Dte Staatslotterie hat günstige Resultate über aller Erwarten. Die Einnahmen find auf 719000 Mk. geschätzt.
Ueberschüsse aus direkten Steuern rund 12 Millionen Mk. lieber Einkommensteuer stehe unten. Der Ertrag von Stempeln wird aus 2 720000 Mk. geschätzt, d. h. 1240000 Mk. mehr als in 1897/1900. Hundesteuer: 350000 (mehr 120000 Mk.)
Ausgaben: Für SteuerkommtssartatS - Gehilfen 24000 Mk. (Jedes Steuerkommtssariat 1 Schilfe zur Ausführung der technischen Bureauarbetten und zur Beaufsichtigung der übrigen Gehilfen. Einführung einer Fachprüfung für sie) Befreit von der bisherigen dte, dte Befähigung nachgewiesen haben, die meisten. — Gehalt wie Kretsamtsgehtlfen 1800—2600 Mk Aufrücken dreijährlich. Die übrigen Gehilfen gleich Schreibgehtlfen 1800 Mk.
Untver sität: ihre Einnahmen ca. 286000, Kosten ca. 1119000, Zuschuß an sie 832450 (über 70000 Mk. mehr wie 1897/1900).
Technische Hochschule: Zuschuß 255900 (6500 Mk. weniger wie bisher).
Volksschulen: 1930000 Mk. in Ausgaben eingestellt, darunter vorsorglich 691000 Mk. DtenstalterSzulagen mehr als bisher.
Irrenanstalt: Hoshetm Zuschuß 265000 Mk., Heppenheim 165320 Mk.
Landwirtschaft wie bisher.
Justiz keine wesentlichen Aenderungen. Neu vorgesehen 6 Stellen für Amtsrichter, 2 Stellen für Staatsanwälte.
Die eigentliche Staatsschuld beträgt 313049959 Mk., für Nebenbahnen kommen hinzu wohl demnächst 9 Millionen. — Ueberweisungen der Reichs- und Matrtkularbeiträge werden sich ausgleichen.
D-.r Ftnanzminister weist auf den erfreulichen Aufschwung fast aller Einnahmen hin. Die neue Einkommensteuer habe mit einem alle Erwartungen übersteigenden Betrage (9 950000 Mk.) eingestellt werden können. Wenn auch die Vermögenssteuer dieses Ergebnis liefern werde, so würden diese Steuern fast den gleichen Ertrag haben, der in 97/00 als Erträgnis der alten Einkommensteuer und sämtlicher anderen Steuern habe angesehen werden können. (Bravo.) Trotz aller Sparsamkeit bei den Ausgaben seien diese aber so angewachsen, daß dte Summe der zu veranschlagenden Einnahmen um 1979114 Mk. hinter den Ausgaben zurückbleibe. Aber die dringlichsten Ausgaben seien alle schon vor gesehen und dte kommende Zett werde Erleichterungen bringen. In dieser Erwartung habemanvon einer Struererhöhung zunächst abgesehen. Deckung suche man aus Ucberschüssen vorderer Perioden. — Was Bauten und dgl. anlangt, sind für die Gießener Universitäts-Bibliothek 43 000 Mk vorgesehen, 383300 Mk. für Kliniken,Z en tr al wasch an st alt, Veterinärmedizinisches Institut, ein Betrag für die Irrenanstalt Güßen, 50 000 Mk. für die Zellenstrafanstalt Butzbach rc. Zur Deckung der Kosten der vielen vorgesehenen Bauten und Einrichtungen muß demnächst eine Anleihe ausgenommen werden. Die Negierung wünsche dm Zinsfuß nach Lage des Geldmarktes selbst zu bestimmen. (Beifall.)
Staatsmtntster Rothe beantwotet dte Interpellation der Abgg. Schill und Diehl, die Fortbildungsschule betr. unter Verlesung des Wortlauts der über die Verlegung des Unterrichts ausgegebenen Erlasse. Hieraus ergibt sich, daß dte Vorabendfiunden bis 7 Uhr zu wählen seien, falls es nicht nach den örtlichen Verhältnissen angehe, die Stunden am Nachmittag abzuhalten. Eine Ausdehnung über 7 Uhr abends hinaus soll nur ausnahmsweise mit Zustimmung der obersten Schulbehörde geschehe, wenn dte Mehrzahl der Schüler in auswärtigen Fabriken oder überhaupt außerhalb beschäftigt ist und eine längere Wegstrecke zurückzulegen hat. Es kann auch viermal wöchentlich dte Zeit von 6—7 Uhr ab gewählt werden. Rücksichten auf die Bedeutung des Unterrichts rc. hätten diese Anordnung veranlaßt, die auf gründlicher Prüfung und Erfahrungen basiere. Die Regierung sei nicht in der Lage, sie aufzuheben.
Bei der folgenden Besprechung schlägt
Abg. Schill die Stunden von 6-8Uhr vor; dies werbe wohl wieder Beruhigung bringen. Anderensalls möge man die Sonntagsschule einführen.
Ministerialrat Dr. Eisen Hut gfrBt ausführliche Darlegungen über diese Angelegenheit, und klärt zunächst einige irrige Auffassungen auf. Die Negierung habe sich durchaus nicht durch Rücksichten aus Wünsche und Interessen der Lehrer letten lassen, wenn sie auch gewiß derartigen Wünschen die Berechtigung voll zuerkennen mürbe./ Maß« gebend seien einzig gewesen Rücksichten auf Ziele und Zwecke deS Unterrichts, Rücksichten auf das geistige, leidliche und sittliche Wohl der anvertrauten Jugend. Die Regierung habe nicht — wie vielfach irrtümlich geglaubt — den Unterricht für die Stunden von 5 biS 7 Uhr allgemein festgelegt, sondern pur gesagt, daß, sofern nicht am Nachmittag der Unterricht statlfinde, er um 7 Uhr beendet sein müsse. Die Regierung sei sich aller Folgen der Maßregel wohl bewußt gewesen, sie habe aber den Schritt gethan, weil sie von seiner Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit nach jahrelanger Prüfung und Erfahrung fest und absolut übrrzeugt gewesen sei. Darin habe sie sich allerdings geirrt, daß sie gehofft, ihre Gegner würden diese Frage wenigstens einigermaßen unter dem G-sichrspunkte des Unterrichts, der Erziehung und der Gesundheitspflege betrachten. Darin sei sie gründlich getäuscht worden; diese Thatsache sei für den Stand oeS Verständn'sses und Interesses für Fragen d-s Unterrichts und der Erziehung beschämend. Man habe freilich vom Gesichtspunkte der Erziehung aus gesagt, dte Fortbildungsschule thue an sich nichts, sie hat wenigstens noch den Nutzen, vom Besuch der Wirtshäuser und Spinnstuben abzuhallen, sitzt fällt auch dieser letzte Nutzen weg. Dieser an fich erstrebenswerte Zweck sei durch die seitherige Einrichtung deS Unterrichts gewiß nicht erreicht worden, denn wenn, wie meist, zwei Abende dem Unterrichte dienten, so blieben die fünf anderen übrig. Doch darin suche die Fortbildungsschule ihren Nutzen nicht. Diese Beurteilung sei einseitig und unrichtig, ohne Objektivität. Man habe eben den pädagogischen Mangel der Maßregel nicht Nachweisen können. Dte Maßregel bestehe auch jede Probe. — Redner weist die Absichten der Regierung nach und trägt das dieser zu Grunde liegende Material zusammen, um diesen Nachweis zu führen. D»e späte Abendstunde sei die allerungeeignetste, und gerade die Leute, die jetzt so sehr sich erregten, hätten schon längst die Unhaltbarkeit des bisherigen Zustandes, der mit Einführung des obligatorischen, auf keine Erfahrungen gestützten Fortbildungsunterrichts ins Leben gerufen worden sei, erkannt, besonders die Landwirte. Dte Negierung wolle dem Unter- Mt euren besseren Erfolg sichern als bisher eä möglich gewesen sei. £le Maßregel werde sicher einen wesentlichen Fortschritt bedeuten in Bezug auf das sittliche Vorwärtsschreitcn der Jugend. Auch den Anforderungen der Hygiene sei Rechnung zu tragen. Es sei doch ein un- nnret bofi sich junge Leute dieses Alters noch abends nach 10 Uhr auf der Straße Herumtreiben müßten. Der eingeschlagene Weg sei gegeben. Im Kreise Bingen sei die Einrichtung ganz, im Kreise Mainz fast ganz durchgeführt. Die recht großen anfänglichen Schwieriq- leiten feien zu überwinden. In Baden kenne man seit 20 Jahren nur den Tagesunterncht, die Stunden von 5 bis 7 Uhr seien dort nur aus- nahmsweffe in Gebrauch. Dort unterrichte man das ganze Jahr — allerdings nur 2 Jahre — auch für Mädchen sei ein Jahr lang der Unterricht obligatorisch. Was man in Baden erreicht habe, die Zufriedenheit aller Beteiligten, sei auch in Hessen zu erreichen. — Die Be- hauptung, daß die Fortbildungsschule nichts leiste, weise er zurück; zu Gute käme der Unterricht wesentlich dem breiten Mittelschlage, an einigen ungewöhnlich gering Begabten sei allerdings Hopfen und Malz verlohn 7" werde bte Regierung sein, mit Zwang ihre Maßregel
durchg-sührt zu seben, sie wünsche ihr auch Verständnis entgegengebracht zu sehui, und hoffe, daß die Ueberzeugung von der Gerechtigkeit und Zweckmäßigkeit der Anordnung in immer wettere Kreise dringen werde. (Bravo.)
Zu der Sache sprechen noch die Abgg. Wolf, Leun, Backes Graf Oriola, Brauer, Weidner, Köhler -Darmstadt Vollständig einverstanden mit der Regierung sind die Abgg. Backes und Köhler-Darmstadt.
Abg. Wolf, der die Absichten der Negierung hochschützt, möchte, daß die örtlichen Schulvorstände die Unterrichtszeit festzusetzen haben, i
daß die Frage der Sonntagsschulen in Erwägung gezogen, und die Pflege des Volkslieds (Mittel gegen den Schlaf'.) in den Lehrplan der Fortbildungsschulen ausgenommen werde.
Abg Leun ist Gegner der Sonntagsschule, die den häufigen Unfug auf den Straßen vergrößern würde, und Anhänger des fakultativen Fortbildungsunterrichts. Bon Erfolgen der Fortbildungsschule will er wenig bemerkt haben.
Abg. Backes giebt einen geschichtlichen Rückblick über die Entstehung der Volksschule und Illustrationen zur Agitation, die frühzeitig in vielen Kreisen eingesetzt habe. Er erwähnt auch zwei Notizen des .Gieß. Anzeigers" in Nr. 261 und 259. In der einen sei zu lesen, daß sich die Stimmen der Geistlichen, Geschäftsleute und Landwirte gegen die Anordnung erhoben hätten." Daß die Geistlichen, die doch aufklärend wirken sollten, zuerst auf dem Platze erschienen, könne er nicht verstehen In Nr. 259 sei ausgeführt: „Und der Abend ist freigeworden für die Spinnstube, juchhe! Die Polizei thut ihr Möglichstes für Unterdrückung, und nun wird der Besuch der Spinnstube vom Staate selbst gefordert." Warum unterdrückten nicht Eltern und Geistliche diese Ausschreitungen ? Sollte auch hierfür die Schule da sein? Für alle Schäden werde sie, schon lange als Mädchen für Alles verantwortlich gemacht.
Abg. Graf Oriola spricht sich warm für die Fortbildungsschule aus. Er glaubt, daß die Regierung gewisse Verhältnisse auf dem Lande nicht berücksichtigt habe, wo ein eigentliches Lehrverhältnis nicht bestehe und der Sohn vielleicht der einzige Gehilfe des Vaters sei, der ihn zur Futterzeit (5—7 Uhr) nicht entbehren könne. Von Ueberbürdung und Ermüdung des Abends könne man in unserer heutigen Zeit, wo durch Maschinen die Handarbeit immer mehr verdrängt werde, nicht sprechen. Wenn dieses wirklich praktische Bedürfnis in der Landwirtschaft vorhanden sei, solle man ihm entgegenkommen. Dann werde sich das Verständnis und die Anhänglichkeit an die Volksschule weiter entwickeln.
Abg. Weidner achtet und billigt dte Maßnahmen der Regierung. Doch glaubt auch er, daß sie von mancherlei Verhältnissen nicht so genau unterrichtet sei. Man solle da, wo Gemeinde, Schulvorstand und Schüler einig seien, die Stunden von 7—9 Uhr zulaffen. Er schließt sich im übrigen den Ausführungen des Vorredners an.
Nachdem noch Abg. Köhler-Darmstadt über den Wert der Bildung und des Fortbildungeuwerrichts lebhaft gesprochen und die Maßnahmen der Regierung begrüßt hat, giebt
Abg. Oberregierungsrat Best Aufllärungen über die Ausnahmebestimmungen der Anordnung.
Die Sitzung wird nach 1 Uhr geschlossen. Fünf Redner in dieser Sache sind noch angemeldet.
Sechste Sitzung Freitag vormittag 9 Uhr.
Ans Stadt ««- Kand.
Gieße», 14. Dezember 1900.
** Theater-Verein. Die fünfte Vorstellung findet am Freitag, den 11. Januar, statt. Znr Aufführung gelangt Gerhart Hauptmanns Komödie „Kollege Crampton" mit Otto Beck, dem Charakter Komiker des Kölner Stadttheaters als Gast.
** Oberhessischer Geschichtsverein. Zu einem ungemein interessanten Abend gestaltete sich die gestrige von Professor Gunde rmann geleitete Sitzung des Oberhessischen Geschichtsvereins. Hauptmann Cramer berichtete über die zahlreichen Geschenke, die dem Museum des Vereins gemacht worden sind, unter denen besonders wertvolle, bei den Arbeiten auf dem neuen Friedhof gemachte Funde hervorzuheben sind. Die Eröffnung des Museums kann leider auf absehbare Zeit nicht in Aussicht genommen werden, da deni inneren Ausbau des Rathauses sich die größten Schwierigkeiten e n t g e g e n st e l l e n. Das Balkenwerk ist so morsch, daß am Mittwoch morgen ein Teil der Decke d u r ch b r a ch und nur durch rechtzeitiges Stützen die Schätze des Museums vor völliger Vernichtung geschützt werden konnten. Da eine anderweite Unterbringung nicht möglich gewesen ist, sind sie jetzt in einem Hinterzimmer aufgestapelt, dort aber keineswegs vor einer Vernichtung sicher. — Sodann hielt Professor Dr. Sauer seinen angekündigten Vortrag über „Hessische Fachwerk - b aut en, ihre Erhaltung und Wiederherstellung", über den wir noch eingehend berichten werden. - Im Verlaufe der Diskussion sprachen sich, Stadtbaurat Schm a n d t und Landgerichtsrat Dr. Schäfer über die Wiederherstellung des alten Schlosses am Heidenturm aus. Danach wurde das Schloß vor einigen Jahren aus fiskalischem Eigentum an die Stadt mit einer für die Restaurierung bestimmten Summe von 10 000 Mark überwiesen. Die Stadtverordneten bewilligten dazu weitere 30 000 Mark. Stadtbaurat Schmandt hat schon vor bald zwei Jahren die Entwürfe fertiggestellt, andere dringende Arbeiten haben aber die weitere Ausführung gehindert Da auch Seine Königliche Hoheit der Großherzog, das Hofmarschallamt und andere Faktoren mitgewirkt haben, sind die Pläne ein Jahr lang garuicht in Gießen gewesen. Jetzt ist die Weiterbearbeitung dem Architekten H o f m a n von Herborn übertragen, der bereits einen Bauführer ständig hier etabliert hat, sodaß unter allen Umständen im Frühjahr mit den Bauarbeiten begonnen werden wird. Leider ist der ursprüngliche Plan, in dem nach dem botanischen Garten zu gelegenen Teil des Schlosses etwa 18 Zimmer für den Großherzog ein- zurichten und den übrigen Teil dem GesckMstsverein zur Verfügung zu stellen, an der Höhe der Kosten gescheitert. Jetzt ist nur eine einfache Wiederherstellung des mittleren Stockes vorgesehen, in dem dann das Museum unter gebracht werden soll, während der -Oberstock in seinem jetzigen Zustand bleiben muß bis zur Aufbringung weiterer Mittel. — Professor Gundermann machte dann noch die Mitteilung, daß deinnächst Geh. Oberschulrat S o l d a n hier sprechen werde über seine neuesten Ausgrabungen in der Nähe von Ehrenbreit- st e i n, wo er eine ganze Stadt aus prähistorischer Zeit am Limes auf gefunden habe. Auch bei Butzbach hätten unter seiner Leitung interessante Ausgrabungen stattgefunden. Man darf diesem Vortrag mit Spannung entgegensehen.
Landwirtschaftlich er Verein für die Provinz Ob er Hessen. In der gestrigen Ausschuß- sitzung, an der als 'Regierungsvertreter Oberregierungsrat Nover von Darmstadt teilnahm, kam es zu längeren lebhaften Debatten über eine Zuschrift des Ministeriums des Innern, wonach der Verein in Zukunft bis Ende Marz des dem Etatsjahr vorausgehenden Kalenderjahres genaue Voranschläge dem Ministerium vor- z u l e g e n hat, und erst nachderen P r ü f u n g F e st - setzung und Bewilligung des Staatszuschus- ses erfolgen wird. Ein großer Teil des Ausschusses sieht dann eine Beschränkung der Bewegungsfrei- heit des Vereins. Oberregierungsrat Nover versuchte die zahlreichen Bedenken zn zerstreuen und die Notwendig
Turch Uebnnahm
Alk
Miesjähkige
-ru 16. und 17. D> Sie Kochschule AiMlduWN jgrioi».
P« N.nb fc
S"Mter
UM
Tomüatz deu
1) $oi W. Scha
Redner: Ren ’2) Freie Aussprache.
8068
3UV* mdenAand ges HemmZugflitfch Herren'Angfliffu, Ö» Ä»
uni
»Soft und
«nSWÄ?
betrete «#'"19011 - AMar Z ■ 5-A das l<H|£ bte »achW Ml wrgefeben : J jj, äergM'' M & GMbergttßM
«•ÄÄ1 folgen,
^Menden
denjenigen j nr MMWAnm« * •la6 ‘M ferne nicht inmhck bl Der EudiW I M MWe» El'kml auch die, siu Die M W für M i neuerer Auskunft wall
Gieße«, ben s Großh
fett der Neuordnung darzulegen. Da die Angeleaen- noch nicht spruchreif erscheint, wird von einer Besch;? fassung abgesehen. — Bei Besprechung des Voran äh- der landwirtschaftlichen Haushaltungsschule zu i t f heim wurde ausführlich über die erfreuliche Entwi/ lung der Anstalt berichtet. — Ferner wurde beschlosh dem Zuchtverein Herchenhain nur die von ihm A forderten Rückfrachtkosten für Viehtransport zur Dai! städter Ausstellung zu bewilligen, im übrigen aber sei» Forderungen als unbegründet abzulehnen. Bei dies« Gelegenheit führte der Regierungsvertreter die (SJriiM an, aus denen die Regierung zur Bewilligung ein- Staatsbeitrags für die genannte Ausstellung außer ftQni gewesen sei. — Bezüglich der Abhaltung der L a n d w e h n Übungen in der Provinz beschloß der Ausschuß ein' stimmig, der Militärverwaltung die Zeit von Mitte’ bruar bis Ende März als die für die Landwirte mit Rücksicht auf die militärischen Verhältnisse geeignetste j>, Vorschlag zu bringen. — Der Zuchtverein Watzenborn Steinberg wurde als Organ des Provinzialvereir- anerkannt. — An Stelle des verstorbenen Grafen Solnü Laubach wurde sein seitheriger Stellvertreter $rQ; Oriola zum Vertreter im deutschen Landwirtschaft^: und Kreisrat Dr. Wal lau zü seinem Stellvertreter qr.- wählt, die Vertretung des Vereins im Bezirks-Eisenbahnrat von Oekonomierat Schiente und Oekonomienu Lei thiger übernommen. - Nach längerer Disken entschied sich der Ausschuß für Beteiligung an bet kommenden Jahre in Halle a. S. stattfindenden vvm deutschen Landwirtschaftsverein veranstalteten Ausstellung — Zum Referenten für den Ausschuß für das Feldbereinig ungswesen wurde Kreisamtmann Sandmann- Frick», berg gewählt. — Eine Kommission hat ein ausführlich^ Gutachten ausgearbeitet, das zur Neuordnung des hchi- schen Feldstrafgesetzes dienen soll. Das Gutachten wurde gutgeheißen. Auch wurde nach längerer Debatte beschlossen, für eine Reorganisation des keineswegs den Anforderungen entsprechenden Feldschutzwesens' einzutreten. (Ausführlicher Bericht folgt nach.)
*• Deutscher Verein Gieße». Am Sonntag findet, so schreibt man uns, im Gasthaus „Zum Löwen" hier eine öffentliche Versammlung statt, in der der Reichstagsabg. Dr. Vogel über: SozialeZeit- und Streitfragen bezw. Dreysus, Könitz, Sternberg sprechen wird.
Bad Nauheim, 13. Dezember. Das neueste Regierung« blatt veröffentlicht eine Verordnung, die Kurverwaltung zu Bad-Nauheim betreffend und eine Bekanntmachung, die amtliche Benennung der Verwaltung des staatlichen Wasser« Werks zu Bad Nauheim betreffend. Danach wird:
Dte seit dem 1. April 1889 geltende Organisation der Bode- direktton aufgehoben. Dir Kurverwaltung wird durch zwei W-- ständige gleichstehende Behörden gebildet: die Badedtrektion und bm Kurdirektor. Der Badedtrektion ist der gesamte Betrieb btt Bade- virwaltung im engeren Sinn unterstellt. Der Vorstand der Bade- direktion, der regelmäßig zugletch der erste Beamte der Saline ist, hat die Aufsicht über dte Badehäuser und dte Kurbrunnen, sowie über alle technischen Arbeiten im Bereiche der Kurverwaltung, insoweit sie nicht anderen Beamten unter selbständiger Verantwortung übertragen sind, wahrzunehmen. In gleichem Umfang ist ihm dai Personal unterstellt. Zu den technischen Arbeiten im Bereiche der Kurverwaltung, welche anderen Beamten unter selbständiger Deranb wortung übertragen sind, sind namentlich zu rechnen: 1) das gesamte Jnstallationsweten, insbesondere in allen Badehäusern, Sprudeln und sonstigen Quillen, dte KanalisationSangelegenhetten, sowie die Wasserlettungsanlagen, unter Einschluß der erforderlichen Projektierungsarbeiten. 2) dte gesamten Hochbauten und die Unterhaltungs- arbetten an den Hochbauten. Dte unter 1) bezeichneten Arbeiten unterstehen ausschließlich der Leitung des Vorstands des TtrfbauamtS Bad-Nauheim, die unter 2) bezeichneten Arbeiten dem Vorstand deS HochbauamtS Friedberg. Der Kurdirektor, welcher mit erweitert« Befugnissen an die Stelle deS seitherigen Badekommissärs tritt, hat den gesamten Betrieb des Kurhauses, sowie aller übrigen der Kur Verwaltung unterstehenden Wirtschastsbetriebe zu । eaussichtigen. Sr hat innerhalb seines GeschäftskreiseS die Interessen der Kurstewdm wahrzunlhmen und für Veranstaltung von geselligen Zufammm- künften und sonstigen Vergnügungen derselben Sorge zu tragen. Kurkapelle und Kurtheater unterstehen seiner alleinigen AufM. ist für Aufrechterhaltung von guter Sitte und Ordnung, unter dm Kurfremden im Kurhaus und den Kuranlagen verantwortlich. Dir Herausgabe der Kurltste und die Versendung der von brr Kurverwaltung ausgestellten Prospekte deS Bades liegt ihm gleichsallS ob. In allen Angelegenheiten, welche den GeschästLkretS der Badedtrektion und des Kurdirektors gemeinsam berühren oder der Kurverwaltung als solcher von dem Ministerium der Finanzen auSdrücklich über- wiesen werden, haben die beiden bezeichneten Behörden als »Großh. Kurverwaltung" zusammenzuwirken. Der Kurverwaltung wird ein KurverwaltungSauSschuß als Betrat zur Seite gestellt. An dm -regelmäßigen Sitzungen, welche der Vorsitzende nach Bedarf beruft, nehmen nur dte ordentlichen Mitglieder Teil. Ordmlliche Mitglieder des KurverwaltungsauSschusses sind: 1. der Vorstand der Badedtrektion, Vorsitzender, 2. der Kurdirektor, Stellvertreter des Vorsitzenden, 3. der Vorstand deS Ttesbauamts Bad- Nauheim, 4. der Vorstand des Hochbauamts Friedberg, 5. der technische Assistent der Badedirektion. Außerdem können durch daS Ministerium der Finanzen geeignete Personen, insbesondere Nauheimer Aerzte, auf die Dauer von drei Jahrm zu außerordmtllch« Mitgliedern des Kurverwaltungsausschusses ernannt roerben. Die außerordentlichen Mitglieder sind mindesten« zweimal jährlich zur Beratung wichtigerer Angelegenheiten des Bades zuzuztehen und sind befugt, Beratungsgegenstände nach Maßgabe der GtschästSordmw- in Vorschlag zu bringen. Im Einzelnen werden die Obliegenheit» der Kurverwaltung, deS Kurverwaltungsausschusses, sowie der v» der Kurverwaltung beteiligten Beamten, insbesondere der ordentlich» Mitglieder des Kurverwaltungsausschusses durch DienstanweismiS näher bestimmt. Die Dienstanweisung wird mit Genehmigung bte Ministeriums der Finanzen von der der Kurverwaltung vorgesetzten Behörde erlassen. In gleicher Weise liegt der letzteren auch dte Aufstellung der Geschäftsordnung für den Kurverwaltungsausschuß ob. Streitigkeiten über Fragm der Zuständigkeit werden zunächst von der der Kurverwaltung vorgesetzten Behörde und im Falle der Be- schwe'de von dem Ministerium der Finanzen endgiltig entschied«. Die Obliegenheiten der der Kurverwaltung vorgesetzten Behörde sino der Mtntsterialabteilung für Forst- und Kameralverwaltung übertragen. Diese Verordnung tritt sofort in Kraft. — Dte mit der Verwaltung des staatlichen Wasserwerks betraute Dienststelle erhält die amtliche Bezeichnung „Tiefbauamt".
„i" Krofdorf, 13. Dezember. Seit Montag weckt der Geh. Regierung«- und Schulrat Andersen aus Coblenz hier, um in Gemeinschaft mit dem neuen KreiSschulinspektor, Pfarrer Geibel aus Dutenhofen hier und in der Umgegend mehrere Schulen zu besichtigen.
w- Nodheim v. d. H., 12. Dezember. Jüngst wurde gemeldet, daß ein Sohn des hiesigen Bürgermeisters spurlos verschwunden sei. Jetzt kann mitgetcil werden, daß derselbe wieder zurückgekehrt ist.


