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16.6.1900 Erstes Blatt
 
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m. 138 Erstes Blatt.

Samstag den 16. Juni

1900

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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MtS. trifft in Tsingtau ein Ablösungstransport von 1200 I Mann ein. Die abzulösenden Truppen werden vorerst nicht I ieurlaubt werden, vielmehr auf Befehl des Kaisers bis auf I Weiteres dort verbleiben, sodaß die dem Geschwaderchef für I eventl. Fälle zur Verfügung stehende Truppenmacht eine I wesentliche Verstärkung erfährt.

Im englischen Unterhause berichtete Brodrick I über die Unruhen in China. Er führte aus: Macdonald I jatte bis zum 5. Juni wiederholt das Tsung li Aamen auf I )ie Nothwendigkeit hingewiesen, sofort wirksam vorzugehen, I um die Mörder der britischen Missionare zu bestrafen und I die Ordnung wieder herzustellen. Macdonald teilte ferner I dem Tsung li Damen mit, die englische Regierung werde I die chinesische Regierung verantwortlich halten für die ver- | brecherische Apathie, die diesen unbefriedigenden Stand der I Dinge herbeiführte. Am 6. Juni telegraphierte die eng- I lische Regierung an Macdonald, Admiral Seymour sollte I in Übereinstimmung mit den übrigen Mächten nach ihrem I Ermessen alles thun, was sie für ratsam erachten zum I Schutze der englischen Gesandtschaft und der englischen I Staatsangehörigen. Nach einer Konferenz mit dem russischen I Gesandten wurde Macdonald ermächtigt, jede chinesische Be- I Hörde zu unterstützen, die imstande sei, die Ordnung auf- I recht zu erhalten. Der russische Gesandte erhielt die gleiche I Ermächtigung. Nach einer Besprechung mit den fremden I Flottenkommandanten beschloß Seymour, am 9. Juni I Truppen zu landen und auf Peking zu marschieren. Bon I Honkong würden zur Zeit Truppen eingeschifft. Der KreuzerTerrible" werde von dort nach Taku abgehen. Die Russen landeten weiter 1700Mannschaften. Zwischen den Mächten herrsche vollkommene Ueberein- stimmung hinsichtlich der von den Admiralen unter­nommenen Aktion. (Beifall.) Es wurden Vorbereitungen getroffen, um zur Sicherung von Leben und Eigentum die Truppen am Dangtsekiang zu ergänzen. Maclean fragt, ob das Haus Brodrick dahin verstehen solle, daß zwischen England und Rußland ein engeres Einver­nehmen herrsche, als zwischen den anderen Mächten. Brodrick erwidert: Ich hatte nicht die geringste Ab­sicht, einen solchen Eindruck hervorzurufen.

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Telegramme deS Gießener Anzeigers.

London, 15. Juni. Die heutigen Morgenblätter besprechen die Lage in China und erklären, daß nicht nur die Boxer, sondern auch die Palastbehörden in Pe­king zur Rechenschaft gezogen werden müßten. Sie drücken die Hoffnung aus, daß der Status quo weiter be­stehen werde und geben zu, daß England augenblicklich nicht in der Lage ist, aus einer Aufteilung Chinas Nutzen zu ziehen. Aus Shanghai wird gemeldet, daß die ja­panische Gesandtschaftin Peking in Brand ge­steckt und derjapanischeGesandteermordet wor­den sei. Die japanische Regierung hat eine hohe Geldentschädigung für die Ermordung ihres Ge­sandten und die in Brand gesetzte Botschaft gefordert. 1500 Mann Truppen mit vier Geschützen sind in der Nähe von Peking eingetrosfen. Bis zur Stunde sind 4000 russi­sche Soldaten aller Waffengattungen an Land gesetzt worden. v

London, 15. Juni. Aus Shanghai wird gemeldet: Das P^o r d r i n g e n der internationalen Truppen hat eine Verzögerung erlitten. Man befürchtet, daß die Ko­lonne, die Admiral Seymour befehligt, n i ch t st a r k genug ist, um den Boxern oder den chinesischen Truppen Wider­stand leisten zu können. Die geringste Niederlage, welche die internationalen Truppen erleiden würden, würde, so glaubt man, das Signal geben zur Ermordung sämt­licher Europäer in Peking. Gestern abend sind 300 Japaner von zwei Kriegsschiffen gelandet worden. Die französischen Truppen sind in Nangtse eingetroffen.

London, 15. Juni. Der Wiener Korrespondent der Daily Expreß" meldet seinem Blatte, aus russischer Quelle habe er in Erfahrung gebracht, daß die erste Reserveklasse der russischen Armee Befehl erhalten habe, sich bis zum 12. Juni beim Regiment einzusinden. Rußland konzen­triere bedeutende Truppenmassen im Westen der trans­sibirischen Eisenbahn.

London, 15. Juni. Nach einem Telegramm aus Tientsin wird gemeldet: 1200 Mann russischer Truppen kamen hier an und weitere sind unterwegs. Die Berichte von vielen Punkten ergaben die Ausbreitung der Boxer-Bewegung. Es scheint, daß zwischen Frank­reich und Rußland ein Uebereinkommen über ihve Politik in der gegenwärtigen Krisis getroffen wurde,

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Die Wirren in China.

Nach einer Meldung des neuerdings nicht immer zu­verlässigen Bureaus Dalziel aus Schanghai vom 14. d. M. wäre die Lage der Pekinger Gesandtschaften in Peking höchst kritisch. Chinesische Truppen, 30 000 Mann stark, mit zahlreichen Geschützen unter den Generälen Tungfusiang und Suntschiang ständen vor den Thoren der Stadt in Schlachtordnung und legten Verschanzungen an, um die europäischen Entsatztruppen ab- zmvehren. Eine solch wahnwitzige Haltung, die für China ganz unabsehbare Folgen haben müßte, stände in Wider­spruch zu der von der Agentur HavaS verbreiteten Erklärung der chinesischen Regierung, daß dem Einmarsch der ftemden Truppen in Peking kein Widerstand geleistet werden würde. Anderseits ist freilich nicht verständlich, weshalb die von Tientsin nachgeschobenen letzten Abteilungen halbwegs Peking liegen bleiben. Gegen die englische, die amerika- aißche und die japanische Gesandtschaft seien Satnonen aufgefahren. Der Kanzler der japa- uilchen Gesandtschaft wurde thatsächlich am Montag von Soldaten unter den Augen hoher Mandarinen nieder- gemacht. Die japanische, amerikanische und russische Ge- saidtschaft hätten durch Sonderkouriere in Tientsin je 2000 Mnnn Truppen ihrer Landsleute verlangt. Zwei amerika­nische Kanonenboote sind nach Tangku an der Peihomündung abgegangen. In Schanghai liegt zurzeit kein einziges fremdes Kriegsschiff, im Dangtse liegen nur die drei eng­lischen Kanonenboote Esk, Woodrock und Woodlark und ein deutsches Fahrzeug (Jaguar). Nach einer Depesche der Central News aus Tientsin trafen dort 1000 Mann russische Truppen ein, und weiterer Nachschub wird erwartet. Der Fortschritt in der Ausbesierung der Bahnlinie soll äußerst langsam sein, da nur englische und amerikanische Miarinesoldaten daran arbeiten.

Nach anderen Meldungen ist die von Tientsin nach Peking entsandte gemischte Truppenabteilung bis auf etwas weniger als 50 Kilometer vor der chinesischen Haupt­stadt eingetroffen. Der letzte Teil der Eisenbahn Tientsin- Peking ist nicht mehr benutzbar, sodaß sie zu Fuß zurück- zelegt werden muß. Trotz der Schwierigkeiten der Ver­pflegung und des infolge großer Hitze herrschenden Wasser- mamgels werden die Truppen wohl in zwei bis drei Tagen in Peking anlangen, wofern sie nicht durch ernstere Konflikte mit den Boxern aufgehalten werden. Die telegraphische Verbindung mit Peking ist noch immer unterbrochen. Dsr russische, amerikanische und japanische Gesandte schickten Kuriere nach Tientsin und erbaten je 2000 Mann Truppen vom jeder Station. Aus Tientsin wird gemeldet: Ein- geiborene berichten, daß eine mehrere tausend Mann starke russische Kolonne von Norden gegen Peking vorrücke.

Nach einem Telegramm derNorth China Daily News" aus Tschungking in der Provinz Szetschwan kam es zu Unruhen in Jünnanfu. Die Missionsgebäude bet China Jnlandmission wurden teilweise zerstört, die der britischen Bibelgesellschaft, der christlichen Mtssionsge- sellschaft und der römisch-katholischen Mission wurden völlig verwüstet. Die Missionare sind alle im Regierungsge­bäude in Sicherheit.

Die japanische regrerungsfreundlrche Presse schreibt, lavan allein könnte den Aufstand in China unterdrücken, es müsse aber erst das Vertrauen der Mächte gewinnen, indem es Handlungen vermeide, die Verdacht erwecken ^"^Wie dieReforme" mitteilt, hat die Brüsseler Gesell- chaft für Eisenbahnbauten in China von ihrem leitenden Ingenieur in China die Bestätigung der Nachrichten jber die von den Boxern verübten Greuelthaten er­halten. Der Schweizer de Ossesch und die Italiener Gäbet mb Vesaro, die bei dem Eisenbahnbau beschäftigt waren, sowie die Schwester de Assenti find ermordet, und ihre Leichen im Kanal bei Paotingfu gefunden worden. Die flh-ciaen belgischen und französischen Angestellten sind nach Peking und Tientsin gelangt, mit Ausnahme zweier, namens Baillan und Dilon, deren Aufenthalt man nicht kennt. Dneihundert von der französischen und belgischen Gesellschaft «iit Waffen versehene Mannschaften verteidigen den Tei bet 33a$n, auf dem in einer Strecke von 100 Kilometer bet Verkehr nicht unterbrochen ist. Der chinesische Mandarin Saheng, der stets den französisch-belgischen Einfluß begun- Mte hat versprochen, daß die Familien der Ermordeten i° ausgiebiger Weise entschädigt werden sollen.

Die deutsche Truppenmacht in Ostasteu tpürb demnächst einen Zuwachs erhalten. Am 19. ds.

Der Krieg iit Südafrika.

Feldmarschall Roberts telegraphiert aus Pretoria von; 13. ds., 9 Uhr 55 Minuten vormittags:M ethuen marschierte gestern (12.) nach Honningspruit uni) fand alles ruhig. Kroonstad wird von uns mit starker Macht gehalten. Methuen kehrte heute nach dem Rhenosterflusse zurück, wo die Eisenbahn ausgebessert wird. Wir waren gestern (12.) den ganzen Tag über mit Bothas Heer im Gefecht. Der FeindkämpftemitgroßerEnt- schiedenheit und hielt unsere Kavallerie auf beiden Flanken fest. Hamilton und Pole-Carew machten jedoch einen Vorstoß und nahmen einen in der Front des Feindes gelegenen Hügel. Der Feind ging darauf ostwärts nach seiner zweiten (Stellung zurück. Diese hält er gegenwärtig noch Die weite Aus­dehnung des Gebietes, über das der Kampf sich erstreckt, bewirkt, daß die Fortschri tte nur langsam find." Eine drei Stunden später aufgegebene Depesche des Feld­marschalls berichtet, daß der Feind während der Nacht seine starke Stellung geräumt und sich ostwärts zurückgezogen habe.

Das ganze Land südlich und tvestlich von Griquatown ist vonAufständischen" gesäubert.

WieDaily Expreß" aus Lourenco Marquez vom 13. d. Mts., offenbar aus burischer Quelle, meldet, fanden in der Nähe von Eerste Fabriken (Hatherley) und Donker- holk Kämpfe statt. Die britischen Linien hatten eine Länge von 40 Kilometer. Die Engländer wurden zurück- geschlagen. Das Kommando von Ermclo that sich dabei besonders hervor. Die Verluste auf beiden Seiten sind noch nicht bekannt. Eerste Fabriken (Hatherley) liegt -24 .Kilometer östlich von Pretoria, Donkerholk 8 Kilometer weiter östlich, etwas südlich von der Eisenbahn. Ob es sich hier um neue Kämpfe oder um das von Roberts gemeldete Gefecht vom 11. Juni handelt, ist nicht zu er­kennen.

Daily Expreß" vernimmt, nach zuverlässigen Nach­richten ständen die britischen Truppen in Ngoma (Zulu­land) 150 Kilometer von Goroma an der Grenze des Swazi- landes. Es scheint, daß die Annäherung den Buren an der portugiesischen Grenze Sorge macht. Zwei Dampfer, Sie unter Bedeckung von Kriegsschiffen" 600 (kanadische Reiter an der Zuluküste landen sollten, erhielten angeblich Gegen­befehl, weil Roberts die Ereignisse als zu weit gereift erachtete, um einen ernsten Zug dieserseits für nötig zu halten.

Nach einer vom Kriegsministerium veröffentlichten Liste betrugen die bisherigen britische nGesamt- verluste im Kriege 23374 Offiziere und Mannschaften, von denen jedoch die von Lord Roberts befreiten Ge­fangenen (150 Offiziere und 3500 Mann) abzuziehen sind. Indessen sind 8843 Mann und viele Offiziere, die als Invalide nach der Heimat entlassen sind, in die Zahl nicht eingeschlossen, so daß die Gesamtzahl über 32000 | steigt. Anderseits sind manche Geheilte zum Dienst zurück­gekehrt. Die Todesfälle infolge Krankheit nehmen ständig zu; sie machen 57 Prozent aller Todesfälle während des Krieges aus. Vom 27. Mai bis zum 9. Juni fielen z. B. im Gefecht oder starben an Wunden 175 Offiziere und Mannschaften, während nicht weniger als 558 in Sief ent Zeitraum Krankheiten erlagen.

Präsident Krüger und Staatssekretär Reitz find noch, in Madadodorp. Tie Regierung soll jehodj dem­nächst in die felsige verteidigungssahige Gegend von Nel- ^Der^ Times"^-Berichterstatter aus Pretoria meldet von Aeußerunqen der En trüstun g der Bevölkerung gegen Krüger und Botha; das bei Abführung des Goldvor-

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doch ist es «unsicher, ob sie gemeinschaftliche Schritte unter­nehmen lverden.

Rom, 15. Juni. Wie in Kreisen des Vatikans ver­lautet, hegt der P a p st die Absicht, den österreichischen Kaiser zu ersuchen, daß er als katholischer Monarch sich an die Spitze der katholischen Souveräne stelle, um die Initiative zu Regressiv-Maß- regeln gegen die chinesische Regierung zu ergreifen.

Wien, 15. Juni. DieNeue Freie Presse" teilt auf Grund authentischer Daten über die russische TruppenmachtinOstasien folgendes mit: Es stehen zur Zeit in dem Militär-Bezirk Amur 42 Bataillone Infan­terie, 32 Schwadronen Kavallerie (meistens Kosaken), 136 Feldgeschütze, 13 technische Kompagnien und 13 Festungs- Artillerie-Kompagnien in einer Gesamtstärke von etwa 60 000 Mann. Diese Truppen können für den Kriegsfall auf 80 bis 85 000 Mann verstärkt werden. Von der russi­schen Kriegsflotte befinden sich in den ostasiatischen Häsen 52 Fahrzeuge.

Washington, 15. Juni. Admiral Kempff befin­det sich a,n der Spitze einer Kolonne von 2500 Mann auf dem Wege n a ch P e k i n g. Seit gestern fehlt jede Nach- richt aus Peking.____

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