Ausgabe 
15.9.1900 Zweites Blatt
 
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Ausland.

London, 13. September. Aus Nom wird derTimes" gemeldet, daß Kardinal Rampolla mit einer Gruppe von Pariser Finanzleuten über die Organisation eines inter­nationalen Depeschenbureaus verhandelt. Die Stellen der Korrespondenten dieser Agentur sollen in allen Landern durch den Klerus besetzt werden. (Bekanntlich ist dieses Projekt nicht neu, da man bereits in der Kultur' kampfzeit eine derartige katholische Depeschenagentur ins Leben rufen wollte. D. Red.)

Paris, 13. September. Der Kolonialminister erhielt ttn QoSamm ^6 Hauptmanns Rebell, datiert Brazzaville oeu 28. August, das besagt: In einer Reihe von Kämpfen

Mai bemächtigte sich die französische Kolonne des Ortes Dikog, nahe am Tschadsee und schlug und zerstreute den Rest der Streitkräfte Rabahs, der sich um dessen Söhne geschart hatte. Das Lager derselben mit dem Schatz und Munitionsvorrätcn wurde genommen. Em Sohn ist getötet, der andere ist geflohen, ist jetzt aber machtlos. v

... ~ ^emMalin" zufolge überfiel gestern ein Italien* t|ajer Anarchist den Direktor des geistlichen Waisenhauses m Doupaine, Haute Savoie, und verletzte ihn rötlich durch einen Messerstich. Der Thäter wurde verhaftet. man sand bei ihm die Bilder des Kaisers von Oesterreich und oes Präsidenten Loubet.

Madrid, 13. September. In einem Zeitungsartikel wird dl-.- Aufmerksamkeit des Publikums auf englische ff?77?11 üt Umgegend von Gibraltar gelenkt.

glliche Agenten würden darnach große Geldsummen dort erteilen, nm die Gunst der Bevölkerung dieser Gegend zu gewinnen. Englands Zweck sei, eine territoriale Konzession in der Nähe von Gibraltar zu erlangen.

rwerbung des an der marokkanischen Küste SegenUbec belcgenen spanischen Prestdior Senta noÄ« putsche Reich piaibiert Professor ®. Seja . in stlel ewem an dieAllg. Zig/' gerichteten ®°"°"d«achung politischer, maritimer und allgemein wirtschaftlicher Erwägung. (D. Red.)

Budapest, 13. September. An den Erzbischof Stadler in Serajcwo, der auf dem Katholikentag in Agram die Acußerung gethan haben soll, Bosnien möge bald ganz mit Kroatien vereinigt werden, ist aus der Kabinettskanzlei des Königs Franz Joseph ein Schreiben ergangen, in dem erst Zweifel darüber ausgesprochen werden ob der Erzbischof die erwähnte Aeußerung thatsächlich gethan habe. Für den Fall, daß die Aeußerung wahr sei, wird an den Erzbischof die Mahnung gerichtet, in Zukunft sowohl in Aeußerungen als auch in Thaten sich von politischen Fragen fern zu halten. Hierzu bemerkt dasUng. Korr. Bur.":Wie in politischen Kreisen verlautet, rich!ct sich die in diesem Schreiben enthaltene Mißbilligung ausschließlich

-7 Auf der Tagesordnung der gestrigen Sitzung des preußischen Staatsmini st eriums hat, wie ein parla­mentarischer Berichterstatter erfährt, die Frage der Herab- setzung der Ausfuhrtarife für Zucker gestanden. Eine Ent­scheidung ist aber noch nicht herbeigesührt worden. Den Verhandlungen wohnte auch der Staatssekretär Freiherr von Thielmann bei.

Der Gouverneur von P u t t k a m e r hat sich nach Kamerun zurückbegeben.

Reichskanzler Fürst Hohenlohe hat den Gou­verneur von Deutsch-Ostafrika, Generalmajor v. fiebert empfangen und veranstaltete zu dessen Ehren ein diplo­matisches Diner, zu dem auch verschiedene Minister Ein­ladungen erhielten.

DerReichsanz." meldet die Verleihung des Groß- kreuzes des Roten Adler-Ordens mit Eichenlaub au den Kriegsminister v. G o ß l e r.

- DerReichsanzeiger" publiziert das Gesetz, betr. Aenderung des Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der deutschen Schutzgebiete vom 25. Juli 1900.

Die in amerikanischen Blättern verbreitete Mitteil­ung, wonach amerikanische Finanzkreise wegen Uebernahme einer deutschen Reichsanleihe sondiert worden seien, entbehren, wie demBörsen-Eour." bestimuit versichert wird, auch diesmal jeder Begründung

Konigsbergi. Pr., 13. Sept. Auf das Huldiqungs- telegramm der Hauptversammlung des G u st a v - A d o l f - V e r e i n s ist folgende Antwort eingegangen:Der Kaiser und König haben allerhöchst sich gefreut, vom Ev. Verein der Gustav-Adolf-Stiftung einen treuen Segensgrus; aus dem Offen der Monarchie zu erhalten, wo «die aufopferungs­volle Arbeit des Vereins sich in so erfreulicher und dankens­werter Weise bethätigt hat. Der Kaiser lassen herzlich danken und dem segensreichen Werke der Gustav-Adolf- Sache auch ferner Gottes Schutz und treue Arbeiter wünschen. Auf allerhöchsten Befehl, v. Lucauus, Geh. Kabinettsrat". Die Hauptversammlung beschloß, die dies- lahrige große Liebesgabe von Mark 20 000 der Gemeinde Munden Henn in der baierischen Rheinpfalz zuzuwenden. Zum Ort der nächsten Versammlung wurde iiifolqe von dort ergangener Einladung Köln gewählt.

Eisleben, 12. September. Die Witwe des vor einiger Zeit verunglückten Bergmanns Adolf Metscher in Wettelrode i. Th. hat von der Mansfelder Gewerkschaft ein lumter Nahmen gehaltenes G e d e n k b l a t t erhalten, das folgende Inschrift trägt:Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist. Pf. 24, 1. Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Pf. 130. Tief ist das Grab, doch tiefer das rnCrnA ® ücf fluf' ruh' ch Gottes Armen. Gedenkblatt zur Erinnerung au Adolf Metscher, geb. den 5. Februar 1861, gest. den 27. Juli 1900. Auch er starb

Lenste des Vaterlandes. Ehre seinem Andenken.

Sr Majestät dem Kaiser und König Wilhelm II."

Münch e n, 12. September. Das über das Befinden obsPrftzen H ei nrich von Hessen heute mittag dus- gegebene Bulletin lautet: Tie Nacht war ziemlich ruhig. ?!L Nahrungsaufnahme ist befriedigend. Die Bewußt- seinsstörungen wechseln.

gegen die großkroatische Agitation, die unter dem Patronat jenes Kirchensürsten seit längerer Zeit betrieben wurde. Das Schreiben ist auf eine spontane Entschließung des Königs zurückzuführen."

Sofia, 13. September. Die rumänischen Zeitungen führen ihre Fehde gegen Bulgarien weiter fort. Man spricht von einer allgemeinen Mobilisierung. Die Lage ist kritisch. DieAgence Bulgare" meldet: Da die Mannschaft der letzten achten Reservejahrgänge des Militärbezirks Silistra nicht genügend ausgebildet ist, wurde diese dem Gesetze entsprechend zu einer dreiwöchigen Wasfen- übung einberufen.

Bei einer unter Vorsitz Karawelows abgehaltenen Konferenz der demokratischen Partei erklärte Faker unter Zustimmung Karawelows, seine Partei habe den Fürsten Alexander entthront und werde nicht zögern, dem Fürsten Ferdinand dasselbe Schicksal zu bereiten, wenn derselbe sich dem Mazedonien freundlichen Volkswillen nicht fügen werde.

Bukarest, 13. September. Der Kriegsminister erhielt vom Kommandanten des 8. Jägerbataillons die Meldung, daß Bulgaren eine von einem Offizier geführte Pa­trouille an der Grenze an griff en und dabei einen Soldaten töteten. Die Regierung ordnete eine strenge Untersuchung an.

Aus Stadt und Kand.

Gießen, 14. September 1900.

* Auszeichnung. Dem Kanzlisten bei der Direktion der Main-Neckar-Eisenbahn, Kanzlei-Inspektor Heinrich Scheuermann, wurde aus Anlaß seiner Versetzung in den Nuhestand das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem Gerichtsschreiber bei dem Amts­gericht Nieder-Olm, Georg Ott, das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** Perfonaluachrichteu. Der Revisionsgehilse Martin Miltenberger aus Reinheim wurde zum Ober-Rechnungs­revisor bei der 1. Justifikatur-Abteilung der Ober-RechnnngS- kammer mit Wirkung vom 16. September ernannt; der Kanzlist bei der Direktion der Main-Neckar-Eisenbahn, Kanzlei-Inspektor Heinrich Scheuermann, wurde auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Oktober d. Js. an in den Ruhestand versetzt.

** Feuer. Gestern abend gegen 9 Uhr sah man aus dem Seltersweg einen bedeutenden Menschenauflauf. Im Packraum des Spielwarenlagers im Levy'schen Hause war Feuer ausgebrochen. Man hatte es aber sofort bemerkt und konnte alsbald gelöscht werden, ohne daß die dort lagernden Strohmengen von den Flammen ergriffen wurden und dem Brande größere Verbreitung gaben.

** Karl Rothermel DieDarmst. Ztg." schreibt: Heute nacht gegen 1 Uhr verschied plötzlich und unerwartet der Großh. Kabinetts- und Hofkasse Buchhalter Rechnungsrat Karl Rothermel. In ihm verliert der Großherzogliche Dienst einen pflichtgetreuen und tüchtigen Beamten. Die deutsche Turnerfchaft betrauert in dem Verstorbenen einen ihrer hervorragendsten Vertreter. Rothermel fvar langjähriger Vorstand (I. Redewart) der Turngemeinde, Gauvertreter des Main-Rheingauverbandes und bis zu seinem Ableben Kreisvertreter des Mittelrheinischen Turn­kreises, in welch letzterer Eigenschaft er die ihm liebgewor­dene Turnsache nachdrücklichst vertrat.

** Handwerkskammer. In den Gesellenausschuß der Handwerkskammer wurde Schneider ChristianPetersen, beschäftigt bei G^ocg Leib L Sohn hier, zum Ersatzmann des­selben Schreiner Heinrich Männche, beschäftigt bei Karl Schäfer hier, gewählt.

** Staatsschuldenkaffe. DieDarmst. Ztg." veröffent­licht die großherzogliche Verordnung über die Organisation der Staatsschuldenkaffe, die mit dem 1. Oktober ins Leben tritt und der zugleich die Verwaltung der Landeskreditkassen obliegt.

Nieder-Saulheim, 12. September. Gestern mittag wurde Melchior Thomas aus freiem Felde pon drei Gendarmen aus Wörrstadt verhaftet. Er und sein Vater waren damit beschäftigt, einen Acker zu pflügen; als die Gendarmen herangeritten kamen, spannte Thomas sein Pferd ab, setzte sich darauf und jagte davon, wurde jedoch von den Gendarmen bald eingeholt. Er zog alsdann den Revolver und setzte sich zu Wehr. Nach längeren Ver­handlungen ergab er sich freiwillig, lieferte seinen Revolver ab und ging mit nach Nieder-Olm, von wo er alsdann geschlossen nach Mainz gebracht wurde. (Darmst. Z.)

Lorsch, 13. September. Die Tabakernte hat Heuer dahier eine nach Quantum und Qualität recht befriedigende Ernte ergeben. Das Blatt ist groß und, was am meisten geschätzt wnd, sehr dünn. Auf dem Morgen Ackerland ( 2500 Quadratmeter) erntete man durchschnittlich 12 Zentner trockene Blätter. Heute wurden bereits die ersten^Verkäufe abgeschlossen. Mannheimer und Schweizer Firmen zahlten fnr den Zentner Sandblätter 32 und 33 Mk. Das Produkt wird meistens nur für Rauchtabak (Schnitt­ware) verarbeitet.

Niederselters, 13. September. DerGoldene Grund" steht schon seit einigen Tagen im Zeichen des militärischen Verkehrs. Starke Extrazüge brachten bereits am Samstag die Mannschaften des 117. und 118. Infanterie- Regiments zunächst in ihre Quartiere im Taunus. Epp­stein, Fischbach, Bremthal, Vockenhausen, NiederjoSbach, Niedernhausen und andere Orte boten ihnen Aufenthalt und Pflege. Montag früh rückten die Truppen auS dem Taunus nach demGoldenen Grund" ab und bezogen, nachdem an demselben Tage Brigade Manöver zwischen hier und Niedern­hausen stattgefunden, bei Wörsdorf ein Biwak; Dienstag wurden die Hebungen fortgesetzt und bei Camberg abermals ! Biwak bezogen. Gestern früh erreichten die Brigade- Manöver zwischen Niederselters, Oberbrechen, Werschau und Dauborn ihr Ende. Die Mannschaften, zu denen außer

den oben genannten Infanterie-Regimentern noch Kavallerie und Artillerie gehört, bezogen Quartiere in Dauborn, Ohren, Kirberg, Nauheim und Niederbrechen, wo sie heute der Ruhe pflegen. Heute trifft der Großherzog vonHessen hier ein, um an den bis zum 19. l. Ms. dauernden Divisions-Manövern der 21. und 25. Division teilzunehmen, die in der Gegend von Weilmünster stattfinden sollen. Em dreitägiges Korps Manöver wird am 21. l. Mts. die Kriegsübung beenden.

Frankfurt a. M., 13. September. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag entstand auf bis jetzt noch nicht aufgeklärte Weise ein starkes Feuer in der Bleiden- straße. Tie Feuerwehr war um 2 Uhr zur Stelle und hatte bis gegen 5 Uhr zu thun. Menschenleben find nicht zu beklagen, obwohl die Gefahr sehr groß war. Im Norden Frankfurts wurde in diesem Frühjahr und Sommer eine äußerst rege Bauthätigkeit entfaltet. Im Spät­herbst werden einige .Hundert neue Wohnungen fertig­gestellt, die zur Verminderung der herrschenden Woh­nungsnot beitragen werden. In der Gegend der Günthers- burg-Parks entsteht ein ganz neuer Stadtteil, der sich sehr günstig zu entwickeln verspricht. Ein 30 Jahre alter hiesiger Nervenarzt, der sich in letzter Zeit ausschließ­lich: mit der Behandlung einer hochstehenden russischen Tarne beschäftigte, die krank in einem Frankfurter Hotel lag, vor wenigen Tagen aber verschied, erlitt gestern selbst einen Anfall geistiger Störung, der seine Ueber- führung nach der Irrenanstalt nötig machte.

** Kleine Mitteilungen aus tzeffen und den Nachbarstaaten. In Kassel wird am 15. d. M. die 16. Generalversamm­lung des Westdeutschen Fischerei-Verbandes im Staffelet Hof" tagen. Zu derselben ist eine Tages-Ordnung aufge- stellt, die folgende Punkte nmfaffen wird: Jahresbericht und Rechnungslegung; Wahl der Vorsitzenden und des Orte- der General-Versammlung für 1901; Mitteilungen der Der- bandSmitglieder; der Entwurf eines Fischerei-Gesetzes für Preußen; Zollfragen; Strombau, Kanalisation; Verun­reinigung der Gewässer; Otter- und Reihervertilgung; Be­setzung öffentlicher Gewässer mit Edelfischen; BeobachtungS- ftationen und Fangstatistik; Angebot und Nachfrage von und nach Besatz- und Spetsefischen; Sonstige Anregungen und Anträge.

Vermischtes.

* Im Eise lebendig begraben. Ein erschüt- terndes Trauerspiel vollzog sich in den letzten Tagen in der Eiswelt der Tiroler Alpen. Vor kurzem wurde ge­meldet, daß ein Dr. Schäffer mit seinem Führer Offer tot im Eise des Olperer aufgefunden worden sei. Nun wird aus Innsbruck gemeldet: Dr. Schäffer verließ am 23. v. Mts. mit dem Führer Offer die Geraer Hütte, um zunächst den Olperer zu besteigen und dann noch mehrere Touren in der Umgebung dieser großartigen EiSwelt tzu machen. Das lange Ausbleiben machte deshalb wenig Auf­sehen. So konnte es geschehen, daß man zehn Tage keinen Kummer über den Verbleib der beiden Unglücklichen hatte. Endlich wurde Frau Dr. Sck)äffer ängstlich, und 'es wurden die umfassendsten Vorkehrungen zur Auffindung der Ver­mißten getroffen. Unter der Leitung des Handelsgärtners Nickel, nebst einer großen Anzahl von Bergführern (kam man an die Unglücksstelle, wo in einer Gletscherspalte von 24 Meter Tiefe die Verunglückten steinhart gefroren auf­gefunden wurden. Es wurde nun festgestellt, daß die beiden bei ihrer Gletscherwanderung eine große Unvor­sichtigkeit begingen, indem sie sich 10 anstatt 20 Meter weit urteilten; so kam es, daß der große, (starke Doktor Schaffer, der 120 Kilogramm wog, den schmächtigen Offer heim Ueberschreiten der Schneebrücke mit in die Tiefe 'riß. Der Führer Offer brach sich Arme und Beine, während Dr. Schäffer nur leicht am Knie beim Absturz verletzt wurde. Dr. Schäffer versuchte nun zweimal durch die Mskluft in die Höhe zu kommen und kam bis zu 6 Meter an den Rand heran, stürzte jedoch beide Male zurück, wobei er sich dann die Füße brach Er sah nun keine Rettung mehr vor Augen, und so machte er, tief im Eis begraben, fein Testament. Bei der Lesung dieser Blätter feines Notiz­buches sind den wettergebräunten Bergführern die Lhranen über die Wangen gelaufen, so zärtlich und rubrenb nimmt Dr. Schäffer von seiner Frau und feinen Kindern Ubfajieb. So, lebendig im Eis begraben, mußte der .arme Mann 18 Stunden auf die Erlösung durch den Tod warten, und da machte er, so lange es die furchtbare Kalte gestattete, seine Aufzeichnungen. Ter größte Teil ist privater Natur; tief bedauert er das Unglück semes sterbenden Führers Offer und sagt, daß er zweimal den .Aufstieg versuchte, es ihm aber nunmehr unmöglich fei, Rettung zu Züchen. Dem Führer und sich selbst richtete er alle Eßvorräte nahe zum Mund, damit sie beim Eintreten der Erstarrung hoch noch etwas erreichen könnten. Zwei Päckchen Zündhölzer, die sie mithatten, lagen vollständig aufgebraucht neben den beiden Verunglückten umher. Nach den genauen Auf­zeichnungen Dr. Schäffers erfolgte der Absturz um halb fi Uhr früh am 23. August. Die Abschätzung der Höhe und Breite der Eisspalte ist ganz richtig im Notizbuch angeführt. An Geld hatte Schäffer 900 Mark ünb f*ini Zehn-Gulden-Noten bei sich und vermerkte dies 0?-' sowie die Zahl der Ringe, die er im Portemonnaie turne.

»Der Hausthorschliissel des Lehrers. Aus Leutschach in Böhmen wird eine ergötzliche O^cyiMte ge< meldet: Der dortige Ortsschulrat hielt eine ^"^ordent­liche Sitzung ab, um zu beschließen, ob man dem Ansuchen des im Schulgebäude wohnenden Lehrers um Ausfolguug eines Hausthorschlüssels willfahren ^ürfe. Der .Herr De­chant wies darauf hin, daß ein H au st horschlu s s e l eine Ge- tnhr für iunae Leute sei und daß girchk einmal feine Herren Ääne einen solchen hätten. T?r tzerr Oberlehrer teilte diese Ansicht, während der Oberbürgermeister und zwei andere Mitglieder des Ortsschulrats sur die Bewrlttgung waren. Sie blieben jedoch bei der Abstimmung tn der Minorität, denn mit sieben gegen bm Stimmen erfannte her e-vtatomlrat, der Hausthorschliissel sei eine Ge fafrr~für ben Lehrer. Daraufhin erklärten der Burgcr- !n ei st er und feine beiden Anhänger ihren Austritt aus dem Ort"fchulrat, indem sie gleichzeitig ihrem Bedauern Ausdruck gaben, daß man den Lehrern so wenig Vertrauen entgegenbringt.