Ausgabe 
15.11.1900 Erstes Blatt
 
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Nr 268 Erstes Blatt Donnerstag den 15. November 150. Jahrgang itio®

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Sie Gießener Oa»ttte«vrätter »erben dem Anzeiger ta wechsel mitHess. Ltmdwirt" u.Blätter fBr heff. Volkskunde- »öchti. 4 mal beigelegt.

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Amtlicher Teil.

Gießen, den 13. November 1900.

Betr.: Die Volkszählung im Jahre 1900.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

<m die Grotzh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises

rrrrd das Polizeikommissariat ArnSbnrg.

Wir bringen hiermit zu Ihrer Kenntnis, daß sich die Volkszählung laut § 2 derBestimmungen" sich auf diejenigen Personen erstreckt, die sich in der Nacht vom 30. No­vember aus den 1. Dezember ständig oder vorüber­gehend in Ihrer Gemarkung aufhalteu. Sie wollen weiter den folgenden Absatz des § 2 und den § 3 der Bestim­mungen beachten.

_________________v. Bechtold. _________________

Gießen, den 10. November 1900.

Betr.: Anträge des hessischen LandwirtschaftSratS wegen Bekämpfung der Rindertuberkulose.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

a« die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 25. September er. (Amtsblatt Nr. 13) noch nicht nach' gekommen sind, werden an deren sofortige Erledigung erinnert.

v. Bechtold.

Gießen, den 13. November 1900. Betr.: Beitreibung der Gemeindeeinkünfte.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen art die Gr. Bürgermeistereien und die Gemeiude- rechner des KreiseS.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Verfügung vom 18. Oktober er. (Gießener Anzeiger Nr. 247) noch nicht nachgekommen sind, werden an deren sofortige Erledigung mit Frist von 10 Tagen erinnert.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Der Bogel- und Gestügelzuchtvereiu Gießen und Umgegend hat in seinen Zuchtstationen auf der Hardt, Birklar, Philosophenwald rc. eine größere Anzahl, etwa 30 Stück, rassereiner junger Hähne, Minorka und rebhuhnfarbige Italiener, zum Preise von 2 Mk. das Stück an zu verkaufen. Auch sind rassereine Hennen zu haben. Interessenten wollen sich gefl. an den Direktor des Ver­eins, Herrn August Schwav, Teltersweg Nr. 64 hier, wenden. Ich mache auf diese bequeme und billige Gelegenheit zum Bezüge vorzüglicher Zuchthähne und -Hennen der beiden am besten bewährten Hühnerrafsen aufmerksam.

Gießen, den 13. November 1900.

Der Direktor des landw. Bezirksvereins, v. Bechtold.

Zur Eisenbahnkatastrophe bei Offenbach.

Zu der grauenhaften Katastrophe, die sich durch den Zusammenstoß zweier Eisenbahnzüge bei Offenbach er­eignete, geben wir unseren Lesern beistehend eine Situa­tionsskizze, durch welche die bisherigen Meldungen über den Unfall verständlich gemacht werden. Kurz zusammen­gefaßt besagten die Meldungen folgendes:

Am Donnerstag spät abends, halb 11 Uhr, ist der von Hanau kommende Personenzug, bestehend aus 7 Waggons, bet Block 11 auf den dort haltenden, vor ihm aus der­selben Richtung gekommenen D-Zug BerlinFrankfurt von hinten im Nebel mit voller Wucht aufgefahren. Der letzte Wagen des D-Zuges wurde zertrümmert. Hierbei explo­dierte der Gasbehälter, das ausstroinende Gas ^nlzuudete sich und setzte die beiden letzten Wagen augenblicklich rn Biand. Die Reisenden des vorletzten Wagens konnten sich retten, während die des letzten anscheinend f amtlich in den Flammen umgekommen sind.

Die bei dem Eisenbahnunglück in Betracht kommenden beiden Züge sind: der Lokalzug Nr. 238 £anau furt, der 10.14 Abends von Hanau afcßing, 10.3/ ui Offenbach und 10.57 in Frankfurt a. M. erittreffen sollte, und der Berliner D-Zug Nr. 42, der Nachmittags 1.44 vom Anhalter Bahnhof abgegangen, 10.7 in ^nau em- getroffen ist und 10.34 Frankfurt a. M- err^chen sollte.

An der zwischen Mühlheim und Offenbach gelegenen Blockstation Nr. 11 der Bebraer Bahn mußte der um 10.34

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in Frankfurt fällige D-Zug halten, um die Ankunft einer ihm vorausgefahrenen Maschine in Offenbach abzu­warten. Ohne um die Abfahrt des D-Zuges abzuwarten, soll, wie der Frankfurter Zeitung berichtet wird, der Wärter der Blockstation nach Mühlheim die Meldung ab­gegeben haben, daß für den auf letztgenannter Station haltenden Personenzug die Strecke frei sei. Nach Mit­teilung der Frankfurter Eisenbahn-Direktion hatte der Lo­komotivführer des D-Zuges wegen starken Nebels das Haltesignal am Block 11 zu spät bemerkt und dieses über­fahren. Er drückte den zum Stehen gebrachten Zug zu­rück bis über das Blocksignal hinaus. Dieses war zwischen­zeitlich von der Station Offenbach entblockt. Der Bahn­wärter nahm an, daß der an ihm vorbeigefahrene, im Nebel verschwundene D-Zug weiter fahren würde, zoa deshalb das Blocksignal nachträglich auf freie Fahrt und legte es dann wieder vorschriftsmäßig, wodurch die zurück­liegende Strecke bis Mühlheim entblockt wurde. Die Folge davon war, daß der letztere Zug auf den noch am Block haltenden D-Zug mit voller Gewalt auffuhr. Die Loko­motive schnitt den letzten Wagen, einen der bekannten Schlafwagen, im wahren Sinne des Wortes nach rechts und links in zwei Teile. Der Dampf der Heizung strömte sofort aus, und der Gasbehälter explodierte. Der furcht­bare Anprall drückte den letzten Wagen auf den nächsten, ebenfalls einen Schlafwagen, der in die Höhe gehoben wurde, während die beiden weiteren Wagen nebst dem Packwagen auf dem Geleise stehen blieben. Durch die Explosion des Gases wurden die Trümmer des letzten Wagens augenblicklich in helle Flammen gesetzt.

Die geringen Leichenreste der bei dem Unglück zu Tode gekommenen Passagiere sind in die Leichenhalle des auf unserer Karte eingezeichneten Friedhofes Offen­bach übergeführt. Die wenigen Fundstücke hat zunächst die Bürgermeisterei Bürgel in Verwahrung genommen. Die Stellung und Fahrtrichtung der Züge im Moment des Zusammenstoßes sowie die Explosion in dem hinteren Wagen des D-Zuges ist in unserer Karte zur Anschauung gebracht.

DieOffb. Ztg." meldet, MinisterThielen habe nach Kenntnisnahme der Unglücksstelle und des Berichtes des Untersuchungsausschusses erklärt, daß keiner der beteiligten Beamten eine Schuld an dem Un­fall trage, daß vielmehr alle Beamten und besonders auch der härter Hohmann in vollem Maße ihre Schuldig­keit gethan haben. Das Unglück sei durch eine Verkett- un gunglücklicher Umstände herbeigeführt worden, und ganz besonders habe der aus dem Wiesenthal auf­steigende dichte Nebel das Unglück mit veranlaßt. Dem Stationsvorsteher der Station Offenbach - Neu, Grohe, äußerte der Minister seine besondere Anerkennung für die in der Unglücksnacht bewiesene Umsicht und die Zweckmäßigkeit der ergriffenen Maßnahmen. Er dankte auch allen am Rettungswerk thätigen Beamten für ihre aufopfernde Thätigkeit.

Das Unglück mahnt, so schreibt man derFranks. Ztg.", neuerdings zur Reform der D-Wagen. Pu­blikum, Presse, Parlament sollen nicht ruhen (wenn sckjon die ganze unglückselige Erfindung nicht fortzuschaffen ist), bis die Einkerkerung der Passagiere zwischen zwei armseligen Thüren amlangen Ende" behoben ist.

Alle offiziellen und offiziösen Anpreisungen der herr­lichen Ausstiege durchs Fenster können nicht überzeugen'. Ich habe schon voriges Jahr an dieser Stelle daraus hingewiesen, daß in Belgien und Frankreich gleichfalls Wagen mit Seitengängen verkehren, daß aber vor jedem Abteil vom Gang aus eine Thüre angebracht ist. Es ist nicht einzusehen, weshalb dieses Sicherheits-A-B-C bei uns immer noch nicht existiert. Eine andere Zuschrift lautet: Aus Anlaß des D-Zug-Brandes bei Offenbach dürfte der Hinweis nicht ohne Interesse für Sie fein, daß s. Zt. bei Einführung von Gasbeleuchtung aus der Main-Neckar-Bahn der damalige Vorsitzende der Direktion, der vor einigen Wochen verstorbene Geheimerat Lichthammer, die Anbringung der Gasbehälter oberhalb der Wagen anordnete. Diese Anordnung wurde damals vielfach spöttelnd hinweisend auf den Namen des erwähnten Vorsitzenden (Licht Ham' mer) kritisiert. Heute sind die Spötter stumm.

Ein Fachmann teilt derN. Fr. Pr." mit, daß ein Wägen 2100 Liter Oelgas enthält, das auf sechs Atmosphären zusammengepreßt ist. In den letzten Jahren haben sich mehrere ähnliche Unfälle ereignet wie der bei Offenbach. So vor ungefähr zwölf Jahren in der Nähe von Potsdam, wobei zwei Damen verbrannten. Seit jenem Unfälle sind auf den österreichischen Bahnen die messingenen Fensterschutzstan gen aller Wagen durch hölzerne ersetzt worden, damit man sie im Notfälle rasch zerbrechen könne.

Der Kaiser hat befohlen, daß ihm ein Jmmediat- bericht über den Offenbacher Eisenbahnunfall einge- retcht werde. In Bezug auf die durch das Offen­bacher Eisenbahnunglück angeregten Erörterungen über die Zweckmäßigkeit der Einführung elektrischer Wagenbeleuchtung schreiben die offiziösenBerl. pol. Nachr." u. a.:Die Einführung des elektrischen Lichtes namentlich für Züge, die weite Strecken' zurückzulegen haben, ist eine keineswegs einfache Sache. Sind doch! die Amerikaner von der Beleuchtung der Eisenbahnwagen durch elektrisches Licht zurückgekommen und wenden jetzt dasselbe Gas wie wir an. Eine unserer ersten Autorin täten auf dem Gebiete der Elektrizität hat noch unlängst in einem öffentlichen Vortrag, wenn wir nicht irren, in Gegenwart des Kaisers, die Anwendung der Elektrizität zur Beleuchtung der Eisenbahnwagen für nicht an­gängig erklärt, solange die Elektrizität nich«t die Trieb­kraft der Züge selbst ist."

Aus Darmstadt wird gemeldet: Die bisher ein­gelaufenen Akten über das Offenbacher Eisen­bahnunglück sind nunmehr von der Staatsanwaltschaft an den Untersuchungsrichter Lang des Landgerichts Starkenburg abgegeben worden. Man ist in den D:eisen derjenigen Vertreter der Anklagebehörde, die Üch bisher in der Sache infomiert haben, der Ansicht, daß sich eine strafrechtliche Verantwortlich kei t irgend eines der in Betracht kommenden Beamten schwerlich lüirD muty- weisen lassen, daß vielmehr eine Verkettung ""6^ähn­licher Zufälle das Unglück herbeiführte. Die Anklagebe­hörde befürchtet, daß die Zahl der die bisher

konstatierte Anzahl von 10 ü b e r st e i g t , halt es ledochj für unmöglich, aus den wenigen ubriggebliebenen Ueber-