtung zur Fundstelle wettergegangen ist, ebensowenig, was in dem von Fiedler gesehenen Sacke enthalten war. Andere Belastungsmomente liegen nicht vor, und deshalb muß auf Freispruch erkannt werden-

Wöchentliche Uebersicht der Todesfälle in Gießen.

36. Woche vom 2. bis 8. September 1900.

(Einwohnerzahl: angenommen zu 24 800, inkl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 16,77%o, nach Abzug der Ortsfremden 00,00°/oe«

Kinder

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Es starben an: Zusammen:

Erwachsene: im vom

Schlundkrebs 1 (0)

1. Lebensjahr: 215. Jahr:

1 (0)

-

Gehirnschlag 1

1

-

Lungentuberkulose 1

1

Brechdurchfall 1

1

chron.Nierenentzündung 1

1

Angeb. Lebensschwäche 1

1

Furunkulose 1

1

Skrophulose 1

1

Summa: 8 (0)

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