Ausgabe 
14.12.1900 Zweites Blatt
 
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150. Jahrgang

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Freitag den 14. Dezember

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ihrer Schwester, der Armee, ebenbürtig geworden. Dies sei die Schule des Kaisers. Thomsen verlas sodann eine De­pesche des Marineamtes, worin mitgeteilt wird, daß auf Befehl des Kaisers die Flaggen am Sonntag von sämtlichen gesunden Mannschaften nach Berlin gebracht werden sollen, wo am Lehrter Bahnhof feierlicher Empfang stattfindet.

Kiel, 12. Dezember. Die mit dem DampferKöln" aus China zurückgekehrten Offiziere und Mann­schaften trafen abends hier ein. Zum Empfange war das Prinzenpaar Heinrich anwesend. Generalinspektor der Marine, Admiral Köster, hielt eine Ansprache, in der er der Tapferkeit der Heimgekehrten seine Anerkennung zollte. Der Zug marschierte durch die reich beflaggten und glänzend illuminierten Straßen nach der Kaserne. Die Verwundeten und Kranken folgten in mit Blumen geschmückten Wagen.

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Adrkfse für Depeschen: Anzeiger Htchm-- Fernsprecher Nr. 51.

London, 13. Dezember. Wie aus bester Quelle ver­lautet, zögert die Regierung, den Belagerungs­zustand über die Kap-Kolonie zu verhängen, weil die Kap-Behörden sie verständigt haben, daß diese Maß­regel unvermeidlich einen allgemeinen Aufstau d der burenfreundlichen Bevölkerung der Afrikander herbei­führen müßte.' Diese Verfügung sollte bereits vor dem Zusammentritt des Afrikander-Kongresses ergehen; sie unterblieb jedoch bis jetzt aus den oben angeführten Gründen.

London, 13. Dezember. 200 weitere Buren- Gefangene sind auf St. Helena eingetroffen. Sämt­liche Gefangene befinden sich, wie von dort gemeldet wird, bei guter Gesundheit. Die zuletzt Eingetroffenen machten gestern einen Spaziergang zum Deadwood. Sie wurden von 80 Infanterie-Soldaten begleitet.

Amsterdam, 13. Dezember. Der Besuch Kru­gers wird zwei Tage dauern. Das Programm der Fest­lichkeiten steht noch nicht fest. Die Behörden trafen Vor­kehrungen, um jede Kundgebung zu verhindern, bte einen anti-englischen Charakter annehmen könnte. Von verschie­denen Seiten wird bereits behauptet, die englische Re­gierung habe die holländische gewarnt, die Kundgebungen für Krüger in anti-englische Manifesta­tionen ausarten zu lassen. ,

Wien, 13. Dezember. Eine hiesige Firma erhielt aus Südafrika eine Depesche, nach welcher der Buren- General DeWetvon denEngländerngefangen genommen worden sei. (Das ist eine höchst zweifelhafte Nachricht, der kaum irgend welche Bedeutung beigemessen werden kann. D. Red.)

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Ausland.

Kopenhagen, 12. Dezember. Das Kronprinzen­paar reist, da das Befinden König Oskars große Besorgnis erregt, nach Weihnachten nach Stockholm. Wie Privatnachrichten melden, haben die Aerzte zwar dem König erlaubt, auszufahren, er ist jedoch so schwach, daß er öfter nur mit Mühe sprechen und sich der Namen seiner nächsten Umgebung nicht erinnern kann.

London, 11. Dezember. (Unterhaus.) Der Schatz­kanzler Hicks Beach ersuchte das Haus, eine Resolution zu fassen, wodurch er ermächtigt wird, 11 Millionen Pfund Sterling anfzunehmen, entweder durch auf die Kriegsanleihe gezogene Schatzbonds oder durch Ausgabe von Schatzwechseln, um sich die Mittel zur Deckung des Nachtrags et als von 16 Millionen Pfund Sterling zu verschaffen. Das Haus erteilt die gewünschte Ermächtigung- Bei der Beratung des Berichts über die Nachtrags­forderung für das Heer verlangen Reid und Bryce, daß man den Buren statt bedingungsloser Uebergabe mildere Bedingungen anbieten solle. Brodrickj er­klärt, die Regierung wünsche ein Ende des Guerillakrieges. Wenn im Geiste dieser Proklamationen Abmachungen ge­troffen werden könnten, die den zur Uebergabe aufge­forderten Buren mehr Vertrauen einflößen, würde die Re­gierung gern die nötigen Bestimmungen treffen. Die Vor­bedingung hierfür sei, daß die Abmachungen nicht als Beweis von Schwäche ausgelegt werden und dann eine Verlängerung des Kampfes herbeiführten. Charles Dilke wünscht, die Regierung solle Schritte thun, um gewisse Aktiva der Transvaalregierung wie ihren Anteil an der niederländisch-südafrikanischen Eisenbahn und ihre Gruben­rechte dem Schatzamte zu unterstellen. Der Sch atz - kanzler erwidert, daß man einen beträchtlichen Teil der Kriegskosten aus dem Vermögen Transvaals wieder einzubringen wünsche. Ein Teil der Frage solle durch eine zur Prüfung der Konzessionen in Trans­vaal eingesetzte Kommission gründlich erwogen werden. Der Bericht über die Resolution, betr. die Kriegsanleihe, wird angenommen.

Wien, 12. Dezember. Ter Kaiser empfing den preußischen Generalmajor Grafen Hülsen-Häseler in besonderer Audienz. Der General Überreichte dem Kaiser im Auftrage des deutschen Kaisers einen JnterimS- marschallsstab.

Prag, 12. Dezember. (Landtag.) Der Oberstland­marschall beantwortete die Interpellation Schuecker betr. die Verweigerung der Erhöhung der Subventiou für das Deutsche Theater und wies darauf hin, daß der Antrag auf Erhöhung der Subvention im Landesaus- schusse erst gestellt wurde, als die Ermächtigung zur An- Weisung der Nachtragskredite bereits erloschen war. Da die endgiltige Entscheidung der Kompetenz des Landtags Vorbehalten blieb, ist er überzeugt, das HauS werde die Erhöhung bei der budgetären Verhandlung bewilligen.

Pest, 12. Dezember. Man beabsichtigt die Errichtung einer katholischen Universität in Fünfkixchen. 600 000 Gulden sind für diesen Zweck bereits aufgebracht, und da das Fünfkirchener Priesterseminar und die dortige Rechtsakademie sich leicht in eine theologische, bezw. juristische Fakultät umgestalten lassen, ist das Zustandekommen der neuen Universität ziemlich gesichert.

Petersburg, 12. Dezember. Infolge des Zeugnisses der den Kaiser behandelnden Aerzte, daß der Krank­heitsprozeß seinen Lauf beendigt und die schon länger als zwei Wochen dauernde Genesungsperiode vollkommen regelmäßig vor sich gehe, wird mit kaiserlicher Genehmigung das Erscheinen von Bulletins aufgehoben.

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Deutsches Reich.

Berlin, 12. Dezember. Der Kaiser und die Kaiserin besuchten gestern nach der Frühftücksta'el das Atelier deS Professors Karl Begas. Avends besuchte der Kaiser die Vorstellung im königl. Schauspielhaus, wo auch die Abend­tafel stattfand. Heute morgen hörte der Kaiser den Vortrag des Reichskanzlers Grafen von Bülow im Auswärtigen Amt und darauf im königl. Schloß den des Hausministers v. Wedel und des Chefs des Zivilkabinets v. Lucanus. Zur Frühstückstafel war Legationsrat Freiherr v. Griesinger ge­laden. Morgen tritt der Kaiser die Reise nach Springe an. In Hannover erwartet ihn Prinz Rupprecht von Bayern, der an den Springer Hofjagden teilnehmen wird.

Zum Bau einer dreiklassigen katholischen Schule in Niepruszewo bei Burk schenkte der Kaiser 30 000 Mk.

DenL. N. N." wird geschrieben:Schon längst hatte Graf Bülow sich gewünscht, einmal Engen Richter gesellschaftlich sich zu nähern. Am Freitag nach der Sitzung der Budgetkommission gelang es ihm, dem Führer des Freisinns vorgestellt zu werden. Ein langes Gespräch Über die auswärtige Politik knüpfte sich an und dieFreis. Ztg." erscheint, plötzlich anderer Meinung ge­worden, alSdold mit einem Artikel über Transvaal, der sich an die Redewendungen des Kanzlers sanft anschmiegt und so offiziös geartet ist, daß man fast dieKöln. Ztg." zu lesen vermeint. 0 temporal"

Die Errichtung eines Arbeitersekretariats in Berlin steht für den Beginn des neuen Jahres in Ans- sicht. Die Kosten sind auf 10 000 Mk. berechnet. Ein Drittel der Kosten tragen die Berliner Gewerkschaften, ein Drittel die Generalkommission der Gewerkschaften Deutsch­lands in Hamburg und ein Drittel die Gewerkschaftskartelle in den verschiedenen deutschen Städten. Es sind zwei juri­stisch und volkswirtschaftlich gebildete Beamte und ein ärzt­licher Beirat anzustellen. Die Hauptthätigkeit des Arbeiter­sekretariats soll in der mündlichen Vertretung der Arbeiter vor dem Reichsversicherungsamt, daneben in Auskunftserteilung in allen Arbeiterangelegenheiten bestehen, die von dem Bureau der Berliner Gewerkschafts­kommission nicht erledigt werden können. Wahrscheinlich wird das Sekretariat mit dem Bureau der Kommission, wo schon heute zwei Angestellte der Berliner Gewerkschaften thätig sind, vereinigt werden. Auf eine dahingehende An­frage hat der Präsident des Reichsversicherungs­amtes erklärt, daß die Arbeitersekretäre zur Ver­tretung der Arbeiter zugelassen würden. Früher haben die einzelnen Senatspräsidenten öfter dagegen Ein­spruch erhoben.

Wilhelmshaven, 12. Dezember. Bei dem heutigen Fest- ko mm er s, den die Stadt Wilhelmshaven zu Ehren der Chinakämpfer veranstaltete, wurden 660 Mann be­wirtet. Das ganze Osfizierkorps und die städtischen Be­hörden waren erschienen. Admiral Thomsen feierte die Kämpfer von Taku, Peking und Tientsin in begeisterter Rede. Die Marine sei durch die Thaten der Chinakämpfer

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Die Buren.

Wir erhielten heute vormittag folgendes Telegramm:

Lvndou, 13. Dezember. Den gestern abend im hiesigen llrlegsamt etugetroffeneu Meldungen zufolge ist es dem Buren- Seueral De Wet gelungen, den Kalodonfluß zrr überschreiten und zwar 2025 Meilen nördlich von Smith­field Zm Kriegsmiuisterium glaubt mau, daß De Wet sich m vollständiger Sicherheit befindet-

Das ist endlich wieder einmal eine Nachricht, die unsere zahlreichen Burenfreunde herzlich erfreuen wird. Die Hetzjagd, die die Engländer wieder einmal gegen den in unserer heutigen Zeit säst mythisch erscheinenden Helden Äc Wet veranstaltet haben, ist wieder einmal vergebliche gewesen.

Christian De Wet hat den englischen Truppen größeren Schaden zugefügt und mehr Gefangene abgenommen als irgend ein anderer Burengeneral. So oft die Friedens- stemide dem Präsidenten Krüger auspaßten und ihn gegen den Krieg zu beeinflussen suchten, war De Wet immer bei der Hand und zeigte sich als unversöhnlichen, entschlossenen Gegner jeder Versöhnung. Im Saal der Mlzugsbehörde und im Haus des Präsidenten stand le Wet immer Wache, unterstützte den Präsidenten in feiner Hartnäckigkeit, berief sich auf Reitz's Patriotismus und bekämpfte die Bemühungen der Friedenspartei. In jenen' Zeit war er ebenso rastlos in seiner Befürwortung bcs Krieges wie jetzt in der Bekriegung der Engländer, le Wet ist ein idealer Burenführer; auf einem Gehöfte jur Welt gekommen und auferzogen, ist er mit den un- oej) euren Entfernungen des Veldt vertraut und versteht ocsse-n Zeichen ebenso genau wie ein Europäer ein mili- türisches Handbuch. Es ist gerade diese unvergleichliche Fersimliche Kenntnis des Geländes, die De Wet den Vor­teil über seine Gegner verschafft hat. Er hat auf seiner -eigenen Farm gekämpft und auf der seines Bruders; so Äst rr sich in einen Kampf einließ, hatte er den Mann uben sich, auf dessen Grund und Boden der Kampf Dltfinden sollte. Für - den Zweck seiner Kriegführung taucht De Wet keine großen Bataillone; er liebt es nicht, Mhv- als 500 Mann unter sich zu haben; aber das sind «userlesene, auf dem Lande aufgewachsene Männer, ge­korene Jäger, die alle Eigenschaften ihres Führers, nur m geringerem Grade besitzen. Mit Ausnahme eines deutsch- amerikanischen Artilleristen, der ihn nach Sannas Post uni) Dewetsdorp begleitete, und der ihn auf dem Rückzug von Heilbronn einen Feigling schalt, weil er einen Teil der Munition zurückließ, um nicht seinen Rückzug zu erschweren, fjnt De Wet nie ausländische Miet - Soldaten zum Anschluß an seine Truppe eingeladen. De Wet spricht mirTaal" und haßt alles, was feinen Verkehr mit seinen Nannschaften erschwert. Er ist rin Mann mittlerer Größe, im den besten Jahren, und weder in seiner Haltung noch im seiner Erscheinung auffällig. Er hat einen struppigen, Kitzen Bart und einen dichten Schnurrbart. Er Pflegte einen schäbigen, schwarzen Rock und ein Paar gestreifte Beinkleider zu tragen. Nichts in feinem Aeußeren verriet bnn Führer, der Monate hindurch den geschicktesten Gene- rolcu und den Kerntruppen Englands die Spitze geboten kitte. Aber sein Gesicht trägt das Gepräge unbesieg- fancT Entschlossenheit; der Mund, an den Winkeln etwas hiadhüngend, hat zusammengekniffene Lippen, und die kwstige, breite Kinnlade ist;uTiter dem rauhen Bart ver­borgen. Die hohe, eckige Stirn ragt steil über den buschigen Nauen, unter denen ruhelose, scharfe Augen in die Weite Folien. In diesem Gesicht ist selten ein Lächeln bemerk- 6or, dagegen jenes Aufleuchten, das auf zielbewußtes Han­deln schließen läßt. Jetzt, da De Wet eine der schwie- civst-en seiner Aufgaben gelöst hat, wird es ihm nicht schwer feilen, mehrere andere Abteilungen von 500 Mann an 114) ZU ziehen. Ist kein Kommando verfügbar, so kann er fit den Tag auf die meisten Farmer zählen, die den Eng- tinbern den Treueid geleistet haben.

«Eine britische Feldwache, bestehend aus be­rittener Infanterie, wurde am 8. d. M. in der Nähe von Barberton bei nebligem Wetter angegriffen. Drei Mann tourben getötet, fünf verwundet. Dreizehn Mann üerb en vermißt.

* * *

T>l-^ramwe des Mi-tzener Anzeigers.

Hamburg, 13. Dezember. Auf Anregung des Hilfs- Schusses für die Buren fand gestern abend eine impo - kante Kundgebung für Transvaal statt. Die ctind- 2000 Köpfe starke Versammlung sandte ein Tele- Wirnm an den Reichskanzler, in welchem dem Pro­test der Versammlung gegen die bisherige Behandlung i»er Wuren-Frage seitens der Reichsregierung Ausdruck gc- Ecbetr wurde. Ferner ging eine Begrüßungsdepesche an viiiMr ab.

London, 13 Dezember. De Wet befindet sich äugen- UM ich in Helvetia und scheint sich nach Reddersburg. nicht : wie man annahm, nach Dewetsdorp begeben zu wollen.

Mk. 293 Zweites Blatt

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