Ausgabe 
16.8.1900 Erstes Blatt
 
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Nr. 190 Erstes Blatt. Donnerstag den 16 August

1900

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Aints* und Anzeigeblatt für den "Kreis Gietzen.

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bierteljäbrl. Mk. 2I, monatlich 75 Pfg, mit vriugkrlobnj durch die LbholcßeLM vierteljährl. Mk. IM monatlich 66 Ptz.

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«M Mi.« GMebibMn und Druckerei: >4effre|< Ar. 7.

Amtlicher Teil.

. Bekanntmachung.

Betr.: DieAenderung der Postordnung vom 20. März 1900.

Die nachstehende Bekanntmachung Seiner Durchlaucht des Herrn Reichskanzlers bringen wir hierdurch zur öffent­lichen Kenntnis.

Darmstadt, den 7. August 1900.

Großherzogliches Staatsministerium.

I. D.: v. Krug.

Mueller.

Berlin W., 4. August 1900.

Aeuderuug

der Postordnung vom 20. März 1900.

Bom 1. Januar 1901 ab wird aus Grund der Vor­schrift des § 50 des Gesetzes über das Postwesen des Deutschen Reiches vom 28. Oktober 1871 die Postordnung vom 20. März 1900 wie folgt geändert:

Im § 36 erhält der Absatz X folgende anderweite Fassung:

Für das Abtragen der durch die Post bezogenen Zeitungen und Zeitschriften sind im Orts- und Landbestell­bezirke für jedes Exemplar monatlich zu entrichten:

a. für Zeitungen, die seltener als wöchent­

lich einmal bestellt werden, .... 2 Psg.

b. für Zeitungen, die wöchentlich einmal bestellt werden ........ 4

c. für Zeitungen, die wöchentlich zweimal bestellt werden, ........ 6

d. für Zeitungen, die wöchentlich dreimal bestellt werden,........8

e. für Zeitungen, die wöchentlich viermal bestellt werden,........10

f. für Zeitungen, die wöchentlich fünfmal bestellt werden, ........ 12

g. für Zeitungen, die wöchentlich sechs- und siebenmal bestellt werden,.....14

h. für Zeitungen, die wöchentlich achtmal bestellt werden,........16

j. für Zeitungen, die wöchentlich neunmal bestellt werden,........18 M

k. für Zeitungen, die wöchentlich zehnmal bestellt werden, ........ 20

1. für Zeitungen, die wöchentlich elfmal bestellt werden,........22

3n. für Zeitungen, die wöchentlich zwölf- bis vierzehnmal bestellt werden, .... 24

n. für Zeitungen, die wöchentlich fünfzehn- mal bestellt werden,......26

o. für Zeitungen, die wöchentlich sechSzehn- mal bestellt werden,......28

p. für Zeitungen, die wöchentlich siebzehn- mal bestellt werden,......30

q. für Zeitungen, die wöchentlich achtzehn- bis einundzwanzigmal bestellt werden, 32

r. für die amtlichen Verordnungsblätter 2

Das Zeitungsbestellgeld wird für die Dauer der Be­zugszeit im voraus erhoben, und zwar vom 1. des Monats ab, in welchem die Abtragung beginnt. Die Bestellung erfolgt so ost, wie Gelegenheit dazu vorhanden ist.

Der Reichskanzler.

I. V.: v. Podbielski.

Bekanntmachung.

Betr.: Feldbereinigung in der GemarkungDaubringen.

In der Zeit vom Samstag dem 18. August l. I. bis einschließlich Freitag dem 31. August l. I. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Daubringen die Arbeiten des 3. Abschnitts vom 1. Felde irubr. Feldbereinigung, nämlich:

1. drei Zuteilungskarten,

2. ein Verzeichnis der Zuteilung,

3. ein Gütergeschoß,

4. eine Zusammenstellung der Gütergeschoffe,

5. ein Heft Geldausgleichung über zu viel oder zu wenig erhaltenes Gelände,

6. zwei Hefte Abschätzungsverzeichniffe der Obstbäume,

7. ein Heft GeldauSgleichungSverzeichnis über den Zuviel- oder Zuwenig-Empfang an Obstbaumwert,

8. das Protokollbuch

Mr Einsicht der Beteiligten offen.

Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hier­gegen findet statt

Montag, 3. September 1900, vormittags 9V4lOVi Uhr, im Amtszimmer der Großherzogl. Bürgermeisterei Daubringen, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen aus­geschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich ab- sufaffen, zu begründen und auf Papier in Aktengröße mindestens Bogen) einzureichen.

Friedberg, den 10. August 1900.

Der Großherzogliche Bereinigungskommissär.

Süffert, RegierungSrat.________________

Bekanntmachung

Betr.: Das Auftreten von Blatternerkrankungen unter ftemden Arbeitern.

Unter Bezugnahme auf di». Bekanntmachung Großh. Kreisamts Gießen in rubr. Betreff vom 6. August d. Js. im Gießener Anzeiger Nr. 186 vom 11. d. MtS. sordern wir alle Arbeitgeber, die fremdländische Arbeiter beschäf­tigen, aus, solche umgehend hierorts anzumelden, soweit dies noch nicht geschehen sein sollte. Gleichzeitig weisen wir darauf hin, daß alle derartigen Arbeiter sich einer Impfung haben unterziehen zu lassen, widrigenfalls ihnen der Aufenthalt im Großherzogtum durch die zuständige Be­hörde untersagt werden wird.

Gießen, den 13. August 1900.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

H e ch l er.__

Das chinesische Rätsel.

Wie ist es möglich, daß das chinesische Reich, das vor wenigen Jahren durch das viel kleinere Japan auf einem militärischen Spaziergange fast widerstandslos überwunden und schwer gedemütigt wurde, heute der Macht des ge- sammten Europa Trotz bietet und die Aussicht hat, einen langen Widerstand zu leisten? Das ist die Frage, die sich ausdrängt und deren Beantwortung vielleicht unmöglich

Denn China ist über europäische Verhältnisse sehr gut unterrichtet, wir aber sind über chinesische Verhältnisse sehr schleckst unterrichtet. Tie chinesischen Gesandten sitzen in den europäischen Hauptstädten und erfahren dort alles, was zu erfahren ihnen von Interesse ist und was zu erfahren anderen möglich ist. Die Zeitungen sind ihnen zugänglich, und in Europa giebt es blutwenig Dinge, die den Zeitungen verborgen bleiben. Die Chinesen sind scharf­blickende Beobachter" «und lassen sich auch den geringsten Umstand nicht entgehen, dessen Kenntnis für die chinesische Politik von Wichtigkeit sein kann.

Die Gesandten der europäischen Machte sitzen in Peking, aber sie erfahren vieles nicht, was sich unter ihren Augen zuträqt Man kann ihnen daraus keinen Vorwurf machen. Die Chinesen haben in Europa viele Beobachtungsposten, in Petersburg, London, Paris, Berlin und anderen Haupt­städten Die Beobachtungen, die an diesen verschiedenen Posten gemacht werden, dienen dazu, einander zu berich­tigen Die Europäer haben in China nur den einen Be­obachtungsposten in Peking. China steht mit keiner anderen Macht in einem derartigen völkerrechtlichen Verkehr wie die europäischen Mächte unter sich.

Die chinesisck-e Sprache ist wie dazu geschaffen einen undurchdringlichen Schleier über chinesische Verhältnisse zu werfen Der englischen und französischen Lprack-e kann ein Fremder in wenigen Jahren so mächtig werden als sei sie seine Muttersprache. Das Deutsche und das Russische sind schwerer zu bewältigen, aber doch nicht unbezwinglich. Chinesen und Japaner, die einige Jahre hier gelebt haben, wissen sich sehr gut verständlich, zu machen. Die chinesische Sprache mit ihrem Mangel an jeglicher Biegung die chine­sische Schrift mit ihrem Mangel an Zeichen für Laute und Silben erlernt niemand, der sie nicht von Kindesbeinen geübt hat, in dem Maße, daß er einem Gespräche folgen und an ihm teilnehmen könnte

Und dazu kommt nun der mangelnde emn des Chinesen für die Wahrheit. Man mag im übrigen über die Moral der Chinesen denkeck, wie man will; ohne Zweifel wird ja unter den Vorschriften des Confucius vieles sein, was Beherzigung verdient. Aber eine Pflicht xur Aufrich­tigkeit kennt die chinesische Sittenlehre zweifellos nicht. Den Unterschied zwischen Aufrichtigkeit und Unhöflichkeit würde ein Chinese nicht begreifen. Er ist daran gewöhnt, mit seinen Reden einen anderen Sinn zu verbinden als den, der sich aus dem Wortlaut ergiebt, und ist daran ge­wöhnt, daß der andere ihm gegenüber dasselbe thut. Wenn der Chinese uns als Barbaren bezeichnet, so gründet sich dieses unfreundliche Urteil wahrscheinlich darauf, daß mir im Lügen nicht dieselbe Gewandtheit haben wie er. Selbst

über einer Lüge ertappt zu werden, hat für den Chinesen' nichts Beschämendes; er hat dafür immer die Entschuldig­ung, daß er gefürchtet hat, mit dem Auüsprechen der Wahr­heit auf uns einen unangenehmen Eindruck zu machen.

Die europäische Diplomatie ifa über die Vorgänge in China getäuscht worden. Daß ein Volk, nachdem es eine demütigende Mederlage erlitten hat, sich wieder erholt und gesammelt hat, ist häufig der Fall gewesen. Derselbe Vorgang hat sich in den letzten fünf bis seck>s Jahren in China abgespielt, nicht allein in einer Geräuschlosigkeit, sondern auch in einem Umfange, der überraschend wirken mußte. An Kriegstüchtigkeit, namentlich in der Geschick­lichkeit, die modernen Waffen zu handhaben, hat China unglaubliche Fortschritte gemacht.

Unserer Politik liegt jetzt die Pflicht größter Nüchtem- heit ob. China hat sich schwerer Verletzungen des Völker­rechts schuldig gemacht, nicht allein desjenigen Völkerrechts, welches man das europäische zu nennen pflegt, und das christliche Staaten als verbindlich anerkennen, sondern auch solcher völkerrechtlichen Regeln, die es nach seinen Hebet* zeugungen als unverbrüchlich anerkennen muß. Hierfür ist von ihm Genugthuung zu fordern, und den Ausdruck Ge- nugthuung möchten wir dem Ausdruck Rache entschieden vorziehen. Nur dadurch daß wir aus dieser Genugthuuwg, bestehen, können wir der Wiederkehr ähnlicher Ereignisse vorbeugen. Und darüber besteht für uns kein Zweifel, daß Europa stark genug sein wird, diese Genugthuung durchzusetzen. Aber davor muß sich Europa aus den ver­schiedensten Gründen hüten, den Versuch, diese ltzenug- thuung zu 'erzwingen, mit unzureichenden Mitteln zu be-

^Europa und Asien, die christlichen Mächte und China, stehen einander gegenüber. Die Mächte Europas haben ge- meinfame Interessen und müssen sic gemeinsam vertreten. Ist ein deutscher Gesandter ermordet und besteht die Hoff­nung, daß die Gesandten der übrigen Mächte diesem Schick­sal entgehen, so sind doch auch sie in höchst unziemlicher und völkerrechtswidriger Weise behandelt worden. Nur mit vereinter Kraft können die europäischen Mächte ihre Interessen wahrnehmen. _ , r

In dieser Beziehung haben lebhafte Besorgnisse be­standen, die durch die Ernennung eines gemeinsamen Ober­befehlshabers doch nur zum Teil beseitigt worden sind. Daß die verbündeten Heere Hand in Hand mit einander gehen, ist notwendig, aber nicht ausreichend; auch die Di­plomatie muß sich gemeinsame Ziele setzen.

Wir haben die feste Zuversicht, daß die europäischen Heere gegen die weit überlegene Zahl chinesischer Kärnofer siegreich bleiben werden, aber wir müssen doch wünschen, daß dieser Sieg mit möglichst geringen Opfern erfochten wird. Und dazu wird es dienen, wenn die europäischen' Heere einem gemeinsamen Oberfeldherrn folgen und wenn diesem Oberfeldherrn- williger, durch keine diplomatischen Rücksichten gehemmter Gehorsam geleistet wird.

Aber sobald der Sieg erfochten ist, müssen die euro- päischen Mächte auch darüber einig sein, wie der Sieg benutzt werden soll, wie die neue Ordnung, die hergestellt wird, beschaffen sein soll. Nach unserer Auffassung ist von China zweierlei zu verlangen, daß es dem Verkehr offene Thüren gewährt, und daß es die aufständischen Elemente unterdrückt, welche die Sicherheit der Fremden gefährden. Von einer Aufteilung Chinas sprechen wenigstens in Deutschland nur Personen, die keine Verantwortlrchkeit tragen und bei denen die patriotische Phrase mächtiger ist als die politische Einsicht. , ,

Welche Absichten andere Mächte, insbesondere Eng­land und Rußland hegen, entzieht sich der allgemeinen Kenntnis. Möglich ist es, daß sie im Stillen Pläne hegen, die, wenn sie laut verkündet würden, die Einigkeit nicht allein unter ihnen, sondern unter den europäischen Machten überhaupt zerstören müßten.

Die besonnene Diplomatie wird darauf hinarbeiten, das Bewußtsein gemeinsamer Pflichten bei allen Staaten wach zu halten und darauf hinzuweisen, daß ein Staat, dem dieses Bewußtsein der Gemeinsamkeit verloren ginge, sich selbst schweren Schädigungen aussetzen würde. ________

Deutschlands Außenhandel im Jahre 1899«

Tas Kaiserliche Statistische Amt hat von dem den Jahreshandel von 1899 darstellenden Band (Band 128 bet Statistik des Deutschen Reichs, Verlag von Puttkammer & Mühlbrecht, Berlin)Der Verkehr mit den einzelnen Lan­dern in den Jahren 1899, 1898, 1897" außer den ftsther erschienenen acht Heften jüngst die Hefte XV 08^1^ Ostindien, China, Japan», XVII (Argentinien, Chile, Para­guay, Uruguay) und XVIII (Brasilien, Peru) her aus ge­geben. Dem Tabellenwerk dieser Hefte geht wieder: eine kurze Besprechung des deutschen Außenhandels mit vielen Ländern im letzten Jahrzehnt voraus , .

Im Spezialhandel mit Britisch-Ostindien h 1899 betragen die Einfuhr 230,5 Millionen Mark und dm Ausfuhr 65,3 Millionen Mark. Zunahme gegen 1898 beträgt in itt Einfuhr 4,4 v. H., in der Ausfuhr 14,4 v. H.