Ausgabe 
15.12.1900 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 1<

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®ie6en, den T

Tarife nach Belieben regulieren. Die englische Regierung lege dieser Frage sehr große Bedeutung bei. Brodrick führte aus: Die Gesamtzahl der aus Transvaal AuS- gewiesenen betrage 4386. Eine aus Offizieren und Zivilpersonen zusammengesetzte Kommission werde ernannt werden, um über die Entschädigungsforderungen zu beraten. Die Frage der Erlaubnis der Rückkehr für alle ausge­wiesenen Personen werde notorisch in Erwägung gezogen werden, wenn diejenigen, die beim Ausbruche des Krieges gezwungen wurden, Transvaal zu verlassen, zurückgekehrt seien. In zweiter Lesung wurde die Nachtragsforde­rung für den Krieg angenommen.

Paris, 13. Dezember. Die Kammer setzte heute bte Beratung der Amnestievorlage fort. Der radikale Deputierte Vazeille erklärte, das Urteil in Rennes habe die öffentliche Meinung nicht befriedigt. Die Frage, ob Dreyfus, wenn die Amneftievorlage angenommen werde, das Recht erhalte, eine Revision seines Prozesses anzu­streben , wurde bejahend beantwortet. Der Sozialist Balkon hielt eine äußerst heftige Rede, er wies in der­selben darauf hin, daß die Hauptschuldigen im RenneS-Pro« zeffe nicht bestraft worden seien. Esterhazy, Henry, Paty du Elam seien gleich schuldig. Auch die Generale Gonse, Boisdeffre und Billot müßten vor Gericht gezogen werden. Meline ergreift das Wort zur Rechtfertigung der Haltung Billots, Breton beschuldigt hierauf Meline, von der Fälschung Henrys gewußt zu haben. DeS weiteren beschuldigt er den General Mercier als den Haupt­schuldigen in der Dreyfus-Angelegenheit und verlangt dessen gerichtliche Verfolgung. Artikel 1, der alle aus der DreyfuS - Affaire ergangenen Handlungen amnestiert, soweit sie nicht rechtskräftig abgeurteilt sind, wird mit 329 gegen 244 Stimmen angenommen. Es kommt der Zusatzantrag Vazeille zur Abstimmung, der aus zwei Paragraphen besteht. Der erste bestimmt, daß das Verbrechen des Landesverrats und Spionage von der Amnestie ausgenommen sind, der zweite macht eine weitere Ausnahme für Urkundenfälschungen und AmtSmißbrauch. Durch die erste Ausnahme soll Picquart, durch die zweite Mercier und die übrigen Generalstäbler von der Amnestie ausgeschlossen werden. Die Kammer beschließt, über beide Sätze getrennt abzustimmen. Der erste Satz zu Gunsten Picquarts wird mit 296 gegen 248 Stimmen angenommen. (Stürmischer Beifall auf der äußersten Linken. Große Bewegung und Unruhe.)

an Gerichtsstelle zu erscheinen haben, schließt der sitzende die Sitzung.

*

Telegramm des Gießener Anzeigers.

Berlin, 14. Dezember. Justizrat Dr. Sello toitt möglicherweise doch sein Plaidoyer im Sternberg-Proui halten. Sein endgiltiger Entschluß steht allerdings rj( aus, da ihm sehr viel daran gelegen ist, vorher die ge^ ihn erhobenen Beschuldigungen des Kommiffars Th st! durch einen Eid zu entkräftigen. Andererseits möchr! er naturgemäß in diesem weitaus wichtigsten Augenblil des Prozesses ohne genügende Gründe seinen Klienten nich im Stiche taffen. Polizeipräsident von Windheim tz gestern vom Untersuchungsrichter Brandt in b(a Verfahren gegen den Kommissar Thiel vernomm^ worden. Wie verlautet, hat sich die Vernehm«^ auch auf die Untersuchung erstreckt, die zur Ecmittelniii jener zweiten Quelle eingeleitet ist, die nach Thiels kundung schneller und besser als er es vermochte, Hern Luppa Einzelheiten aus der Untersuchung gegen Sternbek! verschafft hatte.______________________________________________

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Aus Stadt Md Kund.

Gießen, 14. Dezevber.

** Die Einführung unseres neuen Bürgermeisters Dm» findet morgen nachmittag 5 Uhr in öffentlicher Sitzung fau.

** Persoualnachrichteu. Der Groß Herzog hat an 21. November den widerruflich angestellten Eisenbahn-B^ triebSingenieuren Emil Appel unh Stephan Granalo wicz in Mainz, sowie Karl Büchner und FriednS Eng au in Darmstadt und ferner dem Betriebswerkmeistl: Emil Krug II. in Worms die unkündbare Anstellung h der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft verliehen, und am 12. ds. Mts. den Finanzaspiranten Friedrich Göschel von Mainz zum Revisor bei der Main-Neckar Eisenbahn ernannt. Dem Eisenbahndirektionspräfidevle? Breitenbach in Mainz wurde von dem Prinzregentci von Bayern der Verdienstorden vom heil. Michael 2. Klch verliehen.

F. C. Guter Fang. Der berüchtigte Posts chwinöler und Zechpreller Zwirner aus Gießen wurde am Mittwoch Abend in dem Augenblick, als er auf dem Haupt­postamt in Mainz ein postlagerndes Packet erheben wollte, von einem Kriminalschutzmann verhaftet. Zwirnender früher bei der Firma Kathreiner in München beschäftigt war, hat in mehreren Städten Geldbeträge im Namen der Firma erhoben. Weitere Geldbeträge schwindelte er sich in der Weise aus, daß er an die Familien oder die Firmen von Reisenden, die er in den Hotels kennen gelernt und aufi gehorcht hatte, um Zusendung größerer SurMen telegra­phierte. In den meisten Fällen gelang es ihm, die einge« sandten Beträge zu erheben. Eine Münchener Firma hat er um 3000 Mk. geschädigt. Außerdem hat er sich viele Zechprellereien zu schulden kommen lasse». Zwirner reifte stets unter falschem Namen. So nannte er sich Loye, Quirin, Werner usw.

0 Befitzwechsel. Das dem früheren Polizeiamtmann Muhl gehörige Haus, Alicestraße 22, ging für 55000$1 in den Besitz vom Rentier G. Spieß, vormals Apotheker in Wetzlar, über. Birkenstock u. Schneider ver­äußerten die beiden neuen Geschäftshäuser in der Plack« straße an den Bankier Strauß in Marburg, für 190000 Mark, dagegen nahmen Birkenstock u. Schneider Baugelände für 7 Villen, in Marburg gelegen, vom Käufer mit in Zahlung. Die in der Stadt verbreitete Nachricht, daß Strauß die Häuser für den Inhaber eines großen Warenhauses, zur Errichtung eines solchen angekauft, bewahrheitet sich nicht. Doch erfahren wir, daß dieserhalb Verhandlungen schweben, die aber noch nicht dem Abschluß nahe sind.

** Befitzwechsel. Das Haus des Herrn A. Sorgen­frei, Neustadt 14, ist für 46 500 Mk. an Herrn Carl Schmitt verkauft worden.

** Entsprungen. Am 11. d. Mts. ist ein Verbrecher, der während seiner Strafverbüßung in der Strafanstalt Butzbach nach Beobachtung in der psychiatrische« Klinik zu Gießen für geisteskrank erklärt worben war, auf dem Transport nach dem Hospital Hofheim entsprungen. Er sollte dort für die Zukunft untergebracht werden und wurde nach seiner Flucht in Darmstadt gesehen. Er ist der 1875 zu Tarnopol in Galizien geborene israelitische Kauf« mann Osias Steinhaus, der im Herbst 1898 gemein­schaftlich mit seinem Landsmann Schya Wonich in Darm­stadt eine Schwindelfirma gründete und mehrere Woche« lang viele auswärtige Geschäfte betrügerisch schädigte, v wurde am 27. März 1899 zu zwei Jahren Zuchthaus ver­urteilt, während sein damals geflüchteter und nachtriW verhafteter Genoffe vor mehreren Monaten eine lävfi Zuchthausstrafe erhielt. Hoffentlich gelingt die W Wiederergreifung des gemeingefährlichen Verbrecher-.

(:) Klein-Linden, 13. Dezember. Der Rohbau uvM Schulhauses naht sich nunmehr seiner Vollendung. Lew' ist er sehr verzögert worden, sodaß er nahezu neun WoV ohne Dach stand. Die Wohnung im zweiten Stock ist durch total verdorben und muß im Frühjahr gründlich neuert werden, da Decken und Wände verweicht sind, die Tapeten herunterhängen. Bis zur Herstellung D Wohnung muß der Lehrer in Miete wohnen, die unv . schuldeteter Weise die Gemeinde zahlen muß. In o Bürgermeisterei Büreau stand am vorigen Freitag das W auf Tisch und Fußboden. Der Regen drang sogar m unter der Wohnung im untersten Stock gelegenen saal und stand in Pfützen dort; die Schüler trugen cm voll weg. Vorgestern verweilten auf Veranlassung ' Bürgermeisters der Provinzialdirektor und der Inspektor hier, um den Schaden einzusehen. Die Spe 6 und Dachdeckermeister erhielten Auftrag, ihre Arbeiten halb der nächsten Tage zu vollenden. -..»raste,

8. Darmstadt, 13. Dezember. Der vielfach bestraf

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Prozeß Sternberg.

Berlin, 13. Dezember.

In der heutigen 34. Sitzung des Prozesses Sternberg teilt Staatsanwalt Braut mit, daß fid} der Portier Franz Modau des Hauses Würzburgerstraße 7, in dem Staatsanwalt Dr. Romen wohnt, gemeldet hat. Derselbe will bekunden, daß M. auch an ihn herangetreten sei, um von ihm Einzelheiten über das Leben und die Familie des Dr. Romen zu erfahren. Es sei ihm gesagt worden, wenn es gelingen sollte, Dr. Romen für befangen zu erklären, dann solle der Portier einige hundert Mark erhalten. Staatsanwalt Braut beantragt, den Portier als Zeugen zu vernehmen. Die Vorladung wird beschlossen.

Justizrat Dr. Sello ist am Verteidigungstisch nicht erschienen. Als erste Zeugin 'wird heute Frau Christiane Dreßler vernommen, zu der die Frieda Woyda nach der ersten Verhandlung gesagt habe, daß Sternberg öfter bei der Fischer gewesen sei und diese gesagt habe, es sei der Hausarzt. Auf die Frage, ob es denn wahr sei, was sie in der ersten Verhandlung gegen Sternberg ausgesagt, habe die Frieda gesagt: es sei alles wahr, Sternberg hätte noch viel mehr verdient.

Frieda Woyda wird aufgerufen. Ter Vorsitzende fragt sie, was sie nun sage. Die Zeugin erklärt, sie habe schon mehrfach gesagt, daß sie früher gelogen habe. Die Zeugin Dreßler und^ der Vorsitzende ermahnen die Zeugin Woyda auf das Eindringlichste, endlich die Wahr­heit zu sagen. Sie hat aber nur die Antwort, daß sie nicht anders aussagen könne. Auf die Frage des Vor­fitzenden, ob sie denn noch Schätze erwarte, wenn der Prozeß zu Ende sei, sagt die Woyda: Ach nein, wir wollen gar nichts haben, wir können auch ohne Sternbergs Geld leben? Der Vorsitzende bemerkt darauf, die Zeugm solle doch nicht so frech sein.

® Le ,r n b e r g betont, daß die Woyda früher von allen Seiten auf das liebevollste behandelt worden sei, von Stierstädter, von Schindlers, von Staatsanwalt Dr. Romen; sie sei auch im vorigen Termin liebevoll be­handelt, fast gehätschelt worden; damals sei nicht jedes ihrer Worte als Lüge hingestellt worden. Ter Vor- srtzende unterbricht den Angeklagten: Es ist mir gar nw eingefallen, jedes Wort als Lüge hinzu stellen. Der Angeklagte bemerkt darauf, es sei ihm so vorgekommen.

? o r den d e verbittet siel) eine solche Unterstellung Ä- Entschiedenste; das sei ja unerhört, das' sei ja S. tT-lf rschamthkit! TerAngeklagte erwidert: StL doch ..... Der Vorsitzende (erregt): ^be die Woyda wochenlang kL hsboItf}«n natürlichen Weise ermahnt und ver-

dlene den vom Angeklagten mir gemachten Vorwurf nicht.

-r?C9en Borwurf auf das Ent-

fchiedenste! Es ist unerhört?

Emilie Besser, eine etwa 50jährige ^»srl^^^^oyda, erzählt, daß sie nach dem ersten Pro­nin gegangen sei, um

J erfahren ob denn wirklich so Schreckliches Mit der Frieda passiert sei. Frau Blümke habe ihr haar- st r a u b ende Dinge erzählt, die Sternberg mit der Frieda gemacht toben soll. Sie könne di s gar nicht wiedergeben, so schrecklich sei es. Als der P r ä - f ident die Zeugm auffordert, sich darüber trotzdem au äußern, bricht sie in heißes Weinen aus und läßt sich widerstrebend über die Einzelheiten aus. Die Frieda sei bei dem Gespräch mit Frau Blümke zugegen gewesen Der Präsident fragt die Frau Blümke, ob sich die Sache so verhalte, wie Frau Besser erzählt habe. Tie Zeugin Blümke antivortet, sie entsinne sich nicht mehr genau.'

Frieda Woyda bemerkt auf Befragen, es

Gloßhö

stimme, was ihre Tante gesagt habe. Sie habe aber damals gelegen.

Es entwickelt sich jetzt eine hochdramatische Szene. Die Zeugin Besser stellt sich dicht neben die Woyda und ermahnt sie unter Thränen mit den liebe­vollsten Worten zur Wahrheit. Frieda zeigt keine Spur von Gemütsbewegung, sie bleibt dabei, daß sie jetzt die Wahrheit sage und früher gelogen habe.

Der 14jahrige Knabe Hermann B u z k e, der früher mit der Minna Teichert gemeinsam auf den Blumenhandel ging, bekundet, daß die. damals Dreizehnjährige auf der Straße Herren Winke zugeworfen habe.

Rach einer kurzen Vernehmung eines Sternbergfchen Dienstmädchens über die Unterkleider des Angeklagten wird die Zeugin Miller-Fischer aufgerufen, um zu be­kunden, ob sie Sternberg gemeint habe, als sie zur Woyda sagte, der Hausarzt würde kommen. Die Zeugin erklärt, daß sie ihn nur manchmalDoktor" genannt habe.

Staatsanwalt Braut: Haben Sie vor dem Notar Kemptner in Newyork nicht zwei Aussagen in der Stern­bergsache sich beglaubigen lassen, die eine belastend, die andere ent lastend, und haben Sie nicht die letztere Aus­sage Dr. Sello zu geschickt mit einem Privatbrief an Sternberg ?

Die Zeugin giebt zu, dies gethan zu haben. Das c u t lastende Schriftstück sei wahr, das b e lastende unwahr gewesen. Letzteres habe Eugen Friedmann an sich genom­men. In dein für Sternberg bestimmten Briefe habe etwa folgendes gestanden: Ich sende Ihnen das Protokoll, um Ihnen zu beweisen, daß ich nichts gegen Sie habe, wie Sie vielleicht glauben. Auf Befragen durch den Rechts­anwalt Dr. Werthauer bekundet die Zeugin," daß der Vor­gang mit den zweierlei Protokollen im September ge­schehen sei, daß Fritz Friedmann nichts davon gewußt und daß Eugen Friedmann direkt den Gedanken des zweierlei .rototolls angeregt habe. Eugen Friedmann habe der Ansicht Ausdrück gegeben, daß die beiden Schriftstücke wohl 2U^ bis 50 000 Mark einbringen würden, die er dann mit der Zeugin teilen wollte. Der Vorsitzende fragt die Zeugin, w i e viele junge Mädchen mit dem Angeklagten in ihrer Wohnung verkehrt hätten. Die Zeugin entgegnet: 30 bis 50. Sie habe aber nicht gewußt, daß Sternberg unzüchtige Handlungen mit den Mädchen vorgenommen habe; sie bleibe dabei, daß sie geglaubt habe, Sternberg habe Freude au jugend­lichen Körpern.

Gustav Teichert, der Vater der Zeugin Teichert, bestreitet, Schweiggelder erhalten zu haben.

Zeuge Georg Kahn war früher Angestellter des Bel- monte'fchen Geschäfts und kennt Hoffmeier. Er sagt aus, Hosfmeier habe seine, Kahns Frau, beauftragt, bei Frau Blümke sich ein Mantelet machen zu lassen; die Kosten werde er zahlen. Als er, Zeuge, erfahren, daß Frau Blümke die Schwester der Woyda sei, habe er Hoffmeier darüber befragt. Dieser habe gesagt, er sei in der Stern­bergsache, in der viel Geld zu verdienen sei, thätig. Hoffmeier habe dabei die Summe von 30 000 gjit genannt.

Zeuge Hoffmeier giebt die Geschichte mit dem Man­telet zu; er habe dadurch bezwecken wollen, sich Auskunft über die Familie Blümke zu verschaffen.

Die Sachverständigen bitten nunmehr, morgen ihre Gutachten abgeben zu dürfen, da sie schon wochen­lang ihre Praxis vernachlässigen müßten.

Der Staatsanwalt entgegnet, das Vergnügen, hier wochenlang sitzen zu müssen, hätten die Herren der Verteidigung zu verdanken.

Rechtsanwalt Fuchs I. erwidert darauf, die Sachi- verständigen seien nicht zum Vergnügen da, sondern in einer ernsten Sache. Er überreicht namens der Verteidig­ung den formulierten Antrag: Da neben diesem Haupt- verfahren noch ein geheimes Unterfuchungsverfahren nach zwei Richtungen hin nebenher läuft, bei dem Zeugen, die hier vernommen werden, gleichfalls verno-imen wer­den, und da deren Aussagen vor dem Untersuchungsrichter fortgesetzt vom Staatsanwalt hier verwertet werden, so beantrage biie Verteidigung, dieses Verfahren bis zum Abschluß des Untersuchungsverfahrens auszusetzen oder die Akten des Untersuchungsverfahrens auch den Verteidigern zugänglich zu machen. Ein solches Verfahren sei nicht zulässig.

Dem widersprick)t Staatsanwalt Braut. Er wolle zugeben, daß es der Verteidigung sehr unangenehm sei, daß dabei noch mancherlei gegen Sternberg zum Vorschein komme. Er, der Staatsanwalt, halte dies gerade für sehr schön. Würde die jetzige Sache bis zum Abschluß der anderen Untersuchung vertagt werden, dann würde dies zur Folge haben, daß der Prozeß nimmermehr zu Ende käme. Denn daß man nicht am Ende der Ver­haftungen angelangt fei, sei klar.

Der Vorsitzende fügt hinzu: Wir auch. Ter Ge­richtshof beschließt, den Antrag der Verteidigung ab­zulehnen. Eine längere Diskussion zwischen dem Staats­anwalt Braut und dem Verteidiger Dr. Werthauer entspinnt sich über den Geisteszustand des Zeugen Wohl, der bereits früher über die Hoffmeierschen Aussagen ver­nommen worden ist.

Es wird beschlossen, den stud. jur. Lichtenstein, der bei den Wohlschen Kindern Hauslehrer war, zu ver­nehmen. Dieser giebt sein Gutachten dahin ab, daß er den jungen Wohl für ein bischen beschränkt halte.

Der Gerichtshof beschließt noch die Vorladung des 5)ausarztes Dr. Flatow.

Rechtsanwalt Fuchs I. fragt die Woyda, weshalb sie soeben beim Eintritt in den Saal so geweint habe. Die Zeugin antwortet, sie sei beim Untersuchungsrichter über ihren Aufenthalt bei der Fischer vernommen worden. Sie habe dasselbe ausgesagt wie hier. Der Richter habe aber immer gesagt: Es ist doch vorgekommen, worauf sie geantwortet habe: Sie haben doch nicht dabei ge­standen und können es nicht beurteilen. Sie sei Herrn Stierstädter gcgeniibergefteHt worden und habe ihm das­selbe ins Gesicht gesagt, wie hier.

Hierauf folgt die Verlesung des Urteils, das nachs der ersten Verhandlung dieser Strafsache ergangen ist. Ter Vorsitzende erklärt sodann, daß er hoffe, morgen die Beweis-Ausnahme zu Ende zu führen, daß dann Samstag und Montag Pause eintreten und Äenstag m,t den Plardoyers begonnen werden würde. Mik der Bemerkung, daß morgen halb zehn Uhr alle Zeugen

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