Schutzzoll und Freihandel in allen Ländern hervor. Die Besserung in der Lage der deutschen Industrie, die 1879 bemerkbar wurde, ist nicht durch den Wechsel der Hcmdels- politik zu erklären, da in dem freihändlerischen England, wie auch in dem schutzzöllnerischen Amerika eine ähnliche günstige Wendung schon vor dem Erlaß der deutschen Tarifgesetze v. 15. Juli 1879 eingetreten war. In den achtziger Jahren finden wir wiederum in allen Ländern, welches auch> die Richtung in der Handelspolitik sein mochte, eine rückgängige Bewegung der Volkswirtschaft, auf die in den Jahren 1888 und 1889 ein ebenso allgemein verbreiteter Aufschwung und dann wieder ein allgemeiner Rückschlag folgte. Eine neue Besserung trat 1896 ein, die am Ausgange des Jahrhunderts die Industrie, namentlich auch'die deutsche, in eine ungewöhnlich glänzende Lage versetzte. Es ist einleuchtend, daß die Solidarität des Wirtschaftslebens der Kulturwelt eine notwendige Folge der modernen Entwickelung des Verkehrswesens bildet und mit den weiteren Fortschritten des letzteren einen noch höheren Grad erreichen wird."
Wenn einzelne Blätter diese Darlegungen zu Gunsten einer Aenderung in der gegenwärtigen Handelspolitik aus- zunutzen versuchen, so thun sie daran nicht besonders klug. Sie beweisen tm Grunde genommen für unser gegenwärtiges Handelsvertragssystem.
lieber die Veränderungen in den Sekretär- stellen der Po st- und Telegraph en Verwaltung, wie sie in dem Erlasse des Staatssekretärs v. Pod- bielski vom 1. Januar dieses Jahres angeordnet worden sind, berichtet die „Deutsche Verkehrsztg.":
Nachdem die Ober-Postdirektionen festgestellt haben, wo und wie viele Sekretär stellen im technischen Di e n st e notwendig sind, ist mit der Einrichtung der neuen Sekretärstellen begonnen worden. In erster Linie kommen für die neu geschaffene Sekretärstellung die vorhandenen! Post-und Telegraphen-Sekretäre- in Betracht, weiter können hierfür auch Poschraktikanten und solche Assistenten bestimmt werden, die die Sekretärprüfung bestanden haben. Versetzungen etatsmäßig angestellter Beamten werden aus Anlaß der Neuordnung im allgemeinen nicht vorgenommen. Die Neuregelung bedingt eine anderweitige Verteilungder Sekretärstellen. Diese läßt sich natürlich erst nach und nach durchführen, zunächst ist durch die Neuordnung in dem Bestände der den Ober-Postdirektionen zugewiesenen etatsmäßigen Sekretärstellen nichts geändert. Soweit Postpraktikanten oder Assistenten mit der Wahrnehmung von Sekretärgeschäften beauftragt werden, ist deren Diensteinkommen, bis Sekretärstellen zur Verfügung stehen, in der bisherigen Weise in Hilfsarbeiter- oder Assistentenstellen au verrechnen. Zur Einrichtung neuer Sekretärstellen ist die Genehmigung des Reichspostamts erforderlich,
Das 60jährige Stiftungsfest des Korps Starkenburgia zu Gießen.
Fortsetzung.
Am Mittwoch den 8. l. M. begannen die Festlichkeiten mit einem gemütlichen Frühschoppen sämtlicher männlichen Festteilnehmer auf dem Korpshaus. Derselbe konnte leider wegen änhaltenden Regens nicht, wie vorgesehen, im Freien stattfinden, vielmehr mußte man sich iw die einzünen Räume des Korpshauses verteilen. Um halb zwei Uhr hellte sich der Himmel auf, sodaß doch programmmäßig nach Beendigung des Frühschoppens eine photographische Aufnahme aller Festgenossen mit dem Korpshaus als Hintergrund durchs Hierin Uhl hier erfolgen konnte.
Nach Aufnahme des Bildes wurde im Zug, mit der ganAen Kapelle der 83 er voran, durch die Hauptstraßen der Stadt zum Festlokal in Steins Garten marschiert.
Hier fand etwa um zwei Uhr ein von Frau Stein köstlich zubereitetes Frühstück statt. Dasselbe wurde begleitet von einem Konzert der Musikkapelle mit ausgewähltem Programm, welches mit der Fe sto u v e r t ür e von D o sch begann, die sehr gut ausgesührt und mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde.
Während des Frühstücks gedachte das frühere Korpsmitglied, Herr Divisionspfarrer Büttel (Schleswig) der dahingeschiedenen Korpsbrüder, deren Bilder, zu einem sog. Totenwappen vereint, an entsprechender Stelle des Saales angebracht waren, mit folgenden erhebenden Worten: Hochgeehrte Herren und Damen!
Liebe Korps- und Kartellbrüder!
Wenn wir die Geschichte unseres Korps Starkenburgia lesen, wie solche von Korpsbrüdern durch den Druck verewigt ist, so finden w»r die Namen Vieler, die sich einen Namen gemacht in Staat und Gemeinde, in Kirche und Schule, nachdem sie teils auf der alma Ludoviciana für den Lebensberuf sich vorgebildet, und dte heute noch wirken in unserem lieben deutschen Vaterland, ja weit über seine Grenzen, diesseits wie jenseits des Meeres. Wir wißen aber auch, ohne daß wir die Geschichte des Korps lesen, daß viele, die einstmals unsere Farben rot-weitz-gold getragen, geliebt und geehrt haben, nicht mehr unter den Lebenden auf unseres Gottes Erde weilen. Ein jedes Jahr seit des Korps Stiftung hat liebe KorpS- 5JJ*1 uuS durch den Tod entrissen. Ihrer heute, am sechzigsten StistungStage, in dankbarer Wehmut zu gedenken, ist edle und deilige, wenngleich schmerzliche Pflicht. Unsere in Gott ruhenden Toten haben im Leben in Ehren unsere Farben getragen, den Schild ^aok und ohne Makel, die Mafien scharf gehalten, wie es einem Z attenburger eignet und gebühret. Ihre mit Trauerflor geschmückten ix&eU fL ”uf uns an dieser Stätte, und wir «fr?I1?; b<l£ uns im Leben so manchmal Vorbild war und ward, dankbar gedenkend, rote die Heimgegangenen uns fLnhtnb' «nb mJta^üenbei und schützender Hand zur
Sette standen. Wir fass« alles, was unsere Herzen bewegt, zusammen in die Worte: .Dem Auge fern, dem Herzen ewig r.abV, u»d w-iben ihrem Angedenken in Liebe und Webmut ein still?8 Glas!
ES wurde dann em von Herrn Pfarrer Heinemann (Roßdorf), ebenfalls früher Mitglied des Ko?ps, zum Fest g-d chtetes Sieb, welches unte? sämtlich- MeUnchmer verteilt wurde, gelungen, zu welchem der Verfasser selbst noch einen weiteren nicht gedruckten Vers mit wohlklinaen- der Tenorstimme unter großem Beifall der Festteilnehmer
Das Festnrahl, welchem durch die Anwesenheit der Damen eine höhere Weihe gegeben wurde, wurde dann noch durch mehrere Liedervorttäge des früheren Korpsmitgliedes sowie auch Korpsburschen der Guestphalia zu 5^na, Georg Sieglitz, Basfisten an der Königlichen Hofoper zu München, gewürzt. Derselbe trug mit seiner vollen Baßstimme verschiedene Lieder, teils ernsten, teils heiteren Inhalts vor, welche mit nicht endenwollendem stürmischen
Beifall ausgenommen wurden und welche sehr wesentlich die Feststimmung erhöhten. Es toastierten während des Mahles noch in kernigen Worten Herr Geh. Schulrat D o s ch auf das Festkomitee und Herr Kreisrat W a l l a u (Lauterbach), früher Starkenburger und Leipziger Sachse, auf die Damen, worauf die Frau des Alten Herrn Forstmeisters Strack von Oberroßbach in Versen folgenden Dank aussprach:
Frisch auf, es sei gewagt, — ich bitt' umS Wort allhier, Bin ja Seniorin In der Damen Kreise, Korps-Schwestern alle, herzlich danken wir
Für'n Toast des Vorredners zu uns'cem Preise.
Mit rot weiß goldnen Schleifchen all' geschmückt Sind wir erschienen zu dem Stiftungsfeste, Teil nehmen wir am Jubel hochbeglückt, Der Starkenburgia, 60jährtg, wünschen wir das Bester
Sie blühe, sie gedeihe auch im 20. Jahrhundert allezeit, Ihr sei von uns ein dreimal Hoch giwiiht!
In dieses Hoch, stimmte die Versammlung jubelnd ein, der Rednerin gleichzeitig lebhaften Beifall spendend.
Außerdem hatte von den Damen noch wesentlich! zur Verschönerung des Festes Frau Prof. Rahn aus Worms, Mutter des ersten Chargierten, durch Vortrag eines heitern Liedes beigetragen, welches, wie auch die Lieder des Herrn Sieglitz von dem ersten Chargierten stud. Rahn sehr geschickt begleitet wurden.
In der fröhlichsten Stimmung mußten sich etwa um 5 Uhr mit Rücksicht auf das bereits auf 6 Uhr angesetzte Gartenfest die Festteilnehmer trennen.
Das Gartenfest, zu welchem eine größere Anzahl Familien aus hiesiger Stadt Einladungen erhalten hatten, litt insofern etwas unter der Ungunst der Witterungsverhältnisse, als es zu kühl und naß war, als daß sich die eingeladenen Familien im Freien Höllen mederlaftcn können. Es kam deshalb das Garten-Konzert der 83 er, welche in 3 Abteilungen (1 und 3 Militärmusik, 2 Streichmusik) ein herrliches Programm vorzügliche ausführten, nur wenig zur Geltung, was umsomehr zu bedauern ist, als sich unter den ausgeführten Konzertstücken ein geradezu brillant ausgeführtes Pistonsolo des HerrnBähre (Cleo- patta, Fantasie-Polka für Pistonsolo von Hartmann) befand.
Auch die prachtvolle Beleuchtung des ganzen Gartens mit Lampions in den Farben der Starkenburgia sowie deren Kartell- und befreundeten Korps kam in Folge der kühlen Witterung nicht voll zur Geltung. Dagegen machte ein als nicht programmmäßige Ueberraschung in die Polonaise eingeschobenes brillantes Feuerwerk einen großartigen Effekt und trug solches sehr erheblich zur Erhöhung der Feststimmung bei.
Nachdem nämlich! unter den Klängen der Hälfte der Musikkapelle die Polonaise begonnen hatte, wurde die Kolonne durchs die Seitenthür des Gurtensaales in den Garten auf die Terrasse geführt, wo die andere Hälfte der Musik aufgestellt war. Als bei dieser die Spitze der Kolonne ankam, intonierte die Musik und es wurde unter Musikbegleitung das Feuerwerk abgebrannt. Zum Schluß des Feuerwerks erschien der Zirkel in den Farben des Korps und wurde, während der Zirkel shcmd, von den Festgenossen das erhebende Lied gesungen:
„Starkenburgia, Dir gehör ich, Dir weih' ich Herz und Hand, Zu Deiner Fahne schwör ich, Zur Fahne Rot-Weiß-Gold.
Starkenburgia soll beweisen, Mit Wort und mit der That, Daß stets ihr Herz und Eisen Gleich brav geschlagen bat."
Die Kolonne >der Tanzenden begab sich nun in den Saal zurück, wo die Jugend, aber auch viele Alte Herren, bis 3 Uhr morgens, zu welcher Stunde die Musik das Fest verlassen mußte, um bald darauf abzureisen, der Göttin Terpsich-ore huldigten. Die Gemütlichkeit des Tanzvergnügens wurde wesentlich dadurch erhöht, daß nur vier Tänze (zwei Walzer und zwei Quadrillen) auf der Tagesordnung standen, während die übrigen Rundtänze ohne jedes Vorausengagement getanzt wurden.
Auch während der Tanzpausen erfreute Herr Sieglitz noch durch den Vortrag einiger Lieder, was ebenfalls noch sehr erheblich zu dem glanzvollen Verlauf des Gartenfestes beitrug. .
Nach Beendigung des Tanzens blieben die Familien noch kurze Zeit zusammen; während die Sage geht, daß noch einzelne trinkbare Alte Herren und Studenten eine kleine Kneiperei veranstaltet und erst gegen 6 Uhr morgens die letzten Festteilnehmer den Stein'schen Garten verlassen hätten.
Am Donnerstag den 9. August vereinigten sich die aktiven Mitglieder des Korps mit ihrem Korpsbesuch und verschiedenen Alten Herren (die große Mehrzahl der letzteren hatte Gießen mit den Nacht- und Morgenzügen wieder verlassen) nochmals zu einem Frühschoppen im „Perkeo", welchem sich, gemeinschaftliches Mittagessen auf dem Korpshaus und Ausfahrt nach dem Schiffenberg anschloß.
,Am Freitag den 10. August l. I. trafen sich die Familien der hiesigen Alten Herren im Verein mit noch einigen auswärtigen Ehepaaren, die zurzeit bei ihren Verwandten hier Familienaufenthalt haben, nochmals bei einem Frühschoppen, um in gemeinsamer Erinnerung die Erlebnisse der drei schönen Festtage an sich, vorüberziehen zu lassen. Bei dieser Gelegenheit wurde auf den Nache- mittag ein Familienkaffee auf dem Korpshaus verabredet, der denn auch stattfand und im Anschluß daran ein kleines Tänzchen im Familienkreise.
Die große Mehrzahl der Festteilnehmer aber hatte sich am 9. abends und 10. morgens mit dem Bewußtsein getrennt, einmal wieder in der gemütlichen Universitätsstadt Gießen im alten Freundeskreise ein paar herrliche Tage verlebt zu haben und mit dem allseitigen Wunsche „auf fröhliches Wiedersehen in fünf Jahren in Heppenheim und, so Gott will, in 10 Jahren wieder in Gießen."
Mrmisthtrs.
* Um einen fortgeflogenen Hut die Notbremse gezogen. Eine seltsame Vorstellung von dem Eisenbahnwesen scheint ein junges Mädchen aus Rathenow zu haben, das mit dem Berlin-Lehrter Zug nach Berlin fuhr. Unterwegs hatte die Unschuld vom Lande öfter den Kops aus dem Wagenfenster gesteckt, und dabei wurde ihr durch den Wind ihr
schöner Federhut vom Kopfe geriffen. Resolut zog sie sofort die Notbremse, und alsbald hielt der Zug inmitten von Haideland, kurz vor Spandau. Das Zugpersonal, das herbeieilte, um den Grund zur Benutzung der Notbremse festzustellen, bemerkte dabei, daß das junge Mädchen aus dem Koupee steigen wollte; sie wurde natürlich daran ge- htndert, und der Zugführer bedeutete ihr, daß der Verlust ihres Hutes kein hinreichender Grund sei, um den Zug halten zu lassen; es wurde ihr nicht gestattet, den Zug zu verlassen, um nach dem in die Haide entführten Hut zu suchen, dagegen wurde auf der nächsten Station ihr Name behuss Bestrafung festgestellt. Unterwegs brach die Aermste in bewegliche Klagen aus und rief einmal über das andere: „Was wird blos mein Bräutigam sagen, wenn ich ohne Hut nach Berlin komme."
* Die diesjährigen Kaisermanöver. Von dem an den- diesjährigen Kaisermanövern teilnehmenden GardekorPS (verstärkt aus dem 3. Armeekorps) und 2. Armeekorps (verstärkt aus dem 17. Armeekorps) hat ersteres einschließlich der Garde-Kavalleriedivifion seine große Parade am 1. September bei Berlin, das letztere am 8. September bei Stettin. Für die Märsche zur Herbeiführung der taktischen Berührung beider Parteien ist die Zeit vom 10. bis mit 14. September in Aussicht genommen. Während der letzten drei Tage werden auch noch eineinhalbe Geschwader der Flotte- an den Manövern teilnehmen.
* Wie ein Schauspieler seine Entlassung durchsetzte, darüber erzählt Paul Lindau in einem süddeutschen Blatte eine hübsche Geschichte. Leopold Greve, der Typus des beständig,§u Ulk aufgelegten Komödianten, war im Berliner Schauspielhaus angestellt, wurde sehr wenig beschäftigt und sehnte sich fort. Er reichte wiederholt fein Entlassungsgesuch ein, es wurde immer abschlägig beschieden. Wochenlang ging Greve spazieren, ohne den Fuß auf die Bühne zu setzen. Da begegnete er eines Mittags Unter den Linden dem damaligen Generalintendanten Herrn v. Hülsen, der gerade zwei oder drei Tage vorher das so und so oft schon erneute Entlassungsgesuch wieder abgelehnt hatte. Greve trat mit schnellen Schritten auf den arglosen Generalintendanten zu, zog höflich den Hut und sagte in verbindlichstem Tone: „Ach, könnten Sie mir vielleicht sagen, wo das Königliche Schauspielhaus ist?" Hülsen gab keine Antwort. Am folgenden! Tage war Greve aus dem Verbände des Königlichen Schauspielhauses entlassen.
* Neuuniformierung. In Paris sieht man jetzt die Infanteristen mit dem neu eingeführten Waffenrock bekleidet! Derselbe ist dunkelblau, kürzer als der bisherige, mit einer Reihe Knöpfe versehen und mit rotem (statt gelbem) Kragen. Die Epauletts find geblieben, ebenso die roten Hosen. Mit dieser Neueinführung ist der große Unterschied in Wegfall gekommen, der bisher zwischen der Uniform des Soldaten und der des Offiziers bestand. Die äußere Erscheinung des Infanteristen gleicht nunmehr sehr der des Kürassiers, wenn manj vom Helm ab sieht, aber auch hinsichtlich der Kopfbedeckung scheint man — nach! russischem Vorbild — einer allgemeinen Armee-Uniform zuzustreben. Wenn man sich fragt, ob die neue Infanterie-Uniform prakttscher und kleidsamer ist als die bisherige, so mag ersteres im bescheidenen Maße Autreffen, das letztere ist Geschmackssache. — Schreiber dieses fand den gelben Kragen nichö unschön — jedenfalls sieht die Uniform jetzt ernster aus. Es mag hier zugefügt werden, daß mehrere französische Dragonerregimenter nun vollständig mit der Lanze ausgerüstet sind und dieselbe zur Revue am 14. Juli trugen, womit ihre dauernde Einführung voll ausgesprochen ist. Die gesamte Kavallerie wird nun den Waffenrock der Kürassiere (in Hellblau) erhalten, und dadurch kommt der litzenartige Dolmau in Fortfall. Me lederbesetzte lange Reithose wird (auch bei der Artillerie) durch kurze Reithosen und halbhohe Stiefel mit Sporen ersetzt. Me langen Verhandlungen haben somit zum Siege derjenigen geführt, die (wie in Rußland) eine EinheitA- Kcrvallerie wünschen. : iHj ,_j । , . ;
* Weibliche Haudwerksburschen. In der amerikanischen Kolonie in Paris langten vor wenigen Tagen zwei junge Chicagoerinnen an, die den Weg von Rom nach dem Seinebabel zu Fuß zurückgelegt haben. Die beiden Pilgerinnen heißen Annie Baker und Rose Tredway. Miß Baker behauptet, in Amerika Schullehrerin gewesen zu sein, ehe sie vor einem halben Jahre nach Italien ging, um ein Engagement als Gouvernante in einer adligen Familie in der Ewigen Stadt anzunehmen. Sie hatte nur einige Wochen in ihrem neuen Amt zugebracht, als man sie eines Tages ohne besonderen Grund entließ. Miß Tredway, die jünger und wirklich hübsch ist, gesteht ein, ihre überseeische Vaterstadt gemeinsam mit einem Künstler verlassen zu haben, der sie nach Rom mitnahm, und sie dann dort sitzen ließ. Die beiden Landsmänninnen trafen zusammen, und klagten sich gegenseitig ihr Leid. Keine verfügte über nennenswerte Mittel, und da sie der Sprache des Landes nicht mächtig; waren, wollte es ihnen nicht gelingen, irgend welche Beschäftigung zu finden. Eines Tages kam die etwas excentrische Jüngere aus den Gedanken, in männlicher Kleidung auf die Wanderschaft zu gehen. Ihre Gefährtin war damit, einverstanden und so kehrten sie, als reisende Handwerksburschen verkleidet, Rom den Rücken. Sie wanderten gen Norden, kreuzten die Alpen und erreichten Paris nach fast viermonatiger Wanderung in total heruntergekommenem Zustande. Sie haben recht unangenehme Abenteuer erlebt,, sind nicht selten in die schlechteste Gesellschaft geraten, und mußten jede Arbeit verrichten, um nicht zu verhungern. Zweimal wurden sie von der Polizei aufgegriffen. In der Seinestadt haben die weiblichen Handwerksburschen einigen Beistand bei ihren Landsleuten gefunden und nun suchen sie nach geeigneter Stellung.
* Was wird während eines Sommers aus einem Fliegenpaar? Schon oft haben Statistiker sich mit der Frage nach der Zahl der Nachkommenschaft eines Fliegenpaares in einem Sommer beschäftigt, aber stets ist die Antwort ausgeblieben. Nun hat ein Professor in Whashington namens L. £). Howard ausgerechnet, oaß die Nachkommenschiast eines Fliegenpaares in einem ein--


