Ausgabe 
14.7.1900 Erstes Blatt
 
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Sn Nr. 154 (2. Blatt) findet der Einsender diesrs zum -weiten Mal einen Aufruf an hiesige Gastwirte, der mich soeranlatzt, bcu verehrten Gastwirten GietzenS und Umgegend klar zu machen, datz fie den Splitter in dem Auge ihres Nächsten zu verspüren glauben.

Dr. Sterzing-Gotha, Bankrat Wolf-Berlin unter allge. meinemBeisall wieder gewählt. Bundesschatzmeister Brentano» Nürnberg referierte dann über Umwandlung und Aus­dehnung der bisher bestandenen Zieler-Unsall-Versicherung auf Haftpflichtversicherung, wie sich eine solche für den Bund immer mehr als ein dringliches Bedürfnis heraus- stellt. Eine Kommission in Nürnberg hat bereits die Satzungen für diese Neuerung ausgearbeitet und dieselben wurden auch nach längerer Debatte mit erheblicher Mehr­heit angenommen. Auf Antrag Dr. Sterzing-Gotha er­folgte hiernach die Wahl der Stadt Nürnberg zum Bundessitz, auch wurde der verdiente Vorsitzende Hauschild-Bremen zum Ehrenvorsitzenden des Bundes ernannt, welcher vorläufig sein bisheriges Amt weitersührt. Der Kasienbericht des Bundesschatzmeisters Brentano-München wurde genehmigt und Entlastung erteilt. Als nächste Feststadt wählte die Versammlung einstlmmig Hannover, wofür deren Vertreter den Dank der Stadt aussprach. Die Wahl der Vorstandschast des Deutschen Schützenbundes ergab folgendes Resultat: Filipp-Nürnberg, Brentano, Richter, Desiart, v. Daü'Armi-München, Hert- Mainz, Dr. Sterzing-Gotha, Raschke-DreSden, Dr. Barth- Leipzig, Meister-Frankfurt a.M., Schürting-Bremen, Föhr- Stuttgart, Walther-Berlin, Härtel-Liegnitz und Falkenstem- Straßburg. In die Schieß-Kommission wurden gewählt: Braune-DreSden, Höland Nürnberg, Wachendors-München, Jakobs-Mainz und Förster-Berlin. Nachdem der Vor­sitzende noch der Feststadt Dresden für die beim 13. Deutschen Bundesschießeu bewiesene Sympathie herzlich gedankt, wurde die Versammlung nach fünfstündiger Dauer geschloffen.

Aus dem Fest platze fand gestern, begünstigt vom herrlichsten Wetter, allgemeiner FestkommerS in der Festhulle statt unter Mitwirkung des Dresdener Sänger­bundes (Konzert), sowie des Dresdener TurngaueS (Schau­turnen: Keulenschwingen, Fechten, Leitergruppen, Fackel­reigen) und der Andrang des Publikums war ein enormer. Die sremden Schützen unternahmen vielfach Partien in die reizende Umgebung der Stadt und die Sächsisch-Böhmische Schweiz.

13. Deutsches Bundesschietzen zu Dresden vom 8. bis 15. Juli.

F. G. Dresden, 12. Juli.

Im großen Saale des GewerbehauseS hielt gestern, Mittwoch, der Gesamtausschuß des Deutschen Schützenbundes unter Leitung des Bundesvorfitzenden, Hauschild-Bremen, seine Generalversammlung ab, an welcher nahe an 300 Mitglieder teilnahmen. Bei den Wahlen wurden als Vorsitzender, Schriftführer, bezw. deren Stellvertreter, Hauschild-Bremen, von Daü'Armi-München,

an das zoologische Institut der Universität Tübingen berufen »ordere Der jetzt in Dresden domizilierende Geh. Medizinalrat Profeffor Dr. Eduard H en noch, von 1872 bis 1893 Direktor der Kinderklinik des> Berliner Charitökrankenhauses, vollendet am 16. d sein 80. Lebens­jahr. Der Vorstand der Dermatologischen Klinik der Wiener Uni­versität, Profeffor Dr. M. Kaposi, begeht in diesen Tagen das 25- jährige Jubiläum als o. Profeffor der medizinischen Fakultät. In Halle ist, am 10. d. der a. o. Profeffor für Mathematik Wiltheiß gestorben.

Beim Rektoratswechsel in der Universiät Halle berichtete der scheidende Rektor, Geh. Justizrat Prof. Dr. Löning, über das ver- floffene Amtsjahr. Er erwähnte u. a. den am 7. Juli erfolgten Tod des a. o. Professors der Mathematik Dr. E. Wiltheiß; geboren am 12. Juni 1855 zu Worms, errang sich W. nach vollendeten Studien in Gießen und Berlin bald einen großen Namen, habilitierte sich am 25. April 1881 in Halle, wurde im Dezember 1886 außerordentlichem Professor, als der er, von Lehrern und Schülern geliebt, 11 Jahre thätig war. Vor acht Jahren ist er unheilbar erkrankt, und endlich erlöst worden. Der neue Rektor der Universität Halle Prof. Dr. Richard Pischel, behandelte in seiner RektoratLrede die indischen Puppenspielc.

Prof Dr. Ernst Eduard Wiltheiß hat sich s. Z in Gießen gan- besonders Baltzer angeschloffen. In Berlin war er fünf Halbjahre Mit­glied des mathematischen Universitätsseminars, das damals Kummer und Weierstraß leiteten. Aus dem Seminar, das eine Pflanzstätte für Hoch­schullehrer der Mathematik wurde, nahm Wiltheiß eine Prämie mit. Besondere Einwirkung erfuhr Wiltheiß noch von Leopold Kronecker, dem damals nach seiner Rückkehr nach Berlin als Mitglied der Akademie der Wissenschaften an der Universität las, um die Vorlesungen seiner Freunde Kummer und Weiherstraß zu ergänzen. 1879 promovierte Wiltheiß in Berlin mit der AbhandlungDie Umkehrung einer Gruppe von Systemen allgemeiner hyperelliptischer Differentialgleichungen" zum Doktor. Die Zeit nach dem Abgang von der Universität verwandte Wildheiß auf die Vorbereitung auf die akademische Laufbahn. In Halle lehrte W. zu­nächst neben Heine und Cantor, dann neben Cantor und Wangerin, den Halleschen Ordinarien der Mathematik. Die wissenschaftliche Arbeit Wiltheiß' galt zwei Gebieten der Mathematik. Lange Zeit beschäftigte ihn fast ausschließlich die Funktionentheorie, aus welcher der Gegenstand von WUtheiß' Erstlingsarbeit gewählt ist. Von den Einzelstudien Wüt- Heiß' zu diesem Gebiet sind zu nennen:Ueber die komplexe Multr- plikation hyperelliptischer Funktionen zweier Argumente",Zur Theorie der Transformation dieser Funktionen",Ueber bestimmte Thetafunktionen Ueber die partiellen Differentialgleichungen der Thetafunktionen und der hyperelliptischen Funktionen",Der Abel'schen Funktionen" u.a.m. Nächstder Funktionentheorie pflegte WUtheiß noch mit Eifer die Theorie der Formen. Insbesondere steuerte er zu diesem Sondergebiete eine Reihe von Abhand­lungen mit dem Titel:Eine besondere Art von Kovarianten bildender Operation" bei. Die Wiltheiß'schen Einzelstudien finden sich in Crelles^ Journal" in denMathemat. Annalen", in derZeitschr. f. Mathemat. ' und in den Schriften der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften. Während der letzten Jahre war Wiltheiß von der Verpflichtung, Vor­lesungen zu halten, entbundm.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Gießen, 12. Juli 1900.

Universität und Hochschule.

k Aus Heidelberg wird geschrieben: Bei der medizinischen Fakultät der hiesigen Universität habilitierten Dr. Ernst S ch a l b e mit einer ProbevorlesungUeber Variabilität und Pleomorphismus der Bakterien". Wie aus Bonn mitgeteUt wird, findet dort in drefttn Sommer wieder ein Ferien-Kursus für Lehrerinnen statt. ES sind in der Zeit vom 6. bis 18. August je 10 Vorträge vorgesehen über : Deutsche Namenkunde (Professor Dr. Solmsen), Allgemeine Geologie (Professor Dr. Rauff), Geographisches über das Mittelmeergebiet (Pros. Dr. Philippson), Einführung in GoethesFaust" (Prof. Dr. Lchmann), König Friedrich II. (Privatdozent Dr. Küntzel). - In der medizinischen Fakultät der Universität Straßburg sind die bisherigen Prrvat- dozenten Dr. M B. Schmidt und Dr. D. Gerhardt zu a. o. Pro­fessoren ernannt worden, letzterer mit dem Lehrauftrag für mmfche Pro­pädeutik und theoretische Vorlesungen aus dem Gebiete der inneren Medizin. Aus Erlangen wird mitgeteilt: Profeffor Dr. Evers- bufch , Lehrer der Augenheilkunde an der hiesigen Hochschule, hat einen Ruf nach München erhalten, und angenommen. Dr. Erich Schwar 1zc. der im Satire 1899 für eine zoologifche Arbeit von der w.. - - - . - . - . - , .

Berliner Universität den Preis der Stadt Berlin erhielt, ist als Assistent I während sie des ^qlkenö im eigenen nicht gewahr werden.

Kunst und Wissenschaft.

- Die medizinische ZeitschriftMedico" berichtet über Eine neue Methode der Behandlung des chronischen M - phinismus. Von Dr. Fritz Pfeiffer. (W. m B. 22. Märzi Ivvü) . Bei der Durchführung von Morphium^Entziehungskuren ist das wichtigste Moment die thunlichste Vermeidung der qualvollen Abstinenzsymptome und das sofortige Beseitelaffen der Injektionsspritze Es ist Emmerich (Baden-Baden) geglückt, ein Mittel zu finden; es besteht m elnem nicht näher bezeichneten eingekochten Pflanzendekokt mit Zusatz von tomsierenden (Chinin) und stark tanninhaltigen Stoffen. Dieses Ersatzmittel, dmch welches Morphin ausgefüllt wird, wird unter Artiger Sistierung der Injektionen innerlich verabfolgt; die Höhe der Emzeldosis richt sch nach den Morphiummengen, die der Kranke zu nehmen gewohnt war. Allmählich wird sie herabgesetzt, bis der Patient nach relativ kurzer Zelt ohne jede Medikation auskommt. Neben dieser medikamentösen Behand­lung wird natürlich auch von hydropathischen, elektrisches gymnastisch Prozeduren Gebrauch gemacht. Den Erfolgen dieser Kur, die durG einzelne detaillierte Beispiele näher gekennzeichnet werden, wird von ärzt­licher Seite eine bahnbrechende und umwälzende Bedeuttmg sür v»e Anstaltsbehandlung der Morphiumsucht beigelegt. Das Verfahren isr ganz unschädlich und gefahrlos und ist selbst m Fällst von schwerer Anämie und bei Herzfehlern beschwerdelos ertragen worden, unter sruy zeitiger Erreichung gesicherter Erfolge.

Gerichtssaal.

"Stolp, 12. Juli. Im Krawall-Prozeß wurden, wie wir gestern bereits kurz mitteilten, von den 23 Angeklagten 22 zu Strafen von 4 Monaten Gefängnis bis zu 3 Jahren Zuchthaus verurtellt. Ein An- geklagter wurde fteigesprochen. Es handelt sich dabei um Vorgänge, die aus Anlaß des Konitzer Mordes sich hier abgespielt haben. Am Abend des 21. und 22. Mai war es zu starken Ausschreitungen hier gekommen, zu deren Bewältigung zweimal militärische Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Jüdische Geschäftsläden wurden angegriffen und die Schaufenster demoliert. Rach Annahme der Anklagebehörde handelt es sich bei den Krawallen um ein planmäßiges Vorgehen hiesiger und auswärtiger Kreise, die ihre Hände im Spiel gehabt und durch Hetzrufe die Jugend angereizt hätten. Es wurden im ganzen circa 50 Personen verhaftet, von denen 25 unter der Anklage des Aufruhrs und Hausfriedensbruchs sowie der Sachbeschädigung, des Widerstandes, groben Unfugs rc. erschienen. Unter den Verurteilten befinden sich hauptsächlich Lehrlinge, Gesellen und Arbeiter, im Alter von 17 bis zu 32 Jahren». Die Zahl der Zeugen belief sich auf 32.

Vermischter.

* Lemberg, 12. Juli. Infolge der seit mehreren Tagen anhaltenden Regengüsse ist in Galizien Hochwasser ein­getreten. Sämtliche Flüsse sind über die User getreten und eine große Anzahl Ortschaften unter Wasser gesetzt. Bier Eisenbahnbrücken sind eingestürzt. Der Eisenbahn- Verkehr ist infolgedessen teilweise gestört. Der Konstanti- I nopeler Expreßzug, der nach Berlin verkehrt, ist bisher nicht eingetroffen.

Die Geschichte eines Baumes. Der 500 Morgen große Gutswald zu Randonatschen bei Ragnit in Ostpreußen soll niedergelegt werden, womit man bereits den Anfang gemacht hat. Fern soll jedoch die Axt von einem Baume bleiben, an den sich eine geschichtliche Thatsache knüpft. Das schöne Gut, das übrigens im Laufe der Zeit zerstückelt ist, gehörte in alter Zeit der Adelsfamilie v. Katte au. Als der junge Leutnant, der Friedrich dem Großen zur Flucht nach England verhelfen wollte, seine That mit dem Leben bezahlen mußte, versuchte deffen Vater in übergroßem Schmerze seinem Leben durch Erhängen ein Ende zu machen. Der langjährige treue Diener Kaltes, der wohl den un­seligen Schritt seines Herrn ahnen mochte, war diesem aber heimlich in den Wald gefolgt, um ihn an seinem Vorhaben zu hindern. Zum Lohne dafür setzte Katte ihn zum Lehrer der neugegründeten Schule ein, und dotierte die Stelle u. a. mit 50 Morgen des besten Gutslandes. Noch heute gehört daher jene Stelle zu den besten des Bezirks. Der Baum aber, der zu der verhängnisvollen That ausersehen war, wird heute noch durch eine Tafel mit einer daraus bezüg­lichen Inschrift ausgezeichnet.

» Bielliebchen. Der Direktor des Weimarer Goethe- Archivs, Dr. Bernhard Suphan, hat Paul Heyse zu deffen siebsnzigstem Geburtstag ein litterarisches Festgeschenk ge­widmet, worin er Erinnerungen an Goethe zusammengesaßt hat. An einer Stelle vergleicht nun Dr. Suphan die Ge­samtausgabe der Werke Goethes mit einer reichbesetzten Tafel, auf der es auch an edlen Weinen und köstlichem Nachtisch nicht fehlt. Und um das Bild weiter auszuführen, schreibt der gelehrte Goethe-Archivar:Zu dem edlen Wem sollen wir etwas von den lustigen Früchten genießen. Ei Trauben? Ei Datteln? Ei Mandeln? heißt es in Ost­preußen bei traulichem Anbieten. Wir greisen zu den letz­teren, und siehe, die erste gleich ist ein Filibchen ein I Pärchen heißt das, denn das freundliche gesellige Wort (die kleine Belehrung sei verstattet) ist uns über Ostpreußen zu­gekommen, aus Littauen, dort heißenFilipas diePärchen", die zwei Haseluußkerne in einem Gehäuse." (Also littauisch soll das Wort sein? Wer hätte das dem Vielliebchen an­gesehen? D. Red.)

rväre und die Arbeitsfreudigkeit der Angestellten gewiß wesentlich steigern würde. . ,. - Yntf

** Ein Erinnerungstag. Der heutige Tag ruft die Erinnerung an jene historisch gewordene S^ene wach, die heute vor 30 Jahren den äußeren Anstoß zum Auf­bruch des dMtsch-französischen Kriegen ^b. An l^nem Tage stellte der damalige französische Botschafter in Berlm, Graf Benedetti, im Auftrage der franzosisclfen Regierung an den damaligen König Wilhekm von Preufien das An­sinnen eines ausdrücklichen und schriftlichen Ser Starts für die Angehörigen des Königshauses auf den, damals dem Prinzen Leopold von Hohenzollern angebotenen, spanischen Königsthron. Es geschah dies auf Brunnenpromenade des Königs zu Ems, und hierauf ließ der König dem Grafen Benedetti durch seinen Flügeladjutanten sagen, er habe ihm in Angelegenheit der spanischen Throntandidatur nicksts mehr zu sagen. Diese Mitteilung gab den chauvi­nistischen Macksthadern in Parts den erwünschten Anlaß zur Kriegserklärung gegen Preußen, die zu dem gewaltigen historischen Kriege 1870/71 und im Verfolg zur Einigung Deutschlands führte. ,

-b- Grebenau, 10. Juli. Gestern nachmittag wurden von einer großen Anzahl Oberförster und Revierförster der umliegenden Großherzoglichen, Riedefel'schen und Görz'schen Oberförstereien eine gemeinsame, wissenschaftlichen und praktischen Zwecken dienende Exkursion in die Wald­ungen der hiesigen Oberförsterei unternommen, wobei Obersörster Bus hier den liebenswürdigen Führer machte. Nach gethaner Arbeit versammelten sich die Herren in der Falk'schen Wirtschaft, wo nach eingenommener Abendmahl- I zeit noch ein Stündchen der Geselligkeit gepflegt wurde.

Darmstadt, 12. Juli. Gestern nachmittag traf der großbritannische Geschäftsträger, Botschaftsrat Mr. Bu - ch a n a n nebst Familie zum Besuch auf Jagdschloß Wolfs- I garten ein. c L

bm. A! ainz, 13. Juli. Der hier erscheinendenDeut- I scheu Weinzeitung" zufolge ist der Entwurf eines Wein- gesetzes nunmehr abgeschlossen. Neben dem Verbot der 1 Verstellung von Rosinen-, Trester-, Hefen-Weinen usw. zu geschäftlichen Zwecken soll er auch noch Bestimmungen hin­sichtlich der Kontrolle enthalten. In welcher Richtung letz­tere gedacht ist und welche Rechte damit den kontrollieren­den Organen zuerkannt werden, ist bis jetzt noch nicht | bekannt geworden.

Bingerbrück, 13. Juli. An der nahe gelegenen Clemenskapelle ländete der Schiffer Faß aus Trecht- lingshausen gestern die Leiche einer Frau. Dieselbe war | schon so in Verwesung übergegangen, daß die Personalien I nicht mit Sicherheit festgestellt werden konnten. Es wird I jedoch angenommen, daß es die Leiche der bei dem Boots- I Unglück am 17. April ertrunkenen Erzieherin Frl. Ritt e r aus Geisenheim ist. Im Falle diese Annahme richtig ift, I fehlen noch die Leichen der Studenten Karl Növer aus I Oestrich und Georg Baum aus Zeilsheim.

Burgsolms, 12. Juli. Der Kreis-Krieaerverband Wetzlar, dem fast alle gedienten Soldaten des Kreises an­gehören, feiert alle zwei Jahre sein Verbandsfest. Nächsten Sonntag und Montag hält genannter Verband seinen Generalappell in Burgsolms ab. Dieser Ort, günstig an der Bahn g-elegen und von allen Teilen des Kreises bequem erreichbar, wird sich für diese Tage in ein Fest- gewanb hüllen und glles aufbieten zum freundlichen Em­pfang n<nd zur guten Bewirtung seiner Gäste. Insbeson­dere hat dec hiesige .Kriegervexein es sich angelegen sein lassen, einen angenehchen Festplatz zu schaffen und zweck­mäßig einzurichten. Die Eisenbahnverwaltung hat aus diesem Grunde zwei Extrazüge: 1) Gieß enBurgsolms, 2) BurgsolmsGieß en eingelegt. Einen ganz unge­wöhnlichen Fleiß haben zwei italienische Riesengänse an den Tag gelegt, in deren Besitz sich unser tzauptlehrer-E Herr Kirchhof Hierselbst befindet. Das eine der beiden | Tiere legte in der Zeit von Anfang Oktober vorigen bts Anfang Juni dieses Jahres 119 Eier, während das andere es in der gleichen Zeit auf 97 Eier brachte. Diese ganz außergewöhnliche Fruchtbarkeit ist um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, daß die beiden Tiere noch im ersten Jahre stehen. (Wetzl. Anz.)

Braunfels, 12. Juli. In unserm prächtigen Herrengarten wird am kommenden Mittwoch, dem 18. d. M., eine B e r a n st a l t u n g vor sich gehen, die den Z w e ck e n der Wohlthätigkeit zu dienen bestimmt ist. Es ist geplant, mit einem Konzert der Marburger Jägerkapelle eine Verlosung, sowie einen Wohlthätigkeitsbazar zu verbinden, deren Meinerträgnisse zum Besten des Baues der hiesigen Kleinkinderschule Verwendung finden sollen.

** RUine Mitteilungen ans Hessen nnb den Nachbarstaaten. Die Konservenfabrik in Mainz ist telegraphisch beauftragt worden, für die nach Ostasien bestimmten Truppenteile schleunigst bedeutende Sendungen von Konserven nach Kiel abzusenden. Der Briefträger Fabricius in Frankfurt am Main hat sich in seiner Wohnung erschossen. Am 15. Juli findet das 23. Bundesfest des Lahnthalsänger- bundeS zu Dillenburg statt. Zum erstenmale in diesem Jahre werden die Speziallieder der einzelnen Vereine vor einem Preisgerichte vorgetragen. Der vor einiger Zeit von Thorn nach Mainz versetzte Zeughauptmann D., ein älterer, im Besitz des Eisernen Kreuzes befindlicher Zeug­offizier, ist unter der Beschuldigung angeblich in Thorn vor­gekommener Unregelmäßigkeiten in Mainz verhaftet und in das Militärarresthaus zu Thorn in Untersuchungshaft ein- geliesert worden. Die Unterschlagungen sind auf dem Thorner Artilleriedepot entdeckt worden, als die Uebernahme der AmtSgeschäste durch den Nachfolger erfolgte.

Meiselitteralur.

Seit Jahren existiert keine Karte und kein Führer vom Sieben- gebirg, welche die in neuerer Zeit so vielfach erfolgte Neuanlage von Wegen, Aussichtspunkten u. dgl. enthielten. Diesem Mangel wnd letzt durch einen im Verlag von Schmttz u Albertz in Düsseldorf erschernendÄ« neuen Touristen-Kührer vurch das «iebengebirge und dte benaÄbarten «ediete des linken RheinuferS, fowre eine neue Touristen-Sarte desselben Gebietes abgeholfen. Beide find augen­scheinlich von Männern bearbeitet, die Weg und Steg aufs genaueste kennen. Die Wegangaben im Führer sind so präzis gehalten, daß sich niemand verlaufen kann, der sich nach ihnen unter Benutzung der Karte richtet. Die Zeichnung der Karte ist klar. Der Preis des Führers wie. der Touristenkarte beträgt 30 Pfg. ,

In der N. G. Elwert'schen Verlagsbuchhandlung tot Marburg Hut einFreund hessischer Landeskunde" (Ober­lehrer Flach in Biedenkopf) einenFührer durch das 5) i n t e r l a n d" erscheinen lassen, der tmt_ Karten und Plänen reich versehen ist und vielen Wanderfreunden will­kommen sein wird. .

Bei Albert Goldschmidt in Berlin erschienen ein vor­treff kicher S ch w a r z w a l d - F ü h r e r (3 Mark) und ein Mosel-Führer (1 Mark), der auch für Radfahrer em­pfohlen werden kann.