Ausgabe 
16.8.1900 Erstes Blatt
 
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HMisttsächlichfte vinfuhvartikel: ungeschälter Reis, Bau»- k-olle, Jute, Leinsaat, Raps, Sesam, Mohn, Rindshäute, Kautschuk, Indigo, Stuhlrohr; hauptsächlichste Ausfuhr­artikel : wollene, unbedruckte Tuch- und Zeugwaren, chemische Fabrikate, feine Erhenwaren, baumwollene Strumpfwaren.

Im Spezialhandel mit China, das zurzeit im Vorder­gründe steht, hat 185)9 betragen die Einfuhr 29,0 Millionen Mark (ohne Edelmetalle 21,3 Millionen Mark) nnd die Ausfuhr 50,6 Millionen Mark (mit und ohne Edel­metalle). Die Einfuhr ist gegen das Vorjahr um 10,5 Millionen Mark, gegen 1897 um 28,5 Millionen Mark, hauptsächlich wegen des Ausfalls von Gold (1897: 29,5 1898: 17,8, 1899: 7,7 Millionen Mark) und Rindshäuten, Lurückgegangen, während die Ausfuhr um 2,6 Millionen Mark gestiegen ist. An der von der chinesischen Handels­statistik festgestellten erstaunlichen Zunahme des Außen­handels scheint Deutschlands unmittelbarer Handel mit China wenig beteiligt zu sein.

Haupteinfuhrwareu sind Bettfedern, Thee, Borsten, Galläpfel, Kampher, Rohseide, Strohbänder, Hauptausfuhr- waren Anilin- und andere Theerfarbstoffe, Nähnadeln, Kriegsgewehre und anderer Kriegsbedarf, Posamentier- und Knopfmacherwaren, eiserne Dampfschiffe, wollene Tuch- waren.

Im Spezialhandel mit I a p a n hat 1899 betragen die Einfuhr 16,5 und die Ausfuhr 40,9 Millionen' Mark. Erstere hat um 6,2 Millionen Mark zugenommen, während letztere wegen der seit 1899 eingefiihrten japanischen Zoll- erhöhuugen um 2,1 Millionen Mark gefallen ist. Haupt» einfuhrwaren sind Kllpfer, Reis, Seidenzeug, Kampher, Fischspeck, Strohbänder, Hauptausfuhrwaren: Wolltuchs­waren, Zucker, gekämmte Wolle, Branntwein, grobe Eisen­waren, Bunt-, Gold- und Silberpapier, Theerfarbstoffe, Drahtstifte, Baumwollwaren, Maschinen, Dampfschiffe, Wollengarn, mehrfach gezwirntes.

Im Spezialhandel mit Argentinien hat 1899 be­tragen die Einfuhr 194,5 Millionen Mark (ohne Edel­metalle 194,4 Millionen Mark), die Ausfuhr 52,3 Millionen : Mark (mit und ohne Edelmetalle). Zunahme gegen 1898 vhne Edelmetalle in der Einfuhr 35,8 v. H., in der Ausfuhr 22,5 v. H. Haupteinfuhrwaren: Schafwolle, Weizen, Rindshäute, Mais, Leinsaat, Qucbrachoholz, Kleie, Häute und Felle zur Pelzwerkbereitung, Roßhäute, Flcischextrakt, Hauptausfuhrwaren: Eisenwaren, Kriegsgewehre, Baum- wollgewebe, dichte, gefärbte, Eisendraht, Wollttuhwaren, Maschinen, Wollgarn, Geschosse, Strumpfwaren, Tafelreis, Edelmetallwaren, Telegraphenkabel.

Im Spezialhandel mit Chile hat 1899 betragen die Einfuhr 93,4 Millionen Mark (ohne Edelmetalle 89 Mill. Nwrk), die Ausfuhr 28,1 Millionen Mark (mit und ohne Edelmetalle). Einfuhrzunahme gegen 1898 12,5 v. H., Aus­fuhrzunahme 38,4 v. H. Haupternfuhrwaren: Chilesalpeter, Sohlleder, Kupfer, Jod, Hauptausfuhrwaren: Baumwoll-, Wollwaren, grobe Eisenwaren, Telegraphenkabel, Zucker.

Im Spezialhandel mit P a r a g u a y hat 1899 betragen die Einfuhr 327 000 Mark, die Ausfuhr 255 000 Mark Beide sind gegen 1898 (mit 390000 Mark Einfuhr und 281000 Mark Ausfuhr) zurückgegangen.

Im Spezialhandel mit U r ü g u a y hat 1899 betragen die Einfuhr 13,1 Millionen Mark gegen 10,3 Millionen Mark im Vorjahr, die Ausfuhr 10,4 Millionen Mark gegen 8,4 Millionen Mark im Vorjahr. Zunahme der Einfuhr ?Z'2r J*- $' Ausfuhr 23,8 v. H. Haupteinfuhrartikel: Fleischextrakt, Rindshäute, Wolle, Guano, Hanptausfuhr- «rtikel: Zucker, Baumwollwaren, Wollwaren, Eisendraht und andere Eisenwaren.

Im Spezialhandel mit B r a s i l i e n hat 1899 betragen die Einfuhr 91 Millionen Mark gegen 104,6 Millionen Mark im Vorjahr, die Ausfuhr 46,5 Millionen Mark gegen 45,2 Millionen Mark im Vorjahr. Haupteinfuhrwaren: Kaffee, Rohtabak, Rindshäute, Kautschuk, Kakaobohnen, Hauptausfuhrwaren: Eisen-, Baumwoll-, Wollwaren, Dampfschiffe von Eisen, Edelmetallwaren, chemische Er­zeugnisse.

Im Spezialhandel mit Peru hat 1899 betragen die Einfuhr 4,1 Millionen Mark gegen 4 Millionen Mark im Vorjahr, die Ausfuhr 7,7 Millionen Mark gegen 6,8 Mill. Mark fm Vorjahr. Zunahme der Einfuhr 4,1 v. H., der Ausfuhr 12,9 v. H. Haupteinfuhrwarcn: Guano, Cocain, Silbererze, Boraxkalk, Rindshäute, Drogen, Hauptausfuhr­waren: Baumwoll-, Woll-, Eisenwaren, Flaschenbier, Edel­metallwaren, Leder, Maschinen, Kleider und Wäsche, Wollengarn, Theerfarben.

Aus Stadt und Land.

Gieße«, 15. August 1900.

** Zur Kohlennot. Die ZwickauerN. N." veröffent­lichen einEingesandt", für welches sie allerdings nur die preßgesetzliche Verantwortung übernehmen, das aber doch zum Nachdenken anregt. Es heißt da u. a.:ES sind keineswegs immer die Kohlenwerke selbst, welche die PreiS- steigerung der Kohlen veranlassen, es thut dies ein Teil der Kohlenhändler, welcher ein regelrechtes Ausbeutungs­system betreibt. Die Grubenbesitzer müssen den Händlern oaS abgeschlossene Quantum zum früher vereinbarten Preis lresern, während diese ihrerseits die Kohlen meist außerhalb wachsens dort anbrmgen, wo in Folge des B darsS die Prerse enorm gestiegen sind. Die Kohlen gehen ins Aus­land und fehlen hier, wodurch namentlich die Industrie ge- waltlg geschädigt wird Was sagt man zu folgendem? Ern Kohlenhändler kaufte hier Kohlen für 168 Mk. per Doppelwagen und verkaufte sie an eine Thüringer Porzellan- fabrik, die Notlage derselben sich zu nutze mackend für 260 ölfo ettoa 100Mk. theurer als im Einkauf'' Die Fabrik brauchte in der Woche zehn Ladungen: jede mit 92 Mk. Verdienst geliefert, brachte dem Händler 92 >< 10 = 920 Mk in der Woche Gewinn! .... Zwickauer und OelS- nitzer Kohlen werden hauptsächlich in der Richtung nach Kiel, Kassel und Teplitz verkauft, und von da aus werden dieselben Kohlen wieder hierher ungebeten, wie folgender Brief zeigt:Teplitz, 14. Juli 1900. Herrn.....in

Chemnitz. Wir sind in der Lage, Ihnen heute zu offerieren: Zwickauer (!) Steinkohle 218 Mk., ungewaschene Würfel 208 Mk. 2) Oelsnitzer (!)Deutschland" 248 Mk. für

den Doppelwagen usw. Hochachtungsvoll . ..Der Chem­nitzer Adressat ist Kohlenhändler, und wenn man bedenkt, daß die Teplitzer Firma bei den gegenwärtigen Preisen der OelsnitzerDeutschland"-Kohlen etwa 50 Mk. für Den Doppelwagen verdient, und daß der Chemnitzer Händler doch auch noch mindestens 20 Mk. verdienen will, so gehen einem wohl die Augen darüber auf, woher der Mangel und die hohen Preise der Kohlen kommen. Ein Leipziger In­dustrieller meldet, daß er Zwickauer (!) klare Kohle von Kassel (!) aus angeboten erhält, während von Kiel (!) aus Zwickauer Würfelkohle offeriert wird. So werden hier die Kohlen einfach von auswärtigen Händlern angekauft, und dann werden Preise verlangt, wie sie nur irgend erreicht werden können. Das Eingesandt regt an, daß die Handels­kammern sich mit diesen unhaltbaren Zuständen befassen mögen.

Lich, 13. August. Gestern sand hier in der Turn­halle die Bezirksvorturnstunde statt, woran sich zwölf Vereine mit 37 Turnern unter Leitung des BezirkSturn- warts F. Wiegand aus Gießen beteiligten. Die Leistungen von verschiedenen Turnern, besonders die des Herrn Müller aus Birklar, waren ausgezeichnet und fanden allgemeinen Beifall.

4- Lich, 14. August. Von allen Freunden eines er­frischenden Schwimmbades im kühlen Fluß mußte lebhaft bedauert werden, daß in unserer Stadt trotz der Nähe der Wetter, die gute Gelegenheit zum Schwimmbad bietet, keine geeignete Badeanstalt bestand. Zwar hatte die Gemeindeverwaltung oberhalb der Stadt an der Wetter einen Bretterverschlag errichten lassen, und es stand jedem frei, dort seinem geliebten Schwimmsport zu huldigen. Allein für Erwachsene ist dort der Bach zu seicht, und übrigens zeigte die Badeanstalt bald alle Mißstände, die nach längerem Gebrauch ohne Aussicht zu erwarten waren. Es wurde deshalb von verschiedenen Seiten angeregt, eine Gesellschaft zum Zweck der Errichtung einer Badeanstalt zu gründen, als der Stadtvorstand aus den Mißstand auf­merksam gemacht wurde, und die Suche in die Hand nahm. Er kaufte von Mühlenbesitzer Zimmer eine Liegenschaft mit einem Hause, die frühere Lohmühle, an der Wetter unter­halb der Stadt, und dort wird nun durch bauliche Aende- rung, Vertiefung des Flußbettes usw. eine den Anforde­rungen der Zeit entsprechende Badeanstalt hergerichtet. Hoffentlich werden dann auch die Damen einen kleinen Teil ihrer freien Zeit dem Schwimmsport widmen, so wie sie sich zu einer Damenriege im Turnverein zusammengeschlossen haben. Zu bedauern ist nur, daß nicht schon in dieser Saison die Anstalt dem Gebrauch übergeben werden konnte.

Hungen, 14. August. Zur 40. Wanderversamm­lung und Ausstellung des Oberhessischen Bienen­züchter-Vereins am 20. August hier sind viele Anmel­dungen eingegangen. Die Beteiligung von auswärts Der» spricht eine große zu werden, wozu namentlich auch die günstige Verkehrslage Hungens beitragen wird. Nicht allein Imker, sondern auch jeder andere findet zum Feste Zutritt, wo ihm Gelegenheit geboten ist, den fortgeschrittenen Stand­punkt der Bienenwirtschast mit allen dazu nötigen Mitteln zu besehen. Von Jahr zu Jahr interessieren sich immer weitere Kreise für diesen Zweig der Landwirtschaft, der in manchen Gegenden sozusagen mit ein Erwerbszweig bildet, und so darf man hoffen, daß das Bienensest in Hungen recht regen Zuspruch hat.

r. Melbach, 15. August. Im vorigen Sommer hat man in unferm Otte mit dem Bau eines neuen Schul- jauses begonnen, baß jetzt soweit vollendet ist, daß )em Gebrauche übergeben werden kann. Nächstens soll in Anwesenheit der Vertreter der Kreisschulkommission eine feierliche Einweihung stattfinden. Daß Schulhauß, das in einem Aeußem ein prächtiges Gebäude ist, enthält einen Schulsaal und die Wohnung für einen Lehrer.

Schlitz, 12. August. Vorige Woche beging Herr Karl Kurz, der langjährige bewährte Bleichmeister der Firma Gg. Langheinrich, die Feier des Tages, an welchem er vor 25 Jahren in dieses Geschäftshaus eintrat. Der Jubilar jat es während dieser Zeit verstanden, sich durch treue Arbeit und Pflichterfüllung die volle Anerkennung und Zu­neigung seiner Firma zu erwerben. Von dieser Anerkennung egten die Herrn Kurz an seinem Jubeltage von Seiten der Firma Langheinrich, deren Angestellten und Arbeiter gewordenen Ehrungen und Geschenke vollgiltigeß Zeugnis ab.

-v. Klein-Karben, 13. August. Unser Kriegerverein, >cr erst feit einigen Jahren besteht, feierte am 11., 12. und 13. August seine Fahnenweihe. Verbunden hiermit war zugleich daß Bezirkßfest Vilbel. Ort und Festplatz waren aufs schönste geschmückt. Man sah kein Hauß, das nicht mit Fahnen und Fähnchen, Kränzen, Guirlanden, Blumen und Tannengrün prächtig dekoriert war. Zahlreiche Tannenbäume standen auf den Straßen und mehrere Ehren- )forten waren errichtet. Im ganzen Orte herrschte die lenkbar beste Feststimmung. Der geräumige Festplatz br­and sich an den Ufern der Nidda in einem schattigen rastanienwäldchen. Um 2y4 Uhr bewegte sich der Festzug durch daß Dorf; 15 Vereine waren erschienen, nämlich voll­zählig die 13 Vereine deß Bezirkß Vilbel und die Krieger­vereine von Fauerbach und Gronau. Auch Gras Oriola von Büdeßheim, ein Förderer der Sriegerocreine, nahm an )em Feste teil. Die Festrede hielt Lehrer Kost von hier, der mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den obersten Kriegsherrn, den Kaiser und auf den Protektor »es Hasfia-Verbandes, den Großherzog schloß. Die prächtige Fahne, die von den Ortsbürgern gestiftet worden ist, wurde von Fräulein Vetter mit einer sinnigen An­sprache Überreicht, und vom Präsidenten dem Fahnenträger übergeben mit dem Gelöbnis, treu zu der neuen Vereinß- fahne zu halten. Im Namen des Bezirks sprach noch Lehrer Will von Rendel. Hieran schloß sich Konzert und Tanz, und es war in jeder Hinsicht den Ansprüchen der Teil­nehmer genügt, dir in großer Anzahl auß der Nähe und

Ferne erschienen waren. Die ganze Feier nahm dank der günstigen Witterung den schönsten Verlauf.

Darmstadt, 14. August. Im Obrrpostdirektionßbezilk Darmstadt ertrug die Wechsel stempelsteuer im Juli ü- I. 18 792,80 Mk., daß giebt zusammen mit (den Vor­monaten deß lausenden Etatßjahreß 68 513,70 Mk., oder 6753,40 Mk. mehr alß im entsprechenden Zeiträume des Rechnungßjahreß 1899.__

£ Bundestag der deutschen Gastwirte.

, Heidelberg, 14. August.

Nachdem bereits gestern eine Reihe Sitzungen des Bundesvorstandes abgehalten worden sind, eröffnete heute der Vorsitzende des Heidelberger Wirtevereins, Reith, die Hauptversammlung des Bundes deutscher Gast­wirte mit einer kurzen Begrüßungsansprache, an die fuh eine weitere des Vertreters der Stadt Heidelberg, Bürgermeisters Walz, anschloß, worauf der Vorsitzende Präsident F a c i u s - Leipzig den Geschäftsbericht er­stattet. Daraus ist hervorzuheben, daß dem Bunde 13 Landesverbände mit über 30000 Mitgliedern angehören und daß der bayerische Verband mit 6000 Mitgliedern neu. hinzugetreten ist.

Auf der umfangreichen Tagesordnung behandelt zuerst Berg- Ludwigshafen Namens des Pfälzer Verbandes die Frage der Stellungnahme des Bundes zu dem in Aussicht stehenden neuenWeingesetze. Er empfiehlt, die Knnst- wemfabrikation zu verbieten nnd eine strenge Kellerkon­trolle einzuführen. In Verbindung mit dieser Frage stellt Bvuget-Metz den Antrag, die Versammlung möge sich gegen die von der Budgetkommission des Reichstags vor- geschlagene Besteuerung der deutschen Schaum­weine aussprechen. Gegen diesen Antrag wendet sich Hug-Trier, da die Regierung in dem Sekt wohl eine Steuerquelle zur Deckung der Fl o t t en ko st en erblicken könne. Der Antrag Bouget wird mit sehr großer Majorität abgelehnt. Angenonrmen wird zu dieser Frage der Wein­besteuerung ein Antrag Walz- Mainz, der folgendes Der» langt: 1) Begrenzung der Kelterungs- und Verbessernngs- zeit, 2) Begrenzung der Vermehrung, 3) strenge Kontrolle durch Sachoerständige, 4) Verbot der Anwendung der Trester zur Weinbereitung und 5) absolutes Verbot des Verkaufs von stillem Kunstwein.

Zu einer längeren Debatte führt die Frage des Flaschenbier Handels, der im badischen Oberland insofern in geregelte Bahnen gelangen dürfte, als die Wirte sich mit den Brauern dahin verständigt haben, daß die Biere an Bierhändler nur zu bestimmten Preisen und nicht billiger als an die Wirte abgegeben werden. In der Debatte wird betont, daß solche Verträge wohl sehr wünschenswert feien, daß aber an eine allgemeine Durch­führung dieser Art von Selbsthilfe nicht zu denken sei. Wünschenswert sei vor allem, daß die Regierung dazu übergehe, den Verkauf des Flaschenbieres an Konzessionen zu binden. Demgegenüber wird betont, daß im Reichstag ein dahingehender Antrag nahezu einstimmig abgelehnt worden sei. Neff- Straßburg begründet folgenden Antrag:

Der Bundesrat wolle beschließen, bei der Reichs- regierung dahin zu wirken, ein Gesetz herbeizuführen, wonach der Schänkbetrieb für V e r e i n s h ä u s e r einge­schränkt werde. Es dürfte nur an wirkliche Vereinsmit­glieder verkauft werden. Ferner sollen in den betreffenden Vereins Häusern Tanzbelustigungen, Festmähler rc. nur für Vereinsmitglieder stattfinden dürfen und nicht wie bisher für jede anoere Korporation.

Bei der Debatte wird nicht verkannt, daß die Durch­führung außerordentlich schwierig fei. Die Versammlung beschließt, der schon ausgearbeiteten Petition auf Ab­änderung des § 33 der Gewerbeordnung über Konzessions- toefen rc. eine eingehendere Erklärung beizufügen, im Sinne der elsässischen Anträge.

Rumetsch-Stuttgart verbreitet sich! über Re­formen im Gastwirtsgewerbe, besonders über die gesetzliche Regelung der Arbeitsverhältnisse nach denl Beschlüssen der Kommission für Arbeiterstatistik. Er ver­trat im Gegensatz zu den Ausführungen der Gehilfenpresse eine erneute Petition an den Reichstag, in der um eine Milderung" der Beschlüsse gebeten werden solle.

I a k o b-Erfurt vertritt im Gegensatz zu den Aus­führungendes Vorredners die gefaßten Beschlüsse der Kom­mission, mit denen der Wirt sich wohl zufrieden geben könne. Nach kurzer Debatte wird der Vorstand des Bustdes beauftragt, die Forderungen der Gehilfenschaft im Ange zu behalten, um gegebenen Falles eine Gegenpetitivn ausarbeiten zu können.

Henkel- Frankfurt begründet sodann den Antrag be$ Frankfurter Gastwirteverbandes, der Bund möge eine Peti­tion an den Reichstag ausarbeiten, das Verbot Dow Fabrikarbeiten bei Mädchen unter 17 Jahren! betreffend. Würde ein solches Verbot erlassen, so würde das weibliche Angebot für den Haushalt sich wesentlich steigern. T h o m a n ü - Hannover plaidiert im Auftrag des nordwestdeutschen Gastwirteverbanoes für die gleiche Peti­tion, wünscht aber, daß die Verbotsgrenze auf 18 Jahre festgestellt werde. Schließlich einigt man sich dahin, in Verbindung mit dem deutschen Gastwirteverband und dem Bunde der Landwirte eine Petition einzureichen, wonach Mädchen unter 17 Jahren im Fabrikbetrieb nicht beschäl tigt werden dürfen.

Weppel - Karlsruhe berichtet über die Frage der Zollerhöhung auf Pilsener Bier und stellt bm Antrag, der Bund der Gastwirte möge bei den Berliner! Brauereien dahin vorstellig werden, daß die Brauereiew die Zollerhöhung tragen. Held- Leipzig und Henkel- Frankfurt führen aus, daß die Berliner Brauereien sich nicht um den Preis der Pilsener Biere im Auslande küm­merten. Diese Preise regulierten die sogenannten General­vertreter, die durch hohe Lieferungsabschlüsse in der Sage seien, die Preise je nach der Abnahme hoch ober nieder zu stellen. Wenn in Berlin die Vertreter sich dazu verstanden hätten, einen Teil des Zolles zu tragen, so komme das daher, daß in Berlin der Preis des Pilsener Bieres für die Wirte bisher wesentlich höher gewesen wäre, als in' anderen Städten. Wenn unsere deutschen Brauereien fort» fahren, gutes helles Bier nach Pilsener Art zu brauen, so würde, das Publikum wohl selbst Don dem Pilsener Bier mit der Zeit abkommen, und diese Frage werde so am besten gelost. Nach diesen Ausführungen wird der Antrag, zurückgezogen.