Ausgabe 
14.6.1900 Zweites Blatt
 
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Kardorff noch die Herren v. Stumm und Krupp. Die Frage des großen Gewinnes der Panzerplattenfabriken list nicht von unserer Presse, sondern zuerst von derGer­mania" oder derKölnischen Volkszeitung" angeschnitten worden. Gewiß liefern diese Werke ausgezeichnete Ma­schinen zur Zerstörung von Menschen. Der Prozentsatz deutscher Arbeiter, der durch den Flottenbau beschäftigt werden kann, ist winzig, es handelt sich höchstens um 50 bis 60 000 Arbeiter. Für Arbeitsgelegenheit könnten Staat und Kommunen in Deutschland hundertfach mehr und besser -a:uf anderen Gebieten, als aus dem der Vermehrung der Kriegsschiffe sorgen. Der deutsche Handel und der deutsche Unternehmergeist hat nach der Flotte nicht ver­langt; ihm und dem deutschen Arbeiter haben Sie durch die gleichzeitigen Beschlüsse zum Fleischbeschaugesetz die schwersten Nachteile zugefügt. Man hätte wegen der Flotte Has deutsche Volk befragen sollen, denn bei den letzten Wahlen hat die Flottenfrage fast gar keine Rolle gespielt. Früher waren Hie Nationalliberalen die Macher bei allen Militärvorlagen, heute ist es das Zentrum; früher waren sie «n der Tete, heute^ sind sie im Hintertreffen. (Heiterkeit.)

Reichskanzler Fürst zuHohenlohe: Der Abg. Lieb­knecht hat außer seinem Angriff auf die Vertreter der verbündeten Regierungen, für die er schon vom Präsiden­ten zur Ordnung gerufen worden ist, noch eine andere Behauptung aufgestellt, die ich nicht unbeantwortet lassen möchte. Er meinte, die Begeisterung für die Flotte sei erst im Herbst entstanden und habe früher im deutschen Polke nicht existiert; so habe ich seine Aejußerung auf­gefaßt. Diese Auffassung ist eine irrtümliche Auffassung der Geschichte des letzten Jahrhunderts; deshalb ist es notwendig, die Genesis der Flottenfrage nocl>- mals im deutschen Volke ins Gedächtnis zurückzurufen. Wenn ich an die Zeit der Begeisterung der 40er Jahre für eine deutsche Flotte zurückdenke, so möchte ich an die Thatsache erinnern, daß damals die deutschen Regierungen, mit Ausnahme der preußischen, sich ablehned gegen diesen Gedanken verhielten. Das Drängen nach einer deutschen Flotte ist recht eigentlich aus dem deutschen Volke hervor­gegangen. Die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts zeigt, daß der Ruf nach einer Flotte stets dann hervor­getreten ist, wenn sich das Streben nach einheitlicher Ge­staltung Deutschlands bellend machte, oder wenn diese Be­strebungen einer Verwirklichung entgegenzugehen schienen. Es gab ja eine Zeit, wo der Gedanke einer deutschen Flotte Uns fern lag; es war die Zeit des Bundestags. Damals lebten wir still und harmlos (Heiterkeit), es gab auch keine Agrarier (erneute Heiterkeit), die einzelnen Regierungen be­gnügten sich damit, den Antagonismus zwischen den großen Mächten zu beobachten und sich je nach Bedürfnissen und Neigungen der einen oder der anderen Macht anzuschließen. Im ganzen war es eine Zeit kleinstädtischer Beschränkung. Allein dem deutschen Volke genügte dies nicht; auch die Erinnerung an die einstige Bedeutung des Deutschen Reiches und dlie Mißstimmung über die derzeitige Zer­rissenheit ließen es nicht in den Genuß seines Wohl­ergehens kommen. Der alte Einheitsgedanke, den zunächst die studierende Jugend pflegte, ging in immer weitere Kreise über ü.nd bildete das Ferment der revolutionären; Bewegung von 1848; aber erst 20 Jahre später wurde durch die vereinigten deutschen Heere und ihre Siege das deutsche Reich gegründet. In der seitdem erfolgten industriellen Entwickelung sind wir jetzt dahin gekommen, daß sich wiederum der Ruf nach einer verstärkten Flotte erhoben hat. Es handelt sich gar nicht mehr um einzelne Schiffes sondern es handelt sich um unsere Existenz als handel^ treibendes Volk, darum ist diese Existenz zu sichern. Das Deutsch Reich darf nicht abhängig sein von dem guten Willen anderer mächtigerer Nationen. (Sehr richtig! rechts.) Daraus ergiebt si chsdie Notwendigkeit einer star­ken Flotte, denn die neuesste Geschichte lehrt, wohin ein Staat gelangt, wenn er blos über eine schwache ungenü­gende Flotte verfügt. Ich kann Sie nur bitten, wie es ja auch nach dem bisherigen Verlauf den Anschein hat, daß es geschehen soll, der Vorlage zuzustimmen. (Beifall rechts.)

Abg. Gräfe (Ant.): Der bäuerliche und städtische Mittelstand ist nicht mit Begeisterung für die Flotten­forderung eingetreten. In der Münzgesetznovelle mußten wir eine Verstärkung des internationalen Kapitalismus sehen. Wir bewilligen die Flotte nicht im Vertrauen auf die Regierung, sondern auf die Zukunft des deutschen Vaterlandes.

Abg. Dr. Hasse (nl.): Die Flottenbegeisterung ist das Ergebnis einer langen geschichtlichen Entwickelung. Entscheidend ist jetzt die Reaktion gegen eine englische Strömung. Die Engländer fürchten unsere wirtschaftliche Konkurrenz. Es gereicht der nationalliberalen Fraktionj zur Ehre, daß sie, ohne zu deuteln und zu mäkeln, in warmer Begeisterung für die Forderungen eingetreten ist, ouf welchen die Zukunft des Reiches beruht. (Beifall bei den National!, und Lärm bei den Soziald.)

Abg. Liebermann von Sonnenberg (Antis.): Herr Liebknecht hat sich heute als Reformator des höheren Schulwesens entpuppt und vorgeschlagen, die 5 Milliarden für die Flotte zur Aufklärung des Volkes zu verwenden, damit nicht solche Dinge wie in Könitz vorkommen. Uns wäre eine Besprechung der Konitzer Angelegenheit sehr «angenehm gewesen. In den Kreisen der akademisch gebil­deten Leute in jener Gegend bestehl die Ueberzeugung, daß es sich um ein Verbrechen aus Aberglauben handelt. Wenn darum das Schulwesen eine Reform nötig hat, so muß es das höhere sein, ich fürchte nur, daß Herr Liebknecht c-?b^chichts lernt. (Heiterkeit.) Wir stimmen einstimmig für die Flotte. Es ist dem Flottenenthusiasmus der Börse Gelegenheit gegeben, sich auch praktisch zu bethätigen. Wir bewilligen die Flotte, aber nicht aus besonderer Be- geisterung für die auswärtige Politik. Noch ein ernstes Wort in Ehrerbietung an eine hohe Stelle! Möge ein- tzedenk des Wortes:Blut ist dicker als Wasser" das Blut des deutschen Volkes, das sich stammverwandt fühlt mit dem der Buren, nicht mehr in schmerzliche Aufwallung gebracht werden durch Glückwunschdepeschen zu den Siegen der englischen Waffen! (Präsident Graf B a l l e st r e m bittet, die allerhöchste Person nicht in die Diskussion zu ziehen.) Ich schließe mit der Hoffnung, daß der englische Nebel, der sich zwischen Thron und Volk gelegt hat, einer erfrischenden Brise weichen möge.

Staatssekretär Graf Bülow: Die Politik des Kaisers und der kaiserlichen Regierung wird ausschließlich durch

nationale Gesichtspunkte bestimmt Für uns sind lediglich die nationalen deutschen Interessen und Ziele maßgebend. Die Politik eines großen Landes kann weder durch Sym­pathien ttod} durch Antipathien bestimmt werden, sondern nur nach sorgsamer Abwägung der Frage: Wohin weist der reale deutsche Vorteil resp. Nachteil? Die Besorgnis, daß unsere Politik unruhig aggressiv sei, ist unbegründet; alle abenteurlichen aggressiven Pläne liegen uns vollkommen fern. Wir wollen weder bei feite gescl)vben werden, noch unter die Räder kommen; wir wollen die Sicherheit dafür haben, daß wir uns weiter in Frieden ungestört politisch und wirtschaftlich entwickeln tonnen. Die große Mehrzahl des Hauses wird dem Aus­land zeigen, daß in großen nationalen Machtfragen Deutschland in seinem Reichstage immer eine Mehrheit hat.

Damit schließt die Generaloiskussion. In der Spezial­diskussion wird über § 1 (Bestand der Flotte) ohne Debatte namentlich abgestimmt, das Ergebnis ist die An­nahme mit 109 gegen 107 Stimmen. Gegen § 1 stimmen die Sozialdemokraten und die beiden Volks-Par­teien, die Polen, Welfen, Elsässer, die bairischen Bauern- bündler und etwa 20 Mitglieder des Zentrums, sowie der Konservative v. Treuenfels. Die §§ 2 bis 6 werden ohne Debatte nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenom­men, desgleichen definitiv das Gesetz im ganzen in namentlicher Abstimmung mit 201 gegen 103 Stimmen.

Die Wahlen der Abgg. H a a k e (4. Frankfurt), Graf zu Stolberg-Wernigerode (6. Gumbinnen), Graf v. Carmer (1. Breslau) ,P lacke (7. Magdeburg) und Müller (Rudolstadt) werden für gütig erklärt; die Wahl des Abg. Boltz (5. Trier) wird beanstandet und die Anstellung einer großen Menge von Erhebungen über die Behauptungen des eingegangenen Protestes beschlossen. Damit ist die Tagesordnung erledigt.

Präsident Graf Balle st rem : Ich darf annehmen,, daß wir dem Ende unserer Tagung entgsgeügehen. Ich gestatte mir. Ihnen über die Geschäfte dieser Session, die eine der schwersten und längsten des Reichstages gewesen^ ist, die übliche Geschäftsübersicht zu geben. (Der Präsident verliest dieselbe. Zu erwähnen ist, daß die Zahl der ein­gegangenen Petitionen ca. 54000 betragen hat, wovon 978 auch in den Kommissionen nicht mehr zu Verhandlung gelangt sind).

Abg. v. Levetzow spricht für die unparteiische, sach- gemäße, energische und unermüdliche Leitung der Verhand­lungen dem Präsidenten unter dem lebhaften Beifall der Mitglieder, die sich sämtlich von den Plätzen erhoben haben, den Dank aus.

Präsident Graf Ballestrem erwidert, daß er in den oft schwierigen Momenten der Leitung der Geschäfte stets die Unterstützung des Hauses von allen Seiten er­fahren habe und überträgt ein gut Teil des Dankes des Dauses auf seine Kollegen im Präsidium und auf die Schriftführer.

Darauf verliest der Reichskanzler Fürst zu Hohen­lohe die vom 6. Juni, Neues Palais, datierte kaiser­liche Botschaft, wonach der Kaiser den Reichskanzler ermächtigt hat, im Namen des Kaisers und der verbündetes Regierungen die gegenwärtige Sitzung des Reichstages am* 12. Juni d. I. zu schließen, und erklärt auf gründ der kaiserlichen Ermächtigung im Namen der verbündeten Re­gierungen den Reichstag für geschlossen.

Zum Konitzer Mord.

DieNordd. Allg. Ztg.", die bekanntlich ein offiziöses Oraan der preußischen Regiere u n g ist und besonders nahe dem preußischen Ministe - rium des Innern steht, brachte vorgestern einen sehr bemerkenswerten Artikel über den Konitzer Mord, der sich durch eine erfreuliche Unparteilichkeit auszeichnet. Raum­mangel nötigte uns leider gestern zu einem nur kleinen Auszuge daraus, den unsere Leser in den Nachrichten aus dem Deutschen Reiche finden. Bei seiner Bedeutung über den Tag hinaus wird der ungekürzte Artikel heute wei­testen Kreisen unserer Bevölkerung willkommen sein und viel zur Allgemeinen Beruhigung beitragen. Er lautet:

,Der wegen seiner Begleitumstände so grausige Mord oder Totschlag an dem Gymnasiasten Winter in Könitz hat in der Bevölkerung mit Recht eine tiefgehende Erregung, und das dringende Verlangen hervorgerufen, daß der That auch die Sühne bald folgen möge. Die beteiligten Be­hörden sind ihrer Pflicht gemäß von Anbeginn mit dem größten Eifer und Nachdruck unter fortgesetzter Kontrole der Aufsichtsinstanzen bemüht gewesen, jede Spur zu ver­folgen und den Schuldigen zu ermitteln, welchem Stande und welchem religiösen Bekenntnisse er angehören und welches auch das Motiv der That gewesen sein möge. Es Nruß daher mit Entschiedenheit der Vorwurf zurück­gewiesen werden, daß die beteiligten Beamten voreinge­nommen und von dem Wunsche geleitet gewesen seien, gewisse Bevölkerungsklassen zu schonen. Vielmehr ist jedem Verdacht, gleichviel auf welchen Thäter und auf welches Motiv der That er hindeutete, mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln nachgegangen worden. Statt aber die Behörden zu unterstützen, welche objektiv und nach bestem Wissen und Gewissen die Wahrheit zu ermitteln und den Schuldi­gen zur Strafe zu ziehen bestrebt waren, hat ein erheb­licher Teil der Bevölkerung sich durch parteipolitiscl)e Agi­tation und durch eine skrupellose Thätigkeit gewisser Preß­organe (in den Bann bestimmter Vorstellungen zwingen lassen. Infolge dieser Beeinflussung, die durch Verbreitung zahlreicher unwahrer Behauptungen über die Ergebnisse der Untersuchung gefördert wurde, hat sich in weiten Kreisen die Ueberzeugung festgesetzt, daß es sich bei diesem Verbrechen um einen jüdischen Ritual mord handle, obwohl die bisherigen, auch nach dieser Richtung mit allem Gruft an gestellten Ermittelungen nichts ergeben haben, was eine solche Annahme selbst bei Voraussetzung der Möglichkeit von Ritualmorden recht­fertigen könnte. Jene Annahme stützt sich hauptsäch­lich auf die Thatsache der Blutleere der aufgefundenen Leichen teile. Diese Blutleere findet aber nach dem Ergebnis der Untersuchung eine durchaus einfache Erklärung. Der Ermordete hat, nach dem Urteil der Sachverständigen, einen Messerstich in den Hals erhalten. Dieser Stich hat die großen Schlagadern durch­schnitten, wodurch das völlige Aus strömen des Blutes in kurzer Zeit bewirkt wurde. Es kommt hinzu, baß die aufgefundenen Rumpfteile längere

Bett tm Wasser gelegen haben, wodurch der noch etwa vorhandene Rest von Blut herausgezogen fein mag Die Zerstückelung des Leichnams und die Fortschaffuna der einzelnen Körperteile ist so muß nach den bisherigen Ermittelungen angenommen werden erst später erfolgt üm die Spuren des Verbrechens leichter zu verwisc^n oder von dem Thäter abzulenken. Je schmerzlicher es sein muß, daß der Urheber der grausigen That nod> nicht entdeckt und zur Rechenschaft gezogen ist, um so mehr sollten die beteiligten Bevölkerungskreise bemüht sein, ob­jektiv und sachlichohne vorgefaßte Meinung ihre Kenntnis von Thatsachen, die für die Untersuchung von Bedeutung sein könnten, den Behörden mitzuteilen «urkd die letzteren auf diese Weise bei der Lösung ihrer schwierigen Aufgabe zu unterstützen. Speziell kann an die Bevölkerung von Könitz nur die dringende und warnende Mtte ergehen, zur Besonnenheit zurückzukehren und nicht unter dem Einfluß jener vorgefaßten Meinung sich aufs ln«ue zu; Handlungen hinreißen zu lassen, die, wie die gestrigen Vorgänge, die öffentliche Ordnung gefährden und notwendig nicht nur für die Thäter selbst, sondern auch für die gesamte Einwohnerschaft von Könitz von den schwersten Folgen begleitet sein müßten".

So weit die offiziöse Erklärung. Wir glauben, e< wäre gut gewesen, wenn diese Thatsachen schon früher und zwar nicht bloS durch dieNordd. Allg. Ztg.", sondern in amtlicher Form zur öffentlichen Kenntnis gebracht worden wären, insbesondere in Könitz selbst. Leider kann die Bekanntgabe die geschehenen Ausschreitungen nicht mehr gut mache«.

Aus Anlaß der bedauerlichen Unruhen, zu i)enen die Konitzer Bevölkerung sich am Sonntag wieder hat hin reißen -assen, veröffentlicht die amtliche Berliner Korrespondenz folgende Erklärung:

In Könitz ist es neuerdings zu groben Ausschreit­ungen gekommen, bei denen auch die dortige Synagoge schwer beschädigt wurde; bei den Tumulten ist auch ein Polizeikommissar durch einen Steinwurf schwer verletzt worden. Der Minister des Innern hat sich deshalb ver­anlaßt gesehen, den Geheimen Ober-Regierungsrat May­bach nochmals als seinen Kommissar nach Könitz zu ent­senden. Von zuständiger Stelle ist außerdem Militär in Stärke deines Bataillons nach Könitz beordert, das am Sonntagabend in der Stadt eintraf, die Straßen mit ge­fälltem Bajonett gesäubert und die Ordnung binnen kurzem wiederhergestellt hat. Das Militär wird so lange in der Stadt verbleiben, bis Ruhe und Ordnung dort wieder vollständig gesichert erscheinen. Bei dem Ernst der Lage ist aufs neue nachdrücklich vor jeder Störung der Ordnung und jeder Zusammenrottung zu warnen, sowohl im eigenen Interesse der an den Ruhestörungen sich Be­teiligenden, als auch deshalb, weil jede leidenschaftliche Parteinahme und tendenziöse Voreingenommenheit der Bevölkerung den Gang der Untersuchung nur hemmen und die Ermittelung des Mörders erschweren können.

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Schwurgericht.

Gießen, 13. Juni.

Für die gestrige Verhandlung gegen Frau Georg Schmidt II. aus Nieder Ohmen wegen Meineides wurden als Geschworene ausgelost: 1. Wilhelm Vollmüller, Wein Händler in Lauterbach, 2. Ludwig Seipp IV., Landwirt in Lollar, 3. Wilhelm Spörhase, Mechanikus in Gießen, 4. Louis Dern, Kammerrat in Affenheim, 5. Phllipp Frey, Kaufmann in Lang-GönS, 6. Heinrich Bausch LU., Rentner in Nieder-Wöllstadt, 7. Heinrich EmmeliuS, Fabrikant in Gießen, 8. Jakob Neidel, Drechsler in Wieseck, 9. Karl Junker, Baumeister in Ortenberg, 10. Dr. Friedrich Eich­baum, Profeffor in Gießen, 11. Ludwig Kreh, Maurer in Butzbach, 12. Georg MöbS, Landwirt in Gettenau.

Die S ch m i d t ist die Frau des Knechtes Gg. Schmidt II., unbestraft, 1861 zu Paris geboren und Mutter von neun Kindern. Frau Schmidt bestreitet, daß der unter Anklage stehende von ihr am 19. April 1900 vor dem Schöffengericht Grünberg abgegebene Eid falsch sei. Sie erzählt, daß sie vor 20 Jahren durch ihre Eltern gezwungen ihren Ehe­mann habe heiraten müssen, trotzdem ihr ein anderer lieber gewesen sei. Schmidt habe damals Geld gehabt, sei aber em schlechter Wirt gewesen, da- Gut, das er besessen, sei später Stück für Stück veräußert worden und so sei er seit 68 Jahren außerhalb seine- Wohnorte-sals Knecht thätig und habe fich wenig um sie gekümmert. Richtig sei, daß sie mit dem Fuhr­mann K. in Nieder-Ohmen seit etwa 4 Jahren ein intime- Verhältnis unterhalten habe, jedoch sei er von keinem ihrer Kinder (das jüngste Kind ist 5 Jahre alt) der Baker. Der Thatbestand der Anklage ist der folgende: Am 11. Oktober 1898 war in Rieder-Ohmen GemeinderatSwahl. Georg Schmidt II., der Ehemann der Angeklagten, der damals in Lich arbeitete, war nach Nieder-Ohmen gekommen, um sein Wahlrecht auSzuüben. Er hatte diese Gelegenheit benutzt, kräftig zu zechen, und kam in der Nacht gegen 12 Uhr mit seiner Frau in Streit, wobei er ihr vorwarf, daß sie mit K. ein Liebesverhältnis unterhalte. In derselben Nacht noch soL eben dieser K. vor dem Kammerfenster der Schmidt'schen Wohnung erschienen sein. ES ist Lärm entstanden. Schmidt stellte Strafantrag, und so kam es am 19. April 1899 vor dem Schöffengericht Grünberg gegen K. zur Verhandlung. Hier hat nun die damals als Zeuge vernommene Angeklagte folgendes unter Eid erklärt: Sie allein sei in der ftaglichen Nacht aus dem Bett gestiegen, kurz nach dem es draußen auf der Straße laut gewesen; sie sei an das Fenster gegangen, habe aber nichts sehen können. Sie wiffe nicht, wer gelärmt habe, insbesondere wisse sie nicht, ob es der Fuhrmann Sc gewesen. Der ebenfalls als Zeuge damals vernommene Ehemann bekundete jedoch, daß nicht nur seine Frau, sondern auch zwei seiner Kinder in jener Nacht am Fenster ge­standen, daß er nicht nur den K. an der Stimme erkannt habe, der ihm gedroht, sondern daß auch die Kinder wüßte«, daß es K. gewesen sei. Der Vorsitzende des Schöffengerichts vernahm auch de« 13jährigen Sohn der Schmidt'schen Ehe­leute, der erklärte, er habe de« K. an der Stimme erkannt.

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