Ausgabe 
15.5.1900 Zweites Blatt
 
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Underberg'Boonekamp. Wegen Nachahmung von Waren­zeichen bezw. der Underberg-Boonekamp-Etikette der Firma H. Under- berg Albrecht in Rheinberg war eine rheinische Firma vom Landgericht in Cleve zu 300 Mk. Geldbuße eventl. 30 Tage Haft und in bk nicht unbedeutenden Kosten verurteilt worden. Außerdem hatte das Gericht der Firma H. Underberg-Albrecht das Recht zugesprochen, de» Tenor des Urteils auf Kosten des Verklagten in zwei rheinischen Zeit­ungen bekannt zu machen. Gegen dieses Urteil hatte der Beschuldigte Revision angemeldet, welche vom Reichsgericht unterm 26. April ver­worfen wurde.

Kunst und Wissenschaft.

Die Ausstellung der Künvlerkolonie Darmstadt 1901, Dem notariellen Protokoll über die Konstituierung des Ausstellungs- Komitees entnimmt dieFrkf. Ztg : Anwesend waren Prof. Peter Behrens, Prof. Hans Christiansen, Prof. I M Olbrich, Rud. Bosselt, Sekretär W. Deiters, als Vertreter der Künstlerkolonie; ferner von eingeladenen Herren: Maximilian Freiherr v. Heyl, Karl Parcus, Kabinettsrat Römheld, Otto Wolfskehl, Ferd. Sander, Dr. Willy Merck, I Wilhelm Schwab i. Fa. Th. Schwab, Rentner Wilhelm Schwab, Jean i Dischinger, C. E Callmann, Julius Glückert, sämtlich aus Darm­stadt, Herr Richards i. Fa. Martin Mayer aus Mainz. Nach Er« Öffnung der Sitzung giebt Professor Olbrich eine detaillierte Erklä­rung der projektierten Ausstellung. Sekretär Deiters teilt dann mit, daß die Höhe des Garantiefonds bis zum Tage 230 000 Mk. be­trage, und daß noch weitere Summen in Aussicht seien, er bittet die Versammlung, eine finanzielle Konstituirung vorzunehmen, derart, daß man ein Finanzkomitee wähle, welches die Geschäftsführung überwache, und die Rechnungslegung konttolliere; er legt hierzu das aufgestellte Gesamtbudget vor, welches mit 367 000 Mk. balanciert, und erläutert die einzelnen Positionen. Die Versammlung nimmt dieses Gesamtbudget als Grundlage an und wählt durch Zuruf sieben Herren, und zwar Maximilian Freiherrn v. Heyl, Kabinettsrat R ö m h e l d, Otto Wolfskehl, Dr. Willy Merck, Ferdinand Sander, Jean D i - s ch i n g e r und Julius Glückert, zum kontrollierenden Finanzkomitee. Die Gewählten nehmen die Wahl an und beschließen, daß die Geschäfte fürEin Dokument deutscher Kunst" ; die Aufstellung der Künstlerkolonie in Darmstadt 1901, beginnen können. Die Bank für Handel und In­dustrie erbietet sich darauf, die nötigen Baarmittel gegen Hinterlegung der Garantiescheine herzugeben, was seitens des neuen Finanzkomitees angenommen wird.

Leipzig, 12. Mai. Bei der Vorfeier der Wiederkehr des 500. Geburtstag Gutenbergs hielt Staatssekretär Graf Posadowsky eine Rede, in der er ausführte: Die Schriftzeichen Gutenbergs stellten ein mächttges Heer von Kämpfen dar, die schließlich die Welt eroberten. Die Erfindung Gutenbergs fei eine wahrhaft geistesbefreiende That. Es sei nicht zufällig, daß gerade in Leipzig, wo auf jedem Fußbreit Erde ein Hauch geschichtlicher Erinnerung liege, das deutsche Buchgewerbe sich zu solcher Blüte entwickelte. Die Hochschule weise glänzende Kreise be­rühmter Gelehrten auf, mustergiltige Schulen förderten die ästhetische Erziehung der Jugend. Die Kunst hat hier ihre Heimat. So sei Leipzig eine der hervorragendsten Stätten für die Kultur und die Kunst geworden. Wenn der Kaiser ihn beauftragte, hier zu erscheinen, um dem Buchgewerbe-Verein seine Glückwünsche anszusprechen, so wolle er damit bekunden, welche hohe Achtung der Kaiser für die Thätigkeit des Buchgewerbe-Vereins empfinde. Als äußeres, bleibendes Zeichen habe der Kaiser demselben seine Marmorbüste verehrt. Mögen die gegen­wärtigen und die kommenden Geschlechter in dem Bildnis des Kaisers stets das Sinnbild des in den Fürsten und Völkern geeinten Reiches erblicken." Bei den Einweihungsfeierlichkeiten des deutschen Buch­gewerbehauses hielt Universitätsprediger Dr. Rietschel die Weiherede. I Der erste Vorsteher des deutschen Buchgewerbevereins, Dr. Oskar | v. Hase, Mitbesitzer der bekannten Verlagshandlung von Breitkopf & Härtel, ein Sohn des berühmten Jenenser Kirchenhistorikers, hielt die Festrede, an deren Schluß er zahlreiche Ernennungen von Ehren- mitgliebem verkündete. Kreishauptmann Dr. v. Ehrenstein sprach als I Vertreter des Königs von Sachsen, der Chef des weimarischen Kultus- I Ministeriums v. Pawel-Rammingen ferner der Vizepräsident des Reichs- | tags Dr. von Frege, der Bürgermeister Dittrich namens der Stadt I Leipzig, Stadtrat Dodel namens der Handelskammer, der Rektor der I Universität Kirchner, sowie der Vertreter der Reichsdruckerei und des | Reichsgewerbemuseums in Berlin. Hierauf enthüllte der Vertreter deS I Gutenberg-Ausschusses Hans Oldenbourg-München die das Ehrendenkmal I bildenden Denkmäler Gutenbergs, Senefelders und Friedrich Königs. I Es folgte ein allgemeiner Gesang Mit einem Rundgang durch das I Haus schloß die Feier, an die sich ein Festmahl anschloß.

7~ Eine neue Promotionsordnung wird als für ganz Deutschland bevorstehend angekündigt. Preußen und Bayern haben ein I Ueberemkommen bezüglich der Freizügigkeit des Doktortitels getroffen. I v »T Promotion nach der Approbationsprüfung erfolgt, soll für I 6a® *E^amen ein dreigliedriges Profefforenkollegium notwendig sein. - , 2Hitteltl)cinif<&er Aerztetag. Für die am 5. Juni in I Homburg v. d. H. stattfindende Versammlung mittelrheinischer Aerzte I

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Matthäusgemeinde.

Den 9. Mai. Robert Otto Gustav Landmann, Pfarrverwalter zu Rothenberg und Karoline Johanna Elisabeth Ferber, Tochter des Rent­ners Wilhelm Ferber zu Gießen.

Markusgemeinde.

Den 5. Mai. Jakob Karl Althaus, Kaufmann zu Gießen und Johanna Dorothea Marie Anna Christiane Trautmann, Tochter deS | Kupferschmieds Eduard Trautmann zu Gießen.

Getaufte.

Matthäusgemeinde.

Den 6. Mai. Dem Bäcker Wilhelm Lein eine Tochter, Bertha Henriette Luise, geboren den 16. März.

Markusgemeinde.

Den 5. Mai. Dem Wirt Albert Rahnefeld ein Sohn, Wilhelm Otto, geboren den 19. April.

Den 6. Mai. Dem Metzger Heinrich Huhn eine Tochter, Fran­ziska Elise Georgine Karoline, geboren den 28. März.

Denselben. Dem Spengler Karl Faber eine Tochter, Karola Luise Elisabeth, geboren den 17. März.

Denselben. Dem Schuhmachermeister Ludwig Bernhardt, ein Sohn, Ludwig Willy, geboren den 27. April.

Denselben. Dem Zimmermann Christian Staffel ein Sohn, Peter, geboren den 1. April.

Lukasgemeinde.

Den 6. Mai. Dem Masseur August Krebs eine Tochter, Ottilie Elisabeth, geboren den 2. April.

Denselben. Dem Schmied Heinrich Herbert eine Tochter Johanna Auguste, geboren den 23. März.

Denselben. Dem Anatomie-Diener Heinich Balser ein Sohn, Ernst Heinrich Martin, geboren den 31. März.

Denselben. Dem königl. Stations-Assistent Karl Wagner eine Tochter, Wilhelmine Marie Margarethe Olga, geboren den 16. April.

Denselben. Dem Instrumentenmacher Ludwig Jakob Roch eine Tochter, Johanna Margarethe Franziska, geboren den 15. Mai.

Johannesgemeinde.

Den 6. Mai. Dem Glasermeister Georg Luh eine Tochter, Marie Helene, geboren den 5. April.

Denselben. Dem Lagerarbeiter Philipp Schneider II. eine Tochter, Katharina Elsa, geboren den 18. April.

Denselben. Dem Uhrmacher Georg August Koch eine Tochter, Malwine Käthchen, geboren den 1. April.

Militärgemeinde.

Den 6 Mai. Dem Gendarm Johannes Poth ein Sohn, Friedrich Karl, geboren den 20. April.

Beerdigte.

Matthäusgemeinde.

Den 9. Mai. Slisabethe Burkhardt, 64 Jahre alt, starb den 8. Mai.

Johannesgemeinde.

Den 8. Mai. Emil Loos, Rentner, 87 Jahre alt, starb den 4. Mai.

gemeldet: 1. Professor Dr. D. A. Freund-Straßburg.- Ueber das Krankheitsbild der von Myome» ausgehenden Automtoxlcatwn. 2. Geh. Med -Rat Drof Dr Küster- Marburg: Heber einige neue Fortschritte k d^ Rier^Ehtturak' 3. Prof. Dr. Heidenhain-Worms: Krankenvorstellung. 4Prdfeff^' Dr. Hermann Freund-Straßburg: Neber Extrauterinschwangerschaft (mit Demonstratwnen). 5. Prof. Dr. v. Büngner-Hanau: Welche Fälle von Gallenstemkrankhett eignen sich für interne Therapie, besonders für Bo- handlung m Badeorten? 6. Prof. Dr. Hoffa-Würzburg: Thema Vor­behalten. 7. Dr. Laquer-Frankfurt a. M.: Höhlenbildung im Rücken­mark (mit Krankenvorstellung). 8. Dr. Schütz-Wiesbaden: Thema vov- behalten. 9. Oberarzt Dr. Herxheimer-Frankfurt a. M.: firanfenc Vorstellung. 10. Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Riegel-Gießen: Thewt vorbehalten. 11. Dr. Scherk-Homburg: Die Aetiologie des Diabetes.

Vermischtes.

* Der Fall Saga n. In den vornehmen Pariser Salons kommentiert man gegenwärtig lebhaft eine vor einigen Tagen gefällte gerichtl. Entscheidung, durch die die von dem Grafen Elie von Talleyrand-Perigord, Prinzen von Sagan, gegen seine Mutter, die Her­zogin von Sagan, gerichtete Klage auf Aufhebung der von ihr über ihren Gatten ausgeübten Kuratel ab­gewiesen wurde. Die dem Rechtsstreite zu Grunde liegen­den höchst unerquicklichen Familienverhältnisse, die schon des Oefteren in der Presse Erörterung fanden, stellen sich nicht nur als ein charakteristisches Sittenbild des modernen Paris dar, sondern spielen teiliveise auch nach Deutschland hinüber. Der jetzige Herzog Boson von Talleyrand, Va- lencay und Sagan erbte diese Titel 1898 von seinem Vater, dem Herzog Louis Napoleon, der, ein Pathenkind des ersten französischen Kaisers und ein Großneffe des berühmten Diplomaten, von seiner Mutter, der Prinzessin Dorothea von Kurland, das schlesische Sagan als Lehen der Krone Preußens erhalten hatte. Während der alte Herzog seinen Aufenthalt zwischen Frankreich und Deutschland teilte, und in Berlin eine allseitig beliebte Persönlichkeit war, der namentlich Kaiser Wilhelm I. freundschaftlich nahe stand/ führte sein Sohn Boson in Paris die Existenz eines ele­ganten tonangebenden Klubmannes. Seine Moden wurden von derjeunesse doree" begeistert kopiert, in den Premieren entschied er über den Erfolg oder die Ab­lehnung eines Stückes und eine neue Schönheit konnte nicht ohne ihn lanziert werden. Hierbei stand ihm seine Frau, eine Secklere, aus einer baronisierten Bankierssamilie, als vollendete Weltdame und Herrin eines ungeheuren Ver­mögens zur Seite. In ihrem Palais der Rue St. Domi­nique 't'rafen sich die in Paris weilenden auswärtigen Fürstlichkeiten mit den Vertretern der Aristokratie der Ge­burt und des Geistes und namentlich der Prinz von Wales war hier ein regelmäßiger Gast. Böse Zungen nannten sogar den Namen des englischen Thronfolgers int Zusammenhang mit den Gründen, die das Prinzen- Paar veranlaßte, eine gütlich eTrennung einzugehen. Er zog in eine Junggesellenwohnung, sie fuhr fort, ein glänzendes Haus zu halten. Von den beiden der Ehe ent- Arossenen Söhnen stellte sich der Aeltere auf Seite des Vaters, <bfer Jüngere ergriff die Partei der Mutter. Ein Schlaganfall streckte den lebenslustigen 60 jährigen Prinzen plötzlich gelähmt und willenlos nieder und eines Tages ent­führte seine sonst nicht so sehr um ihn besorgte Gattin ihn mit

bis Hirzenhain herauf, zerschlug Dächer, Fensterscheiben, Feldfrüchte usw., sodaß in diesem Jahre weder Korn noch Weizen einaeerntet werden konnten. Großen, unberechen­baren Schaoen hat dieses Wetter hier und in Selters an- gerichtet.Das war eine harte Strafe wegen unserer Sünden", fügt der Chronist hinzu, und am 21. Mai wurde über den Text Hiob 38 Vers 22 und 23 gepredigt. Am 17. Mai 1733 verspürte man hier, wie in Selters, Effolder­bach, Butzbach, Gießen, Ho_n.au, Offenbach, Frankfurt usw. ein Erdbeben, sodaß sich die Häuser bewegt und die Glocken von selbst angeschlagen haben. Es dauerte aber nur eine Minute lang und war an manchen Orten auch viel heftiger. Infolge des Hagelschlages fehlte es im Früh­linge des Jahres 1731 den Menschen an Brotfrucht. Lebensmittel waren weder im Asenburgischen, noch im Stolbergischen zu haben. Wäre nicht Korn aus dem Frankenlande auf dem Mainstrome nach Frankfurt und Hanau gekommen, so würde eine Hungersnot ausgebrochen sein. Außerdem fiel die Winterernte noch schlecht aus,, weil der Winter anno 1730 auf 1731 sehr lange angedauert hatte.

bm. Mainz, 13. Mai. Nachdem eine Binger Firma mit gutem Erfolg am Mittelrhein mit dem Import von amerikanischen Kohlen den Anfang gemacht hat, ist ein Mainzer Geschäftshaus wegen Bezug amerikanischer Kohlen mit einer Firma in New-York in Verbindung ge­treten und hat einen Abschluß auf Lieferung eines bedeu­tenden Quantums Kohlen gemacht. Die amerikanischen Kohlen sollen sich vorerst noch etwas teurer stellen wie die deutschen, doch will man, wenn sich der Import im allge­meinen rentiert, Versuche machen, durch Verladung in größeren Schiffen die Transportkosten zu ermäßigen, und zwar um soviel, daß sich der Preis der amerikanischen Kohlen noch um eine Kleinigkeit geringer stellen würde als der gegenwärtige Preis der deutschen. Außerdem sollen die amerikanischen Kohlen von vorzüglicher Qualität sein und nur ganz geringe Rückstände geben. Der Transport i ber Kohlen bis in die Rheinhäfen würde viev bis fünf I Monate Zeit beanspruchen. Vom 9. bis 13. Juni tagt hier die Generalversammlung der Gas- und Wasserfachmänner Deutschlands. Zwischen dem Militärfiskus und der Mainzer Schützenge­sell s ch a f t Isst ein Prozeß im Beginnen, auf dessen Ausgang man gespannt ist. Der Schützenplatz und die echießstände der Schützengesellschaft grenzen unmittelbar an den Exerzierplatz zumgroßen Sande". Nun behauptet die Militärbehörde, das Terrain der Schützengesellschaft zur Vergrößerung des Exerzierplatzes nötig zu haben, ist «der nicht geneigt, der Schützengesellschaft ein anderes I Terrain für ihre Zwecke zu überweisen, sondern will ein- I sach auf dem Wege der Enteignung in den Besitz des Eigen- 1 tu ms der Schützenges ellschaft kommen. Letztere ist aber der I Ansicht, daß nach Lage der Sache hier eine« Enteignung I überhaupt nicht eintreten könne, zumal anderweitig hin- I länglich Platz vorhanden ist, um den Exerzierplatz zu der- I größern.

Bingen, 13. Mai. Die Leiche des Studenten Karl Werner aus Schlangenbad, der beim Bootunglück am I 17. April ertrank, wurde gestern bei Oberlahnstein geländet. I Vorgestern mittag traf hier die Torpedoboots- I flottille ein, von den Spitzen der Behörden, Vereinen I und einer großen Menschenmenge empfangen. Im Rat- I hause wurde den Offizieren der Ehrentrunk kredenzt; hier- I auf wurde die Burg Klopp besichtigt. Am Nachmittag fand imjpotel Victoria" ein Festmahl statt. Dann begaben sich I die Torpedoboote nach Rüdesheim. Am Montag kehren I fie nach Bingen zurück. Alsdann unternimmt S. K. H. I der Großherzog mit der Flottille eine Fahrt nach Mainz. I Heute fand am Nationaldenkmal auf dem Niederwald eine I große patriotische Feier statt.

I Hilfe guter Freunde in ihr Heim, um ihn, wie sie angab, I besser pflegen zu können. Dieselben bösen Zungen be- I haupteten allerdings, sie habe sich seiner Person in An- I betracht des bevorstehenden Todes seines alten Vaters be- I mächtigen wollen. Bald darauf am 21. März 1898 I starb der Herzog Louis Napoleon, 88 jährig, in Berlin I und da es der Prinzessin, nunmehrigen Herzogin, gelungen I war, sich zur Vormünderin ihres willenlosen Ehegatten I ernennen zu lassen, so konnte jetzt ans Werk gegangen I werden, die Kunstschätze in den Schlössern von Sagan und I Valencay, darunter Bilder und Gobelins von unschätz- I barem Werte, auf dem Wege der Auktion zu veräußern. I Der Herzog Boson von Sagan war, nach dem Hinscheiden I seines Vaters, nun auch preußischer Standesherr und Mit­glied des Herrenhauses, doch wurde ihm für diese Eigen­schaften ein Tutor in der Person des Ihm verwandten Ge­heimrats v. Kanitz vom kgl. Hausministerium in Berlin bestellt und sein ältester Sohn, der sich in Berlin vorstellte, soll für ihn den Lehnseid geleistet haben. Von dem Herzog selbst hört man fast nichts mehr. Vor zwei Jahren konnte man ihn in dem Park der Villa seiner Gemahlin in Trou- ville im Rollstuhl sehen, aus dem früheren glänzenden Offizier der Guiden Napoleons III. war ein gebrechlicher, geistig fast gänzlich zu Grunde gerichteter Greis geworden.

' Vergeblich setzte sein ältester Sohn alle Hebel in Bewegung, um seinem Vater die Freiheit wiederzugewinnen. Die Her­zogin erklärte, ihr Gatte befinde sich auf Grund seines eigenen Willens bei ihr und könnte nirgends besser auf­gehoben sein. Jetzt haben, wie erwähnt, die Gerichte ihr Recht gegeben und die Klage ihres Sohnes abgewiesen. Der Besitzer des preußischen Herzogtums Sagan verbleibt also in Paris unter der Kuratel der Enkelin der Baronin Seillere.

* Neuwallmoden, 13. Mai. Muttermord. Der etwa 45jährige Invalide Brunke, der wegen eines Rückenmarksleidens seit einigen Jahren erwerbsunfähig war, drang ohne jede Veranlassung zunächst mit einem' Beile auf seine Frau ein und führte einen Hie b i nach ihrem Kopfe, der jedoch nur die Schulter streifte. I Die Frau flüchtete aus dem Hause und holte den Gemeinde­vorsteher zu Hilfe. Inzwischen begab sich Brunke zu seiner 72 jährigen Mutter, die noch im Bette lag und schlief, und zertrümmerte der alten Frau mit einem Beil­hiebe den Schädel. Dann ging er in seine eigene Kammer, zündetedorteinBettan und ging darauf in die Kammer der Mutter zurück, wo er sich in Gegenwart seiner herbeigeeilten Schwester mit den Worten:Eck will mit miner Mutter starben" den Hals a b s ch n i t t. Das Feuer wurde bald gelöscht. Der Mörder soll ein sehr friedliebender Mensch gewesen sein, der fleißig zur Kirche ging und vor seiner Invalidität sehr arbeitsam war. Man nimmt an, daß er die grausige That aus Furcht vor Nahrungssorgen begangen habe, obgleich er eine hohe In­validenrente bezog.

Köstliche Gerichte.

So manche Hausfrau bereitet mühelos viele ,köstliche Gerichte von Brown und Polsons Mondamin. Bei geringer Mehraus­gabe lassen sich leicht in kurzer Zeit Mondamin-Flammris, -Puddings, -Milch- und Eierspeisen, -Aufläufe, -Desserts schnell zurichten, Brown u. Polsons Mondamin, mit Misch gekocht, wird ocr leichten Verdaulichkeit wegen von Aerzten für Kinder und junge Mütter gern empfohlen. Mondamin ist überall käuflich. Brown und Polsons neue Rezepte sind als ein Büchlein bei deutlicher Adresse Berlin C. 2, kostenlos zu haben.

Gerichtssaal.

-l. Vietze«, 11. Mai. Schöffengericht. Der wegen Be­truges mehrfach vorbestrafte Mechaniker Emil Bertoria ent Reutra in Ungarn erhält wegen Diebstahl eine Gefängnisstrafe to* 4 Wochen. Der geriebene Bursche hatte sich am 28. März ds. in Gießen eingefunden, die Ortsstraßen und Häuser studierend, ob hier vielleichtetwas ,u macken" sei. Gegen 11 Uhr bog er in die Wallthorstraße ein, kam am Laden beB Kaufmanns Eberhard Dort vorüber, und zwar in dem Moment, als der Lidenbefitzer auf die Dauer von 2 Minuten sich entfernt hatte. Diesen glück« lichen Zufall benutzte der Angeklagte, die Labenkasse ihres Inhalt, zu berauben. Vom Labeninhaber noch gerabe im Weggehen bi, merkt, würbe er sofort bingfest gemacht unb heute abgeurteilt.

Spich!-» L« Etreiniflten Frankfurter Aiktthkitrr.

Opernhaus.

Dienstag, 15 Mai. 7 Uhr.Martha". Lyonel: Herr Hensel als Antrittspartie. Im Ab. Gew. Pr. Mittwoch, 16. Mai. i'27 Uhr Gastspiel des Herrn Dr. Ludwig WüllnerDie Walküre". Siegmund-' Herr Wüllner. Außer Ab. Große Pr. Donnerstag, 17. Mai. 1/.7 Uhr.Margarethe". Im Ab. Gew. Pr. Freitag, 18. Mai. Ge­schlossen. Samstag, 19. Mai. </27 Uhr. Letztes Gastspiel des Herrn Dr. Ludwig WüllnerTannhäuser". Tannhäuser: Herr Wüllner Im Ab. Große Pr. Sonntag, 20. Mai. 7 Uhr.Stumme von Portici". Im Ab. Große Pr. Montag, 21. Mai. Geschloffen.

Schauspielhaus.

Dienstag, 15. Mai. 7 Uhr.Therese Raquin". Im Ab. Gew. Pr. Mittwoch. 16. Mai. 7 Uhr.Therese Raquin". Im Ab. Gew. Pr. Donnerstag, 17. Mai. </t8 Uhr. Vorstellung bei kleinen Preisen.Madame Sans GSne". Außer Ab. Freitag, 18. Mai. 7 Uhr. Vorstellung bei kleinen Preisen.Emilie Ga- lotti". Im Ab. Samstag, 19. Mai. 7 Uhr.Therese Raquin". Im Ab. Gew. Pr. Sonntag, 20. Mai. 7 Uhr. Gastspiel des Dttektors Konrad DreherJägerblut". Im Ab. Gew. Pr. Montag, 21. Mai. Ve7 Uhr.Hamlet". Im Ab. Gew. Pr.