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14.3.1900 Erstes Blatt
 
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Neuwied, 12. März. Haftpflicht der Ge­meinde. Vor kurzem ist ein bedeutender Schadeusersatz­prozeß gegen die hiesige Stadtgemeiude nach mehrjährigem Rechtsstreit zur Erledigung gekommen. Es war nämlich cm hiesiger Beamter am Spätabend aus dem Heimwege unweit seiner Wohnung eine steil zum Rheinufer hinab- führende Treppe hinuntergestürzt und an den Folgen des 'Sturzes bald darauf gestorben. Die hinterlassene Witwe und zwei Söhne verklagten darauf die Stadtgemeinde auf einen Schadenersatz von 20 000 Mark, indem sie der Stadt die Verantwortlichkeit für den Unglücksfall zuschoben, weil sie nicht die Treppe mit einem Gitter abgeschlossen habe wie c* nach dem Unfall geschehen ist und nicht eine besondere Laterne an der gefährlichen Stelle aufgestellt gewesen sei. Landgericht und Oberlandesgericht wiesen die .iilage ab, da der Verunglückte ohne Not den weiteren gefährlicheren Weg zu seiner Wohnung gewählt und darum den Unfall selbst verschuldet habe. Dagegen fand das Reichsgericht, es könne dem Verunglückten nicht als Ver­schulden angerechnet werden, wenn er aus irgend einem Grunde eine öffentliche Straße gewählt habe, auch wenn diese einen Umweg für ihn bedeutete; es wies daher die Sache zu weiterer Verhandlung und Entscheidung an die Vorinstanz zurück. Ehe es aber zu einem neuen Urteil des Oberlandesgerichtes kam, haben sich die Parteien neuer­dings durch Vergleich geeinigt, indem die Stadt, die übri­gens beim Allgemeinen deutschen Versicherungs-Verein in Stuttgart gegen Haftpflicht versichert ist, eine Abfindung von 5000 Mark zahlte und die Kosten in Höhe von 1536 Mk. 90 Psg. übernahm.

Universität und Hochschule.

Ernanntr Der kürzlich zum a.-o. Profeffor ernannte Dr. Eduard Joseph in Straßburg zum a.«o. Profeffor in der philo­sophischen Fakultät der Universität Marburg. Der a -o. Profeffor der Medizin in Greifswald, Dr. Paul Strübing, zum o. Profeffor und Direktor der Poliklinik. Der o. Professor der Augenheilkunde an der Universität Innsbruck Dr. Friedrich Dimmer zum o. Profeffor diese- Faches an der Universität Graz und der Pri^atdozent Dr. Ewald Hering zum a-o. Profeffor für allgemeine und experimentale Patho­logie an der deutschen Universität in Prag.

Berufen r Der zeitige Rektor der Universität Halle, Geh. Justizrat Prof. Edgar Loening, nach Göttingen. Zur Freude der dortigen akademischen Welt hat er sich entschlossen, seinem jetzigen Wirkungskreise treu zu bleiben. Der Privatdozent an der Universität Berlin Dr. Kurt Sethe (Egyptiologe) als a.-o. Profeffor an die Uni­versität Göttingen.

Gestorben r Am 4. März im Alter von 66 Jahren der Vize- direktor der Hofbibliothek, Dr. Alfred Göldlin v. Tiefenau, einer der ersten und tüchtigsten Bibliographen der Gegenwart, der beste Kenner der Inkunabeln.

Verschiedene-r Der Dozent der AugenheUkunde an der Krakauer Hochschule Dr. Franz Sroczyinski hat sich erschaffen. Nervenzerrüttung war das Motiv der That. Nach dem Vernehmen derSttaßb. Post" ist die Errichtung der katholischen Fakultät an der Universität Straßburg nunmehr im Grundsatz gesichert. Die Basler Nachr." enthielten dieser Tage eine ähnliche Meldung_________

Arbeiterbewegung.

A Mainz, 12. März. Die Lohnbewegung im Schreiner-und Holzarbeitergewerbe hat hier heute ihr Ende erreicht, ohne daß es zu

einem Ausstand gekommen ist. Die in der verstossenen Woche geführten Vergleichsverhandlungen haben zu einem Verständnis geführt, welches am Samslagabend durch die Meiller- und Fabrikantenverbände und gestern durch die Gesellen- und Fachvereinigungen die gegenseitige An­erkennung gefunden hat. Die Hauptpunkte der Verembarung sind, daß die Arbeitszeit auf effektiv 9 Stunden festgesetzt, der Stundenlobu um 10 Prozent erhöht und die sogenannte Kaution auf 15 Mk. noimiert wurde. Die Kaution wird in wöchentlichen Raten ä Mk. 1 in Abzug gebracht und wird mit Mk. 1 pro Jahr verzinst und darf nur bei Kontraktbruch in Abzug gebracht werden. Bei Akkordarbeit muß der sogenannte Abschlag bis zur Beendigung des Akkords weiter bezahlt werden.

Berlin, 12. März. Der Ausstand der Tapezierer und Dekorateure Berlins ist heute ausgebrochen. Die Arbeitnehmer fordern eine 20 prozentige Akkordlohnerhöhung und Einführung des Minimalstundenlohnes von 60 Pfg. Die Gesamtzahl der in Berlin thätigen Tapezierer beträgt über 2500. Bisher haben 63 Firmen an 360 Arbeiter die Forderungen anerkannt.

Telegramme des »Gießener Anzeiger".

Carmaur, 13. März. Bei den Straßenkundgebungen zwischen ausständlschen Arbeitern und Arbeitswilligen sind 8 Personen lebensgefährlich verletzt worden. Eine strenge Untersuchung ist eingeleitet.

Tür die Buren sind bet der unterzeichnelen Ortsgruppe weiter etngegangen r Von der 3. Klasse der Gewerbeschule zu Gießen 6,50 Mk.; von den Abiturienten des Gymnasiums 10 Mk; an Gaben aus Beuern 50,25 Mk. Zusammen: 66,75 Mk. Dieser Bettag ist unterm heutigen nach Abzug von 20 Pfg. Porto nach Berlin abgegangen. (Im ganzen demnach 1780,68 Mk.)

Gießen, den 12. März 1900.

Die Ortsgruppe Gießen des Alldeutschen BerbandeS.

Wetterbericht. Außer der umfangreichen und tiefen Depression im Norden Europas bedeckt noch relativ niederer Druck den Südwesten des Erdteils und das west- ilche Mittelmeerbecken. Das Zentrum desselben liegt über Frankreich und verursack)t Trübung mit Niederschlägen. Ueber den kontinentalen Lagen besteht niederer Druck fort und gleichzeitig ist über den britischen Inseln das Baro­meter gestiegen, sodaß außer dem Kern über den unteren Donauländern ein solcher über Irland vorhanden ist. In Zentral-Europa ist das Wetter noch meist heiter geblieben, indes hat sich in Südwest--Deutschland bereits Trübung eingestellt und auch auf unserem Gebiete nimmt unter Tags die Bewölkung zu. Voraussichtliche Witterung: Zunächst von Westen her zunehmende Trübung, dann etwas kühleres Wetter mit stellenweisen Niederschlägen.

NowKcOH u* chron. Kranken z. Notiz, dass m. Kuren gegen H vl V Uüvll Herzerreg., Magenverstimmung, Angst, Zwangs- gedanken, Schwächezust. etc. auch d. Saison in Auerbach, Hessen stattfinden. Spezifisch wirksam bei ver­alteter Darmträgheit. Prospekte über Eigenart und Erfolge frei. 1929 Dr. Borcherdt.

Gemeinnützige Industrie. Als vor einigen Jahren die Presse ihren Lesern von einem neuen Genußmittel, der Maggi'schen Suppen- und Speisen-Würze berichtete, wer ahnte damals, daß sich diese Maggi­würze so rasch die Sympathie unserer Hausfrauenwelt erobern würde I Die Maggi-Gesellschaft ist aber bei dieser Spezialität snicht stehen ge« blieben. In dem Bestreben, auf dem Gebiete der Volksernährung be­sonderes zu leisten, bringt sie nun unter ihrer SchutzmarkeKreuzstern" drei weitere ebenso billige wie wohlschmeckende und gesunde Artikel in

den Handel. Da find zunächst Maggi's Bouillon Kapseln, die nur mit Wasser zur sofortigen Herstellung einer kräftigen Bouillon ober Kraft brühe dienen. Jede Kaps-l enthält zwei Portionen konzentrierten Aus­zug von bestem mit Gemüse gekochtem Fleisch nebst dem nötigen Koch­salz und kostet für Fleischbrühe 12 Pfg und 16 Pfg. für Kraftbrühe. Die letztere ist besonders Kranken und Genesenden zu empfehlen. Als zweite Neuheit finden wir Maggi's Gemüse und Krafts^ppen in Würfeln : Jedermann kann sich in wenigen Minuten für 10 Pfg zwei Teller vor­züglicher Suppe einfach mit Wasser Herstellen. Durch 25 verschiedene Sorten ist auch dem Wunsche nach Abwechslung Rechnung getragen. Mit ihrer dritten Neuheit Maggi's lösl. Frühstücks-Suppen in Würfeln, bietet die Maggi'Gesellschaft der Hausfrau wie dem Junggesellen dir Möglichkeit, zu dem billigen Preise von 5 Pfg. ein ausgezeichnetes besonders nahrhaftes Kakao Frühstück zu bereiten. Was aber die sämt­lichen Maggi-Produkte am meisten auszeichnet, ist neben der vorzüglichen Qualität und dem billigen Preis deren rasche praktische Verwendungs­weise. So entsprechen dieselben recht eigentlich dem heutigen Zeitgeist, deshalb gehört ihnen auch die Zukunft!

Ärmste MeWungeP

Devescken des Bureau .Herold'

Berlin, 13. März. Die Kompromiß-Vor­schläge zur dritten Lesung derLexHeinze sind gestern abend dem Reichstage zugegangen. Sie befürworten im Gegensatz zur zweiten Lesung die Beibehaltung des Schutz­alters von 16 Jahren für unbescholtene Mädchen, die Be­seitigung des Arbeitgeber-Paragraphen, die Milderung des Theater-Paragraphen und die Beibehaltung des Kunst- Paragraphen. Staatssekretär Nieberding hat sich dem Ver­nehmen nach mit diesen Vorschlägen einverstanden erklärt.

Antwerpen, 13. März. Das Gerücht, es seien vier Pest fälle im hiesigen Hafen festgestellt worden, wird von zuständiger Seite als erfunden bezeichnet.

Paris, 13. März. Die Beschleunigung der Ver­handlungen über die Verteidigung von Mada­gaskar und die in Aussicht genommene Absendung von Truppen-Derstärkungen nach Suarez ruft in Handels, und Börsenkreisen große Besorgnis hervor. Man sieht darin eine Antwort der Regierung auf dieDrohungen Chamberlains.

Lex Heinze

Frankfurt a. M., 13. März. Gestern abend fand im Taunus-Saal eine vom Frankfurter demokra­tischen Verein einberufene Protest-Versamm­lung giegen die Lex Heinze statt. Der Saal war schon vor Beginn überfüllt. Rechtsanwalt Dr. Ludwig Bruck bekämpfte die Vorlage vom rechtlichen Standpunkte aus in scharfer Weise. Professor Mannfeld vom Städcll- schen Kunstinstitut bekämpfte die Vorlage vom Standpunkte der bildenden Kunst. Für die Bühnenkunst sprach sodann Regisseur Quinke. Es wurde sodann folgende Reso­lution angenommen: Die versammelten Künstler und Angehörige anderer Berufsstände bitten den hohen Reichs­tag, den §§ 184a und 184b der sogenannten Lex Heinze die Zustimmung unbedingt zu versagen, weil diese Para­graphen eine ernste Gefahr für die deutsche Kunst und die geistigen Interessen der Nation bedeuten.

Bekanntmachung.

Nach den stattgehabtrn Feststellungen haben Unregelmäßigkeiten, welche sich bet der Abfuhr des Kehrichts ergeben und Anlaß zu Beschwerden aegeben haben, meist in dem verspäteten Ausstellen der Kehrichtgefäße seitens der Hausbewohner ihren Grund.

Soll diese Abfuhr durch die.städtischen Fuhrleute pünktlich erfolgen, so ist e» unbedingt nötig, daß seitens der Hausbewohner die Kehricht- gefäße an den Abfuhrtagen (Dienstag, Donnerstag und Samstag) recht­zeitig, d. h. vor der im allgemeinen regelmäßig wiedei kehrenden Z4t der Kehrichtabholung und nicht erst, nachdem die Kehrichtwa.>.en die b\tr. Stellen passiert baden, an die Thüre der Hauses oder des Hosts zurächst der Straße gestellt w rden. Wir bringen dies hiermit zwecks Sicherstellung einer geregelten Abfuhr wiederholt zur Kenntnis der Beteiligten.

Gießen, den 8. März 1900.

Großherzogliche Bürgermeisterei Meßen.

1959 Gnauth.

Achtung!

Dienstag deu 20. d. Mts., 2 Uhr, läßt die Unterzeichnkte in Mücke öffentlich meistbietend versteigern:

4 Pferde uebft Geschirr, mehrere Wage», ein Halb« verdeck und verschiedeue Fuhrgeräte. 1935

Köerhesfische Kolzindustrie Mücke.

& UUMMWE

KSnizl. GberWerei Krofdorf A. Brenuholz-Berkäuse.

1. Montag den 19. März ds. As., vormittags 10 Uhr, im Weis- brod'schen Saale zu Salzböden. Schutzv. Safiööden, Distr. Hohen schied 62 a . Hichen: 1 rm Knüpp l, 25 rm Reiser; Altchen: 4 rm Knüppel, 475 rm Reiser; Kiefern: ! rm Knüppel. Distrikt Hirsch­sprung 68: Hichen: 5 rm Scheie und Knüppel; Buchen: 91 rm Scheite und Knüppel, 964 rm Reiser. Distr. Hasengarten 81 VI: Kichern 125 rm Reiser; Buchen: 1140 rm Reiser.

2. Donnerstag den 22. März d. I., vormittags 9 Uhr, im Fceund- scheu Saale zu Krofdorf. Schutzö. Krofdorf, Distr. Jungferannenwald 5 und 6: Auchen: 1000 rm Reiser.

B. Lohe Verkauf.

Ireitag den 6. April d. As., vormittags 9 Uhr, im Hotel Kalt wasser zu Wetzlar. Schutzö. Salz­böden, Schlag VI Hasengarlen 81 : ca. 300 Etr. Lohe. Schutzö. Stoppet- verg Schlag IV 85, I 89, XII 90: ca. 200 Ctr. Lohe. 1937

Hohversteigerung.

Nächsten Donnerstag, den 15. d. M., von vormittags 9 Uh: on, sollen in den Großen-Dustcker Gemeindewaldungen, Distrikten Re.tz- berg und Dörfelsberg, versteigen werdm:

35 Eichenstämme bis zu 47 cm Durchmesser mit 15 87 fm

4 BuLi-nftämme brS zu 45 cm Durchmesser mit 2,68 fm,

77 Nadelstämme bis zu 40 cm Durchmesser mit 45 fm,

14 Derbstangen mit 1 fm, 143 rm Buchen- und Eichen Scheck 16 i M Buchen- u. ElchewKnüpp l, 1 > 5 Buchen-, Nadel- und

Erchen-Stock,

9225 Buchen-, E.chew und Nadel-

Well.'n.

Der Anfang ist am Reitzberg.

Groß^n-Buseck, am 12.-z 1900. Gr. Bürgermeisterei Großen - Buscck __________Meyer.______1945

Holzverkauf.

Freitag deu 16. März ds.

Js., von morgens 9 Uhr an, soll in bim Hachborner Jnteressentenwald, Schlag Roternark, Kinzbach, Alten- dege, nachstehendes Holz versteigert werden:

82 Eichenfiämrne von 5 bis 10 m Länge und 20 bis 67 cm Durchmesser,

970 Fichtenstangcn 1. bis 5. Kl.

Der Anfang beginnt an den Eichen im Rotemark, oberhalb der Straßmühl«

Hachborn, am 10. März 1900. Der Waldvorstand.

____________Preiß._______1927

Millar-Versteigere.

Donnerstag de« 15. März, nachmittags 2 Uhr, versteigere ein getretener Berhältoiffe halber im Breke> 'schen Saale, Neustadt 55 dahier, eine vollständige, neue Wohnungseinrichtung, darunter 2 vollst. Betten, 2 Kameel- tascheu-Divaus mit 2 Sesseln, 1 Bertikow, 1 Kleiberschrank, 1 Spiegel mit Truweanx, 1 Stegtisch, und alle dazu ge­hörigen Model und Haushaltungs gegenstände. Die Möbel für das bessere, sowie Schlafzimmer find poliert, die für das Wohn­zimmer lädiert, und können die Sachen Donnerstagvormittag von 10 bis 12 Uhr angesthen werden. 1952 I. A.: Schneider.

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