Ausgabe 
16.6.1900 Erstes Blatt
 
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zu.

Gießen, Rirchenplatz u-

718

und vor

Katholische Gemeinde.

SarnSlag den 16. Juni.

Nachmittags um 41/a Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit heil. Beichte.

Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde.

Sonntag den 17. Juni. 1. nach Trinitatis. Gottesdienst.

m In der Stadtkirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Grein.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Markus- gemeinde.

Vormittags 9L/8 Uhr: Professor D. Stamm.

In der Johanneskirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler.

Christenlehre für die Neukonfirmierten auS der Lukasoemeinde.

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes- gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann.

Markus Bauer

Spezial'Geschäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Maß in eigener Werkstätte.

Prozeß liegt folgender Vorfall zu Grunde: Vor etwa vier Jahren saßen in einem Dorfkruge der Umgegend von Lyck mehrere Hofbesitzer bei einem Glase Bier, als ein bild­schönes 16 jähriges Mädchen in die Gaststube trat, um ihren AAer abzuholen. Einer der Zechgenossen trat an daS Mädchen heran, und bat sie um einen Kuß. Die jugend- liche Dorfschöne wollte aber davon nichts wissen. Nun te. J9V der wohlhabende Besitzer folgendes Angebot: Manechen, gieb mir jetzt einen Kuß, und ich zahle Dir, wenn Du zwanzig Jahre alt bist, fünfhundert Thaler!" Jcun begannen die anderen Tischgenossen auf daS noch immer zögernde Mädchen einzureden; auch der Vater riet seiner Tochter zu dem ungewöhnlichen Vertrage, sodaß das Mädchen endlich darein willigte, dem Besitzer um jenen Preis einen Kuß zu geben. Vor den versammelten Zeugen drückte sie dem Besitzer einen kräftigenSchmatz" auf, und harrte dann der Zeit, wo auch sie ihren Anspruch würde geltend machen können. Als sie kürzlich zwanzig Jahre alt wurde, forderte sie den Besitzer zur Zahlung der ausgesetzten Summe auf. Dieser weigerte sich jedoch, seinem vor Zeugen ge­gebenen Versprechen nachzukommen. Die Dorfschöne will ihn aber nun von dem Ernst des abgeschlossenen Vertrages überzeugen und hat ihn im Beistände ihres Vaters um die zugesagten 500 Thlr. verklagt.

Feuer in der Pariser Weltausstellung. Im Annex der Weltausstellung in Vincennes bemerkten in der letzten Nacht die Wächter einen Feuerschein im Innern des Ge­bäudes, in dem Eisenbahn-Waggons Deutschlands und Oesterreichs ausgestellt sind. Sie fanden den Holzfußboden in Flammen und alarmierten die andern Wächter. Es gelang, den Brand zu löschen, ehe er die Waggons und Maschinen erreicht hatte. Der Kommiffar, der am Morgen den Brandort besuchte, fand einen Holz­kloben, der in eine leicht entzündbare Flüssigkeit getaucht war. DaS Feuer war also angelegt.

Es wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß der kirch» lrchen Trauung auch ein knchlicbeS Aufgebot vorherzugehen hat, wird dringend gebeten, eS rechtzeitig spätestens eine Woche der Trauung bei dem zuständigen Pfarrer zu bestellen

I Neueste Meldungen.

I Wilhelmshaven, 15. Juni. Der Kaiser wird am 3. Juli auf der Werft den Taufakt des neuen Linienschiffes C vollziehen.

Oldenburg, 15. Juni. Die Beisetzung des ver­storbenen Großherzogs findet am Dienstag Vormittag 10 Uhr statt. Der Stadtrat bewilligte 5000 Mk. zur Trauer-AuSschmückung der Stadt.

Hamburg, 15. Juni. Die Mannschaft des Dampfers Eschano" meuterte auf der Fahrt von Malitbog (Philippinen) nach Pintuan. Sie ermordeten den Eigentümer, dessen Schwiegersohn, den Kapitän und zwei Offiziere und versenkten das Schiff, nach­dem sie 30 bis 40,000 Dollar geraubt hatten. Der Dampfer liegt in tiefem Wasser. Er hatte ca. 100 Tonnen Reis an Bord.

London, 15. Juni. In militärischen Kreisen hält man die Ersetzung des Kriegsministers Landsowne durch Chamberlain für eine beschlossene Sache, die be­reits in allernächster Zeit perfekt werden soll aus Anlaß der verwickelten Ereignisse in China. Die Ernennung Chamberlains zum Kriegsminister wird, wie man glaubt, im ganzen Lande mit Begeisterung begrüßt werden, da man in allen Kreisen der Ueberzeugung ist, daß unter der Leitung dieses Staatsmannes die englische Armee vollstän­dig reorganisiert und in die Lage gesetzt werde, allen Even­tualitäten gewappnet zu sein. (Vielleicht aber dürfte man sich darin auch täuschen. UebrigenS halten wir diese Mel­dung noch keineswegs für sicher. D. Red.)

Paris, 15. Juni. In den maßgebenden Kreisen wird die politische Lage als sehr bedenklich bezeichnet, Waldeck-Rousseau kündigte seinen Rücktritt an. falls die Amnestie auf die vom StaatSgerichtShofe Verur­teilten ausgedehnt würde. Der Petite Republique zufolge drohte auch Loubet für diesen Fall mit seinem Rück­tritt. (?)

Wien, 15. Juni. Wie dieReichswehr" von wohl- informierter Seite erfährt, ist daS Projekt der Reichs­rats-Auflösung nunmehr definitiv aufgegeben.

Budapest, 15. Juni. Infolge Explosion einer Pa­trone wurde daS Fabrikgebäude der Emerling'schen Ra­kete n-Fabrik in Brand gesetzt. Drei Arbeiter und zwei Arbeiterinnen wurden getötet, und 8 Arbeiter verwundet, davon 4 lebensgefährlich.

Meratur.

Die seit 1896 23. Auflage des bekannten Platen'schen BuchesDie neue Heilmethode, Lehrbuch der naturgemäßen Lebensweise, der Gesundheitspflege und der arzneilosen Heilweise, ein Hausbuch für Gesunde und Kranke", ist soeben im Deutschen Verlags­hause Bach u. Co. in Berlin im Erscheinen begriffen. Uns liegen vor­erst die beiden ersten Lieferungen dieses Werkes vor, daS auf 1952 Druckseiten berechnet ist, und 432 Abbildungen und 13 Chromotafeln sowie sieben zerlegbare Modelle des menschlichen Körpers in Buntdruck bringen soll.

Universität und Hochschule.

Berufenr Prof. Dr. Anschütz, der vor etwa Jahresfrist in Tübingen an die Stelle des nach Berlin berufenen Pros. Dr. v. Martitz als Lehrer für Staats- und Völkerrecht getreten ist, nach Heidelberg auf dm seit Georg Meyers Tod verwaisten L<hrstuhl. Dem Ver­nehmen nach hat Professor Anschütz angenommen.

Gestorben: In Cranz der o. Profeffor der Theologie an der Universität Königsberg, Konsistorialrat Julius Sommer im Alter von 90 Jahren. In Stockholm der Kunstkritiker und Kustos am schwedischen National-Museum Friedrich Sander im Alter von 71 Jahren.

Verschiedenes» Das Berliner Fremdenblatt schreibt: Einen bezopften Studenten besitzt gegcnwärttg die Berliner Universität. Es ist unseres Wiffens der erste Chinese, der hier studiert. Der bildungsbedürftige Kommilitone aus dem jetzt so unruhigenReiche der Mitte" heißt Djin-Da-Min; er widmet sich dem Bergfach. An der Universität Leipzig ist ein Institut für gerichtliche Medizin ins Leben gerufen worden. Mit seiner Leitung ist Prof. Dr. Kockel betraut worden. An der Universität Bern find gegenwärtig 962 Studierende immatrikuliert, und zwar 29 in der evangelischen und sechs in der katholisch-theologischen Fakultät, 188 in der juristischen, 299 in der medizinischen, 396 in der philosophischen, 44 in der veterinär­medizinischen Fakultät. Von der Gesamtzahl sind 600 Schweizer und 362 Ausländer, unter den ersteren sind 45, unter den letzteren 141 Damen, davon allein 122 Rusfinen Deutsche sind 70 ver­zeichnet, darunter 10 Damen. Unter den 82 Auskultanten endlich find noch 27 Damen, im ganzen zählen diese also 213. Man schreibt aus Zürich: Die Zahl der in diesem Sommersemester an der hiesigen Hoch­schule immatrikulierten Studierenden beträgt 731, wozu noch 119 Audi­toren kommen. 376 Studierende sind Schweizer, 355 Ausländer. Die Zahl der Studentinnen beläuft sich auf 174.

Arbeiterbewegung.

Berlin, 14. Juni. In der Angelegenheit der Straßenbahn- Angestellten ist noch keine Klärung erfolgt, da eine Verhandlung des um Vermittelung angegangenen Oberbürgermeisters Kirschner mit der Kommission der Angestellten noch nicht stattgrsunden hat.

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Sonntag den 17. Juni. 2. Sonntag nach Pfingsten.

Vormittags von 6*/a Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht.

, um 7 Uhr: Die erste heil. Messe:

vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion.

um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. Milttärgotttsdienst mit Predigt.

um 9*/i Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 2«/» Uhr: Christenlehre, darauf sakramentalische Bruderschafts-Andacht.

Gottesdienst in der Zynn-oßs«

SamStag den 16. Juni 1900.

Vorabend 7« Uhr, morgens 8 Uhr, nachmittags 4 Uhr Gchrifterttärung, Sabbathausgang 9* Uhr.

Gotterüuvst der irrarlttischen KrligflMOgrfMchnft.

Sabbathfeier am 16 Juni 1900.

Freitag abend 7" Uhr, Samstag vormittag 8 Uhr, nach­mittags 4 Uhr, Sabbatbausgang 9j Uhr.

Nachmittag 8" Uhr Schrifterklärung.

W->chengottesdienst morgens 6 Uhr, abends 7 Uhr.

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Unser höchstes Gut ist die Gesundheit; sie zu erhalten und um den durch die tägliche Arbeitsleistung hervorgerufenen Kräfteverbrauch zu ersetzen, führen wir unserem Körper in der Kost eine Reihe von Nährstoffen zu, deren wichtigster das Eiweiß vorstellt. Letzteres in eine Form zu bringen, in welcher es dem vom Magen bearbeiteten Eiweiß entspricht, war lange das Bestreben der Technik. Erst nach vieler Mühe ist es gelungen, iw der Somatose ein derartiges, hochkonzentriertes Eiweiß- praparat herzustellen. Die Somatose wird aus Fleisch qe- wonnen, besitzt dessen Nährsalze sowie 98 Prozent Eiweiß­stoffe (Albumosen), die direkt von den Körpersäften aus­genommen werden und verdient insofern vollste Beach­tung, a,ls ihre vortrefflichen Eigenschaften als appetit­anregendes Nähr- und Kräftigungsmittel schon taufenden! von schwächlichen Personen wieder zu Kraft und Lebens­lust verhalfen. Somatose leistet vorzügliche Dienste bei Bleichsucht nnd Blutarmut, bei allen Erkrankungen desl Magens und Darmes, bei denen die gewöhnliche Nahrung nicht verdaut und resorbiert werden kann; des weiteres bei Zehrkrankheiten und Lungenschwindsucht, und erzeugt! in den meisten Fällen schon nach kurzem Gebrauche Fleisch­ansatz.

Merichtssaal.

Saatfeld, 14. Juni. In einer Schöffensitzung sollte der Ritter­gutsbesitzer List-Ankern, LeuMant der Reserve, vor dem Gerichtsaffeffor Schulz einen Eid als Zeuge leisten. List erklärte jedoch, daß er vor einem jüdischen Richter einen Eid nicht leiste. Auf die Ankündigung, daß er zur Verweigerung der Eidesleistung aus dem von ihm angegebenen Grunde nicht berechtigt sei, und gegen ihn bei seiner weiteren Weigerung mit den nach § 69 der Strafprozeßordnung zulässigen Sttafmitteln vorgegangen werden müßte, erklärte List, daß er den Eid vor einem jüdischen Richter nicht leisten werde. Hierauf stellte der Staatsanwalt den Antrag, die Hauptverhandlung zu vertagen, und List in die durch seine Weigerung verursachten Kosten sowie zu einer Geldstrafe von 300 Mk. eoentl. 6 Wochen Haft zu verurteilen, mit der Ankündigung, daß weitere Zwangsmittel zur Erzwingung des eidlichen Zeugnisses vorbehalten bleiben. Der Gerichtshof beschloß, die Haupt­verhandlung zu vertagen, und verurteilte List zur Tragung der Kosten, setzte außerdem gegen denselben eine Geldstrafe von 2 0 0 M k. eoentl. eine Haftstrafe von 14 Tagen fest.

* Ein unerhört grausames Experiment an 'tranken wird vomVorwärts" an die Öffentlichkeit gezogen, ^zm Band 62 desArchivs für klinische Medizin" findet ftd) eine Abhandlung eines Arztes Dr. Stubell ersten Assistenten der medizinischen Klinik in Jena über einige Falle von Diabetes insipidus (eine Art Harnruhr mit hochgradig gesteigertem Durstgefühl), der wir folgenoe Stelle entnehmen:Schon während der ersten Tage wurde rnr klar, daß ohne Klausur genaue Untersuchungen an dem ersten Patienten Hertel unmöglich seien. Patient wurde m mn k l e i n e s Z i m m e r im D a ch g e sch o ß der Klinik gebracht, welches zwei Fenster mit Eisen gittern von beträchtlicher Stärke batte; die Thür war fest und gut v e r schlie ß b a r ; den Schlüssel trug ich stets in der nasche. Wenn ich aber glaubte, dadurch vor Täusch­ungen bewahrt zu sein, so irrte ich. Zwei- oder dreimal, als die Resultate nicht stimmten, und ich den Patienten >charf ins Gebet nahm, gestand er mir, bei einem starken , Regengüsse ein Trinkgefäß hinausgehalten und auf äußerst komplizierte Weise aus der Dachrinne etwa je einhalb Liter Regenwasser aufgefangen zu haben. Einmal kon­statierte ich, daß Patient von dem ihm gereichten Wasch­wasser getrunken hatte; ich ließ ihn von da ab während ter Bersuchstage sich nicht waschen. Einmal trank Patient nachts, als der Durst zu groß wurde, 1400 Kubik­zentimeter seines eigenen Urins und am letzten Tage des Stofswechselversuchs riß Patient, der während der lebten Tage desselben relativ sehr wenig zu trinken be­kam, eine eiserne Gitterstange am Fenster aus, gelangte aufs Dach, von da durch ein anderes vergittertes Fenster, wo er ebenfalls eine Eisenstange ausriß, ins Wartermnenzimnier und wurde dort noch rechtzeitig über­rascht, als er eben an die Wasserleitung eilen wollte. Bei meinem zweiten Patienten habe ick> ebenfalls Klausur an­gewandt, nachdem ich die Fenster durch dreifache Ver­stärkung des Eisengitters unwegsam gemacht hatte".: Weiter heißt es in dem Bericht über diese Menschenquälerei ius Seite 98 des zitierten Bandes:Patient ist durch diesen Versuch besonders stark mitgenommen. Er hat die Nacht vom 30. Juni bis zum 1. Juli unter furchtbaren Qualen zugebracht. . . Früh 7 Uhr, als Patient zum i Wiegen und zur Blutuntersuchnng aus der Zelle geführt ' -wer Treppen emporsteigen mußte, war er völlig kollabiert i id. h. zusaüimengebrochen); das Gesicht war wie aus­getrocknet, Augen und Wangen tief eingesunken, Puls kaum jüßlbar, überall im Körper Schmerzen, die Gelenke wie steil". Selbst Standesgenossen des Dr. Stubell mißbilligen in der entschiedensten Weise ein derartiges Vorgehen, wie aus einer Stelle in derMedizinischen Reform" (1900, Jk 23 vom 10. Juni) zu entnehmen ist. Dr. A. E. Neu- matzin-Berlin schreibt dort im Anschluß an eine Darstellung des Falls:Klingt diese Beschreibung nicht wie ein Ka- püe-l «us einem Schauerroman? Liegt nicht eine grau- I saure Ironie in dem Satze:er wurde noch rechtzeitig I überrascht, als er eben an die Wasserleitung eilen wollte?" I Mit anderen Worten, der Mensch, der von unstillbarem I Turst gepeinigt, getrieben von einem der elementarsten | Instinkte, in seiner Todesangst seinen eigenen Urin trinkt, I dann seine ganze Kvaft zusammennimmt zu einem letzten I Verzweiflungsakt, Eisengitter durchbricht, und über Dächer I dolanziert, um zu dem erlösenden Wasser zu gelangen I w muß weiter dursten, denn das Experiment verlangt es! | Sie würde sich die Beurteilung des Falles gestaltet haben, I »enn der Patient Hertel bei Ausbrucheines Feuers I infolge Verschlusses von Thür und Fenster bei zufälliger I klbwesenheit des Experimentators ums Leben gekom - | niewäre oder wenn er vom Dache abgestürzt und I öchciden genommen hätte, oder aber wenn er anHitz- I schlag" zu Grunde gegangen wäre? Das Experiment des fliegen hätte ja leicht unbeabsichtigt zu der Beantwortung | brrhöchst interessanten" Frage führen können, ob ein I Mensch mit Diabetes insipidus auch trotz gewisser Flüssig- I keitSzufuhr an relativer Austrocknung des Blutes (also einer I 3rl Hitzschlag) zu Grunde gel)en kann." Was Dr. Stubell I zur Rechtfertigung seiner Handlungsweise anführt, ist weit I -cher geeignet, ihn zu belasten. Er sagt:In diesem Versuch I ist es, allerdings unter Hervorrusung bedrohlicher Störung |

Allgemeinbefindens des Patienten, gelungen, die sonst I jv konstante llrinsekretion wesentlich herabzusetzen, ja auf I «tuderthalb Stunden zum Versiegen zu bringen, wobei ich I [jdit an die Grenze des Erlaubten gegangen zu sein mir I Mhll bewußt bin (unter andauernder Kontrolle von I Ws und Herz). Noch ein paar Stunden länger gedurstet I irnib die Urinsekretion hätte vielleicht ganz aufgehört, die I Lerzaktion wahrscheinlich aber auch." (Arch. f. kl. Med., I ch. 62, pag. 98/99.) DieNational-Ztg." bemerkt dazu: I Lu Zweifel an der Richtigkeit dieser Darstellung ist nach I Htn angeführten Zitaten nahezu ausgeschlossen. So gern | hur die Berechtigung des wissenschaftlichen Experiments I mec kennen, das zur Förderung der 5)erlkunde und zum I SSofrie des Kranken unternommen wird, ebenso sehr müssen I ttr unsere Mißbilligung aussprechen über Experi- I nmte die weit über die Grenzen dessen hinausgehen, | m einem Arzte in einem solchen Falle gestattet fein j Um Und ein solcher Fall liegt vor. Es handelt sich hier I ffii; nicht um einen Heilversuch zum Wohle des Kranken, | toibcni um die experimentelle Bestätigung irgend eines ] imeretischen Problems, has für die Wissenschaft vielleicht, I übt aber für die Heilkunst von Belang sein kann. Ein I «jweifechaftes Experiment wird gar ncch mit den grau- I > iMisten Mitteln erzwungen: unter Freiheitseinschränkung I uns unter ausdrücklicher Entziehung jeglicher Möglichkeit, I . ktn Lrennenden, qualvollen Durst der armen Kranken zu I Ifliieii. Derartige Experimente sind von humaner Wissen- I Hiirlichkeit iveit entfernt, sie gehen nicht nurhart an I bik Grenze des Erlaubten", sondern überschreiten sie in I jX ungerechtfertigter Weise. Der Experimentator Dr. I i hiMt scheint noch ein junger Herr zu sein; im Aerzte- I 5 ürechnis des Reichs-M edizinalkalenders für 1900 ist sein I Üfc nicht zu finden. Es ist in aNen Universitätskliniken I

daß derartige Experimente, zumal so eingreifende I -Ob die Gesundheit bedrohende, von jungen Assistenten I mW ausgeführt werden, ohne die EmwiNignng des kli- I irfct Direktors. Das ist hier Professor Dr. Stinzing in I 3(ra.. Derselbe wird hoffentlich samt seinem Assistenten I -M Wer an t Wortung gezogen werden.

* Fünfhundert Thaler für einen Knh. Ein durch sei« I fitllenerö Klageobjekt interessanter Prozeß ist bei dem Land- I ßieriejtt zu Lyck in Ostpreußen angestrengt worden. Dem |