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srr. 137 Erstes Blatt.
Freitag den IS^Juni
190®
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Amtlicher Teil.
Steckbrief-Erledigung.
Der gegen den Ersatz-Reservisten Karl Magel von SolmS-JlSdorf wegen Entziehung der gerichtlichen Aburtei- l»ng unter dem 28. Mai 1900 erlassene Steckbries ist erledigt.
Gießen, 12. Juni 1900.
F. d. d. a. B. K. Stephan.
Politische Tagesschau.
Der Großherzog Peter von Oldenburg ist nm 13. d. M. in seiner etwa zwei Stunden nördlich von der .Stadt Oldenburg vvn weiten schönen Laubwäldern umgebenen Sommerresidenz Rastede nach kurzer Krankheit gestorben. .Großherzog Nikolaus Friedrich Peter war am 8. Juli 1827 geboren, hat also ein Alter von 73 Jahreffi erreicht. Vor vier Jahren verlor er durch den Tod seine jfc mahlin, eine geborene Prinzessin von Sachsen-Altenburg, mit der er in seinem weltentrückten, verkehrsfernen Lande, bä«? er alljährlich nur einmal zu verlassen pflegte, um in Italien monatelangen Aufenthalt zu nehmen, in patriarchalischer Zurückgezogenheit eine überaus glückliche Ehe geführt hatte. Er war geliebt und verehrt von dem gesamten Oldenburgischen Volke, einem vortrefflichen, kernigen Menschenschläge von starrer Geradheit uno steifem Rückgrat. Dem Tode seiner Gemahlin war der Tod seiner Schwiegertochter, der Gemahlin des Erbgroßherzogs, einer Tochter des berühmten deutschen Heerführers Prinzen Friedrich Karl von Preußen, kurz vorhergegangen, und noch in demselben Jahre starb auch sein Halbbruder, der Herzog Elimar, der auf seinen österreichischen Gütern in reger Beschäftigung mit der Dichtkunst, vornehmlich der dramatischen, gelefbt hatte. Das war eine Fülle schwerer Schicksalsschläge für den greisen Fürsten, von denen er sich nicht mehr erholen sollte. Ein freudiges Ereignis für ihn war es noch, als ihm im Jahre 1897 aus der zweiten Ehe seines ältesten Sohnes, des Erbgroßherzogs, mit einer mecklenburgischen Prinzessin ein Enkel und späterer Thronerbe geboren wurde. — Großherzog Peter war ein für die Künste be- oeisterter Herr. Auf seinen Jtalienreisen versäumte er nie, gic Hnuptstätten der antiken und Renaissance-Kunst immer wieder zu besuchen. Fast in jedem Jahre weilte er ein paar Tage in München zum Besuche der dortigen KunstauÄ- stellungen, und kaum ein Abend verging im Winter, an dem man ihn nicht im recht respektabel geleiteten Großh. Theater zu Oldenburg, «an! das sich Erinnerung en, an Eduard Aevrient und Julius Mosen knüpfen, in seiner Loge fitzen sah. Aus seinen reichen Privatsammlungen stellte krin der Gemäldegallerie des Kunswereins zu Oldenburg läafia bedeutende Kunstwerke, so u. a. Radiermngen des von ihm ff ehr geschätzten Max Klinger, zeitweise zur all-
2Us"d^Größherzog August am 27. Februar 1853 ge- slprben und sein ältester Sohn der Großherzog Peter, tue Reaierung gekommen war, fand diefer das erst kurz uvor in Kraft getretene Staatsgrundgesetz vor, das zu Ln freisten Verfassungen im deutschen Reiche gehört. Der Mo sch er zog trat sofort mit aller Entschiedenheit auf den Boden d^str Verfassung und hat es seitdem vortrefflich« verstanden die Entwickelung des Landes auf Grundlage dieser Verfassung zu fördern. Den Gemeinden wurde weit- Äe &lbftoerroaltung verliehen der Pflege der Staats- tabnen der Land- und Wasserstraßen unausgesetzte Sortz- ialt zugewandt, die Unterrichtspflege auf cme hohe Stufe wuporaehoben/ vor allem aber st für die Hebung und Mrberuna der Lanbwirtschast au, den manmgjachstcn Ge- dteten der Gesetzgebung und Verwaltung außerordentlich «l geleistet worden. Außerhalb Oldenburgs hat man nie vergessen wie sehr in schwierigsten politischen Zeiten Groß- ierzog Peter stets ein Unermüdlicher Förderer deutscher Einheit unter preußischer Führung gewesen ist. Es darf !vvhl daran erinnert werden, wie schon bei dem jungen krbgroßherzog die dänischen Lockungen an fernem strengen ^iptsaewhl und seiner ausgeprägten deutschnationalen Ärsinnung scheiterten, und wie selbst die für einen jungen Unzen verführerische Aussicht auf einen Königsthron ihn
von seinem Wege abbrachte. Bei der stillen unb ^ehm bescheidenen ^Art des Großherzogs ist es nur ^Sn Eiu«weihteu vollaus bekannt, wie sehr er auch ^ während seiner ganzen RegierungsM alle Bestreb- auf eine Einigung der deutschen Staaten und aus ^Bildung und Stärkung des deut,chen Reiches unter- aiini bat Sibon im Fahre 1853 legte er durch die »1 taituna ‘eines Heinen Gebietes an dem Jadebusen den XX/nb zu dem spateren deutschen Kriegshafen, »ohte 1854 trat er, sehr zum Nutzen der oldenburgischen Jm-ufkrie, dem deutschen Zollverein bei, 1866 schloß er
sich! rückhaltlos dem neugebildeten Norddeutschen Bunde an, und im Juli 1867 führte er die oldenburgischen Truppen in das preußische Heer über. Im letzten Kriege haben sich die oldenburgischen Truppen unter dem Prinzen Friedrich Karl ganz besonders ausgezeichnet. Niemals hat Großherzog Peter versagt, wo es galt, Opfer für die Kräftigung des deutschen Reiches zu bringen.
Großherzog Peters Nachfolger ist der bisherige Erb- grpßherzog Friedrich August, geboren am 16. November 1852, ein durch die außerordentliche Leutseligkeit, Schlichtheit, Einfachheit und Gradheit seines hervorragend liebenswürdigen Charakters und seine Mildthätig- keit in seinem Lande höchst populärer Herr. Bekannt ist sein besonders lebhaftes Interesse für die deutsche Flotte. Auf seiner Nacht „Lensahn", benannt nach einem seiner Güter, pflegt er häufig größere Seereisen zu machen. Er ist kgl. preuß. Generalleutnant a la suite des 1. Garde- Dragoner-Regiments Königin von Großbritannien und Irland, des oldenb. Drag.-Regts. Nr. 19, dessen Kommandeur er Jahre lang gewesen ist, und des 2. Seebataillons. Aus seiner ersten Ehe mit der schönen preußischen Prinzessin Elisabeth ist er Vater der jetzt int Alter von 21 Jahren stehenden noch unvermählten, liebreizenden Herzogin Sofie Charlotte. Sein einziger Bruder, Herzog Georg Ludwig, geboren 1855, ist unvermählt geblieben. Die Nachricht vom Tode seines Vaters erreichte den jetzigen Großherzog Friedrich August in Christiania, von wo er heute in der Hauptstadt seines Landes eintreffen wollte.
Aus Anlaß der Konitzer Vorfälle hat der Rabbiner Dr. Feßler die Vertreter der alttestamentlichen Disziplinen an der evangelischf-theologischen Fakultät zu Halle UM eine Antwort auf die Frage gebeten, ob im Judentum auf Grund von Schriften oder Ueberlleferung die Verwendung von Christenblut zu Religions-Gebräuchen gefordert wird. Die darauf erteilte Antwort) lautete:
„Die Unterzeichneten bestätigen gern, daß das Gerede von jüdischen Geheimschriften auf leichtfertigenBer- dächtigungen beruht. Vielmehr ist es eine Thatsache, die für den Kundigen nicht erst eines Beweises bedarf, daß es innerhalb des gesamten Judentums weder eine schriftliche noch eine mündliche Tradition giebt, welche kundigen Christen zugänglich wäre. Ergebenst Prof. Dr. theol. E. Kautzsch, Professor Dr. theol. Rothstein".
Auf dem vorjährigen in Rom abgehaltenen Kongresse bet Orientalisten, an dem Dr. Kautzsch sich hervorragend, beteiligt hat, wurde auf seinen Antrag folgende Erllärung angenommen:
„Die zum XII. internationalen Kongreß in Rom ver- fammelten Orientalisten erachten es angesichts neuester Vorgänge ftir ihre Pflicht, auszusprechen, die Beschuldigung, daß jemals durch irgend welche für Anhänger der jüdischen Religion geltende Vorschriften die Benutzung von Christenblut für rituelle Zwecke gefordert oder auch nur angedeutet worden war, sei eine schlechthin unsinnige und des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts unwürdige.
Die Wirren in China.
Bis zur Stunde liegen nur wenige neue Nachrichten über die Wirren in China vor, aber auch sie werfen kein günstigeres Licht auf die Lage als die früheren. So halt der amerikanische Konsul in Tschinkiang, dem wichtigen Vertragshasen am Schnittpunkt des Yangtse-Kiang mit dem Kaiserkanal, am 12. ds. telegraphiert, daß eine große Anzahl zu einem Geheimbund gehörender Eingeborenen sich in der Nähe der Stadt aufhalte, und daß große Besorgnis herrsche. Ferner wird der Times aus Peking vom 12. ds. gemeldet, Soldaten der Leibgarde der Kaiserin hätten den Kanzler der japanischen. Gesandtschaft ermordet. Diese Meldung ist nicht nur ein neues Zeichen dafür, daß der Fremdenhaß in der Umgebung der Kaiserin bis zu einem Fanatismus, von dem alles zu erwarten, gereift ist, sondern sie eröffnet auch die Aussicht auf neue politische Verwicke> tun gen. Die Kanzleivorsteher gehören zwar nicht zum diplomatischen Personal der Gesandtschaften, aber sie genießen wie dieses das Recht der Exterritorialität. Somit stellt sich die Ermordung des japanischen Kanzlers als eine Verletzung des Völkerrechts bar, die durch die Eigenschaft der Mörder sowohl wie dadurch, daß die Kanzleibeamten infolge ihres Verkehrs mit dem Publikum allgemein bekannt zu sein pflegen, noch ein erschwerendes Gepräge erhält. Selbstverständlich wird und muß die japanische Regierung darauf bestehen, daß für diese Mord- that Sühne geleistet wird, und zwar wird sie sich nicht daran genügen lassen können, daß nach chinesischem Mißbrauch irgend ein armer Teufel statt der Schuldigen vorgeschoben und einen Kopf kürzer gemacht wird, sondern sie wird verlangen, daß jene Soldaten der Leibgarde selbst nach den japanischen Rechtsanschauungen bestraft werden.
Der Fall bietet eine gute Gelegenheit, die Gesinnungen bet chinesischen Regierung einer stichhaltigen Prüfung zu unterziehen, vielleicht aber hat der Fremdenhaß schon solche Wurzeln im Volke geschlagen, daß die Kaiserin nicht wagen kann, die Mörder preiszugeben, ohne den Fanatismus gegen sich selbst zu richten. Verfehlt aber wäre es und würde den ganzen Erfolg der mllitärischen Aktion der Mächte in Frage stellen, wenn Japan die Mordthaten benutzen wollte, um China zu politischen Zugeständnissen' zu drängen. Japan hat sich, soweit bis jetzt bekannt, ohne Verfolgung anderer Zwecke als der Wahrung seiner Interessen den Mächten angoschlossen, deshalb ist es auch nicht wahrscheinlich, daß eine Meldung der Times aus Shanghai, wonach der japanische Gesandte dränge, die Provinzen Tschekiang, Fokien und Kiangsi als javanische Einflußbezirke anzuerkennen, in dieser Form richtig ist. Fokien und Kiangsi fallen unter den Bezirk, in dem daS Einflußrecht Japans vermutlich nicht bestritten werden wird, a'ber der Versuch, dieses Recht auch auf Tschekiang auszudehnen, würde eine Unfreundlichkeit gegen Italien bedeuten, das sich, wenn auch vergebens, bemüht hat, diese Provinz als seine Interessensphäre anerkannt zu sehen.
Eine Pekinger Drahtung der „Morn.-Post" sagt: Der Kaiser und die Kaiserin erließen ein neues Edikt, das die Verhaftung der Rebellen und die Unterdrückung der Unruhen befiehlt.. In Peking sind bislang keine Unruhen vorgekommen. Der Tientsiner Bericht-Erstatter der „Daily Mail" glaubt, die Vertreter der Mächte würden auf Entlassung der fremdenfekindlichen Ratgeber der Kaiserin bestehen. Den nach Peking unterwegs befindlichen Truppen seien von den Boxern, bislang keine Hindernisse bereitet worden, die Fremden in Peking waren am 11. Juni noch unbehelligt. -*• Eine Shanghaier Times- Drahtung sagt, ein Telegramm des Tsunglt-Namen an den Gouverneur von Nganwhei vom 9. Juni melde, daß Rußland im Begriff sei, eine aroße Str sit macht nach Peking zu bringen. Auch das „Bur. Dalziel" meldet jetzt, 4000 Russen landeten in Chingwantao. Es verlautet, daß sie dort Befehle abwarten, weil Japan die chinesische Regierung davon verständigt habe, daß es zweimal soviel Truppen als Rußland auffcietefl würde, wenn russische Truppen Peking besetzten. Der Berliner Berichterstatter des „Standard" drahtet, es werde ihm aus vortrefflicher Quelle versichert, daß keine Ursache für Besorgnisse vorhanden sei, wenn Rußland mehr Truppen als andere Mächte nach China senden sollte, da eine Verständigung dahin erzielt würde, daß es dazu imi Notfälle ermächtigt sei wegen der Nähe seiner Truppen, —t Das Dalzielsche Bureau meldet aus Shanghai: Nach deU letzten Nachrichten aus Peking soll ein aus Tausenden bestehen- derMob die Ges an d t sch af ts st r a ße belagern. Die Soldaten fraternisiern mit dem Mob, doch fürchte sich General Tungfnhsiang die ausländischen Wachen anzugreifen. Die ausländischen Truppen hätten auf dem halben! Wege zwischen Tientsin und Peking einen Zusammenstoß mit den Boxern und chinesischen Soldaten gehabt und circa 60 derselben erschossen. — Zwei der internationalen Züge sind in Los a angehalten worden, wo die Bahn aufgerissen war. Die europäischen Matrosen sind mit der Ausbesserung der Strecke zwischen Lofa und Langfang be- scl-äftigt. Ein Boxer wurde verhaftet, als er gerade Feuer an eine Holzbrücke legte. In der Nähe lagen zahlreiche Leichen, von denen man annimmt, daß es diejenigen der von den Truppen Niehs getöteten Boxer sind. Ein fünfter Eisenbahnzug ist mit Proviant für die Truppen abgegangen. Man hegt Befürchtungen für das Schicksal der Fremden in Peking. Die Absonderung Pekings dauert fort. Sämtliche telegraphischen Post- und Eisenbahn-Verbindungen sind abgeschnitten. Die Ausländer in Tientsin und Tschifu sind bewaffnet.
Am Montag versuchten bei Langfang 2000 Boxer eine britische Patrouille von 16 Mann abzuschneiden, die zwei Meilen vorr dem Zuge, der die ftemden Truppen nach Peking brachte, die Spitze bildete. Englische Matrosen eilten zu ihrer Hilfe herbei und eröffneten ein heftiges Feuer. 40 Boxer wurden getötet und verwundet. Auf britischer Seite wurde niemand verletzt. Die europäischen Truppen verfolgten die Boxer und nahmen zwei Dörfer. Die Bahnlinie ist stark beschädigt. Die Expedition zählt gegen 2000 Mann: 915 Engländer, 350 Deutsche 300 Russen, 158 Franzosen, 104 Amerikaner, 51 Japaner, 40 Italiener und 25 Oesterreicher.
Der „Wostotschny Wjestnik" erfährt aus zuverlässiger Quelle, daß eine russische Schu tz tr upp e an betSime der mandschurischen Eisenbahn einen blutigen Z u s a m - menstoß mit einer chinesischen Soldatenabteilung gehabt habe. Auf russischer Seite seien ein Offizier und drei Soldaten gefallen, auf chinesischer Seite em Offizier und neun Soldaten. Tie chinesische Regierung anhand -■. einen, Beamten, der die Angelegenheit zu untersuchen und biet Schuldigen zu bestrafen beauftragt ist.


