Ausgabe 
15.7.1900 Viertes Blatt
 
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Das Amtsblatt Nr. 14. vom 26. Juni cr. des Ministeriums des Innern, Abteilung für Schulangelegen­heiten, enthält folgendes Ausschreiben an dre Großh. Kreisfchulkommisfionen:

Es ist uns aufgefallen, daß seitens der Schulverwalter und Schulgehilfen Gesuche um Versetzung häufig bereits kurze Zett, nachdem dieselben auf einer Stelle aufgezogen find, vorgebracht werden und daß mitunter derartige Gesuche seitens der Großh. KreiSschul- kommissionen zur Berückfichtigung empfohlen werden, ohne daß dienst­liche oder dringliche persönliche Gründe die Versetzung geboten er­scheinen ließen. .

Es unterliegt keinem Zweifel, daß ein häufiger Wechsel der Schulverwalter rc. sich nicht nur für die betreffende Schule nachtettrg geltend machen muh, sondern daß es hierdurch auch für die bettesfende Kreisschulkommission sehr erschwert wird, sich die notwmdrge Kenntnis von dem Lehrpersonal ihres Bezirks anzueignen und für eine gleich­mäßige Heranbildung der jüngeren Lehrkräfte Sorge -u tragen.

Mit Rücksicht hierauf sehen wir und veranlaßt, die nach­stehenden Bestimmungen zu treffen:

1. Gesuche von Schulverwaltern und Schulgehilfen um Ver­setzung auf andere Dienststellen sollen im allgemeinen nur dann be­rücksichtigt werden, wenn der Nachsuchende bereits längere Zeit auf einer und derselben Stelle thätig war, fich im Dienst bewährt hat und dem Wechsel ein dienstliche« Interesse nicht entgegen steht.

2. Gesuche der vorbezeichneten Art sind an die Kreisschul- kommisston deS DienftortS zu richten. Die Kreisschulkommission hat sich bet Vorlage deS Gesuchs über das Vorhandensein der unter 1. bezeichneten Voraussetzungen berichtltch zu äußern und, wenn die­selben nicht vorhanden sind, sich einer Befürwortung des Versetzungs- gcsuchS zu enthalten. . ,, ,, .

3. Ein Versetzungsgesuch soll namentlich nicht schon «uT dem Grunde berücksichtigt werden, weil der Nachfuchende sich üngedltch bereits längere Zett auf einer minder begehrten Stell; befinde. Gerade für solche Stellen macht sich erfahrungsgemäß der häufige Wechsel im Lehrerpersonal am mißständtgsten fühlbar, und eS er­scheint deshalb geboten, darauf zu achten, daß ein solcher Wechsel nicht ohne triftige Gründe eintritt.

4. In besonderen Fällen kann Gesuchen von Schulverwaltern und Schulgehilfen um Versetzung auch ohne Vorliegen der unter 1. bezeich­neten Voraussetzungen dann stattgegeben werden, wenn

a) die Versetzung im Jntereffe der dienstlichen Ausbildung des Nachsuchenden gelegen ist,

b) wenn in der Person des Nachsuchenden gelegene triftige Gründe, Gesundheitsverhältniffe rc. eine Berücksichtigung billig er­scheinen lassen. Die geltend gemachten Gründe sind von der Kreisschul-Kommission einer sorgfältigen Prüfung zu unter­ziehen.

5. Auf die Versetzungen, die von der Kreisschulkommisfion im In- tercffe des Dienstes beantragt werden, finden die vorstehenden Bestimm­ungen keine Anwendung.

Sie wollen sich hiernach bemeffen und die Schulvorstände ent­sprechend bedeuten.

Dr. E i s e n h u t h.

de Beguclair.

* * Gleiberg Verem. Am 28. Juli hält der Gleiberg- Verein seine alljährliche General-Versammlung auf Burg Gleiberg ab.

* * Omnibusverkehr. Zu dem morgen Sonntag nach­mittag im Philosophenwalde stattsindenden Sommersest deS hiesigen Turnvereins wird die Omnibus Gesell­schaft ihre Sommerwagen von und nach dem Walde ver­kehren lassen. Abfahrt ab Bürgermeisterei von 3 Uhr ab alle Viertelstunden.

* Schützenfest. Der Schützenverein Gießen, dem als sestgebender Verein im vergangenen Jahre beim großen Verbandsschützenfest auf dem Trieb die Sympathien unserer gesamten Bevölkerung in reichem Maße zu Teil geworden, veranstaltet am Sonntag, den 22. und Montag, den 23. Juli auf seinem Schützenplatz ein Preisschießen, verbunden mit einem großen Volksfest. Alle Vor­bereitungen find getroffen, die Veranstaltung recht volks­tümlich zu gestalten.

Der Gießener Fußballklub veranstaltet morgen nach­mittag 4 Uhr i mit der ersten Mannschaft des Laubacher Fußballklubs I mehrere Wettspiele auf der Hombacher Wiese. Bei dem letzten Wettkampfe in Gießen blieb die erste Mannschaft des Gießener Klubs Sieger.

Konzert. Vom 17. ds. MtS. ab wird im Konzertsaal Zu den vier Jahrzeiten" dasViktoria-Trio", das z. Z. im Wintergarten zu Wilhelmshaven mit bestem Erfolge austritt, seine Vorstellungen beginnen. Ueber das Auftreten der Künstler liegt uns von Wilhelmshaven nachstehende Besprechung vor:

Im Wintergarten herrscht fortgesetzt überaus großer Andrang zu den Elite-Vorstellungen desViktoria-Trios". Am Sonntag war der Saal total ausverkauft. Hunderte mußten an der Kaffe wieder um­kehren, da auch nicht ein einziges Plätzchen zu erhaschen war. Dieser fortgesetzt starke Besuch beweist am besten, in wie hohem Maße die Vor­stellungen des Ensembles sich der Gunst des Publikums erfreuen. That- sächlich find die Darbietungen ganz vorzüglich. Ein Besuch der Viktoria- Konzerte dürfte zu den genußreichsten Stunden zählen.

Hiernach verfehlen wir nicht, Freunde heiterer Muse auf die bevorstehenden Abende, die nächster Zeit das Kon- zerthausZu den vier Jahreszeiten" bieten wird, aufmerksam zu machen.

* Humoristischer Abend. Am Dienstag, den 17. Juli findet in Steins Garten ein humoristischer Abend des Hofopernsängers F. Carlschulz statt. Wir entnehmen derDanziger Zeitung" folgende Kritik:

,Jm Apollo-Saale wurde gestern abend viel gelacht. Lamborg hatte seinen Nachfolger gefunden in Herrn Carlschulz, einem stimmbegabten Sanger, einem Humoristen, Deklamator, der in Be­gleitung der Pianistin Fedora Petrowska wie ein Spielmann die Städte durchwandert und allabendlich einen Kreis von Zuhörern um sich versammelt, denen er dann Schnurren aller Art vor singt oder erzählt. Auch in Danzig hat er ein dankbares Publikum ge­sunden ; das zeigte gestern abend der dichtbesetzte Saal. Da kamen Humoresken, Parodien älteren und neueren Datums zum Vortrag; Reuter war vertreten, JuliuS Wolf mit einer ernsten Dichtung, da­zwischen wechselten Kouplets, musikalische Humoresken, wie die Kom­position eines Theaterzettels desFreischütz", einer Travestie auf den Handschuh, eine längere Parodie auf Heine'sEin Fichtenbaum steht einsam" nach berühmten Dichtern, ein geschichtlicher Vortrag über die heldenmütigen Spartaner, gehalten in der Sekunda des Seminars zu Mehlsack, und andere Humoresken mehr. Eine an­genehme Abwechselung brachte Frl. Petrowska durch den Vortrag mehrerer recht gut vorgeiragener Klavierstücke, auch begleitete sie die Rezitationen des Herrn Carlschulz auf dem Instrument."

Sonach können wir wohl einen genußreichen Abend voraussetzen.

** Extra-Zug. Aus Anlaß des morgen für die Kri e g er- Vereine des Kreises Wetzlar zu Burg-Solms staltfindenden General-Appels wird, wie wir bereits kurz

mitteilten, von dort abends ein Extrazug nach Gießen ab- gehen, der in Wetzlar gegen 9 Uhr und in Dutenhofen um 9 Uhr 12 Minuten eintrifft. Es können diesen Zug auch Personen zur Rückfahrt nach Gießen von Wetzlar sowohl wie von Dutenhofen aus benutzen.

O Nidda, 14. Juli. Die hiesige katholische Kirchengemeinde hat ein Grundstück erworben, aus dem nun nach Plänen des Architekten Kockerbeck-Gießen eine Kapelle mit Pfarrwohnung erbaut wird.

Lauterbach, 14. Juli. Am gestrigen Tage kamen auf der Oberhesfischen Eisenbahn zwei Entgleisungen vor, jedoch ohne wesentlichen Materialschaden. Der eine Un- glückssall ereignete sich bei Bimbach, kurz vor der Station Großenlüder. Dort ist man gegenwärtig mit der Neu­anlage eines Bahnhofs beschäftigt, und hier sind aus einem von Fulda kommenden mit Vieh beladenen Zug 3 Eisen­bahnwagen aus dem Geleise gesprungen. Durch den Zu­sammenprall der Wagen wurden einige Stück Vieh aus dem einen Waggon geschleudert ohne nennenswerten Schaden zu leiden. Die MittagSzüge erhielten einige Stunden Ver­spätung, und der Verkehr wurde durch Umsteigen an der Unsallstelle aufrecht erhalten. Gegen 9 Uhr war das Ge­leise wieder fahrbar. Der andere Unfall kam abends gegen 9 Uhr bei der Station Burg- und Nieder-Gemünden vor, wo ein mit Langholz beladener Waggon von den Schienen abgesprungen ist. Infolge dieses Vorfalles trat wiederum eine Verkehrsstörung ein und der letzte Zug erreichte erst gegen 11 Ve Uhr die hiesige Station. (L. Ztg.)

Offenbach, 17. Juli. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurde ein dringlicher Antrag des Stadt­verordneten Ulrich, auf Grund des Art. 37 der Städte­ordnung einen Kontra hl-Ausschuß zu wählen, der sich von der Art und Weise, wie die Beschlüsse der Stadt- verordneten'Bersammlung durch den Oberbürgermeister zur Ausführung gelangen, Kenntnis verschaffen und er­forderlichen Falles Anträge stellen soll, gegen 4 Stimmen angenommen. Auf Anfrage des Ministeriums über den Bau der Hafenbahn erklärte die Versammlung, daß zur Herstellung dieser Bahnanlage kein Bedürfnis vorliege und es Sache des Staates sei, die Bahn aus seine Kosten zu bauen, da sie ausschließlich ihren Interessen diene. Zum unbesoldeten Beigeordneten wurde Herr Rentner Georg Gerhäuser I. einstimmig gewählt.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Donnerstag um 4.25 Uhr in Grünberg fällige Zug traf zur planmäßigen Zeit nicht ein, da bei Großen-Lüder zuerst die Maschine und dann der ganze Zug entgleist war. Verletzungen von Personen und größerer Materialschaden sind nicht vorgekommen.

Universitär und Hochschule.

Man schreibt aus Heidelberg: An der hiesigen Universität hat sich in der naturwissenschaftlich-mathematischen Fakultät ein Siamese, Mom Rajawongse Toh aus Bangkok, den Doktorgrad erworben. Seine Dissertation handelt über die Landwirtschaft, insbesondere dm Reisbau in Siam. Aus Würzburg wird geschrieben: Der a.-o. Profeffor Dr. Ludwig Medicus wurde zum o. Profeffor der Pharmakognosie und angewandtm Chemie sowie zum Vorstand des technologischen Instituts ernannt. An der Universität Breslau hat sich der praktische Arzt Dr. Paul Jensen als Privatdozmt für Physiologie habilitiert. Aus Greifswald berichtet man: An der hiesigm Universität habilitirt sich Dr. Philipp Jung als Prtvatdozent für GeburtshUfe und Gynäko­logie. Der Geh.-Justizrat Prof. Dr. Zorn in Königsberg hat einen Ruf an die Universität Bonn erhalten. Dr. F. Förster, früher Redakteur derEthischen Kultur", wird, nachdem er für den Sommer beurlaubt worden, als Privatdozent der Philosophie an der Universität Zürich im kommenden Wintersemester über dieHaupt­probleme der Ethik" lesen. An Stelle des an die Universität Lausanne übersiedelnden Profeffors Henri Warnery wurde der durch mehrere belletristische Werke bekanntgewordene westschweizerische Schriftsteller Philipp Godet zum o. Profeffor für ftanzösische Litteratur an der Akademie in Neuenburg ernannt. Der Senat der Universität Lfausanne hat den Philologen Jean Bonnard zum Rektor gewählt. Prof. Dr. Thomas Miller, der frühere Lektor für englische Sprache an der Universität Göttingen, ist in London gestorben.

Die Universität Zürich war die erste Hochschule deutscher Zunge, die den Frauen nicht allein den Hörsaal, sondern sogar das Katheder öffnete. Frau Dr. jur. Kempin war jahrelang bis zu chrer Ueberfiedelung nach Berlin und gefftigen Umnachtung, Prioatdozmtin an der juristischen Fakultät. Gegenwärtig sind an Universitäts-Instituten von Damen angestellt: Frl. Dr. Kworostansky als 4. Assistent an der geburtshilflich-gynäkologischen Klinik und Poliklinik, Med. prakt. Frl. Fitschen als 2. Assistenzarzt an der Psychiatrischen Klinik. Als Sekretärin an der Stadtbibliothek fungierte die bekannte Dichterin und Darstellerin derBlütezeit der Romantik" Ricarda Huch. Ihre Fach, kollegin Frl. Dr. Anna Tumarkin liest an der Universität Bern über Aesthetik. In diesem Semester hören an den reichsdeutschen Uni­versitäten 561 Frauen Vorlesungen, und zwar in Berlin 293, Bonn 61, Breslau 41, Erlangen 2, Göttingen 31, Halle 47, Heidelberg 13, Kiel 8, Königsberg 15, Marburg 8, München und Straßburg je 11, Tübingen 5, Würzburg 15.

Prok. Dr. Karl August Barack, Direktor an der Universitäts­und Landesbibliothek in Straßburg, ist im Alter von 73 Jahren gestorbm.

Grrichtssaal.

Gietze«, 13. Juli. Schöffengericht. Ein halbwüchsiger Bursche aus Daubringen, der in diesem Frühjahr mit mehreren seines gleichen auf der Busecker Heide mit gleichalterigen Burschen aus Alten-Buseck zusammengetroffen war und dort ohne jegliche Veranlassung mit seinem Stock dreingeschlagen hatte, erhält eine Geldstrafe von 10 Mark. Die gegen den Angeklagten weiter schwebende Anklage auf schwere Körper­verletzung konnte deshalb von der Anklagebehörde nicht aufrecht er­halten werden, und so mußte deswegen Freisprechung erfolgen; sonst hätte der Angeklagte jedenfalls mit dem Gefängnis Bekanntschaft gemacht.

Strafkammer. Der 30jährige Maurer Georg Hensel IV. von Rödgen, der bis Ende 1898 keine Vorstrafen erlitten hatte, während er im Vorjahre wegen Betrugs und Unterschlagung, Hausftiedensbruchs, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung in Gefängnisstrafe genommen werden mußte, scheint durch die Strafen noch keineswegs auf den richtigen Weg gewiesen worden zu fein, denn am 11. März d. I. drang er gegen den Willen des Wirtes dreimal in die Wirtschaft des Andr. Flohr zu Rödgen und mußte aus ihr, da er, angetrunken wie er war, der Aufforderung, das Lokal zu verlaffen, nicht Folge leisten wollte, von dem Wirte mit Gewalt entfernt werden. Gegen diesen hatte er dabei Drohungen ausgefioßen, die von dem überaus rohen Charakter des Angeklagten bereits Zeugnis ablegen. Vom Schöffengericht Bad- Rauheim war der Angeklagte wegen Hausfriedensbruchs und Be­drohung in eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen genommen worden. Diese Strafe schien ihm indes zu hoch, weshalb er Berufung einlegte,

die indes als unbegründet verworfen wurde. Wegen Vergehens im Amte hatte sich der mehrfach vorbestrafte Wasenmeister Tobias Heidt von Lang-Göns zu verantworten. Er wird beschuldigt, einen ihm im März d. I. von dem Landwirt Konrad Lauber zur Verscharrung Vergebenen Kaibrkidaoer ohne L.'ö Genehmigung vorher abgeledrrt und die Haut verkauft, zu haben. Der Angeklagte ist geständig, glaubt aber, fich hierdurch einer strafbaren Handlung nicht schuldig gemacht zu haben. Von der Staatsarwaltschaft wird der Antrag auf Verurteilung des Angeklagten tmSinne deS § 350 d. St.-G.-B.. d. t. in eine Minimal-GtfängniSstrafe von 3 Monaten, gestellt. Die Strafkammer erachtet indetz die in dem fraglichen Paragraphen nieder- aelegten Voraussetzungen für den vorliegenden Fall, der lediglich ein Disziplinarvergehen in sich schließe, als nicht zutnstend und erkennt auf Freisprechung. Durch Urteil deS Schöffengerichts Vilbel war der Schweinehändler PH. Reinhard Kron er aus VUbel wegen Vergehens gegen $ 328 des Str.-G.-B. in eine Gefängnisstrafe von 5 Tagen genommen worden, weil er gegen eine Verfügung deS KreiSamts Friedberg, durch die als Maßregel zur Unterdrückung von Viehseuchen der Handel im Umherziehen mit Klauenvieh bis ein­schließlich 15. Februar d. I. verboten wurde, sich dadurch vergangen, daß er am 24. Januar d. I. zu Ockstadt Zuchtferkel auf diese Weise abgefetzt habe. Der Angeklagte hatte gegen dieses Urteil Berufung eingelegt, und begründet diese heute dadurch, daß eine Verletzung deS fraglichen Paragraphen nicht vorliege. Er stellt zunächst die gegen ihn erhobene Beschuldigung in Abrede, behauptet vielmehr und be­weist, daß er an genanntem Tage zunächst nur auf Bestellung ge­liefert habe; er muß aber zugeben, daß er ausnahmsweise auch bei Leuten vorgefahren fei, die ihm vorher von anderen Abnehmern aI8 Ferkclliebhaber geschildert worden seien. So hält denn daS Gericht anstatt der angesetzten Gefängnisstrafe von 5 Tagen eine solche von 1 Tag als ausreichend.__

Uermischttt.

* Stettin, 13. Juli. Vor einigen Tagen wurde in der Grünstraße die Leiche einer Frau aufgefunden; man glaubte anfangs, daß sie an Schjagfluß gestorben fei. Die mittlerweile vorgenommene Obduktion hat nunmehr ergeben, daß es sich um einen Lustmord handelt und zwar an der 40 jährigen Ehefrau des im Jrrenhause be­findlichen früheren Predigtamtskandidaten Schulz Frau Schulz ist vermutlich durch Zuhalten des Mundes und der Nase e r st i ck t worden. Die Verletzungen, die die Leiche aufweist, sprechen dafür, daß mehrere Personen den Lust­mord verübt haben. Bon den Tyätern fehlt bis jetzt jede Spur.

* Zum Brandunglück auf Hoboken wird aus New Dort gemeldet: Die Lloyddocks bleiben in Hoboken, indessen werden auf ein Jahr in New s2)orf Dockfazilitäten gemietet. Der DampferMain" ist total verloren, währendBremen" undSaale" reparaturfähig sind. Die GesamtzahlderLeichen beträgt jetzt 170.

New-York, 14. Juli. Bei dem Brande eines Tene- ment Hauses in Hoboken kamen gestern 12 Personen um, darunter 5 Kinder einer einzigen Familie namens Winkelmann und drei Musiker namens Jakob Nikolaus, August Rindler und August Bachmann.

Arbeiterbewegung.

Rotterdam, 14. Juli. Die ausständigen Hafenarbeiter drohen die aus England berufenen Erdarbeiter mit Gewalt an der Arbeit zu verhindern. Infolgedessen und angesichts der bedeutenden Truppen, die zur Sicherheit der Arbeitsfreiheit herangezogen wurden, befürchtet man in den nächsten 48 Stunden blutige Zusammenstöße. 1200 fremde Arbeiter werden erwartet und sind zum Teil bereits eingetroffen.______________________________________________

Kandel und MrKehr. UslKswirMafl.

4proc. neueste Anleihe der Stadt Offenbach im Be­trage von Mk. 3,000,000t Die vor einigen Tagen durch die Darmstädter Bank und andere Bankhäuser übernommene Anleihe gelangt, wie wir hören, im Laufe der nächsten 14 Tage zur öffent­lichen Zeichnung. Der EmissionSkurs wird sich auf 97,50 pEt. stellen. Wir werden nochmals darauf näher eingehen.

Gieße«, 14. Juli. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Psd. JL 0.901.10, Hühnereier per St. 6-7 4, 2 St. 1113 Enteneier 2 St. 1416 Ganse, eier per St. 1112 Käse 1 St. 58 Käsematte 2 St. 5-6 Erbsen per Liter 22 Linsen per Liter 32 Tauben per Paar

JL 0.750.90, Hühner per St.£ 1.202.00, Hahnen per Stück X 0.701.30, Enten per St. v* 2.002.20, Gänse per Pfund X 0.000.00 Ochsenfleifch per Pfd. 6874 4, Kuh' und Rindfleisch per Pfd. 6264 Schweinefleisch per Psd. 5070 Schweine­

fleisch, gesalzen, per Pfd. 74 Ä, Kalbfleisch per Pfd. 6466 H, Hammelfleisch per Pfd. 5066 H, Kartoffeln per 100 Kilo 4.00 bi2 5.00 »M, Weißkraut per St. 0000, Zwiebeln per Etr. JL 8.009.00, Milch per Wer 16 H. Kirschen per Pfund 1215

Keuche Meldungen.

London, 14. Juli. In hiesigen politischen Kreisen geht daS Gerücht, die Regierung verschweige die aus Indien einlaufenden sehr ungünstigen Nachrichten über die neuer­liche Asridis-Bewegung, die einen großen Umfang anzunehmen drohe.

Wien, 14. Juli. DerOstdeutschen Rundschau" zu­folge wurde die geplante Beratung der Vertreter des deutschenJugendbundeS abermals polizeilich verboten.

Leoben, 14. Juli. Heute wurde das Urteil gefällt gegen 29 Arbeiter wegen der bekannten Ausschreitungen aus dem Erzberge, die drei Menschenleben forderten. Sieben wurden zu 2 Monaten bis 5 Jahren Kerker, die übrigen mit Arreststrasen verurteilt.

Budapest, 14. Juli. Gestern sand hier ein erhebender Akt der Verbrüderung zwischen Budapest und Berlin, deutscher und ungarischer Kunst statt. Nachmittags erschienen die Mitglieder der Berliner Seccessionisten- Bühne auf dem Hofe des National-Theaters, wo zahl­reiche ungarische Schriftsteller und Künstler anwesend waren und Kränze an der dort befindlichen Statue des deutsch­ungarischen Heldendarstellers Landvay niederlegten. Aus eine Ansprache Gregoris antwortete der Direktor des Natio­nal-Theaters mit begeisterten Worten, in denen er die Ver­brüderung der deutschen und ungarischen Nation durch die Kunst feierte.

Belgrad, 14. Juli. Starke Regengüsse gingen über das Land nieder. Im Kapaonik-Bezirk im Süden und dem Rudnik-Gebirge im Norden ist starker Schneefall ein­getreten.